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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-23 · Heft 2603 (23.5.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2603 (23.5.1926)
Date
1926-05-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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K& SM Wien, Somttag Hotel National Wien, Bf. Taborstrasse IS [ Telephon 41*5-93 - | Vollständig neu eingerichtet, zentrale Lage, .200 Zimmer! mit messendem kalten u. warmen Wasser, Bäder, Zentralheizung, Lift Kaffeehaus und Restaurant im Hause! M&ilige Preiset Neue Leitung! Ser Weltrekord im Hungern. Fvod Ellern hat seine Produktion nach 46 Lagen beendet. Fred Ellern, der Hungerkünstler, der in einem GlaSfaften im Marxer-Keller 46 Tage und sechs Shrnden fastete, hat gestern um 9 Uhr abends seine Produktion beendet. Er hatte ursprünglich die Zlbsicht, bis Dienstag durchzuhalten, nahm aber davon Abstand, als er am Donnerstag wegen eines Exzesses, den ein Betrunkener im Vorführungsraum aufführte, einen ernsten Nervenanfall erlitt, von dent er sich nur langsam erholte. (Ein Mann hielt ihm eine Wurst hin und schrie: „Du bist blöd!") Ellern hat den Weltrekord im Hungern geschlagen und hofft, nach Abrechnung aller Spesen von den 9000 bis 10.000 Schilling Einnahmen etwa 4500 Schilling für seine Leistung zu erhalten. Davon muß er jedoch noch die Spitalskosten bestreiten. Immerhin glaubt er so viel erübrigen zu können, um mit dem schwer verdienten Geld die Kosten der Vollendung seines medizinischen Studiums zu deckelt. Ilm gestrigen Tag war der Besuch am stärksten. Ab 8 Uhr abends wurde das doppelte Eintrittsgeld in der Höhe voll zwei Schilling eingehoben. Die Neugierigen mußten sich a »stellen und gelangten lmr truppweise zu dem Glaskasten, in dem Ellern die letzte Stunde seiner freiwilligen Fastenzeit durchmachte. Zum Skelett abgemagert, scheinbar nur ans Haut und Knochen bestehend - er wiegt nur mehr 46 Kilogramm—, lag er in seinem Bett, lächelte hie und da und winkte den Besuchern zu. Sein schrecklich fahles und eingefallenes Gesicht war von einem schlvarzen Vollbart nmrahmt, der ihm in der Fastenzeit gewachsen ist. Die Augen bedeckte eine schwarze Hornbrille. Um 9 Uhr mußten alle Besucher, mit Ausnahnte der Veranstalter, der Aerzte und Pressevertreter, den Raum verlassen. Der Glaskasten ivurde geöffnet, und als erste trat ein schlankes, hübsches, schwarzes Mädchen mit Bubikopf hinein und küßte den .Held des Abends — die Braut des Hungerkünstlers. Nach ihr betrat der Arzt Doktor E ö t v ö s und die Veranstalter den Glaskasten. Die Freunde Ellerns hatten ihnt zahlreiche Kränze und Blmnerfftranße gebracht. Seine Braut reichte ihm ein Glas heiße Milch und Ellern zündete sich eine Zigarette an. Wiener Moraenzellrmü Das Publikum, das von dem Raunt, in dem der Glaskasten stand, durch eine mit Leinwand überspannte Holzgestellwand getrennt ivar, ivurde unruhig und verlangte stürmisch Einlaß. Bald wurde die Wand heruntergerissen und die Menge braK in ein stürmisches Hoch auf Ellern aus. Um dreiviertel 10 Uhr erschien die Rettung sgesell schaff, um den Hungerkünstler in das Spital der Barmherzigen Brüder zu bringen, wo auch der Hungerkünstler Ni cky, der bekanntlich ausgebrochen war, sich erhalle. Wieder brach die Menge in Hochrufe aus und bereitete ihm noch auf der Straße Ovationen. Der Hungerrekord des Berliners Jolly ist gebrochen. Oesterreich hält also den Rekord int Hungern Grausamer Luftmorv a« einem Kinde. Nach dem Muster Haarmanns. Aus der thüringischen Ortschaft SteinbachHallenberg wird ein gräßliches Verbrechen genteldet, dem ein neunjähriges Mädchen zum.Opfer fiel. Der 21jährige Schlosser Schreiber lockte ein neunjähriges Mädchen auf ein Grundstück, entkleidete dort das Kind und schlachtete es a b, indem er ihm die Halsschlagader öffnete und das Kind verbluten ließ. Der Mörder scheint sogar das Blut seines Opfers getrunken zu haben. Nach der Tat ergriff der Lustmörder die Flucht, konnte jedoch ergriffen werden. Große UeberichwMMungen im Wolgagebiet. 12.600 Menschen obdachlos. Aus Moskau wird telegraphiert: Die in einzelnen Gebieten der Wolga eingetreterten U e b e r s ch w e nt in unge n nehmen bedenkliche F o r.m e n an, insbesondere die Republik der Wolgadeutschen erlitt große Elcmentars ch ad e n. Die Hauptstadt dieser Republik, Pokrowok, steht unter Wasser. 12.0 0 0 Mens ch e n stehen vor der Gefahr der Obdachlosigkeit. Da die Negierung der Republik der Wolgadeutschen nicht genügend eigene Mittel besitzt, wurde von.Saratow Hilfe in Form von Schiffen und Rettungsmaterial erbeten, das auch abgesandt wurde. Auch einzelne Teile Saratows stehen unter Wasser. Archiiolagische Auszrabunae« in Prag. Präg, 22. Mai. Die „Präger Presse" schreibt: In diesen Tagen, wurde ans einer Bauparzelle in Str eso Witz gegenüber dem dortigen alten Wasserwerk eine alte Begräb^ nisstätte abgedeckt. Es handelt sich um Reihenskelettgräber aus der Fürstenzeit (11. Jahrhundert). Auch die Ausgrabungsarbeiten auf dem Vysehrad wurden dieser Tage wieder ausgenommen. Bei den bisherigen Ausgrabungen in diesen Tagen wurde festgestellt, daß das Terrain, auf welchem die gottsche Burg steht, Spüren der ältesten Siedlung' auf dem Vysehrad und somit auf dem gesamten Gebiete des jetzigen Prag aufweist. zur Mitte der Saison verkaufen wir modernste Wollstoffe zu Räumungs- Preisen. Weitere interessante Angebote entnehmen Sie dem Gerngroß-Jvserat auf Seite 11. :Mimim»iiiiniimuniiiiiuimminiiiiiiiniiiiiniiumiiuimiiiiiiniiiiiiiiniiiiuininiinuiininiiiinHimmimiiiinmiiniiiiiiiinim>g Kt® m eurs Das Plastische Hören. Wer hat noch nicht durch die Gläser eines Stereoskops geschaut und sich an dem Wunder der entstandenen plastischen Bilder ergötzt? Die zwei gleicher: photographischen Aufnahmen, durch «die Gläser des Stereoskops betrachtet', erscheinen auf einmal in drei Dimensionen. Wir wissen noch aus der Schule, wie dieses Wunder entstcht: die beiden Lichtbilder scheinen nur ganz gleich zu sein, tatsächlich jedoch wurden sie so ausgenommen, daß .zwischen den optischen Achsen der Linsen des Ausnahmeappartes eine Entfernung von einigen Zentimeter war, die ebettsoviel betrug, wie die Entfernung der optischen Achsen der Linsen des Stereoskops. Die zwei Bilder würden sich dadurch, auseinandergelegt, nicht vollständig decken, und so entsteht die optische Täuschung des plastischen Bildes, lveil die Linsen die Bilder so zeigen, Wie sie die vorreinander in gleichem Zlbstaud befindlichen Augen sehen. Dasselbe Prinzip hat man nun nach jahrelangen Experimenten auch auf ak nstischem Gebiet zn verwerten gesucht, und zwar, wie es scheint, mit viel Erfolg. Wie die deutschen Fachblätter berichten, ist es einem deutschen Erfinder namens Heinrich I. Küchenm e ift e r geglückt, ein Gra mmophon zu kmrstruieren, das die Entfernung der -beiden Ohrmuscheln von einander m Betvachr zieht und dadurch ein „plastisches" Hören erzielt. Dieses Grammophon unterscheidet sich schon äußerlich von: herkömmlichen Typ, und zwar mit voller Absicht. Es hat eine zylirrdrische Form, ist über einen Nieter hoch und besitzt in dem kleineren, unteren Hohlzylinder mw in dein größeren oberer! je einen Trichter, die durch eine .Holzlatte geschieden sind. Was nun den inneren Mechanismus betrifft, so ist das neue Grammophon, von seinem Erfinder „lll tr-aphon" benannt, mit Kvei Membranen verschön, die in einem Abstand von etwa sechs Zentimeter mit ihren Nadeln airf einer Platte laufen. Durch den Abstand ergibt sich ein zeitlicher Unterschied in der Tonerzeugung von runb ein Zwanzigstel Sekunde. Zivei in diesem Zeitabstayd erzeugte gleiche Töne fließen hu menschlichen Ohr zu einem einzigen zusammen, ähnlich der Wirkung des abrollenden Filnrs vor dem ntenschlicheit Auge. Diese Töne kommen getrennt in die beiden nebeneinander siegenden Trichter, die aus unterschiedlichen Schwingungen, aus eine Terz abgestimmt sind, und erst nach Verlassen der Trichter werde» die Tone vereinigt. Die so erreichte. Wirkung soll alles Bisherige hinsichtlich Tonreitchet, Klangschönheit rmd KlangvoWommenhett überflügeln; so soll auch ein Klaviervortrag von der Klangähnlichkeit nichts ernbüßen. Was aber die Feinde des Grammophons, ldenen bereits eine Membrane zu viel war, dazu sagen werden, ist noch «fraglich. Die höchste Giserrbahri der Welt. Nirgends in der Wett steigt sie Lokontotive zu solchen Höhen hinan wie in den 'Anden Südamerikas. Die höchste Eisenbahnlinie der Erde war lange Zeit die Or ayabahn, die von der Hauptstadt Perus, L i nt a, nach der Bergwerksstadt Oraya führt und deren höchster Punkt 15.900 Fuß Mer dem Meere liegt. Bor nicht langer Zeit sind aber von der Antosagasta-Bolivia- Bahn zwei neue Seitenlinien angelegt worden, die in m>ch höhere Rogionen Vordringen und im höchsten Punkt die Höhe des Mont Blanc übertvefsen. Die A n tesagastaEolivIa-Bahu bildet eine der wichtigsten Zufahrtstraßen zu der an Bodenschätzen reichert Republik Boliwia und nimmt im Verkehrswesen Südamerikas ehten bworzugien Platz ei». Der Ausgaugsp.ntkl der Linie ist die ungefähr 60.000 Einwohner zählende chilenische Hafenstadt. An t osagasta, die von Ncw-Uork^ aus durch den Panamakana! in einer 18 Tage tMzren^u Dampferreise erreicht werden kann.. Der Endpunkt der Bahn ist die 555 Meilen entfernte bolivianische Bergwerksstadt Orur o. 867 Meilen haben eine Spurweite von S*»/« Fuß, die übrigen 188 Meilen eine S'/s Fuß-Spurweite. Zwei Seitenlinien verbinden die Hauptstrecke mit den Häsen Aiejillones und Ealeta Coloso. Die Linie muß getvaltigr Höhenunterschiede überwinden. Sofort nach Antosagasta hebt sich die Strecke mit einer durchschniltlichett Steigung von 1:50, tvährend später .die höchste Steigung „nur" 1:30 beträgt. Schon nach 18 Dfeilen hat die Bcchn eine Höhe von 1847 Fuß über dem Meeresspiegel erklommen, die Statt» Calama (143 Meilen) liegt 7557 Fuß hoch und der höchste Punkt der Hmtptli'nie wird bei Ascotan 2t7 Meilen aus 13.183 Fuß erreicht. Dann bleibt die Strecke nahezu stets auf 12.330 Fuß. Eitle Aitzahl Seitenlmmt 23. Mai 192 SM» JBrnder. WIEN?Vil.KAISERSTR.W'i6.; StetaMmSatifi „zeitweise »egen nicht ausgeschioffen." Die günstige Prognose von Freitag hat ein rasches Dementi erfahren. Es regnete gestern so wie es vorgestern geregnet hatte und die Äraßeu Wiens sahen aus wie im tiefsten April. Grau der Himmel und braun die Donau. Wirte und Kellner standen müßig in den Türen; wer einen Attsflug für die Feiertage aufs Programm geschrieben hatte, sch sorgenvoll durchs Fenster. Der Verkehr auf den Bahnen hat sich trotzdem gestern feiertagsmäßig angelassen. Wer nur konnte, nahm für die paar Tage Abschied von der Stadt, vom Schreibtisch und vom Zwang des Alltags. Für heute freilich lautet die Voraussage nicht erfreulich: „Veränderliches Wetter mit starken örtlichen Unterschieden, zeitweise Regelt nicht ausgeschlosien, Tempevaturverhältnisse nicht wesentlich geändert." Hoffentlich wird auch diese Diagnose Lügen gestraft... Jas phantastische Flugzeug der Aukunft. Ein deutscher Maschinenbauer' arbeitet gegenwärtig M dent Batt eines Flugzeuges, das grundlegende Änderungen in dent gesamten Flugverkehr herbeisühren wird. Das Flugzeug soll mehr als tausend Kilometer in der Stunde zurücklegen und damit Entfernungen wie von Berlin nach New-Zork oder San Francisco in einem Tage durcheilen können. Um eine so ungeheure Geschwindigkeit erreichett zu können, wird das geplante Flugzeug Höhen von 10.000 bis 16.000 Metern aufsuchen, in denen der Widerstand der Luft geringer ist als in niedrigeren Atmosphären. Geilte Atmungsmöglichkeit in dieser Höhe wird Führern und Passagieren dadurch gegeben, daß der Rumpf des Apparates luftdicht verschlossen ist und ein atmosphärischer Druck, der etwa dem auf der Erde herrschenden gleichkommt, künstlich erzeugt wird. Die luftdichte Abschließung des Rumpfes wird ähnlich wie bei den Unterseebooten ermöglicht. Das Blitz slugzeug töird ohne Betriebsstoff 14 bis 15 Tonnen wiegen und 5 bis 6 Tonnen Nutzlast mitführen können.'Um die erforderliche Höhe von 16.000 Metern und die Geschwindigkeit von 1000 Kilometern in der Stunde erreichen zu können, werden 5 bis 6 Motors, die insgesamt 10.000 Pferdekräfte leisten müssen, eingebaut werden. Den Dkotoren wird nicht nur Betriebsstoff, sondern auch verdichtete Luft zugesührt werden müssen. Zuverlässig landen wird das Flugzeug nur dann können, wenn die große Betriebsstofsmenge bereits verbraucht ist. fügen bedeutende Bergwerke der Hauptstrecke an. Eine der hervorragendsten Unternehmungen der dortigen Gegend sind -die Kupfernrönen von Chuquioamata, in denen 6000 Arbeiter beschäftigt sind und täglich 50.000 Tonnen Erz gefördert sowie jährlich sechs Millionen Kilogramm Explosivstoffe verbraucht werden. Staubabscheidung auf elektrischem Wege. Die Rauchgase mancher chemischen Betriebe, die durch den Schornstein entweichen, enthalten dem PslanzeMvachstum schädliche Stoffe, die eine Bodenbearbeitung m. wetten Umkreis der Werke unmöglich machen. Die Ruß- und Staubplage in der Nähe großer Industrien bringt auch Nachteile zum Schaden der Gesundheit der Umwohner mit sich, abgesehen davon, daß es ein außerordentlich lästtges Uebel ist, dessen man sich schwer erwehren kann. Neuerdings wird aus AMerika ein Verfahren bekannt, das die Staubabscheidung auf elektrischem Wege ermöglicht, iwodurch eirrersetts die Staubplage entfällt, andererseits häufig wertvolle Abfallprodukte wiedergewonnen werden. Das Verfahren wurde in Deutschland bedeutend verbessert mtd bestcht im locsentlichen darin, daß die Rauchgase durch eine AnordMng von Drähten, und Spitzen gofAhvt werden, die mit hochgespanntem elektrischen Stwm geladen sind. Das hat zur Folge, daß die in den Rauchgasen enchaltenen festen Teilchen niedergeschlagen rmd rntseMt werden Sonnen. (ReclMts Universum.) Dte größten Msenevzl-ageestittten dev Wett. Die Melduttg der Russischen Te'l.-Slgent. über Attsfittdung von Eisenerzlagern in der Gogettd von Kursk, die sich Wer 300 Quadratkilometer rvstreckett und angeblich 10 bis 20 Mtlliardett Tonnen höchstprozentiges Eisenerz bergett sollen, wirft ein interessantes Licht aus dos Ztrsammeitwirken . zwischen Wissenschaft und Bergbautechnik. Die geologischen Untersuchungen in der Gegend von Kursk Ivurden 1919 auf Beranlassuitg Lenins begonnen mtd beAveckten in erster Linie eine Klärung der magnetischeit Anomalien, die dort stärker als irgendwo sattst' tu der Welt die Magnetitadel beeinslußten und seit dem Anfang des Jahrhunderts ein wissenschaftliches Rätsel bildeten. Falls die Zahlenmäßigen Angaben über den Gehalt der Kttrsker Erzlager, die stellenweise nahezu reines Eisen enthalten sollen, sttmmen, w -st d eso Entdeckung in chrer Bedeutung für die Etsenversovgnng der Welt kaum zu Wevschett. Schäfte doch der Jnternatiortale GcologettkoiMeß von Stockholm die gesamten Eisenevzvorräte Europas und Amerikas einschließlich Rußlands insgesamt -uttf nur etwa 10 Milliarden Tonnen.

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