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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-28 · Heft 2607 (28.5.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2607 (28.5.1926)
Date
1926-05-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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«»» - Wkn, F«?dz mimt Wschmig. Ae Kvtzeer der assinlilgtorischen „Uion" fälschen einen Brief des K-Wors Kiegmnnd Freud in a-iizisyrstifchem Sinne. ZN -e« letzten „Mitteilungen der Union deutschösterreichischer Juden" findet sich ein Bericht über eine Delegiertenversarnmßung des Vereines vom 17. in dem es wör 1 li ch heißt; „Präsident Dr. O r n st e i n nahm die in bezug auf die Propagandamöglichkeiten gemachten Vorschläge mit bestem Dank zur Kenntnis. Bezüglich der innerjüdischen Situation erwähnte der Präsident die Schwierigkeiten eines Zusammenarbeitens mit den Jüdischnationalen, Besonderen Beifall löste die Erwähnung eines Schreibens aus, das Professor Siegmund Freud an die B'nai-B'rith-Logen gerichtet hat und in dem es unter anderem heißt: ch bin stets ei« treuer Jude gewesen, aber nie ein nationaler. Denn der Nationalismus schädigt das J-udentum, deshalb will ich kein nationaler Jude sei n."" Wir sind genötigt, die beifallspendenden Mitglieder der „Union" einer Illusion zu berauben und sie dahin aufzukläreu, daß man sie grob beschwindelt hat. Nach Durchsicht des uns vorliegenden Wortlautes der Briefe des Professors Freud an die B'nai-B'rith-Logen stellen wir fest, daß das vorstehende Zitat , in diesen Briefen nicht voüornmt, daß also hier ein politischer Betrug frivolster ßlrt vorliegt, daß mit dem Namen eines gefeierten Gelehrten skrupellos Mißbrauch getrieben wird. Tatsächlich finden sich in den erwähnten Briefen des Profesiors Freud folgende Sätze, die auf seine Stellung zum nationalen Problem Bezug haben: „Unser Orden rnht auf nationaler Grundlage und verfolgt hauptsächlich ethische Ziele," (Brief an die Loge Prag.) . , . „So wurde ich also einer der Ihrigen, nahm Anteil an Ihren Humanitären und nationalen Interessen," (Brief an die Loge in Wien,) An einer Stell? findet sich ein Satz, der po.m Mtionalisrnus handelt, sich aber auf d a s i n Chauvinismus und Brutalität ausgeartete nationalistische „Hochgefühl" anderer Völker bezieht und darstellt^ wi Professor Freud bei seinem Eintritt in die B'nai-B'rith-Loge, also vor 31 Jahren, gedacht hat. Er lautet: „Was mich ans Judentum band, war — ich bin schuldig, gß zu bekennen — nicht der Glaube, auch nicht dex nationale Stolz, teit« ich war immer ein Ungläubiger, hin ohne Religion erzogen worden. Ein nationales Hochgefühl habe ich, wenn ich dazu neigte, zu unterdrücken mit Mt, iH unheilvoll und ungerecht, erschreckt hurch..die wa%nenden Beispi-le der Völker, unter denen wir Juden wohnen." ' Wie Professor Siegmund Freud zur, jüdischen Ration, zum jüdischen Volksheim, .welches die .Herren von der. „Union". grundsätzlich verleugnen, steht, geht übrigens aus einem Interview hexvor, welches er hem Vertreter der Jüdischen Preßzentrale jn Zürich gewährte und das vor kurzem in den Mischen Blättern veröffentlicht wurde. Dort sagt Professor Freud: „Ich kann sagen, daß ich der jüdischen Religion so ferne stchß wie allen anderen Religionen, das heißt, sie sind mir als Gegenstand wissenschaftlichen Interesses hoch bedeutend, gefühlsmäßig bin ich an ihnen nicht beteiligt. Dagegen habe ich immer ein starkes Gefühl von Zusammen gehörigkei mit meinem Volke gehabt und es auch bei meinen Kindern genährt." Professor Freud steht also meilenweit von den Assimilationsjuden der „Union", die das Judentum zur bloßen Konfession stempeln, den Bestand einer jüdischen Nation leugnen und sich selbst nach Bedarf zur deutschen, magyarischen und jeder anderen Nation zugehörig erklären, nur nicht zur Mischen. Professor Freud lehnt das jüdische Glaubensbekenntnis ab, bekennt sich aber ausdrücklich als Angehöriger des jüdischen Volkes, i st also national bewußter Jude. Um zwüchen sich u«h diesem Manne eine Gesinnnngsverwanötschast ykMstellen, blieb den Herren von der „Union" wirllich nichts anderes ühxig, als seine Briefe gründlich zu „korrigieren". Aus dieser Darstellung kann man ermessen, ZN Welchen Mitteln die Führer der Assimilationsjuden greisen, wenn es den Kamps gegen die nationale Erhebung des jüdischen Volkes gilt. Wo Argumente fehlen, setzt der politische Betrug ein, der vor Brieffälschung nicht zuxückschreckt. Männer, welche sich im bürgerlichen Leben gewiß streng in den Grenzen der Ehrenhaftigkeit halten, nehmen politische Fälschungen gerne in den Kauf, wenn nur Aussicht vorhanden ist, dem Zionismus zu schaden. Den Verleumdungen, welche die „Union"-Leute anläßlich der Wahlkämpfe in Graz und Linz in geheimen Versammlungen gegen die Zionisten ausgestreut haben, reiht sich d-te Brieffälschung würdig an. Wie uns mitgeteilt wurde, ist Professox Siegmund Freud, der in der PerwaltlM unseres hohen nationalen Instituts, der Universität in Jerusalem-, ßiste Ehrrustelle bekleidet, über den Mißbrauch seines Namens im Dampfe gegen den Zionismus tief empört. Wir glauben, daß mit ihm alle avständiM JMn, w-lcher Partei st« cmch angehören mögen, für ditzsßs VaWhm d-r Führer der „Umoy" nur ehrliche Entrüstung übrig haben werden. Wiener Morgrngettims .■■«inii ui..,.,■.11111.«,. «ft1 )M»i;,hi. Große Kunvgebüase» in Prag gegen den Aarzismur. (Sigendieuft der „Wiener Morgenzeitung".) Prag, 27. Mai. Heute abeiws fand auf der Sophieninfel eine Demonstrationsversammlung der sschechischen Legionäre gegen den Farzismus statt, die teilweise unter großem Tumult verlief. Nach einer Rede des BoMandeder Legionärgemeinde, Patejpl, der sich gegen den Faszismus und fgr Pie Anhänglichkeit der tschechischen Legionäre an Masaryk und Benesch anssprach, erklärte Senatspräsident Klofac in einer Rede, daß der Faszismus in der Tschechoslowakei ein Anarchismus ungebildeter und brutaler Eelemente sei. Er frage, wer eigentlich die faszistische Firma decke? Ob der Erzbischof Kordne oder die Nationaldemokraten? Vorfälle wie das Eindringen in das deutsche Kasino können nicht scharf genug verurteilt werden. Während der Ausführungen de» Senatspräsidenten Klofac kam es zu einem Tumult. Der kommunistische Abgeordnete Mikulicek machte während der Rede Klofac' Zwischenrufe und abfällige Bemerkungen. Die Menge versuchte daraufhin, den Abgeordneten aus dem Saale zu drängen. Mehrer« einflußreiche Politiker führten den kommunistischen Abgeordneten aus dem Saal. Abends fanden in der Inneren Stadt große Kundgebungen gegen die Faszi sten statt. Nach de« Budayester Prozeß. Budapest, 27. Mai. Das Urteil im Frankenfälscherprozeß, das gestern dem Gericht blich in drei Exenrplaren Vortag, wird dieser Tage in fünfzig lithographierten Kopien vervielfältigt und sämtlichen Verteidigern der Angeklagte» zugestellt werden. Da die Verteidiger die schriftliche Berufung gegen das Urteil erst acht Tage nach Zustellung des Urteils anmelden müssen, werden die Akten des Frankenfäkschexprozesses nicht vor Mitte Juni an die königliche Tafol gelangen. Die Tafel wich sich zunächst mit der Berufung der Verteidiger des Prinzen Windrschgrätz und Nadossys beschäftigen, m dex hie Fr e i la ssu ng'der beiden Hauptangekagten beantragt wird. Ueber diesen Antrag wich die Tafel noch im Juni Beschluß fassen. Die anderen Berufungen werden erst im Herbst nach den Gerichtsferien zur Verhandlung vor dex Tafel gelangen. Der Vertreter der Bank von Frankreich, Graviere, ist heute mit einer französischen Uebersetzung des Urteils und der Urteilsbegründung im Frankenfässcherprozeß nach Paris abgereist. , »fe BanknotenMcher von Mrrlirzka. Budapest, 27. Mai. Im Prozeß gegen die Banknote n f ä l s ch e r v o n O l a « z l i s zk a vor dem Debrecziner Strafgericht hielt heute der Staatsanwalt Dr. F ö r y die Anklagerede. Nach den PlaidoyerS der Verteidiger teilte der Verhandlungsleiter mit, daß das Urteil morgen vormittags, 1 0 ü h r, verkündet wird. Sie gescheiterte Abrüstungskonferenz. . Lorchon, 37. Mar. Der Führer der englischen AbschsiUNg hei der vorbereitenden Abrüstungskonferenz, Loch Robert C e c i l, ist nach London zurückgekehrt. Wie der amtliche englische Funkdienst meldet, ist nicht zu erwarten,- dgß die AbrüMmMnistrenz vor dem Ende des n tz ch st r* Jahres zvsanimentreten iverde. Kohlenrationleruns in Sngland. Die Dauer der Pergbaukrise unübersehbar. London, 27. Mai. Da noch keine Aussicht auf Beilegung des Pergarheiterstxeiks besteht, hat der Grubenmjyifter einen Erlaß herausgegeben, durch den der Kohlen perbrauch in einer schärferen Weise eingeschränkt wird pls selbst während des Krieges. Jeder Haushalt erhält nur ^Kilogramm K o h l e w ö ch e n t l i ch. Industriebetriebe bedürfen einer besonderen Ermächtigung, auf Grund derer ihnen nicht mehr als 90 Prozent ihres Ro'rmalperhraltches zngebilligt wird. Lichtreklamen werden veckoten, Jede Übertretung dieser Verordnung wird strenge bestraft. Der Schlußtermin für die Kohlensubsidien ist auf nächsten Montag festgesetzt worden. Das Unterhaus wird über die Lage im Kohlenbergbau am kommenden Dienstag berate«. Der Wahlsieg zaghlnl Paschas. Kairo, 27. Mai. Der Oberkommissär hatte mit ftSnig Fuad eine längere BejprechMg über die poltttsche Lage, die sich aus dem W a h l s i e g Z a g h l u l P a s ch a S prgcken hat. _ »er Lübecker PutMürgetmrkster gestsirzt. Lübeck, 8?. Mai, Das Mißtrauensvotum gegen ben Bürgermesstsr Dr. N e um a n u wegen seiner Verbindung mit den jüngsten rrchtSradikaleu PuMplSnen wurde vom Lübecker Stsidtparlament angenommen. Dr. Reumann hielt eine große Rede, in der er sich zn rechtfertigen suchte und behauptete, »atz er nm in rein freundschaftlichem Perkchr mit reu Führern des alldeutschen Verbandest» Ler» lin gestanden habe. Trotzdem wurde das Oißtrauev-v-tum mit z r h n ß t i m m e n M tz h r h e i t s n g e n o m m e», das deyHü ckt»itt Dl- Renman»ß nach sich ziehen wird. T ryytvmH'wn ii.vivn."wr ...»im um ■■ I „Wiener Morgemeitung"; ss.M«it«s »t.se« Fnland. Das mBn die Pnnderaageftkltrne ' Der ZentMMonSWffchuß der Burrdesangestellte« hat gestern dir FsÄemngen der BundeSangchellwn formuliert, die dann um 6 Uhr nachmittags von einer MsrdWNg des FünfuMvapHgerauSschufles, dem Bundeskanzler Doktor Ra me^ dem Präsidenten M iklaD und den polttrschen Parteien des Nationalrates überreicht wurden. Das Forderungsprogvamm enthält unter anderem fügende Pwnkter Schleunigste Aufnahme von Verhandlungen über eine allgemeine Novellierung des GehaltSgesetzeS. Diese hätte sich im wesentlichen auf folgende Fragen zu erßx-cken: Mgemeine Erhöhung der. Gehaltsansätze, Wiedereinführung der 36-, beziehungsweise 30jährigen Dienstzeit und der Mprozenttge» Pensü>nsLemessungSgMndlagL, Prag, matisiemna der Vertragsangeftellten, Nachbesetzung aller im Jahre 1926 freigewordenen und noch freiwerdenden systemisterjxn Dienstposten, Durchführimg der von -ex Pegierung selbst angebötenen Entschuldungsaktion. Bis zum Jnkrafttretsn des novellierte» GehaltSgefttzes die Gewährung von vierteljährige« Zuschüsse« im Ausmaß eines halben Monatsgehaltes an alle Beamte des Dienst- und Ruhestandes und Auszahlung der nächsten fälligen Zahlung bis längstens 30. Juni. ' Der Fünsundztvanz^erauöschuß verlangt auf diese Forderungen eine endgültige Antwort noch vor der Mreise der österreichischen Delegation nach Genf. »er ReUgionsunterrfcht der Koafeffionslofe». Im Nationalrat wirrde gestern die Volksvertreter scheinen keine anderen Sorgen zu haben — wieder einmal eine Kulturkampfdebatte geführt. Die Sozialdemokraten beklagten sich nämlich in einer dringlichen Anfrage darüber, daß auf konfessionslose Kinder in Steiermark ein Zwang zum Besuch des katholischen Religionsunterrichtes ausgeübt wecke. Unter einem brachten sie den jüngsten Erlaß des Unterrichtsministers zur Sprache, durch den ein Erlaß des Wiener Stadtschulrates außer Kraft gesetzt wird, welcher es de» Neligionslehrern verbietet, die Kinder wegen des Schwänzens religiöser Hebungen zu befragen. Der Präsident des Wiener Stadtschulrates Glöckel schlug sehr leidenschaftliche Töne an. Die Konfessionslosigkeit — so meinte er — sei gleichbedeutend mit einem Religionswechsel, und derjenige, dex sich k.onftssionslos erkläre, habe Anspruch auf die Achtung aller Menschen, weil er den Mut habe, nicht etwas zu scheinen, was er nicht ist. Es wecke ein schamloser Zwang auf die Eltern ausgeübt, ihre Kinder den religiösen Uebungen zuzuführen. Der Unterrichtsminister habe' fünf Jahre lang daran vergessen,' daß ihm die oberste Leitung' des Unterrichtswesens obliege und die Aktenmühle schlecht Md recht weitergefühxt. Mnn/der Untexrichtsminister sich ausschließlich auf dqs beschauliche Lehen zurückziehe, so werde der Wiener Stadtschulrat ganz einfach selbständig voxgehe». Bundeskanzler Dr. Rämek bemerkte, daß nach der gegenwärtigen Judikatur für Zwecke des Unterrichtes und unbeschadet des konfessionellen Standes des Kindes von der Behörde bestimmt werden könne, nach . welchem Religionsbekenntnis der gesetzlich vorgeschriebene Religionsunterricht zu erteilen' seii Der Erlaß'des Wiener Stadtschulrates mußte unwirksam gemacht werden, da in mehreren Fällen Religionslchrer wegen der bläßen Fragestellung disziplinär zur Verantwortung gezogen Mucken. Dr. Seipel meinte, , die Apotheose der konfessionslos Werdenden, die Glöckel. versucht habe, sei ein bißchen Pose gewesen. Glöckel besitze im Schulwesen, und zwar gerade im Unterricht -er kleinen Kinder, wenig Ersahmng. In seinem Schlußwort erklärte G l ö ck e s, seine Partei halte das religiöse Empfinden für über aller Diskussion stehend, während für die Ehristlichsozialen die Religio« ein gute- Geschäft sei. Damit war die Sache erledigt. Im Einlauf befanden sich unter anderem folgende Regierungsvorlagen: Eine Gebührengesetznovelle, dys Jugendgerichtgesetz, der zweite Zusatzvertrag zum deussch-österrelchi« schen Wirtschaftsabkommen, ein handelspolitisches ErntächttgungsgM und ein Bericht des Finanznunisters Wer die Kreditübexschreitnngen und neue Ausgaben im Jahre 1926. Aste Wiener Sommeraursieünng. Sine Ausstellung für die Fra«. I» der Zeit vom 87. Juni bis 26. September d. I. wrck auf dem Terrain des ehemaligen Bergnüguugspacker di« Erst« Wiener Sommerausstellung abgehalte« weichen, die insbesondere für die Frauenwelt von großem Interesse sein wird. Die Ausstellung wird die Unterabteilungen Mode und Kosmetik, Gesundheitspflege, .Kiiche, Heim Md Kunstgewerbe enthalten. Dem Interesse der Besucher u«d Aussteller sollen Vorführungen bewährter Gebrauchsgegenstände und sonstiger Behelfe, Vorträge und Veranstaltungen technischer, hygienischer, kunstgewerblicher und anderer Art sowie originelle Modeschauen dienen. Im Garten wecken dem Besucher, ohne daß hjefür von ihm eine besondere Abgabe verlangt würde, verschiedenartige Belustigungen, unter anderem ei« vollständiges Kinoprogramm, geboten wecken. Es ist in Aussicht genommen, an einigen Tagen der Woche überhaupt kein Entree und an den übrigen Tagen nur ein ganz mäßiges Entree, etwa 80 Groschen pro Person, eiMhehe». Geplant ist auch dir Veranstaltung mehrerer grober Feste. . - Dem Arheitskymitee der Ausstellung gehören mehrere angesehen« Wiener Kaufleute, Arlsstellungsfachleute, RechtSanwälte utü» Ingenieure an. Die Verwaltung der Ausstellung hat ihren Sitz in Wien, 1. Bez., Frairz-Josefs-Kai 65, Telephon 17-0-46,

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