Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2589 (9.5.1926)
- Date
- 1926-05-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seife Mn, Kcunkag Gtener MoraenzelLunft Dauerslrümpfe haben Welfruf s?4 Eleyant, tiiive-wiistlicft / Ueberali erhältlich Zentrale: LEO SUSSMANN Wien, I. Bezirk, Schwerfgaise Nr, t Der ungarische Prozeß. — y. W i e «i 9. Mai. Am Tage vor dem Nnsbruch des Skandalprozesses empfing Graf Bethlen eine Deputation aus 5kisknttszentmiklvs. Einer der braven Leute brachte im Schneuztüchel das Chrenbürgerdiplom mit und der Graf dankte gerührt. Er sprach ahnungsvoll davon, daß der Ausgang des Prozesses Ungarn in seiner kulturellen Arbeit'behindern^ werde. Inzwischen hat der Prozeß begonnen und er hält schoi^ beim dritten Tag. Die Geschicklichkeit des Berhandlungsleiters ist eine außerordentlich große. Der Kurialrichter Töreky ist ein genauer Kenner der Materie. Nichts ist ihm fremd, und cs ist ihm deshalb' ein Leichtes, Unglück zu verhüten. Er weiß, wie er zu fragen hat, er weiß, worüber die Angeklagten nichts'sagen würden, und er erkennt es rechtzeitig, wenn sie, hauptsächlich Windischgrätz und Nadossy, von der verabredeten Nichtschnur abweichen wollen. Aber alles kann selbst die Gerissenheit dieses Vorsitzenden nicht abwenden. Und so hat das Verhör schon jetzt zutage gefordert, was ja schon vorher bekannt war, aber aus Leibeskräften geleugnet wurde: Daß es sich nämlich bei der Anlage der Frankenschlacht durchaus nur keine auf die direkt Beteiligten beschränkte Angelegenheit gehandelt hat. ' Prinz Windischgrätz benimmt sich gewiß aristokratisch nobel. Er ist bereit, alle Schuld auf sich zu laden. Aber er verweigert merkwürdig oft die präzise Auskunft. Von wem stammte der Plan? Das kann er nicht sagen. Wer gab dem kartographischen Institut die notwendigen Befehle? Der Prinz kann das nicht sagen. Er handelte über Weisung . . . „Wessen?" fährt der Vorsitzende dazwischen. Der Prinz versteht die Warnung und schweigt. Er handelte mit Vorwissen und Zustimmung der Behörden.^ „Welcher?" fragt der Vorsitzende. Die gleiche Diskretion zeigen Nadossy, Gerö, Haits, Kurtz usw. Was der Prozeß zur Aufhellung des Tatbestandes bringen wird, das schläft noch im Schoße der Zeilen. Es sind immerhin Ueberraschungen möglich, die die Kreise der sorgsam arbeitenden Verhörsmaschinerie stören können, Explosionen von Zeugen, die sich an kein Gebot oder Verbot halten. Aber in den großen Linien steht das Ergebnis schon heute fest. Es war ein patriotisches Unternehmen, und für das geliebte Vaterland darf alles geschehen. Ueber allfällige Bedenken half der dienstliche Befehl hinweg, der unter Berufung auf die „maßgebenden Stellen" erteilt wurde. Wer sie waren? Eine ist bereits genannt worden. Der Graf Teleki, Magnat, Geograph, Völkerbundkommissär. Er steht an der Einleitung. Wer sich hinter ihm befindet, wird einstweilen im Dunkel bleiben. Ein Geheimnis ist wohl auch hier nicht vorhanden. Aber das „als ob" dieser Prozeßführung, dieses Abhaspeln eines haargenau verabredeten Verfahrens mit verteilten Rollen, .soll den Anschein einer Rechtsfindung erwecken. Es bleibt beim Anschein. Denn die Oeffentlichkeit Ungarns weiß schon sehr genau Bescheid, und selbst die Bratenröcke aus Kiskunszentmiklos waren sich nicht darüber im Unklaren, daß Graf Bethlen den so verzweifelt geführten Kampf um die Ehre oder das, was seine Kreise unter dieser Ehre verstehen, bereits verloren hat. Es mag sein, daß sich die politischen Parteien Ungarns mit Einschluß der zwischen König und Reichsverweser schwankenden Demokratie hinter den Ministerpräsidenten stellen, um ein Chaos zu verhindern. Ob die Befürchtungen, die sich an die Eventualität des Sturzes knüpfen, berechtigt sind, mag noch dahingestellt sein. Es wird wohl selbst in Ungarn noch Individualitäten geben, die der Korruption ferngeblieben sind und die sich, angewidert von dem Terror und der Fäulnis, fern vom Markt des Gelichters halten. Es bedürfte allerdings einer sehr großen Dosis von Energie, um den Zeitpunkt wahrzunehmen und einem Zustand ein Ende zu machen, der Ungams Volk versklavt und das Rechtsgefühl fast schon ausgerottet hat. Der Prozeß an sich würde kaum diesen Effekt auslösen. Er ist vorgezeichnet und beschlossen. Aber im Auditorium sitzen doch die Vertreter der Bank von Frankreich und die Budapester Repräsentanten der auswärtigen Staaten. Sie haben den Auftrag, den Prozeß oder vielmehr die Art seiner Durchführung zu kontrollieren. Sie wissen ebenso wie alle Welt um die Wahrheit. Was schon bisher festgestellt wurde, das muß sogar einem noch so. kurz geschorenen Diplomaten auffallen und ihn zur schärfsten Vorsicht zwingen. Ungarn gehört dem Völkerbund an, Ungarn hat akkreditierte Gesandte in den politischen Zentren, und es kann schließlich keinem Volk und keiner Regierung gleichgültig bleiben, wer sich um ihr Vertrauen bewirbt und Achtung fordert. Auf das Volk Ungarns kann kein Schatten fallen. Aber die Schichten, die sich über das arbeitende, schaffende, ringende Volk gelegt haben und an seinem Fleiß schmarotzen, die Gesellschaftwon Landsknechten, Fälschern und Turfadeligvn, ist so heillos kompromittiert, daß hie eüropälsche Welt ihre Konsequenzen ziehen mütz. Es ist eine Sippschaft, deren Treiben nicht politisch, sondern nur trimme!! beurteilt werden kann. Sie nennt ihr System's chrisUichuatumal uud hat Wtex diesem Präte^t dW! Indenuwrd und den frechsten Betrug itt die Politik eingeführt. Sie hat sich als Vorwand den Trianoner Vertrag ausgesucht, der ihrem Unwesen die Folie liefern soll. Sie strebt aber nicht die evolutionäre Revision an, sondern will nur morden und erpressen. Diese Koterie wäre höchst unglücklich, wenn tatsächlich eine Äbäüderung oder Milderung^ des FrledeNStraktateS erAicht würde. Sie hat düs Milieu geschaffen, aus dent dieser Prozeß entstanden ist, und sie ist das Milieu, itt welchem er versandet. Der fünfimdrivanMMrigi Fredensvalaft. Von Rudolf Pollak (.Haag). Ein BiertÄjchchnukM ist cS her, seit im Haag die These ausgesprochen wurde, daß Frieden ans dieser Erde herrschen müsse, und es kam der Frieden. Rußland schloß Frieden mit Japan, nachdem sich beide arg verprügelt hatten. Aus dem Balkan hat der Frieden einen Feuerherd gemacht... und unausgesetzt werden überall in der Welt Friedensvcrhanblungen geführt, hauptsächlich aber in den — Hangars und den Laboratorien der Chemiker. ... Die Friedensapostel hätten jetzt Gelegenheit, sich zur silbernen Hochzeltsfeier znsammenznfinden. Es war im Jahre 1894, ■ daß der englische Delegierte Philipp 2 tan Hope, der nachmalige Lovd Weerdale, in der ordentlichen Jahresverfammlnng - der Interparlamentarischen Union den Plan der Schaffung eines internationalen Schiedsgerichtes, aufgeworfen hat. Obgleich Deutschland bestrebt war, die Durchführung dieser ohne Zweifel großartigen Idee zu verhindern, tvurden bereits im Jahre 1896 in der Konferenz von Budapest von einer hiezu eingesetzten Kommission konkrete Vorschläge wegen Einibevufung der ersten Konferenz des Internationalen Schiedsgerichtes unterbreitet. Es klingt fast unglaublich, daß gerade Rußland es war, das die Abhaltung der ersten Friedenskonferenz nrgierte. Auf Vorschlag des Zaren Nikolaus fand 1899 hm prachtvollen Huis ten Bosch zu Haag die sogenannte Abrüstungsk? n f c r e n z statt. Die Führung in dieser Konferenz hatten Amerika und England übernommen. Auch Deutschland wurde eingeladen, an der Feststellung des Programms teilzunehmen, hat aber aus unbegreiflichen Gründen von seinem Recht keinen Gebrauch gemacht, ja, der deutsche Delegierte Zorn ist, ohne überhaupt die Stellungnahme Deutschlands bekannt zu geben, aus dem Haag abgereist und nach Berlin gefahren. Verschiedene Symptome rechtfertigten die Annahme, daß Deutschland die Schmälerung seiner Hegemonie befiirchtete. Die Intervention der Großmächte beim deutschen Kaiser und Bülow hatte schließlich den Erlfolg, baß der bamabiige holländische Außemniäister Beaufort am 9. April 1901, also vor genau 25 Jahren, an sämtliche zivilisierte Staaten das Rundschreiben richten koiurte, in welchem diese aufgefordert wurden, dem nunmehr endgültig gebildeten Internationalen Schiedsgericht betzutreten.; Die.besten u. billigsten nur im PERÜCKEN GRABEN-FRISIER-SALON Wien, I. Graben 12 109 Telephon 74-2-26 Anfangs schien es, als ob das Wer die Rechte der Nationen wachende Gericht Klr Untätigkeit verurteilt wäre. Den Reigen der „Prozesse" eröffnete der Präsident der Vereinigten Staaten, Theodore R o o s e v e l t. mit einem religiösen Konflikt, der Koische« Mexiko und den Vereinigten.Staaten entstanden war.. Dann folgte eine Re-ihe von Verhandlungen, zum Teil behufs Beilegung des russisch-japanischen Konflikts, die aber ergebnislos blieben. In verschiedenen Streitfragen zwischen England und Frankreich, Schweden und Norwegen und Deutschland hat das Friedensgerlcht gleichfalls entschieden. Auch der. bekannte Kampf zwischen Amerika und England wegen Neufundland kam vor das Schiedsgericht. Sehr häufig figuriert auch Venezuela in der Geschichte des Schiedsgerichtes, bald als Kläger, bald als Beklagter. Die Schaffung des Friedenspalastes knüpft sich an den Namen des bekannten amerikanischen Jndnstkiemagnaten C a r n e g i e, der bekanntlich im Jahre 1901 eineinhalb Millionen Dollar für die Errichtung eines Gelbäudes spendete, das auch äußerlich symbolisch wirken sollte. Im Dkibo-Schloß, in England, wurde am 7. Oktober 1903 der Akt unterzeichnet, durch welchen Holland mit der Verwaltung der großzügigen Carnegie- Stiftung betraut wurde. Die holländische Regierung schoß aus Staatsmitteln 700.00g holländische Gulden zu, mtt welchen Betrag im Wald zwischen Schevenmgen und dem Haagzwei Kilometer vom Meer entfernt, ein entsprechender Bauplatz erworben wurde. Am 5. August 1905 wurde der Konkurs für den Entwurf des Friedenspalastes in holländischer, deutscher, englischer und französischer Sprache veröffentlicht. Acht Monate waren als Einreichungstermin bestimmt. Mehr als dreihundert Arbeiten waren eingelausen, doch die Jury, die aus je einem Professor der technischen Hochschulen der größeren Staaten bestand, sprach den Preis in ihrer Sitzung vom 3. Mai 1906 dem Architekten von Lille, Cordonnier, zu. Interessant ist, wie die einzelnen Konkurrenterc die speziellen Architekturen ihres Vaterlandes zur Geltung bringen ivollten. Amerika ist das Land des Praktischen, Italien zeigte dir traditionelle Kunst,' Athen ist mit dem dorsschen Stil vertreten, während Spanien den maurischen Stil zur (M* tung bringen wollte. Der preisgekrönte Cordonnier vertrat den byzantinischen und römischen Stil. Das pruchwolle Anrsterdamer Börsengebäude und die Rathäuser der größeren Städte Hollands sind seine Werke. ■, .--rw; Am 30. Jul! 1907 wurde mit hem Ban beWNflfN. Der rlifsWe' Gesandte im Haag, Ne l idoff, wnrdd mit Mx'. Grnndsteü'.ü'pint.a beehrt. Sämtliche Staaten, die an der Frichens-§ konseren; ocus Jahre 1907 leilgenommen hatten, hatten Ban-' ttt-aforäl gchrchet. fl. Mi 19S6 Ar. MS' Reizende Damenwäsche * oixSNer llkLenguNe aus Batist und Crepe de Chine, M modernen Pastellfarben irti 891 Wäsche-Salon Olga Baron Tef. rt is.4t Settergasse S Der imposante Ban trägt die Überschrift: „Pari jnstitia strmandae haue aedem andren Carncgii muii'ificentia dedicavit . . Dieses Gebäude wurde von Carnegie Mr Be- , sestigung des Frieberis durch Gerechtigkeit gestiftet." Nnd siehe: der Palast repräsentiert Kunst und Pracht, aber nicht — den Frieden. Er steht majestätisch, stumm, wie ein stolzes Symbol, bas seinen Inhal! nicht sinbel. Jas zionistische MemoraniM an den BNsrbrmd Die Forderungen Exekutive. Jerusalem, 8. Mai. (I. T. A.) Wie die Palästinensische Teleigraphenagentur erfährt, beabsichtigt die Zionistische Organisa- . tien ein Memorandum an die Jmiisitzm.» der Mandatskommission des Völkerbundes zu richten, dos die gleichen Beschwerden enchalten soll, die im letzten Jahre ' inIdem Briefe Dr. Weizmauns an die Kommission . vor-:, gekracht worden sind. Dieser Brief, der sich bekanntlich Ms die . «nMe'ichmden Sübsidien für die j ü bischen S ch,u lenl' in Palästina wie auch auf die Verweigerung vcr englischen I Behörden, in Jerusalem Sra at sb ode.n für jMfchd Ansied-' lungcn zuzuteilen, bezog, ist von der britischen Regierung iw Monat Oktober ablehnend beantwortet worven. , Das neue zionistische Memorandum unterstreich! „die llngerechtigkei!, daß';'..v;.; ., bm Ertrag der allgemeinen Besteuenmtz^ ' . s , fast; ausschließlich >fü: die Errichtung und AüfrechterhcEtlM biMt, Schien verwendet wird, in denen Arabisch die Unterrichtssprache -ist/ während die Juden die Kosten der hebräischen Schulen selbst 5 dechen müsien." Ferner weist das Riomorandum' darauf hin, daß, „obwohl s dos Mandat bereits längere Zeit in Kraft ist, . der Paragraph 6 des Mandats, der tote Ansiedlnng der Juden cmf dem' Lande, eich schließlich Staatsöoden und Oedland, das nicht für öffentliche Zwecke gebraucht Wird, Vorsicht, noch immer fast Knzlich un- Wirksam geiblieben ist. . - Das Schreiben der Zionistischen Organisation führ! eine Reche in-teresfanter Cin-elheiten über den Forts chritt .der jüdischen Änfbanarbeii in Palästina an und fordert die englische Regierung auf, für das Mische Gesundheit^ bmdge! Mittel zur Verfügung zu stellen. *. Jln der ertvcchnten Antwort der englischen Regierung, Hk im Oktober v. I. dem BÄksebund zugegangen war, wird erKävt, . daß die Palästinaregieru-ng nicht verpflichtet sei, ihre Ausgaben so emgmeilvn, daß jeder Teil der Bevölkerung die Summe von der Regierung erhalte, die ihrer Kopfzahl entsprechen würde, und daß angesichts der jetzigen Lage der palästinensische« Finanzen wenig Aussicht cutzf eine Erhöhung der Ausgaben für Schulgwecke bestehe. Es folgt daraus, so meinte die englische Regierung, daß die jüdischen Schulen n-ur dann größere Sukwenvionen bekommen könnten, wemm andere Schulen geschlossen würden. * Was Artikel 6 des Mandats anbetvifft, erklärte die englische Regierung, so bedauere sie, daß der größte Teil der Staatsländereien in Palästina bereits bewohnt ist. Wenn auch die jetzigen Bewohner kein volles M>gentumsrecht, nrchrfach sogar kein ständiges Wohnrecht. besitzen, so besteht doch für diese Ansiedlung «ne gewisie moralische und in mehreren Fällen auch legale GAtigEmt. Unter diese« Umständenfo heißt es in dem offMellen englischen Schreiben, wäre es unmöglich, die jetzigen Ansässigen zu entfernen und das Land für jiidische Ansiedlnc^g freizumachen, ohne gegen die Klausel des Artikels 6 zu verstoßen, die sich auf die Nichtbeeiuträchti-gung der Rechte anderer Teile der Bsvöltevung bezieiht. Wcizmaan In Paris. PaM, 8. Mai. (I. T. A.) Auf dem zu Ehren Doktor Weizmauns vom Keren Hajessod im Continental-Hotel in Paris veranstalteten Bankett waren etwa 800 Personen anwesend. Dr. Zadoc-Kahn führte tont Vorsitz. Professor Bilktor Pasch, Herr Fevdirtand Corcos, Herr Hillel Slapotolski Dr. Fildermann und Herr Ascher-, der Schatzmeister des Keren Hajessod, hielten Ansprachen. Nach einem Appell Herm Uchers an die Versammlung, für den Kereit Hajessod zu zeichnen, tvurden 800.000 Frarckett a-uGebrachl. Dr. Weizmann führte in seiner Rede ans: Unsere Beziehungen zu den Arabern haben sich bedeutend gebessert. Daß wichtigste PpMent PaWinaS fej die Elnwa»der«nst. Die .Politik der Regierung gehe darauf cmS, Frieden im Lande zu schaffen. Gleich nach dem Bankett begab sich Pr. Weißinanst nach London. - -