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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-16 · Heft 2596 (16.5.1926) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2596 (16.5.1926)
Date
1926-05-16
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9t 8596 mn, Sonntag_ Wiener Mvküeirzettuntz 16. Mai 1926 Te ite 8 Schoftal & HSrtlein I., Kamtnerstraße Nr. |4 StefsnspJaU Nr. 8 I Pflügst- 1 Okkasion | m sensationell bMttgea Angeboten per Stück vsmsndkusn, aus Btanrin, elegante Fassons. . . S 1f. - Sommerkleider, aus echtem französischen Wasch* Irrpnn C 19 Trotteurfclelder, atts erstklassigem Material (Crfipe de Chine . •.S 38.— Jnmperleibehen, mit Spitzen oder Stickerei . . 8 2.88 Damenhemden, aus prima Chiffon mit Stickerei 8 3.60 Batisthemden, reich garniert, tadellose Ausiührung 8 4.60 Crfipe-de-Chine-Kombinationen.S 26,— Herrenhemden aus erstklassiger Seidenpopeline 8 24.—, S 21.— und S 16.50 Beinkleider in diversen Ausführungen.S 4.50 Herren-Nachthemden, prima Qualität ...... S 11.50 Krawatten, garantiert reine Seide.S 4.— Hatten- und Damen-Pyjamae.. . . .5 13.50 ♦ Es Ist für Jedermann lohnend, unsere Etablissements zu besuchen! EdifonS erste und letzte „Ersttomng". Amerikatusche Blätter erzählen eine ergötzliche Anekdote, wie Edison einmal einen' der chm verhaßten Ausfrager einen Schabernack spielte. Er ist zwar mit Sorge benncht, Neugierigen aus dom Weg zu gehen, aber bei der sprichwörtlichen Findigkeit - der Amerikaner gelingt es chen nicht nmner, sich in Sicherheit zu bringen. So hatte ihn wieder einmal ein Reporter im Arbeitssaal, seiner Fabrik gestellt und ihn mit der Frage: „Was war Ihre erste Erfindung?" Äberrumpelt. Gdiison wollte den Rückzug antreten, sah aber den Weg durch eine Reihe schöner Mädchen versperrt, die sich der Zeitungsmann vorsichtigevtoeis« als Hilfstrnppe Uri tgeb rächt und mn Zlnsgang postiert hatte. Wohl oder Mel wußte sich W>i>son bequemen, Rede nut> Antwort zu stehen. .Lich war ein junger Bursche", begann er, „und verkaufte auf der Straße Zeitungen. Bon einem Beikannten hatte ich von der aberwitzigen Angst eines reichen Bankiers gehört, der aus Sorge vor Dieben Tag und Nacht keine Sinhe hatte. Ich ging zu dom Mann und sagte chm: ,^Jch habe «inen Apparat erfunden, der jeden Dieb, der sich Ihrem Geldschvank nähert, in Ihre Hände gibt". ,^chön, nnd »vas wollen Sie für Ihre Erfindung halben?" „Me Hand Ihrer Tochter." Nachdem mir disse bewilligt ivar, ging ich an die Arbeit nnd lieferte den 9lpparat ab. Ztvei Tage später erfuhr ich, daß mein KUkünstiger Schwiegervater krank 'im Bette lag. „Sehen Sie, mein Herr", erklärte ich dem Kranke«, ,^das 'kommt davon. Sie haben Ihren Geldschrank öffnen wollen und haben dabei einen elektrischen Schlag erhalten, der Me Vaivußtlos zu Boden streckte, und haben bis zum Morgen 'ohne Bewußtsein gelegen. Sie haben den deutlichen Beweis vrnn Wert meiner Erfindung erhalten." Die Anwesenden hingen 'an den Lippen des Redners. „Und die Tochter des Bankiers?" fragten die Mädchen. .^Die habe ich natürlich nicht geheiratet!" „Und Ihre letzte Erfindung?" fragte der Reporter. „Meine letzte Erfindung? Das ist die Geschichte, die ich Ihnen «den erzählt habe", schloß Edison mit lantenr Lachen über daintelligente Gesicht seines Ansfragers. Die geführllche Uhr. Uhren galten lange Zeit als höchst verdächtige Instrumente, ja als TenstlÄverk. Als daher im Jahve 1542 der König von Dänemark dem Zaren Iwan, genannt „bet Schreckliche", eine wundervoll gearbeitete Schlaguhr als Zeichen besonderer Verehrung schickte, wurde das Geschenk abgcwiesen. Schon mit dent nächsten Kurier sandte d'r Zar die Uhr zurück und schrieb dazu: ,Ich glaube an Gou und habe mit Planeten nnd Zeichen nichts zu schaffen!" Wien, 16. Mai. * Direktor Dr. S. Kranberger. Eine gestern ansgegebene Ita-Meldung berichtet über das angebliche Ableiben des Direktors des Wiener jüdischen Tcmbstntnmeninstitots, Doktor S. Kreuberger. Wir können mMetleu, daß die Meldung evsre-ulicherweise nicht der Wahcheit entspricht und Herr Direktor Krenberger sich voller GeAndMt erfreut. * Das Wetter. Die Voraussage meildet veränderliches, windiges Wetter, wahrsch-iulich zeWveise Regen. . * Henry Momenthaus 70. Geburtstag. Mr. Henry Morgenthau, der frühere Gesandte der Bereinigten Staaten in Konstantinopel, beging dieser Tage in New-Uork ■tot engen Familienkreise die Feier seines 70. Geburtstages. * Der «trafen* Reichsratsaibgwrdnet* Dr. Wilhelm Neuntann-Walter plötzlich gestorben. Am Freitag nachmittags ist der Wiener Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Neumann-Walter an Btotvergiftung plötzlich gestorben. Dr. Neuntann-Walter, der 53 Jahre alt wurde, gehörte vom Jcchre Ml bis 1A8 dem N elchsrat an und war auch demokratisches Mitglied der konstituierenden Nationalversammlung in der. Republik. Der seinerzeitige Deutsche Nationalverband hatte Neumaun, öbzjivar er aus dem Judentum ausgetreten war. alz Mitglied sticht aufgenonrmen. Dr. Nenmann-Watter litt in der letzten Zeit an Furunkulose. Bor einigen Tagen trat in seinem Zustand eine ZHvjGechteWis M. * Ein vermißter Student. Ter 21jährige Student der Staatswissenschaften, Julius Kahn, geboreir in Windau in Lettland, wohnhaft In Wien, 2. Bez., Gal>elsbergergasse 5 8, ist seit Mittwoch den 12. d. abgängig. Uni 10 Uhr abends sprach et noch ln der Seegasse mit einem Kollegen und begab sich dann auf den Heirmveg. Zuletzt ivirrde er anr Franz-Josofs-Kai gesehen. Er hat dunkelblondes Haar, graue Augen, ist mittelgroß. Er war ohne Hut nnd ohne Mantel. Angaben über leinen Verbleib sind erbeten an den Jüdischen Hochschulausichuß, 9. Bez., Mariannengasse 32. * Selbstmord eines Rabbiners in Picken. Großes Ansichen und Teilnahme erweckt in Polen der Selbstmord des OrtsrM'iners von Tomaschow-Masotvieck, Rabbi Ctztim B r u c zlitfltt. der sich mit einem ihm von einem Schächter zwecks ritueller Prüfung übergeberten Messer die Kehle durchgeschnitten hat. Die Tageszeitung „Hajnt" leckt mit, Rlobi Bruezman fei durch die Stellungnahme der polnischen Rabbinevkoirferenz gegen ihn in der Frage des Tomaschower Schächterstreiks in tiefe Melancholie geraten. * Selbstmord auf den Schienen. Aus Nensiedl am See wird berichtet: Der Landwirtsohn Stephan Lettner ans Zurndors verließ vor einigen Tagen die Wohnung seiner 'Eltern und warf sich vor den von Budapest nach Wien verkchrenden Schnellzug. Der Körper wurde durchschnitten lliid der Tod trat sofort ein. Den Selbstmord dürfte Leitner in einent Anfalle von Trübsinn begangen haben. * Selbstmord infolge Svielverlnsten. Ans Nizza w-ivd gemeldet: Tie 24jährige Gattin des Chefredakteurs des „Kurier Warszawfki", L a w e r t a l, hat iu einem Autotox: einen Selbstmord begangen, indem sie sich Mel Revolverkugeln in die Brust schob. Sie ist schwer verletzt. Der Selbstmordversuch hat seinen Grund in Spielverlusten. * Die Selbstmörder. Gestern vormittags wurde in einem Hotel ans >dcr Landstraße der 24jährige Student Alexander Li'bsch'itz, der dort übernachtet hatte, durch das Hotelpersonal irr einem von innen versperrtet: Zimmer an einem Wandhaken erhängt leblos aufgesnnden. Das Motiv der Tat ist unbekannt. — Der 32jährige stellenlose Buchhalter Josef Raol hait sich wegen Arbeitslosigkeit erhängt. * Von der Donaunferbcchn Überfahren. Bei der Flvridsdorfer Brücke überfuhr Freitag abends ein Zug der Donaunferbahn eine alte Frau und ein kleines Kind. Die Frau, die tödlich verunglückte, ist die 66jährige Josefa Vrysal ans Böhmen, die bei ihrer Tochter zu Besuche weilte. Sie wollte mit ihren: anderthalbjährigen Enkel Walter Schebela, dem beide Beine zermalmt ivurden, ans einen: ausgetretenen Wade, an einer nnerlauibiten Stelle/ das Geleise überschreiten. * „Das Dier in der Kunst" Bei Gerngroß kann in.au jetzt wieder eine schöne Ausstellung'sehen. Die Firma hat den Wlntergavt-en des Hauses dem Wiener Tiorschutzvereiir zur Verfügung gestellt, der aus Anlaß des Jnbiläms seines 80jälhrigett Bestandes, seinem Zwecke, die Liabe znm Tiere zn pflogen: und zu evwecken, in den Räumen auf die vornehmste Weise dienen will. Plastik :n:d Malerei in Originalen >:>td Reproduktionen ans allen Zeitet: beweisen, däß die Menschheitsgeschichte, schon vom Höhlenbewohner mit seinem unentbehrlicheu Wachhrtnde aikgofangen, mit der Tierwelt innig verknüpft ist. Die mit Liebe geschaffenen Tierdaustellnugei: aus einigen Jahrtausendet: regen uivbedingi das Gefühl für die Tiere an und wirket: Ivevbettd. Der Gerttgroß-Wintcrgarten ist darum sehenswert und wird seinen Zweck erfüllen.' * Nene Del-Ka-Modelle fiir Pfingsten. Dcl-Ka bringt zum Einheitspreis von 28,50 S. für Herren: braune Halbschuhe aus N.--Box. prima, rahmengenäht; für Dame::: Nosettholz-Zug-Pumps mit frattzöstschem' Absatz und Bcige-Moliere- Schuhe mit französischen: Absatz. Beachtet: Sie-die Abbildungen im Inserat Seite 11. * Die Zahl der Einäscherungen nimmt zu. Im April 1926 waren tm Krematorium .der Stadt Wien 248 Feuerbestattungen. In: April 1925 wurden 171, im April 1924 nur 144 und im April 1923 insgesamt 73 Leichen im Krematorium der Stadt Wien eingeäschert. * Der Kartenvorverkanf der Bundesbahnen. Die Generaldirektion der Ocsterr. Bnttdesbahtren nracht nochmals daraus aufmerksam, daß ihre Vorverkaufskassen in: Generaldirektiopsgebände, Wien, 1. Bez., Schwarzenbergplatz 3, an Werktagen ununterbrochen, von 8 Uhr bis 18 Uhr, an Feiertagen von 9 Uhr bis 13 Uhr geöffnet sind. Daselbst gelangen sämtliche Fahrausweise des Jülandsverkehres der Oesterreichischen Bundesbahnen (Nahnnd Jerttvevkehr), sowie FahrauZweise des Ä u s l a n d s v e r k e h r e s zur Attsgave. Alle Fahrausweise werden in zeitlich uittoingeschränktmt Vorverkauf (gegenüber der bis vor kurzen: it: Geltung gestandenen Beschränkung von vier Tagen) sowie snr der: Reüfütag selbst ausgegeben. * Zoll- und Paßrevifion im Verkehr mit Ungarn über Bruck-Neudorf. Ab gestern findet die österreichische Zoll- >:nd Paßrevision bei der Ein- und Ausreise regelmäßig in Heayeshalvm während des Zugsaufenthaltes, ausnahmÄweise auch »Märend drr Fahr: von Hegyeshalom nach Bruck-Neudovs statt. Reisegepäck, das it:sbesot:dere wegen Nichterscheinens des Reisendett att der Grenze zollänulich nicht abgefertigt werden konnte, wird itach Ankunft, des Zuges in Wien-Osübahrchof zollnnttlich behandelt werden. Die ungarische Ans- und Elnveisekontrolle wird in der Regel gleichfalls in Hegyeshalotn, erforderlichen Falles auch auf der ungarischen Strecke während der Fahrt bis und ab Hegvesihalon: erfolgen, * Früherer Schluß bei den städtischen Kassen. In der .Zet:- tralrechnnn.gsabteilttt:g, der städtifchet: Hauptmasse den Rechnttttgsabteiltittgen und den Kassen der magistratischen Bozirksämter wird an dort Samstagen ab gestern bis 14. September nur von 8 Uhr früh bis 11 Uhr vormittags amtiert. An allen arideren Werttaget: ist der Parteienverkehr vott 8 M-r früh bis 12 Uhr mittags. * Fürsorgcechgabe für Lchrlittge kann HÄbjährig verrechnet werden. Der Wiener Magistrat hat verfügt, daß Kleiugowerbetreibettde, die nur Lchrlinge beschäftigen, bis auf werteres die Fürsorgeabgade von dett an diese Lchrlinge ausbezahllett Whnen nicht wie bisher monatlich, sondern halbjährig abrechuen nttd bezchlen köiuten. Dadurch soll diese,: kleitten Uttterttehmern eine götvisse Bevtvalluttgsarbett abgettontinen werden. Als Abrechituttgsperiode wich ein Kalettverhalbjahr bestimmt, so daß die Fürsorgeabgabe für die ersten Kalettdechalbjahr ausbezahlten Lchrlingslöhne bis mm 14. Juli, für die tm zweiten Halbjahr ausbezahlten LchrIings!Ä)U-e bis mm 14. Jänner ILM abzurechnen ist. Beschäftigt der Gelverbetreibetide auch nur einen Geh i lse n, w muß sofort die monatliche Abrechnuitg der Füttorgeabgabe erfolgen. * Wettbewerb „Wien im Blmnensch:nu^. Die Gemeindeverüvaltung schreibt auch heuer eilten Blutttettschmncktvettbeitverb für die am schöttsten geschntückten Häuser aus. Es wurden zehntausend Schilling gewidmet und davon die Halste zur Schaffung von Preisen lür die Ausschmückung einzelner Fenster, Ballone und Geschäftsportale in: geschlossen verbauten Stadtgebiet bestmmtt, tvÄ)rend die at:dere Hälfte für Preise für die Ausschtnücktlng ganzer Wvhnhausfronten veoivendei wtrd. Bon diesem Wettbe-w^rh sitld Ansschttiüctungen oot: Höfen and Vorgärten ausg'^l' 'ssett. Anmeldungen für den Writbckvevb müssen bis svätestw'' 19. Juiti schriftlich an die Magistratsabteiluna 28 W MM .Wumsk Rathaus gerichtet werden. PORTSCHACH am warthars«« (Kärnten, Oesterreich) Europas wärmstes Alpenieebad und klimatischer Kurort- -eebäder 20-27 Gras. Mai bis Oktober. Hauvtsallonr Full,August; Pension 12 bis 22 8. Voru Nachsaison 8 12 S. Idealer FrttblingSaüfenthalt. InternationaleLawutennis-Turniere. Motor-und Segelbootregntten. See-und Landfeste, nm konzert. AuSklinfte durch die Zkurkommifsion Kunst, Bühne, Buch. Gruß an Habimah. Das hebräische Theater Habimah kommt nach Wien m:d w:rd am 29. d. ein Gastspiel im Carl-Theater eröffnen. Es ist uns Herzensbedürfnis, den Menschen der Habimah unseren Grilß t:ach Lemberg etttgegenzusenden, wo sie gegenwärtig weilen, den At:sdr::ck unserer großen Freude darüber, daß sie auch zu uns kon:men. Wegbereiter, Pioniere sind sie, wie der Straßenbauer an: Karmel, der Chaluz in: Emek, der Steinbrt:charbeiter in Ober-Galiläa. Mit dem gleichen Opfermut, mit der gleichen heiligen Begeisterrmg, mit dem gleichen heiliget: Glauben, daß das Judentum der Mer:schheit dient, wenn es seine Eigenart erkennt, pflegt, veredelt, wirken sie an der Erneuerung des Jtchentums. Nicht Geringeres als die Bezwinger der Sün:pfe in: 9tt:ris haben die jungem russischen Juden geleistet, wenn sie das lebendige hebräische Wort auf die Bühne verpflanzten, nicht geringer waren die Entbehrungen, die sie tragen mußten. Man weiß, daß sie tagsüber schwere manuelle Arbeit leisteten, um die Mittel für den Aufbau ihrer Theatergemeinschaft zu erlangen, und man ermißt, was es bedeutet, in einem Milieu der Unverständigen, Entfremdetet:, Feindseligen, Intoleranten und der allergefährlichsten Widersacher, nämlich der Indolenten, sich zum Hebraismus zu erziehen, das erneute hebräische Wort ztt meistern/ bis der Klang der Stimme, das Maß der Geste, die Musik des Dialogs in seinem Geiste geformt sind. Aus dem Gespräche mit Schuschana Awiwit, welches anläßlich ihrer Anwesenheit in Wien in unserem Blatte erschien, weiß man, zu welchen ungeheuren Anstrengungen die Menschen der Habimah befähigt waren, um ein hebräisches Theater in Moskau zu schaffen; und die Ergriffenheit Maxim Gorkis, die aus seinem Auffatz sprach, welchen wir in der „Wiener Morgenzeitung" nachdrttckten, das begeisterte Urteil, das er fällte, nachdem er.wiederholt von den Künstlern der Habimah den „Dybuk" spielen sah, ist die herrliche Bestätt- -zung, daß die-künstlerische Tat der Habimah bei den nichtjudr scheu Menschen ein Echo findet, daß das hebrätsche Theater die Kulturmenschheit bereichert. Den Mann, welcher in dieser Stadt den Grundstein für die Wiederaufrichtung des jüdischen Eigenlebens legte, wird die Habimah in Wien nicht mehr antreffen. Theodor H e r z l liegt auf dem Döblinger Friedhof. Aber ein Wiener Dichter, der hier, weit, weit entfernt vom Lande des biblischen Judentums, den Jakob-Mythos erträumte, Richard Beer--Hosm a n n, wird „Jäakobs Trärnn", dieses jüdische Bühnenweihespiel, das jetzt auch unter dem Himmel von Erez Israel den Menschen des neuen Jischuw erklingt, in der Nachd:chtung des größten Dichters der jüdischen Erneuerung, im Hebräischen des Chaim Nachman B i a l i k, hören dürfen, von der Künstlergemeinschaft der Habimah gestattet. Festtage der jüdischen Renaisfame stehen bev»>r. Vir sehen ihnen mit der freudigen Erregung entgegen, die das beronßte Jnoenltlm erfüllt, wenn es ein Werk aufzuwe-se,: I)H das alle Menschen erhebt, die Willens find, es zu begreifet:. O. A. MM. Fnrüvanglcr oTS Dirigettt der Berliner Philharmoniker. In Der Phvaise, welche hie Berliner Phi-lhaoneviMer spielen, wich ihre gute Schule, ihre vorMliche Erziehung offenbar. Hans v. Bülow/Richard Strauß und AMr Nittisch find ihre Lehrmeister gewchsn, gegenwättig schwingt Will)ein: Furtwängler den Dirigentenstab. Er ist heute der fchäriffte Analytiker lilnd vielleicht der stärkste JntollMmensch unter'den gwßen Dwiyettten, utth so scheint sich seine Art auf hailbem Wege mit dem Wesen des Berliner Orchesters §u begegnen, bei welchem die EsÄtheit, der Drill gnaz außerordentlich ist, wogegen die «rsprünglichc Sinnttchkeit des Klanges ein ivettig zurücktritt. Gat:; hervorragend sind die Bläser — prächtig etwa hie Ausfi'thrung des Hovnchcmas in ,MÜ Etckettspieyel" —, matter die norddeutsch kiMen Streicher. Das Programm, ganz auf die Mtiderrde Bravour eines siegreich aus AmerAa hemckehrenden Stars und Reisedirigeuten antzelagt, brachte nach Beethovens „Erster", in welcher das Menuett zu einem sprühenden Beechovenschen „Scherzo" wurde, und der Humor in der Einleitung des Finale durch übemtäßige Zerdehnttuig noch bejottders marAert war, den Straußischen ,Ii(l Eulenspiegel" in ungemein plastischer Exegese seiner prögrrtnmat-schon Absichten. Dann verwandelte sich Ftiriwängler als Dirigent einiger Brahmscher ungarischer Tänze in - einen flotten Zigetlnerprimas. Und der große Reißer blieb Tschaikowskys „Vierter" aiisgchparl, deren knallige, vaffiinerte Mischung von Sentiment uich Bnttälitat durch Fttrtwängilers unifchlbare Witterung für den OrchestevesiM noch knalliger wurde. Das Schlagwovt ,,stvkottenn:usik" hat ein bekannter M-isiffachtttann für diese Art bunt und grell herausgeputzter billiger Melodik geprägt, welche das Publikum immer wieder blet^et. Es ivar cvttch diesmal sttsginievt und feierte dett berühtnien Orcheslermagier Fttrlivcingler und sein mttftechaff diszipliniertes Orchester mit ung:'" wohnter Her^lichkert. fib.

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