Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2606 (27.5.1926)
- Date
- 1926-05-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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HMPII MS miv stahu W»ei junge Juden sind tfi der vorigen Woche der chronischen Judenkrankheit erlegen: der Student Glück und der Student Kahn. Weder der Glück noch der Kahn waren in Wien „biwenständig", und das war eben ihre todbringende Krankheit. Der Glück war „bodenständig" in Siebenbürgen und der Kühn Mw in Litauen „zu Hanse". Aber dort, wo diese beiden bodenständig und zu Hause waren, wurden sie von ihren Kommilitonen wie vogelfreie Fremde behandelt, dort waren sie nicht im Sinne der Landesgesetze, wohl aber, weil es die hakenkreuzlerische Moral so will, als Juden überzählig. Glück und Kahn waren über zudringliche Juden, man konnte ihnen eine Universität verekeln, aber nicht die Wissenschaft. Besonders dem Gli'rck aus Siebenbürgen. Studierte Tag und Nacht, hungerte und studierte aus Wissensdurst und jüdischer, zäher Verbissenheit. Er hungerte und studierte mit verbissener Wut gegen die Feinde seines Volkes. Hunger, Entbehrung, krankhafte Liebe zur Wissenschaft und nnendkches Judenweh haben dies junge jüdische Leben schließlich gefällt. Ein Herzschlag hat bett jüdischen Studenten Glück vor allen künftigen Enttäuschungen endgültig bewahrt. Jetzt ist Glück bodenständig in Men, Zentralfriedhob, drittes Tor... Es war ein herrliches Leichenbegängnis. Der Rabbiner sprach rührend, die jüdischen Kollegen verabschiedeten sich schluchzend und dann sprach auch ein Vertreter des Vereines rumärkischer Studenten in Wen... Eine Ehrenbezeigung fiir den „Fremden" in der Fremde. Die Blätter hatten für Glück kein Wort des Gedenkens. Sein Tod war keine Sensation für sie. Mehr Glück hatte der Sttrdiostks Kahn ans Litauen bei den Blättern. Auch ihn trieb die Jndenkrankheit ans feiner Geburtsstadt nach Wen, wo er nicht bodenständig war, auch er hungerte, weil feine Mutter das große Glück, an der Wiener Universität studieren zu dürfen, nicht langer bezahlen konnte. Aber Kahn war nicht so geduldig als sein Schicksalsgenosse Glück, er wartete nicht, bis ihm das Her^ brach, er ging in die DoNau. Sic trieb ihn abwärts in die Richtung Horthy- Ungarns... Dadurch halte er die Posthume Ehre, daß die Blätter von ihm Notiz'nahmen. So Mannigfaltig ist das jüdische Glück... I. Kr. * Das Leichenbegängnis des seit dem lg. d. vermißten Hörers der Staatswissenschasten Julius Kahn fand Dienstag den 25: ’b. unter großer Beteiligung seiner Freunde und Kollegen am jüdischen Friedhof in Mödling statt. Neben; der Vertretung des Jüdischen HpchschulaNsschusseD, des Vereines jüdischen Studenten üüs Rußland Hechäwet Und Poäle Zion erschienen Herr Vorsteher Aäöid R o s e n s e l d und Herr Direktor Jo kl. Herr ObLrkünkor Arnold Grüßmann sang ergreifend die rituellen Gebete, Woraus Vertreter der verschiedenen Korporütiönen dem verstorbenen Kollegen Abschiedsworte Widmeten. kme Mische Kultur» Und krzikhimgs- Tonpreni in Sestttrrich. Von M. Uugerfeid. Mitte Juni soll über Anregung des Beth Waad L'iwrim in Wien die erste jüdische Kultur- Und Er^iehungskonferenz Oesterreichs zusammentreten. Wer in die traurigen Behältnisse unserer gegenwärtigen Erziehungsarbeit eingeweiht ist, muß die Notwendigkeit solcher Konferenzen erkennen. Sie kommen auch jetzt auf die Tagesordnung. Jüngst fand eine Erzichungskonserenz in Amerika statt, veranstaltet von der dortigen Zionistischen Organisation. Es ist ein gutes Zeichen, daß gerade die Zionisten Amerikas die Gefahr erkannt haben, die darin liegt, daß man düs wichtigste Gebiet einer Bewegung, welche die „geistige Wiedergeburt" des Volkes bezweckt, nämlich die Erziehung der Jugend, arg vernachlässigt hat. Für österreichische Verhältnisse ist es vielleicht ein Vorteil, daß die Anregung zu dieser Tagung von einer rein kulturellen Institution ansgeht, das wird von vornherein jedes Mißtrauen bei den Delegierten verschiedener Schattierungen ausschließen. Der Hauptzweck der Konferenz wird es sein, die Wege zu finden, auf welchen die junge jüdische Generation in Oesterreich vom nationalen Untergang zu erretten ist. Die Delegierten werden sich die Tatsache Vorhalte»: nrüssen, daß von den mehr als 20.000 schulpflichtigen jüdischen Kindern Wiens nur ein verschwindender Bruchteil eine jüdische Erziehung erhält. Man wird Mittel finden müssen, »»m ein Budget für neue Schulen ünd Kurse zu schaffen, mn den jüdischen Religionsunterricht bester »md nützlicher zu gestalten und sie wi»w zu beraten haben, wie das Interesse der jüdischen Eltern sowie der Verwalter aller jüdischer Institutionen für eine wahrhaft jüdische Erzieh,»ng des Kindes zu gewinnen ist. Vicht minder schwierig tvird es sein, durch entsprechende Maßnahme»» den heute schon fast ganz entfremdeten Großteil unserer Irrgend zu retten. Ein besonders wichtiger Pmckt der Konferenzberatmrgen wird die Frage der jüdisch-kulturellen Tätigkeit bei der allgemeinen jüdischen BeMkeeNttg Oesterreichs sein. Volksheime und eine VolkSuniversität sind zu gründen, dem Mischen Bilch ist Verbreitung zu sichern und vor allem mutz die lokale jüdische Presse ausgebaut werden, damit sie ihre großen kulturellen Aufgaben erfüllen kann. Diese Konferenz wird ein „Kultur- und Erziehungskomitee" wählen muffen, welcher»» die Durchführung der zu, fassenden Beschlüste anvertraut werden kann. Wir bereiten die jüdische Kultur- und Erziehungskonfererrz in der feftcn- Ueberzeugung vor, daß sie bei gutem Willen und bei opfervoller Arbeit der Delegierten eine grundlegende Aenderung in der jüdischen Kultur- und Crzie^rugsarbeit herbeiführen mutz. Ott internationale Franentongretz. Eine Abordnung ans Palästina. Paris, 26. Mai. Sonntag wird hier der internationale Frauenrechtskongreß eröffnet werden. Es sind Delegierte aus 45 Staaten angemeldet, unter ihnen Vertreterinnen mehrerer' jüdischer Frauenorganisationen. So auch vier Delegierte des Verbandes jüdischer Frauen für Gleichberrchttgung in E r e z Israel, der anläßlich des Kampfes um das Wahlrecht der Frauen für den Jüdischen Nationalfonds (Waad Leumi) eine bedeutende Rolle spielte. Die palästinensische Delegation unter Führung der Berbandspräsidentir» Frau Dr. St raus.ist bereits in Paris angekommen. Die. vor zwei Jahren in Paris gegründete „Union des Femmos Jnives pour le Palestine", die besonders für die Mädchenfarm in Nahalal bedeutende Summen aufwendet, betrachtet die palästinensische Abordnung als ihre Gäste. NS Witwe An—skis gestorben. Wie aus Frankfurt a. M. berichtet wird, ist dort Frau A u—| k i, die Witwe des berühmten jüdischen Dichters und Verfassers des „Dyhuk", nach kurzer . Krankheit gestorben. Frau An—ski war im Begriffe, aus,Paris, wo sie. lange Zeit lebte, nach Moskau zu reisen. Unterwegs erkrankte sie, wurde nach Frankfurt a. M, gebracht, wo sic nach kurzem Krankenlager "starb. Die Verblichene war gleichfalls .literarisch' tätig, schrieb hauptsächlich russisch nnd hatte in der neuen russischen Literatur einen guten Namen. „gerree!." Wie seinerzeit berichtet wurde, hat der Rat der Kolonisten dev neuen, an der Station von A s u l e h erbauten jüdischen Kolonie den Beschluß gefaßt, der Kolonie den Namen „J e s r e e l" zu geben. Die Frage wurde einer Kommission von Geographen, Historikern l»nd Archäologen zur Begutachtung vorgefegt. Der Kommission' gehörten an: die Prö'- fessören I. Klausner, N. S l o u s ch, Dr. Klein, ferner Dr. L u r i e, Dr. Braun, B. D i n a b u r g, Dr. Säch a r- Schachor und Dr. B r a w e r. Die Kommission sprach sich einstimmig für die Bennenung „Jr-Jesreel", Stadt Jesreel, aus. Dem KoMnlissionsbeschluß schloß sich a»»ch der Gtädträt von Af»lleh an. Das Aiidget btt hebräischen UnibetfiM kn geruMem. Das B»»dget der Jerusalemer hebräischen Universität für das laufende Jahr beziffert sich, abgesehen von den Kästen der jetzt im Bau befindlichen Gebäude, auf rund 34.000 Pfund Sterling. Davon entfallen 11.000 a»»s das Judaistische und Orientalische Institut, 6000 auf das Chemische, 4000 auf das Mikrobiologische, 2000 auf das Hygienische, über 4000 auf die Bibliothek, 1000 auf das Institut für Palästinaforschung, 600 auf das Institut für Mathematik unb Physik. 4000 Pfund Sterling werden für administrative unb allgemeine Ausgaben gebraucht unb etwa 2000 für Rückzahlung von Anleihen. Zu diesem Bndget trägt der Keren Hajessod 7000 Pfund Sterling, das Universitäskomitee in Amerika 16.000 sLflhiim »t. m& Pfund StetUng, M8 Joint DistMutiml KontmUtee 2000, Baron eMitM» De K<Wh>L 9990 «Ml ffilbctft KM UL «EevWM «r die VNfraktion gugeud im Sstm. (Eigendienst der ..Wiener Morgenzeitung".) New-Dorf, 86. Mai. Ans dev bereits gemeldeten Aufruf christlicher Gelchrter und Geistlicher an die ckNerikrnische BevMerung, durch err»e Sammlung von 16 Millionen Dollar an der Äktivn zur Miebevüuftichtung Mischer Existenzen in Osteuropa teilzunehmen, hat der Chef des Hauses R o ck >i f c 11 c x an die Zentralstes der SamMlttg beim Joint als Privatspendden Betrag von 100.000 Dollar überwiesen. Ae Senekalvrksammluus der Paris« KultusverriniWng. Aus Paris wird UNS berichtet: Am 16. d. fand hier «nt« Dortsitz des Vizepräsidenten des Konsistoriums, Baron Robert de Rothschild, die Jahresversammlung der Association oultuette de Paris, der Pariser Kultusvereinigung, statt. Die Beteiligung war eine sehr schwache; es waren einschließlich aller Rabbiner kaum 100 Personen erschienen, und äuch von diesen hatte keiner zu dem vom Sekretär des Konsistoriums, Armand Feld mann, gebrachten Bericht auch nur ein Wort zu zagen. In Frankreich gibt es bekanntlich keinen Pflichtbeitritt z« irgend einer religiösen Genteirwe, und so darf es ncht wundernchmen, daß die Bereinigung im ganzen 6416 (gegen 6326 im Vorjahre) zählende Mitglieder hat. Ebenso traurig sicht es mit dem Religionsunterricht Ms. Der Besuch der Religionsstnnden laste viel zu wünschen übrig und auch der Appell des Rcwbinats und der Dorstchung habe nichts gefruchtet. Im Gegensatz hierzu scheint die Kulturarbeit einiger Mischer Bereinigungen trostreicher zu sein. Der Berichterstatter hobt hier besonders die Societe des etudes juives (Gesellsachft für Mische Forschung), die französische Gesellschaft für Mische Kultur und den Verein Schema Israel, der besonders für die Wiedererweckung des jüdischen Selbstbewußtseins durch wissenschaftliche und gedschaftliche Propaganda tätig ist, hervor. Ae Auswanderung «ach Mexiko. (Eine WärMung.) Seit einigen Tagen weilt in Wien Herr Nissen SchroMs» aus Mexiko m gLsch'äftliche»» ÄngekcheirWten. Herr Schromm ninurrt im gesellschaftlichen Leben der Juden von Mexiko eine führende Stellung ein. M ist »urter andtzrem Mitglied der Leitürch der Zionistischen Organsiativr» des Sandes, Begründer und Ghreupräsident dös Mischen Turn- und Sportberbandes 'Makkäbi und ist ganz besonders über die Einwanderungsnröglich'keiteu in Mexiko sehr gilt insörmiert. Wir nählNen bähet die Mlegenheit loahr, Herrn Schromm zu befrägeüi welche BWäiidtuis es mit den vi'eke»» vcrlöckenddn Aufrufen üNtz Berichte»» Ms Mexiko habe, in welchen die Jübe»» äufgefordert »Verden, vahin ausZuwaitdern. Herr SchvoMm ersuchte uns, unsere warnende Stilimre gegen den Betsüch, Jüd^n aus dem Osten zu Vevä'nlassen, ihr Häb ü»rd Gut zu veräußern ünd »rach Mexiko ausznwd»»dern, wo H»»en goldene Berge in Aussicht gestellt werden,' die Mischen Einlvanberet feddch bloß schwere kümmerlichr, crniebtigcttbc Arbeit ohne Aussicht auf eine aiiständige Existenz vorfinden, zu erheben. Es sei eine unveranttvortliche Frivolität, die einem Verbrechen gleichkommt, Menschen buchstäblich in ein Elend zu verführen. Die meisten jüdischen Einwanderer' müssen sich als Hausierer mit Kurzwaren ober Gebäck fortbringen und sehr oft kommen diese nach schwerer Arbeit ohne eilten Gent nach Hause. Die unverantlvortliche'n Stellen, welche die lügeWften Berichte über die angeblich herrlichen Aussichten, die dem Auswanderer in Mexiko blühen, verbreiten, haben in der Regel ein Interesse att dieser Auswanderung. Die rneisten der jüdischen Einwanderer in Mexiko nrüssen von den philanthropischen GeseNschaften in Evidenz gehalten und unterstützt werden, damit sie mit ihre»» Familien nicht verchungern. Es fei daher jeder Mische Auswa^ndvw« gewarnt'. . Aer MMMUreß von WMaust. Riga, 24. Mai. (I. T. A.) Samstag spät »rachts ist t». Düna-burg das Urteil im Prozeß gegen die 23 Juden von Warkljany, die beschuldigt waren, „aus Rasse»»- und Nationalhaß" eine Gruppe lettischer Stude»»te»l überfallen unb mißhandelt zu haben, gesprochen worden. Das Gericht »var der Meinung, daß Artikel 122, der eine Berurteiluirg »vegen religiöser und Rassenoerfolguirg Vorsicht, hier keine Anwendung finden kann. Es verurteilte zwölf der a»»geklagten Inden wegen einfacher Mißhandlung zu Gesängnisstrast»» von drei bis zchn Mo»»aten, elf Angeklagte wurden freigesprochen. Die BerteidiMng legte wegen der Verurteil»»ng Berufung ein. soll hei her 15. - “BMt0,,e"s,e daher Bankhaus a ■ ■ s aasen Klassenlose vom fetiT Ziehung am 22. und 24. Juni 1926 Prämie: 500.900 Schilling Bei der 13. deterreiehisehen Klassenlotterie wurden sowohl die ersten Haupttreffer der II., III., IV. Klasse, als auch der größte im Betrage von 200.000 Schilling,und die Prämie im Betrage von 300.000 Schilling mit Soheihammer4.Q88n gewonnen. f gl iv iuii) I«f Preise der Lose; Vi 8 32.—, Vs 8 1-6.—, V* 8 8.—, Vn 8 4.— Haupttreffer: 250.000 SchiUihg der V. Klasse 1 VUWV»V»WVMVVWWVVWU»»WW»WVV»W»WWWVWVVVWVVWVVVWWVWUUVV»VVU»WW,VVV>VVUVVVV«IWW>UWWWWV«VWVW>WUVWVaWWVVV»VVVVWWWUWV»UWDSVVW»