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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-09 · Heft 2589 (9.5.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2589 (9.5.1926)
Date
1926-05-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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jesL «tat Las lmtograMche Znftitut. Metz als GsMeMs. «WM L ML SM ZDWG Ser grvhen OeffentlLch- ■M W* tte «echaSdbmg tat Prozeß gegen bk FrankenMcher hat HE m Zweiten Bechaudluwgsttrg sichtlich nachge- Lossen. Die BL«Le des PrMSunrs weisen zahlreiche Lucken «$ Am Anschanerram» waren heute auch mehrere Abgeordnete erschienen, die sich Aufzeichnungen über die Aus- Zage» Gerös Machte», der sich mit der SoUt d^.s Grafen ELlOLi beichSftiyte, ~ ^re pwEche» EmWrc habe» einen regelmäßigen JnisPeltioinsdiLnst eingerichtet und nehmen abwechselnd an der Verhandlung teil. Heute wurde das Dechör mit Kurz, Raba und Gerö Vvrgenommen. Raba war infolge der Vertrauensstellung bei Windifchgrätz überall anwesend und so sah man lseinen Aussagen mit besonderen: Interesse entgegen, da man über viele Punkte, die noch auMrnngsbedürftig siud, Ausschluß erhoffte. Gerö war wieder der Spezialist, dessen besonderes Zeichentalent von den Franzosen mit der witzigen Bemerkung anerkannt wurde, daß die Figuren auf den Fälschungen fast besser gelungen sind als auf den echten Banknoten. Ohne Gerös Zeichnungen wären die Fällschungen von allem Anfang an mißlungen gewesen. Daß sie überhaupt entdeckt wurden, ist nur dem schlechten Papier zuzuschreiben. Bei Beginn der heutigen Verhandlung waren lediglich die gestern verhörten drei Angeklagten Nadossy, Windisch grätz mch Hajts auf der Anklagebank. Auf Anordnung des Vorfitzenden wurde sodann dar Leiter des kartographischen Instituts, Kurz, in den Gerichtssaal geführt. Er bekennt sich nichtfchuldig und führt aus, im Herbst 1924 von seinem Vorgesetzten Hafts zu einer „patriotischen Aktion" aufgefovdert worden zu sein. W indisch grätz versicherte den patriotischen Charakter der Aktion und so begann er mitzuarbeiten. Nach dem Rücktritt Hajts wurde Kurz Nachfolger in der Leitung des Instituts. Als solcher nahm er an einer Konferenz mit Windifchgrätz, Hajts und Gerö teil, in >der versichert wurde, daß der Regiermtz nahestehende Kreist die ganze Angelegenheit mit Sympathie verfolgen. Nachher gingen alle zu Nadossy, der ebenfalls den patriotischen Charakter der Aktion unterstrich. Ich, wie übrigens alle Arbeiter in: Institut — erklärte Kurz — haben nur deshalb an dieser Aktion, mitgearbeitet, weil man uns überzeugte, daß es sich um patriotische Ziele handle. Sodann wurde Kurz mit Windifchgrätz, Nadossy und Hajts konfrontiert; «Be drei bestätigten die Angaben Kurz'. vom Geäst« Tekki otfoefetted, Wer die Mir bekanntgegebeuen Pläne Wiudischgrätz' ein Gutachten abzugeben. Nadossy, der bei dieser Unter-, rednng zugegen war, erklärte, es handle sich tfm wichtige Staats! nie ressen bet tztaser Aktion. Ich war gegen die Mitarbeit des Schulz und habe dies auch Tele-ki gegenüber betont. Es ist nun zu bemerken, daß der Präsident wiederholt die Aussagen Gerös unterbricht, um sie in ein bestimmtes Fahrwasser zu lenken. Mets, lvenn Gero einige die Angelegenheit beleuchtende Aussagen abgeben will, unterbricht ihn der Vorsitzende und setzt die Aussagen des Angeklagten persönlich fort, wobei ihn Gerö seinerseits wieder unterbricht, um den Präsidenten aus die Unrichtigkeit der ihm in den Mund gelegten Aeußerungen ansmerksam zu machen. So sagt er einmal mit erhobener Stimme: An der ganzen Angelegenheit bin ich nicht aus eigener Initiative beteiligt, sondern stets Ms Weisung und Anordnung meiner Vorgesetzten. Es war ein mir erteilter Befehl, mich an der patriotischen Arbeit" zu beteiligen. In den nur erteilten Instruktionen hieß es, daß das Institut i n allen seinen Teilen in An- -sprnch genommen werden könne. Mir persönlich zugeteilte Gehilfen wurden mit den Worten bei mir eingeführt: „Sie haben von Gerö eine patriotische Arbeit zu über n c h men u n d d u r ch z u f ü hre n." Nach Deutschland fuhr ich auf direkten, offenen Befehl, beide Male in Angelegenheit der P a p i e r b e s ch a s s u n g. Die Deutschen waren hiebei sehr zurückhaltend und so hatte meine Reise wenig Erfolg. Ich war auch fünfmal in Wien, und habe einmal Mafchinenbestandteile im Wege der Wiener ungarischen Gesandtschaft nach Ungarn führen lassen, um so eine langwierige Zollbehandlung zir vermeiden. Die materielle Seite der ganzen Aktion wurde meines Wissens von Windifchgrätz abgewickelt. Der Vorsitzende fragt am Schlüsse des Vechöres die anderen Angeklagten, ob sie zu den Aussagen Gerös Bemerkungen zu machen hätten. Kurz bemerkt, daß er nach der Unterredung mit Windifchgrätz die ganze Sache tvohl geduldet, nicht aber auch von ihr Kenntnis genommen habe. Gerö widersprich: mit erhobener Stimme: Jeder mä n n im kartographischen Institut mußte von unserer Tätigkeit wissen. 4, Während einer Panse werden »um ersten Male die in Packpapier gehüllten Corpora delicti Unter allgemeiner Spannung wurde sodann Gerö in de» Gerichtssaal geführt. In zusammenhängender Rede führt er aus: Ich wurde im Herbst 1928 aus den Tisch gelegt. Aus dem Papier lugen die Ecken einiger Tausends ran k.e n n o t e n hervor. Aus dem einen Paket liegen die vielgenannten S t e i n k l i s ch e e s.; tk jNG*ß6rt\i u lane eutnc VII- N t U B AU 0 ASSt fo f tEISPIUC UNSEUfg.BlUICKEIK Crepe Mongoli 19.— ROtlSßrdS modernste Streifen . . . 8 9.29 grösstes Sortiment, alle >7 fifl Farben.S #«OÜ exklusive Muster S 8.50 Kleiderware, sämtliche 4 4 fifl Modefarben.. 8 JLZ«Ulf Manteltaffetas in Modefarben, Rohseiden- Bordüren, Cr6pe-de-chlne-Bordüren Verkauf en detail Es wird sodann mit der Einvernahme der technischen Arbeiter des kartographischen Instituts begonnen, die der Vorsitzende hauptsächlich über die technischen Einzelheiten der Herstellung der F r a n ke n f a ls i f ik a t e befragt. Inzwischen werden auch die politische Seite der Angelegenheit betreffende Fragen, gestellt, insbesondere an den Angeklagten V i r a g h, der während der Untersuchung angegeben hatte, daß Gerö sich auf den Namen des Ministerpräsidenten berufen habe. Biragh gibt an, dies sei ein Irrtum. Es sei möglich, daß, er vor seiner Verhaftung in der Zeitung gelesen habe, die Regierung habe von der Sache Kenntnis gehabt. Anläßlich seiner Verhaftung sei er in exaltiertem Zustand gewesen und habe nicht gewußt, wie er sich verteidigen solle. Bei der Erörterung der technischen Einzelheiten werden einzelne Falsifikate den Angeklagten in die Hand gegeben, damit sie angeben, welche Exemplare besser, beziehungsweise weniger gut gelungen seien. Die Frage des Präsidenten, ob das auf.dem Tisch liegende Klischee das Meszaros-Klischee sei, wird von Windifchgrätz bejaht. Zu den Mssagen der technischen Arbeiter, die sich alle als nichtschuldig bekennen und die Zahl der angesertigten Exemplare ans 20.000 bis 30.000 schätzen, macht Gerö wiederholt Bemerkungen. So bestreitet er die Behauptung des Zinkographen Kiß, dieser hätte erst im FrüUahr 1925 von den Frankenrroten-Fälschungen . zum ersten Male gehört, da er, Gerö, bereits zu Weih-, nachten 1924 Windifchgrätz.den ersten Probedruck ü b e r r e i ch 1 habe. Die Verhandlung wurde hierauf auf M o-n tug s-r-üh vertagt.. Ser verfilmte Schalom Alejchem. Von B. Tschemerinski. Das hervorragende Mitglied des Moskauer hebräischen Theaters „Habimah" veröffentlicht in der Warschauer jüdischen Zeitschrift „Literarisze Bieter" unter dem Titel „Wie wir-Schalom Alejchems „Mabul" verfilmten" die nachstehende, von uns aus dem Jüdischen übertragene Studie. Einer der sehnsüchtigsten Wünsche Schalom Alejchems ist dieses Jahr, zu seinem zehnten Todestag, in Erfüllung gegangen: der Wunsch, seine Werke auf der Leinwand ausgeführt zu sehen. Es war schwer, sich Schalom Alejchems Werk im Film vorzustellen. Das Wesentlichste seiner Schöpfung ist das Wort. Aber wie bedeutend die Rollo des Wortes des Schalom Aljechem sein mag, bedeutender noch sind Bewegung und Rhythmus, die feinem Worte anhaften. Das Wort bleibt im Gedächtnis, das Bild krallt sich fest. Und kommt es dazu, Schalom Alejchem zu inszenieren, stößt man auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten, denn sein Wort hat schon die letzte Feile der Regie gefunden, die handelnde Person ist scharf Umrissen, das Bild abgeschlossen; jede kleinste hinzugefügte Nuance ist sofort sichtbar. Das Wort des Schalom Alejchem ist mit dem Bild organisch verwachsen, deshalb auch seine szenische Wirksamkeit und UeberzeugungskraD In jeder Inszenierung eines Werkes von Schalom Alejchem erkennt man den Uebergang von seinem zuni freniden Wort; mag es auch im Ton und Zeichen dasselbe sein, es ist irgendwie doch anders. „Dieselbe „Jente", aber anders herausgeputzt." Er hat aber zwischen seinen Worten ein Meer von Gedankenstrichen hinterlasseu, ein Geschenk für die Phantasie des Lesers, und das ist eine unerschöpfliche Quelle für Theater und Kino. Ein Brieschen aus „Menachem Mendel", an „Scheine Schejndl" gerichtet, genügt für einen Film „in zehn Teilen und einem Epilog". Der Zuschauer gafft verwundert und hingerissen, lacht und ist nicht zu sättigen. Wenn man Schalom Alejchem auf der Leinwand sieht, versteht man es erst, warum er einen Teil seiner Werke so sehr dorthin bringen wollte, wovon seine Briefe an einen wohlhabenden Freund Zeugnis ablegen, mit den: er übrigens auch Unterhandlungen über eine Filnmuternehmung führte. Er selbst war geraume Zeit aus der Suche nach einem jungen Menschen, der die Rolle des „Mottl Pejssi, des Chasans", spielen könnte. In Moskau, der Stadt der unbegreiflichen Wunder, nicht in einem anderen jüdischen Zentrum, sind zwei seiner Werke verfilmt worden: „Der Mabul" und eine Serie aus „Meßachern Mendel". Dem jüdischen Kammertheater und der . Habimah fiel die Mission zu, Schalom Alejchems Wunsch zu erfüllen. Das Moskauer staatliche Filrnunternehmen „Goskina" führt „Menacheu: Mendel" auf („Jüdisches Glück") mit der Beteiligung der Mitglieder des jüdischen Kammertheaters. Die Regie führt A. Granowski und der Maler N. Altmann. Das Bild ist einem einzigen Menachem-Mendel-Brief entnommen, jenem, der „Sfidelt nischt" heißt. (Es geht halt nicht.) Von besonderem Interesse ist der große Traum Menachem Mendels über seinen neuen Erwerb „Schadchones". Der Traum wird in einigen Teilen ausgeführt und rollt sehr lebendig ab. Menacheu: Mendel richtet Bureaus für Heiratsvermittler ein. Er telegraphiert herum, bringt Waggons mit Bräuten aller Art ins Rollen, einen Waggon dicker Bräute, einen Waggon magere, einen mit-reichen und viel Mitgift, einen mit solchen vornehmer Abkunft, aber ohne Mitgift. Er läßt von Odessa aus ein ganzes Dampfschiff mit Bräuten nach Amerika abgehen. In New-Dork befindet sich die Hauptniederlassung der Firma „Menachem Mendel u. Co.". Er fährt nur noch im zweispännigen Wagen usw. Köstlich ist der Schluß des Bildes, da Menachem Mendel zwei männliche Bewerber anstatt eines Bräutigams und einer Braut zusanunenführt. Ganz verzweifelt jagt er über Berg und Tal von dannen, weit fort, um e:n neues Glück zu suchen ... Ein anderes staatliches Filmunternehmen, „Prolet- K:no", nahn: es auf sich, den „Mabul" herauszubringen mit der Beteiligung der Habimah-Schauspieler und unter der Regie von A. Jwanoff, des Malers Falk und des Koniponisten M. Milner. Der Regisseur Jwanoff ist mit der größten Ehrfurcht und Liebe an den jüdischen Humoristen, dessen Verehrer er ist, herangegangen. Die Habimah- Schauspieler gingen an die Filmarbeit noch im Mai 1985, in der schwersten Zeit, die die Habimah zu überstehen hatte. Ein großer Teil des Ensembles war stark erschöpft, einige sogar ernstlich krank, so daß sie Sanatorien aufsuchen mußten. Nur ein geringer Teil der hebräischen Schauspieler war imstande, ernst an die Arbeit zu gehen. Einzelne Bilder und Episoden wurden in Leningrad ausgenommen, aber die großen allgemeinen Bilderaufnaymen mußten in den verschiedenen „Kassriliwskes" . gemacht werden. Dorhin also zieht die Filmexpedition, mit ihr die Schauspieler der Habimah. Man wählt Winize und die es umgebenden Städtchen im Podolier Gouvernement aus. Die erste Ausnahme, die in einem armen, schmutzigen jüdischen Gäßchen „Jerusalimke" gemacht wird, erregt das größte Interesse der Winizer jüdischen Bevölkerung. Die ganze Stadt kommt herbeigelaufen, sieht der Aufnahnre zu und spricht über Schalom Alejchem und seine Helden. Es ereignen sich höchst komische. Episoden, die in der Stadt Sensation mache». Auf den Schauspieler Bertanoff, der während der Aufnahme in zerfetzten Kleidern, den Kutscher Lipe Baschewitsch spielend, dasteht, kommen einige Juden zu, sind darüber ungehalten, daß ein älterer jüdischer Mann am Sabbat, in zerfetzten Kleidern auf der Suche nach einem Verdienstchen umherläuft. In einem kleinen Städtchen, Litin, wo die Hochzeitsaufnahme „Jaschke Woronn und die stumme Braut" stattfindet nimmt alles an der „Hochzeit" Anteil. Kinder auf Zäunen schauten zu;. Frauen in seidenen Kopftüchern, Männer in Sabbatkleidung werden mitten auf der Gasse um Tische gesetzt. Sie lassen sich alle aufnehmen, geduldig ganze Tage sitzend, von frühmorgens bis in die Nacht, um einen halben Rubel für den Tag. Am Manifestationsbild beteiligt sich ganz Winize und Umgebung. Außerhalb der Stadt, in den Dörfern, verbreiten sich Gerüchte, daß die alte „Staatsmacht" wieder gekommen sei und daß über die Juden sehr lebhaft allerlei gemunkelt wird. Die christlichen Bauern aus der Umgebung, die in die Stadt konnnen, sind hell erstaunt, die alte zaristische Garde zu sehen. Sie nehmen die Mützen vom Kopf, treten scheu zur Seite und wissen nicht, was da vorgekommen ist. Bei der Aufnahme des Pogrombildes, da Männer und Frauen für einen halben Rubel täglich sich mitten auf der Gasse in Staub und Schmutz wälzen, erhebt sich ein mir bekannter Jude vom Boden, ein ehemals angesehener Bürger, ein Kenner jüdischer Schriften, „Maskil", mit feinem Gesicht und stattlichem, angegrauten: Bark. Er schüttelt den Staub von sich, tritt auf mich zu, streckt mir die Hand hin — er geht. Er entschuldigt sich, wie schuldbewußt, einen Talmudsatz sagend, der ihm erlaubt, alles andere zu tun, nur nicht Mmschendienste in .Anspruch zu

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