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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-13 · Heft 2593 (13.5.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2593 (13.5.1926)
Date
1926-05-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Me«, Donnerstag Wiener Morgenzettantz Plattfuß.«-».. auch 1« tat schwersten Fällen, sowie FttstbeükeN, Gtkvächr- und Schwielenbtldunz werden unter Garantie in der seit 9» Fahr N mit dekwödernstmHilfsmitteln eingerichteten Stt"oM che«Meß. und Gckuhanftatt ANdreäS Reich. VI, Mariahttferstraße Nr. 10 3, behoben. Dieser Spezialist arbeitet fiitgc undeF ft nicht. Der Aaggeaputsch. -V. W ' en. 13. Mai. In Berlin ist wieder ein Putschplan aufgeflogen. Das wäre an sich nichts Bemerkenswertes. Daß eitle ganze große, weitverzweigte Organisation besteht, die den Sturz der Republik und die Restauration des militärisch-höfischen Systems herbeizuführen trachtet, beschäftigt seit dem Ende des Krieges die politische Oeffentlichkeit nicht bloß Deutschlands, foubcrit in noch höherem Grade die Nachbarstaaten. Aber die Umstände, unter denen das neueste Projekt abgefaßt wurde, erhalten ihren besonderen Charakter durch die Gleichzeitigkeit mit der eben ausgebrochenen Regierungskrise, deren Hintergrund eben die nationalistischen Velleitäten büden. Das Kabinett Luther ist in offener Reichstagssitzung in einer Kampfabstimmung über den Flaggenerlaß gestürzt. Dieser Erlaß, den wir hier schon besprochen haben, war von den republikanischen Parteien mit aller Schärfe bekämpft worden und in dem Mißtrauensvotum wird ausgesprochen, daß diese ^Provokation ohne sichtbaren Anlaß erfolgt ist. Aber die Maßnahmen der Polizei zeigen, daß sehr wohl ein Anlaß vorhanden war und daß zwischen dem Erlaß und den Putschplänen eine geistige Verbindung besteht, die eben jetzt aktuellen Inhalt bekommt. Für den Flaggenerlaß ist ein ganz besonderes Datum gewählt worden. Hindenburg ist jetzt ein Jahr lang im Amte und diese Tatsache sollte in solenner Weise durch einen feierlichen Akt gegen die Republik begangen werden. In Deutschland neigt die Politik gerne zu weithin sichtbaren und hörbaren Demonstrationen und um eine solche handelt es sich auch jetzt bei der vielerörterten Verordnung. Daß hinter der Demonstration auch ein sehr offensichtlicher Wille steckte,, erfährt man aus den Mitteilungen der Polizeibehörden und das ist das bemerkenswerte an der Affäre. Sie nimmt haargenau Bezug auf die gegenwärtigen Verhältnisse. Für den Fall der Krise — die ja, wie gewünscht, herbeigeführt worden-ist — wird die Errichtung einer fünfgliedrigen Diktatur nach freiwilligen: Rücktritt Hindenburgs vorgesehen. Diese Sorte Putschisten tritt, wie landesüblich, mit dem Pogrom als erster Volksbelustigungsmaßregel aus. Sie greift auf die seinerzeitigen Kombinationen des Herrn von Pöhner plus Hitler zurück und Witt alle Juden, nach selbstverständlicher Einziehung ihres Vermögens, in Sammellagern internieren. Ansonsten stehen auf dem Programm der Jahresfeier: Auflösung aller Parlamente, Gemeindevertretungen, Parteien, Arbeiterverbände, 'Todesstrafe gegen Streiks und Aussperrung, Aufhebung der Weimarer Verfassung. Zur Durchführung aller dieser Punkte: Marsch auf Berlin. Wahrscheinlich ist wie ' seinerzeit diese letztere Maßnahme am genauesten vorj bereitet, da doch das ganze in Deutschland vor sich geht. ' Am interessantesten aber ist die Liste der be-! teiligten Personen. Da ist der Oberst Nikolai, im Kriege Chef des Spionageivesens, das er mit unheimlicher Unfähigkeit leitete. Der Bürgermeister von Lübeck, Dr. Neumann, sollte Kanzler, Gehennrat Hugenberg, der. Organisator der nationalen Pressevergäsüng, sollte Finanzminister, der Münchener General Möhl, der den seinerzeitigen Aufmarsch der Hitler-Truppen in Koburg duldete, ist als Kriegsminister und der Führer der rheinischen Agrarier Lüninck als Ernährungsdiktator in Aussicht getrommen. Da fehlt nur noch der Pressechef des Freiherrn b. Kapp, der Spitzel Trebitsch-Lincoln. Aus den mitgeteilten Namen ist ohne weiteres zu erkennen, daß es sich um ein sehr seriöses Unternehmen handelte, hinter dem die einflußreichsten und kapitalskräftigsten Kreise ständen. Das sind die Schichten, die durch die vielen Morde der Rechtsradikalen und durch die Feststellungen der Fememord-Untersuchung in das grelle Licht der Enthüllungen gerückt wurden. Diese Schichten stehen in innigster Verbindung mit den politischen Brandstiftern in aller Welt und auch der Budavester Skandal ist aus diesem Milieu gekommen. Dort blüht der Pogromhaß, die Kriegshetze und die monarchistische Romantik; dort wird alles ersonnen, nur nichts Aufbauendes und Wertbeständiges. Die Aktion der Polizei hat für den Augenblick Ruhe geschaffen, aber sie beseitigt nicht die Grundursache: den Nihilismus der nationalistischen Maffia, die mit der Fahne anfängt und Mit dem Pogrom sortsetzt. Dieser Hügenberg-Konzern ist stärker als die Republik. Ser Angriff auf We m«. $14 Putichpläne der deutschen Monarchisten. (EigendieNst W „Wiener Wotgenzeitnng".) fSltlin, 12. Mai. Die Pläne, die die Veranlassung zu den gestern gcmskdeten Hausdurchsuchungen bei alldeutsche« Führern gegeben habe«, sohe« nach den Mitteilungen des Amtlichen preußischen Nachrichtendienstes die Errichtung einer Diktatur «n Anschluß an eine etwa im ZnsanrmeichaNg mit der F ü r st e n a b f i n d u n g s f r a g e oder aus sonstigen Gründen auftretende Regierungskrise vor. Der Reichspräsident sollte freiwillig zurückrrelcn. Das erste Moni fest der neuen Regierung sch die Aufhebung der R e i ch s ve rfass u ng vom 11. August 1919 und der Ländarverfassung vor. Die Staatsgewalt sollte in vollem Umfang ans einen ReichsverivHer übergehen. Di« Parlamente mit Entschluß der Gemeindevertretungen sollten für aufgelöst erklärt, alle Parteien unter BcrmvgenZbeschlagnchme aufgelöst, Arbeitseinstellung oder Msfperrung mit dem Tode bedroht werden, ebenso fader Widerstand gegen die Maßnahmen der neuen Regierung. Für die Durchführung dieses Planes waren in Aussicht genommen: Bürgermeister von Lübeck Tr. Naumann als Reichskanzler, Gcheimrat H u g e n b e r g als Reichsfinanzmimster, der Industrielle Dr. W e g c n e r aus Kreuch in Bayern als Reichsminister des Innern, General v. Möhl als Reich Sw chrminister und der Vorsitzende der rheinischen LaMMirtkammer und Führer der cheinischen Bauernvereine Dr. Frecherr v. Liintvck in Bonn als Ernährungsdiktator. HauSdALchsrrchung beim Obersten Nikolai. Berlin» 12. Mai. (Wolfs.) Nach einer Meldung einer Berliner Lokal korrcspondenz ist heute vormittags beim Obersten a. D. Nikolai von Kriminalbeamten eine Hausdurchsuchung vorgenommen worden. Wehrwolf und Wiking aufgelöst. Berlin, 12. 'Mai. Das bei den umfangreichen Durchsuchungen anfgefundene Material hat die preußische Negierung veranlaßt, die sofortige Auflösung der völkischen Sportvereinigung Werwolf, Wiking und Olympia zu beschließen. Der Führer der Olympia, Lberst v. L u ck, wurde nach der Hausdurchsuchung ans dem Polizeipräsidium einvernommen und dann vorläufig in Haft behalten. Der bei ihm beschlagnahmte Ansmarschplan gegen Berlin enthält genaue Bestimmungen über die Verteilung und Aufstellung der Verbände an den Grenzen von Berlin und unter anderem die Bestimmung, daß beim Ausbruch des Putsches sogleich in der Stadt alle verfügbaren Fahrräder requiriert werten sollen. Oberst v. Luck versuchte bei der Vernehmung den Anfmarschplan als eine nur gegen kommunistische Unruhest i s t e r gedachte Maßnahme $ bezeichnen. Heute vormittags murdeisi weitere Hausdurchsuchungen vorgenommen- und zwar bei im politischen Leben schr bekannten Persönlichkeiten, deren Namen im Interesse der Untersuchung noch nicht genannt werden können. Die „P. Z." glaubt, daß auch der bekannte Ruhrindustrielle Kirdorfs in Essen der Polizei verdächtig erscheine, da bei ihm ckensalls eine Hausdurchsuchung sta «'gefunden habe. Sdvernng nicht in Bsvlin. Berlin, 12. Mai. Nach einer Meldung der „B. Z. am Mittag" fand heute vormittags beim preußischen Ministevpmsioenten Braun eine Besprechung statt, an der der Polizeipräsident und der Leiter der Abteilung 1 A des Polizeipräsidiiims teilnahmen. Minister 3 e o c r i n g ist zurzeit a u f U r l a ub außerhalb Berlins. PMdrnt Loebr gegen den Numerus etlmsns. Berlin, 11. Mai. (I. T. A.) Die letzte Nummer des „Magyar Szcmle" („Ungarische Rundschau"), des Organs der ungarischen Kolonien in Deutschland, beschäftigt sich mit der Frage des Numerus clausus. Das Blatt enthält Beiträge hervorragender 'deutscher Literaten, z. B. solche von Theodor Wolfs und Georg Bernhard. Der Präsident des deutschen Reichstages, Loebe, hat sich wie folgt geäußert: „Die Universitäten müßten ohne Ansehen der Herkunft und des Geldbeutels jedem, affen stehen, der die nötige Begabung besitzt. Dann tvüvden dort nicht so viele eingebildete junge Leute herumlanfen, die glauben, auf ihre Abstammung stolz sein zu dürfen und die ihr Vaterland mit politischen Albernheiten blamieren. Ein Vorschlag, die Zulassung zum Hochschulstudiunl irgendwie von Religion oder Rasse abhängig zu machen, würde hierzulande von der ungeheuren Mehrheit des Volkes als unsinnig und eines Kulturstaates unwürdig abgelehnt werden." Sie Wahlen in Manen. Sttederloze des RegiorungsblockrS. fötaio, 12. Mai. Nach den vorläufigen Ergebnissen der Wahlert zum litauischen Parlanient dürfte der bisherige RegierungSblock, der 43 Sitze hatte, 29 Sitze erhallet!. Ihm stehen 56 Sitze der übrigen Parteien, einschließlich der Minderheiten und der fünf memelländischen Abgeoümeten, gegenüber. & Mai 192b «r. S8» Sie internationale Paßkonserenz. Ein bemerkenswerter polnischer Vorschlag. Genf, 12. Mai. Heute nachmittags würde die internationale Paßkonserenz von dem Gcncvalsekvetär des Völkerbundes Sir Eric D r u m m v n d im Völkerbundhaufe eröffnet. Bei der Konferenz sind 38 Regierungen vertreten. Zum Präsidenten der Konferenz wurde der estländische De legierte Puszta gatvählt, zu Vizepräsidenten der Delegierte von Kuba Aguero und der griechische Delegierte Pol it i s. Der polnische Delegierte Sokal machte einen sehr weitgehenden Borfchlag, der auf die endgültige A bschaffuttg der Pässe im Verkehr zwischen den Völkerbund st aalen hinauÄänft und die Pässe einfach durch internationale Personalausweise ersetzen will. Der deutsche Delegierte v. Eckhardt beantragte eine Roche von Erleichterungen im Reiseverkehr und die Einführung einer einfachen und billigen A u s w e i s k a r t e im Verkehr zwischen denjenigen Ländern, die das Visum ab^eschafft haben. Der österreichische Delegierte Pslügel wies auf die von Oesterreich bereits eingesührten Erleichterungen lm internationalen Verkehr hin und erklärte, daß Oesterreich bereit sei, auf diesem Wege noch viel weiter zu gehen. Der japanisch« Delegierte gab seiner Freude über .den weitgehenden Optimismus der polnischen Regierung Ausdruck, betonte aber, daß hier doch wohl zwischen europäischen und außereuropäischen Staate« unterschieden werden müsse. Die Reorganifieruug des BMkerbundrates. Genf, 12. Mai. Der Prüfungsausschuß hat sich unter dem Vorbehalt einer späteren cntugiiltigeit Stellungnahme gegendieStimmedesspanischenVertreters dafür ausgesprochen, daß die Mandate der nichtständi gen Ratssitzedrei Jahre dauern sollen, daß jährlich ein Teil, und zwar wenn es zahlenmäßig möglich ist, e i n .Drittel, der nichtständigen Mitglieder erneuert und daß schließlich die Mandate sofort mit der Wahl wirksam werden sollen. England gegen jede Vermehrung der ständigen RatSsitze. Bei der Beratung des von Lord Robert C e c i l unterbreiteten Vorschlages über die Wiederwählbarkeit der nichtständigen Ratsmitglieder gab Lord Robert Ce c il die formelle Erklärung ab, daß er von seiner Regierung den strikten Auftrag erhalten habe, sich jeder Vermehrung der stä ri d i g e n Ra t s si tz« zu w ide rse tze n. Zur deutschen Delegation gewandt, fügte er hinzu, daß sich diese Instruktion selbstverständlich n ich tgegen den deutschen ständigen Ratsfitz richte, weil die britische Regierung Deutschland als bereits ^in den Bölkerbu nd-und in den Rat ausgenommen ansehe. ES tvnrde vereinbart, daß die für morgen nachmittags ostleraumte Sitzung geheim sein soll. Dir Prozeß gegen die volnischen FaszWen. (Eigendienst der „Wiener Worgenzeitung".) Warschau, 10. Mai. In der heutigen Verhandlung wurde .der Abgeordnete Glombinski als Zeuge einvernommen. Er erzählte,, daß, als er im Jahre 1928 UarterrichtSminister war und den Ministerprästdenten zu vertreten hatte, .bei ihm Penkoslawski und Wroczynslki und auch der Geistliche Oraczewski erschiemn. PenkoÄüwski meinte, daß die Regierung zu schwach sei und daS Volk ungeduldig. Auch Oraczewski führte eine schache Sprache. Mehr passiv benahm, sich General Wroozynski. „Ich gestand" — sagte GlombinM — „den Herren zu, daß sie teilweise im Recht sind. Ich versprach, daß die Regierung Schritte unternchmen wird, nur das Volk zu ^ruhigen." Niemand tvandte sich aber an den Zeugen, um die Organisation P. P. P. zu legalisieren. Diese ganze Angelegenheit wurde damals auch im Mi niste rr a t besprochen. Der General S z e p t i c k -i teilte damals mit, daß PenkoslawÄki bei ihm war, daß er jedoch die Sache von der humoriftischsn Seite auffaßte. Bon einem anderen Gesichtspunkt betrachtete die Frage der damalige Minister des Innern K i e r n i k, der 'darin eine B e r s ch w ö r u n g und eimn Landesverrat erblickte. Es wurden noch als Zeugen der Abgeordnete Dombrowski, ferner Nomocki, Miecköwski und Kaczinski emver-nommen. Das Zeugenverhör dauert fort. Rdtsche PMftiTawanderer aus dem Irak. Die Zionistische VereinigMvg für den Irak hat, wie uns aus Jerusalem geschrieben wird, der zionistischen Palästi na exekutive vor kurzem mitgeteillt, daß über 70 Fanrilien um die Erlaubnis nachgesncht haiben, nach Palästina zu reisen und sich dort nieddvzulassen. Die meisten dieser Llntragsteller haben Bevtvandte in Palästina und verfügen über bescheidene Mittel Mischen 50 und 200 Pf.und pro Familie. Die Exekutive wird ersucht, eine Anzahl von Zertifikaten für diese Einwanderer zur Verfügung zu stellen. Zionisten! Gedenket ifi Kurorten und Bädern des Keren Kajemeth. Organisiert Filmaufführungen und Sammlungen für ihn. So mancher Jude ist auf diesem Wege dort für unsere Sache gewonnen worden.

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