Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2588 (8.5.1926)
- Date
- 1926-05-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«ehe SBen, BWtwtt Msrftknzekk»«« 9. Mai 1996 St. 2888 BOHEME-BAS am Zoo, Berlin, Hardenbergstr Nr.27. Direktion: N. v Benedito Treffpunkt der Fremdenwelt Berlins MJht-T« * Söajttr prix fix * Exquisite Küche Kapelle: Seala-Song-Band, Milano, ferner der Wiener Humorist Charlie Woeber 1117 Vorsitzender: Antworten Sie mir Machst folgendes: Wann erhielten Sie Kenntnis davon, daß falsche Frankennoten erzeugt werden? Nadossy: Vor vier Jahren hat mich Prinz Windischgratz ausgesucht und mir erklärt, es müssen falsche Frcmlsnoten hergestellt werden, deren Elös patriotischen Zwecken zugeführt werden solle. Ich habe dem Prinzen erklärt, daß ich diese Idee nicht für gut halte. Das ganze sei eine Eselei und solche Dummheiten soll er nicht machen. Spater habe Windischgratz ihn darauf aufmerksam gemacht, daß mangels materieller Mittel die patriotischen Zi.'lc nicht verwirklicht werden können. Da er (Nadossy) selbst die Empfindung hatte, daß ettvas zur Erreichung der patriotischen Ziele geschehen müsse, sei vereinbart worden, daß er zur Bemäntelung der Angelegenheit Mithilfe leisten werde. Während der Herstellung... der Franken, über deren einzelne Phasen ihn Windischgratz informiert habe, seien Schwierigkeiten aufgetaucht, da er n:cht g-.wußl habe, wie die suchen Frauken in V rkehr gebracht werden könnten. Er habe dem Prinzen geratsu, Sachverständige zu befragen, und da dieser keinen g e L: g n et e n Mann gehabt habe, hake er ihn an dm Generaldirektor der Postsparkasse gewiesen, mit dem er befreundet sei. Anfänglich Hab.' sich B a r o ß geweigert, sich jedoch schließlich, von ihm überreden lasten. Baroß habe dann die Bankiers Eliser und Horvath zu Windischgratz gebracht. Die drei Sachverständigen erklärten, sie könnten noch kein endgültiges Urteil abgeben, sondern würden sich erst im Ausland orientieren, wie dort der Kauf und Verkauf von Valuten vor sich gehe. Zu diesem Zwecke sollte H o r v a t h i n s A u s l a n v reisen. Er selbst habe sich nicht mehr eingemischt und auch keine Kenntnis erlangt, mit welchem Ergebnis die Reise Horvaths geendet habe. Als für die Ausfuhr des falschen Geldes gesorgt werden mußte, habe er aus Ersuchen Windischgrätz für Fankovich einen Kurierpatz und für die übrigen jungen Leute Reisepässe besorgt. v, . . Inzwischen geschah es, daß dem Ministerpräsidenten jemand zur Kenntnis brachte, daß man im Nationalverband sich mit der I n v e r k e h r s e tz u n g d e r gefälschten Franken Noten beschäftige. Ta der Ministerpräsident nach Genf reiste, sandte er den Staatssekretär P r o n a y zu ihm, um der Sache nachzugehen. Nadossy hat dann sogleich Windischgratz gesagt, daß er vom Mmisterprälstd'e,ien Weisung erhalten habe, die Sache müsse äusgegrten werden. Windischgratz machte geltend, daß nach den vielen Vorbereitungen die Falsifikate zumindest ins Ausland gebracht werden müssen; über die Verwertung lverde solange keine Verfügung getroffen werden als Nadossy nicht seine Zustimmung hiezu erteile. Die Falsifikate wurden tatsächlich ausgeführt und die jungen Leute, die mit der Vemvertung betraut wurden, hätten vorerst ein Telegramm Windischgratz' akwarten müssen. ■ Dieses Telegramm konnte nicht mehr abgesendet werden, da Fankovich in Haft geriet und die ganze Sache ans Licht kam, so daß auch Nadossy dem Ministerpräsidenten nicht mehr Bericht erstatten konnte, daß er die Angelegenheit verhindert habe, sondern nur, daß auch er selbst darin verwickelt sei. Der Präsident richtet hierauf an Nadossy die Frage, wie Windischgratz es habe wagen können, dem Polizeiches einen, solchen Antrag zu Men; Nadossy erwidert, er sei mit Windischgratz befreundet und habe mit ihm häufig über politische Dinge gesprochen. — Vorsitzender: Hat Windischgratz patriotischer Moti'oe angegeben? *-i- Nadossh: Ausschließlich patriotische! — Vorsitzender: Materielle Beweggründe sind' nicht aufgetaucht? — Nadossy: Absolut nicht. Stets nur patriotische Zwecke. Windischgratz hat mich aus dem Grunde aufgefordert, an der Sache teilzunehmen, damit ich kontrollieren könne, daß das Geld ausschließlich für patriotische Zwecke verwendet werde. Seine Aufgabe sei gewesen, zu kontrollieren und zu vertuschen. Während der Anfertigung der Falsifikate habe er keine aktive Rolle gespielt, aber die Idee gebilligt. Er selbst habe sich hauptsächlich um die I n v e rkehrsetzung der Fälschungen interessiert. Angeblichste! es gelungen, achttausend Stück verwertungsfähige Fälschungen auszuwählen. Die Aufgabe war es, die Banknoten auszuführen und sie jungen Leuten zu übergeben, die sich zur Verwertung bereit erklärt hatten. Nadossy gibt zu, daß er fiir junge Leute Ende 1925 sieben rumänische Pässe beschafft habe. Der Vorsitzende fragt, von »pem er sie beschafft habe. Nadossy: Ich habe sie sü r Geld gekauft! Vorsitzen d e r: Von. wem? . N a d o s s y: Das sage ich nicht! Schließlich fragte der Vorsitzende, ob Nadossy noch elivas zu sagen wünsche, worauf dieser erklärte: Ich habe Pflichten übernommen, sie jedoch nicht erfiillt. Ich hätte ungarische Reisepässe beschaffen sollen, damit diejenigen, bk ausgereist sind, mit einem anderen Paß zurückkommen können. Ich Me der Berliner Gesandtschaft schreiben sollen, diese Reisepässe aitszu stellen, doch habe ich dies nicht getan. Von seiten der Berliner Gesandtschaft war niemand in die Angelegenheit eittgeweiht. Das Verhör nrit Winkischgrütz. Nach einer kurzen Pause wurde Windischgrätz in den Saal geführt. Er bekennt sich nicht s ch u l d i g, und zwar aus zweierlei Gründen. Erstens, weil die ihm zur Last gelegte Handlung kein individuelles und egoistisches Verbrechen, sondern ein Motiv des Kampfes des Ungar tum's sei. In ztveiler Reihe habe er sehr viele wichtige Gründe dafür, daß man ihm nicht dessen anklagen könne, worauf die Anklage laute. Diesbezüglich wünsche er sich iru.Laufe der gegenwärtigen Hauptverhandl u n g, n i ch t z u ä u ß e r n. Auf die Frage des Vorsitzenden Mt Windischgratz an, die Idee derFrankenfälsch u u g stamme u i ch t v o n i h m, sie sei in gewissen Kreisen schon vorhanden gewesen. Es sei ei» Irrtum, daß die Idee aus dem Auslände stamme. Aus dem Auslande stamme bloß die Möglichkeit der Verwirklichung, nämlich die Papierfabrikation. Von der Idee der Tausendsrankenfälschungen dürste er bereits 1922 gehört haben und ihr Ursprung entstamme derselben Quelle, wie die Sokolsälschmtgeu. Vorsitzender: Die Sokolsälschungen interessieren uns hier nicht. Bitte sich ausschließlich über die F r a n k c n a n g e l e g e n h e r t zu äußern. Windischgratz erklärt fortfahrend: Diejenigen, die sich mit dieser Idee beschäftigt hatten, seien nicht von materiellen Interessen geleitet worden, sondern ausschließlich davon/ denjenigen Schaden zuzufügen, die das Ungartum unterdrücken, und dazu wollten sie sich die Kampfmittel büschaffen. Als er sich im Jahre 1923 in die Angelegenheit einschaltete, seien bereits lithographische. Steine vorhanden gewesen,, dpch wisse er nicht, von wem und aus welcher Aktion sie herstammten. Was er allenfalls wußte, könne er nicht aussagvn. Mit Meszaros sei. er damals zum ersten.Male in Berührung gekommen. Meszaros sei auch Mitglied jener Kreise gewesen, die sich zu patriotischen Zwecken vebbündeten. S ch ul tz sei aus D e u tf chlan d ge ko m m e n; er hat nicht gearbeitet, sondern bloß ein Gutachten abgegeben und im KartogvaHßchri;, Institut Studien gemacht, wohin er i ni W ege des G ra f.en T el eki ge k o mm c n sei und wo er sich zwei oder drei Wochen aufgehalten habe. Außer Schultz sei auch jemand anderer ans Deutschland hier gewesen, doch wer dies war, könne er nicht angeben. Auf die Frage, wie Gero dazu gekommen sei, daß chm Schultz ein Gutachten unlevbreitete, erwiderte Windischgratz, Gerö. fei mit Nadossy und Telckj in seine Wohnung gekommen, wo sie die Angelegenheit detailliert besprochen hätten. Windischgrätz häbe keinen Auftrag erteilt,.dieser sei von ganz anderer Seite erfolgt. Nachdem Schultz sein Gutachten Gerö mitgeteilt hatte/ habe er eine Abfertigung erhalten. Nach dem Abgang Schultz' habe das Kartographischen Institut die Fabrikation in die Hand genommen, und Zwar auf Weisung . . . — Vorsitzender (unterbrechend): . Aus wessen Weisung? — Windischgrätz: Darüber kan n i ch m i ch nicht äußern. Schutz hat irgend eine Erfindung gchabl. .Deshalb wolle er die Noten nicht auf Stein drucken, sondern auf zi nkographischen Wege Herstellen. Auch Tekeki habe sich mit dieser Affäve beschäftigt und als unbedingt verläßlichen patriotischen Menschen Gerö vorgeschlagen. Gerö habe die Arbeit im Winter 1923 ausgenommen. Nm die Papierfabrikation zu erlernen, sei Gero nach Deutschland gereist, gleichzeitig mit ihm auch Raba, jedoch mit anderen Kommissionen. — Vorsitzen der:'In Köln und München? — Windischgrätz: Ja. Windischgrätz gibt an, es. seien genau 29.370 Stück Tausendsrankennoten herKstellt worden, die zum Teil, da sie nicht gelungen waren, verbrannt worden seien. Nach der Aufdeckung der Fälschung habe er selbst eine größere Serie verbrannt. Gegenüber der Wiener Meldung, wonach, er im Jahre 1925 in Baden eine falsche T a u s e n d f r a n k e n n o t e Zu .verausgaben versucht habe, erklärt Windischgrätz, daß er im Jahre 1925 gar nicht in Baden gewesen sei. Ueber die I n v e r. k e h r s e tz u n g d e r Banknoten befragt, erklärt Windischgrätz, die Organisation der Berivertung sei nicht seine Aufgabe gewesen. Diesbezüglich habe ein anderer hotei^-restaurant guth II., Hollandstrasse Nr. 14 0R»£MME8 RESTAURANT MIT BRSTKLASSMNN» rOche MENU ZU 8 1.80 UND S 240 Uebernahme von Diner« und Soupers in und ausser Hees Jeden Sonntag Jeden Semtsiäg und Sonnig Sonper dantani Fünf* 2tfn Besuch ladet hflfi. ein ‘Tee mit Tarne J. GUTH, Besltaer eine« Plan ausgearbeitet und Instruktionen erteilt, doch weigert er sich, den Namen des anderen aiMgsben. Er wisse bloß so viel, daß nur französische Banknoten hevgestellt und nur französische Firmen geschädigt werden sollten. Die Einwechslung hätte in solchen Mkslaudsstaaten erfolgen sollen, wo französische Firmen einen großen Verkehr atbwickeln. Insgesamt hätten acht Personen die Verbreitung der Falsifikate übernommen, die Jankovich zu instruier»» hatte. Sie hätten einen Eid ablegen müssen, an dessen Text er sich nicht mehr genau erinnere. Die ganze Mion habe er finanKi ert nu!d hierzu! etwa einundeinhalb Milliarden Papierkronen ausgewendet. Die finanzielle Seite der Fabrikation sei in den Händen Gerös gelegen und dieser habe dawülber verrechnet. Die Verrechnungen IWindischgrätz zur Kenntnis genommen. Mr die Zwecke der Jnverkehrfetzung halbe Windischgrätz dem Jankovichetwa 160 Milliv-nen Papier krönen gegeben, so daß auf jeden einzelnen etwa 20 Millionen eirfielen. Die Angestellten des Kartographischen Instituts hätten auf Befehl gearbeitet und Gerö habe überhaupt nichts erhalten. Am Schlüsse, als die Angeklagten bereits int Gefängnis waren, sei Windischgrätz der Schuldner Geros gewesen. Bei dem Wechsel in der Leitung des Kartographischen Instituts sei Nadossy nicht zugegen gewesen. Gr, Windischgrätz, habe das Kartographische Institut betsucht. Der neue Leiter Kursz habe die Verantwortung übernommen und Windischgrätz glaube, daß auch dieser eine Weisung erhalten habe. Der pensionierte Leiter des Kartographischen Jntstituis, Hajts, erklärte, er fühle sich nichtschuldig, da er davon überzeugt gewesen sei, daß das Unternehmen einen patriotischen Zweck versvlge und die Integrität des Landes fördern solle. Auch sei er einer gewissen amtlichen Unterstützung, eines Wohlwollens gewiß gewesen. Er erklärt, von Schultz habe er viel gehört, doch habe er ihn nicht gekannt. Bei einer Gelegenlheit habe ihn ein Her« ausgesucht, der sich als deutscher Reserveoffizier vorgestellt und gesagt hübe, er sei p o l i t i s ch k ompr om i t t i e r t, da er während der SpartMlsibewegnug habe hängen lassen. Er habe flüchten müssen und suche eine Anstellung. Der Betreffende halbe auch irgend einen Empfehlungsbrief vorgcwiesen, doch wisse er nicht, ab es Schultz gewesen sei. Als man ihn, Hajts, zur Teilnahme bewogen habe, habe man sich aus Nadossy berufen und diesen als Exponenten höherer Behörden be* zeichnet. Die Verhandlung wurde hieraus auf morgen vertagt. UrteitAfällung Ms Ende Mai. Zn Politischen Kreisen rechnet man damit, daß 8er Strafgerichtshof sein Urteil bis Ende Mai fällen wird. Da Gras Bethlen am 4. Juni Zur Tagung des VöMbundrates nach Genf reist, steht außer Frage, daß der Prozeß bis dahin;um Abschluß gebracht sein wird. Ser GIB im „Blutbund vom Sovvelkreuz". In der Budgetdebatte über das Justizportefeuille in der ungarischen Nationalvevsmmlunc, übte lder Aba. Beta Fab i nan scharf? Kritik'an dem ungarischen Richterstand, dessen Mitglieder zum größten Teile geheimen Organisationen, ja auch denr Blutbund vom Doppelkreuz angchörcn. Zur Charakteristik dieses Blutbundes wollte Fabian me Formel des Eides verlesen, den jedes Mitglied leisten leisten muß, wurde jedoch vom Vorsitzenden daran gehindert. Die Eidesformel, die Mlbian dann in den Couloirs des Parlaments laut verlas, hat folgenden Wortlaut: „Ich schwöre bei dem allmächtigen Gott und gelobe bei allem, was mir heilig ist, daß ich alle Befehle meiner Führer und meiner durch diese ernannten Vorgesetzten aufs treueste erjüllen und die Vorkommnisse im Mutbnnd vonr Doppelkreuz" aufs strengste gchevnchalten werde. Ich schwöre, haß ich keiner a nd e r en ivredentistischeu Organisation verpflichtet bin und solche Befehle ausschließlich von 'meinen Vorgesetzten im ,/Blutbund vom Doppelkreuz" annchmen werde. Innerhalb des Blutbunöes werde ich mich M'der mit Politik noch mit der Königsfrage ibesassen und jeden mir zur Kenntnis gelangenden Fall sofort meinen Vorgesetzten melden Sollte ich diesen, meinen Eid brechen, so anerkenne ich schon jetzt die Blntg er i chtsbarkei t des „Mutbundes vom Doppelkreuz" als berechtigt cm. So helfe nrir Gott! Amen." Wie feiert ein Jude am würdigsten den Durch Baumspenden des Keren fCajemeth auf den Namen seiner Mutier Die Geehrte erhält ein künsfl. Diplom Näheres; Wien> /. Kärntnerstr. 28 IttUIMlltiHliülIIIUüllUllfllUllUimiHUlltHUtllimUUUlHUUJtllfllUHUIItllUt!