Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2584 (4.5.1926)
- Date
- 1926-05-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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MI f WM, MNMg ....■ .. I « » ■ * nHldiiCiiiii vibun Neubau*« nrm P2 man» vStmaksW deti 6. Mtf tim «/, y Uhr sbends, im 8ss!e des PTottemKinüt, VI., MarUhilferrtfÄise 884T . PESTABEND Ansprachen: Oberrabbiner Dr. L P. Chafos, Oemeinderat Dr. Leopold PU § Akts J Vortrag Felix Saiten / Vorführung des neuesten Paiastina-FHms / Chor and Sologesang: (Her. kantor Mäller mit Tempelchor des Pazmanitentettipeis (Öirigeftt J.Hirschmann) / Vfolinsolo, Herr Kapellmeister /. Geiger (Am Klarier Frau Kapellmeister Geiger) Karten im Barverkauf a I 2 - beli Zionist. L«deskoinite«(H. Zahler), I., KSrntoerstff.ti« "28, Tel. 67-4-85, 77-4-87; Kwatwefhtltte Be*.-Rat Ü.Koho, VI„ Mariahilferitrasse 101, Tel. 5010; Emil Diokateln, Vll, Wulbahnstrasse 38, Tel. 39.243; Elias Feiger, VII., Siebenstern-?am 39, Lee Feifer. VIL, Nenbauyasse 77, Tel. 31.391; Hermann Kirsdiner. Vll., " - -- " ... * Möbelhaus M. Koblit*. VlII., L. Storch, VIII., JosefstSdter- VI/V1IL. Beanoplets Ia. Tel. X1L, Hanptstr, 32; Buchstr.140 Tel. 35J38 ivanersir. co; max ocnuis, m, vurzAasse uoi Lertshenfelderatr. 66. Tel. 26.646; TaschnergesehSH stresse 36, Tel. 26.867; Zionistische Bexirkstektion St, 36,369$ phetOLraphksehes AWIÜr Josef Anfriel handlunc J. L Pollalc, XV., Mariahilfer sicht heraufbsschwormi, auf das Parlament einen Druck ausznüben. So stehe ttutt bas Land vor 8er SntfcheÄmng, enttvSdw sich zu Grunde richten zu lassen oder hohe TttchUn zu zahlen, um ganz unberechtigter Weise eine Industrie zu unterstützen.' Die Regierung werde die Suibstdicn nicht weiter bezahlen, wenn sie nicht die Garantie habe, daß die Kchleirinduiftrie sich selbst erhalten werde. Trotz des starken Widerspruches bei der Qpposttiow hei zahreichen Stellen der Rede Churchills ist es bemerkenAverh daß sich am Schluffe der Rede Churchills Thomas erhob, um dem Premierminister zu fragen, ob Churchills ErMrung bedeute, dich, wenn die Generalstreikankündigung zurückgezogen würde, die Regierung dafür sorgen werde, daß die Kündigungen seitens der GrubenbeWr zurückgezogen werden. Thomas fügte auffallenderweise hinzu, er erwarte keine sofortige Antwort. Sofort nach der Rede Churchills wurden Beratungen zwischen den KabÄiettsmitglÄdsrn ^bgehalten. Um 9 Uhr 8V Mn. ctbends begann eine Besprechung der Minister mit den Gewerkschaftsführern. Der König in London. Der König hat sich vormittags vom Schloß Windsor nach dem Buckingham-Palast begeben, um mit den weiteren Ereigniffen in Fühlung zu bleiben. Eine Jnsultierung Churchills. . Als Schatzkanzler Churchill Downing Street verließ und in Whi te hals einbog, wurde er von der dort angesammelten Menschenmenge umringt, so daß er sich in das Gebäude des Innenminister iums flüchten mußte. London ohne Aeitungen. Nachdem heute die Setzer der „Daily Mail" als .Protest gegen einen Artikel, -er gegen die Führer der Bergleute gerichtet war, die Arbeit niä>ergeiegt haben, sind nachmit-- tags auch die ,Mvening News" und der ,/Lvening S t a n d a r b" ant Erscheinen verhindert. Die Setzer forderten die Entfernung eines Artikels, der die Rekrutierung von Arbeitsfreiwilligen behandelte. Ob die morgigen Frühblätter erscheinen können, ist n o ch ungewiß. Wenn die Setzer sich beim Ausbruch des Generalstreiks an die Strerkparole halten, dann würden sie um 12 Uhr Mitternacht, also vor Fertig. stellungderBlätter, ihre Arbeit wederlegen und London wäre morgen ohne Zeitungen. Die Reorganifiernng des Völkerbundes. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berttn» 3. Mai. Wie die „Bossifche Zeitung" erfahren will, wurde in einer Fühlungnahme unter den Mächten die folgende Neugestaltung des Völkerbundes formuliert:. Der. Völkerbund wird vergrößert. Es werden drei Kategorien von RatSsitze n. geschaffen, und zwar: 1. Ständige S i tz e, die . ausschlieUich den Ä r o ßmachten Vorbehalten bleiben. In der Septembertagung würde also nur Deutschland einen neuen ständigen Ratssitz erhallen und die Zahl der ständigen Sitze könnte nur erhöht werden, wenn etwa die Bereinigten Staaten oder Rußland Mitglieder des Völkerbundes werden sollten, 2. Halbständige Sitze, die zunächst für die Dauer von sechs Jahren vergeben werden, mit dem Rechte der Wiederwahl dieser Ratsmitglieder nach Ablauf der sechsjährigen Frist. Bei der Einrichtung dieser halbstündigen Sitze ist vor allem an Spanien, Polen, Brasilien und die kleine Entente gedacht. 8. Nichtständige Sitze, dir aus die Dauer von drei Jahren vergeben werden. . Sie tschechische« LegiouSre gegen dr« Farrirma». Prag, 3. Mai. Vertreter der tschechoslowakischen Legionär« gemeinde halben in einer gestern.abgehaltenen Tagung eine Entschließung angenommen, in der unter anderem erklärt wird, daß sie in den jetzigen politischen und wirtschaftlich- Walen Schwierigkeiten entschieden auf der Grundlage der politischen und wirtschaftlichen Demokratie stehen und an den diesbezüglichen Richtlinien festhalten. Die. Legionärgemeinde spricht sich gegen die Kommunistenwie auch gegen eine saszistische Diktator und gegen eine Hin?inziehung der Armee in i n nerpolit ische und Parteisynf l i k t e aus. Wskllrr MEffkRMkMA 4. MM E Nk. NW Ser große i e n. 4. Mai. Wenn nicht in letzter Stunde ein völlig unvorhergesehener Bevmittkungsvorschlag austaucht, wird ln England um Mitternacht ein Generalstreik beginnen, der seinesgleichen weder in der Wirtschaftsgeschichte Englands noch in der der übrigen Welt finden dürfte. Keine Eisenbahn wird verkehren, an den DvckS werden die Schiffe nicht ausgelaven werden können, die Metallindustrie Englands, die neben der Kohlenindustrie das Rückgrat seiner Wirtschaft bildet, wird völlig stillestehen, die Elektrizitätswerke werden keinen Strom versenden und keine Zeitung wird künden, was sich mittlerweile in England ereignet, Die Kohlenarbeiter streiken schon seit 24 Stunden. Sie haben den Ausbruch der Krise verursacht und die übrigen Arbeiter wollen ihnen nunmehr die Durchsetzung ihrer Forderungen ermöglichen. Fünf Millionen Arbeiter sollen nunmehr feiern. England hat wohl viele soziale Krisen durchgemacht: es hat schon einmal vor dem Kriege einen GeneralstrÄr begonnen, der aber rasch wieder abgeblasen wurde. teute liegen die Verhältnisse ganz anders. Die sozialen egensätze haben in den Kriegs- und Nachkriegsjahren eine ungeheure Verschärfung erfahren. Allerdings darf eines dabei nicht übersehen werden: Der englische Arbeiter unterscheidet sich in seiner Auffassung sehr stark vom Arbeiter des Kontinents. Er ist nicht auf eine politische Richtung eingeschustert, Wie dies in anderen Staaten der Fall ist. Große Massen englischer Arbeiter haben namentlich in den Zeiten der Zolltarifkämpfe und der Bekämpfung des Freihandels ihre Stimmen den konservativen Kandidaten gegeben. Nur durch eine Vereinigung der Gewerkschaftsvertreter der Fabier und der wenigen sozialistisch orientierten Arbeitervertreter ist vor dem Kriege zu einer Zeit, wo die Sozialdemokratie Deutschlands die stärkste proletarische Partei war, in England die Parlamentsorganisation der Independent Labour Party entstanden. Der englische Arbeiter hat seit jeher einen gewiffen Einschlag ins Bürgerliche. Nur ein geringer Prozentsatz ist revolutionär orientiert. Die GewerksHaft, die wirtschaftliche Interessenvertretung ist die einzige Organisation, die alle Arbeiter ohne Unterschied der politischen Einstellung in sich vereinigt. Der Gewerkschaftskongreß ist die oberste Vertretung dieser Schichten. Ev hat den Generalstreik beschlossen, die Durchführung liegt aber nicht in der Hand des Kongresses, welcher sich durch leidenschaftliche Reden allzusehr beeinflussen ließe, sondern im Generalrat der Gewerkschaften, in welchem auch sehr ruhige Elemente die Mehrheit bilden. Er repräsentiert die Einheit sämtlicher Arbeiter. Dieser Generakrat steht nun als ebenbürtige Instanz der Regierung gegenüber, die unter der Leitung Baldwins ebenfalls sine ira et studio die Position der Wirtschaft zu vertreten sucht. Der Generalstreik hat seinen Ausgangspunkt in der ungünstigen Lage der englischen Kohlenindustrie. Eine Kommission, welche unter dem Vorsitze Samuels, des früheren palästinensischen Gouverneurs die Lage der Kohlenindustrie untersuchte, kam zu dem Ergebnisse, daß eine Behebung der Kohlenkrise nur dann möglich sei, wenn die Arbeiter zu dem Lohnniveau vor dem Ruhrkonflikt, also zu den niedrigeren Löhnen des Jahres 1921 zurückkehren, daß sie das Prinzip des Siebenstundentages verlassen und wieder zum Achstundentag zurückkehren, daß aber andererseits die Kohlenindustrie eine durchgreifende Neuorganisierung vornehmen müsse, um der Weltmarktkonkurrenz gewachsen zu sein. Dennoch sind die Schwierigkeiten in erster Reihe aus Prestigefragen entstanden. Die Arbeiter erklären, nur dann in eine Lohnreduktion eingehen zu können, wenn Garantien für die Durchführung der Neuorganisation gegeben werden. Hier aber zeigen die Unternehmer einen zurückhaltenden Standpunkt. Die Garantien sind nicht zu erreichen und gerade in der Frage dieser Garantien haben sich die Verhandlungen zersplittert. Ein unverständlicher Standpunkt, wenn berücksichtigt wird, daß das gesamte Wirtschaftsleben Englands dadurch ins Stocken geraten kann, da der Generalstreik schon seit einiger Zeit angedroht war. Die Hintergründe des Streiks und der Gegensätze liegen aber viel tiefer. Es/handelt sich tatsächlich nicht nur um die Garantien, sondern vielmehr um die ganze Organisation des englischen Wirtschaftslebens. Es ist kein Zufall, daß Lloyd George die Streikenden mit seiner Sympathie begrüßte. Lange vor dem Kriege, als er im Jahre 1910 eine größere Nolle im Parlamente zu spielen begann, hat er das Moment der Verstaatlichung wichtiger Unternehmungen und die Expropriierung der Lanolords als Schlagworte, in die Mengen geworfen. Das Problem )er Verstaatlichung der Kohlengruben ist seither nicht von der Tagesordnung der öffentlichen Diskussion gewichen. Die Privatindustrie ist nicht imstande, aus eigener Kraft der Weltwirtschaftskrise zu begegnen. Es soll also der Staat hier eingreifen. Ein Ausfluß solcher Gehallten war die starke Unterstürzung des Kohlenbergbäues durch staatliche' Sllbsidien, die gerade am 1. Mai zu Ende gegangen ist. Auf dieser Bahn soll nun nach der Ansicht große? Arbeiterschichten weitergeschritten werden. Es ist.der/Wunsch nach Sozialisierung der KoUenbetriebe, der jetzt den Hintergrund all der Wünsche und Bestrebungen der großen Arbeitermassen bildet. Der Generalstreik soll in dieser Hinsicht das ganze Problem rascher ins Rollen bringen. j Verband derZionisfen-fteviilonliten Mittwoch den 5. Mai 1926, 8 Uhr abend* Massenmeeting itn Festsaale de* Hotel Continental 11., Taborstrage 2 Er sprechen über die Krise im Zionismus die Lage in Palästina die Forderungen der ZioOlsten- Revisionisten die Herren Benjamin Akzht Dr. Paul J. Diamant Dr. Alfred Spitz Seit drei Jahren macht England eine Krise nach der anderen durch. Die Zahl der Arbeitslosen hat^sich seit jener Zeit um die Höhe von einer Mllwn Menschen bewegt. Erst in den letzten Tagen ist eine kleine Diilderung zu verzeichnen. Diese Armee der Arbeits-' losen bildet das unruhige Element in der englischen Arbeiterbewegung. Sie rst aber auch gleichzeitig das ständige Schreckbild der übrigen Arbeiter. Cs soll wenigstens ein Teil der Arbeiter von den Schwankungen der Krise und der wechselnden Zahl der Beschäftigten im Kohlenbergbau, der nationalen Industrie^ Englands, bewahrt werden. Diese Frage soll zuerst gelöst werden, dann soll dieser Gedanke auch auf die großen Transportunternehmungen ausgedehnt werden. Durch solche «ernte Unternehmungen soll versucht werden, die aftskrise zu lösen. Der Genecülstreik ist das Kampfmittel. Von seinem Ende wird auch die Durchführung der Idee abhängen. Zweifellos bedeutet er für die gesamte Weltwirtschaft ein äußerst wichtiges Ereignis. __ Stein Straiverfahren gegen Graf ZeletQ. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung/9 Budapest, 3. Mai. Die Staatsanwaltschaft hat /betz'chlossen, die Untersuchung über die Rolle des Grqsen Telek h •ht der Fra n ke nsäl!sch e rasfär e ei nzustellen,. und diesen Beschluß dem Delegierten der Ban?k von Frankreich in Budapest «bereits vor acht Tagen zur Kenntnis Macht../ Die gesetzliche Frist zur Anmeldung einer Pvivatklage ist heute Mittags abgelaufen, ohne daß die Bank von Frankreich eine Klage eingebracht hätte. Gegen 'den Grafen Tele kh wich 'daher im Zusammenhänge mit dev GeldfälischerMäre kein B e r f a «h r e n eingeleitet werden. Inland. Der deutsche Gesandte Dr. Pfeiffer geftorbeu. München, 3. Mar. Der deutsche Gesandte in Wien, Doktor Maximilian Pfeiffer, ist. heute abends «hier int Krankenhause links der Jf'ar an H e r gl äh m u n g gestorben. * Dr. Maximilian Pfeiffer wurde am SU. Dezember 1875 in der bayrischen Pfalz geboren. Er hat sich historischen Studien zugeiwendet und ergriff die Äaufoalhn.eines Bibliothekars. In Vieser Eigenschaft war er in München und Bamberg tätig. Im Jahve 1907 wurde er zum ersten Male als Vertreter eines Berliner Wahlkreises von der Zentrumspa r i e i in den Reichstag Mndidiert und echislt ein Mgeordnetenmandat, das er bis zu feiner vor vier Jabren erfolgten Ernennung zum Wiener Gesandten 1. / . I I . f\j. . CY\. * T. Qi iS. > fl . a» velW 1 inne hatte. Im Reichstag führte er das Dhe-ater- und Kuinstreferat. Rach dem Umsturz wurde Dr. Pfeislfer Geneval.sekre.tar der Zentrumspartei, eine Stellung, die ihm weitgehenden polrtffchen Einfluß sicherte. „ Während der Zeit seiner Tätigkeit in Wien hat sich der deutsche Gesandte die weitestgehenden Shmpathien aller derjenigen zu erringen gewußt, die mit i«hm in Berührung kamen. Dr. Pfeiffer, der sich auch mit großem Erfolg fchrrffftelleriiich betätigte, hat unter anderem einen historischen Roman unter dem Titel .F y r r e e l e i s o n" geschrieben, in der er die L e iden der Juden im Mittelalter in dex Rheinp f a l z schilderte. Dr. Pfeiffer mußte im November vorigen Jahres wegen seines Herzleidens ein Sanatorium in München auffuchen. von wo er nach längerer BehaMung als geheilt entlassen wurde. Im März begab et sich aus «wen Erholungsurlaub nach L ocarno, um feine vollstänoige Wiederherstellugn - herbeizu« führen, was auch allem Anschein nach gelang. Bor kurzem mußte jedoch Dr. Pfeiffer wie«dvr das Sanatorium m München auffuchen, wo er letzt feinem. Leiden erlegen ist. Die Geschäfte führt vorläufig der erste Gesandtschaftssekvetär Graf Dönhoff. Der neue tlchechoslowalische Gesandte für Me«. Das Prager Amtsblatt meldet: Der Minister des Aeußern hat den Legationsrat erster Klasse mit idem TM eines außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten^ Mmsters Hugo Vavreeka mit der Leitung dor ffchechoslavakischen G>- saMfchaft ln Wien bettaut. I