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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-06 · Heft 2586 (6.5.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2586 (6.5.1926)
Date
1926-05-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Gette U Men, DvMMMg 9fls gnsendreferat der Wiener jüdische« Gemeinde. Bon Jakob Krausz. Ans der Tagesordnung der heutigen öffentlichen Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener jüdischen Gemeinde steht ein Gegenstand zur Beschlußfassung, dessen Bedeutung weit über das Wirkungsgebiet des Wiener Gememdesprengels hinausreicht. Gehen die Vorschläge des VertretgrkvllegiunrS in der heutigen Vollsitzung des Vorstandes durch — und es ist nicht anzunehmen, daß es anders komrnen werde —, so wird die Wiener jüdische Gemeinde ein eigenes Jugendreferat haben, dessen Grundzüge bereits festgesetzt und vor einigen Tagen in der „Wiener Morgenzeitung" bekanntgegeben wurden. lieber die Wichtigkeit und den Wert einer solchen Einrichtung viel zu sagen, ist wohl heute schon überflüssige Seitdem die Jüdischnationalen in Oesterreich das Problem der Kultusgemeinde in ihr Aufklärungs- und Arbeitsgebiet einbezogen — und das sind wohl an die zwanzig Jahre her —, gehörte die Errichtung eines solchen Jugendreferats zu ihren ersten und wichtigsten programmatischen Forderungen, und Schreiber dieser Zeilen hat, als Sekretär des jüdischen Gemeindebundes im alten Oesterreich am ersten großen Judentag in Wien im Jahre 1908 die Errichtung solcher Jugendreferate bei den Kultusgemeinden gleichfalls als eines der wichtigsten und verläßlichsten Mittel zur Erhaltung des Judentums und demnach oer jüdischen Gemeinde in der Diaspora bezeichnet. Das Tätigkeitsgebiet, das die Anträge dem neuen Jugendreferat abstecken, ist recht zaghaft und vorsichtig bemessen und erweckt die Vermutung, daß nicht alle im Kultusvorstand vertretenen Parteien von der großen Bedeutung dieser Institution in demselben Maße durchdrungen sind und ihr ckuch nicht jenen weitausgreifenden und in die Tiefe wirkenden Inhalt zu geben wünschen wie die Zionisten. Das geht schon aus der Bemerkung im ersten Punkt des Rahmenprogramms hervor, in welchem festgesetzt wird, daß das Jugendreferat solche jüdische Jugendgruppen in Evidenz halten soll, welche . . . „unter Ausschluß jeder Politik kulturelle Interessen verfolgen". Nun ist es mit dem Begriff der „Politik" in diesem Zusammenhänge eine eigene Sache. Mit keinem anderen Worte ist noch je so viel Mißbrauch getrieben worden, wie mit dem Worte „Politik". Das hat man bei den Kultuswahlkämpfen der letzten zwei Jahrzehnte ^zu oft wahrnehmen können, um nicht zu verlangen, daß die Bedingung des „Ausschlusies jeder Politik" näher und unzweideutig erklärt werde. Düe Forderung der Errichtung eines Jügendreferats durch die Zionisten wurde von den Antizionisten noch vor nicht allzu langer Zeit als politische Forderung deklariert, und gar ,.der ,-politische Zionismus" hat es.den Hew.eilige». -„MpoMschen" 'Par- •;. teien im Kultusvorstand stets angetan. Auch die Schlußbemerkuyg des. Arbeitsprogramms, daß „die Schaffung dieses Referats versuchsweise im Anschluß an die I u g e u d f ü vs o r.g e aus sechs Monate in Aussicht genommen wird", bestärkt uns in der hier ausgesprochenen Annahme. Das ist um so mehr zu bedauern, als auf diese Weise dieser neuen, für die Gemeinde lebenswichtigen Einrichttrug,, da sie ins Leben gerufen wird, Krankheitskeime eiugeimpft werden, die ihre gesunde Entwicklung hemmen müssen. - Das Jugendreferat hat unseres Erachtens eine doppelte Aufgabe: die Jugend dem jüdischen Gemeindeleben näherzubringen, in ihr lebendiges, akttves Interesse für die Pflichten und Aufgaben der Mischen Gemeinde, zu wecken, mit einem Wort, sie zu künftigen Trägern und Stützen der jüdischen Gemeinde, als eines Teiles der jüdischen Gemeinschaft, heranzubilden. - Dann aber Hai das Jugendreferat auch den Zweck, daß die verantwortlichen Führer der Gemeinde die Wünsche unddie. Zukunftsträume, die Freuden und die Sorgen unserer In-, gend kennen lernen. Nach beiden Richtungen ist bisher fast alles versäumt, worden, und wir wagen es, zu bezweifeln,, ob ein halbes Jahr genügen werde, um sich gegenseitig auf der Linie des gegenseitigen Verstehens zu finden ... Aufklärungsbedürftig ist auch der Sinn des Anschlusses. des Jugendreferats an die Jugendfürsorge". Wir wissen nicht, wem die Amtsleitung des Jugendreferats zugedacht ist. Aber gerade in diesem Amt ist es von ausschlaggebender Wichtigkeit, daß in der Wahl, der leitendeni Persönlichkeit, dem der unmittelbare Verkehr mit der Jugend anvertraut sein wird, kein Fehlgriff gemgcht werde. Es wird nicht nur auf die Direktiven, die dem Amtsleiter gegeben werden, sondern vornehmlich auf seine eigene Wesensart und aus seine Erkenntnis der großen Verantwortlichkeit, die aus ihm lastet,, änkommen, ob es! wirklich bei einem Versuch bleiben' und eine große 'Idee diskreditiert werden soll. Das Jugendmaterial, mit welchem der Amiskeiter zu arbeiten haben wird, ist durchaus kein so leicht zu nehmendes. Es sind Jugendliche, die die allgemein-zionistische und die misrachistische und orthodoxe Lebensschule, dys heißt also die Schule des bejahenden Juden-' tu ms, durchmachen. Der Amtsleitn: wird sich auf An- : Klub radikaler lioiHsten Hin ul 6 Don netstag den 6. Mal 1926 uftt 8 Uhr abends findet im Cafc .Ilion", III., Löwengasse 39, eine VOLLVERSAMMLUNG statt, zu welcher im Hinblick auf die Wichtigkeit der Tagesordnung sämtliche Mitglieder des Klubs hiemtt dringend geladen weiden. — Tagesordnung: 1» Wichtige Berichte $ 2. Nationalanleihe öder Völkerbundanleihe? Das Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. - Ing* Robert Stricker« Obmann. In ötierreleh organisiert* Zlonish n, die dem Klub beitreten wallen, sind willkommen / regungen dieser Jugendgruppen gefaßt machen müssen, die sich nicht nur „auf den Religionsunterricht, den Lehrplan und die religiösen Hebungen für die Jugend" beschränken. Hoffentlich wird die heutige Plenarsitzung Mehr Licht in das Bild dieser neuen, für alle Fälle begrüßenswerten jüdischen Einrichtung bringen und sie zu einem Musterbild für andere jüdische Gemeinden gestalten. Süden und Araber. Wekzmanns Rede auf dem Bankett f$t Re ägyptischen Lehrer. Jerusalem, 5. Mai. Auf einem Bankett, das zu Ehren der m Palästina zu Besuch weilenden ägyptischen Lehrer gegeben wurde, hielt Dr. Weizmann eine Rede, in der er unter anderem sagte: „Wir haben ein nach meiner Meinung in der menschlichen Geschichte einzig dastehendes Problem zu lösen. Ein über die ganze Welt verstreutes Volk, aus seinem Boden entwurzelt, in städtischen Berufen beschäftigt, alle Sprachen sprechend, uncer den verschiedensten Arten von Zivilisation und politischen Bedingungen lebend, ein solches Volk strebt danach, seine Existenz' und seine Arbeit in - einem seit 2000 Jahren unbewohnten Lande zu konzentrieren, seine alte Sprache neu zu beleben, seinen felsigen Boden in fruchtbare Felder zu verwandeln, und all das ohne einen Srrow wie der Nil, mit nur ein.em kleineu Fluß wie der Jordan. Aber um den Wassermangel auszugleichen, sind wir bereit, unseren Schweiß, unsere Arbeit und unseren Glauben an eine gerechte und ehrliche Sache herzugelen^ Was Sie gesehen haben, ist n u r e i n A u f a n g; der für die Zukunft Dinge für unsere Kolonien, unsere Schulen und unsere' Kinder verspricht, jene Kinder, die Ihnen Blumen brachten, turnerische Vorführungen zeigten, und in einer Sprache zu Ihnen redeten, tvelche ihre Väter nicht gesprochen haben. Dies kann p o l i«i s ch e n Haß in.politische F r e u n d s ch a f t v e r w a n de l n. Es gilbt zwischen uns' noch manche trennenden' Punkte, aber wir hoffen, sie in Zu- - kunft aus dem Wege zu räumen. Besuche'wie die, welche wir jetzt.ausgetauscht haben, hie einer jeden Seite die Möglichkeit, gaben/ die Arbelt"'der anderen 'kennen zü-lernen, werden e i n w i ch§ i ge r -F a kt o r hierbei-jsein. Was wier hier zu erreichen-suchen, ist eine Mission des Friedens. Ich hoffe, Palästina wird sichzu einem Lärche des „Schälom- Salam" entwickeln.. Ein d r e ima The iliger Ort für die inei. großen Religionen,. wird.es durch eine Atmosphäre des Friedens heilig bleiben." •; ' Nach der Abreise der Gasje sandte der. ägyptische Mmfier des Erziehungs-Wesens folgendes Telegramm .an Kolvnel K-i s h: 'bEmpsanDN lwd ikbermiMN Sie, Me, .der Zionistischen Exekutive und allen, die sich.tzrn ägyptischen Lehrern , zur Verfügung, stellten, meinen herzlichen Dank für ihre' Freundlichkeit und Gastfreundschaft." Kolonel K i s h antwortete darauf dem Erziehung, minister in Kairo: „Herzlichen. .Dank für. die freundliche Nachricht. Wir alle haben den Besuch der ägyptischen Lehrerschaft in bester Erinnerung und hoffen von. ihr das gleiche," LSG Mnwanderungszertifilate für Palästina. ' Jerusalem, 6. Mai. Die /palästinensische Regierung hatder zionistischen Palästinaexekutive für das Arbeits- Programm; April—September 2500 Einwanderungszertifikate bewilligt. Es bleibt der Exekutive überlaffen, diese Zertifikate nach ihrem Gutdünken zu verteilen. Leonard ®. Montestore Präsident der Ang»agewish Affociatloa. London, 3. Mai. (I. T. A.) In der gestrigen Sitzung der Ang'lö-Jewish Association wurde Leonard G. M o rite fio re zum Präsidenten gewählt, nachdem O. E.: d'Avigdor Goldsmid infolge seiner Wahl, zum Präsidenten des Board of Deputies die Präsidentschaft der Association ' ttiedergelegt hat. Eine arabische Tageszeitung in Jerusalem. Jerusalem, 4. Mai. Nach einer Meldung des arabischen Blattes „Jarnmk" ist die Herausgabe einer arabischen Tageszeitung in Palästina gesichert. Das Blatt wird unter dem Titel ,,El Nameh el aräbiat" in Jerusalem erscheinen. Herausgeber ist Munif Hüsfeini; als der-- ' antwortlicher Redakteur wird der' Sekretär des arabischen , Aktionskomitees, G e m a l Husse i n i, zeichnen. 6. Dlai 1926 . Nr.. 2686 Ahstevrdrieter Nakovsky Ivlvd von der Pottztt errrvcrrromMen. Budapest, 6. Mai. Auf Grund des stenographischen Protokolls der Mitwöchsttzung der Nationalversammlung wird der Abgeordnete Stephan N a k o v s k y wegen des Zwischenrufes: „Wir wußten schon frühmorgens, daß Tis.za am Abend ermordet werden wird!" polizeilich einvernommen werden. Stephan Ralovsky wird zur Obersiadchanptmannschaft vorgeladen werden, um nähere Ausklärungeu über die Ermordung Tiszas zu geben. ' ' Aufhebung der Einstellung des „Bilag"? Auf dem gestrigen Empsangsabentz bei dem Ministerpräsidenten Berhlen brachten einige liberal. ge sin me Pol Mer der Einheiispartei auch das Verbot des „Vilag" zur Sprache. Im Anschlüsse daran verlautet heule in den Wandelgängen des Parlamentes, daß die Regierung geneigt sei, die fügung über die Einstellung des „Vilag" in den nächsten Tagen aufzuheben. , Semlsslon Ezttzyimkis. Der Rücktritt angenommen. Warschau, 5. Mai. Ministerpräsident Graf Szkryns-tt hat heute nachmittags dem Präsidentender Republik -dm Rücktritt des Ge sa m tka b i n e t ts unterbreitet. Der P r ä s i d e n t hat die Demission a n g e n o m m e n.. - Der Streit um Pilsudski. Warschau, 6. Mai. Im Heeresausschuß des Senats'.erklärte gelegentlich einer Jnterpellationsbeantwortung Senatsmarschall Trompezhnski zur Empörung der Linken, daß es ein U n g l ü ck f ü r d a s L a n d bedeuten würde, wemc man Pilsudski an die Spitze des polnischen Heeres berufen würde. Pilsudski verstünde nichts von der modernen Kriegführung, sondern er besitze nur die Eigenschaften eiwH Parteigängers. Die Linke verließ zum P r o t e st gegf . diese Ausfälle den S i tz u n g s s a a T ’ Die polnischen Fasziften. Warschau, 4. Mai. Bor dem hiesigen Bezirksgericht begann heute der aufsehenerregende Prozeß gegen die Mitglieder der seinerzeit unter den^Nanren „B e r e i t s ch a f t d e r p o l n i s ch e n P a t r r o t e n" bestandenen faszistischen Gehelmorganisationl Auf der Anklagebank besinden sich sechs Personen, darunter der ehemalige Woiwode von Kielce, Ing. P e n ko f l a w s k i, ferner der ehemalige Minister für Heereswefen General Wrozeynski. Zwei Angeklagte, und zwar der ehemalige Heeresminister L es n i e w s k i und ein Oberkommissär der politischert Polizei, ' sind inzwischen gestorben. Die- Angeklagten. stehen unter der Beschuldigung, Mitglieder , einer geheimen Organisation gewesen zu sein, die einen -Rech t.s^> putsch und die Einführung einer Diktatur zum Ziele hatte. Die nötigen Vorbereitungen dazu, seien bereits getroffen gewesen. So war bereits ein Mobili-srer u n g s p l a n für Warschau ausgearbeitet, falls der Umsturz gelingen sollte. . Die Organisation verfügte auch über einen eigenen Kriegs rat. Zu der Verhandlung, die in politischen Kreisen die größte Sensation hervorruft, sind insgesamt 165 Zeugen geladen. Ba1itan> und Sowie!. ■ Rom, 5. Mai. (Tel.-KomP.) Der I e s u k t e n P a t e r d'Herbigny ist von sÄner RnßlaUdreise mit einem Plan für eine Wiederannäherung zwischen Moskau u n d d e m H e i l i g e n S t u h l zurückgekehrt und hat dem Vatikan Vorschläge für die A b g r e n z u n g d e r Diözesen in Rußland auf Grund seiner Fühlungnahme mit den Sowjetbehörden unterbreitet. Die Sowjetbotschyst in Rom verweigert zwar den Blättern jede weitere Auskunft über die Verhandlungen ztvischen Moskau und dem- Vatikan, schließt indessen eine Verständigung nicht aus. Der Ausnahmezustand in Bayer». Berlin, 5. Mai, . Im Reichstag erstattete heute der Rechtsansschuß über die sozialdemokratischen und kommunistischen Anträge auf vollständige Aufhebung des Ausnahmezustandes in Bazern Bericht. Der Rechtsausschuß empfiehlt die Ablehnung beider Anträge und beantragt die Annahme einer Entschließung, in der die Reichsregierung ersucht wird, so schnell wie möglich den Entwurf betreffend 'Errichtung eines Reichsv e r w a l t u n g s g e r i ch t s h o f e s Vörzülegen, um für Streitigkeiten, die in einzelnen Ländern über die Verletzung von staatsbürgerlichen Rechten durch Maßnahmen der Verwaltungsbehörden entstehen, einen geordneten Rechtsweg einzurichten. Abgi B u ch m a n n' (Koinmunist) führte aus, t ro tz d e r f ö r m a l e n'A u fh e b u n g d e s Ausnahmezustandes verbiete die bayrische Regierung in verfassungswidriger Weise alle oppositionellen Versanlmlüngen und Kundgebungen. Nach kurzer Beratung wurde der kommunistisch-sozialdemokratische Antrag abgelehn t. iure Verehrung wird d mmsmi lange blühe« und Früchte tragen! 04438870

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