Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2590 (10.5.1926)
- Date
- 1926-05-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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^3hen, ^nrtog Mettee «. Mi im m.zx» JÜDISCHE JUGEND. Kundgebungen des Brüh Hanoar aus Anlass der zionistischen Monai- Ifar-Aktion. gödische 8«se«d! ES kjt i» dk-sen Tagen Wicht auch der Mdiichen Jugend, sich «rf ibr L-elbft zu besinnen. Als V-ereich freier j'.uvnMirfKv Gcstalnnrg gilt allgemein die I u gend bc wo gu n g. Hat Ju.qcnbbcwMiig schon sait älttrS ^iaturnähe, Hcraustreten aus den Gesellschaftsschäden und Aufbau der verirünftrgrn und gerechten Verwirklichung der wahren Werte ücdauiLt, jo war der jüdischen Jugendbewegung durch geschichtliche BedinZUllgen lange Zeit ein Nachholen aller Voraussetzungen zu solchem Beginnen vorgeschrioben. Heute ist der Begriff der jüdischen J-ugendb-ewegung gewandelt, nicht verändert oder abgcbagen, sondern bereilhert Un) grundgelegt im Sinne nationaler Be rpfl i ch tu n-ge n, die auch menschlich un-d sozial tief greisen. Dem Aufbacl Erez Israels hat Jugendkraft sie Chal^Mth bereitgestellt, und diese Arbeit und die von ihr ausgehende» Miekle des Lebens lassen die frühere Romantik weit hinter sich. Soll Mte jüdische Jugendbewegung erfüllt werden,, so heißt es zu l e l n e n. Es genügt bei aller Wichtigkeit der Sache nicht, wenn ihr der Körperkultur in Turnuird Sportvereinen obliegt. Die Erziehung des jüdischen Menschen kann n-ur tu den Gemeinschaften der I u g e n d b ü n d e vor sich gehen. Nicht mit zu fühl eit, sondern mitznarbeit e n s e i d i h r d a! Die Weltorganisation Brirh Hanoar umfaßt den größten, nicht durch Klauseln nach rückwärts schielenden, foitih’nt statt alles Halben das Ganze bevorzugenden Teil der jüdischen Jugendbewegung. Sie verwirklicht den Leitsatz: Arbeit, H e b oä i sch e Kultur und Gemeinschaft! Sie als idle Hüterin der vollen Werte unserer Bewegung rnft euch in diesen Tagen, mst euch zu: Zur Arbeit! In Vertretung der Exekutive der Weltorganisation Brich .Hanoar: Jehoschnah Vierer. Meir K r a n ß. Der Merkas des Brüh Hartvae in Oesterreich: Chaisen, Eckert. Frankl, Golvsand, Klingen, Lustig, 'Schavs- - stein,, Dinger. Zwei Generationen. Die Mische Jugendbewegung ist die einzige Jugendbewegung überhaupt, die es vermocht hat, in den Hafen der Realität yi gelangen. Ihr Sinn ist nicht Schaffung von isolierter Jugeudftilfair, wicht nur BekäMPMg von Bestehendem, sondern positive Gestaltung von Neumi. Ne trägt in vollem Maße die Verantwortung für das Schicksal ihres ganzen Volkes. Wahrend die Jugendbewegung anderer VÄlker aushört, wenn der „Ernst des Ltzbens" beginnt, Jugendepisode mit bestenfalls geistiger Nachwirkung» bleibt, beginnen wir eigentlich erst dort, wo die anderen bereits am Ende sind. Die jüdische Jugendbewegung ist keine Erlebnisbewegung als Selbstzweck, sondern Erziehungsbewegung mit nationaler und sozialer Ausgabe. Jede Jugendbewegung im jüdischen Volke, die nicht dieser Ausgabe dient, Hat ihre Dasainsberechdiglmg verloren. Jirfolgedcssen gibt es auch nur bei uns das Phänomen der Zwei G e n..e ra t i o n r n, deren Vorhandensein und mehr oder minder scharfer Konflikt die heutige Situation kennzeichnet. Zwei Generationen gibt es in der jüdischen Jugendbewegung, eine die in ihr gereift ist, den Weg der Chaluziuth beschritten hat und sich in Ere; Israel oder auf dem Wege dorthin befindet und die andere, die. Kveite und jüngere Generation, welche die eigentlichen Jugendverbände repräsentiert, in ihnen leb: und sie führ:. Tie Zukunf: der zionistischen Jugendbewegung hängt davon ab, ob.es gelingt, diese beiden bisher getrennten Teile zu einer Einheit zu verschmelzen. Der Brith Hanoar unternimmt diesen Versuch. Er ist im Wesentlichen eine Schöpfung der ersten, der palästinischen Generation, er ist ein Versuch Erez Israels wieder die Brücke zur Galuth zu schlagen, die neue Generation in das Wer? und Leben der ersten eiimründen zu lasten. Finden die ztvei Generationen nicht zueinander, so sind beide gum Tode verurteilt. Die jüngere, weil sie ohne Ziel und Erfüllung bleibt, die ältere, weil sie ohne. Erneuerung, Fortsetzung und Nachwuchs, das begonnene, grandiose Werk der nationalen Renaissance aus sozialer Grundlage nicht vollenden kann. Idee, Leben, Werk und Denken der gereiften Generation sind allein aussch.'-.ig^eb.'tt-. Wenn diese Idor diese Generation mit den Führern der Galuth verbindet, ist das Problem gelöst. Ere; Israel muß im Rahnien des Möglichen an der Erzichungsarbeit in der Galuth teilnchmen. Die Erkenntnis dieser Sachlage bedeutet kvine Eiivschnmkung der bisherigen Freiheit, sondern Sinngebung dieser Freiheit.' Es ist nicht Kasernierung, sondern ungcheure Bereicherung und Erweiterung. Die JntenWt des Gefühls der Freiheit und Autonomie kann nicht dadurch -gemindert werden, daß man weiß, wofür man frei ist. Das Leben erhält einen Kinn, die Erziehung eine Richtung, die-gawze Biwegnng ist keine Sache persönlicher Güjühlr nm von indniid.ieilem-oder Grnppenlebsn, sondern eine Sache der Verantwortung und Berpstichtuug, ebnem göwaltigen, objektiven Denke aegenübrr. Die Bünde der jüdischen Jugendbewegung müssen Quellen WNvnaler Erneuerung bildet!. Der .Brich Hanoar hat jrim Tätigkeit in erster Linie auf die Galuth zu richten. Seine Avböit ist Galucharbeit siir Erez Israel. In der Jngendbewegmig ist wohl die günstigste Gelegenheit für eine Annäherung von Ost- und Westj ud e n gege-b en. Mentalität und Lebensformen sind sehr ähnlich, so daß cs für einen W-estjald-en ein leichtes ist, sich in einem ostjüdiscljeu Bum eiuzuleben und umgokchrt. Dieser Tatsache muß durch den Brith Hanoar in Treffohrkeil, Siedlungen nstv. Rechnung getragen werden. Die Annäherung gereister, nicht mehr genügen) elastischer und bildsamer Menschen in Ere; Israel, ist viel schwerer als die, der Jüngeren und Jüngsten in den Bünden, was von großer Bedeutung für Vermeidung von Konflikten und Reibungen in Erez Israel sein kann. Achnlich ist das Loben der Jugend in ihren Bünden, gleich ist die primäre Konsequenz aus diesem Leben und der es bestimmenden Idee: Die Chalnziuth. Ein Unterschied besteht nur in der Verschiedenheit der Galuthaufgaben von oft- und westindischer Jugend aus der Verschiedenheit des Milieus entspringend. Die ostjüdische Jugendbewegung steht inmitten einer degenerierten, aber kontinuierlichen jüdischen Wirklichkeit. Die wHt- Mische Jugend kennt keine jüdische Wirklichkeit. Sie findet ein Verhältnis zum Judentum nur auf dem Uniwrge über den Geist, sie erlebt das Judentum abstrakt. Die einzige Mische Realität, die eine suchende Jugend im Westen findet, ist der Mische Geist und die zionistische Bewegung. Ter Westjude ist nur insoweit überhaupt Jude, als er einen Willen zum Judentum hat. Die zionistische Jugend kann es bei diesem bloß formalen Willen nicht bewenden lassen, sie muß. den Weg zum Judentum vollends gehen. Das ist Sinn des „Lernens", die Erfüllung mit jüdischen Knltnrwerten. Lernen ist aber nur Etappe, es ist keine Lebensmöglichkeit. Unser Ziel ist nicht die Erkenntnis, sondern die Revolution, tiefe Erkenntnis ist allerdings Voraussetzung durchgreifender Revolution. Außer der EhaMiuth, hat die wcstjüd'ische Jugend die zionistische Aufgabe im. Westen §u erfüllen. Lernen und Chalnziuth, Lernen und Zionismus. Wir brauchen den Zionismus zur Bindung frei gewordener Energie und er braucht uns, weil er als idealistische Bewegung, besonders im Westen, ohne die Gefolgschaft einer begeisterten Jugend nicht bestehen kann. Im Osten hat der Zionismus keinen jüdisch-koitstitnierenden Charakter, denn es gab und gibt lebendiges Judentum ohne ihn. Seine Aufgabe dort, ist es allein,, das -Judentumsmit nationalem Geiste zu erfüllen und eS zu revolutionieven. Der Jugend in ihm wäre «8 vor allem Vorbehalten, für die Erhaltung der reinen Idee zu kämpfen unk b:e Fahne des Paläftinozentrismus ccgenüber der, den eigentlichen Zionismus überwuchernden, galuihnationalistischen Gegenwartsaitbeit hochzuhalten. Sonst kann sich die ostfüdische Jugendbötvogung unmittelbar nationalen und sozialen Erziehungsaufgaben in der „jüdischen Gasse" zuwenden. Das bedeutet heute: Schaffung eines umfassenden Erzichungswerkes für weite Kreise der ganzen Jugend, das geeignet .ist, sie der nationalen Assimilation und dem völligen sozial-ökonomi-' schrn Verfall zu entreißen, das heißt Produktivierung und Anbei tSerzichung aus hebräischer Grundlage. Elicser Zipper (Mfuleh). Der FsOs der Seele». , Keren Haneptzaschoth. Zwei große Sammlungen hat die Ernenev.lngsbewegnng des Mischen Volkes geschaffen: die Sammlung des Landes, des Heimatbodens und die Sanmrlnng der Aufbaumittel dieses Landes, den Keren Kajemech und Keren Hajeffod. Wo blieb die Sammlung der Werkzeuge des Ausbaues? Eine Menschensamnllung war da, eine große Organisation, der die VerwiükllHttng der Sache oblag. War es auch immer, war es Meeting der jüdischen Jugend. Mittwoch den 12. d. um halb 8 Uhr abends im Festsaal des Hotel Continental. Redner: Oberabbiner Prof. Dr. C h a j e s, Direktor Dr. K e l l- »er und Führer der Jugendorganisationen. E i n t r i t t s r e i. * Jedes Volk hat nur mit Hilfe seiner Jugend in entscheidenden Zeitpunkten Großes schaffen können. Auch die jüdische Geschichte bis m die neueste Zeit lehrt uns verstehen, was der Einsatz der jungen Generaüon für die Verwirklichung seiner Ideale bedeutet. Ein großer Teil der jüdischen Jugend steht noch immer interesselos denr Gedanken und Werke der jüdischen Renaissancebewegung gegenüber. Die sich ihrer Aufgabe bewußte jüdische Jugend ist zum Teil in Erez Israel bereits an der schweren Aufbauarbeit, zum Teil stellt sie ihr Leben auf dieses Ziel ein. Ihr Werk soll richtunggebend werden für die Gesamtheit. Erscheinet alle! Zionistisches Landeskomitee sür Oesterreich. Die jüdische Jugendorganisation. ans; nur häufig eine Verwirklichung «er Mischen Person» Selbvekwirk-lichnng'? Zu viel Ingenieure — M wenig Arbeiter! 'Werkzeug sein heißt, dem Prinzip des Schaffens bis AS Letzte nngepaßt sein. Da kam die Juyrnd, erfüllt von der uttangckränkclten Nähe von Stoff und Kraft, von Draußen und Dvmnen — »nd wurde da« W e r k z e it $ ö c V Ges chichte. llnv u» war hier, in der Buchung der Jthzend, Sammlung, Ordnung, nicht Nebeneinander, sondern Miteinander? DaS war ja kein auftechter Wuchs, das war gebeugt von: Wind irgend einer „Richtung", und mit Kricchwurzeln . im Boden der Umgebung verstrickt. Da kam der Brith Hanoar, warf Edelgut aus Ost in den Schmelztiegel von Weist und vergoldet« das nou vom Zentrum Erez aus sich schlingende Band der Jugend mit der Inschrift: A w o d ah, T a r L u t h! Einer Sammlung im Zeichen der Orralität ist ein Gesetz geschrieben: Jedes Glied wirkt selsttätig in eigener Sanrmlung und kristallisiert sich in der Gemeinschaft — denn das 'heißt „Erziehung" — zmn zukünftigen Träger einer Ordnung von Werten — denn.das heißt .M e l t a n s ch au u ng"! Ist es nicht schrecklich.zu lesen, daß in Deutschland jkidllche Bünde (wie der Blau-Weiß) sich zusammcntun unter dem Gesichtspunkt der Pfadfinderei, zu hören, wie mancherseits sich die Vorstellungen noch an Aeußerlichketten (-zum Beispiel llniform) beralkschen? Heißt das die Zeichen der Zeit verstehen, heißt das Einstellung aus die Ganzheit der Mischen Notwendigkeit? Wir werden fortschreiten ans dem Woge unserer Sanrmlmra, der Sammlung der Seelen. Meir Krauß. Fugend — Ratm — RenaiAnr-'. (Aus: „Unser LÄen". Eine Zeitschrift jüdischer Jugend, als Eigendruck herariSgegeben von der Kwuzah Esch, Wien?. Alle geistigen Bewegungen der Menschheit wurzeln in ihrer Zeit. Auch das Entstehen der Jugendbewegung ist nur aus den Zeitumständen zu erMren und tvir halben in ihr letzten Endes eine Reaktion aus die eiiffeitige Betonung des Materialistischen zu erkennen, das dem Wesen des Jugendlichen zu allen Zeiten widersprach. Unsere Jugendbewsgung, oder besser-unsere Generation, ist nicht die erste und wird auch nicht die letzte sein. Jnnner stand Jugend gegen Alter, stand Romantik mit der Schnsucht nach denn Unendlichen gegen Wirklichkeit, die sich mit dem BestcheNden abfindet, - stand Idealismus gegen Selbstzusriederche-it. Und doch sprechen wir erst von der Bewegung unserer Jugend als von einer Jugendbewegung. Und warum? In-ihr ist zum ersten Male die Jugend als Gemsinschaft schöpferisch geworden und hat sich nicht wie sonst nur in die Reihen der Kämpfenden eingestellt, sondern ilst selbst, über den Kampf hinaus, an die Begründung einer eigenen Wirtlichkeit geschritten. Es ist, um Landauers Worte zu gebrauchen, der schöpferische Geist der Revolution über sie gekommen und sie ist geigen das Starre und Gebundene der Umwelt aufgestanden, nicht nur um diesem gegenüber zu stehen, sondern um an dessen Stelle etwas Neues auisßnvrchten. Die Lübensreform, die sich in den letzten Jahren in alle Teile des Volkes gantz ungeahnt auÄvirkte, ' ist ein Werk ^rr Jugend. Wir scheu, wie das Ziel den deutschen Jugenvbewvgungskreisen, ich denke an den Mttvandevvogel, zuerst noch ganz unklar vorschwöbte, wie diese nur d:e Uneriräglichkeit eines satten Daseins empfanden und wie es sie hinaustrieib in die Natur. Und dieser Zug zur Natur, zum Nakürilichen, wurde die führende Tendenz. Mau lchrrte die Unsitten der Zivilisation alb und fttdjfcc omer tonten Kultur zu. Dieser geistige Inhalt, der der Rousscauschen Forderung des „Zurück zur Natur" nahe kommt, schnf sich aber auch — und das unterscheidet ihn von jener, die eiben deshalb nur Fordemng bleiben mußte — eine ganz neue Form des Zusammenlebens. Ein sinnvoll von Ethik und Kultur dürchdvungenes Leben war das Ideal, dessen Pevw'Michung die Jugend Mstrchte und das die Kräfte einzelner sowie kleiner nnb großer Gemeinschaften schöpferisch werden ließ. Bertol.d Löwenfeld. zurück rum Tanach! Wenn ein Bott Mt wirklichen und berechtigten Einschätzung seiner selbst gelangt ist, .so .werden ihm auch alle. Aoußerungsn seiner schöpferischen Kraft teuer undes bemüht sich, ihnen den .gebührenden Platz für Gegenwart unb Glvigkeit zu sich«M. Das jüdische Voll — in seiner Gänze und Gvschlossenhort — war sich ivmter seiner Stärke und seines schaffenden - Wertes bewußt und hat darum allem, was Mschem Lüben entsprang, seinen unvergänglichen Platz in diesem Leben emgermimt. Wo es in seiner Gänge «nd^ Geschlossenheit dastand. Nicht aber, wo es zersplittert, untergraben und in schwankende Einzelteile emsgülöst sich befand. Dem Jttden, der mit Tausenden seinesgleichen in geschlossener Menge jahchundertelang die Kette seiner Borfchren wett erzog, mfadWstdem Jude«, in dessen Mitte ein lebendiges, jüdMes Eigenleben .fpvubette, mußte der Begriff: Mische, geistige Renaissanve, soweit er artalog der allgemeinen historischen die Witzergchupt iM^Ächn bOnvellen Werte erstrebte, fremd htzsiben. Denn wäs soüte ihm auch der Stuf sagen: zurück zu den köstlichsten Quellen Mischen Lebens, Drück zum Danach und zum Schrifttum der Wessen? Ihm, dessen gegenwärtiges Leben sich in Wortbildern des Danach und der Mijchuuch auÄ>rucktz ihm, der m bösen Taget: m fäSfätocKL *