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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-15 · Heft 2595 (15.5.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2595 (15.5.1926)
Date
1926-05-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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WIE» *, «ni 19» Der Budapefter Mscherprozeß. Ae falschen Wffe. (Cigendienst -er „Wiener Msrgemeittntg.", Budapest, 14. Mai. Auch zur heutigen Verhandlung deS Frankenfälschungsprozesses hat sich ein z a h lreiches Publikum eingefunden, da man interessante Zeugenaussagen erwartet. Als erster Zeuge wird Overstadthauptmann-Stellvertreter Emmerich Heteuhi, Leiter der politischen Polder und des Paßwesens, einvcrnommen. Auf Befragen erklärte er: Ich kann mich nicht an alle Details der Paßerteilung an I a n k o v i ch und Raba erinnern, zumal ich täglich 800 bis 1000 ähnlicher Paßanliegen zu erledigen hatte. Gewiß ist aber, daß ich diese Päffe im Aufträge des Landespolizeichefs Nadoffy ausgestellt habe. Die Weisung ist sowohl telephonisch, wie durch Briefe, die Raba und Jankovich überbxachten, erfolgt. Solche Anliegen auf Ausstellung von falschen Pässen kommen oft vor. Es geschieht dies im Staatsinteresse und wird in allen Ländern von Europa aus ähnlichen Motiven befolgt. Es sind dies die sogenannten Inkognito- oder Konfidentenpäffe. Adtch der Kommunist Nakosi zum Beispiel war in: Besitze eines solchen Passes. Präs.: Wurden Sie über die Zwecke, denen die Päffe dienten, informiert? Heteuhi: Ich wußte nur aus einer Mitteilung von Nadossy soviel, daß es sich unr eine unbedingt patriotische Sache handle. Ich hatte übrigens angesichts der Weisung nicht viel nachzudenken. Präs.: Später stellten Sie auch für Olahvary einen aus den Namen Olah lautenden Paß ans. Heteuhi: Dies geschah nach demselben Vorgang und auf dieselbe Weise. Präs.: Windischgrätz selbst hat Sie nicht um Ausstellung von Pässen ersucht? Hetenyi: Dies geschah stetsim Wege von N a d o s s y. Präs.: Und wie war es mit der Ausstellung des Paffes auf den Namen Iaray? Hetenyi: Dies ist nur mehr auf briefliche Weisung erfolgt, eine telephonische war nicht mehr notwendig, da Jankovich schon akkreditiert war. Präs.: Wußten Sie etwas von dem Zweck dieser patriotischen Aktion? Hetenyi: Mir hat man darüber niemals Mitteilungen gemacht. Der Präsident fragt Nadossh, was er zu bemerk«! habe. Nadoffy: Alles ist so, wie es der Zeuge dargestcllt hat. Oberstaatsanwalt S z t r a ch e fragt, ob ein solches Verfahren bei den sogenannten Jnkognitopässen usuell sei. Hetenyi: Die Ausstellung solcher Päffe kann in jedem Lande angeordnet werden. Verteidiger Dr. Schubert verweist darauf, daß die Briefe, die Nadoffy an Hetenyi gerichtet hat, sehr höflich waren ickd Wendungen wie „Ich bitte" ufw. enthielten. Die Briefe können nicht als Befehle betrachtet werden. Hetenyi ftmt erhobener Stimme): Es waren Befehle! N a d o s s y erhebt sich und sagt: Ich binde niemand an die Nase, weshalb ich irgend etwas verlange. Meinen Weisungen hatten meine Beamten Folge zu leisten. Hetenyi: Ich habe sie als Befehle betrachtet. Verteidiger Dr. Hans Vazsonyr: Hatte Raba außer der Rolle eines Dienstmannes und Boten, die er bei der Einholung der Pässe hatte, noch irgend eine andere Rolle? Hetenyi: Bei mir nicht. Der Direktor der A l t r u i st e n b a u k, Stephan Zlinskh, sagt aus: Jankovich, der mir auch persönlich bekannt ist, hat sich an mich als den Leiter der Altrnistenbank gewendet, damit ich ihm den Kauf eines Gutes in Ungarn vermittle. Er besaß ein Gut in der Tschechoslowakei, wollte aber eines in Ungarn laufen, wozu er 800 bis 1OOO Millionen Kronen aufwenden wollte. Präsident: Fiel Ihnen nicht die Höhe der Summe auf? Zeuge: Ich wußte, daß er reich g e h e i r a te t hat, allerdings auch, daß er in Scheidung begriffen war, doch fiel nrir die Summe nicht als zu hoch auf. Ich machte ihm Mitteilungen über ein Gut, das in der Nähe von Raab zu haben war. Oberrechnungsbeamter der Postsparkasse Johann Skalka macht Mitteilungen darüber, auf welche Weise dem Jankovich die 400 Millönen ausbezahlt worden sind, 'die Auszahlung erfolgte auf Anweisung des General- »irektors Gabriel Baroß. Präs.: Auf welchen Fonds wurde sie gebucht? Zeuge: Auf den Dispositionsfonds des Generaldirektors. Präs.: Man spricht von einem „bekannten Fonds". Zeuge: Es kann sich nur um den Dispositionsfonds handeln. Aus Anfrage eines Verteidigers erklärte der Zeuge, er erinnere sich nicht, daß für Raba und Windischgrätz andere Gelder ans der Postsparkasse ansbezahlt worden wären. Zeuge Bankier Mischer gibt an, er habe durch Gabriel Baroß von den Jrankenfälschungen Kenntnis erlangt. Baroß habe ihn gebeten, in taktvoller Weise dahin mitzuwirken, daß Prinz Windischgrätz von seinem Plane ablasse. Bei der ersten Begegnung mit Windischgrätz habe dieser in e n t h usiastischer Weise seinen patriotische Ziele verfolgenden Plan dargelegt und erklärt, man könne weder von der Gesellschaft, noch von der Regierung, besonders nicht von der gegenwärtigen Regierung eine Unterstützung erhoffen. Um den Prinzen von seinem Vorhaben abzubringen, hätten Zeuge und Baroß vereinbart, daß der Prokurist des Zeugen, Horvath, der inzwischen ebenfalls mit dem Prinzen bekannt gemacht worden war und ohnehin eine geschäftliche Auslandsreise unternehmen mußte, nach der Heimkehr dem Prinzen sagen sollte, es sei ausgeschlossen, im Ausland falsche Frankennoten zu verwerten. Als dies geschehen war und Windischgrätz noch immer an seinem Vorhaben festhielt, hätten sie beschlossen, in: Wege des Ministerialrates v. Kozma dem Ministerpräsidenten die Anzeige zu erstatten. Daß sich außer dem Prinzen noch jemand anderer mit der Finanzierung der Frankenfälschungen beschäftigt hätte, davon besitze der Zeuge keine Kenntnis, Von einer direkten Anzeige sei behufs Vermeidung eines Skandales abgesehen worden. Zeuge Horvath macht konform Aussagen. Als er Kozma darum ersuchte, dem Ministerpräsidenten die Anzeige zu übermitteln, habe er auch den Namen N a d o s s y genannt, jedoch nur aus dem Grunde, weil Kozma ihn aufgefordert habe, die Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Gleichzeitig habe er jedoch Kozma das Ehrenwort abgenommen, daß er vor dem Ministerpräsidenten den Namen Nadoffy nicht nennen werde. Zeuge Ferd in andy, der im Zusammenhang mit der Affäre eine Zeitlang in Haft gewesen war, da er sich an der Zählung der Banknoten beteiligt hatte, der sich jedoch sehr bald von der ganzen Angelegenheit zurückgezogen hatte, gibt an, Prinz Windischgrätz, dem er seinerzeit int Ministerium als Sekretär beigeordnet war, habe sich auf seine direkte Frage, wie sich die Regierung zur Sache verhalte, ni ch t immct in der gleichen Weise geäußert. Das erste Mal habe er ganz im allgemeinen gesagt, die Regierung habe von der Sache Kenntnis. Das zweite Mal habe sich der Prinz ihm gegenüber darüber beklagt, daß ein Offizier die Sache dem Ministerpräsidenten verraten habe. Morgen werden unter anderem Feldbischof Zadraveez sowie die Abgeordneten Hir, Friedrich und Graf Teleki einvernommen werden. Die wirtschaftliche Studlenkommission ui Palästina. (Eigendienst der „Wiener Worgenzeitnng".) Jerusalem, 13. Mai. Wie 'bereits kurz gemeldet wurde, hat sich die palästinensische Regierung auf Vorschlag Doktor W e i z m a n n s bereit erklärt, zum Studium der wirtschaftlichen Fragen eine gemischte Kommission eirrzusetzen, der Vertreter der Regierung und des Jischuw angehören. Nunmehr sind die Kommissionsmitglieder nominiert worden. Die Negierung ist durch den Leiter des Finanzdepartoments Davis vertreten, während in Vertretung des Jifchrrw die Herren K i f h, H a l p e r n, K a P l a n s jf t und Hooficn der Kommission äuge hören. Anowjew verbannt keine Schwester »ach Palästina? Jerusalem, 13. Mai. (I. T. A.) „The Pälestine Bulletin" nreldet, daß der sowjetrufsische Volkskommissar S i n o w j e w ein Dekret unterzeichnet hätte, wonach seine eigene Schwester, eine Frau Bilensky, wegen zionistischer Betätig n n g nach Palästina verbannt werde. Der Gatte der Verbannten, der gegenwärtig Farmer ill Nähalal (im Täte Josreel) ist, soll sich nach Berlin begeben haben, um dort mit seiner Frau zresamnrenzntresfen und für ihre Weilerreise nach Palästina Vorsorge zu treusten. Mische Vertretung ans dem Weltkongreß sär Wanderungen. Amsterdam, 13. Adäi. (I. T. A.) Wie schon gemeldet, ist der Weltkongreß für Wanderungen vom Internationalen Gewevkschaftsverband für den 18. Mai nach London einberufen worden. Ter A l l g e m e i n e A r b e i t e r b u n b Palästinas (Histadruch Haowdim) wird auf dem Kongreß offiziell vertreten sein. Das Zentral'buroau der Zionistischen Weltorganisation wird einen Grstdelegierten entsen-den. Der Sekretär des jiidischen Verbandes für den Schutz voll Frauen und Mädchen, Herr S. Cohen, wird dem Kongreß als Repräsentant der Internationalen Konferenz privater Organisationen für Emigrantenfchirtz beiwohlren. Eine spezielle Berichterstattung über das Problem der jüdischen Wanderung ist nicht vorgesehen, dagegen wird den jüdischen Delegierten Gelegenheit gegelen werden, im Verlaufe der Debatte über die mannig-. facheil Probleme der jüdiselben Wanderrnig zu sprechen. ZlMÄJflfCll® IHlZffilSöfflönfRrttofl Rate Samstag den iS.fWttK 8 Urtr abends hn Zentralkelter, Wien, II. Taborstmse Br, 8 Tagesordnung: Lage in Palästina — Lage der Juden in Oesterreich — Stärkung der zionistischen Organisation Redner: Dr.D. Friedmann, Präs, der zionist. Organisation — Dr. L. Plaidhkes, Gemeinderat — Dr.). Lövrenher«, Vtzepräs. der Kultusgemeinde — Ing. Robert Stricker — Dr. N. Gelber Tagesbericht. Wo ist die „Rorge". Keine Nachvicht von Amuwvfen. — Woche» scheinlich tm Nebel vevivvt. Mailand, 14. Mai. Die hiesigen Blätter haben bisher keinerlei Nachricht von der ,Marge" erhalten. Man nimmt an, daß die „Norge" infolge der gestörten Radioverbindungen sich im Nebel verirrt und dann wegen Erschöpfung des Benzinvorrates an einem abgelegenen Orte in Alaska eine Notlandung vornchmen mußte. Eine noue Expedition zum Südpol. Wie der novwegifche Gesandte in Rom in einem Interview mitteilte, hat die Expedition der Marge" bisher zwanzig Millionen Lire gekostet, die fast ganz von E l l sw o r t h aufgebracht wurden. Der Diplomat hall es fiir möglich, daß Aninndsen und Nobile nach dem Gelingen ihres NovdpoMuges eine neue Expedition nach dem Südpol organisieren werden. SeMMe des Mittelstantzss m Palästina. Boir Dr. Kurt Nawratzki <Danzr>g). Im' folgenden möchte ich etwas ausführlicher aus eine neue Kolon isationsmethode Hinweisen, die durch einen kurzen Prospekt von Dr. Brünn, zurzeit Berlin,angeregt ist und dieQesfentlich. feit zu beschäftigen beginnt. Es handelt sich um einen Plan über eine zu gründende O r a nge npsla nzungs geisellsch ast in Palästina auf rein geschäftlicher Grundlage. Der Plan Brünns, der erst als Leiter des Straußfchen Gesundheitsbureaus vor dem Kriege, dann als Kolonrearzt und Farmer jahrelang in Palästina praktisch tätig war, verdient den Namen Selbsthilfe des Mittelstandes. Der Mittelstand, der nach Palästina gehen will, das heißt meist die Generation, die vor dem Kriege sich zionistisch eingestellt hatte, mit der mehr oder minder ausgesprochenen Absicht, sich später eine Existenz dort anfzubauerr, aber durch die Kriegs- und Nachkriegsverhältnisse daran gehindert worden ist, steht heute am Scheidewege. Eine sofortige große Kapctalsmvestilerung ist für diese Kreise sehr schwierig. Auf der anderen ^eite scheut man, schon mit Rücksicht aus die Familie, jedes allzu große Risiko: man möchte nicht einen' Sprung ins Dunkle wagen. In geweMichen ober, industriellen Berufen oder im Handel sich zu betätigen, ist in PalMna bei der Enge der Verhältnisse auch nicht als allgemeine Wring arischen. Die Organisation dagegen als solche hat, u-M das muß ihr zum Bovwurf gemacht werden, leider eingestellt, allein Ms die wichtige Eroberung des Landes durch jüdische Arbeit die Schaffung einer breiteren Basis des Bodenbesitzes als ihr Hauptziel angesehen und gänzlich vergessen, sich mit der Lösung des PrMemes „Hiffe 'für den Mittelstand" zu befassen. Die Pica, die hierfür in Frage käme, hat nur in ganz bescheidenem Unrfange, durch Gründung eurer einzigen Kolonie, sich in dieser Richtung betätigt und erst neuerdings die großer: Entsumpsuirgsarbeiterr in Angriff gerronrmen, die vielleicht ein Anfang der Fortsetzung dieser Arbeit sind. An der Form der von Rrrppin noch vor dem Kriege ms Leben gerufenen Achusa ist das Grundprinzip richtig, nämlich die allmähliche Anlage eines ertragsföhvgen Besitzes durch Kapitalsinvestierungen eines noch' im Auslände seinem Beruf Nachgehenden mit dem ausgesprochenen Ziel, daß.der Besitzer erst nach Fertigstellung des Besitzes nach Palästina' übevsiedelt, um hier die Verwaltung selbständig in die Hand zu nehmen. Diese Methode ist an sich so naheliegend, daß nran immer wieder staunen muß, daß die Juden, als praktische Menschen, diese Methode, die fast von aller: külonisiererrden Völkern in dieser oder ährrlicher Weise angeitvandt wird, nicht a»rch uns dienstbar machen. Die besten Geschäfte in Palästina sind bekanntlich die, von denen marr am wenigsten spricht, das trifft für die OvlMgerWanzmrgen zu. Bon niemand unterstützt, von keiner Organffation ermutigt, sind hier im Laufe der letzten 25 Jahre immer neue Plantagen entstanden, deren Produkte, die ausgezeichnete I af f a o r a n g e, eine erstklassige Standarbwave ist, die ans dem Weltmarkt die höchsten Preise erzielt, deren Absatz auf keine Schwierigkeiten stößt und keiner ernsthaften Konkurrenz begegnet. Zrckr ein Fünftel der spanischen ProdMion wird heute drwch die PaMinensische Produktion erreicht, die fast ein Drittel des Exportwertes des paläftiirenstschen. Gesamtexportes darsteüt. Es ist intereffant, daß fast in allen Angaben über die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas, über die Leistungen des zionistischen Aufbarrwerkes sich auch felbstverstäirdlich diese wichtigen und beachtlichen Exportziffern befinden. Aber wie ivenig wird beachtet, daß diese Produktion rein privatkapitalistffch erzeugt wird, daß' ein nrächtiges, kaufmännisch erstklaKg geleitetes DdischeS

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