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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-01 · Heft 2582 (1.5.1926) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2582 (1.5.1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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IfeKS» W>«, smm Leopold OusIilÄL Schuhe sef4jahrashrifen Mßuraaasse5 Gulasch mit dem üblichen Krügerl Bier verzchren kann. Laßt die rigorosen Antithevrien in Ruhe, lampst nicht gegen die Würze, sondern gegen die fade Langeweile und ihren Genossen, das Laster... Lieber ein gütiger Erotiker, als ein tzvaulfamer Aszet, Lieber ein trinkender Mensch, als ein-e 'trockene Bestie... * Me kann da ein Manu noch intellektuell geistig hochstehend sein, wenn das Ideal der meiste« Frauen so aussieht? Wenn die Frauen, zumindest die vielen durchschnittlichen, der großen Brutalität, dem gigantischen Verbrecher nachjagc«? Ein Raubmörder ivurde wogen dreifachen Muchelmordes, wegen mehrfachen Raubes, ..öffentlicher Getvalttätigkeir und Diebstahls in mehr als Ändert Fällen zu neunzchll Jahren, elf Monaten und sieben Tagen schweren Kerkers verurteilt. Während der Bor'handlungspaust umringten den Verbrecher die zahlreich erschionenen jungen Mädchen der Stadt — es 'war vor kurzem in Deutschland, der Name der Stadt ist nebensächlich — und machten dem Hoffnungsvollen jungen Mann — Heiratsanträge, über die sich der energische Freier ernstlich untechielt. Fast zur gleichen Zeit wird von dem Tod des berühmten korsischen Banditen Ronce Romanetti, eines Sallonlöwen und Frauenlieblings, berichtet. Romanetti tvar der letzte große korsische Bandit, der die ganze Umgebung unsicher machte, unzählige Morde auf dem Gewissen hatte» »im Krieg sich zum Schützer der Freuen, der Schwachen und der Hilflosen Mfspielte und jetzt der Kugel eines verfolgenden Gendarmen'zum Opfer fick. Trauer aus Korsika, die Frauenwelt lvemt... Und das besondere Interesse -er Frauen für '.Haarmann und Denke und alle möglichen Blaubarts und Scharlatane? Wohin gehört das alles? Ist wirklich der geistige Mann nur,aus die Ausnahmen angewiesen oder muß jedem Sokrates eine Lantippe in seinen ehelichen, beziehungsweise Liebesteil fallen? Wer löst dieses uralte Sphinxrätsel der Frau, in der Sehnsucht nach Brutalität und Grausamkeit Mit tramEer Mütterlichkeit und Güte friedlich beieinander 'hausen? Oder haben wirklich die Antiseministen recht, daß den 'bösen Manu die Frau und das gute Weib der Mann durch Projektion uwb Idealisierung geschaffen haben? Solche Schematisierungen stimmen sicherlich nicht ganz, denn erstens kann aus.dem Nichts durch reine Einbildung nicht ein Wert geschaffen werden, wie zum Beispiel Mütterlichkeit oder Kameradschaft, und zweitens — müßte man ganz am Leben verzweifeln... Davor bewahren die vielen Ausnahmen unter den- Frauen. — ich glaube, fast jeder Mann kennt eine —, obwohl im allgemeine« es einem gar nicht leicht gemacht wirld — tem. großer Bandit zu werden... l. G IasMarquifat Lord Readings. - Nach der Rückkchr Lord Readings aus JMen, wo er seine Amtszeit als Vizekönig nach außerordentlichen Erfolgen beendete, wurde er, wie wir jüngst meldeten, zum Marquis erhoben. Wer nicht mit den englischen RangoechAtnisien. vertraut fft/wird sich kaum eine richtige Vorstellung von der Bedeutung dieser Auszeichnung machen können. Nur neununddvoißig Marquise hat eS bisher im gesamten britischen Reich gegeben (bei nicht weniger als vierhundert Lords!). Kein Adelsrang ist Wer als der eines „Duke" (Herzogs), der jedoch nur von Abkömmlingen königlicher Geschlechter getragen wecken kann. Der nächsthöchste Rang ist das Marquisat. Jsaae Rufus, Carl os Reading, ist der vierzigste Marquis und der erste Jude, dem eine derartige Ehrung zuteil wurde. Ost genug ist die romantische LebenSgeschichte Lock Readings erzählt worden. Oft genug das eigenartige Geschick besprochen wordendas Jsaae Rufus, der als kleiner jüdischer Schiffsjunge auf seiner ersten Reise/nach Indien gekommen war, vierzig Jahre später im Regierungsdampfer als BizeLmig an die gleiche Küste fuhr, wo er wie ein Erlöser empfangen wurde. Doch was uns besonders interessiert, sind die wirklichen Leistungen des neuen Marquis und seine Stellung zum Judentum. -ü Lord Reading ist der Mann, der den Alliierten den Krieg gewonnen hat. War >rr es doch, der in einer unendlich schwierigen Mission die.große Kriegsanleihe für England in den Bereinigten Staaten erreichtes Er ist der Mann, der es verstanden hat, in Indien durch Mäßigung, Milde und Verständnis einen, furchtbaren Gegensatz zu Überdrücken, der das Verhältnis zwischen den einzelnen rivalisierenden indischen Itaatsiwesen und die Bezichung von Jndsen als Gesamtheit zu Englartd erträglich gemacht, und er ist schließlich der Mann, dem daS englische Recht viele Bereicherungen verdankt. : : Reading ist sicher kein begeisterter Jude und schon gar nicht Zionist. Doch er hat sein Judentum nie verleugnet und jene Gerichtsperhcmdlung ist bekannt, bei der er einst als Vorsitzender einen Anwalt, der in seiner Anklagerede oft auf daS Judentum des Angeklagten in ungehöriger Weise anspielte, zuvechtwieS: " „Haben Die Respekt vor dem Gericht und dieser Jury? Bedenken Sie, daß ich, der Vorsitzende, Jude bin und daß der Angeklagte nicht minder stolz als ich selbst ans die Zugehörigkeit jum jüdischen Volke sein kann!" Lord Reading iutarnet sich, wie so viele andere jü)is.hc PerföglWitzn. tzjz LMteM stelluMü sinne^men^ metzr aiMB giw;»iimwiBM jüdischer Philanthropie als wirklicher Hilft für das Judentum. Cr gehört sicher ju jenen Männern, die Herzl so tief um dieses Irrtums willen beklagte, zu den jüdischen Philanthropen. Er spendet viel und häufig für charitative jüdische Zwecke und gehört auch den unterschiedlichen und unvermeidlichen WohltatigkeitSkonritees an. Wir haben gerade eine ZeitungSmitteilung vor unS» die besagt, daß der neue Marquis der Sitzung eines solchen Komitees für die Erhaltung des großen jüdischen Spitäles beiwchnen »vird. Lord Reading wirb, wie andere jüdische Staatsmänner, die in jüngster Zeit aus wichtigen Stellnngen geschieden sind, seinen Dienst wieder dem Staate widmen. Sir Herbert Samuel wurde bekanntlich sofort nach seiner Rückkehr aus. Palästina mit dem verantwortungsvollen Vorsitz in der königlichen Köhlenkommission betraut. Es verlautet, daß auch der neue Märquis von Reading in eine verantwortungsvolle Stellung berufen werden wird. Ser Flug rum Nordpol. Abflug der „Norge" «ach Kingsbay. Me aus Spitzbergen gemeldet wird, hat ein schwerer S ch n e e st ü r m die Vorarbeiten zum Empfang des Luftschiffes Ainundsens, der. „Norge", verzögert. Die Arbeiten für den Landungsmast können nur unter großen Schwierigkeiten durchMführ: und bis zur festgesetzten Zeit beendet werden. Die Abfahrt des Luftschiffes aus Leningrad wird wahrscheinlich Sonntag erfolgen, auch aus dem Grunde, weil das russische Militär, das das Lustschiff aus der Halle bringen soll, an den Demonstrationen anläßlich des 1. Mai teilnimmt und keinerlei Arbeiten ausfiihren darf. Die R o u t e d e r „N o r g e" ist folgendermaßen festgesetzt: Bon Leningrad nach Vasce, von dort längs der norwegischen Küste nach den Bäreninseln und zum Nordkap und weiter nach Spitzbergen. Von dort folgt das Luftschiff der Westküste Spitzbergens nach der Kingsbay., Die Expedition Byrs. Aus Kingsbay rvird gemeldet, daß der Dampfer ,-Syantier" mit der Expedition B y r s gestern nachmittags dort eingetroffen ist. Die Mannschaft begann sofort mit der Ausladung der beiden Fokker-Maschine», die zum Fluge nach dem Nordpol benützt werden sollen. ver Fer auch in PalMaa abgefchM. .Aus Jerusalem wird uns berichtet: In einer von christlichen und mohammedanischen Arabern abgehaltenen Versammlung wurde einmütig, ausgesprochen, daß der Fes niemals eine nationale arabische Kopftracht war und keinerlei, religiöse Bedeutung habe. Der europäische Hut wurde angenommen. Im Irak wurde der Fes schön im April 1924 abgeschafft und an seine Stelle die S i d a r a eingeführt. In. der Türkei wurde bekanntlich das Tragen des Fes durch ein Dekret vom Oktober 1925 verböte». Hingegen hat in Aegypten, wo eine Anzahl von Stüdenten für die Abschaffung des Tarbusch demonstrierte und für die Einführung der europäischen Hüte eintrat, der Großmufti im vorigen Monat eine Fetwa erlassen, in welcher festgestellt wirb, daß das Tragen europäischer Hüte den Gesetzen der mohammedanischen Religion widerspreche. ras Rebi-Mnsa-Feft in Jerusalem. Jerusalem, 80. April. Allgemein ist . es ausgefallen, daß die Wallfahrt nach Nebi Mirsa bei Jericho aus Jerusalem in diesem Jahre äußerst schwach war. Früher einmal war dieses Fest der Anlaß zur größten und volkreichsten Prozession in Palästina. Es war das Haupt-fest der Moslems im Lande und pflegte alljährlich zumindest 10.000 .bis 15.000 Pilger zu versammeln. Diesmal waren es kaum 9000 Personen, di« das Fest vereinigt hatte. (Nchi Musa, arabisch ,^Der Prophet Moses", ist der Gedenktag für den Propheten Moses, den auch die mohammedanische Religion in ihrer Weise verehrt.) Die geringe Anteilnahme der Beteiligung in diesem Jahre wird aus. den jüngsten Konflikt zwischen den beiden Häusern Nashashibi und Hussein zurückgeführt. Der Konflikt ist anläßlich der Wählen in den obersten moflemitischen Rat ausgebrochen, da beide Familien die Führerschaft im Rate für sich in Anspruch nehmen. Da diesmal die ganze Feier vom Bürgermeister. von Jerusalem, Raghib Bch Nashashibi, veranstaltet wurde, scheint 'das Haus Hussein die Parole ausgegeben;u haben, der Pilger« fahrt fcrnzublei-ben. Ein Anhänger Husseins, der beim Fest anwesend war und gegen Nashashibi demonstrierte, wurde halbtot geschlagen. Der Ursprung des Nebi-Musa-Festes reicht noch in die alte türkische Zeit zurück, als die hohe Pforte als Gegengewicht gegen die christlichen Pilgerfahrten in der Osterwoche diese Prozession dekretierte und das Darum ihrer Abhaltung von dem christlichen Osterfest abhängig machte. Damit sollte es vermieden werden, daß ausländische christliche Pilger während einer ganzen Woche der heiligen Stadt ihren Stempel aufdrücken. Für de« Frühling und Sommer bftlet das Warenhaus Brüder Schiffmann, 3. Bez., Taborstraße 48, eine außerordentliche Ottalsion in Stoffen, Seide und Waschwaren jeder Art zu äußerst billigen Vorsaisonvreiien. Nachstehend einige Beispiele aus der Preisliste r Taft fleure für Kleider in allen Modefarben. pro Meter 3.50 S. Popeline, doppeltbreit, alle Modefarben .... * 6.50 S. Creve de Chine, ooppeltbreit. alle Modefarben „ . 6.60 S. Kleidervoile... . 0.85 S. la Seidensilke, gemusteU für Futter ..... . 3.— S. Wollmaroeain p. M. 3.50 S., Seidenmaroeatn '. . 3.90 S. 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König F u a d hat jedoch diese letztere Beidingung ckbgelehnt, da nach seiner Auffaung die ägyptischen Nationalinteressen stärker vertreten sein müßten. Rockefeller hat nun König Fuad durch ein Telegramm benachrichtigen lassen, daß, er sein Angck>ot, zurückgezogen habe. Der Mord an dem StMranwalt. Aus Chicago wird telegraphiert: Der Mord an deni Staatsanwalt Mc. S w i g g i n s, der auf einer Jnfpektionsfahrt durch das Berbrecherviertel durch Schüsse aus einem seinen Kraftwagen überholenden Automobil getötet wurde, ist, trotzdem mehr' als 100 Verhaftungen vorgenommen worden sind, zurzeit noch vollständig ungeklärt. Ueber die Motive der Tat sind die v e r s ch i e d e n st e n M u t m a ß u n g e n im Umlauf. Teils nimmt man an, daß der Staatsanwalt einer Verhetzung zum Opfer gefallen ist, teils spricht man von einem Racheakt. Auf Grund der Untersuchungen ist festgestellt worden, daß sich die Mörder des neuen be^ der Polizei eingeführten Maschin«n ge Wehrs bedient haben, das 1500 Schuß in der Minute abgibt. Der Ranhmord an Amalia Leirer. Urteilsverkündung am Montag. Budapest, 30. April. Im Loirer-Pwzeß wurde' heute der' Vater der Ermordeten, Lorenz Leirer, als Zeuge, emvernommen. Er sagte aus, daß seine Tochter chm wiederholt von chrer BekaMtschaft mit Ladislaus Okoliesanyi erzählt habe. Damit war das Zeugenverhör beendet. Sodann hielt der Staatsanwalt die Anklagerede und führte aus, daß gegen dir Angeklagten keine positiven Beweise vorliegen, so daß Joses Bolla nur als Helfershekfer, nicht aber als Mittäter verurteilt werden kann. Okoliesanyi, der für den Zeitpunkt der Mordtat eiü vollgültiges MM erbracht hat, komme als Mittäter ebenfalls nicht in Betracht. Nach den Plädoyers^ wurde die Bechand-i lung aus Montag vertagt. Das Urteil wich Montag vtu kündet. ' «Mfchte SchMngftScke. Acht verschiedene Typen. Das Sichecheitsbureau befaßt sich . mit Nachsorschungew bezüglich der Nachahmung der SchillingstückL. Die Verbreitung solcher Falsifikate häuft sich in der letzten Zeit sowohl in Wien als auch in der Provinz. Bisher sind acht verschiedene Typen dieser Fälschungen im Umlaufe. Es sind Legierungen, aus Zinn, Zink, Antimon untz Blei hergestellt. Unter diesen verschiedenen Typen ist e i n e als besonders gelungen zu bezeichnen, da sie vollkommen geeignet ist, Laien zu täuschen und den Eindruck eines echten Geldstückes macht. Die Polizei ist bemüht, du» Verbreiter dieser falschen Schillingstücke, besonders aber di». Erzcugungsstätte zu ermitteln. Berftlveirte ZwergroschenMcke. Aus Wiener-Neustadt wird uns berichtet: Bei der h.esiM städtischen Sicherheitswache liefen dieser Tage von mcijinwtt Geschäftsleuten Anzeigen ein, daß dieselben von unbekannten Männern versilberte Zweigroschenstücke an Stelle von H a l b s ch i l l i n g st ü ck e n als Bezahlung empfangen haben. In welchem Ausmaße diese versilherlen Zweigroschenstücke, welche den Halbschillingstücken täuschend ähnlich' sehen, im Umlaufe sind, konnte bis jetzt nicht eruiert werden. „Die Ingend «nd Ihr Mg." Ein Vortrag der Fra« Anitta Müller-Cohen. Der Zionistische Mädchenverein „Mirjam" veranstaltet Dienstag den 4. Mai um 8 Uhr abends im Niedevösterveichischeu Gvwerbeverein, 1. Bezirk, Eschenbachgasse 11, einen Vortrag der Frau Anttta Müller-Cohen über das Dhema Jfcid Jugend und ihr Weg". Es gelangen neue Lichtbilder aus Erez Israel zur Vorführung. Der Abend bringt ferne; KamnlermMrorträge AzWULntzM Ü80&

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