Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2588 (8.5.1926)
- Date
- 1926-05-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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8te «SS _Mm, -SMSW Wie««- MorAmzeiiA«« Ich«« eine Methode hsraNSgebUdet, einerseits ausländische» Studenten das Heimatrecht zu verleihen und ihnen jo ein« niedrigere Jnfkriptionsgebühr an der Universität M verschafft«, andererseits aber werde das Heimatrecht nicht mit der gewünschten SchnelliMt an Personen verliehen, die sich nachgewiesenermatzen in voMommen gesicherten Bechaltniflen befinde«. Stadtrat Richter verwies ixttottf, daß die Veröffentlichung der Namen aus Ersparungsgründen abgeschafft worden sei, daß aus den Namen allein auch nichts hervorgehe. Nach der Verordnung vom Juli 1826 gibt daß Bundeskanzleramt erst die Zustimmung für Aufnahmen in den Heimatverband, so daß vorher eine Veröffentlichung nicht möglich ist. Zu Beginn der darauffolgenden Sitzung -es Gemeinderates gedachte Bürgermeister Seitz deS verstorbenen Bürgermeisters WeiSkirchner und würdigte dessen Verdienste um die Stadt Men. Der Gemoinderat erledigte sodann eine Reihe von Geschäftsstücken, die Neuanschaffungen und Subventionen an Vereine enthielten. Mir neue Wohnhaus- und SiedlungsLauten wurde ein Betrag von 9,300.000 Schilling bewilligt. Am Schluffe der Sitzung wurde über einen Dringlichkeitsan- Lrag des Gemeinderates Kunschak verhandelt. Vizebürgermeister E m m e r l i n g hatte nämlich an die Einberufer einer Versammlung der Baugewerbetreibenden in der an der Bautätigkeit der Gemeinde heftige Kritik geübt und ihre Einstellung zugunsten der privaten Bautätigkeit verlangt wurde, Briefe gerichtet, ln denen er ihnen milteilte, daß die Gemeinde mit ihnen keine geschäftlichen Beziehungen mehr unterhalten wolle. Der Antrag verlangte nun, daß der Gemeinderat diese Verfügung, die dem demokratischen Prinzip der freien Meinungsäußerung widerspreche, außer Kraft setzen möge. In seiner Erwiderung erklärte Vizebürgermeister Emmerling, daß viele Gewerbetreibende mitgeteilt hatten, ihre Namen seien ohne ihr Wissen auf die Einladungen gekommen. Die Gemeinde lasse sich bei der Vergebung von Arbeiten nur von sachlichen Motiven leiten. Es müsse aber auch eine gewisse geschäftliche Moral beobachtet werden. Mit Leuten, die die' Gemeinde bekämpfen und beschimpfen, könne diese nicht kontrahieren. Das sei nur selbstverständlich. Gemeinderat Kunschak konstatierte hierauf, es gehe aus der Antwort des Vizebürgermeisters deutlich hervor, daß es sich um einen politischen Racheakt handle. Das Vorgehen des Vizebürgermeisters sei ein grober Mißbrauch der Amtsgewalt und trage die Kriterien einer Erpressung deutlich an sich. Der so Angegriffene erwiderte daraus kein Wort. Der Antrag wurde ab gelehnt und die Sitzung unter großem Lärm, aus dem man nur die Rufe „Faszisten" verstand, geschlossen. * Professor Dr. Freud — Bürger der Slwdt Wien. Der Wiener Gemeinderat hat Professor Dr. Freud in Würdigung der Verdienste, die er sich mn die medizinische Forschung und den Ruf der Stadt Wien als Pflegestätte der Wissenschaft erworben hat, zum Bürger ernannt. Bürgermeister Seitz und Stadtrat Professor Tandler übereichten in der Wohnung dem Gelehrten das.Bürgerdiplom. 7500 fache Friedensmiete. ttett« Plan d-r Hausbesitzer. — Erhöhung der Miek zinse ohne Reform des Mietengefttzes. Die Frage, wie die Rentabilität des Hausbesitzes wieder hergestellt werden könnte, beschäftigt die Hausbesitzer in letzter Zeit sehr intensiv. Bei der scharf ablehnenden Haltung, welche die Sozialdemokraten gegenüber der Reform des Mietengesetzes einnehmen, war es bisher ausgeschlossen, eine die Hausbesitzer auch nur halbwegs befriedigende Erhöhung der Mietzinse herbeizuführen. Maßgebende Vertreter der steirischen Hausbesitzerschaft haben nun einen ganz neuen Plan ausgearbeitet, dessen Durchführung den Hausbesitzern bereits im Jahre 1927 das7200fache des Friedensmitzinses einbringen würde. Der Plan der steirischen Hausherrenvertreter zielt auf eine Erhöhung jener Vergütung ab, welche die Hausbesitzer für die Emhebung und Verrechnung der Landesgebäudesteuer nach dem Gesetze bekommen müssen. Der steiermärkische Landbund hat bereits durch seine Abgeordneten Winkler, Witzany und Hartleb im steirischen Landtag einen diesbezüglichen Antrag e inbringen lassen, worin die Abänderung des Landesgebäudesteuergesetzes vom 24. Juli 1923 verlangt wird. Uebrigens wurde auch bereits im niederösterreichischen Landtag, wie erinnerlich, ein Antrag eingebracht, der die länverweise Novellierung der Mietengesetzgebung verlangt. In einer vom Zentralverband der Hausbesitzervereine Wiens gestern abends im Wkmberger-Saal veranstalteten Hausbesitzerversammlung äußerte sich der Präsident des Bundes der Hausbesitzervereine Oesterreichs, Pi stör, über den vorerwähnten Plan in sehr ausführlicher Weise und sagte unter anderem: Die Länder haben daher das Recht, die Gebäudesteuern in der von ihnen als notwendig erscheinenden Höhe zu bemessen. Im Mietengesetz heißt es nun, daß die Hausbesitzer für die Ginhebung der Gebändesteuer eine Vergütung zu bekomme» haben, die derzeit ü bis 10 Prozent beträgt. Es liegt ferner im Ermessen der Länder, diose Pergütung zu erhöhen. Wenn mm die Landtage, wie wir es verlangen, gleiche Beschlüsse fassen, wie sie der vorliegende Antrag des steirischen Landbundes verlangt, dann werden die Vergütungen, welche die Hairsbesttzerschaft für die Cinhebung und Verrechnung der Gebäudesteuer bekommt, im Jahre 1927 das 7500fache erreichen und kommen somit die Hausbesitzer zu einem Ertrag ihrer Häuser. Die Landtage außerhalb Wiens haben sehr schwache sozialdemokratische Minoritäten, so daß die Sozialdemokraten dort nicht lange obstruieren können. Cs ist somit eine Erhöhung der Vergütungen in allen Ländern Oesterreichs, mit Ausnahme von Wien, möglich. Praktisch wird freilich der Fall eintreten, daß, wenn die Sozialdemokrat» sehen, wie die Länder darangehen, die Landesgebäudesteuergesetze in der von uns vorgeschlagenen Weise abzuändern, sie es wohl ausgeben werden, den Mietenausschuß im Nationalrat weiterhin zu sabotieren. Sie werden sich vielmehr herbeilassen, den Weg zu Verhandlungen über die Reform des Mietengesetzes zu beschreiten. Der Vorschlag Dr. P i st o r s fand in der Versammlung allgemeine Zustimmung. Tagesbericht. tzrinnerungen an Gregor Ztelfon. Von Elna Ried. Aus dem zaristischen Rußland ivanderte der Jude Gregor Borifowitsch Jtelson aus, um sich in Berlin durchzusetzen. Was er mitnahm, war ein wenig persönliche Habe und das Bett, das seine Mutter ihm liebevoll mit den Vesten Federn gefüllt hatte, damit er in der Fremde ein tveicheS Lager hätte. Das Berlin der Achtzigerjahre mit seinem Siegesstolz und beginnendem Liberalismus nahm ihn aus. Er lebte dort still, schrieb sein Werk über Logik, das Eingang in den meisten deutschen Hochschulen fand, schloß sich dem Kreise der Gelehrten an, die an der Humboldt-Akademie wirkten, lernte Georg Brandes, den damals gleichfalls Exilierten, kennen und glaubte eine freiere Luft zu atmen, als in Rußland. Abgeschnitten von den Seinen, blieb er der Sohn des Ghettos, der sich in Heimweh nach der Familie und altgewohnten rituellen Gebräuchen verzehrte. Ein Einsamer, ein Sonderling. In seinem Zimmer am Kurfürstendamm duldete er keinen Eindringling. Eigenhändig scheuerte er den Fußboden und brachte es in Ordnung oder in Unordnung, was auch zuweilen vorkam. Sein Aussehen war ein wenig das des Bohemiens. Langes Haar, vernachlässigte Kleidung. Seinem Deutsch hastete noch das Jiddisch an. Aber er war ein glänzender Sprecher, und wenn er nachts im Cafe Bauer saß, konnte sich seine Beredsamkeit entzünden, und die Zuhörer, die größtenteils Ausländer waren, empfanden den kristaMare-n, sie weit überragenden Geist des Mannes. Ich lernte Professor Jtelsou kur Jahre 1008 in einer Berliner Fremdenpension im Hause der Philharmonie kennen. Wir alle, die wir uns dort zusammenfandsn, waren ein recht buntes Völkchen, das nach Berlin gekommen war, mn zu lernen, etwas zu werden, sich auf diesem Boden zu behaupten. Die meisten trieben Musik, andere studierten an der Universität, ich saß und schrieb. Aus engem, behütetem Heim, schien mir oft, als ginge es hier gar zu ungebunden zu. Der feste, ruhende Punkt unseres Kreises war Professor Jtelson, der die Mahlzeiten bei uns einnahm. Er führte mich, die Fremde, durch das große Berlin, schenkte mir mit der schönen, selbstverständlichen. Geste des geistig unerschöpflich Reichen Schätze seiner Klugheit, für die ich, das damals junge Mädchen, wohl noch nicht reif genug war. Einmal klagte er mir: „Was tut man, wenn das Jnle-t eines Bettes zerreißt?" „Man läßt die Federn umschütten!" „Das will und kann ich nicht. Meine Mutter hat mir das Bett mitgegeben, ich nröchte nichts daran ändern." Wir einigten uns, daß man die Kissen, wie sie waren, in neues Jnlet nähen könllte. „Ich hätte sonst keine ruhige Nacht," versicherte er mir nach getaner Arbeit. „Mutter und Bett sind für mich eins." Biel später erst begriff ich dm tiefen Sinn dieser Worte, über die ich unvevstchend hintvegglitt.' Jtelson brachte mich an den Stettiner Bahnhof, wenn ich, was damals häufig geschah, nach Kopenhagen fuhr. Und wenn der Zug Gejdser—Warnemünde wieder in den Stettiner Bahichof einlief, stand Jtelson auf den: Perron, um mich zu erwarten. Einmal hätte ich ihn fast nicht erkannt — er hatte sich den Bart abnehmen lassen. Etwas verlegen erklärte er mir: „Eine russische Verwandte kam zu Besuch. Damit wir sogleich die richtigen Worte fänden, wollt« ich mich so gern ht unsere gemeinsame Jugendzeit zuvückverfetzen. Und deshalb sollte sie aus meinem Gesicht die Züge des Jünglings er- ■ kennen." „Nun, und fanden Sie die richtigen Worte?" fragt« ich. „Ach um — wir blieben uns fremd. Ich bin. ja allem daheim fremd geworden." Die owige Mage des Juden in der Diaspora: Wir sind allem fremd geworden! Jtelson war in Berlin ein Fremder geblieben, obwohl er dort 43 Jahre gelebt und es ihm als der Stern erschienen war, dem er nachzag. In anderem Lande wollte er sich die Geltung erringen, die ihm die .Heimat versagte. Die Werke seines Geistes hatte man angenommen — er selbst wurde das Opfer eines antisemitischen Roheitsaktes. Aus dem Lande der Pogrome war er gegangen, um als Greis dorr, wo er sich sicher gowähnt, wo er wertvolles Kulturgut ausgestreut hatte, einem schmählichen Ueberfall zu erliegen. Gregor Borisowitsch Jtelsons Tod ist eine Kulturschand^ die gebrarrdmarkt zu werde« verdient.... Zionistische vezirkrsettion Wieden-Margareten. Anläßl ch der 3jar-Akt on findet Mo> tag den 10 dmn 8 Uhr abends im Tetrassenrestaurant. 5. Bez. Maraaretenplatz. ein großes M e o t i n g statt, bet welchem die Herren Ludwig B a t o und Ooerbanrat Ina Robert Stricker spreche»» werden. Men, erscheinet in Massen' s-MniMS FrankN«, der berühmte Physiker, der bekanntlich den Blitzableiter erfunden hat, machte die Aeußerung: „Es gibt nur zwei wirksame Mittel, welche die größte Energie auf intellektuellem Gebiet erzeugen: Elektrizität und Kaffee!" IuliuS Meiul Segr. 186» Sie »Rorge" in Spitzbergen gelandet. Aus Oslo wird unS telegraphiert: Die „Novge" ist nach 17stündigem Fliug heute in Kiugsbay auf Spitzbergen in Anwesenheit von Amundse» glatt gelandet. Bon B a d s ö aus hatte das Luftschiff in rascher und vulhiger Fahrt Svalbavd und sodann das Polavmeer überflogen, wobei es durchschnittlich 90 Kilometer m L«v Stunde zurücklegte. '' ,_ Ablehnung Wischer Richter ln Bertto. Berlin, 7. Mai. In einem BeleidiHnngsprozeß des SandeSgerichtsrates Rosenthal gegen den DeutschvölRschen v. Bogtlander hatte der Angeklagte sämtliche Richter, die Juden oder jüdischer Herkunft wären, als besangen abgelehnt. Vorsitzender Amtsgerichtsrat Stern heim und ein Beisitzer, Assessor Dr. Unger, haben ihm daraus «Mart, daß sie sich trotz ihrer jüdischen Herkunft vollkommen unbefangen fühlten. Die um Entscheidung angevufen« zuständig: Strafkammer in Moabit hat nunmehr den Beschluß gefaßt, daß der Antrag auf Ablehnung der Richter wegen Besorgnis der Befangenheit begründet sei. Diese Entscheidung soll, wie die „Vossffche Zeitung" zu melden weiß, bereits zu Erörterungen i m p re n ß r s ch c u Justizministerium geführt haben und werde auch Gegenstand einer Parlament arirscheu gpfitoet im preußischen Landtag sein._ Grabsteine mitten aus dem Broadway. Aus New-York wird gemeldet: Mitten «rf dem Broadway, wo der Straßenverkehr außerordentlich stark ist, sind zwei Gedenksteine, d« die Form von Gräbern haben, eingewinht worden. Aus beiden sst sorgende Inschrift verzeichnet: Zur Evinrreruirg an die 286 Personen, t% durch zu schnell fahrende Chauiffenre seit dem 1. Immer 1936 ums Leben gekommen sind. Die New-Yorker Chauffeure sind angeiwbchen worden^ fortan m sehr langsamen Tempo au hieftir boLen Ge^ denksteinen vorbeizufahren. Mr. Spretz empfiehlt fitz. Seinerzeit wurde berichtet, daß der von, den deutschen ^.i-orden wie auch von Wien gesuchte ScheckMchcr Georg Spitz, der unter dem Namen ,Mr. Speetz" auifzu-treten pflegte, in London verhaftet worden ist. Im Jahre 1922 hatte „Mr. Speetz" auch die Wiener Behörden beschäftigt. Damals trieb in Wien der berüchtigte ungarische Hochstapler Rittmeister Melchior Horvath sein Unwesen. Er gründete eine Scheckfalschevbande, die ihre ftlschen Schecks in vielen Ländaru an den Mann zu bringen verstand. Dieser Bande gehörte «ich Spitz an. Er erhielt damals vom Wiener Landesgericht eia Jahr schweren Kerkers. Nach Verbüßung ' dieser Strafe wandte er sich nach Deutschland, tvo er sich an Mitglieder der Bande, di« nicht im Arrest saßen, anschloß. Seine Spezialität war es, gemeinsam mit seinen Komplicen in erstklassigen Hotels Fremden Scheckbücher und Schecks zu stehlen, mit denen dann Betrügereien ausgeführt wurden. Auf Grund der eingeleiteten Korrespondenz war nun Spitz in London an* gehalten und ist in den letzten Tagen an Deutschlandausgeliefert worden. Gestern wurde nun das Wiener Sicherheitsbureau verständigt, daß Spitz, als er in Frankfurt a. dem Gericht überstellt werden sollte, entwichen sei. Der Semmelpreis wird nicht erhöht. Gestern tagte eine Vollversammlung der Bäckergenoffenschaft, die sich mit dem Vorschlag der Regierung, den Semmelpreis von 6 Groschen bei einer geringen Gewichtsverminderung beiznbehalten, befaßte. Der Vorschlag nach längerer Debatte angenommen. Für den Frühling und Sommer bietet das Warenhaus Brüder S ch i f f m a n n, 3. Bez.. Toborstraße 48. eine außerordentliche Okkassion in Stoffen. Seide und Waschwaren jeder Art zu äußerst billigen Borsaisont>Tellen. Nachstehend einige Beispiele aus der Preisliste: Taft ffeure für Kleider m allen Modefarben. pro Meter 3.80 S. Popeline, doppeltbreit. alle Modefarben ...» „ 6.50 S. Crepe de Chine, ooppeltdreit. alle Modefarbe« „ „ 6.60 S. Kleidervoile ... . , „ 0.85 S. In Setdenfllke. gemustert für Futter . . . . , „ 3 — S. Wollmaroeaiu v. M. 2.80 S.. Seldenmmocai« „ * 2.90 S. Mode-DopveMores ..7.60 S. Dreiteilige Modrasvorhänge... . 9.50 S. Madrasstoff. 160 Zentimeter breit.pro Meter 1.95 S. 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