Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2582 (1.5.1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 2S82 Mell, SäMEg Volkswirt. Lettmigrwrchsel in der italoodaak. Rücktritt drs Vizepräsidenten Dr. Dawid. In entern gestern zur Versendung golMgten Convmumque der Unionbank wird mitgetsilt, daß Dr. Wolfgang Dawid feilte Stelle als Vizepräsident und Mitglied des Vorstandes der Mtion- Lank .Miergelegthabe. Dmnit kündigt sich der Wechsel in'der LeAtstg der! UnionbM dn, .wie er schon seinerzeit von uns angedeutet würbe. Dr. Dawid ist als BertrauenZmaim Bösels! vor drei Jahren m den.VerwaltmpgSrat der Unioitbmk singegetreten, als letzterer die ALdiemnajorität. der Unionbank erworben hatte. Ursprünglich hatte Dr. Dawid allsin die PrPdiabayenden geführt. Erst gevaume Zeit spater hat Präsident Basel seine Datögkei't als Präsident auszuLben begonnen. Bor nrehr als einem halben Jahre ist Basels Unionbank-M>ienp,Iket von der Schw eizer Union Trust A.-G., welche der Banque dMeourpte nahestcht, übernommen worden. Ls schweben schon selt längerer Zeit Verhandlungen, dieses Aktienpaket an eine andere Gruppe, welche der Niederösterrsichischen Eskomptegölellschaft nchestcht, ztl verkaufen, trau mit dem Erlös die von der Union Trust A.-G. gei nährten Kredite zu liquidieren. Diese Verhandlungen scheinen Mnntchr in ein aikckeS Swidimn getreten zu fein. Die DosÄ-Gnippe dürfte in absehbarer Zeit die Leitung der Unionbank überhaupt vcrlassett. Bor einiger Jett »ist.Bösel als geschäftsführender Berwa'ltnngsrat im Register bereits gestrichen worden. Er fungiert nur ntchr formell als- Präsident der Unionbank. Vorläufig dürfte er dieseil Rang bchaltert, um später ebenfalls das Präsidium zu verlassen. Dr. Dawid wird nach denr Inhalt des lveitvr unten folgenden Conranurnqnes iu einigen Konzerngesellschaften der UnionbanL verblechen. Es sind dies die Beitfcher Magnesia .werke und Oelindustrie. Außerdem ist er noch Berlvaltungsrat in der Mraznica mrd der Nova. Dr. Dawid, der früher dcur Zldvokatertstand angchörte, dürste vielleicht zu diesem zurückkehrcn. Es ist nMvahrscheinlich, daß er noch tun Fmanzleben Wiens eine Rolle spielen wird. Nachstchend das Coimnunique: >I-n der ain 30- April d. I. in Anweseicheiit des Präsidenten Böses stattgehabten Bovstandssitzurtg der Umonbank hat Herr Dr. Wolfgang Dawid seinen Entschluß bekanntgcgeben, seine Stelle als Vizepräsident und Mitglied des Vorstandes der Bank n-iedevzulegen. Dieser Entschluß wurde M--allsvitigsnr Bedauern zur Kenntnis «ssnmnmen und Herrn Dr. Dawid für seine. ersprießliche Tätigkeit tvÄ-rend seiner Wirksamkeit der Dank ausgesprochen. Herr Dr. Dawid verbleibt auch ivoiiechin im BeÄvaltungsrat der Bank ltttb wird seine bisherigen Funktionen in Konzerngesellschasten der Bcuck beSbchalten. Der Vorstand der Umonbank hat beschlossen, dcni Berwaltungsrat, ,iu seiner nächsten Sitzung den Antrag zu stellen, an Stelle des Herm Dr. Dawid Herrn HofratiMert Franffurter, welcher den: Verwaltungsrat der Bank seit dem Jahre 1920 ongehörh Mm Vizepräsidenten zu wählen." Jüdischer Wirtschastraufbau durch Kredithilfe. Das Projekt der Jüdischen Zentralbank für Galizien. Zu Zlprilbeginn wurde an dieser Stelle über eine Ber--. famrnlung berichtet, in welcher der Sefmdeputierte Dr. Reich auf die NotwendiAeit der Gründung einer jüdischen Zentralbank für Galizien hinwies. Diese Anregung hat großen Beifall gefunden. Das Interesse-für die Schaffung einer solchen Bank ist im Wachsen. Wennnicht unvorhergesehene Schwierigkeiten eintveten, ist damit zu rechnen, daß in abWbaver Zeit jenes große -Zerrtralinsti-lnt. geschaffen wevden -wird, däs als stärkste KreditquMl der Jndott Galiziens zu fungieren berufen ist. Die Idee, der Hilfeleistung für die Mischen Massen ist picht neu. In Galizien besteht schon eine ganze Reihe kleiner jüdischer Kreditinstitute,, hauptsächlich in Form von Genossenschaftskassen, die ihren Zweck uur unvollkommen erfüllen. Es sohlt ihnen in erster Reihe am entsprechenden Kapitäll Sie können infolgedessen nur in kleinem Kreise wir? ‘feit. -Wenn auch das Bestehen solcher kleiner Institute für die Mische Wirtschaft begrüßenswert'ist, so bedeuten sie doch noch /lange nicht die. Losung des großen Problems der Wirtschaftsnot Galiziens. , s^urch Inflationen und tiefgreifende Krisen- Lvscheinungen befindet sich das Jüdentnul Galiziens in einer furchtbaren Wistschaftsnot. Die jetzige Krise ist in erster Reihe eine Finanzkrife. Es fehlt dem Mischen kleinen Händler das Kapital, um sein Geschäft tveiter betreibe:: zu können. Der Mische Gewerbetreibende verfügt nicht über die notwendigen Mittel, umsich daS 'Rohmaterial anzukaufen, die Arbeiter zu bezchlen und.das, fertige Produkt herzustellen. Der Mische Konsument, in erster Reihe aber der Zwischenhändler, der Kaufmann, kann sein Produkt nicht abnehmen, weil auch ihm die Mittel i sch len. So wird durch den Kreditmangel der Konsum geschwächt nutz es' entwickeln sich naturnotwendig die Erfcheinungen der Urtlerkonfmntionskrise, wiesie vielleicht in keinenr Lande Europas so furchtbare Wivkungen hevvorgerufen hat als gerase bei der Mischen Bevölkerung Galiziens. Der Kapitalsmangelist das h e r v o r st e ch e'n d st e S y m p r o. ur und die s ch w e r st e Wunde der j ü d i s ch e N Wirtschaft G a'l iziens. Dieser Not kann nur dadurch äbgeholfen tpevden, daß das notwendige Kapital diesen, dem Untergänge nahen. Existenzen zur. Verfügung gestellt wivd. Die Mische Wirtschaft henötigt dieses -Kapital nicht zur dauernden UeberlassnnH bezichün-gSweffe zur Uebertragung ins Eigentum der notleidendest Einzelwirtschaft. Die Mische Kleinwirtschaft Galiziens ist so beschaffen, daß sie, wenn ihr Kapital, auch nur vorübergehend, zur'Verfügung gestellt wird, sie sich mit dessen Hilfe pnfrichten töitn und in der Lage ist, es auch rechtzeitig zu^'ick^uftelleu. Darin liegt der Vorteil der soziologischen Verhältnisse' der Wirtschaftssnbjekte Galiziens. Wiener MEgenMinns 1. Mai 19R Seile 13 v A MENIl ONFEE TlON Gartenkleid aus Watihmfo.8 2,40 Mantel, engl. Slrapatstcff . . . . S 16,— Roksetdenkleldchi'n, riitewU Faston . S 25,— StoffkMd, apa/ds Fasson ....... S 19.50 . Dirndl, ta Wasehtotls ...... . § 6.50 Camptet aus Ia Wollstoff, reich gestickt >V 49.— fCinderktetdehen, Ia VoUstamn, tesiss S 7,60 BEÜREXKOXmRX'eOX Banemjanker, kansrt. .8 9.— SakJtoansng m tirschitdtmn Dessins . & 55, - Sportantag, modernster Sehnitt . . . . S 65. 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Dies namentlich deswegen, weil die Wirtschaft Galiziens' eine Fülle von DerwendungSmöglichkoiten bietet, weil sie förmlich nach der Durchbearbeitung durch kapitalsstürke Wirtschaftssubfekte 'lechzt. Darin ist auch die Gewähr vorhanden, daß das Leihkapital.in Galizien seinen Zweck vollkommen erfüllen kann.-Infolge dessen ist es der richtigste Gedanke der Mischen Wirtschaftsor-ganisatiouen Galiziens, daß sie jetzi ihr Haupbgeiwicht auf. die Schaffung gesunder Kreditovgauisationen legen, welche diesen Kredit zu werschaffeit in der Lage sein sollen. In zwei Hinsichten stevdieut -dieses Kreditprojekt der ga- Kzischen Judm besondere..Beachtung. .Einmal zeigen diese damit, daß sie nicht davauf^ reflÄti'eren, Kapital quasi als Äl-' mofen geschenkt zu schalten, weil sie der Ansicht sind, daß durch kleine Geschenke in Form von Almosen eine kranke Wirtschaft Nie regeneriert werden kann. Andererseits aber muß diese Gründung von den Juden des Auslandes besonders hoch gewertet-und infolgedessen auch wärmftens unterstützt werden. Gesundung - der Mischen Wirtschaft Galiziens ’ heißt auch gleichzeitig Nachlassen der Judennot dieser Judenzentren und Aufhövrrs der Inanspruchnahme der Juden des Auslandes zu . Hilfeleistustgen. Gerade vom Standpunkt diaser indirekten Wirkung ist cs zu wünschen, -daß auch die ausländischen Jndest . sich an diesech Krodilunternehmen besonders stark beteiligen. - Die Bank, welche die Form'einer kooperativen Zentralbank 'haben sqll und die in sich alle bereits bestehenden Mischen Genossestschaftsbanken vereinigen soll, hat es sich zur Aufgabegestellt,' in (Galizien selbst eine halbe Million Goldzloth auszu bringen. Äicse Summe ist zweifellos gering. Cs haben aber auch die amqrik.anischen- Organisationeit die Zeichnung einer entsprechendeis Anzahl von Atiteilscheinen in Aussicht gchellt. Außerdem dürsten auch Juden anderer Gebiete sich an der Zeichnung dieser PttteilschÄne beteiligen. Je nrchr Kapital für die Bank Zustands gebracht werden wird, um so leichter wird iii selbstverständlich ihre Ausgabe erfüllen können. Dazu gehören ziemlich vielel Millionen. Die A n t e li l s ch e i n e, welche bisher in Aussicht genommen wurden, können nur den Grundstein für ein solches Institut bildeu. Es erlvächst über auch für die österreichischen Jude» die Pflicht, sich an dieser : Aktiv» intensiv zu beteiligen. T«bei muß betont, werden, daß ch sich, keinesfalls um eine philanthropische Mtion j- ' . handelt. Die Zöichnustg eines Anteilscheines bedeutet nur die Astliage! einer gewissen Summe in einem Bankimternehmen, das für die Zukunft äußerst günstige Aussichten bietet und die berechtigte HvffuulP erstcheu läßt, das; das investierts Kapital auch entsprechende Früchte tragen wird. Dabei wird aber auch perspezifischen galizischeu Judennot abgeholsen. Die Wirtschafts-- beziehungen'^vischen Galizien und Oesterreich sind itoch immer s^hr enge. Der galizische Jude-hat nicht anfgchört, für das österreichische Produkt iu Osteuropa Propaganda zu machen. Er vermittelt den Absatz der österreichischen Industrie in jenen Gebieten. Weml dirsbx Zwischenhändler finanziell gestärkt .ist, westn er nicht von der Sorge um die Beschaffung j'i&en Hellers sfär den Betrieb seines- Geschäftes verfolgt sein wird, dann 'Wn er sich auch viel intensiver seiner kaufmännischen Aufgabezuwenden und auch gröbere Erfolge erringen. Eine ganze lsnmafse Insolvenzen.wäre in. Galizien unter-i bliebey, wenn öie d o-r t i g e n t a ü f 11t n n uischen Existeitzeir etwas kapiwlHräftiger gewesru iväre.u- Dies hätte nicht nur dem Mizischens Handel, soiwern auch der vsterreichtschen Wirtschaft genützt und sie vor schlimmen Erfahrungen bewahrt. Oestervvich kann trotzdem auf die Mitwirkung dieser Kreise bei seinem Export nach dem Osten nicht verzichten. Wso muß es sein Interesse, an der Stärkung durch die Schaffunig von KreditntS'glichketten für diese Kreise dokumentieren. Die Bevölkerung Galiziens kommt aber auch für die österreichische Zahlungsbilanz in Betracht. Die Wiener Sanatorien wurden vor dem Kriege in erster Reihevon diesen Patienten auf-gesucht. Die Mischen Stuldenten aus dieser Gegend haben seit jeher in Wien studiert. Es kann für Oesterreich nur von Vorteil sein, wenn dlielse Kreise wirtschaftlich stark find. Dann wird der jüdische Studeatt nicht mehr die jüdischen Wohltätigk-eitsmstitute in Anspruch nehmen müssen ünd der Mische.Patient tvivd wieder starker zu den oster- . reichischen Aerzten und zu der: vsterreichtschen Schneidern kom» men und in die österreichischen Kurorte fahren. Wenn in diesen Datzew bpn prÄmktidcr Fürsorge die Rede ist, so bietet gerade die Gründung der Wischen Bant -ein Beispiel für die vorteiHafte praktische Anwendung dieses Grundsatzes. - ' •- E Lebenrverfichermigrgesellschaft Wönir in Men. Im Jahre IM sind (chne HinMreHmmg übeviwiMnenet - Rückversicherungen) ^3.493 neue Polizzen über ein Kapital von? 248,457.498 S. .ausgefertigt, ryorden. Irr den erstendrei Monaten 'des Jahres 1926 wurden 14.216 ne ne Vers icherun gen über 77M.900 S. abgeschlossen. Hievon entfallen 48L Prozent auf den Betrieb der Gesellschaft in der Republik Oesteroe'ch und 51,8 Prozent auf die Zweigniederlassungen im allen und neuen ^luÄalcke.' Im Vergleich' zum letzten BoMvgsjchr woiftn.die Ergebnisse des Jahrs MS ein,e Erhöhung aufnahezu das .Fürrffache (nach der Polizzenzcchl) oder auf das-'Drei'emhcWfache (nqch dem Goldwerte der VersichemnMiMMte) Mf. Die Gesellschaft hat im Rchnien ihres französischen GeschÄMetviebes die vor dem Kriege bestandene Zweigniedevlasfung in Straßburg wieder errichtet; die Filiäle in Brüssel ist gemäß den gesetzlichen Vorschriften in Belgien neu registriert worden. In Holland wurde der Gesellschaft auf Grund des npuen Dersicherungsaussichtsgesetzes die Erlaubnis zur Fortsetzung ihres Ge- ^'chästsbetrie'bes erteilt. i ' Aus der polnischen Raphthaindnftrke.! lEigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) - Drohobhcz, 30. April. Die Produktion' aller polnischest Naphchagmben im Monat März dieses Jahres betrug 68.121 Tonnen. Das ist 2036 Tonnen täglich. Da die Produktion des Rohöls im Februar täglich 2078 Donnen betrug kann man i>m März eine Verminderung in der Produktion nut 42 Tonnen feststellen, obwohl in diesem Monat drei neue Schächte hinzugekommen sind (Gottfried 9 in Mrazniva, Petrol in Tustanowicr und' Eglon in Boryslaw). Nach der Versinigunig der „Kleinpolnischen Naschthaindustrie^ -mit „Premier" kommt jetzt die Fusion zweier franMscher - Unternehmungen, urch Mr „Silva plana" und „Limanowa". Der diesbezügliche Vertrag wurde in Paritz am 18. d. M. unterschrieben, wobei das gemeinsame Aktienkapital der Gesellschaft mit 179 Millionen französische Franken bestimmt wurde. Zum Generaldirektor der vereinigten Gesellschaften mit b«u Sitz m Paris wurde Herr Duc los, der bisherige Direktor der-„Limanowa" in-.Warschau, ernannt und die technische Leitung der Gruben dem bisherigen Direktor der „Silva plana" Herrn S t r o h l mit dem Sitz in Boryflaw übertragen. Diese Bereiniigung bedeutet fiir beide Teile einen großen Fortschritt, besonders für Limanowa, die eine der größten Fabriken in Polen besitzt,, die jähr- 'l-ich 120.000 Tonnen Rohöl veravbeitet. deren Gruben aber kaum den zehnten Teil dessen produzieren. Darum zählt d'iir. Limanowa .zu den sogenannten „twckenen" Fabriken, das ist solchen, die nicht RoUtofs aus. eigener Produktion verarbeiten. - Nach den Reiultaten des Jahres 1928 wird die Rchölprodu'ktion per ver-