Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2588 (8.5.1926)
- Date
- 1926-05-08
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Mn, SomStag Wiener Drornen^nun« &• MM uw Seite 4 »-.. Auch auf dem Laude ist der Handel nahezu ganz zum Stillstand gekommen. Das Fehlen von Zeitungen, das zu Beginn des Streiks am stärksten empfunden wurde, macht sich weniger fühlbar. Das Regierungsblatt „British Gazette" erscheint in größerem Umfang und die anfänglichen Schwierigkeiten bei der Verteilung scheinen überwunden zu sein. Andere Zeitungen, wie „Times", „Daily Mail" und „Daily Telegraph", sind in London wieder zu haben, allerdings in stark verkleinerter Form und zu einem Preis, der manchmal bis zu 6 P e n c e per Exemplar steigt. Streik auch im Parlament. Im Unterhaus teilte der Sprecher mit, dah sümtli ch e im Parlament beschäftigten Arbeiter die Arbeit niedergelegt hätten. Er werde jedoch die Verhandlungen deö Unterhauses weiterleiten, auch wenn die elektrische Beleuchtung nicht funktionieren irnd die Tagesordnungen nicht gedruckt werden sollten. Ein Abgeordneter der Arbeiterpartei gab die Erklärung ab, das; seine Partei nicht weniger entschlossen sei als die Regierllng, den Streik bis zum Ende durchzuhalten. Die Regierung hat allen bewaffneten Kräften mitgeteilt, daß sie von heute an die volle Unterstützung der Regierung bei jeder Aktion haben werden, die sie unternehmen werden, um den Zivilgewalten beizustehen. Die Regierung verweigert dem Gewerkschirftsorgnn das Papier. Die dritte Nummer des „British Wörter" ist gestern abends nur vier Seiten stark erschienen. Das Blatt teilt mit, daß die Negierung ihm die P a p i e rbelieserung abgeschnittcn habe, indem sie die Herausgabe des in den Docks und Lagerschuppen liegenden Papiervorrates des Blattes verweigert. Wenn Baldw i n morgen das Papier nicht freigibt, dann werde das Blatt sein Erscheinen einstellen müssen. Sie muselmanische Wclttonferenz in Kairo. Kairo, 7. Mai. Wie seinerzeit berichtet wurde, ist für den 13. d. eine Konferenz der Delegierten der Muselmänner der ganzen Welt anberaumt worden, in welcher wegen Besetzung des Kalifats Beschlüsse gefaßt werden sollen. Schon vor sechs Monaten hat das ägyptische Organisationskomitee eindringliche Rundschreiben an die führenden mohammedanischen Persönlichkeiten des nahen und fernen Orients versendet und man erwartet auch, daß diese Konferenz eine der bedeutungsvollsten und größten mohammedanischen Tagungen der Geschichte werden würde. Es scheint jedoch, wie uns aus Kairo berichtet wird, daß die Aufrufe zur Beschickung der Konferenz nicht das erhoffte Echo gefunden haben, denn die Anmeldungen, besonders aus den ferneren mohammedanischen Ländern, sind bisher sehr spärlich eingelaufen. Die Ursache dieses schwachen Interesses wird in maßgebenden Kreisen zum Teil auf die Uneinigkeit unter den mohammedanischen Führern bezüglich der Person des Kandidaten für das Kalifat, andernteils auf die kritische Lage der meisten Lander mit überwiegend mohammedanischer Zionistische Bezirkssektion Brigitten ou HEUTE Samstag dem S. Mat um 3 Uhr abends findet im Saa;e der Volksküohe, XX., Klnokygasse 7, anlftßiioh der lj ar*Aktton eine statt, Del der die Herren Dr. Z. F. Finkeistein Br. N. M. Gelber Dr. Josef Löwenherz Lobei Taubes Dr. Israel Waldmann sprechen werden Juden, erscheinet in Massen! SM«»WWWW>l»«WBMWM»WS»>>WMaWMMW>^ Bevölkerung zurückgeführt. Dazu kommt allerdings noch die Tatsache, daß sehr maßgebende mohammedanische Persönlichkeiten heute bereits in aller Oeffentlichkeit den Standpunkt vertreten, daß dem Kalifat nur untergeordnete Bedeutung beizumessen sei. Jer Prozeß gegen die polnischen Faeziste». lEigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Warschau, 6. Mai. Nach Verlesung der Anklage wurden die Angeklagten einvernonnnen. Der Angeklagte W r o 'c z y n s k c bekennt sich nicht schuldig und leugnet überhaupt jede Zugehörigkeit zur Organisation Bereitschaft der polnischen Patrioten (P. P. P.). Die anderen Angeklagten gestehen die Mitgliedschaft zu dieser Organisation, bekennen sich aber sonst als nicht schuldig. Als erster Zeuge wird der Oberkommissär Lenski einvernommen, dessen Aussagen die Anklage bestätigen. Damit endet der erste Verhandlungstag. Am zweiten Verhandlungstag ersucht der Angeklagte Penkosläwski den Vorsitzenden, Maßnahmen gegen die Tendenzberichte der Presse zu ergreifen. Dann wird als nächster Zeuge General Szeptycki einvernommen. Er erzählt von seinem ersten Gespräch mit den Angeklagten Czolowh und Penkoslawskt im Jahre 1923 im Hotel Bristol. „Czolowy hatte ein komisches Aeußeres; er trug Pepitahosen, gelbe Gamaschen, Sporen und eine Sportkappe. Das sollte ein Verschwörer sein?..., Aus der anderen Halbkugel müßte man ihn wieder erkennen. Dann erschien bei mir Penkosläwski. Er betonte, daß man sogar die ganze jetzige Regierung verhaften müsse. Ich fragte ihn, ob auch mich, worauf er sagte: ,^Ja, auch Sie, Herr Minister." Ich lachte, und seit dieser Zeit nahm ich die Organisation nicht mehr ernst." Dem Angeklagten Wroczhnski stellt der General ein lobendes Zeugnis aus. Cr war fleißig und gewissenhaft. Außerdem versicherte er dem General Szeptycki, daß er der Organisation P. P. P. nicht angehört. i Inland. rschechoslowMchk ««»relchimnn sidk ft«, »uafteoftkiWeattti. Prag, 7. Mai. (Tschechöflow. PrehOur.) Das AmtMÄ veröffentlicht die Verleihung folgender Auszeichnungen: ifee tschechoslowakischen Ordens des Weihen Löwen erster Masse mit dom Collar für Zivilverdienfte an den Präsidenten der Republik Oesterreich, Dr. Michael Harnisch, des kschechs« slowakischen Ordens des Weihen Löwen erster Klasse oft Bundeskanzler Dr. Ramek und Gesandten Dr. Marek, des tschechoslowakischen Ordens vom Weißen Löwen dritter Külsse an Ministerialrat Dr. Le i t me i e r» und zwar alle für Zivilvevdienste, weiters die Verleihung des tschechoslowMfchen Ordens vom Weißen Löwen für Zivrlverdienste zweiter Klasse an Sektionsches Dr. Löwenthal und an den Gesandten Dr. Junkar sowie des Ordens vom Weißen Löwen für Zivilverdienste dritter Klasse an Legationsrat Dr. Hauenschild. _ Parlamentserfatz. Parteienverhandlungen statt parlameritariscke Beratungen. Die Verhandlungen zwischen den Majoritätsparteien und den Vertretern der Opposition, die Donnerstag begonnen hatten, wurden gestern vormittags unter Vorsitz des Bundeskanzlers Dr. Ramek fortgesetzt. Gegenstand der Beratungen war das K a s s e n o r g a n i s a t i o n sg e s e tz. In den Besprechungen wurden bezüglich einiger Punkte neue Vorschläge gemacht, die den Klubs nunmehr vorgelegt werden. Die Verhandlungen werden Montag fortgesetzt werden. Es scheint die Absicht zu bestehen, mit den diversen Parteienverhandlungen die parlamentslose Zeit auszufüllen, denn nach dem bisherigen Verhandlungsmodus zu schließen, kann das Frage- und Antwortspiel zwischen Opposition und Mehrheit noch wochenlang fortgeführt werden. , Mntlzenen int Wiener Gemrivderat. Herabsetzung der Lustbarkeitsabgabe. In der gestrigen Sitzung des Wiener Landtages - wurde die seit langem angekündigte Herabsetzung der Lustbarkeitsabgabe für Theater während der Sommermonate beschlossen. Der Prozentsatz wird bei Prosa- und Opernauffiihrungen um zwei Prozent ermäßigt, bei Operetten- und Revuen um fünf Prozent, so daß die gesamte Abgabe bei Sprechtheatcrn fünf Prozent und bei Operettentheatern zehn Prozent beträgt. Ferner wird die bisher acht Monate umfassende Begünstigung für kleine Kinobetriebe auf das ganze Jahr ausgedehnt. In seiner Begründung erklärte Stadtrat B r e i t n e r, daß die Wiener Theaternot hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, daß täglich 80.000 bis 100.000 Leute Kinos besuchen und Sportplätze Besuchsziffern bis zu 60.000 aufweisen. Äadtrat Richter berichtete über die Gesetzesvorlage, durch die d-ieHeimatrechtstaxen neu geregelt werden. Es soll nicht mehr eine Abstufung in Prozenten nach dem Einkommen erfolgen, sondern ein Höchstausmaß festgesetzt werden. Gemeinderat Doppler (christlichsozial) verlangte, daß die Namen der in den Wiener Heimatverband aufgenommenen Personen im Amtsblatt veröffentlicht werden sollen. Es habe sich in den letzten In der ersten Hälfte . des zehnten Jahrhunderts wirkte in Italien der berühmte Botaniker, Astrolog und Ar^t Sabbatai Donnolo aus OrcK. In seinem Werke „Chakmoni" (Der Weife) erzählt er, daß er Äs zwölfjähriger Knabe von plündernden Mohammedanern geraubt wurde. In Otranto losgekcmft, vertiefte er sich in das Studium der Astrologie und Medizin und wurde bald Leibarzt des byzantinischen Bizekönigs, der in der Provinz Kalabrien herrschte. Bon vielen Reisen nach Italien zurückgekehrt, erlangte Donnolo eine große Berühmtheit und selbst der von der Kirche heilig gesprochene Nilus der Jüngere schätzte ihn als einen „sehr lernbegierigen und in der Heilkunde nicht gewöhnlich unterrichteten Mann." Von den in Rom tätigen Aerzten verdienen hervorgehoben zu werden: Die beiden Brüder Benjamin und Menachem ben Jechiel Anaw (zu Beginn des 13. Jahrhunderts) und deren Söhne und Enkel, fast alle dem ärztlichen Berufe ergeben, Hillel aus Verona (starb 1295), ein A^t und hebräischer Uebersetzer des lateinischen Werkes über Chirurgie von Bruno di Lungoburgo, der aus Spanien eingewanderte Serachja ben Isaak S ch e a l t i e l und sein Zeitgenosse R a t h a n H a m a t i, hebräischer Uebersetzer des Avicenna. In Würdigung ihrer Verdienste wurden die jüdischen Aerzte in Rom durch Statut vom Jahre 1360 vom Tragen der sogenannten Judentracht befreit; auch durften.sie außerhalb des Judenviertels in der Stadt wohnen. Die Allseitigkeit jüdischer Aerzte ließ sie auch als Philosophen und Dichter glänzen. War der am Hase des Königs von Neapel, Robert von Anjou, weilende Arzt Kalonhmos ben Kalonymos (geboren 1284, gestorben vor 1337), der satirische Verfasser des „Stän der Prüfung" und des parodistischen Traktates für Purim, so erwarb sich der Autor des Kommentars zu den Aphorismen des Hippokrates, der espritvolle Arzt Moses R i e t i in Spoleto (geboren 1388) durch seine hebräische Theodizee (Mikdasch Meat) den Ehrennamen des „hebräischen Dante". Befreundet mit Dante tvar der geistreiche und humorvolle Arzt Immanuel Ben-Salomo R om i (geboren um 1265, gestorben um 1390). Dieser „Heine des Mittelalters" schrieb eine Menge kleiner Novellen, Krage- und AntwortjPiele, Briese^ Loh- und Trauerreden. Nach dem Muster seines italienischen Freundes, Dante, dichtete Im manu el auch eine Höllen- und Himmelfahrt; in dieser, von launiger Phantasie sprudelnden Erzählung werden die quacksalbernden Aerzte als Schädlinge der menschlichen Gesellschaft, in die Hölle versetzt. Unter den Sündern befindet sich Plato, weil er „die Wirklichkeit der Gattungsbegriffe" behauptet hat, und auch Hippokrates muß seine Engherzigkeit, mit der er seine Weisheit hütete, in der Hölle büßem Bon dm philosophisch gebildeten Aerzten hat sich Messer Leon, zugleich Rabbiner und Arzt in Mantua (1480), hervorgetan. Daselbst hat sein Zeitgenosse, der Arzt Abraham Konat, als einer der ersten Juden eine Buchdruckerei errichtet und hebräische Bücher veröffentlicht. Hervorragender Denker war der Arzt Elia d e l Medigo (geboren 1463, gestorben 1498), Verfasser der kleinen aber inhaltsreichen Schrift „Bechinat Ha-Dat" (Prüfung der Religion), in der die Entstellungen, welche die Kabbalisten dem Judentum beigebrächt hatten, als fremdartige Zusätze erkannt werden. Zu den Jüngern dieses Philosophen und Arztes, der in Padua und Florenz öffentliche Vorlesungen hielt, zählte der Wunderjüngling seiner Zeit, der berühmte Humanist, Gras Giovanni Pico di Mirandola. Bezeichnend für die Beliebtheit der jüdischen Aerzte ist der Umstand, daß sie in den Diensten der Päpste selbst standen. Die Juden als päpstliche Leibärzte im Mittelalter und auch über dieses hinaus erfreuten sich des grenzenlosen Vertrauens ihrer hohen Gönner, denen sie zugleich als Berater zur Seite standen. So war gegen Ende des fünften Jahrhunderts der jüdische Arzt Telesinus Leibarzt des Papstes Gelasius. Der behandelnde Arzt des Papstes Nikolaus des Vierten war der gelehrte Jsaakben Morde chai, Mästro G a j o genannt. Die Leibärzte und „Hausgenossen" des Papstes Bonifazius des Neunten tvaren die angesehenen Juden M a n u e l o und dessen Sohn A n g e l o. Der Papst Innozenz der Siebente erteilte seinen! Leibarzt Elia de Sabbato (1406) und noch drei anderen verdienstvollen jüdischen Aerzten das .Bürgerrecht in Rom sowie gewisse Privilegien. Besonders 'einflußreich war Bo net'de Lates, der jüdische Leibarzt des Papstes Alexander des Sechsten und Leo des Zehnten. Der Papst Julius der Zweite schenkte seinen! jüdischen Leibarzt Samuel Zarphati grenzenloses Vertrauen und bestätigte auf seine Bitte die für die Juden günstigen Gesetze. Der Leibarzt und Vertraute des Papstes Clemens des Siebenten war der jüdische Gekehrte Isaak Zarphati. Der Professor der praktischen Medizin an der römischen Universität Jakob M a n t i n o (starb um 1694) war Leibarzt des Papstes Paul des Dritten. Die behandelnden Aerzte des Papstes Julius des Dritten waren die Juden VidalAlatino aus Spoleto und Amatus Lusitanus, über den wir noch ausführlicher sprechen werden. Die segensreiche Tätigkeit jüdischer Aerzte in Italien tourde durch die günstigen nationalen und religiösen Verhältnisse gefördert. Hier lachte doch der heitere Himmel über den heiteren Geistern. Kein Wunder, daß die lernbegierige jüdische Jugend des Auslandes von Italien als vom Lande der ErMung ihrer sehnsüchtigsten Wünsche träumte. So haben auch die meisten jüdischen Aerzte Polens in Jtalim, hauptsächlich in Padua, studiert. Dem Arzte Moses aus Kalisch, der in jüdisch-deutscher Sprache zwei medizinische Bücher verfaßte, wurde in Rom, wo er seine Ausbildung erhielt, „die Krone der Aerzte" auf das Haupt gesetzt. Ueberhaupt hat Polen eine große Zahl tüchtiger jüdischer Aerzte aufzuweisen, doch entfällt ihre Tätigkeit, die in Krakau um das Jahr 1467 praktizierenden Aerzte Ahron und Mojses ausgenommen, bereits ans das 16. Jahrhundert. Von den vielen angesehenen jüdischen Aerzten in Polen seien nur erwähnt: M e i r David, ein Schüler des Paracelsus, Jakob, ein Hofarzt des Königs Sigismund des Dritten, und Jakob Winkler, der in Padua zum Doktor der Philosophie und Medizin promovierte Gemeindevorsteher in Posen. Somit wäre die Bedeutung der jüdischen Aerzte im Mittelalter allgemein angedeutet, keineswegs gewürdigt. Es waren nur wenige aus der langen Reihe dieser stillen Heroen, die ohne jede Pathetik mit der bescheidenen Selbstverständlichkeit der Hilfsbereitschaft in den Kampf gegen die Krankheit zogen. In der Nächstenliebe wurzelte ih Mut, in dem gewissenhaften Wissen ihre Kraft. Ein Bis der jüdischen Seele.