Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2593 (13.5.1926)
- Date
- 1926-05-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981680--26485-3014252- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wi «n. Zum Abholen ln dei ir:*öed!tföft, II« Tabotetr. 1-3, )derln elnöVtrschldsrtelt« Trafik) monatl. b Schilling Strassenverkau» ln Wien durch die Kolporteure de» Pirrna 6 old sch mied u Wollzefle 11 Mit Postversand fflr Wien >nd Oesterreich monatlich 5 Schilling i scnecho-Slowakei Mon. K 22* Jugoslawien. Mon.Din.60. Polen:Mon. ■)Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 <tchzahl«ngeti bei frei* rhOhonucn forbehillet orgenfellung liiiöfjrn IFrili ätt ii KazlRadr Mon.4Sdiflltog. lUfUfls Moaaflr W Uk Rumänien: Mm» HO Lei. Bulgarien .*Mon.l00L«in. Schwel* und des fifevlgr Ausland monatlich Fm. t Redaktion, Administration Wien, HL Toborsir« l Telephone: 44-0-38, 43-3-1y Ab 6 Uhr: 21-102. 25-2-82 IX.. (Jrttversttitsatfasae 6-8 (D uckerei lg. Steinmann Oesterreichisdies Postapaikassen-Konto N». 150.69 Nr. 2593 Wie«. Sounerstan, 13. Mai 1926 8. Sofirflono Das Kabinett Luther gestürzt. tot de«okratische Misttraurnsantrag wegen der Flaggenverordnung vom Nrirhotar angenommen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes e gekennzeichnet. Pilmdski in Warschau. MitttSerevolte in Rembertow. Warschau, 12. Mai. Die Polnische Telegraphenagentur .eilt mit: Seit einiger Zeit ist durch revolutionäre Elemente und Störer des Friedens. und der öffentlichen Ordnung unter dem Militär eine verbrecherische Agitation betrieben worden, die nun traurige Folgen hatte. Einige Abteilungen der.Truppen.in der Gegend von Rembertow haben sich aufgewiegett und durch falsche Befehle verführt, zum Bruch der Disziplin und zur Gehorsamverweigerung verleiten lassen. Die Regierung hat zur Aufrechterhallung der öffentlichen Ordnung Maßnahmen ergriffen, um die Hauptstadt vor de in Eindringen der meutern den Soldaten z u sch ü tz e n. Der Präsident der Republik hat an die Meuterer einen Befehl erlassen, worin er sie zur Besinnung mahnt und zur Unterwerfung auffordert.! Warschau, 12. Mai. (Tschech. Preßbureau.) Wie die Korrespondenz Warszawiauka meldet, hat in der verflossenen Rächt eine bewaffnete Bande den Wohnsitz des Marschalls P i l f u d s k i in Sulejowek angegriffen und beschossen. Eine Abteilung des in der Nähe von SulejoweE stationierten 7. Ulälten-Regiments vertrieb die Angreifer, wobei es auf beiden Seiten zn Gewehr feuer kam. Auf die Nachricht von dem Ueberfall in Sulejowek meuterte die Garnison in Rembertow (in der Nähe von Warschau),. wo sich die Zentrale des militärischen Ausbildungsdienstes befindet. Die um 6 Uhr erschienenen Extraausgaben der Blätter melden, daß Märschall P ilsudski um 4- Uhr nachmittags i n e i ne m o Mag^«,.!^«itGtz.-M^ner-K.ch tvadr o n Kavaller ie und zwei BatäNso'ne« 'Infanterie, in Warschau eingezogen fei. Panzerwagen und Artillerie. Warschau, 12. Mai. (Wolfs.) Vier d-m Marschall P i l s u d s k i ergebene, in Kielce und S i e d l z c e garnisvnierende Regimenter in der ungefähren Stärke von 2000 bis 2600 Mann haben sich gegen die Regierung empört und marschieren gegen die Hauptstadt. Sie stehen gegenwärtig im Militärlager Rembertow, unweit der Vorstadt Praga. Die Brücken zwischen Praga und Warschau sind gesperrt und durch regierungstreue Truppen, Panzerwagen und Artillerie besetzt. Zwischen dem Staatspräsidenten und dem Marschall Pilsudski sind, dem Vernehmen nach, B e rh andlungen im Gange, die einen Bürgerkrieg vermeiden sollen. Ein Aufruf des PMdenten an die Armee. Warschau, 12. Mai. (P. T.-A.) Der Präsident der Republik hat als ober st er Befehlshaber der gesamten Streitkräfte folgenden Aufruf an die A r m e e erlassen: Soldaten! Für Ehre und Vaterland steht ihr im Dienste des weißen Adlers. Disziplin und unbedingter Gehorsam gegenüber den rechtmäßigen Behörden sind die oberste Pflicht der Soldaten. Ich erinnere euch als euer oberster Befehlshaber an diese Pflicht und verlange von euch die Einhaltung des Soldateneides. Alle, die diese Pflicht vergessen haben, fordere ich hiemit auf, unverzüglich auf den Weg der Gesetzlichkeit und des Gehorsams gegen-ö über dem Minister für Heerwesen zurückzukehren. Der Aufruf ist vom Präsidenten der Republik, vom Ministerpräsidenten W i t o s und vom Minister für Heerwesen, Divisionsgeneral Malszewski, unterfertigt. ' Sie Lage in Warschau. Warschau, 12. Mai. Alle öffentlichen Gebäude der Hauptstadt sind von Negierungstruppen besetzt worden. Die Negierung teilt mit, daß sie Herrin der Lage sei. In der Stadt herrscht Rühe. * Auf Anfrage in der hiesigen polnischen Gesandtschaft wird uns mitgeteilt, daß dort über die gemeldeten Vorgänge in Warschau keine Nachricht eingegangen ist. Berlin, 12. Mai. Der Reichstag hat in namentlicher Abstimmung den demokratischen Mitztrauensantrag gegen den Reichskanzler Dr. Luther mit 176 gegen j 146 Stimmen bei 103 Stimmenthaltungeft der Deutsch-! nationalen und der Bölkische» angenommen. Der Antrag lautet: „Der Reichstag mißbilligt die Haltung des Reichskanzlers, der durch sein Verhalten in der Flagge «frage eine Gesamtlösnng dieser Frage erschwert und in -sorgenvollen Zeiten einen neuen Konflikt ohne N o t h e r a u f b e s ch w o r e n hat." Vor der Abstimmung über den demokratischen Antrag waren Mißtrauensvoten der Völkischen und der Sozialdemokraten abgelehnt worden. FJl.iT Ser Kohlrnardeiterstreil Mt weiter. — Voraussichtliche Wiederaufnahme der Berhand- Innsen. (Eigendienst der „Wiener Worgenzeitung".) London, 12.Dev Genernl- , .ftseife Der Ansstnnd der Kohlenarbeiter geht jedoch nnverändert weiter. Freude in London. Die offizielle Nachricht von der Zurückziehung der Streikorder ist um 1 Uhr nachmittags in der Öffentlichkeit bekannt geworden und hat.sofort a Ilge-tn e ine Freude und Entspannung hervovgevufen, ähnlich jener anläßlich des Abschlusses des Waffenstillstandes. In Downing Street sammelte sich eine große Menschenmenge an, die aus Baldwin und Churchill Hochrufe ausbrachte. Der Sekretär der Bergarbeitergewevkfchasl, Cook, erklärte, daß in der Haltung der Bergarbeiter Leine Aenderung eingetreten sei. Eine am Freitag abzuhaltende Konferenz der Delegierten der Bergarbeiter werde über die von ihnen weiterhin einzunehmende Haltung schlüssig werden. Erkliirungen Baldwin» im Unterhaus. Im Untechaus erklärte Premierminister Baldwin, der Gowcrkschaftsrat habe früh bei ihm vorgesprochen und mitgeteilt, daß er beschlossen habe, den allgemeinen Ausstand sofort a b z u b r e ch e n. Der Premierminister bemerkte, er und seine Kollegen würden sofort versuchen, die Wiederaufnahme der Verhandlungen in der Vergbauindustrie herble-izuführen. Mac Donald bat den Premierminister, das Haus über die weitere Entwicklung der Ereignisse ständig auf dem Laufenden zu erhalten und eine Debatte bald zu ermöglichen. Von seiten der Parteien kam es zu keiner Kundgebung und der Sitzungssaal leerte sich sofort nach der Erklärung des Premierministers. kme Botschaft des Königs. Der König hat heute unter der Ueberfchrift „An mein V ol k" eine Botschaft an die Rat>i on gerichtet. In der Botschaft heißt es: Die Nation hat eine schwere Zeit hinter sich. Der Generalstreik ist zu Ende. In einem so wichtigen Augenblick muß das ganze englische VvU der schwierigen Lage entgegeutreten. Dies erfordert die Zusammenarbeit aller willigen Männer im ganzen Lande. Es werden noch Schwierigkeiten austauchen, die aber bei gutem Willen überwunden werden können. Wir müssen zu einem Zu- Sie Gesamtdemlfsian eng-immmen. Nach der Abstimmung im Reichstag trat die Negierung sofort zu einer Sitzung zusammen, in toet 'Me Oie* samtdcmission beschlossen wurde. Däs KaWett betrachtete den demokratischen A ü t r ü tz, Hr zur Annahme gelangte, zwar nicht als ein Mißtrauensvotum im Sinne der Verfassung, glaubte aber doch die Konsequenzen ziehen zn müssen. Reichskanzler Dr. Luther hat sich zum Reichspräsidenten begeben, um diesem von dem Beschluß des Kabinetts Mitteilung zu machen. Der Reichspräsident nahm die Demission an und betraute das KäSlneft bis zur endgültigen Neubildung der Regierung mit der Wetterführung der Geschäfte. stand geordneten sozialen Friedens gelangen. Wir sind bereit, die Vergangenheit zu v e r g es se n und einer neuen Zukunft entgegenzusehen. Herbert Samuel als FrledensMer. London, 12. Mai. Wie es scheint, war die Rückkehr Dir Herbert Samuels, des früheren, Oberkommissärs von Palästina und Vorsitzenden der königlichen Kohlenkommi ssion, entscheidend für die Beilegung des Generalstreiks. In einem Elaborat hat Sir Hevbert Samuel Erläuterungen zn seinem Berichte anSgearbeibet mit folgenden Hauptpunkten':" - 1. Der. Regierung wird empfohlen, die Kohlensubventionen so lange weiter zn zahlen, Äs eine endgültige Regelung erzielt ift 2. Das bisherige System der Besprechungen zwischen den Arbeitern und Bergwerksbesitzern hat sich nicht bewährt. An seine Stelle soll ein n a t i o n a l e r L oh n r a t eingosetzt werden, der das Recht hat, endgültige Entscheidungen zu treffen. 3. Die Versicherung, daß die Maßnahmen zur Reorganisation der Kohlenindüstrie gesetzlich festgelegt werden sollen, wird wiederholt. 4. Es soll ein Komitee emgefetzr werden, in dem die Bergarbeiter vertreten sind, das der Regierung bei der kommenden Gesetzgebung als Beirat zur Seite steht. Sobald über diese Punkte.eine Einigung erzielt, ist, soll ein Lohnabkommen getroffen weichen, das im einzelnen folgende Bestimmungen berücksichtigen soll: a) Das Abkomuren soll möglichst einfach sein. . b) Der zuryeit bestehende Mindeftlohn soll nicht eingesührt, sondern es soll ein allgemeiner Mindestlohn festgesetzt werden.; - ch Das Lohnabkommen soll von Zeit zu Zeit einer Revision unterzogen werden. d) Es sollen teine Arbeiter in die Kvhleninduftrie neu ein gestellt werden. e) Da es notwendig sein wird, Bergarbeiter von nicht rentablen Gruben in andere Gebiete zu verpflanzen, so wird die. Regierung ersucht, bei dvffer Maßnahme finanzielle Unterstützung zu leisten. ft Die Regierung wird geibeten, solche Arbeiter, die durch die Reorganisation geschädigt werden, finanziell zu unterstützen. Dieser Entwurf wurde heute morgens mit einem BegssitschEen von Sir Herbert Samuel dem Gewerkschastsvat übermittelt, welcher daraufhin »zach einer längeren Beratung sich damit einverstmchen erklärt«, diesen Vorschlag als Berhandlnngsbasiö au zu nehmen. Im Laufe der weiteren BerhaMnngen wurde dann der Generalstreik bedingungslos als beendet erklärt. Der Kongreß der Trade Uuivns ist also von seinem ursprünglichen Beschluß abgclommen, die Generalstreikorder nur dann zurückzuziehen, wenn die Kündigungen der Grubenbesitzer außer Kraft gesetzt werden. In Men. Kille. Waschwaren etc. im Warenhaus 11., Taborstrasse 41 Telephon 47-1-79 En gros En detai