Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2586 (6.5.1926)
- Date
- 1926-05-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Schwere Snfchnwlgnngen eines FememSrder» gegen die vöttlsche« Abgeordnete« Knbe «M Wnüe. — Set Morvpian »egen Minister Severins. (Eigendienfi der „Wiener Morgenzeitung.") . .Berlin, 5. Mar. Der Femeuutersuchungsausschuß des preußischen Landtages behandelte heute in öffentlicher Sitzung den Kall Gruette-Lehder, der wegen Ermordung des Spitzels Dämmer zu acht Jahren Gefängnis verurteilt ist. Zum Tode konnte er nicht verurteilt werden, weil der Angeklagte bei Begehung der Tat erst 17 Jahre alt war. Im Gerichtsverfahren hatte Robert Gruette-Lehder schwere Anschuldigungen gegen die völkischen Abgeordneten Kuba und W u l l e erhoben und behauptet, diese Abgeordneten hätten ihn zur Erschießung des D a m m e r e r m u t i g t. Gruette-Lehder wurde von zwei Kriminalbeamten aus dem Untersuchungsgefängnis vyrgeführt und sagte u. a. aus: „Von den deutschnationalen Verbänden, bei denen ich eine kurze militärische Ausbildung erfahren Habe, trat ich im Frühjahr 1923 zur deutsch völkischen Pflttei über. Im völkischen Parteibureau machte ich die Bekanntschaft'des Oberstleutnants a. D. Ahlem an n, der mich dem Abgeordneten Wulle vorstellte. Der Heiß und Fanatismüs der Völkischen richtete sich damals besonders gegen, den preußischen Innenminister Se.vering, von dem das Verbot der:völkischen Agitationen ausaegangen war. Als ich eines Tagesbixciit .ob■ - . > . em Attentat aA SADWg? zu. unternehmen,' sagte Ählemannman' Müsse' erst die Abgeordneten Wülle und Gräfe sprechen: Ich sprach auch mit dem^ Abgeordneten Wülle über diese Angelegenheit'. Gemäß der von Ahlemann erhaltenen Weisung wandte ich mich an den Leutnant ^Tettenborn, mit dem ich in drei Unterhaltu n g en mich über den Attentatspl an gegen Sev.e-. ring besprach.. Eine dieser Unterhaltungen fand im Pa r 1 e ib u r e a u der v ö l k i s ch e n P ä r 1 e i, eine zweite im Zimmer der völkischen Fraktion im Reichstag und die dritte in einer PrivatWohnung statt. Als die Vorbereitungen so weit gediehen, waren, stiegen mir doch g ewisse Bedenken auf. Morgens verließ ich Berlin. Mit den völkischen Abgeordneten stand ich in schrist-. licher Verbindung und wohnte bei einem Major v. Michael auf R0ch0w. Zum Verständnis für mein gesamtes damaliges Händeln muß ich imnier Mieder darauf Hinweisen, daß ich mich in hohem Grade in einer Abhängigkeit von den völkischen Abgeordneten befunden habe. Im Oktober 1923 kam Ahlernann zu mir und machte mir Vorwürfe, ich hätte in der' Severing-Angelegenheit zu unvorsichtig nach Berlin geschrieben. Jetzt erhielt Leutnant Müller den Auftrag, eine Spezialgruppe zu bilden, die den Ministermord in die Tat umsetzen sollte. Nicht lange danach stellte sich heraus, daß der angebliche Leutnant Müller in Wirklichkeit Hans Dämmer hieß und ei« gefährlicher Hochstapler und Spitzel war. Dämmer drang in mein Zimmer ein und bemächtigte sich einer Anzahl wichtiger Doku m e ni e, aus denen hervorging, daß völkische Abgeordnete hinter dem Severing-Mord.p.lan ständen. Am 13. November 19 2 3 kam es dann zu einer bedeutsamen Unterredung, in der die Völkischen Abgeordneten Wulle und Knbe mich bestimmten, den Verräter Dämmer umzubringen. Knbe sckgte: -'„D a mutz e t w as ge sch eh en. Wie ich das mache, das sei meine Sache. Wir Abgeordnete können so etwas nicht angeben. Nach der Tat ging ich zu Wulle, dem ich erklärte, D a m m e r k 0 m m e nicht' m e h r w i e d e r. Wenn mich! Äbg. Wulle auch nicht gelobt hat, so war ihm doch deutlich anzusehen, dah er in sehr aufgeräumter / Stimmung war. Der Zeuge schilderte sodann seine Verhafiüng und Wie-- dersreilassung. Sie sei deshalb erfolgt, weil Man seinem Geständms keinen Glauben schiiMe^ Als das AuslieferungsverfahreN der preußischen Regierung in Ungarn schwebte, hat er durch einen Dritten von' zwei Briefen der Abgeordneten v. Gräfe und . v. Reventlov . erfahren.. In diesen. Briefen hätten die Abgeordneten ihr Ehrenwort dafür gegeben, daß Gruette-Lehder. die Tat aus politischen Gründen begangen habe, : Der Zeuge teilt dann noch mit, daß er in München von Mitgliedern des Bundes „Oberland" soweit unterstützt worden sei, daß er nach Wien reisen konnte. Die Namen der: Münchner Geldgeber zu nennen, weigerte sich der Zeuge. Ebenso will er sich nicht naher äußern über jenen Teil der von Dcumner entwendeten Papiere, der einen Briefwechsel über Maschinengewehre darstellt/ Er muffe darüber die Aussage verweigern, weil er sich sonst strafbar wachen würde. Sodann vertagte sich der Ausschuß. Im redaktionelle« TeN enthaltene entgeltliche MitlettflAge« find durch ei« vormrgeseßtes E gekennzeichnet. Lloyd George öermittelt? Re Besprechungen zwischen de» gegnerische« Gruppen wlever ausgenommen. — BMWi« verlangt die bedingungslose Absage der Generalstreiks. Karrdon, 5. Mot. (Wolfs.) Die Bespre- «tzungen zwischen den gegnerischen Parteien wunden wieder aufgettowmen. Wie verlautet, hat Mae Donald heute abends mit dem Vorsitzenden S m i t h und dem Sekretär Cook des Bergarbeitenvenbandes Konferenzen gehabt. Cs wird erzählt, daß Lloyd G e o r g e die Rolle eines Vermittlers übernommen hätte. * London, 5. Mai. Die Stadt Wtct heute fast dasft'Lbe BÄd wie gestern. Fußgänger in großen Schaven, die ihren Bureaus zustteben, Neugievigenar^ammlungeu vor den Ge- SLndk-n der Zeitungen und nervöse MenschengvuMn vor den Ministerien und ddm Parlamente. Die Wirkungen des Merkehrsstre iks sind heute etwas gewildert worden. Der Verkehr auf der Untergrundbahn ist ve rstärkt worden. Vom Zentralbahrchof in London gehen alle sechs MrMten Züge ab. In den ProvinDäidten findet ein ", TeAverKchr rnit Straßenbahn und Ommbnffen^Wt: Der-: Kisendahnverkchr von London nach Manchester, Nortvich, AoÄ, Southa-mpton, Boumemouth und Margeta sowie nach 'anderen bedeutenden Plätzen ist wty beschränktmr Umfange aufrecht erhalten worden. ' In den Londoner ArlbeiteröorstÄdken Poplar und' Aamdeth veranstalteten die Streikenden heute unter Bormrtragung roter Fahnen Umzüge. Die Polizei zerstreute die Demonstranten, ohne daß es Hader zu irgend welchen tZwifchenfällen gekommen wäre. Nur an einigen Stellen der Stadt versuchten Streikende, die von Freilwilliigen geführten jnnd unter militärischer Bedeckuntz fahrenden Autobusse aufzuhalten. Doch ließen sie auch hier von ihrer Absicht ad, ohne daß es zu Gewaltanwendungen kam. Da- Mgen ist es in Le eld s zu Unruhen gÄomMen. Die Streikenden griffen die Aribeitsfreiwilligen an, Äe'den Dienst Ms der Straßenbahn versahen. Dadei kam es wiederholt zu dinem Handgemenge, bei rvelchem zahlreiche Fahrgäste durch Glassplitter und Steinwürse perletzt wurden. Der Prinz von Wales i« Unterhaus. Zu der heutigen Sitzung des Unterhauses waren der ^rinz von Wales und sein Bruder, der Herzog von Jork, in der Hofloge erschienen. Der parlamentarische Sekretär des Schatzamtes teilte mit, daß es n i ch t i n der Absich tderRegierung liege, die L 0 n d 0 n e r Börse während der ganzen Dauer des Generalstreiks schließen zu lassen. Innenminister Johnson Hicks stellte den Antrag, das Haus möge die Regierung zu einer etwaigen Verlängerung. des über das Land verhängten N 0 t z u st a n d e s ermächtigen, denn nach den gesetzlichen Bestimmungen dürfe dieser Zustand ohne Zustimmung des Unterhauses nicht länger als einen Monat dauern. Die Regierung hoffe aber, daß sie von dieser Verlängerung keinen Gebrauch werde machen müffen. Der Notzustand werde es der Regierung ermöglichen, von gewissen Gebäuden, wie den Elektrizitäts- und Gaswerken, Besitz zu ergreifen. Der Minister des Innern teilte ferner tnit, daß er einen Umzug der Kommunisten verboten habe, damit keine Unruhe hervorgerusen werde. Lloyd George erklärte, nach seiner Meinung werde die gegenwärtige Krise nicht so schnell zu Ende gehen. Er. kritisierte dann die von der Regierung herausgegebene „B r i t i s h G a z e 1 t e" und meinte, die darin enthaltenen Angriffe gegen die Trade Unions verrieten groKn Mangel an Urteilskraft. Im Namen der Arbeiterpartei, teilte I. N. T h 0 m a s mit, daß der Genex'alrat "der Trade Unions allen Streikenden die formelle Anweisung gegeben habe, jehe Provokation, gegen Truppen oder Polizei zu vermeiden und nicht außer acht zu lasten, daß es sich um einen industriellen Streitfall und um nichts anderes handle. Pvemiermmist'er Baldtvin erNärte, keine Regierung könne unter welchen Umständen immer einem GeneralisMÄ nachgeben. In dem AugeMick, wo der Genevalftrelk b >e ding u n g s 'l 0 s abgesagt werde, sei die Regierung bereit, die Berhandlnngen wieder aufzunehm en, die, wie sie hoffe, zu einem erfolgreichen Ergebnis führen werden. Auch im Oberhaus fand eine Erörterung über ine Notvollmachten der Regierung statt. Lord B i r k e n h e a d erklärte im Namen der Regierung, diese sei nicht bereit, zu verhandeln, so lange die Drohung des Generalstreiks die Bevötterung beherrsche. Heute vormittags santz unter dem Vorsitze Ba ldwi »s ein Kabinettsrat statt, der sich, wie verlautet, mit den Notmaßnahmen d.e r Re.giernng befaßte. . Rordau in Lel-Awi« beigefetzt. Jerusalem, 5. Mai. Heute wurde in Tel-Awiw die feierliche Beisetzung Max Nord aus vollzogen. Dem Sarge folgten über 20.000 Menschen. Die Witwe und Tochter Nordaus waren zugegen. Die Gruft Nordaus befindet sich auf dem Friedhof, der zwischen den nach ihm benannten Stadtteilen Tel- Nordäu und Nordija liegt. In der Stadt ruhte während der Leichenfeier jede Arbeit. Re Frledenrverhaudlungen in Mchda. Udschda, 5. Mai. Azerkane und Haddu werden sich, wre sie mitteilert, erst bei Einbruch der Nacht einschrffen. Me -werden daher morgen früh in Udschda mi-ö der AnÜvort Md el KrimL eintreffen. ' Miuifterlrtse ln Belgien. Brüflel, 5. Mai. Der Minister des Innern ist mir 'der Begründung zurückgetreten, daß . der Ministerrat in den Ste.uergese tzen, vor allem in der Frage des Steuerzuschlages, keine Zugeständnisse machen tnoffte, durch die eine Beruhigung der Gemüter eingslrete» Ware. Auch der Kolonienminister hat demiffion«vt. Besonders blMlgcr d, StOffeH, Wosciiwflten etc. im Warenhaus FrQhtingnäkkasions Verkauf U.. Taborstrasse 48 Tsfephon Ed gras En detail