Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2596 (16.5.1926)
- Date
- 1926-05-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Setze 4_Men, Komiiag i ln ' llu ... -' s l ReUhosier-Mnderserfe lIsivStütl SkkÄllitLtr! m Bischof Gras Mikes ausgesucht, unbei dieser Gelegenheit habe Zadravec erklärt, sein Gewissen in der Frankenaffäre sei ruhig. Gleichzeitig habe - er die damals vom Markgrafen Pallavicini gegen den Ministerpräsidenten eingeleitete politische Aktion verurteilt. Graf Mikes habe damals gesagt, Pallavicini erhalte feine Informationen von Pater Bonis. Windischgrätz und N a d o s s y bestätigen die Anssagen des Feldbischofs, während R a b a an seiner ursprünglichen Darstellung fest hält. — Der nächste Beuge Mbg. Friedrich gibt an, Ml Jahre 1922 habe ihn Meszaros besucht und ihm einen lithographischen Stein mit der Zeichnung einer Frankennote gezeigt. Einige Tage später sei Meszaros in Gesellschaft des Prinzen Windischgrätz gekommen und habe einen Salvus conductus gezeigt, der ihm vom Abg. H i r beschafft worden sei und worin es hieß, daß die Regierung ihnen in ihrer Aktion Schutz angedeihen lasse. Den Salvus conductus habe Zeuge nur von weitem gesehen und ihn nicht gelesen, doch habe es geheißen, daß er von Bethlen unterschrieben sei. * Auch eine Kurierlegitimation habe Meszaros gezeigt, die auf den Namen Trautmann lautete. Die Kaution des Meszaros, als dieser wegen Sokolfälschungen in Wien im Gefängnis saß, sei zum Teil von ihm, zum Teil vom Prinzen Windischgrätz, zum Teil aber auch von der Kasse des Ministerpräfidiums erlegt worden. Meszaros und Windischgrätz hätten ihm auch erwähnt, daß " Nadosfy in der Sache Nachsicht übe, was Zeuge um so mehr geglaubt habe, als Nadossy während des we st ungarischen Aufstandes die Freischärler nachträglich unter st ützt habe. Hierauf hätte Abg. Hir als Zeuge einvernommen tverden sollen. Er hatte sich jedoch vorher aus dem Gerichtsgebäude entfernt. Fortsetzung der Verhandlung Montag. Bscsontzi soll verfolgt werde«. Budapest, 15. Mai. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung. forderte der Abg. Stephan Lendvah-Lehner in einer dringlichen Anfrage den Justizminister auf, gegen Wilhelm Vaszonhi das Verfahren einzuleiten, da Vaszonhi in der „Neuen Freien Presse" einen Artikel veröffentlicht hat,, in welchem er die ungarischen Richter der Parteilichkeit beschuldigt imd daher Vaterlandsverrat verübt habe. __fBStette* Moraettzeltrmg Jnstizminister Paul P e st h y erwiderte, die Regierung werde einstweilen nichts gegen Vaszonhi unternehmen, sondern werde warten, bis das Urteil des Gerichtes im Frankenfälscherprozeß gefällt sei, da die Regierung keinesfalls den betreffenden Senat, den Vaszonhi der Parteilichkeit beschuldigte, in seiner Tätigkeit beeinflussen woll" Kn antssemitischer Welttongreb in Nllnemark. Wie die Korrespondenz Herwei erfährt, hat das auif dem letzten Antisemitenkongceß in B u da Pest eingesetzte Komitee, dessen Sitz in Wien ist, seine vorbereitenden Arbeiten für den antisemitischer! Weltkongreß, der Errde Juli dieses Jahres in Dänemark stattfindet, bereits älyeschlossen und die Referenten bestellt. Dieser Weltkongreß sec Antisemiten wird in Springer d' (oberhalb Lampenberg) b Kopenhagen) tagen. Zu den Beratungen haben sich Delegierte ans 28 Staaten angemeldet. Es soll eine Kundgebung der Antisemiten der ganzen Welt für die Schaffung der a r i s ch - ch r i st l i ch e n Einheitsfront werden und auf diesem Kongreß sollen auch bedeutsame Beschlüsse gefaßt werden Bor der Tasuna der Mandatskommission. Kolonel Sinnes — Vertreter der englischen Regierung. Jerusalem, 13. Mai. (I. T. A.) Der Chefsekretär der Paläftinaregierung, Kolonel Symes, wird bei der i:n Juni dieses Jahres in Genf stattfindenden Tagung der Mandatskommission des Völkerbundes die Regierung Großbritanniens vertreten. In der letzten Sitzung der Mandatskommission vertrat der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Mr. Ormsby- G o r e, in der vorletzten Sitzung der damalige Oberkommiffär Sir Herbert Samuel die britische Regierung. Die Reorganisation des Bötterbundrates. Genf, 15. Mai. Der Entwurf zur Regelung der Ratsfrage ist heute spät abends vom Redaktionskomitee fertiggestellt worden. Zum Berichterstatter für die Kommission wurde der italienische Senator Seialoja ernannt. In dem Entwurf sind die Anträge Lord Robert Cecils und die in der Debatte gemachten Anregungen in ein geschloffenes System gebracht worden. Von der Annahme des Entwurfes erhofft man die Lösung der Ratskrise, da die Völikorbundversammlung unter anderem auch das Recht erhält, jederzeit für sämtliche nichtständige Sitze die Ratsmitglieder . neu zu wählen, auch dann, wenn die Amtszeit der bisherigen Rats- Mitglieder noch nicht aogelaufen ist. Eröffnung des Kalifatskongreffes. Konstantinopel, 15. Mai. In Kairo ist der Kongreß des Kalifen, an dem zahlreiche Delegierte muselmanischer Staaten tellnahmen, eröffnet worden. König Fuad begrüßte persönlich den Kongreß. M. M8i Wm ttC. söBo a ... M w 4 5euHjatraEH®n .\15uroaasse5 Sa» zwMMe Aktionskomitee. London, 15. Mai. Wie das Präsidium des Aktionskvmitees mitteilt, wird die nächste Sitzung des Aktionskomitees, die ursprünglich für August in Palästina vorgesehen war, infolge des Einspruches der Amerikaner und aus anderen wichtigen Gründen in der zweiten Hälfte des Juli in Europa stattfinden. Die iatemationale Pabkonierenz — gescheitert. Di- Bisa bleib««. (Eigendienst der „Wiener Morgerrzeitung".) Genf, 15. Mai. Die zweite internationale Paßkonferenz hat sich heute gegen die sofortige allgemeine Aushebung der Paßvisa ausgesprochen. Sie ist der Meinung, daß die allmähliche Aufhebung der Durchreise- und Einreisevisa unter den gegenwärtigen Verhältniffen nur durch besondere Abkommen zwischen den einzelnen Staaten erfolgen kann. Marx Reichskanzler? Berlin, 15. Mai. Wie das Wolffsche Bureau ck«s parlamentarischen Kreisen erfährt, hat Reichspräsident Hindenburg in einem Schreiben den Fraktionsvo-rsitzenden des Zentrums, Reichskanzler a. D. Marx, um Stellungnahme dazu gebeten, ob er bereit fei, die Kabinettsbildung zu übernehmen. Marx hat bis morgen Bedenkzeit erbeten. Die Wahle» ia Litaveu. Der Rechtsblock verliert zehn Mandate. — Mr Ddftche Demokraterrliste erhält vier Mandate. (Eigendienst der „Wiener Worgenzeitung".) Kowno, 15. Mai. Bei den unter heftigen Kämpfen zu Ende geführten Wahlen in den L a n d t a g hat der rechte Block eine schwere Mederlage erlitten, infrem et von seinen 40 Mandaten zehn Sitze an die vereinigte Opposition abgeben mußte. Die jüdisch-demokratische G r u p p e, die dem oppositionellen Wahlblock crn-- gehört, erzielte, obgleich die sogenannte Achduthgruppe mit einer eigenen jüdischen Liste in die Wahl ging, vier Mandate. Die Achdttthliste ist g ä n z l i ch d u r ch gefall e n. Die Inden werden aber trotzdem bloß mit drei Mandaten im Landtag vertreten sein, da sie gemäß dem Bündnisabkommen ein Mandat an die polnische Minorität abtveten müffen, da diese statt der erwarteten vier Mandate bloß drei erzielte. als unsere heutigen Ehaluzim, daß aber der 40jährige Kamps gegen die Malaria und gegen eine vielleicht wohlmeinende, aber buraukraiissche und vollkommen von Paris abhängige Administration jede Initiative und jeden Gauben bei ihnen gebrochen haben. Wmn man bei Rosch Pinah den Kolonisten Vorwürfe machen kann, daß sie nicht mit Juden arbeiten, so verstummen in diesen Siedlungen die Vorwürfe. Diese Bauern arbeiten wirklich selbst, sie können wirklich kaum von ihrer Arbeit leben und verzichten weitgehend auf arabische- Arbeit, nicht aus nationaben Gründen, sondern aus wirtschaftlichen. ES sind mit unendlichem Schweiß und vielen Opfern erbaute Stützpunkte der jüdischen Arbeit im Lande, und die Klagen, daß man sich nicht um sie kümmert, kann man nicht als ganz unberechtigt empfinden. Etwas anders sieht es in Metullah aus. Hier herrscht eine gewisse Frische und hier hat die Jca, nachdem zur Zeit des Uebersalles in Obergaliläa die Kolonie großenteils abgebrannt und ihre Pflanzungen verwüstet wurden, vieles zum Wiederaufbau getan. Jüdische Arbeiter find in Metullah kaum zu finden; man arbeitet mrt Arabern, aber dafür ist wenigstens ein gewisser Wohlstand zu verzeichnen. Jetzt freilich besteht in Metullah wie in ganz Obergaliläa eine gewisse Absatzschwierigkeit, da man im allgemeinen nach Damaskus zu verkaufen pflegte, heute dieser Markt versperrt ist und Safed einen wenig ausnahmssähigen Markt darstellt. f In allen diesen Siedlungen haben die Bauern relativ große Flächen zu ihrer Verfügung, die im Durchschnitt, etwa 200 Tunam pro Familie betragen, also doppelt so groß wie das bei uns übliche Bodenmaß im Moschaw. Sie sind also auf Lohnarbeit durchaus angewiesen, und wo — wie in Jeffod Hamaalah und Mischmar Hajarden — das Geld dafür vorhanden ist, wird nur ein Teil des Bodens bearbeitet oder die Kultur erfolgt in oberflächlicher und hochextensiver Form. Wenn diese Moschawoth einen sehr unbefriedigenden Eindruck hinterlassen, so steht es anders um die Kwuzoth und Moschawim, die Obergaliläa aufzuweisen hat. Man sicht hier, daß letzten Endes nicht die kolonisierende Körperschaft, mag sie nun Jca oder Zionistische Organisation heißen, sondern Menschen den Geist der Siedlung bestimmen. Tenn es find echte paläftknensische Poalim, die hier auf Jca-Boden in den von ihnen geschassenen Formen siedeln, die in der Arbeiterorganisation and im Merkaz Chatlai ihre -bersten Instanzen erkennen und die zu jener palästinensischen Landarbei'terschaft gehören, die auch Len §kern des Emek bildet. Drei Kwuzoth, Ajelet Haschachar im südlichen Otergaliläa, Tel- Chai und Ksar Giladi im Norden, unmittelbar vor Metullah, sind vorhanden, die ersten beiden mit etwa 40, die letztere mit 70 arbeitenden Menschen. Die Jca ist keine Freundin der Kwuzoth. Sie versucht Kwuzoth zu verhindern, gibt aber immerhin gegenüber dem entschiedenen Willen der Arbeiterschaft nach und fordert nur eine Konzession, nämlich, daß nicht einige große Gemeinfchaftshäuser gebaut werden, wie sie etwa in Daganiah und anderen Kwuzoth bestehen, sondern daß eine Reihe kleinerer Einzelhäuser besteht, die eine spätere Aufteilung in einen Moschaw ermöglicht. Sy weisen Ajelet Haschachar und Ksar Giladi denselben typischen Eindruck auf, der jeden Uninformierten einen Moschaw vermuten läßt und der sich in keiner anderen Kwuzah in der Form wiederfindet, wenn auch keineswegs überall das Gemeinschaftshaus durchgeführt ist. Das Problem des Verhältnisses zur Jca steht natürlich hier im Vordergründe des Interesses. Es ist nicht etwa so, daß 'bei einem Vergleich der Jca mit der Zionistischen Organisation als kolonisatorischem Faktor alles Licht auf letztere fällt; im Gegenteil hat die Jca einen entschiedenen Vorteil vor der Zionistischen Organisation voraus: sie hat Geld. In Ksar Giladi etwa klagt man, daß die Jca von den versprochenen Häusern erst sechs gebaut hat. Wir erinnerten die Chawerim des Gdud, die dort siedeln, daran, ,daß in den Siedlungen des Keren Hajessod im Emek noch kein einziges Steinhaus gebaut ist, daß die Leute in Baracken und Zetten wohnen und daß es noch keineswegs abzusehen ist, wann man in Ichhalal oder En Charod Häuser haben wird. Das weiß man natürlich auch dort; aber man sagt, daß die Zionistische Organisation eben nicht die genügenden Mittel hat, daß es unsere Menschen sind, mit denen inan dort redet, daß sie verstehen, worauf es ankommt, während 'frei der Jca ein ängstlicher Bureaukrat sitzt, der genaue Befehle aus Paris erhält, die er nicht zu überschreiten wagt. Die Jca kolonisiert überhaupt in vieler Beziehung anders, als wir es gewohnt sind. Ihre Beamten vereinbaren das Budcget mit den Ansiedlern, aber sie lehnt es grundsätzlich ab, zu den Unkosten der Lebenshaltung irgend etwas beizutragen, sondern beschränkt sich <wf Gebäude und Inventar, was natürlich häufig zu einer sehr großen Notlage geführt hat und führt. Ein großer Teil des Bodens.ist noch nicht bearbeitet. Ksar Giladi etwa hat die Möglichkeit eines umfangreichen und erfolgversprechenden Pflanzenbaues, aber nicht die Mittel, um damit zu beginnen. Bei allen: machen diese Siedlungen einen besonderserfreulichen'Eindruck, insbesondere Ksar Giladi. kann nach dem Aufbau der ganzen Siedlung, vor allein mich der Kiriderinstitutivnen nach den: Geiste dieser Leute, als der Typus' einer guten Kwuzah bezeichnet tverden. Die Erinnerungen an den heroischen Kampf Trrrmpeld o r s sind natürlich lebendig. Zwischen den beiden Siedlungen Ksar Giladi und Tel-Ehai liegt der kleine Friedhof, der die sechs Opfer des Beduinenüberfalles enthält. Ein einfacher Stein mitten im Wirtschaftshofe von Tel-C'hai bezeichnet die Stelle, wo Trumpeldor von der tödlichen Kugel getroffen wubde, ein einfacher Blumengarten steht auf dem Platz m Ksar Giladi, wo Trumpeldor und die Seinen begraben wurden. Erst später hat man sie auf ihre heutige Stelle überführt. Man spricht davon mit derselben schmucklosen Selbstverftändlichkeit, mit der der Arbeiter in Palästina von seinem Werk zu sprechen pflogt, ohne jedes Gefühl, etwas Besonderes und Außergewöhnliches zu leisten. Aber man empfindet stark, daß eine Verpflichtung unserer aufbauenden Institutionen gerade gegenüber diesen Siedlungen besteht, die, ohne auf dem Boden des Keren Kajerneth zu sichen, zu uns gehören durch ihre Geschichte und durch die in ihnen arbeitenden Menschen. Das obere Galil hat auch einen Moschaw: Machanajim zwischen Ajelet .haschachar und Mischmar Hajarden gelegen, eine frühere Kwuzah, die sich aufgeteilt 'halt, und einen Moschaw Owdim auf den Prinzipien dieser Siedlungsform gebildet hat. Es sind etwa 40 Familien vorhanden, deren Hauptschwierigkeit in de-r Tatsache liegt, daß fie kein Wasser haben und daß ihr Felder weit entfernt sind. Auch er stcht auf Jca-Boden und hat dieselben Klagen über, die Jca. Es sind zwei deutlich geschiedene Teile, in die >das jüdische Obergaliläa zerfällt: der nördliche Teil mit den beiden Kwuzoth Tel-Ehai and Kfar Giladi und der Kolonie Metullah, und der Süden zwischen Safed und dem Meromfee. Was dazwischen liegt, ist honte rein arabisch, eine große, vielfach bebaute Ebene, großen Teiles, besonders in der Nähe des Jordan stark versumpft, die berühmten Hulefümpfe. Das landschaftliche Bild ist ganz eigenartig uud ungewohnt: der Wasserbüffel tritt in den Herden auf, der ganz wie in Acquatorialafrika den größten Teil des Tages unbeweglich im Sumpfwafler liegt, wo man nur die Hörner herausragen sieht; an Stelle des sonst in Palästina sehr häufigen Storchsö fficht man den Reiher, die arabischen Dörfer weisen an Stelle der Lehmhütten mit Matten bedeckte Hütten auf, so daß' das Fellachendorf vom Beduinenlager kaum zu unterscheiden ist. Biele Hoffnungen knüpfen sich an dieses G ebiet, das einmal bestimnrt sein wird, dem jüdischen Kolonisationswerk!n Obcrgaliläa einen neuen Schwung $x ge ben. ' ''