Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2593 (13.5.1926)
- Date
- 1926-05-13
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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wm 6 Mtti. DonnerMg Wiener Morstenzeitunk, IS. Mai IW Nr. SM «l, die krve zerkrach... Nach der neuesten v^l beachteten Theorie der Kontinrntal-Wrrschiebung. die der Geologe Wegen er aufgestellt hat, nimmt man an, daß die Gesteinsschichten der heutigen Kontinente einstmals die ganze Erde bedeckte«. Erst am Ende des Erdmittelalters, in der sogenannten Kreidezeit, zerbrach diese zusammenhängende Tafel; die einzelnen Teile schwammen auseinander und bildeten die KontinentalschoNen. die heute nur Noch ein Viertel der Erdoberfläche bedecken. Wie diese Entstehung der Erdteile und Weltmeere, nachdem die Erde zerbrochen" war, vor sich ging, schildert Rudvft Hundt in der „Leipziger Illustrierten Zeitung" Ma« Nimmt an, daß die Kontinentalschollen gegen hundert Kilometer mächtig sind und eine Gestcinsschale, das sogenannte „Stal" bildeten, das die gange Erdoberfläche bedeckte- Diese vorzugsweise aus Silizium- und AlumiMumverbindttngen aufgebauten Gesteine schwimmen in der nächsttieferen steinsschak der Erde, dem „Sima", aus dem sie nur Ms Kilometer weit herausragen. Wie sehr die Schichten nach dieser Erdkatastrophe zusammeSyeschoben wurden, hat man aus der Faltung oer Alpen berechnet, die heute nur noch eine Fläche von 150 Kilometer einnehmen, während die Gesteinsschichten, aus denuen die Alpe« bestehen, früher 600 bis 1200 Kilo" Meter breit waren. Früher brachte man diese Faltungserscheinung mit dem langsamen Erkalten des Erdinnern in Beziehung, wäre dies aber richtig, so müßte sich die Erde seit dem Tertiär um 2400 Grad abgekühlt haben. In der Tertiärzeit brachen auch die einzelnen Schollen auseinander, die heute die Antarktis, Australien, Vorderindien, Südafrika, Südamerika darstellsn. Vorderindien entfernte sich von Ame" rika mär schwamm Asien zu, mit dem es sich an der Stelle verband, wo sich heute das Himalaya-Oebirge auftürmt. Die Atlantische Spalte besitzt im Süden eine Breite vo« 6220 Kilometer; sie wiiär im Norden zwischen Nord-' vstgrönland und Spitzbergen schmäler und ist nur noch 200 bis 300 Kilometer breit. Daß aber die Kontinente östlich und westlich dieser Spalte zusammengehangen haben, wirs durch verschiedene Ursachen bewiesen. So entsprechen zum Beispiel die Zwarten Berge in Südafrika den alten Ge" birgsfalten bei Buenos Aires in Südamerika. Die Trennung beDer Kontinentmassen muß schon in der älteren Kreidezeit entstanden sein, denn zu dieser Zeit lassen sich zwischen den beiden Kontinenten keine Tierwanderungen mehr fest* .stellen. Im Tertiär hatte die Trennung schon umfangreiche Formen angenommen; das damals gefaltete Atlasgebirge Afrikas läßt sich über den Ozean nicht nach Westen hin verfolgen. Der Stille Ozean ist älter als der Atlantische, da sich in ihm noch Reste uralter Tierformen befinden, wie zum Beispiel die Ohrenrobbe. Ja« tzlefautengrab. der großen Geheimnisse, (Äi§ die gewaltigen afrikanischen und indischen Wälder noch immer bergen, ist die Frage, wo die Eleganten sich zur letzten Ruhe legen. Tatsache ist, daß es bis jetzt nicht gelungert ist, irgendwo die Gerippe eines dieser riesigen Könige der Wälder zu finden. Un:er den afrikanischen Stämmen zirkuliert die Legende, daß sich die Elefanten, wenn sie ihr letztes Stündlein herannahen fühlen, in irgend einen unb.'kannten Winkel zurückzichen, um dort zu verenden. Eine bekannte amerikanische Forscherin, Mrs. Bulnphrey, die kürzilch von einem Aufenthalt von sieben Monaten in Afrikas Dschungeln nach Boston zurückgekehr: ist, ist nun fest entschlossen, den Schleier, der über dem „Elefantengrab" liegt, zu lüften. Ihr Aufenthalt m Afrika hat ihr so gefallen, daß sie demnächst dorthin zurückkehren will. Auch ihr ist es bis jetzt nicht gelungen, irgendwo das Gerippe eines tot-n Elefamen zu entdecken, obwohl sie weite Strecken, wo es viele dieser Tiere gibt, durchstreift hat. Sie ist. aber fest überzeugt, daß es im Bereich ser Möglichkeit liegt, ein Massengrab von Elefanten zu entdecken. Die Sache hat nicht nur eine wissenschaftlich«, sondern auch eine geschäftliche S: i t e, da in einem solchen Elofantengrab Elsenbeinmassen von gewaltigem Werre gefunden werden müßten, so daß eine solche Expedition im Falle des Gelingens sehr lohnend wäre. Besondere Schwierigkeiren entstehen aber auch dadurch, daß sich die a b e r g l ä u b i s ch e n & i n g eborenen aus Furcht vor der Rache der Elerantenschutzgötter weigern, bei der Aufsuchung solcher Gräber behilflich zu sein. Humor km Sarsorttmentskatalog. Das Leipziger Barsortiment Köhler & Volkmar gibt jedes Jahr einen großen Katalog heraus, in dem alle in Deutschland erschienenen Bücher verzeichnet sind. Der Katalog soll in erster Linie Buchhändlern die Bestellungen erleichtern und enthalt darum für jedes Buch in alphabetischer Reihenfolge ein kurzes Telegrammwort, das der Buchhändler statt langwieriger Verfasseraugaben nach Leipzig drahtet. Bet Durchsicht des Katalogs ergeben sich manche humorvolle Verbindungen. 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MotthiaS)) Mensch .ich. — Untergang des Abendlandes (Spengler): Scheckbude. — Schöpferische Erkenntnis «Keyserlings: Kindbrot. -__ Ir. gimmermau holländischer Gesandter kn Washington? Berlin, 12. Mai. Die „Vossische Zeitung" verzeichnet in einer Haager Meldung das Gerücht, daß der gegenwärtig unbesetzte Ges a ndts chaf t spost e n in Washington dem ehemaligen Finanzkontrollor des Völkerbundes in Wien, Doktor Zimmerman, Übertragen werden soll. Ser neue holländische Gesandte. Haag, 12. Äai. Amtlich svlrd .mitgetent, L^lß der niederländische Gesandte' beim Vatökan JonHer van Rispen t e t S e v e n a e r zum G e s and t e n i n W i en ernannt worden ist. Rathan Tartakowerr Leichenbegöngnis. Unter überaus zahlreicher Beteiligung wurde gestern Nathan Tartakower zu Grabe getragen. Herr Rabbiner Dr. Zacharia Schwarz würdigte die ausgezeichneten menschlichen Eigenschaften des Verblichenen, sowie sein zionistisches Lelenswer'k. Am ossenen Grabe sprach namens des Zionistischen Landeskomitees - uno der engeren Freunde Rachan Tartakowers der Vizepräsident der Wiener israelitischen Kuttusgemeinde, Herr Dr. Josef L öw e n he r z. Ties bewegt nahm dann, das zufällig in Wien weilende Mitglied des polnischen Senates, Herr Dr. Brande, von dem Verblichenen -Abschied, der zu den Bahnbrechern der zionistischen Bewegung in Galizien gehörte. Unter den Trauergästen befanden sich die Mitglieder des Zionistischen Aktionskomitees, Herr Oberrabbiner Dr. C h a j e s und Oberbaurat Ing. Stricker. Herr Gemeinderat Dr. P l a s ch k e s, die Präsidentin der Zionistischen Frauenorganisation Frau Erna P a t a k, ferner die Herren Adolf Böhm, Bezirksrar Doktor Georg Weiner, der Obmann der Zionistischen Bezirkssektion Alsergrund und eine große Zahl gälizischer Zionisten und Landsleute des Verewigten. Die kantoralen' Funktionen versah ergreifend Herr Kantor P o st o l o w. Der gwischensall in der Ltaatroper. Sektionschef Dr. Kosak hat dem Unterrichtsmiyister Dr. Schneider in einem schriftlichen Referat den ganzen Sachverhalt der Szene, die sich Montag im Porraum des „Kaisersalons" der Staatsoper abspielte, geschildert und anschließend daran die Einleitung einer Drsziplinaruntersuchung gegen sich verlangt. In Kreisen des Unterrichtsministeriums ist man übrigens überzeugt, daß die „Affäre" mit der Feststellung jener untergeordneten Stelle, die es unterließ, auch den Minister Dr. Schneider zu der Feier in der Oper einzuladen, beendet ist, zumal Bundeskanzler Dr. Ramek seinerseits aus der ganzen Sache überhaupt keine Affäre macht. Glauben Sie nicht bevor Sie sich nicht selbst durch einen Versuch überzeugt haben. Die Synthese: Allerbeste Qualität mit» allerniedrigster Preis ist selten, jedoch erreicht durch das Warenhaus Brüder Schis s m a n n, 2. BeTaborstr >aß c 48. 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Gestern vormittags ist im Spital der Stadt Wien in Lainz der sozialdemokratische Gemeinderat Rudolf M ü l l e r .an Kehlkopftnberknlose gestorben. * Plötzlicher Tod eines Mediziners. Gestern mittag« ist in der Universität der 22jähvtge Hörer der Medizin, Franz G l ü cf, Nemvrandtstratze 3 wohnhaft, infolge Herzschlages plötzlich bewußtlosmsammengestürzt und noch vor Eintreffen der Rettungsgesellschaft gestorben. * Fenstersturz eines Kindes. Gestern früh um dreiviertel 7 Uhr ist der vierjährige Wilhelm R e i n e l t aus einem Fenster der elterlichen Wohnung, 4. Bez., Wehringergasse 38, zwei Stockwerke tief in den Hof gestürzt. Der Kleine erlrtt schwere Verletzungen und wurde ins Kinderspital gebracht. Der Baker war zur Zeit des Unfalles schon in der Arbeit, die Mutter bei einer Partei des Hauses als Bedienerin beschäftigt. DaS Fenster war geschlossen gewesen und das Kind hat es erklettert und geöffnet. * Folgenschwerer Kurzschluß auf der Straßenbahn. Während der Fahrt eines gegen die Josefstadt; fahrenden Straßenbcchnznges der Linie „5" erfolgte vor dem Warenhaus Stafa im Motor ein Kurzschluß. Eine starke Stichflamme der Plattform standen, Verbrennungen an den Händen. Sie mußten ins Sophienspital gebracht werden. * Verhaftung des Budapester Bankdirektors Germanus. Vorgestern wurde hier der ungarische Bankdirektor Desidor G e r m a n u s der ..Merkur" Allgemeinen , Verkehrsunternehmnng verhaftet und dem Landesgerichte eingeliefert, weil gegen ihn in Budapest Anzeigen erstattet wurden, daß er durch kleine Darlehen zahlreiche Kleinrentner um insgesamt zweieinhalb Milliarden geschädigt hat. Bei einer in seinem Unterstände in der Förstergasse voraenommenen Hausdurchsuchung wurde nur ein Betrag von dreihundert Schilling vorgefnnden. Im Laufe des gestrigen Tages fand man jedoch in seinem Sakko im Fütter vernäht einen Betrag von zwölf Millionen ungarische Kronen. * Die Beute des Einbrechers Liberka. Wie berichtet, wurden am 4. d. in Bernhardstal die berüchtigten Einbrecher Matthias B l o u d i c e k und Rudolf Liberka vechaftet, weil sie verdächtig sind, von den Bedachungen der Weilburg in Baden und des „Hauses der Laune" im Parke von Laxenburg Kupferplatten und Blitzableiter gestohlen zu haben. Man fand bei ihnen mehrere kostbare Schmuckstücke, die von einem Einbruch, der bei Dr. Bittner in Mährisch-Ostrau verübt worden ist, stammen. Die Beute an Juwelen hatte einen Wert von 48.000 tschech. K. Auch der Mitschuldige des Bloudieek bei den Kichferdiebstählen, der 2,4jährige Arpad Stern aus Avas-Felsövalu, wurde hier verhaftet und dem Landesgerichte eingeliesert. * Eine Hakenkreuzlerdemonstration. Die nationalsozialif stische Partei hielt gestern zur Feier des dreijährigen Bestandes ihres Vereines" eine Versammlung in der Volkshalle des, Rathauses ab. Nach der Versammlung veranstalteten einige hundert Hakenkreuzler auf der Ringstraße einen Fackelzng bis in ihre Hochburg auf dem Schiller-Platz. Dem Zuge folgten etwa 150 Kommunisten, die kleinere Zusammenstöße hervorriefen, denen die Wyche rechtzsitig ein Ende bereitete. * Einsicht in die Einkommensteuerlisten. Gemäß 8.217 liegt ein Auszug aus den ausgefertigten Zahlungsaufträgen für die Stenerjabre 1923 und 1924, welcher die Bezeichnung der Steuerpslichtrgen und den Betrag der von denselben zu entrichtenden Eilckommensteuer enthält, vom 15. d. an durch 14 Tage bei der Steueradm>inistration für den 1. Bezirk Wiens zur Einsicht der Einkommensteuerpflrchtigen dieses Bezirkes gegen entsprechende Legitimation auf. * Große Spende für die Kinderrettnngswoche. Das Bank- : Haus S. M. Rothschild hat dem Wiener JugendhkWvevk an- läßlich der Kinderrettungswoche d r ei.t a uf c nö Schilling ' gespendet. E Reisebuyrau der Hmnburg-Amerika-Linie. Bevkauf von Schiffs-, Eisenbahn- und Schlaswagenkarten für In- und Aus- . lernt), Flugscheine, Auskünfte Wer Hobels, fachmännische Veran- ' sbaltungen von Gesellschafts- und Bereinsfahrten, Geldwechsel. B'ureaüstunden ununterbrochen von 9 bis 6 Uhr nachmittags (Samstag von 9 bis 2 Uhr), Wien, 1. Bez., Kärntnerstraße 38. * Zwei neue Wohnhausvmtten. Der Gemeinderatsaasschu^ Kr technische Augelegenheiiten 'hat in seiner letzten Sitzulbg be« chlossen, in Währing und Floridsdorf je einen Wohnhausba» m ovricyten. Der Bau in Währing, Weinhauserstraße„ wird 309 Wohnungen sowie Mei Geischästsl^ale enlhÄten. Die Baukosten werden sich auf rund 2,720.000 Schilling stellen. Der andere Bau liegt in Floridsdorf KErplatz. Er wird 106 Wohnungen, drei Einzelwohnräuime und 6 Gelschaftsloibale umfassen. Die Baukosten sind mit 1,660.000 Schilling vorgesehen. * „Die amerikanische Organisation." In der Vollversammlung des niederösterreichischen Gewerbeverernes am 30. April' l. I. hielt Ing. Alfred H e r s l y einen Vortrag über obiges Thema. Der Vortrag war die erste größere öffentliche Veranstaltung des Amerika-Ausschusses, welcher sich zur Aufgabe stellt, Kenntnisse über amerlkanische Geschaftsmethoden in Wien zu verbreiten. Der Vorsitzende behandelte diesen Gegenstand vom Gesichtspunkte der Einstellung des Menschen zum Wirtschaftsproblem und kam zu dem Schlüsse, daß die Uebertraaung amerikanischer Geschäftsmethoden auf österreichische Verhältnisse mit wirklichem Erfolg erst mößllch sein wird, wenn die österreichische Mentalität durch euren Prozeß der Belebnmg verändert wird. Als typische Einzelheiter: amerikanischer Orgarrisation bezeichnte der Vortragende woitgeherrdste Dezentralisierung der Details, große Selbständigkeit bei entsprecherrdenr Verantwortnrlgsgefuhl oes Einzellderr, Planmäßigkeit im Aufbau jeder Abterlrrng und in der Festlegung ihrer Funktion. Als charakteristisch für die leiteirden Kypse der amerikarrischen Unternehmungen wrrrde die Tendenz hervorgehoben, sich von Details vollständig freizrchalten und das Harlptaugenmerk ans die Entwicklung neuer M>eeu, Auffucherr neuer Möglichkerterr und vor allem Entwicklurrg des Meirschenmaterials, ans dem die Organisation besteht, zu richten. Als Folge dieses Gedankenganges ergibt sich, daß wir in erster Linie urrsere Einstellrmg zum österreichischen Gemeinwesen sowie unsere Eiilstellrrng zueinander einer Revision unterziehen müssen und daß wir mit aller: Mitteln den uns so bequemen Pessimismus abbaueu.