Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2582 (1.5.1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sb. Süffl ffiUit, SamW, IBtat« fBwatitsrifttm Wieder eröffnet I Hotel National Wien, II. TabontraMC 18 Telephon 42-5-33 Vollständig neu eingerichtet, zentrale Lage, 200 Zimmer mit Messendem kalten u. warmen Wasser, Bäder, Zentralheizung, Litt. Kaffeehaus und Restaurant im Hausei Mössige Preise 1 Nene Leitung 1 Ser deulsch'NlMche Vertrag. Erkläre rrgerr Benesch' im Prager Senat Prag, 30. April. (Tsch. P.-B.) Minister des Aeuhern D r. Benesch erklärte in seiner im Außenausschuß des Senats gehaltenen Rede: Der deutsch-russische Vertrag berührt bis zu einem gelvissen Grade direkt und indirekt das, worüber int Marz verhandelt worden ist. Der Vertrag bildet heute den Gegenstand der Prüfung durch die einzelnen Regierungen. Auf verschiedenen Seiten bestehen Zweifel, ob der Vertrag den Verpflichtungen des AZölkerbundpaktes entspricht. Unsere Regierung Prüft diese Angelegenheit in politischer und rechtlicher Beziehung und nimmt bisher'auch einen zurückhaltenden Standpunkt ein. Unsere Ansicht war immer die, daß Deutschland und Rußland das Recht haben, über ihr Zusammenarbeiten übereinzukommen, wie sie es für geeignet erachten. Aber als Mitglied des Rates und des Bundes hat die Tschechoslowakei ein Interesse daran und auch die Pflicht, darüber zu wachen, daß der Vertrag keines Staates so geartet sei, daß er den Prinzipien, und den Interessen des Völkerbünde? entgegensteht. Dasselbe gilt auch vom russisch-deutschen Vertrag. Unter diesen Umständen und von diesem Gesichtspunkte aus prüfen ihn die einzelnen Regierungen. Von deutscher Seite ist erklärt worden, daß darin nichts enthalten sei, was dem Völkerbundpakt und dem Vertrag von Locarno widerspreche, und nichts, was irgendeine Aenderung der Politik Deutschlands in dieser Angelegenheit bedeuten würde. Auf ber anderen Seite haben sich russischerseits in der letzten Zeit sehr scharfe Tendenzen gegen den Völkerbund gezeigt. Dieser Widerspruch hat Zweifel hervorgerufen und ruft sie weiter hervor. Daneben sind Zweifel darüber entstanden, ob der Text des Vertrages und dessen Begleitnoten so geartet sind, daß sie keine juristischen Einwände Hervorrufen. Einstweilen hat sich in dieser Angelegenheit noch niemand geäußert. Bisher wird insbesondere in. Paris und London eine detaillierte juristische Prüfung vorgenommen. Wir Werden dieselbe Politik befolgen, die wir in der Frage des Eintrittes Deutschlands in den Völkerbund und in allen damit zusammenhängenden Fragen von allem Anfang an eingenommen haben. Der Minister erklärte schließlich, er könne gegen- Ivärtig nichts darüber sagen, wie sich für die übrigen Staaten diese Angelegenheit in Genf bei der Beratung des Rates im Juni oder .in der Vollversammlung im September gestalten werde. Das sei einstweilen bei der heutigen ziemlich ungeklärten Lage das, was der Minister habe äußern könne».. Auf eine Anfrage des Senators Stodola über die wlrlfchaftttchen Folgen des deutsch-russischen Vertrages erklärte Minister Doktor B e n e s ch, er glaube der Vertrag habe sowohl ö k ono mischen wie politischen Charakter. Eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten könnte sicherlich daraus hervorgehen. Die geographische Lage und die wirtschaftliche Kraft Deutschlands erzwingen diese Situation von selbst. Ob die heutige Wirtschaft und die Rechtslage Rußlands eine größere Zusammenarbeit mit Deutschland und damit auch mit den übrigen Staaten gestatten werden, bleibe ein Frage. Der Minister lehne die allzugroße Ueberschätzung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Rußland, als ob diese eine, augenblickliche und weitreichende Aenderung verursachen würde, ab. Auf der anderen Seite darf man es aber nicht unterschätzen, wenn gewisse Millionen des Exports aus Rußland zu uns kommen. Bei uns zeigt das dann seine Wirkung auf die Beschäftigung, beziehungsweise auf die Arbeitslosigkeit. Der Minister unterschätze dies nicht und konstatiere, daß er immer den Standpunkt normaler Beziehungen zu Rußland verteidigt habe. Für die Zukunft' brauche man aus dieser Lage keine Besorgnis zu haben. Dabei bleiben die bisherigen Richtlinien und Prinzipien der tschechoslowakischen Politik zu allen Staaten unverändert. Auf die Anfrage des.Senators Dr. K a r a s (Bolkspartei) über Erleichterungen, bezÄhivigsweife die Aufhebung per Reisevifa, erividerte Minister Dr.. Be nesch, daß die Gründe, die dem entgcgensteheN, hinlänAich bekannt seien. Es handelt sich vor allein um Emigrations- und wirtschaftliche Gründe, welche sich -der bedingungslosen Aufhebung der Bisa entgegenstellen. Weiters seien es auch Gründe, wie sie 1 die letzte Geldfälscheraffäre geM-igt hat, die es notwendig erscheinen läßt, daß die Polizei wisse, wer imMr im betretenden Staat einurrjb ausgeht. Bon rer in Genf diesbezüglich vorbereiteten K o n- ^'erenz lassen sich irgend welche Veränderungen n i ch t e r wa r t e n. Sie Wellwirtschastslonserenz. Der Ausschuß tritt erst iur Oktober zuswurrirem . (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Genf, 30. April. Die Arbeiten der ersten Tagung des Vorbereitungsausschusses für die internationale Wirtschaftskonferenz können als abgeschlossen gelten. Nach einer gemeinsamen vertraulichen Sitzung der Unterausschüsse am heutigen Nachmittag wird, morgen Vormittag in einer öffentlichen Schlußsitzung das Arbeitsprogramm des Vorbereitungsausschusses bekanntgegeben werden. Der ursprüngliche Plan,, den Ausschuß noch diesen Sommer zusammenzuberufen, wurde fallen gelassen. Die nächste Tagung ist für Oktober vorgesehen. STÜH "Bruderfy ./ifuthfabnk WIEN VII.KAISERSTR.V1A6.im itock Original •Pariser 4Modelle §eiail "Verkauf 7 2U Sie -avvtverhandlmig gegen die Frankenfalscher. Budapest, 30. April. Für die am Freitag den 7. Mai beginnende Ha >u ptve rha ndl u n g i m Fra n k e nfälscher Proze ß herrscht allenthalben großes Interesse. Samt l i che Eintrittskarten sind bereits vergriffen. Am ersten Verhandlungstag gelangt die bereits vor Monaten. ssrtiMestellte Anklage des Prälst'ldenten der Staatsanwaltschaft zur Verhandlung. Eine neuerliche Ergänzung der Anklageschrift wird nicht erfolgen. Meszaros soll in Konstantinopel verhört werden. Budapest, 30. April. Der französische Polizeikomurissär D o u l e e t und der Vertreter der Bank von Frankreich C o l l a r d - H o st i n g u e sind heute nach Konstantinopel abgereist, um dort mit Hilfe der türkischen Behörden eine Einvernahme des Notenfälschers Meszaros herbeizüführen, dessen Auslieferung an Ungarn die türkische Regierung bekanntlich verweigert hat. Wiederaufnahme der deutsch-polnischen Wirtschastrverhandlungen. Am 20. Mai in Berlin. . (Eigendienst d.r „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 30. April. Zwischen der p.o l n i sch e n und der deutschen Regierung kam es'bereits, zu einer Verständigung über . die.Wi.ederausnah m e d e r b ei.der s e i t i g en W ix tsch as t sv er-, h a n d l u.n g e n i n B e r l i n. Die. polnische Delegation reist, in verstärkter Zusammensetzung . am 18. Mai nach, Berlin, wo am 2 0. Mai die Besprechungen ausgenommen werden. Lr. Reich über die „Uaoba". (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Warschau, 30. April. Gestern wurde, wie schon kurz berichtet, im polnischen -Sejm das B uidge tp r o v.i s o r i u m für die Monate Mai und Juni in zweiter und dritter Lesung angenommen. Der Vertreter des jüdischen Sejmiklubs, Abgeordneter Dr. Reich, der erst vor kurzem aus London hier eingetroffen ist, kam in-seiner Rede anläßlich der zweiten Lesung des Budget- Provisoriums auch auf die Frage der „Ugoda" des Polnischjüdrschen Vertrages zu sprechen. Abgeordneter Dr. Reich erklärt kategorisch, daß der Vertrag, entgegen der Behauptung Grabskis, 42 Punkte und nicht 12 Punkte enthalten hat. Dr. Reich jagte: „Gegenüber der jüdischen Minderheit benützt die Regierung ein schr primitives Mittel: Sie leugnet 'alles, was sie gestern feierlich versprochen hat. Dem Unter- Aus dem Leben meiner Vaters. Bon Maxa Nordau. Oft pflegt der Leser einer Erzählung oder eines Dramas sich den Autor in den düstersten Farben auszumalen; so dürfte auch mein Vater, der scharfe Kritiker, der häufig gegen die' Verkehrtheiten, der Gesellschaft zu Felde zog, in der Phantasie des Lebens als ein „starker Marzn" leben. Diesen Eindruck erweckte er auch mit seinem gefunden, kräftigen Körperbau, und doch ist es wahr, daß er von schr weichherziger 'und bescheidener Natur war. Auch mir gewährte er stets die volle Freiheit der Entwicklung nach meiner Art und meinem Millen. . * Nordau würde irr Budapest geboren. Sein Vater war ein orthodoxer Jude. Bis zu seinem zehnten Jahre erhielter eine religiös-jüdische Erziehung. Im Alter von 18 Jahren kam er in die Mittelschule,, wo er mit der modermn Literatur in Berührung trat. Besonders starken Einfluß übte auf ihn die. griechische schöne Literatur; eine neue Welt .ofenbarte sich ihnl, eine Welt voll erhabener Schönheit, in die er allmählich eingedrungen ivar, so daß er fast der Wiege seines Volkes vergaß... Aber seines jüdischen Namens hatte er sich niemals; geschämt. In der Zeit, da Europa von einer antisemitischen Sturzwelle überflutet wurde und Oesterreich uut# Deutschland die Zentralherde des Antisemitismus ivaren, gehörte Nordau einem Klub an, dessen Mitglieder aus den angesehensten Persönlichkeiten der i ungarischen Hauptstadt bestanden. Die Klübmitglieder, zumeist der Gentry angehörend, kannten Nordqu nicht näher und hielten ihn offenbar für den Ihrigen. Eines Tages, als es ihm offenbar lvurde, daß der Klub ein Zentrum antisemitischer Bestrebungen Morden war, da entflammte in ihm-der im tie ften Innern glimmende jüdische Funke; Nordau -hielt in einer Klubsitzung eine zündende Rede gegen den Antisemitismus ,und schied aus dem Klub W. Es kam die finstere Epoche unserer Geschichte: . Pogrome in Rußland, Verfolgungen in Rumänien, der Dreyfus-Prozeß in Paris. Diese Ereignisse und die durch sie geschaffene furchtbare Lage unseres Volles reizten sein Gemüt zu mächtigem Protest; sein Herz lehnte sich gegen die Ungerechtigkeiten und, Grausamkeiten gegen, seine Brüder auf. Er -begann sich Mit Herz und Kopf in die Judenftage zu vertiefen; von da an war Nordau Zionist.' * Als Herzl zum erstenmal nach Paris kam, traf er mit Nordau zusammen und weihte ihn in dreistündigem Gespräch in alle seine Pläne und Ideale bezüglich des jüdischen Volles ein. Nochau folgte den Ausführungen mit Ernst und Aufmerksamkeit und fragte Herzl mit der gewohnten Offenheit, ob er ihm ein Traummärchen erzählt habe, worauf Herzl mit dm seither historisch gewordenen Worten antwortete: ,Mem S i e wollen, ist es kein Märchen!" Nordau antwortete: „Verfügen Sie über mich, ich will Ihr in- Ewigkeit ergebener Diener. fein!" Bon diesem Tage an arbeitete Norda-u .in Wort und Schrift für-die zionistische Bewegung. Tag und Nacht hatte er. sich ihr gewidmet. Er hat überhaupt sehr viel gearbeitet und gerade in dieser se-ner Entwicklungsepoche ivar er am produktivsten. In jener Zeit schrieb er die meisten feiner Bücher. Um 6 Uhr morgens war er «bereits bei der Arbeit; in den ersten Morgenstunden war sein dichterischer Geist am regsamsten. Da Pflegte er seinem Sekretär so flott zu diktieren, äls ivenn er aus einem Buch vorgelefen hätte. * Mir war er mit der ganzen Wärme seines Herzens zugetan. W er zur Ueherzeugung kam, daß das Wichtigste für mich das Reisen wäre, zogen wir zwei Jahre lang durch ganz Europa. Das von ihm bevorzugte Land ivar von jeher Spanien. Dem er selbst entstammte der alten großen spaniolischen Familie Abarbanel und in seinem Vaterhause war die spaniölische Tradition erhalten geblieben. Bon seinem Vaier erlernte er auch den spaniolischen Dialekts der von tes Wie aMNs SSM M M-W In einer spanischen Hafenstadt gingen wir zeitlich früh auf den Marktplatz und wollten Obst kaufen. Nordau, der ein. sehr schöner Mann war, zog die allgemeine Aufmerksamkeit Ms sich. Ws er eine der VeMusevin in spaniölischer Sprache anredete, schaute sie ihn verdutzt an und, ohne ihm zu antworten, meinte sie, zu ihrer Nachbarin gewendet: „So ein hübscher junger Mann —: und verrückt...!" Nordau -beherrschte viele Sprachen nnld hatte ein ganz vorzügliches Gedächtnis. Schon als er ein kleines Kind war, legte sein Vater Gewicht darauf, das Gedächtnis des Knaben zu schärfen.; Der Kenntnis der Weltsprachen hatte er es zu verdanken, daß er sich mit der Weltliteratur vertraut gemacht hat und mit den Dichtern und Schriftstellern aller Völker in Verbindung treten konnte. Norton war Philosoph, Dichter und Schriftsteller; er schrieb diese Gedichte, von denen aber nur .sehr wenige veröffentlicht wurden. Er war Arzt von 'Fach, aber ohne besonderes Ideal auf diesem Gebiete. Besondere Liebe hatte er für Byron, unter dessen Einfluß er stand. Nordau erhielt eine Unmasse Briese von feinen Lesern, einfachen Menschen, die ihm ihren Tank für dm Genuß an seinen Werken äusdrückten. Besonders gerührt war er von einem Brief, dem ihm ein griechischer Sträfling schickte, der eine lebenslängliche Kerkerstvafe abbüßte. Dem Brief war ein Messer beigeschlossen, auf deren Klinge ein Satz aus den Werken NowauS graviert war. Der Brief war in wunderschönem 'Stil geschrieben. Lange dachte mein' Vater nach, wie er dem Sträfling antworten solle. Schließlich schrieb er „an den 'unglücklichen Sträfling..." Griechenland liebte Nordau mit schwärmerischer Verehrung. Erstvar auch in Griechenland sehr populär und in «Athen ist eine der Hauptstraße:! nach ihm benannt. Indien mit seinen Mysterien und die ganze indische Philosophie hatten ihn gefangen genommen. Er besuchte Indien und schrieb zwei Bücher über die indische Philosophie, die noch nicht gedruckt sind' -und die in Amerika erscheinen dürften. All dies war vor dem Kriege. Als der Krieg ausbrach,. feeMS «S S Mt Mwi ich tz chvgs W MM« M,