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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-05 · Heft 2585 (5.5.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2585 (5.5.1926)
Date
1926-05-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2885 Mm, MM-P Wmt MskWMttuM Sie itzrisch-paiSstinensifche Grenzkäse. Das mmrntn zwischen Lord Pwmer und de Jouvenel. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Jerusalem, 4. Mi. Die palästinensische „Official Gazette" veröffentlicht ein, zwischen den beiden Oberkommissären der Mandatsländer Syrien und Palästina, Henri de Jouvenel und Lord Plumer, geschlossenes gegenseitiges Abkommen, das gewisse administrative Grenzangelegenheiten Syriens und Palästinas regelt und das „Bon Voisinage Agreement" (Uebereinkommen zwecks guter Nachbarschaft) genannt wird. Die Artikel dieses Abkommens behandeln das Betreten der Grenzwege zwischen Libanon und Syrien einerseits und Palästina andererseits ohne Paß oder Ausweis, die Benützung dieser Wege im Notfall durch Militär, die freie Ueberschreitung der beiderseitigen Grenzen durch die ihr Vieh dort weidenden Einwohner, die.Erhebung von Abgaben auf Gritndstücken innerhalb eines Dorfes, das von der Grenzlinie durchschnitten wird, und auf Besitzungen, die isoliert liegen; hier sollen die Einkünfte zwischen den beiden Regierungen gemäß Festsetzung einer Kommission geteilt werden, die aus einem palästinensischen und einem syrischen Beamten und einem von diesen beiden gewählten Notabeln bestehen wird. Beide Kontrahenten verpflichten sich auf enge Z ns a m m e n a r b e i t zwischen den beiden Behörden jeder Seite der Grenze in allen Angelegenheiten der öffentlichen Sicherheit zu achten. Meinungsverschiedenheiten, betreffend die Interpretation einer Klausel des Agreements oder die Ausübung der Entscheidung der obengenannten Kommission sind durch ein direktes Uebereinkommen zwischen dem britischen und dem französischen Oberkommissär in Jerusalem und Beirut zu klären. Sollte auch eine solche Klärung nicht zustande kommen, so ist die Angelegenheit dem durch den Völkerbund konstituierten Internationalen Gerichtshof in Genf zu überweisen. Die Lage in Stzrien. Jerusalem, 3. Mai. (I. T. A.) Die Lage in Syrien wird hier iit der Meise beurteilt, daß die endgültige Pazifizierung dieses französischen Mandatslandes bald Tatsache sein wird. Dieser Tage wurde (wie von uns bereits berichtet) eine neue ' n a t i o na l - sy ri s ch e N e g i c r u n g mit D a m a d A h m a d N a m i an der Spitze gebildet. Das, politische Programm dieser Regierung, Äas sie dem Oberkommissär de Jouvenel unterbreitet hatte, umfaßt vier Abschnitte. In dem ersten Abschnitt, der die Beziehungen zn F ra n k r e i ch behandelt, wird vorgeschlagen, daß Syrien mit Frankreich einen ähnlichLn Vertrag abschließt wie England,ihn mit dem Irak abgeschlossen hat, das heißt auf dreißigWige Dauer. In dem zweiten Abschnitt werden die RichWnien der syrischen Verfassung dargelegt. In dem dritten Abschnitt gibt die syrische Regierung 'ihre feste Absicht fotttb, f r e u n d s ch a f t l i ch e Beziehungen zu den anderen Mandatsländern, insbesondere zu Palä st i n a und Irak, zu pflegen. In dem vierten Abschnitt wird die Notwendigkeit, der Errichtung eines modernen Hafens an der syrischen Küste dargelegt. Eine, französische Gruppe hat in der Gegend von B u r a k einen D r u s e n k o n v o I angegriffen, wobei mehrere- Drusen getötet und drei gefangengenommen, wurden. Die Dörfer D n r, T s a r a und Sam.ia halben sich unterworfen. PaMinabeluch Oes btitl che» flbntommiffdts im grak. Jerusalem, 4. Mai. (I. T. A.) Der britische Oberkommissär für den Irak, Sir Henry D e b b s, ist auf seiner Rückreise von London nach Bagdad in Jerusalem eingetroffen. Er wird einige Tage als Gast Lord P l u m e r s hier verweilen. Drei Millionen Dollar für jüdischen Häuserbau ln Palästina. Jerusalem, 3. Mai. (I. T. A.) Die französische Gesellschaft Syndicate Levant gibt bekannt, daß sie beschlossen habe, eine Anleihe von drei Millionen Dollar für Häuserbau in Palästina zu gewähren. Es wurde bereits ein Präliminarverfahren zwischen der französischen Gesellschaft und den Repräsentanten der jüdischen Häuserbausyndikate unterzeichnet. Die neuen palästinensischen Piche. Wie die palästinensischen Zeitungen berichten, sind bei der Palästinaregierung ans London die neuen palästinensischen Pässe bereits eingetroffen und sollen demnächst an die ins Ausland reisenden Palästinenser ausgefolgt werden. Diese Auslandspässe sind in den drei offiziellen Sprachen, Englisch, Arabisch und Hebräisch, und in Französisch ausgestellt und gleichen in ihrer Form den britischen Kvlonialpässen, ganz besonders dem kanadischen Paß. Die palästinensische Gemeinde- und Einwanderungsverorvnung. Mit dem 14. April 1926 sind laut einer in der „Offi- ^al Gazette" Palästinas vom 16. April erschienenen Order des High Cvmmissioner die Religionsgemeindeorganisations-Ordinance Nr. 19 vom Jahre 1926 sowie die Einwanderungs-(Ergänzungs-)Ordinance Nr. 20 vom Jahre 1926 in Kraft getreten, und zwar in der Form, in der sie in der „Official Gazette" von: 15. Februar, resp. vom 16. März 1926 veröffentlicht waren. krziehungsikinserenz der Zionisten Amerika», New-Iork, 3. Mai. (I. T. A.) Wie schon mitgeteilt, hat die amerikanische Zionistische Organisation eine Bewegung für jüdische Erz ick Li ng eingeleitet, die in allen Teilen der Vereinigten Staaten Fortschritte macht. Es wurde nunmehr beschlossen, am 16. Mai eine Erzichungskonftrenz der Juden ganz Amerikas abzuhallen. Die Gristttchen-Fmmigrationsbill. NLw-Aork, 28. April. (I. T. A.) Der Kongreß der Vereinigten Staaten hat die vom, New-Aorker jüdischen Kongreßmitglied Dickstein eingebrachte Bill, wonach Frauen und minderjährige Kinder von Rabbinern, die vor dem 1. Juli 1924 nach Amerika gekommen waren, außerhalb der Quote einwandern dürfen, angenommen. Die Bill sicht vor , daß auch Angehörige von G e i st l i ch e n a nd e rer Religio n e n sowie von Professoren den gleichen Vorzug genießen. Durch die Annahme dieser Bill ist ein Zustand lescitigt worden, der bisher Anlaß zu inehr als einer jüdischen Familientragödie gegeben har. Man hofft, -daß der Senat das Gesetz Projekt schon in den nächsten Tagen sanktionieren wird. ß Werbet AbounenteufLr die» I. „Wiener Morgeuzeitung" I Tubers und Rofeuzweigs Versuch einer neuen Bibelübersetzung. Bon Bernard Tag. Die zu sokühnen Unternehmen verbundene Arbeitsgemeinschaft Martin Bubers und Franz Nosenzw-eigs wird es Uk-s nicht-verdenken, wenn wir den ersten uns vorliegenden Band, -die Genesis''') — das gesamte Werk soll 20 Bände umfassen —, zunächst als einen Versuch bezeichnen. Nur daß dieser Versuch für die Erkenntnis -und Würdigung -dessen, >was der Plan einer vollständigen Neuübersetzung der Bibel ankündigt, schön an sich weit mehr bietet und bedeuten möchte, als eine bloße Kostprobe. Denn -mit dem ersten der Fünf Bücher Moses zieht nun -von neuem jenes Bild heraus, das einzig in seiner Art und -in seiner Deutung, in seiner Farbe und Zeichnung; und ba$ ans der Urzeiten Ferne so traut und heimlich und so nah uns berührt, weil es zu uns in der Sprache -des Herzens spricht: mit welchem anderen Minen wollen wir denn die Sprache der Bibel zuerst nennen? Und noch-in eine jede andere Sprache übertragen — wie hier wieder'einmal in die deutsche —, ist und bleibt sie die'Sprache des Herzens. Mit ihr haben wir einstmals um die Welt geworben; wollenwir -mit ihr »vieder um sie werben? , Zwei Momente sind es vornehmlich die für all'e Bibelübersetzung, in Betracht. kommen-: das eine ist von der Zeit und Zeitgeschichte bedingt, das andere vom Trieb, vielmehr Grundtrieb der Individualitäten, die in neuer Formung jene ins Werk setzen. Damit ordnet sich die Reihe und Folge der Bibelübersetzungen — von ihrem Beginn bis auf *).Die Schrift. Zn verdeutschen unternonunen von Martin Buber gememsam mit Franz Rosenzweig. Die fünf Bücher der Weisung. Erstes Buch. Das Buch Im Anfang. Berlin, Verlag Lanwert Schneider. unsere Tage — nahezu von selbst. Die einen stehen unter dem Zeichen großer, ja, weltgeschichtlicher Ereignisse, — sind gar ihrerseits diese Ereignisse selber; die anderen, an Bedeutung und Wirksamkeit wahrlich nicht gering, betreffen mehr und nmgre'.fen das Gebiet des Theoretischen, Problemhasten oder auch — Literarischen. An den Wende- und Krenznngspunkten der Bölkernnd Geistesgeschichte treten die ersteren ans: im Fluten und Gegen-einanderfluten dreier Strömungen, Hellenentum, Jndentum, Christentum, übt die Septuaginta, die Uebersetznng der B:bel ins Griechische, ihren Einfluß; ihr folgt als die jüngere Schwester die lateinische Vulgata, die offizielle Bibel und das Lieblingsbnch des Katholizismus — w:e es sodann —, nach einem Jahrtausend — . im Sturm der größten christlichen Revolution, das Christentum in zwei gewaltige Lager anseinanderbrechen-d, die Lucherbibol für -den Protestantismus geworden ist. Von all den -konzentrischen Kreisen innerhalb der -Völker, Staaten, Kulturen, di-e seitdem in religiösen Kämpfen oder in der Stille religiösen Lebens, nur das -Bibelwort als den beständigen Pol und Mittelpunkt sich bewegen, davon spricht und erzählt eine zweitansendjährige Geschichte -dieser Staaten, Völker, Kulturen: mit der U-ebertragnng -der Bibel in i h r e 6 esonde r-e n Sprachen strömen unermeßliche Wirkungen in das gesamte Leben des Abendlandes; irr sein Glauben und Denken, in seine Kunst und Dichtkunst. Noch in diese Kategorie gehörig ist d.e deutsche Bibelübersetzung M e n d e l s s o h n: nationalgefch:cht-lich eine neue Epoche des Judentums einleitend, erregend, sanktionierend; und vom weltgeschichtlichen Zng umwittert eines kosmopolitisch sich orientierenden Zeitalters. Damit scheint die Reihe der h i st o r i sch e n, tief ins Allgemeine wirkenden Bibelübersetzungen geschlossen; und mit ihnen schließt eitle Zeit, in welcher der rationalistische 5 Wa? m STeff« 3 Wieder eröffnet! Hotel National Wien, ü. Taborstrasse 18 Telephon 42,»5-93 Vollständig neu eingerichtet, zentiale Lage, 200 Zimmer mit Messendem kalten u. warmen Wasser, Bäder, Zentralheizung, Lift. Kaffeehaus und Restaurant im Hause! Mfiiifge Prelle! Neue Leitung! Rumänien »nv Oer Zionisrnn» Bukarest, 4. Mai. (I. T. A.) Der Minister für Auswärtige Angelegenheiten M i t bl e a tt u empfing den Vertreter der zionistischen Weltorganisation Dr. Olschwa ng e r und sprach ihm gegertüber die Syntpathie der Negierung Rumäniens für die Bestrebungen der zionistischen Weltorganisation in Palästina aus. Der Minister gab auch das Versprechen, daß die Regierung der gegenwärtig im Zusammenhang mit dem „Monat der Zionistischen Organisation" vor sich gehenden Kampagne für Zionismus und Palästinaanfban in jeder Weise ihren Schutz wird angedeihen lassen. Die iäbifdjen Kandidaturen in Rumänien. Bukarest, 3. Mai. (I. T. A.) Wie schon mitgeteilt, werden Juden sowohl auf den Listen der Regi-erungsParteien,.als auch auf den Listen der Opposition kandidieren. Der nationale jüdische Mock wirb seine Arbeit auf die Unterstützung jüdischer Kandidaturen im allgemeinen konzentrieren. Tie Union rumänischer Juden, die dem jüdischen Block nicht an-g-ehört, verhandelt gegenwärtig mit dem rumänischen Demokratenblock bezüglich eines Wahlbündnisses. Auf -deit Liften der Regierungsparteien kandidieren: In der Bukowina die Juden S t r e i t ma n n und Wurmb r a n -d, in Beßarabi^n Gutnik und Advokat Hugo F r i e d m a n m in Kischrnew Dr. B e r c o v i c i. , Gegenüber einer Meldung des „Adeverul", -wonach der Führer der Buko-winaer Juden, Dr. Mayer Ebner, um -die Aufnahme in die Averescn-Partei angesucht habe, erklärt Dr. Mayer-Ebner in der Presse, daß dies nicht zntrifft und sagt weiter: „Da ich nicht Rumäne mosaischer Konfession bin, sondern ru-mänischer Staatsbürger ' j ü d i s ch e r Nationalität, kann für mich -die Zugchörigkelt'zu einer anderen nationalen Partei nicht in Frage kommen." Dr. St rauch-er wird in Czerncwitz ans die liberale Liste kandidieren. Die C u z a - P a r t e i stellt in der Bukowina eigene Listen aus. Unter den Kandidaten befindet sich der Präfektenmörder Celea C ob r ea n u, der in Kml,Polung /kandidiert. Abor Whardts Pressereform. lEigendicnst der „Wiener Morgenzeitung".) > Budapest, 4. Mai. Die Nationalversammlung begann heute die Speziäldebatte über das Budget. Beim Budget des Mittisterpräsidiuitts besprach der Sozialist Emmerich S z a b o das ungarische Zeitungswesen und kritisierte die hohen Beträge, die in dem Budget für die Info rm i e r u n g d e r a u s l ä n d i s ch e n P'r e s s e eingestellt seien, während die heimische Presse stark geknebelt werde. Szabo fordert Wiederherstellung der Preßfreiheit. Der Führer der Rassenschntzler Tibor Eckhardt ' stellte mit Befriedigung fest, daß die Regierurtg sich endlich dazu entschlossen habe, das Erscheinen des „Bilag" einzustellen. Eckhardt forderte von der Regierung weitere Geist gleichsam noch einen letzten Tribut entrichtet den historischen, will sagen: historisch-religiösen Ueberlieferungen, aber selber schon behaftet mit den..Zeichen beg'nnenber Auflösung der positiven Religion. Scharf schneidet sich von hier ab die nun folgende Zeit und jede -weitere, ihr nun nachfolgende. . Bleiben wir bei der Linie der Bibelübersetzungen! Mit geringen Ansliahmen hat sich :hr Charakter jetzt völlig gewandelt, wie sich ja der Geist der Zeit in seiner Einstellung zur Bibel inzwischen gewandelt hat. Di-e religiöse Grundstiminung, von welcher noch alle bisherige Bibelübersetzung getragen war, weicht mm immer mehr jener kritischen Haltung, die, aus lange schon keimenden Ansätzen sich erzeugend, die Epoche der B i b e lw i ss-e n scha f t und mit ihr der B ib-e l k r i t i k hera-nsführt. War die Uebersetzung bisher eine Mittlerin der „Schrift" in ihrem religiösen Inhalt, so wird-sie jetzt immer 'mehr zu -einem formalen Hilfsm:tt-el in der kritischen Behandlung der Bibel, genauer, in der Dolomposition deli'-elben. Will man nun mit einem auch nur knappen Worte die zwei Tendenzen kennzeichnen, die sich-in dem wissenschaftlichen Prozeß um den Bestand -der Bibel besonders bentlich erkennen lassen, so wird man sagen dürfen: die Träger der einen Tendenz entfreniden sich innner mehr dem Urphänomen der Religion; ihnen erscheint jede Methode wissertschaftlich -fundiert und berechtigt, sofern sie zur Atomisierung und Auflösung der Religion ihren Beitrag geliefert, richtiger — ihren Abtrag bewirkt hat: ein völliger r-eligiöser Nihilismus scheint das Ziel zu sein, dem hier leichten Herzens und leichten Sinnes entgegengesteu-ort w'rd, mag mit der Zerstörung der Positiven religiösen Inhalte auch alle Re-ligiosität m die Brüche gehen; die Vertreter der anderen R.chtnng — das Prinzip fr-ei-er Forschung als »tu angeborenes Recht der Menschennatur durchaus Wahrend, aber auch der Stanlne religiösen JunerzlehMs

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