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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-05 · Heft 2585 (5.5.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2585 (5.5.1926)
Date
1926-05-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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„ dette I Mn. M'riKsH Wiener MokstettzMtKft JwiioRdUm Gebiet str die Abrüstung eintret«, im fttiefte» Lande der Welt eine der grausamsten Arte« von Krieg erlebe. Lord Londonderry, selbst Grnbenbesttzer, erklärte, die Ansicht der englischen Arbeiter, -aß «in direkter Angriff ans ihre Lebenshaltung unternommen werde, müsse auf immer behoben werden. Lord Balsour erklärte, die augenblickliche Krise sei ohne Beispiel in der englischen Geschichte. Wen« die Regierung die ganze Berantworttichkelt den Gewerkschaften überlassen sollte, würde sie unter dem Mantel der Regelung eines industriellen Streites eine der verhängnisvollsten und tragischesten Revolntionen der Geschichte vollzogen haben. Ler Prinz von Wales ist heut«, aus Biarritz kommend, in Paris eingetrosfen. Entgegen seiner früheren Absicht, einige Tage in Paris zu verweilen, wird er sich wegen des Streiks in England bereits heute abends im Flugzeug nach Lündon begeben. Der kommunistische Abgeordnete Saklatvala, der gestern wegen aufreizenden Reden verhaftet wurde, ist heute nachmittags gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt worden, nachdem er ehrenwörtlich versprochen hatte, weiterhin keine aufrührerischen Reden mehr zu halten. Ae Prollamlemng des Ausnahmszustandes. London, 4. Mai. Die Verordnung des Königs über den Ausnahmezustand hat folgenden Wortlaut: „Da durch die gegenwärtige Drohung der Arbeitseinstellung in den Kohlengruben nach unserer Ansicht eine Notstandslage gemäß dcm Notstandsgesetz vom Jahre 1920 geschaffen wird, erklären wir im Verfolg des besagten Gesetzes und auf Vorschlag unseres geheimen Rates, daß eine Notstandslage besteht. — Gegegeben an unserem Hofe im Buckingham- Palast, 30. April 1926." Die Erklärung des Ausnahmezustandes gibt der Regierung umfassende Vollmachten zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherung der Wirtschaft. LSngere Streikdauer? Amsterdam, 4. Mai. Der heute von seinen Verhandlungen mit dem englischen Trade-Ilnion-Kongreß zurückgekehrte englische Sekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes, Brown, erklärte einem Mitarbeiter von „Het Volk", daß seiner Ueberzeugung nach dieser gewaltige Zusammenstoß zwischen Kapitalisten und Arbeitern nicht viel länger als eine Woche dauern werde. „Manchester Guardian" in Maschinschrist. London, 4. Mai. „Manchester Guardian" stellt seinen. Abonnenten ein kleines mit Schreibmaschine geschriebenes Blatt, das Nachrichten und Kommen-, tare enthalten soll, in Aussicht. Das Blatt kritisiert sowohl, die Gewerkschaften als/arrch die Regierung. Es schreibt, der Beschluß des Gewerkschaftskongresses, die Presse zum Schweigen zu bringen, gebe der Regierung, die durch ihre Kontrolle' des Rundisunkes ein vollkommenes Monopol in der Bevbveitung der Nachrichten und von politischen Memnngsäußerungen haben werde, ein äußerst gefährliches Machtmittel in die. Hand. Ku-Klux-Klan in London. London, 4. Mai. Gestern ist in London eine Ku-Klux- Klan-Gruppe gegründet worden. Die Mitglieder versammelten sich in der Memorial' Hall. Daran anschließend fand ein Umzug statt, in welchem ein rotes und ein' weißes Kreuz vor der englischen Fahne getragen wurde. Die Vorsitzen!^, eine Miß White, erklärte, daß sie die Organisation gegründet habe, um die „R einheit°' der protestantischen Religion" aufrecht zu erhalten. Krähender dost- und Telegraphenftrett ln Frankreich. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 4. Mai. In Frankreich droht ein Streik der Post- und Tsle.graphenbeamten anHzubrechen. Der heute w Paris eröffnete Kongreß der Post- und Telegraphenangestellten faßte eine Entschließung, in der die Beamtenschaft erklärt, die an und für sich schon schwierige Lage des Landes nicht noch mchr verschlimmern zu wollen,- ein 'weiteres Marten aus die Erfüllung der seit zwei Jahren vergeblich erhobenen Forderungen aber als unmöglich bezeichnet wird. Die Beamtenschaft wird ausgefordert, sich für eine vielleicht schon demnächst bevorstehende Aktion bereitz-uhalten. Verdoppelung der Lustfahrttarifes Paris- London. Paris, 4. Mai. Da infolge des Generalstreiks in England zahlreiche in Frankreich weilende Engländer auf dem Luftwege nach London zurückzukehren wünschen, hat die französische Luftverkehrsgesellschaft, „um eine etwaige Ueberfüllung zu verhindern", den Tarif für die Strecke Paris—London verdoppelt. Mutiger Fischerkamps aus dem Geuerarethiee. Aus Jerusalem meldet I. T. A.: Während des nächtlichen Fsschens ans dem Genezarethsee griff eine Gruppe von 15 arabischen Fischern, die bei dem Juden Goldzweig und dem Araber Scheck) ade bedien stet sind, eine andere arabische FischergrMe, die für den Mischen Kaufmann M a s s o u d arbeitet, an lind tötete drei Männer des Msjoud-Bootes durch Schüsse. Man zählt auch Verwundete. England im Generalstreik. -7. Wien, b. Mai. Sekt gestern Mitternacht steht England unter dem Generalstreik. Der König hat mit Zustimmung der großen Mehrheit des Unterhauses den Ausnahmszustand proklamiert, die Lebensmittelversorgung, die Eisenbahnen und der Schiffsverkehr, sino unter staatliche Kontrolle gestellt worden. Die Zeitungen erscheinen nur sehr spärlich; England ist nur mehr durch die Kabellinien und die beschlagnahmten Radiosender mit der übrigen Welt in Verbindung. Fünf Millionen Arbeiter befinden sich im Ausstand, das ist, auf die tatsächlichen Verhältnisse gerechnet, fast die gesamte Bevölkerung des Landes. Dieser Streik greift aber nicht bloß tief in das Leben Englands ein, er ist auch ein für die Weltwirtschaft folgenschweres Ereignis. Er ist kein gewöhnlicher Lohnkampf, sondern ein politisches Duell zwischen den radikalisierten Flügeln des Bürgertums und der Arbeiterschaft; eine der Sturmwellen, die die soziale Revolution des Weltkrieges cutf die englische Insel hinüberbranden läßt. Die letzten Stadien, die der Proklamierung des Generalstreiks vorangingen, zeigen den politischen Kampfcharakter. An die seit Monaten mit immer steigender Verschärfung geführten Verhandlungen warfen die Industriellen plötzlich die Drohung der Aussperrung. der Bergwerksarbeiter, was die Gewerkschaften mit der Drohung beantworteten, die Solidarität aller Arbeiter anzurufen. Das eine Ultimatum stieß auf das andere und beide wurden dnrchgeführt. Das Prestige siegte über die praktische Erwägung. Generalstreik ist Krieg und jeder Krieg ist nur ein Beweis für die Unvernunft und die Unfähigkeit der Führer der Beteiligten, eine Streitfrage im Wege der Verhandlung zu lösen. Die Ultima ratio ist ein bequemes Auskunftsmittel. Sie schiebt die Austragung der Differenz aus die Unbeteiligten und da diese gewöhnlich in der übergroßen Mehrheit sind, trifft , sie me Konsequenz mit potenzierter Härte. Die Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind auf Aussperrung und Streik gefaßt. Die einen sammeln Vorräte an, die anderen stellen ihre Kassen in Bereitschaft. Aber die von den Streikenden abhängigen Schichten der Bevölkerung, die kleinen Kaufleute und Lebensmittelhändler, besitzen diese Möglichkeiten - nicht und sie tragen die Last des Kampfes. Auf ihrem Rücken wrrd er ansgefochten und sie sind, wie der kleine Mann im Kriege, wehrlos gegenüber der Katastrophe. Vollends, wenn sie solche Dimensionen annimmt, wie jetzt in England. Die Ausläufer dieses Streiks reichen über die ganze Welt und machen wieder einmal den Zusammenhang der Verhältnisse klar. Wenngleich vielleicht für den Augenblick eine Belebung der kontinentalen Kohlenproduktion eintreten wird, so ist doch in der weiteren Zukunft eine schwere Beeinträchtigung des Wirtschaftslebens zu erwarten, die sich unter der ohnedies herrschenden Anämie noch viel verhängnisvoller gestaltenwird. Die Gefahr einer politischen Erschütterung, die über England hinaus wirkt, ist um-so größer, da.auch in dieser Frage Lebenssorgen des Kontinentes zusammenlaufen. Das so, schwere Kohlenproblem hat unheimliche Aktualität erhalten und der unwillkürlich gezogene Vergleich zu den Mobilisierungstagen des Jahres 1914 hat vollste Berechtigung. Liegen doch die Wurzeln auch dieser Situation im Weltkrieg und die unausweichliche Mechanik des- Streiks zieht' immer weitere- Gebiete des Wirtschaftslebens in ihren Bereich. Daß die Möglichkeiten' einer friedlichen Lösung des Konfliktes nicht erschöpft wurden, darin stimmen alle Meldungen aus London überein. Noch knapp Jn zwölfter Stunde zeigten sich Macdonald und Thomas auf der einen Seite, Baldwin als Premierminister auf der anderen Seite bemüht, einer neuerlichen Aussprache die Wege zu ebnen. Baldwin hat in seiner Unterhausrede den Generalrat der Gewerkschaften als eine diktatorische Nebenregierung bezeichnet. Trotz dieser scharfen Sprache bestand die Geneigtheit zu einer Verhandlung und es war bereits die Formel gefunden, daß innerhalb der nächsten zwei Wochen bei Fortdauer der staatlichen-Zuschüsse an die Unternehmer eine Einigung auf der Basis >es Samuelschen Kommissionsberichtes versucht werden olle. Welche Einflüsse sich, in diesem Augenblick geltend machten, um 'das Verhängnis zu beschleunigen, ist einstweilen unbekannt. Aber man geht wohl nicht fehl, wenn man das faszistische Scharfmachertum und seinen bolschewikischen Antipoden als die Schuldigen ansieht. Bei diesen Flügeln besteht, naturgemäß das stärkste Interesse an emer Verschärfung der Gegensätze und an einer Lähmung'des Schaffensprozesses. Je bunter es zu- Heht, je höher die Verbitterung ansteigt, um so besser ür den nihilistischen Anarchismus und seine lichtscheuen Zwecke, die näherrücken, je weiter die Verwirrung anteigt. Die soziale Krankheit des Kontinents hat auch Iber den Kanal gegriffen und es wird für die Widerstandskraft Englands eine harte Probe werden, von deren Ausgang das Schicksal Europas mitbestimmt werden wird. _ Sr. Kllegler reift nach Weftasrika. Jerusalem, 4. Mai. (I. T. A.) Der Direktor der Hygienefakultät hebräischen Universität, Dr. Kllegler, begab sich als Mitglied des Nockefeller-Jnstituts nach W e st a f r i k a zwecks Erforschung des gelben Fiebers und anderer tropischer Krankheiten, ' S.MällM 9fr.»» geladen werden. — Tagesordnung: /. Wichtige Berichte: 2. Nationalanleihe oder Volkerbundanleihe? Das Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Ing. Robert Stricker, Obmann. In Österreich organisierte Zionist*n, die dem Klub beitreten tbotlen, sind willkommen I Morgen Donnerstag den 6. Mat 1926 um 8 Uhr abends findet Im Cate »Ilion*, M., Löwengasse 39. ein« VOI.LVEIISIIHHI.Uii II Klub radikaler Zionisten Die grzieljuns zur BMerbimMee. Von dipl. Kaufmann Emil Fichmann. Die Erziehungsmethode der Jugend in Schule uns Hem: ist heute grundverschieden von der vor dem Kriege^ Früher hatte sie zum Ziel, Furcht und Respekt vor cm£nt angestammten Herrscherhause emzuflößeri, j^tzt Achtung rmd Liebe allen Mitmenschen gegenüber zu fühlen. Früher war. sie streng und unfrei, jetzt ist sie mild und frei. Weint es iauch nicht eingestanden wird, jederzeit hat un.'d hattö Erziehung den Zweck, den Ansatz zur politische Anschauung zu legen. Die Beziehung von Mensch zu Volk, von Staat zu Staat, ist, praktisch angewendet, Politik. Die bestehenden Fragen und Interessen waren und sind vorhanden, selbst wenn man sie durch den Hinweis.auf das garstige Lied, abzulehnen versuchte; es ist nicht möglich. Wie jede, von! Viele,: gebrauchte Idee, zeigt auch die politische den Ausdruck der Häßlichkeit: die Anständigen lehnen ihn be-» dingungslos ab. # Auch im politischen Leben der Völker läßt sich eine! Unterscheidung machen. Früher war Absperrung, jetzt ist Annäherung. Hier liegt ein scheinbarer Widerspruch, der nur auf wirtschaftlichem Gebiete vorhanden ist. Der Grund liegt darin, daß die neuen mitteleuropäischen Staaten zur Orten-- tierung und Konsolidierung eine einflußlose Selbständige feit nötig haben. Trotzdem ist die Geneigtheit zur Aninähe-, rung Md Versöhnung da. Die ersten Ansätze konnten ersts in der Zeit der Ruhe Md Sammlung, nach dem Kriegs kommen. Aus dieser Stimmung heraus ist die Gründung; des.Völkerbundes zu verstehen. Die Ligen für Völkerbund sind die Folge, sie haben sich die Verbreitung des wahren! Völkerbundgedankens zur Aufgabe gemacht. Gegen die Jveej läßt sich kaum ein Einwand erheben- Die mmstein faXtenJ in sich zusammen. Die Entgegnung, daß sich diese Jttstitu" tion nicht bewährt hätte, ist Mrichtig. Wenn, man bisher nicht imstande war, größere Erfolge zu erreichen, so liegt! die Erklärung darin, daß ein so junges Werk gerade zu! Beginn die größten Schwierigkeiten zu überwinden hat. Dia Aussicht ans einen dauernden Erfolg kann aber nur daun! erreicht werden, wenn unter Beteiligung aller Nationen Md Menschen unablässig am Ausbau gearbeitet wird.' Für die Juden ist die Mithilfe aus zwei Gründen besonders wichtig. Die Juden als Volk des Friedens haben Ursache und besondere Fähigkeit an dieser Institution mitzuhelfen. Sie haben allein bis jetzt zur Vertiefung des! Gedankens und zur Ausführung viel getan. Die Juden! als Nation können in: Nahmen des Weltverbandes der; Ligen und des Völkerbundes am besten ihre Forderungen zur öffentlichen Diskussion und völkerrechtlichen Anerkennung bringen. Die Schwierigkeiten werden hier um so geringer sein, weil schon allein durch das Problem! der Minderheit anderer Völker das Verständnis tzes! jüdischen auch leichter wird. Hier öffnet sich der ganzen jüdischen Jugend ein weites Feld der Arbeit. Neben materiellen Sorge,: wird sie rem geistige zu tragen haben. Das Aufklärnngswerk wiroj bei der Jugend als Erziehungswerk begiMöN müspn. Di,; Jugend wird dadurch.mithelfen können, die Zahl Träger der Völkerbundidee zu vermehr"'- Lskar Strauß gestorben. In N e iw - N o r k ist am Sonntag der frühere amerikanische Botschafter in Konstantinopel, Oskar Strauß, gestorben. Oskar Salomon Strauß entstammte einer jüdischen Familie aus der bayrischen Pfalz und kam 1864 als vierjähriges Kind nach Amerika-. 1873 bis 1881 war er als Rechtsa n w a l t in New-GM tätig und trat dann in die von seinem Vater und seiMm älteren Bruder Nathan — dem nachmaligen berühmten Philanthropen — gegründete Importfirma (keramische und GlaAvaren) L. Strauß u. Sons ein. 1906 verließ er das Geschäftsleben und wurde, ein namhafter An'hänger der republikanijschen Partei, 1687 als außerordentlicher Bevollmächtigter nach Konstantinopel geischickt, wo e-r 'bis IM verblieb. Unter Roostvelt war er 1906-09 Handelsmiuister und ging dann wieder aus ein Ja'hr als Botschafter nach KonstantinopÄ. Selcher war er in einer Reihe von Ehrenämtern tätig, so als Schieds-. Achter in LohnlonMen. Seit 1902 war er auch Mitglied d" Permanenten Schiedsgerichtshofes im »Haag. Las Meeting der Aionisten-Revisionisieu. Heute un: 8 Uhr abends findet im Festsaal des .Hotel Kontinental (2. Boz., Taborstraße 2) das mehrfach angMndigte Masse,Meeting der Ziowisten-Revtsionisten statt. Essprecheu über die Krise im Zionismus, die Lage in PMstiua und die Fordes rungen der Zioniften-Revisionisten die Herren Benjamin A kz i n, Dr. Paul I. Diamant, Charles B. Kirsh, Hauiptmanu der Mischen Legion, und Dr. Alfred Spitz- Am Sonntag um 11 llhr vormittags werden die Zionisten-» Revisionisten am Grabe Theodor Hcr-ls ans dem Döblinger Friedhof einen Kranz niederlegen.

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