Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2593 (13.5.1926)
- Date
- 1926-05-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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18. Ma i M M. SSW TEL Stett, Donnerstag Me«er MoraenzetkAttA stig« Bedingungen siebeh Stück Tä usen V fr a nkefl* schocke |«m Äcttfe an. dt gab für fie 16 Millionen. Der ftttMf ttwrbc hinter eikeifl Tor abgcschlvssen. Berß.: Pflegefl Sie stets IbMMivNen-GeschKfte auf der Straße «ck> hinterm Hflüstor abzuschließen? — Kovacs: Rein. — C61f: Woher hatten Sie das Geld? — Kovacs: Ich erhielt es vom Prinzen. — P ors.: Sie sprechen nicht die Wichcheit. Kein Meflsch wird Ihnen diese Geschichte glauben. Wohin schickten Sie die sieben Stück usendsrantenscheine? — Kovacs: Nach AmsterdaM, zum Pflegevater meiner Tochter. — Bo r s.: Schämen Sie sich nicht, daß Sie die Gastfreundschaft des Anvsteröamer Pflegevaters in so schnöder Weife mißbrauchten? — Kovacs: Ich wußte nicht, daß cs sich um falsche Noten handelt. — Vors.: Sie wußten, daß cs sich um falsche Noten handelt, Sie wußten es, daß der Pflegevater in Amsterdam Unannehmlichkeiten haben wende. Pflegten Sie stets 16 Millionen in Ihrer Tasche herumzutragen? — Kovacs: Nein. — Bors.: Wußten Sie nichts von der ganzen Frankenasfäre? — Kovacs: Ich wußte nichts dävön. Bors.: Das wird Ihnen niemand glauben. — Wi«- d i s ch g r ä tz sagt, er habe Kovacs stets für einen anständigen Menschen gehakten. Zwanzig Jahre diente er ihm Mit soldatischer Treue. Er rette ihm und 28 Soldaten bei Schabah das Leben. Er ritt im erbittertsten Handgemenge a»t seiner Seite und schützte ihn. Cr hat nie etwas gcstcchlen, er übernehme jede Verantwortung dafür, daß Kovacs nichts getan hat, was eines Soldaten unwürdig wäre. Bors.: War es möglich, daß bei den verschiedenen Frankentransporten einige Falsifikate abhanden gekommen sind? — Windifchgräh: Der Koffer war zumeist verschlossen und verlsicgelt, es ist aber doch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß einige Falsifikate entwendet wurden. R aba schildert Kovacs gleichfalls als anständigen Menschen. Auch er gibt zu, daß Banknoten entwendet werden konnten. Zwei Sachverständige der Ungarischen N a t i on alt) auf stellen nach eingehender Prüfung der falschen Noten fest, daß diese nicht gelungen seien. Wer liiir ein bißchen mit französischem Geld vertraut sei, vermöge sie sofort als Falsifikate zu erkennen. Die Noren fcicit auf Phot ochemischem und typographischem Wetze hergestellt worden. Die auf dem Gerichtstifch liegenden lithographischen Steine seien nicht zur Herstellung der Falsifikate geeignet gewesen. Auf eine Frage eines Vertreters der Bank von Frankreich erklären die Sachverständigen, selbst bei einer vollkommeneren Ausführung des Druckes hätte das ungeeignete Papier die Falsifikate stets verraten. Von den Zeu-gen wird als erste die Frau des Kammerdieners Kovacs ausgerüfen, die sich jedoch unter Berufung aus die Strafprozeßordnung der Aussage entschlagt. Der Leiter der Präsidialsektion des Ministeriums des Aeußern, Gesandter Ruber, gibt als Zeuge an, der Landespolizeichef Nadof-sy hecke ihn persönlich um Ausstellung eines Kurierpässes für den >gewesenen Generalstabsobevsten I a n k o v i ch ersucht, den er in die Novdstaaten entsenden wolle. Da die Aussalzung von Kurierpässen, falls dies von einem Ministerium gewünscht werde, üblich sei, habe er ckhncweiters ängeördNet, daß ö i eser Kuricrpaß ausgestellt werden solle. Er habe an der ganzen Angelegenheit nichts Auffallendes gefunden. Hieraus werden weitere belanglose Zeugen einvcrnommen. Nächste Verhandlung Freitag vormittags. Prof. Merraror nt» dem tückisch« Sta«t». dienst entiaffen. Budapest, 12. Mai. (Tel.-Komp.) Der wegen der Sekolfälschungen gesuchte ehemalige Professor Julius Mcszaios hat an einen seiner Freunde in Buüapöst einen Pr^ef gerichtet, »vokitt et mitteilt, däß die türkische R:-Z,erung ihn stincr P r o f e s s u r a n btt technischeu Hochschule iit A n gvra mil der Begründung öttihoben habe, daß et der Teilnahme an den F t a n k e N t ä l! ch :r N g e n beschuldigt werde. Er bittet in dem Brief seinött Freund um das Zeugnis einer ungarischen amtlichen Sttkle, daß et m der Frankenfälschungsaffäre nicht Beschuldigter, sondern nur Zeuge sei, um wieder in den türkischen Staatsdienst aufgettommvn zu tverdön. Mcszäros erwähnt auch in dem Schreiben, daß er urit seiner Familie mittellos in KönstaNtittopcl dasirhe. Sie „Levente". Eine Parlamenlsdrbattc in Budapest. Budapest, 12. Mäi. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung erhob Abgeordneter Fabian (Demolrat) Beschwerde, daß in einzelnen Schulen Aufreizung gegen gewisse Klassen der Bevölkerung betrieben lverde. So hat der antisemitische Jcurnälist Kadar bei ciuenl L c v e n t e - F e st, an welchem auch Schulki ndc r teilnahmerr, eine aufreizende Rede gehalten; Uuiverfitätsstudenten hätten erklärt, sic würden gewissen Kommilitionen das Betreten der Universität unmöglich nl.ichen. N.'drker ^bemängelte ferner, daß von derl Getneinden viel zu große G.'ldopscr für den Levente-Un lerricht gefordert rverdcn, daß die jungell Leute nicht nur an Sonntagen, sondern a u ch a n W o ch c n t a g e it zu Ue b u n ge n verhalterl und dadurch ihrer Erwerb Stätigkeit entzöge n, und, wenn sic fernbleiben, mit G c l d st r a f c n belegt tv.'rdcn, die auf exekutivem Wege cingetricbeu worden. Untcrrichtsminister Graf Klebelsbcrg erklärte, die Lereutc-Bervegung sei eigentlich die Organ i s i e r u ng de s Sport s. Ta konnten sich Mißstäude ergeben, aber es sei verfehlt, die Institution selbst anzügreifcn. Was die verhängten Ge'sostrafen betrifft, w seien sie ähnlicher Natur, wie di.' Geldstrafen für b i c Bern ä'ch lässigung des Schulbesuches. Znland. Bordereltungen Illr Seils. Anfangs Juni begibt sich Bundeskanzler Dr. R a m c k zur Völkerbundtagung nach Genf. Aus diesem Grunde wird es sich notwendig erweisen, daß die Parteien über die in der Bölkerbundtagung zu gewärtigenden Entscheidungen über Oesterreich informiert werden. Es dürfte sich darum auch die Einberufung des Nationalrates nicht vermeiden lassen, der allenfalls noch eine oder die andere dringliche Vorlage — etwa den ungarischen Handelsvertrag— zu erledigen haben wird. Dem Vernehmen nach wird Mitte nächster Woche eine Sitzung des Nationalrates abgehalten werden. Mberusuug de» Mickenauslchuffer» SS wird weiter obstruiert. Für Morgen nachmittags hat der Obmann des Mietenausschüsses, Dr. Kienböck, eine Sitzung dieses Ausschusses ankeräumt, auf deren Tagesordnung die Mietengesetznovelle der Regierung steht. Bekanntlich hatte die letzte Sitzung mit einem wüsten Tumult geendet. Die Sozialdemokraten hatten -- •-. " -.. ' ■ v - -- - scheu den Zeilen auf die Idee hin, iM Ton, iü der Sprache. Der.Jude in der Diaspora war Nun immer zu stark bedrückt von den Dirtgeü des täglichen Löbens, vom Joch des Ghettos und der Sklaverei, er hätte darum zu wenig Hoffnung auf die Erfüllung dsr Idee, um humoristisch, das heißt mit selbstverständlicher Voraussetzung der Idee über die Begebönheiten des Lebens dertken und sprechen zu können. Pathos (Käbbaläh, MässiäNismus, Chassidismus) odör verzweifelte Spekulation wätett feine geistigen Möglichkeiten. Schalom Alejchem war in diesem Sinne der erste Strahl der Morgendämmerung. Seine humoristischen Helden, deren Passivität mit einer tief verborgenen philosophischen Natur verbunden ist, zeugen von zweierlei: zunächst, daß es im Osten, zumindest auch in der Galüth, jüdischen Humor und humorvolle Juden gegeben hat, denn alles, was bei Schalom Alejchem geschildert ist, ist im jüdischen Leben verwurzelt (das kann man apodiktisch behaupten); ferner, daß Schalom Alejchem in einem Teil seines Schaffens die Galuth schon überwunden hat, denn über der Passivität seiner Gestalten und auch seines Wesens schwebt das göttliche Lachen philosophischen Verständnisses und rührender Verzeihung, der Humor... In eineni Teile seines Schaffens: denn die meisten seiner Gestalten sind auch komisch, das heißt ganz eingefügt in die Sachlichkeit der Welt, ohne Distanz zu den Dingen, mit denen zusammen sie lächerlich wirken. Aber Tojwje, der Milchmann, oder Mottel Pejsi, des Vvrbeters Sohn, sind hoch über das Leben erhaben; nicht nur ihr Sein ist humorvoll, sie sind selbst Humoristen wie alle großen und kleinen Kinder der Welt, denen das Leben ein Spiel ist, wenn auch oft voll Schmerz und Bitterkeit und Widerstände».. Was bedeutet das alles aber angesichts der Ewigfc:t des Großwerdens? Der Jude steht vor dieser Ewigkeit. Auch für ihn ist nun wieder die Ü-tteklc des Humors erschlossen. Leopold Thaler. Ans schalom Alejchems Testament. Geschrieben rfm Ü* Tisches 5676. . . Wo immer ich sterben sollte, möge man mich nicht unter Aristolraten, Notabeln oder Reichen, sondern zwischen einfachen Juden, Arbeitern, unter dem wirklichem Volk, bestatten, so, daß der Grabstein, den man nachher auf mein Grab stellen wird, die einfachen Gräber um mich herum bescheinen soll und die einfachen Gräber die Dekoration.zu meinem Grabe bilden mögen, so wie das einfach-ehrliche Vohlk während meines ganzen Lebens die Sonne ihres Volksdichters gewesen ist. Mein Grabstein enthalte keinerlei Titel und Lobeshhmnen mit „Mvre-Morenus". dkichts sei vermerkt als der Name „Schalom Alejchem" auf der einen und die beigelegte jüdische Inschrift auf der anderen Seite des Grabsteines. Meine Kollegen mögen keinerlei Debatten und Diskussionen wegen der Veretvigung meines Nametrs, Errichtung eines Monuments in New-Zork u. dgl. führen. Ich könnte nicht ruhig in meinem Grabe liegen, wenn meine Kollegen sich närrisch benehmen würden. Das beste Denkmal für mich wäre, wenn meine Werke gelesen werden und sich in den vermögenden Kreisen unseres Volkes Mäzene fänden, die meine Werke in jüdischer und anderen Sprachen herauszugeben sich bereit fänden und damit dem Volk die Möglichkeit böten, meine Werke zu lesen und meiner Familie — eine würdige Existenz schüfen. Hatte ich schon nicht das Glück, oder habe ich es nicht-verdient, so lange ich lebte Mäzene zu finden, so wird mir dieses Glück vielleicht nach meinem Tode beschieden sein. Ich scheide von der Welt mit den: vollen Glauben, daß das Volk meine Waisen nicht verlassen wird. An meinem Grabe und hernach während des gattzen Jahres Und später immer au meinem Jahrzehntstäge möge mein mich überlebender einziger Sohn sowie meine » DOROTHEUM AW 37G.Kumfaukt!on Modern« «nd alle Gemälde Aquarelle / Zeichnungen ✓ Miniaturen ✓ Graphik ✓ Arbeiten aus Gold und Silber ✓ Keramik / Möbel ✓ Bronzen Tapisserien ✓ Textilien ✓ Waffen ✓ Orientalflra fnllttff8l Heute bis Sonntag den 16. Mai Hnauueuung 1926, an Wochentagen von 10 bis 6 Uhr, am Sonntag und heute von 10 dis 1 Uhr. (}d1*CtafÖ0!'1lftA Montag den 17. und Dienstag den Vgrswigeritns. 1& April 1926 von 3 Uhr nachm, an im Kielrttansegg-Sast (Seitenstiege, 1. Stock, Lift). Illustrierter Katalog 3 Schilling. versucht, die Wahl eines Rcferentcu über den Rsgierungsentwurf mit allen Mitteln der technischen Obstruktion, Rat-schen, Schreien und Trampeln, zu verhindern, doch ließ Dr. Kienböck die Stimntzettel für die Refcrenteuwahl absammcln und nach Schluß -er Sitzung mitteilen, daß Mg. Schönst einer zmn Berichterstatter über das Gesetz gewählt worden sei. Die Sozialdemokraten bestreiten nun die Legalität dieser Wahl und werden sich voraussichtlich in der morgigen Ausschußsitzimg zunächst bei der Verifizierung des Proto-kolles der letzte,l Sitzung zum Worte melden. Nebrigens ist die Geschästsordnungsdebatte, mit der die Opposition seit Beginn der neuerlichen SitznngSrcihe des Mietenausschusses jedes sachliche Verhandeln verhinderte, durch die Roferentenwahl nur unterbrechen worden und der Ausschußobmann Dr. Kienböck hat auch die Absicht, die fünf zum Worte gemeldeten sozialdemokratischen Red rer der Ncihe nach stwechen zu losseu. Obwehl Dr. Schönsteiner '2in Referat bereits fertiggestellt har, dürfte es also m der nrorgigen Ausschußsitzung keinesfalls zu einer sachlich't Beratung kommen. Ls wird tvoiter obstruiert werden. Aktive und vaffive Preffeüestechung. Ter Prcsseaüsschuß des Nationalmtes ging gestern ln die SpeziaIdebatte Met den Antrag Seipel-Ding Hofer betreffend Maßnahmen zur Bekämpfung von Mißbräuchen im Pressewesen ein. Der Berichterstatter Dr. Kienböck hielt es für angezeigt, den Entüvurf Darauf zu beschränken, nur jene Fälle mit einer Sirassanktion 'zu bedrohen, in denen für die N i ch t v e r ö f f e n t l i ch u u g in einer Zeitung Entgelt verlangt oder genommen wird. Würde man die aktive Pressebestechung unter Strafsanktion stellen, so echielte, nach seiner Meinung, der Erpresser, der doch durch das vorliegende Gesetz entwaffnet werden solle, eine Masse gemdezu in die Hand gedrückt. Die Frage der 'Mitschuld an der Bestechung möge daher der Beurteilung nach 'den allgemeinen Grundsätzen des Strafgesetzes überlassen bleiben. Die sozialdLmokratischen Ausschußmitglider schlugen vordie in dem Antrag angeregten Stmfbeftnnmuugeu nicht in das Preßgesetz, sondern in das Strafgesetz aufzunehmen. Man einigte sich schließlich iParteibesprcchungen einzuleiien, in denen alle drei ÄrtM des Entwurfes Lcha-ndeÜ werden sollen. Sine Dollanmleihe für Sickermack. Paris, IS. Mai. Wie der ,Mw Z)ork Hercrld" melde:, wird das Bankhaus Kol log u. Co. in Rew-Nork demnächst eine Million Dollar sÄbervprozent'iger, in zwanzig Jahren rückzahlbarer OMgaüonen des Bundeslandes Steiermark ausgeben. Schwiegersöhne, wenn sie gewillt sind, nach mir Kadisch sagen. Sollten sie jedoch keine Lust dazu habe» oder die Zeit es ihnen nicht erlauben, oder aber wenn es ihrer religiösen Ueberzeugung widerspricht, so können sie sich ihrer Pflicht dadurch entledigen, daß sie sich alle mit meinen Töchtern und Enkelkindern und mit guten Freunden zusammenfinden, dieses mein Testament verlesen und eine meiner Erzählungen die allerfröhlichste, aussuchen und sie in einer Sprache, die ihnen, am verständlichsten ist, vorlesen. Sie sollen meines Namens lieber lachend als gar nicht gedenken! Religiöse Ueberzeugungen können meine Kinder haben, welche sie wollen, aber ihre jüdische Abstammung bitte ich sie, zu behüten. Diejenigen nreiner Kinder, die sich etwa von ihrem Stanun absondern und zu einem anderen Glauben übertreten sollten, haben sich schon tmmit allein von ihrem Stamm und ihrer Familie abgeschieden und sich selbst aus meinem Testament ausgelöscht — und haben keinen Anteil und kein Erbe unter ihren Brüdern. Mein letzter Wünsch an meine Nachfolger und meine Bitte an meine Kinder: Die Mutter behüten, ihr ein sonniges Alter bereiten, ihr bitteres Leben versüßen, ihr gebrochenes Herz heilen, mich nicht beweinen, sondern im Gegenteil meiner in Freude gedenken und, was die Hauptsache ist, in Frieden miteinander leben, keinen Haß gegeneinander hegen, einander in schlechten Zeiten hilfreich zur Seite stehen, sich manchnwl der Familie erinnern, Mitleid mit jedem armen Mann haben und, wenn die Verhältnisse es gestatten, meine Schulden bezahlen, sofern solche vorhanden sein werden. Kinder! Traget meinen sorgfältig gehütete« gnten Namen in Ehren und der Gott, der im Himmel ist, möge euch hilfreich sei«. Amen. Schalom ben Menachem Nahum Rahiuowttz, Schalom Alejchem." Ans bm übersetzt von JÄob Sbmdtf)