Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1926-06-03 · Heft 2613 (3.6.1926) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2613 (3.6.1926)
Date
1926-06-03
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2981549-2981700--26676-3014463
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

tttat, Dvn«erMy OSMene« MorsenzeiiAN« M. SW Serlchtslaal. m kkttStzsrWkr »SpPttjMrmNst'. Gestern hatte sich dvt einem Schöffensenat unter Borsitz des Hofrates Doktor Bilek der 4liährioc Herausgeber des Sportblattes „Sport- Radw", Otto Dopita, wegen Betruges und leichter Körper- Verletzung zu verantworte«. Gr soll, wie es in der Anklageschrift heißt, durch Mißbrauch der Namen des Redakteurs des „Abend" Alexander Stern und des Redaktems der „Kromnzeitnng" Zwölf Glatz von der Intendanz der RotLschildt ch e n Güter und vom Generalsekretär des Wiener Trabrennvereines Gewbeträge bis zu 400 S. verlangt haben unter der Zusicherung, daß die in Vorbereitung stcheiwen Artikel im „Abend" und in der „Kronetizeitimg^ gegen dm Trabrennverein nnd gegen die Rothschildschen Güter durch seine Intervention mcht erscheinen werden. Die Anklage wegen leichter Körperverletzung gründet sich darauf, daß Dopita anläßlich einer Streitveryanvlung dem Vertreter der Firma Goldschaw Schläge ins Gesicht verletzt und ihn gewürgt hat. Dopita mußte in der Untersuchung zugeben, daß er die Unterschriften der beiden Redakteure gefälscht und von ihnen lernen Auftrag hatte, Geldbeträge zu beheben. Ja seiner Ber- :,voryjcyrw, oag er oas Gew veyalten könne. I« übrigen habe sein Schwiegervater den Schaden ersetzt. Der Angeklagte beliauptete im Verlaufe des Verhöres, daß die Rennvereine und einzelne Rennstalle an gewisse Sportsournalisteu regelmäßig Subventionen erteilen. Da der Zeuge Wotak zur Verhandlung nicht erschienen war, mußte diese vertaqt werden. . Mizzi Lederer zu 15 Jahren Zuchthaus begnadigt. Die Komglrche Tafel hat das vom Gerichtshof über Frau Lederer verhängte Todesurteil abgrändert und die Angeklagte wegen Betruges und Beterligrmg am Mord z-u Io Jahren Zuchthaus verurteilt. Bolk-wirt. Die BUre der Brunner MaWnachüMattieu. Keine Strafuntersuchung gegen Präsidenten Rotier. — Die Frage des Garantiesyndikats für die Brünner Anleihe. Die Korrespondenz Wilhelm dementiert nach amtlichen Mitteilungen die Nachricht, daß bei der Wirischaflspolizei gegen den Generaldirektor der Länderibarck, Markus Rotier, wegen der Vorgänge bei der Brunner Maischinenfcrbriks- A.-G. eine Strastln-tevsuchung anhängig sei. Me verlautet, schwebt bei der Wirtschaftspolizei tatsächlich rmr -ein Verfahren gegen die Brünner Maschinenfabrik. Bekanntlich ist vor einiger Zeit von tschecho-slowakischen Aktionären bei der Brünner Staatsanwaltschaft eine Anzeige wegen der Vorgänge bei der Brünner Marfchinen-A.-G. eingelaufen. Im Verlaufe der auf Grund dieser Anzeige angestellten Untersuchung mußte auch die Wiener Wirtschaftspolizei angegangen werden, uni die Vorgänge auf dem Wiener Platze mitzureilen. Es handelt sich um eine R e ch t s h r If e a k j -j o n für die tschecho-slcwakischen Behörden. Wie aus Brünn gemeldet wird, erstreckt sich die Untersuchung auf die Vorgänge in der Buchhaltung. Damit hängt auch der Selbstmord des früheren leitenden Buchhalters der Brünner Maschincn-A.-G. zusammen. In Brünner Jndustrickrei-sen wird erklärt, daß die Buchhaltung nicht unbeeinflußt gearbeitet habe und daß hier auch andere Faktoren für Fehlbuchungen zur Verantwortung gezogen, werden müssen. Schon seit zwei Jahren ist es bekannt, daß solche Fchlbuchungen borgenonrmen wurden. Es ist nun Aufgabe der Untersuchung, festzustellen, wer diese Fehlbuchungen veranlaßt habe.! Die Verhandlungen wegen Schaffung eines GarmrüesyMkats für die vom Bankhaus Lißmanu ausgegebenen Dollarobligationen sind noch nicht beendet. Trotzdem der Vizepräsident Roller gerade wegen der zögernden Haltung der 3. Funi 1926 rWinMlLs4 t Sie hohen nach, nicht die aitbenmhnte Suaffeenjuaze Äecht Franck | ignsucht? Sinnn ist ms abenJtöchße j Seit / Sienaeine JtaJfeege/chjnajch., cueanofie JhisgiebigJuut wenden. Sie. b&ßimmt JbjstfjpjLftjdUjCfjB&tm t. | 2Us JttufiZäendA JEugahje. sst* JfehalcL-JGwte r knflMm.,üttalz> -xxler-JßaJinsuthjafjfee. &anz~s ij hätibrtdAAS **+*/**»*% . | * 1 Pariser Zentrale in dieser Frage seine Demission gegeben hat, ist es doch nicht unwahrscheinlich, daß die Pariser Zentrale dennoch einer Botelligung an einem solchen Interventionssyndikat nicht abgeneigt ist. Es handelt sich darum, daß auch die anderen, der Brünner Maschinen-A.-G. n<chestchenden Banken sich an einem solchen Syndikat beteiligen. Die Niederösterreichische Eskomptegesellschaft, welche bekanntlich die Vermittlerrolle bei der Begebung dieses Kredits gespielt hat, soll mit einem größeren Beitrag diesem JnterventiouSsYndikat beitreten. Las Strasverfahren gegen die «llgeMlne gavnstriebank. Bor einem Jahre wurde im Auftrag - der Staatsawvattschaft vom Gerüchte eine Untersuchung wegetf des Zusammenbruches der Allgemeinen Jndustriebank angeordnet. Diese Untersuchung nimmt einen sehr langsamen Verlaus, da die Materie sehr umfangreich ist und auch einzelne Gegenstände so verwickelt find, daß sie ein gründliches Studium benötigen. Die Untersuchung sieht aber vor dem Abschluß. Die Staatsanwaltschaft wird sich tvrhvscheinlich erst im Herbst mit der Frage beschäftigen, ob die Anklage gegen die Funktionäre der Allgemeinen Jndustriebank erhoben werden soll. Mittlerweile sind eine Reihe vsn Klagen gegen die Jndustriebank eingebracht werden. Es handelt sich in erster Reihe um Schadenersatzprozesse. So kam erst vor kurzem auch eine Klage einer Frau gegen die Brüder Kola zur Verhandlung. Die Klägerin verlangte Schadenersatz fiir stetig Industrie bankaktien, die sie bei der Bank deponiert hatte. In der Klage werden die Brüder Kola für die Mißstände in der Bank und für den Zusammenbruch derselben verantwortlich gemacht, da sie in der Verwaltung der Bank gesessen seien. Die Brüder Kola hätten, trotzdem sie ihre Aktienpakete nicht bezahlt haben, dennoch große Syndikatsgewinne verrechnet und umfangreiche Spekulationen unternommen. Auf Veranlassung der Brüder Kola habe auch die Jndustriebank große Kredite an die ihnen nahestehenden Konzernindustrien gewährt, die den Zusammenbruch beschleunigt hätten. Die Brüder Kola wehrten sich gegen diese Schadencrfatzanitritche mit der Erklärung, daß die Verwaltung einer Bank nicht schadenersatzpflichtig sei. Die Verhandlung wurde schließlich vertagt, weil vorher der Ausgang des Strafverfahrens abgewartet werden nutß. Lächerliche Zwergtresfer. Im gestrigen Wiener Amtsblatt werden die letzten Treffer der Oesterreichischen Roten-Kreuzlose veröffentlicht. Der Haupttreffer beträgt nach Abzug der Gebühren 7 Schilling. Einige andere Treffer bewegen sich in der Höhe von 3 Schilling bis 4 Groschen. Der Großteil der Treffer beträgt aber nicht mehr als 30 Papierkronen. Da heute die Papierkronen nicht mchr kursieren, sind tatsächlich alle diese Treffer von 30 Papierkronen nicht mehr auszahlbar. Es muß lächerlich anmuten, bafi piche Zwergtreffer überhaupt zur Notifizierung gelangen. Die ftonfoNMetung der Wirtschaft in Polen. Polen zahlt sein« amerikanischen Schuld««. — Gebesserter Status der Bauk Polski. — Die Zlotyschwauknngen. — Ge. schästslose Börsen. — Wachsend« Teuerung. (Bon unserem Warschauer t.-Korrespondenten.) Warschau, 31. Mai. .^eute wird hier die Wahl des Präsidenten der Republik vorgenommen, die den letzten Strich unter die Ereignisse des Umsturzes ziehen soll. Hoffentlich wird das auch ein neuer Anfang in der wirtschaftlichen Konsolidierung des geplagten Landes sein. Einen sehr guten Eindruck auf die hiesige Börse machte das Jrckerview des Leiters des Finanzministeriums, Herrn Czechowiez, das er Vertretern der Presse erteilte. Auf die zweite Hälfte des Monates Mai fiel nämlich außer anderen Staatsausgabeu auch der Zahlungstermin der ersten Amortisationsrate der Dillon-Anleih e, die dreieinhalb Millionen Dollar beträgt. Diese Sirmme wurde schon zehn Tage vor dem Termin über Auftrag des Finairzministeriums von der Bank Polski bezahlt, denn die Bedingungen, die Dillon für eine Prolongierung gestellt hat, konnten nicht akzeptiert werden. Der Finanzminister versicherte, daß er über genügende Mittel zur Bestreitung des Staatshaushaltes verfügt. Diese Erklärungen haben auf die Börse beruhigend gewirkt. Ueber die endgültige San-ierung der wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse des Staates wird man aber erst nach einer Aufnahme einer Anleihe sprechen können. Der Finanzminister tritt persönlich für eine. Ausländsanleihe ein, er glaubt aber, daß man bis zur endgültigen Klärung der politischen Verhältnisse darüber nicht ernstlich verhandeln kann. Die Bilanz der Bank Polski für die zweite Maidekade zeigt keine nennenswerten Veränderungen, obwohl eine Verringerung des Getreideexportes eingetreten ist, denn die Preise sind im Lande gestiegen und haben der Konkurrenz auf den Auslandsmärkten nicht standhalten können. Der Goldvorrat erhöhte sich um 34.000 Zloty und beträgt 134,31 Millionen Zloty, der Vorrat an Valuten und Devisen um 650.000 Zloty und auch das Wechselportefeuille hat eine Erhöhung von 1278 Millionen erfahren und beträgt jetzt 300,413 Millionen Zloty. Der 'Banknotenumlauf beträgt 379,475 Millionen Zloty. Der Zlotykurs konnte in dieser Woche sowohl äwf den inländischen als auch ausländischen Börsen fast auf demselben Niveau wie in der Vorwoche.gehalten werden. Dsc Dollarkurs schwankte im Privatmusatz zwischen 11.50 mrd 11.60. An der Warschauer Börse notierte der Dollar 11.— bis 11.10 und diesen Kurs zahlte auch die Bank Polski. Der einzige Verkäufer an der Warschauer Börse war die Bank Polski, die täglich nur geringe Quoten fremder Valuten abzugeben hatte, Summen, die nicht einmal 50.000 Dollar erreichen. An der Lemberger Geldbörse haben' die Kurse der Valuten und Devisen fast dieselbe Höhe wie auf der Warschauer Börse. Die Effektenbörse zeigte weiter eine sehr schlvache Tendenz und die Kurse haben fast keine Aenderung erfahren. Copyright 1926 Nachdruck verboten oy Joseph Opatovsky, New York (32. Fortsetzung) Normn eines Pferdediebes. Bon I. Opatoschu. Schlojme sah Mojsche in seinem Heim; er schlief gerade m seinem geschnitzten „Wiener" Bett: „3)er lange Bart fällt brUt auf die fette Brust, der Wanst hebt und senkt sich behaglich; er träumt wohl gerade, daß er in den Gemein-derat der Stadt gewählt wird. Und ich, Schlojme, der alte, magere Schlojme, sitze jetzt nach Mitternacht und gehe daran, ein Paar Pferde zu stehlen;, vom Erlös bekomme ich die eine Hälfte und Mojsche die andere. Und am Ende werde ich noch erwischt . . .!?" Schlojme seufzte schwer und sah auf die Uhr: .,9to, 's ist Zeit, hinauszukriechen!" ,Ex zog eine lvarme Wolljacke an und schloß sie mit einem grünen Gürtel, in den ° er ein Paar wollene Einfingechandschuhe steckte; dann klappte er die langen Stiefelschäfte empor, schraubte die Lampe zurück und ging. Bor der Stadt, nahe dem Wäldchen, nahm Schlojme Kradnik den Sack von den Schultern uvd blieb stehen. Er streckte seinen langen, dürren Hals vor, spähte mit den gratien Augen nach allen Seiten und lauschte wie ein hungriger Wolf in der Nacht. Dann steckte er zwei Finger in den Mund und ein gellender Pfiff durchriß die Stille. Ein gleicher Pfiff antwortete aus dem Wäldchen. „Ein Prachtkerl, der Junge!" ging es Schlojme ftoh durch den Sinn. „Wäre er nur kein solcher Wildling und ließe er sich vom Vater eiwas sagen, ja, dann wäre ich versorgt siir meine alten Tage! Aber so ein Bursche geht her und frisch, gesund >md närrisch, verliebt er sich in Graduls Witwe! Man sagt fteilich — ein Weibsbild, wert, sie anzuschauen . . . und er ist ein gesunder Kerl, hat Augen im Kopf und der böse Trieb regt sich . . . Abeic das verstehe einer! So ein Riesenjunge verliebt sich in ein so kleines schwarzes Frqnenzimmer! Sie hat noch gar nicht den Freibriefs) von Graduls Bruder und „hängt" schon mit Sanwel mit einem Baickert. Und das Gerede in der Stadt! Ein halbes Jahr ttaue ich mich nicht ins Beth-Hamidrasch; ich möchte vor Schande, in den Boden sinken!" Sanwel erschien am Waldesrande und rief: „Komm', Vater, es wird spät!" Schlojme faßte >deu Sack und ging mit langen Schritten auf den Sohn zu. - ,Mas ist mit den Pferden?" fragte er. „Was soll denn sein?' Sie schlafen im Stall." Schlojnie und Sanwel stapften schweigend hastig durch den Schnee wie zwei Wölfe, die vor einem Tiger aus dem' Walde ins Freie fliehen. Der Alle griff ein Mal ums andere in die Brufttasche, ob der Revolver noch dort sei, und murmelte vor sich hin: „Hinunel, Schimmel, Falbe, Brauner, Mojsche „Koniarz"**) ist ein Gauner!" Jede Weile faßte er Sanwel am Arm: ,^Bleib' stehen, es kommt wer!" Sanwel blieb stehen, öffnete weit die Augen, lauste, sah sich um. Nichts: Er lächelte in sich hinein: „Der Alte ist schon abgenützt!" und ging weiter. Schlojme spürte die Kqlte durch seine allen'Knochen dringen und dachte daran, daß Tirza jetzt unter seinem warmen Federbett lag und fchnarcht. ' *) Nach jüdischem Eherecht kann eine Witwe erst dann reiraten, weim ein überlebender lediger Bruder ihres verstorrenen Gatten der Pflicht, sie zu ehelichen, etttbnuden ist. Pferdehändler (polnisch), „Ein Hundeleben! KöMe Zell, den schönen Berus aufzugeben!" Ein Hund heulle. „Oh, die Hunde!" rief Schlojme.;,Wenn sie doch alle krepieren wollten! Wozrr hat Gott sie erschaffen?!" Hinter dem Hügel tauchten ein paar zerstreute Häuser auf. Alles war still. SaMvel nahm den Sack mtt den Schuhen und ging ins Dorf. Ein schtvarzer zottiger Hund sprang ihm bellend entgegen. Sanwel wich zurück, der Hund ihm nach. Da nxirf er sich jäh auf den Hund, päcke ihn mit seinen beiden Riesenhäuden am Genick und begann ihn zu würgen. Der Hund zuckte ein Parmal, verdrehte die Augen, streckte eine lange, schmale, rote Zunge heraus und hing leblos in 'Sanwels Händen. Sattwel ftarrd auf, betrachtete den starr atlsgestreckten Hundeleschnam mit der roten Zunge und spuckte durch die Zähne. Er sah sich um: der Alle war verschwunden. Beim Hügel stand Schlojme; seine' Zähne,'chlugen vo». AMt. Er hatte nicht mitansehen können, wie 'Sanivel den Hund erwürgte, und war zum Hügel gelaufen. Sanwel faßte den Sack und hob mit zigeunerhaft behenden Bewegungen leise die Stalltür aus den Angeln. Warmer Dampf schlug' ihm entgegen. Er zog e:ue Flasche Branntwein hervor, betuchte die Pferde, zog ihnen die Schuhe an und führte sie Xeffc aus dem Stalle. , Boinl Hügel angelangt, legte ex die Schuhe wieder in den Sack, der an Schnüren über seiner Schulter hing, Er und der Vater schwangen sich auf die Pferde und galoppierten in die weiße Nacht. * , E n be.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.