Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2582 (1.5.1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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«ftlt» 1. Mai 1926 Nr. 2582 wmmt MSWett-ttw«« WIM, XX. Ktotftcnt«ubur0«rstrtA* HO OUALITATS-IIIÜRSTE II ÄköUMSNN In»Mien Parts T.UphOfl 44-1*12 Verkauf von hygienisch einwandfreier Milch und Milchprodukten in eigenen Filialen und Depots 2027 MuMinstlern gebe es eine große Zahl von Juden, welche als Musiker und Pädagogen ganz hervorragend wirLen. Die große musikalische Begabung -er Juden sei notorisch. MS GodowSky die Meisterklasse für Klavier hl Wien leitete, seien trotz der damaligen antisemitischen Strömung unter den limitierten 25 Schülern fast Mi Drittel Juden gewesen, darunter zahlreiche Stipendisten. Das Material für eine Mische Meisterschule allerersten Ranges an Lehrern und Schülern sei zweifellos vorhanden. Obwohl Godowsky selbst seit Jahren alle Einladungen, an Konservatorien M wirken, ahgelehnt habe, würde er mit großer Freude an dieser jüdischen Meisterschule -r JrmsÄlem alljährlich eine entsprechende Zelt unentgeltlich unterrichten. Tr sei überzeugt, daß nebst Hm und beisetz auch andere Mische Künstler es sich. zur Ehre anrechnen würden, Lehrer dieser Musikhochschule zu sein. Gvdowsky und Cheifetz haben in Amerika ein Komitee gegÄnbet, welches d?e nötigen Mittel auchringen soll. GodowSky erklärte ausdrücklich, daß bisher nur b,e ersten vorbereitenden Schritte unternommen wurden und daß der Plan erst nach tÄlliger Bereitstellung der erforderlichen Beträge zur Durchfichrung gelangrn solle. ES freue ihn, in Wiener Machen Kremen regem Interesse für biesrs große Unicrnchmen zu begegnen. Moralische Mrderunr des Planes durch das europäische Judentum sei den Anregem schr willkommen, denn sie werden auf die amerikanischen Juden Krrückwirken und die Aufbringung der Geldmittel in Amerika gewiß fördern. An der lebhaften und anregenden Ansprache, welche diesen Mitteilungen GvdowAys folgte, beteiligten sich u. a. die Herren Pwf. Wolfsohn, Oberrabbiner Chajes, Frau Sophie Grün seid, Hofrat Prof. Ehrmann, Hofrat Frankfurter, Rabbiner Dr. Feuchtwang, Dr. Medak u. a. Gon. Frau Prof. Wolffohn liebenswürdig bewirtet, blieben die Erschienenen noch lange iw regen Gespräche über Mische und künst- Krische Probleme beisammen. Pwf. Wolffohn, der während seiner jüngsten amerikanischen DourneMvit einzelnen Mitgliedern des Komitees für die Gründung dieser Jerusalemer Meisterschule in Bevbindung stand,-erAarte sich auch persönlich bereit, für dieses Institut jetzt und .späterhin noch Kräften zu wirken. Er nahm schließlich Gelegercheit, Leopold Godowsky für seine Bemühungen um dieses gwße jüdische Werk zu danken ürch überreichte ihm namens des ,Havuach" zur Erinnerungan diesen Abend die Krestin-Mappe. Es wuchs beschsoffen, eine von allen Anwesenden Unterzeichnete Adresse an das amerikanische Komitee für die Gründung der Musikhochschule in Jerusalem zu "Werfenden, in welcher die Bedeutung des unternommenen Werkes gewürdigt und der Wunsch Mm Ausdru ck gebwcht' wird, daß es gslipgen wöge, das große Werk Mischer Kultur ehestens durchzuführen. Mscha Echeifetz über die geplante Mnfik- . Hochschule. Jascha Cheifetz, der in Palästina vier Konzerte zugurrsten der geplanten Mischen Musikhochschule gegeben hat, erklärte vor seiner Abreise aus Palästina dem Vertreter der Palästinensischen.Telegraphenagentur: ,^Jch bin nicht.Zionist im politischen Dinrre, aber ich hegte Immer Liebe für Palästina und beschloß, als ich von Bestrebungen, hier eine jüdische Musik aützubauen, hörte, nach. Palästina zu Lammen, 'um diese Bestrebungen zu unterstützen. Gewiß wird die' Errichtung eines Kunst- und Kulturzentrums in Paläina auch die Wrtschaftskrüfte im Lande steigern. Ich habe tiefe Eindrücke in Palästina empfangen und möchte dal Kand jedes Jahr zu längerem Verweilen besuchen. Cs besteht die Absicht, zunächst in Jerusalem eine Konzerthalle zu bauen, die allmählich.zu einem Musikkonservatorium enÄmckÄt werden soll.. Meine Konzerte, in Jerusalem, Tel- Awiw und Haifa hüben insgesamt etwa 1500 Pfund erbracht, die der' Musikförderung in diesen S t ad t e n d i e n e n sollen. Im Juni oder Juli werde ich in New-Aork weilen und dort mit Unterstützung von Prof. G odow s 1 h, Prown und Lamport sowie mit dem Komitee für Errichtung eines MusÄkonfewatoriumS in Palästina dahin wirken, daß diese JKee in nächster Zukunft schon verwirklicht werden kann. .ftnkiÜNtw. Heut e h l eiben weg ende SStaatSfeiert a -es f L m t l i ch s T h e a t e r g e f ch l o f s e n B u r g t h rat er. Morqeu, L Uhr nachmittags, »W i lb e l.m % e l l*. Um 7 Utzr abends ^LoniSFeroinand, Primi von Prennen\ (Abonnement l. Gruppe.) Montag „M t n « a von B a r « h e l m*. (Theatergemeinde «Serie A, weiß.) Akade«t et h e o t et. Margen, 8 Uhr nachmittags, »D as G las Daf'i eV. UmL8 Uhr abends .Die v e rhäu.guiSvolle Frau'. Montag .Die Fahrt ins Bla« e*. (Abonnement HI. Grupp« ) . Operntheater. Morgen, 7 Uhr abends, „<5 a r* « e n*. R e d o u t ens a a l. Morgen. V.8 Uhr abends. * ardier von G » v t l I Montag, uen einst I ennfa*, Oper von Lee» I an Bo'lkroper. Morgeu tag «Tristan »nd Isolde*. Kra ytt «Halk «*. Mon- Kapellmetster Leo >« S. der seit Beginn der Arbeitsgemeinschaft der Botts die fiiaKi dra anratAifl fttÄtadtetiifm iwthatU. bat diese Funktion niedergelegt. Die Zusammensetzung des DirekioriamS wird dadurch in keiner Weile berührt und der Betrieb des Theaters wird wie bisher wettergesührt. In der Zeit vom 8. bis LS d. veranstaltet die B o t t s o p e r in verschiedenen Städten OLerichleflenS einen Wagner-FestspielzykluS, dessen Gesamtleitung Hermann F r t s ch l e rinnehat. Theater in der Zoietstabt, Morgen, V,t2Uhr vormittags, im Rahmen der Theaters des Renen Uraufführung von Walter Ltebleins »DerNieman d'. Neues Wiener Stadttheater. Morgen, 8 Uhr abends. ,H e t r a t a u f P r o b e". Modernetz T I> e a l e r. .Die Büchte der Pandora* mit Traute Tarifen in der Hauptrolle bleibt di» inklusive Mittwoch den s. d. auf de« Spierplan. Morgen 4 Uhr nachmittags, findet im Rahmen einer WohltStigkeitSvörftellung für die Universität die Uraufführung von „D aS ältere Fach* von Raoul Auernhetmei, Ja bancque” von Monis 6 e t und „Eine dramatische Plauderei' von OSkar B l u m e n t h a l statt. Roland-Bühne. Freitag den 7. d. gelangt „Wie« b l e i b t W t e n*. ein heiteres Ftlmbilderbnch mit Gesang «nd Tan» mit Alexander Girardi und Hubett M a r i s ch k a, auf oer Leinwand zur Erstaufführung. Ronachercheater. Entgegen den verbreiteten Gerüchten erwart das Direktorium des Ronacher-Lyerettencheaters, daß die Vo JtelluiMn der erfolgreichen Operette .Die Teresim," mit Mizzi Günther, Saluta von Kobilanska, Otto Storm. Paul Kron-- egg. Joses Viktor«, Friedl, Horovitz nach wievor täglich mn halb 8 Uhr abends zur Amführmia gelanpm, da der Dchlch infolge der billiger: Preise ein andauernd guter A. Die FrühjaHrsausstrllung der Sezession wurde gestern unter großer Beteiligunig eröffnet. Es hatten sich u. a. eingefurrden': Minister Dr. Schneider mit Sektionschef Dr. Präger, Bizebürgermeister Georg Emmerling ünd Direktor Reuther der städtischen Sammlungen. Bundespräsident Hainifch war im letzten Moment verhindert, die Eröffnuniq der Ans tellung vovzunehmen und hat sein Fernbleiben entschuldigt. Die Ausstellung ist täglich von 9 bis 6 Uhr geöffnet. Die erste flowakische Oper. Jan Levoflav Bellas „Wieland, der S ch m i e d", gelangte im Slowakischen Nationaltheater zu Bratislava zur UrauGiilhrung. W^ar N e d b a l hat das Werk des Nestors der slüwakffchen Mufik mit Pietät bchandelt und das schwierige Werk sorglich einstudiert. Bon Wagner stark beeinflußt, geht Bella doch eigene Wege und hat eine nationale Tondichtung geschaffen, die leider erst jetzt, 40 Jahre nach ihrem Entstehen, zum ersten Male in Szene ging. Mn Schauspiel mit doppeltem Ausgang. Eine „Neuheit" auf dem Gediete der dramatischen Dichtung gcht in London über die Bühne. Es handelt sich um das Stück „Prinz Fr^A" das über die Bretter des Savoy-Theaters acht. Die Eigentumlrchkeit des Stückes b^tcht nämlich darin, daß es in Moll und in Dur gespielt werden kann. An den ersten fünf Wochentagen endet das Stück als Trauerispiel, an Sonnabenden und Sonntagen dagegen hat es ehren besseren Ausgang. Die Theaterkritcker Londons sind in Verlegenheit, da sie nicht wissen, welcher Fassung sie den Vorzug geben sollen. Der Geschäftsführer des Savoy-Äheaters dagegen reibt sich die Hände denn er hat sestgestellt, daß das Publikum, welches das Stück an den ersten fünf Wochentagen M, auch die Aufführungen an Sonnabenden und Sonntagen vösucht, gereizt durch die Neugierde, welches der „glücklichere Ausgang" sei. Das Verfertigen solcher Zwitterstücke scheint demnach eine recht ergiebige ,Kunst" zu sein. Mchereivlauf. Heinrich Mann: „Liliane und Paul". Novelle. (Paul Zsolnay Verlag, Wien.) Eine reife Fran verliebt sich in einen 17jährigen Jüngling aus gutem Hause. In der lvunderbaren Atmosphäre der Rwrera, im Zauberkreis von Meer, Spieltisch und Romantik erleben sie ihre große Liebe. Da führt Heinrich Mann eine dritte Gestalt in ihren Kreis ein: einen sentimentalen, eigenartigen Men, der sich an ihrer Liebe ergötzt, der an ihrer Jugend genesen möchte. Die Jungen wollen vor ihm fliehen, vor chm, der vielleicht sogar in ihrer eigenen.Brust lebt . . . Daß dies nicht ohne schwere innere Kämpfe und Erschütterungen geschchen kann, ist selbstverstäMich. Die feine, nuancierte Zartheit dieses Konflikts, das (S: T. A. Haffmannsche dieses vielleicht tiefftm Mysteriums der menschlichen Seele, gelang Heinrich Mann ganz ausgezeichnet, vielleicht etwas weniger die restlose Erfassung und Westaltung seiner abgründigen PrMematik. Sonst könnte die Jugend nicht so leicht siegen . . . Nicht' viele Bücher der letzte Zeit können sich rühme«, eine solch aktuelle, lebendige Idee zum Borwurs zu haben, und nur ganz wenige Dichter vermögen so fein, so beherrscht, so realistisch und zugleich so phantastisch Menschenschicksale und Lwensprobleme zu gestalten. Wenn auch das Phantastische hier vielleicht eine Flucht vor dem allzu Klaren und ein Unvermögen, diese Klarheit adäquat auszudrücken, bedeutet. Die Dämmerung, und das Halbdunkel passen aber.zu dieser Novelle, deren vornehmster Vorzug: die Mustkalität der Stimmungen ist. Sie klärt nicht, aber sie ergreift. l. ch. Enzyklopädie des Judentums. Der Verlag Eschkol A.-G., Berlin, teilt das Erscheinen von Probeheften ver Enzyklopädie des Judentums, sowohl der -hebräischen wie der deutschen Ausgqibe, mit, womit die zwei Jahre währenden Bovarbenen für dieses großangelegte Werk ihren Abschluß gefunden haben., —. Seinerzeit wurd? schon mitgeteilt, daß in Berlin ein Kollegium von Fachgelehr.en d'e Vorbereitungen' für dieses Monnmentälwerk in Angriff genommen hat und daß geplant ift im Lause von sechs bis sieben Jahren in jeder der ^beiden Sprachen ie zehn Bände im Umfang von 500 Druckbogen in großem Lexikon- Wrmat herauszugeben, in >denen der gesamte Ertrch, aller Gebiete Mischen Wissens enthalten sein soll, und die über sämtliche Fragen des jüdischen geistigen urrd -sozialen Lebens bis in die neueste Zeit in zuverlässiger und anschaulicher Weise orientieven sollen. Die im Umsang von zirka 100 Seiten erscheinenden, mit zchlreichen Illustrationen versehenen Probehefte der Enzyklopädie enthalten eine Auswahl von Artikeln aus den verschiedensten Gebieten der Mischen Wissenschaft; znm Teil sind es. der Gesamtanlage der Enzyklopädie entsprechend, umfangreiche Monographien, zum Teil kleinere Aufsätze über Einzelsvagen, geographische Namen, historische Persönlichkeiten usw. — Aus der reichen Auswahl der Artikel seien folgende genannt: „Mraham Jbn Ezra", „Erzväter" „Asaria -de Rosst". Traktat Abot" in der ychrärschen; „Aramäisch in der Bibel". „Ludwig Bamberger" m der deutschen; „Alchemie", „Alexandrien", „Altpersische Religion". „Asharot", „Autonomie", „Albert Einsteins Handwerk", „Kunst" in «der hebräischen und deutschen Ausgabe der Probehefte. Ausführliche Einleitungen zu den Probeheften unterrichte« genau Mr Ziel, Anlage und Gestaltung des Werkes. Die Redaktion, auf 15 Gebiete verteilt, liegt in der Hand von Fachgelehrten; zirka 150 der bedeutendsten Forscher und Schriftsteller in Mn Ländern haben ihre Mitarbeit an dem Werk zugesagt. tzWerbet Abonnenten für dies I„Wiener MrgeazeitMg" 1 Die MIEDERÖSTERREICHISCHE MOLKEREI WI«nf XX. Modisthdiplats S ist die Zentralstelle von 136 Genossenschaften, deren Gebarung unter der ständigen Kontrolle der landwirtschaftlichen Kammer steht 2017 100 eigene Filialen / Täglicher Absatz: 110.000 Liter Feinste Teebutter, Yoghurt, Schlagobers, KlndermUch ' u Serlchtsfaal. 8ft der 1. Mal et« Parteisetertag t Der sozialdemokratische Arbeiterbetriebs-, rat der Bergwerksarbeher in Leobeu hatte die Widmung eines Betrages von 160 Schilling zur Bezahlung eirrer Musikkapelle für die I.-Mai-Foier beschlossen. Dagegen riesen dis christlich sozialen Betriebsräte die Entscheidung des Einigrrngsamtes an, indem sie den Standpunkt vertraten, es widerspreche dem Betriebsrätegosetz, daß Betriebsumlagen für politische P a r t e i z w e ck e verwendet werden. Demgegenüber rechtfertigte der Betriebsrat seinen Beschluß damit, daß die Maifeier für die Arbeiterschaft eine historische Bedeutung habe und die kulturellen und wirtschaftlichen Interessen der Arbeiter fördere, und zwar aller Arbeiter, so daß die Widmung eines Betrages ans den Betriebsumlagen ftir die I.-Mai-Feier keine einseitige Pavreibedeutung habe. Das Emigungsamt (Vorsitzender Hofrat Dr. Vogel) fällte folgerrdes Erkenntnis: „Die Widmung des Betrages von 450 Schillnrg aus Betriebsumlagen für W Bezahlung einer Musikkapelle zur 1.-Mai-Feter widerspricht den Bestimmungen des 8 12 des Betriebsrätegesetzes." Die Begründung dieses Erkeuntnisses lautet: Nach dem Betriebsrätegesetz haben die Betriebsumlagen zur Deckung der Kosten, der Geschäftsführung der Betriebsräte und zur Errichtung und Echaltung von Wohlfahrtseinrichtungen der Arbeiter und Angestellten zu dienen. Als eine derartige Wohlfahrtseinrichtung kann jedoch die I.-Mai-Feier, deren , historische Bedeutung nicht verkannt werden soll, nicht angesehen werden. «i» dem Serlchtsfaal gestSchtet. Ans Budapest wird uns gemeldet: Bor einem Straf-, senat des Budapester Gerichtshofes spielte sich gestern eine aufc regende Szene ab. Der Privatbeamte Mexander Weisz wurde wegen Defraudation zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Ms das Urteil verkündet wurde, fiel die Mutier des Angeklagter:, die im Znihöverraum dem Prozeß beigervohnt hatte, mit einem lauten Auifschrei in Ohnmacht, Im selben Moment sprang der Verurteilte von der Arrklagebank auf, stürzte zu seiner Mutter und rief: ,^Jch hole die Rettnngsgesellschaft!" Mt einem Satz war er anf dem Korridor, stürzte die Treppen hinunter und verschwand im Straßengewühl, .che der Gerichtshof sich von seiner' Verblüffung erholt hast«. Die Mutter des Weisz w»rvde in das Rochnzspital Mevführt, lvo die Aerzte einen sch-veren Nervenchock bei der alten Frau feststellten. Gegen beit unter so dramatischen Umständen ge- Mchteten Defraudanten hat die Polizei omen,St«ckür;ess erlaffen. .. Mit Dem Revolver gegen den Richter. Gestern fand vor dem KreiSgericht in Warschau eine Verhandlung gegen einen gewiffen O l l 0 statt, der angeklagt war, seinen Vater mißhandelt zu haben. Ms der Richter; Krämer verkündete, daß der Angeölagte zu zwei Monaten Kerkers verurteilt wird, fmgte ihn Ollo, ob die Strafe ansgoschöberr werden könne. Da die Antwort des Richters ablchnend ' war, zog der Angeklagte einen Revolver und richtete Ihn gegen den Richter. Noch im letzten Augenblick gelang es den Justiz soldaten, das Attentat zu verhindern. Lebensmittel mit Würmern. — Gefrorenes mit Glassplittern. Vor dem Bezirksgericht Döbling (Bezirksvichter Doktor Chv a ta l) fand vorgestern eine StraLvechandlung gegen den 30jährigen Gemischtwarenhändler Karl Eichler jun., Heiligen-, städterstraße, wogen Übertretung des Leibensmittelgesetzes statt. Bei einer im Betriebe des Angerlagten vorgenommenen Revision wurde u. a. das Schaufenster in gänzlich verwahrlostem Z u st a n d e, v 0 r S chm utz st a r re nd, die darin ausgestellten Lebensmittel auf beschmutztem U nt erlag epapier vorgesunden. Das Verkaufspult - und das zum Schneiden der , Wurstwaren bestimmte Unterlagslbrett waren schon wochenlang nicht gereinigt. In einer Lade wurden GewÜW, die durchwegs in doppelieitig gedrucktem Papier'emMpackt waren, gefunden. Gedörrte Pflaumen waren bereits mit Maden uns Würmern durchsetzt. Der Angeklagte sagte bei der Bechandlung: „Es war noch nicht in Ordnung, als der Kommissär kam." Richter: Das Geschäft muß auch rein ünd in Ordnung sein, auch wenn der Kommissär nicht komml.-Eichler wurde zu 24 Stunden Arrest und 60.Schilling Geldstrafe verurteilt. — Am gleichen Tage fand vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Fünfhaus, Oberlandesgerichtsrat Dr. Nehoda, eine Verhandlung gegen die Konditoroibesitzerin Mitzi Pkneisel, 6. Bezirk, Gumpendorferstraße 105, und den verantwortlichen Leiter der Fabrik PfneisÄ, Prvnsek u. Co., Neübaugürtel Karl Pfneisel statt, und zwar aus Grund folgenden Tatbestandes: Am 2. September 1925 forderte die Hausbesorgerin Gersberger einen Wachmann .änf, . die Mitzi Psne^el anzmeigen, weil sich ihr ISjähriger Enkel in der Konditorei der Pfneisel ein Gefrorenes gekauft hätte, in welchem sich ein großer Glassplitter befunden hat. Mit Rücksicht darauf, daß er den Glassplitter leicht hätte schlucken können, war die körperliche Sicherheit gefährdet. Frau Mitzi Pfneisel erklärte, daß sie kein Ber,schulden tveisse, sie erzeuge' die Ware nicht selbst, sondern bekomme sie aus der Fabrik Pfneisel, Pronsek u. Co. geliefert. Ihr Geschäft sei eigentlich nur eine Filiale der Fabrik, wo nur der Verkauf stqttflnde. Der Hauptgeklagte Karl Pfneisel als verantwortlicher Leiter dar Fabrik an. daß er sich den Splitter im Gefrorenen nur so erklären Mt, daß ein Mas zerbrochen und em Splitter. in das Gefrorene hineingefallen sei. Der Richter verurteilte Karl Pfneisel zu einer Geldstrafe von 10 Schilling, Mtzi Mnoisel wurde