Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2589 (9.5.1926)
- Date
- 1926-05-09
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Zomvtag Wiener Mornenzettuna 9. Mai 1926 Setze f Kr. 2589 Set Schwips des Henkers. Ei« lustige Geschichte im Krakauer Bahnhof. OÜO 000 □00 ooo DOD 000 rttmrrrrrf rrm im O OQOOOOO oooooooo oooooooo 00 00 00 00 xmninülBUl111 'Mjjiijjii|»n'|tnT öd SBB ööö oo jj*1!'-.1 -- csr^'4-fj ■ i f j{WTIWWmP|»»ffT)Op|W*lllTlfl| Ometika WeH, Einzig und allein das Festhalten an den amerikanischen Oeschäftsmethoden: Großer Umsatz — kleiner Nutzen sowie unser Prinzip: Bar-Einkauf — Bar-Verkauf versetzt uns in die Lage, das Be ste bei phantastischer Billigkeit zu bieten tmerkMr ÄS& Rohseide Imlt. fesche Faltenfasson, Sensationspreis . . S 6.” SomerkUtr Marocain, allerneneste Dess. 0 20 Krupnlk-Schleuderpreise . 8 Ä* Sstnmerklelder fäSS la Seidensdk . . S 9.80,7.80 ß.80 lianfnl äUs Wateroroof, rein mailiol Schafwolle und gutem Covercoat, tief unter dem 9J Materialwert. . . . 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Kostüme'°^° A“SS 25.- Olrntfiklefder »fS.. .S 4. in allen Grfisae* und Preislagen 5 E 111 - 115* . öSTE RR E lCHS Infolge des Riesen Andranges in den Nachmittagsstunden ersuchen wir unsere P,T« Kunden in liebenswürdigster Weise auch den Vormittag zum Einkauf zu benützen Set Wnese im Kino. Als flcftent der Zug, der aus RgeSzotv kommt, in die Halle des Krakauer Bahnhofes einlief, stieg aus einem Abteil erster Klasse eine aufgeregte Dante heraus und erklärte in tragischem Ton: „In dem Abteil, das ich soeben verlassen, sitzt ein betrunkener, sehr merkwürdig aussehcndcr Passagier. Er ist fast gang bewußtlos und spricht zu sich selbst, er trägt einen Frack, Lackschuhe und erzählt, er sei eine sehr hohe Persönlichkeit." Ein Bahnbedi-eusteter wollte schon in das Abteil eintrcten, als er aber hörte, daß der Passagier eine hche Persönlichkeit ist, überlegte er sich die Sache nnd beschloß, sie dem diensthabenden Beamten zu melden. Bald begaben sich einige Eisenbahnfunktionäre mit dem Stationsvorstand und einem Poligeibeamten an der Spitze, in das Abteil.. Die Informationen der aufgeregten Dame wurden bis in die kleinsten Details bestätigt. Zerlassen Sie das "Abteil," begann der Polizist. ,Fällt mir nicht ein, ich fühle mich hier sehr wähl. Heraus mit euch!" „Bitte also um die Legitimation," sagte schon sehr bescheiden der Polizist. ,^Vas? Angst könntet ihr noch kriegen, >wenn ihr -wüßtet, wer ich bin." Allgemeine Konsternation unter den Beamten. Die Rattungsgesellschaft wird schnell angerufen. „Vielleicht ist es doch ein Wahnsinniger," meint jemand. Ms der Rettungswagen angekommen ist, erklärte die -hche Persönlichkeit kategorisch, sich nicht untersuchen lassen zu wollen. „Arretieren und damit Schluß," meint der Arzt der Rettungsgesellschaft. ,Mas? Mich arretieren? Ich rühr' nur mit dem kleinen Finger und schon hängen meine Klienten," sagte lachend der Herr. „Da muß man aber die höhere Instanz rufen," schlug der Polizist vor. „Biele Protokolle häbe ich schon anfgenonnnen, aber so etwas ist mir noch nicht passiert." Und wirklich — erst als ein hoher Polizeikmnmissär aus dom Bahnhof war, konnte die Amtshandlung normal vollzogen -werden. ,^JHve Legitimation," befahl der Kommissär. Der Betrunkene weigerte sich. ,Lwr Namen des Gesetzes, Sie sind arretiert. Fesseln tack -abführen!" ,Mogu binden? Es wird auch so gehen. Wenn ihr unbedingt meine Identität feststellen lvollt, bitte, hier meine Legitimation." Jetzt erst -geruhte der Herr, sich langsam zu -erheben. Die Neugierde der Versammelten erreichte den Höhepunkt. Mit verhaltenem Atem hörte man aus jedes Wort des Politzeikommissärs. „Sie heißen — Macjejewski?..wandte er sich an den Passagier. ,I!o, ja." „Sie sind Beamter der vierten Rangsklasstr?" „Wie Sie lesen," sagte Herr Maciej-ewski und machte es sich wieder bequem auf dein weichen Sitzplatz. ,-Sie sind der Henker?" ,$ä) habe die Ehre, diese hohe Stellung emvzunehineu. Ich kehre soeben aus Rzeszow zurück, wo ich -gestern d-ie jErekutron an dem Verbrecher P-anek geleitet habe." Und nach einem Augenblick melancholisch:. . . ,^Fch werde, scheint's, alt. Einige Gläschen und ich bin schon -ganz hin. Einst, einst, da war es anders..." Es war also wirklich der berühmte polnische -Henker Maeiejewski, -der nach dem in den österreichischen Derlen Polens bestehenden Gesetz auch dort das Henkeramt versieht. Er soll jetzt wegen öffentlicher Ruhestörung zur VemiMvorturrg gezogen werden. Psychologischer vom Schenke«. Trifft das männliche Geschlecht eine bessere und männlichere Auswahl, wenn es s-ich um ein Geschenk handelt, oder ist chm das tveibliche darin überlegen? Diese Frage hat man ans einer amerikanischen Universität zum Gegenstand psychologischer Untersuchungen gemacht. Wenn man gewöhnlich geneigt ist, «der Frau das feinere Breständnis für Geschenke zuzuspvechen, so wird das durch ditzse Beobachtungen nicht bestätigt. Es kommt auf die Dinge an, die man schenkt. Der Herr zeigt einen besseren Geschmack, wenn es sich darum handelt, Möbel oder Glassachen ausznsuchen; denn er hat meist eine bessere Kenntnis dieser Waren. Dagegen übertrifft die Dame den Herrn beim Aussuchen von Wäsche, und ebeirso ist sie ihm in der Wahl von Tapeten und Handarbeiten überlegen. Die durchschnittliche Frau versteht aber nichts von Weinen und Teppichen, und auch in der Auswahl von Schmuckgegenständen zeigt der Mann die größere Geschicklichkeit. Man will a-nch fest-gestellt haben, daß die Menschen in den Verschiedenen Altersstufen im allgemeinen ganz verschiedene Geschenke machen. Das junge Mädchen wählt, wenn es einem Freunde etwas schenken will, in der Regel Schmucksachen, die Frau von 4V bevorzugt Geschenke, die der Bequemlichkeit dienen, die Frau von 60 schenkt Dinge, die ihren Wert behalten, und die Frau bon 60, die das Leben und das häufige Schicksal von Geschenken kennt, wählt ihre Gabe so, daß sie beim Wiederverkauf ihren Wert behält. Der junge Mann schenkt einem Freunde mit 20 Jahren Wertsachen, mit 30 Jahren Pfeifen und Luxussachen, mit 40 Jahren Bücher. Der 50jährige, der sparsam geworden ist, sucht Geschenke aus, die nicht viel kosten, mit 60 macht er nützliche Gaben nnd mit 70 kehrt er zu den Gescheuten seiner Jugend zurück, Im Reich der Mitte herrscht -der am-e Manische Film, wie überhaupt im ganzen Orient; aber ganz langsam beginnt sich auch eine heimische Filmkunst in China zu regen, wenn sie auch -fveis-ich noch -in den Anfängen steckt. Es ist ja noch -gar nicht so lange her, daß die ersten Kinos in China ihren Einzug hielten. In einem Aufsatz über die „Wandlungen des Theaters in Asien" in der Zeitschrift „Asia" schildert A. E. Zucker den denkwürdigen Abend, an dem ein Thvaterunternehmer in Schanghai zum erstenmal die Chinesen vor die Flimmerlenvwand einlud. Er war vorsichtig genug, keinen Eintritt zu erheben, und brachte damit -eine stattliche Menge Neugieriger zusammen, aber die Zuischa-uer gerieten in angstvolle Unruhe,, als sie auf 'der geisterhaften weißen Fläche menschliche Gestalten sich so unheimlich bewegen sahen und anstatt Beifall zu klatschen, stürzten sie schließlich in wahnsinniger Furcht aus dem Theat-er heraus, denn' sie glaubten, von den Geistern verfolgt zu werden, die da an der Wand erschienen. Eine derartige Haltung des chinesischen Publikums kann« nicht weiter verwundern, Ivenn man -weiß, daß der Geisterglaube im Himmlischen Reich überall verbreitet ist. In den größeren Städten aber hat man sich nun längst an den Film gewöhnt nnd -gibt sich gern den Freuden des Kinobesuches hin. Charlie Chaplin ist auch unter den Söhnen des Himmels der beliebteste Filmscha-uspieler, und es gibt -st) manchen ehrwürdigen Gelehrten, der dem europäischen Besucher . seine besondere Begeisterung für „Sha-pe-lin" kundgibt. Der erste chinesische Film wurde vor etwa zwei Jahren in Peking gezeigt. Die Handlung spielte in Schanghai und hatte einen Mord in einer Droschke zum Mittelpunkt. Natürlich litt dieser von chinesischen Regisseuren und Schauspielern hergestellte Film an vielen Nuzulänglichkeiteu, schilderte aber immerhin ein Stück chinesisches Leben. Biel komischer sind die chinesischen Filme, in -denen der amerikanische wilde Westen uochgeahrm wird. Da kann man einen chinesischen Cowboy sehen, der auf -einem Esel in vollem Galopp reitet und von blutdürstigen Indianern mit Schlitzaugen angegriffen wird, denen die Zöpfe aus dem Rücken hängen, lvährend den Hintergrund -ein konfuzianischer Tempel bildet. Die Szenen eines solchen chinesischen Wild-West-Films waren nach Kansas- Vitt) verlegt, wohl wert man glaubte, daß hier noch in aller Freiheit die Indianer ihr blutrünstiges Handlverk ansübten. Renümtingeolierung der amerilMfthe« Eiv- Wanderung. Nrw-Dork, 8. Mai. Das im nächsten Jahre in Kraft tretende amerikanische Einwanderungsgesetz bemißt die Quote der zugelasieuen Einwanderer nicht mehr nach dem Geburtsland, sondern nach der ursprünglichen Nationalität oder nach der Nationalität der Eltern, so daß beispielsweise ein in Deutschland geborener Russe künftig als Russe angesehen wird, nicht mehr als Deutscher. Bei dem neuen Gesetz wird eine Verringerung der deutschen Quote von 51.000 auf 20.000 eintreten, dagegen wird sich die englische und nordirländische Quote von 34.000 auf 85.000 erhöhen, so daß die englische Quote mehr als die Halste der Gesamtzahl der zulässigen Einwanderer darstellt. Es hat sich bereits eine festige Opposition erhoben. Kette AffeutlernugsvorschrMe» in Polen. Warschau, 7. Mai. Das polnische Ministerium für Inneres versendet ein Zirkular, in dem erklärt wird, daß Personen ün stellungspflicht igen Alter, die im Ausland wohnen, nur dann nach Polen zurückkchren müssen, um ihrer Militächfiicht nachgukommen, wenn sie das 23. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Diese Nachricht bedarf folgender Erklärung: Nach dem Gesetz über die Militärdienstpflicht müssen zum Militärdienst in Polen nur jene tauglichen Personen einrücken die in europäischen Lau der n wohnen. Personen ^außereuropäischen Ländern sind vom Militärdienst beftett. Bis vor kurzem noch verlangten die Polnischen Konsulate in Europa auch von älteren dienstpflichtigen Personen, daß sie nach Polen fahren und sich dort der Assentievun-gskommissiou stellen. Nach dem neuen Zirkular des Innenministeriums sind polnische Staatsbürger, die das 23. Lebensjahr vollendet haben und im Ausland wchnen, nicht zur Heimreise verpflichtet. Dieses Zirkular betrifft daher die Jahrgänge 1901 bis 1903. Selbstverständlich können Personen, die sich bei den Konsulaten überhaupt nicht registrieren ließen oder aus Polen absichtlich weggefahren sind, um der MellungsPflicht nicht Nachkommen zu müssen, von den- Erleichterungen dieses Zirkulars keinen Gebrauch machen. Diese Personen müssen nach Polen zurückkehren, dort einrücken und außerdem »verden sie auch gerichtlich verfolgt werden. Wenn ste nicht zurückkchren, so vMeverr üe automatisch die volnische tshssivprschrnL.