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Wiener Morgenzeitung · 1926-05-01 · Heft 2582 (1.5.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2582 (1.5.1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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■ Men, HayMg ^^^^^>>EW»»^MOOMMU«nWWanMWa>a>WMMSnMaaaaaaMW^i«M>»-.———— ■ - - -• -^- ■ -‘ d 4r va. lt«i»CTitraii« 1„ WIEN .!*.,.ÄticiWr«.; kt, a Weiskirchner. -y. Wie«. 1. Mai. Richard Weiskirchner ist gestern plötzlich gestochen. Ein Herzschlag hat dem Leben, das Politisch schon länge vollendet war, das physische Ende gesetzt und die christlichsoziale Partei, der Weiskirchner gedient hatte, wird das Leichenbegängnis sicherlich zu einer großen Demonstration auszugestalten suchen und den Mann beweinen, an dem sich das Wort bewahrheitet hat, dasi Politik letztem Endes schnöden Undank als einzigen Lohn erntet. Weiskirchner ist von seiner Partei schimpflich behandelt worden. Sein letzter Mt vor der Oeffentlichkeit geschah in der ersten Sitzung des jetzigen Nationalrates, als er die Wahl feistes MchfolgerS als Präsident zu leiten hatte. Er ging dann, gebrochen und verbittert, aus dem Saal, verlassen dorr der Partei und von - den vielen, die sich vor ihm, dem so mächtigen Bürgermeister, Minister, Präsidenten gebückt hatten. Die Menschen seiner Richtung, seiner Weltanschauung wandten ihm den Rücken. Seine Macht war zu Ende und damit seine Geltung. Ein Schicksal von hoher Tragik, aber wenn man's genau besieht, doch nicht so unverdient, wenngleich nur im historisch-politischen Sinn. Weiskirchner stürzte über einen Mt verständnisvoller Menschlichkeit. Er hatte einer Nahen Verwandten gestattet, von dem gesetzlichen Recht der Dispensehe Gebrauch zu machen. Das konnte ihm der klerikal-orthodoxe Flügel seiner Partei nicht verzeihen. _ Was er sonst im Leben gewesen war und in stets auffteigender Ämfbahn erreicht hatte, das ist identisch mit. der Geschichte der christlichsozialen Partei,/die für die Katastrophe der Monarchie von bestimmendem Einfluß gewesen ist. Diese Partei, aufs engste verbünden mit der regierenden Trias der Hofgesellschaft, des hohen Klerus und der Militärbureaukratie, drängte Oesterreich auf den Weg, der im Krieg den Abschluß gefunden bat. Sie niüchte aus dem Staat der Rationalitäten, dessen einzige Funktion die des Ausgleiches sein konnte, ein von nationalistischen und Machttendenzen beherrschtes Gebilde. Es war die in ein Programm gegosseneSabotage an ^dem Lebensinteresse des Staates, ein kleinbürgerlich angestrichener Feudalismus, in dessen Wirksamkeit die Verkehrsmittel der Zeit». Telephon und Eisenbahnen, Unrühe hineintrugen. Die Partei, die die Aufgabe aus sich genommen hatte, die soziale Frage bei Bodenbach' sestzühMen, wähltesich als Prinzip der Agitation den schrankenlosesten Antisemitismus. In dieser Zeit liegen die Anfänge Weiskirchners, des Organisawrs der Luegerschen Siege, deren Untergrund eine Pogromhetze war, die sich von den heutigen Methoden der Hakenkreüzlevei nur sehr wenig unterschieden hat. Der Judenhaß wurde auf allen Gebieten praktiziert. Die Partei der neuen Aera schob mit Hilfe einer geschickt angelegten Organisation ihre Angehörigen in alle Positionen, sie stellte die Regierungen und die Aemter unter den Druck einer gewalttätigen, stets angriffslustigett Propaganda, in der deutschnationale, österreichisch-patriotische und-religiöse Schlagworte zu einem für die Umwelt unverständlichen Gemengsel vereinigt waren. Um so verständlicher aber war es im Inneren und Weiskirchner stand im Vordergrund der Kampfer, die sich um die Popularisierung der neuen Heilsbotschaft mühten. An demagogischem Talent war er Lueger gleich, als Organisator übertras er ihn. Der Meister war ihm dankbar und wußte, die agitatorische Kraft zu schätzen. In der Tafelrunde des Königs Artus nahm Weiskirchner eine bevor-' zugte Stellung ein. „Steig' auf, Richard, steigt auf!" rief ihm Lueger zu. Richard stieg auf. Magistratsdirektor, dann .Handelsminister unter Biene.rth. Spqter Präsident des ersten Volkshauses des allgemeinen Wahlrechtes, banst Bürgermeister von Wien. Sern Wirken war im Anfang ganz auf die Erfüllung seines antisemitischen Programmes eingestellt, dem er ja den Beginn der Karriere zu danken hatte. Die städtische Verwaltung wurde rasch judenreinjüdische Hausierer, und Trödler bekamen die neue Aera sehr bald zu spüren. Nicht die reichen Juden, die sich mit Lueger schnell abgefunden hatten und auch mit WeiErchner gut Freund wurden. Die jüdische Assimilation macht gerne Kompromisse; wenn sie nicht direkt betroffen wird und der Kamps sich nur gegen die Armen wendet, dann verzeiht sie den rüden Ton, der sich ja im Lauf der Seiten avschlem. Die Würdelosigkeit dieser Schichte der jüdischen Bevölkerung hat dem Antisemitismus die Arbeit stets erleichtert. An ihr und ihrer Negation alles Jüdischen ist der Judenhaß; der stillen, schleichenden Tat groß geworden, und sie liefert ihm seine Parolen. Auch die. christlichsoziale Boykottmaxime, .die doch von Haus aus auf Korruhtiyn eingestellt ist, hat mit dieser Schichte Frieden geschlossen, noch HOTEl-^'RESTAURANT GUTH II., Hollandstraete Nr. 14 VORNEHMER RBATAURANT Mit ERRTHtAERlGER KÜCHE MENU ZU 6 1.80 UND y 2.20 Uebernahme von Dinars und Soupers In und a(|SSai Haus ' Jeden Samitaa und Sonniug Souper daneani / Jeden Senntag Fünf-Uhr-Tee mil Tanx im Baauo» ladet hft«, «In J. OUTH, EeaJtm., docMie. Am besten sin Wiener Morsen-ettiing zu Lebzeiten Luegers, und Weiskirchner war auch hierin der Schüler des Lehrers. Die jüdischen Plutokmten, denen es auf eine Taufe mehr oder minder nicht ankommt, haben mit ihm geiyeinjstm das Durchhalten gepredigt. Sie haben ihn akzeptiert. Seine Partei W ihn'verraten. Don der Wschen Wauderon». (Ei gendienst der „Wiener Morgenzeltmig".) London, 29. April. Auf der letzten Konferenz des Vereinigten jüdischen CmigrationSkomitee-, an der sich auch Vertreter der des Joint und der „Hiar" be< teiligten, wurde beschlossen, jene jüdischen Emigranten, die in den einzelnen europäischen Hafenstädten seit längerer Zeit verbleiben mußten, weil ihnen die Einreise nach Amerika vorenthalten würde, nach Kanada und Palästina zu dirigieren. Die kanadische Regierung hat bereits 800 Visa Zur Verfügung gchellt, ebenso hat die Exekutive der zionistischen Weltorgan i s at i on versprochen,, dem Emigrationskomitee einige hundert Zertifikate für die Einreise nach Palästina zu übermitteln. Lmim m. AuOtt ■Dauerstrümpfe haben Weltruf «n Elegant, unverwüstlich > Oeberall «irbditlicH Zentrale: LEO SUSSMANN Wien, 1, Bezirk, Schwerigatte Nr. % Re Frage der Swang-ionntagsrnbe in Saloniki gelöst. Saloniki, 29. April. (I. T. A.) Präsident Pst n-’! galos hat eine Verordnung erlassen^ wonach den Juden Salonikis gestattet wird, des Sonntags drei Stunden zu arbeiten, sowie die Geschäftsläden und Bureaus offen zu halten. General Pangalos betont in seiner Mitteilung, daß er durch dieses Entgegenkommen gegenüber den Forderungen der Judenschaft Salonikis zugleich sein Wohlwollen gegenüber der Judenschaft ganz Griechenlands zum Ausdruck bringen wolle. Kolonel Kisch Wer aktuelle Palästmafragen. Lle Krise and ihre UeberwiMmng. — Sie Frage der nationalen Anleihe. — Nie „offene Stellungnahme" der Dekgmann-Magnes-Sruvde rar MiMrfrage. - Die Exekutive und dar Waad Haleumi vor der nöchfte« Session des Völkerbandrates. — Das Aktionskomitee «nd die Vorbereitung der kommenden Exekutive. (Bott unserem Haistier R.-B.-Korvefpondentem) Kolonel Kisch der Leiter deS politischen Departements der Zionistischen Exekutive in Jerusalem, hatte die Freundlichkeit, Ihrem Vertreter in einer ausführlichen Unterredung Mitteilungen und Ausilärungen in Fragen zu geben, die heUte die zionistischeöffentliche Meinung interessieren. Frager Welche Maßnahmen wisst die Exekutive, um die gegenwärtige wirtschaftliche Krise zu beseitigen? Antwort: Zunächst einmal muß ich mit Genugtuung-.feststellen, daß in den.'letzten zwei Monaten die Krise ab geflaut ist. Die Arbeitslosigkeit hat,, wenn nicht gänzlich doch stark äbgenockmen, bie. lebensfähigen industriellen UtiterneMiungen scheinen den. Mg zur Konsolidierung gefunden zu haben. Obwohl in den letzten zwei M o n aten ungefähr 4000 neire-EiriwandererstnS Land gekow.me n.sind, istpieKrise seichter geworden. Hie Exekutive Mt alles'mögliche, um die ArbeitSloMeit zu beheben undipie (Existenz der.Industrie Au,-«ttnogstche»^^,Jn dieser Beziehung haben Wif-Manch^ .erreicht. Wir hoffen, in der allernächsten. Zeit.dieHyPoichek e noanI.zu aktrbieren, was selbstvetstänolich die "DaützewegstÄg 'fördern wird. Die Verhandlungen über die Beschaffung des Kapitals für dieses so wichtige Unternchmett stießen auf Manche SchwieriMten. Die amerikanischen Geldgeber, verlangten, daß die Obligationen auf Dollarwahrung lauten, eine Forderung,' die Schwierigkeiten juristischer Natur mit sich brachten. Die juristischen Sachverständigen der Regiemntz haben die Frage studiert und der OberkommWr versprach bei unserem letzten Begegnung, daß in den nächsten Tragen die Frage Positiv erledigt werden wird. Nach Ueberwindung dieser Schwierigkeit stcht der Aktivierung der Hypothekenbank nichts im W e ge. Die Amerikaner haben sich bereit Märt, das Geld in Raten von je 80.000 Dollar zu investieren. Sowie eine Rate für Hypothekenkredite verwendet worden ist, soll die nächste folgen. Wir Hoffen, daß durch dieses Fmanzinstrnment sich die Baubewegung n och in diesem Sömmer entfaltet, was selbstverständlich die Arbeitslosigkeit in starkem Maße beheben wird. Ein neues wichtiges Unternehmen ist der Bau der.Straße Ja.ffa-rPetach Tikwah. Die Verhandlungen mit der. Regierung in dieser Frage sind so weit, gediehen, daß Lord. P l U m e r uns. versprochen hat, in. zwei bis drei Monaten den diesbezüglichen Vertrag zu bestätigen. Die Exekutive führt gegenwärtig Verhandlungen mit privaten Persönlichkeilten, um eine kleine Anleihe, die für öffentliche Arbeiten verwendet -werden soll, zustande zu bringen. Die Verhandlungen entwickeln sich.günstig und wir hoffen, sie in mrzer Sit zum Abschluß zu bringen. Hier gelangten wir zu dem Problem der. großen nationalen Anleihe. Kolönel Kisch widmete dieser Frage die größte Aufmerksamkeit, da er eine Anleihepolitik bei dem gegenwärtigen Stand, unserer Finanzen für falsch hält. Er sagte: ,Oine Anleihe muß auf kommerziellen Grundlagen basieren. Sie muß zuvückgezahlt werden. Ohne Sicherungen astf eine Anleihepomik einzugehen, würde einen Bankrott mit sich bringest, Die Lage unserer. Wanzen ist heute so, daß man unsew Bilanzen immer mit' Defizit abschließt. Der Kongreß hat ein Budget angenömMett, datz nicht gedeckt werden kattn; nchn hat Kürzungen vorgenomüten, und all dies, weil unsere Ausgaben stets die Einnahmen Übersteigen. Solange diese AbstorMall 1 ät unserer Bilanzen nicht beseitigt wird, halte ich jede Anle ihePolitik für gefähtl i ch. Tenn sie würde vielleicht Augenblickshilfe bringen, doch das Endresultat wäre eine Viel ärgere Not, als die jetzige ist. Ich erachte als unsere nächste Aufgabe die Kon solid ier ü N'g 'de s Budgets. Ich leite. jetzt auch das Finanzdepaxiemenl der Exekutive, so daß ich den Stand unserer Wanzen genau kenne. Und gerade deshalb bin ich zu dieser UeberWguNg;götommen. Ich lege. Wert darauf, daß -die zloni..-stifche öffentliche Meinung die Frage der Anleihe g r ü n d l i ch. d u r ch st u d i e r e, da von ihrer Mung die ganze ZuMft m[m Frage: Wie vechält sich die Exekutive zur „offenen Stellungnahme" der Bergmonn-Magnes-Gruppe in Frage der Legion? Antwort: Wir können, niemand das Reden verbieten. Ich glaube aber, daß dieser.Schritt nicht vorteilhaft war. Denn die Exekutive und das Waad Haleumi haben eine klare und und unzweideutige Stellungnahme in Frage der AenderungüN der Militärkräfte des Landes eingenommen. Die Regierung kann in dem Borgchen der oberwähnten Gruppe eine R e. ch tfertigung für ihre Handlungen in dieser für uns so wichtigen Frage erkennen und das schadet selbstberstäMich dev StMmgnayme des Jischuw und der Exekutive, Inzwischen hat die Regierung dank dem energischen Vorgehen der Exekutive die erste Verordnung dahin abgeändert, daß stete inen Üttterschred zwischen Juden und Nichtjuden in den neu zu bildenden Korps, mstcht. Inwieweit dieses Nachgeben der Regierung den OistM-^der-''JUdM'. Ä neuen Formationen praktisch er^ möglichen wi^, wissen wir nicht. Unser letzter diesbeMüchcr: Beschluß gcht dahin, erst die Auswirkung der neuen Verordnung abzutvarten und dann, wenn notwendig, unsere Mion durchzuführen. Frage: Stellt die Jewifh Agency -in. dem Memorandum, das der nächste« Session des Völkechund'rates überreicht wird, bestimmte Forderungen? Wie ist die Erklärung Weizmanns in der letzten Sitzung des Waad Haleumi zu verstehen, der Waad Haleumi möge vor dem Völkerbund mit einer Delegation erscheinen, die di« Forderungen des Jrschuw vortragen soll? Antwort: Ich arbeite schon längere Zeit an dem Memorandum und es sind auch manche Forderungen borge-' scheu.. Wir führen .jedoch gegenwärtig mit der RegievUW Verhandlungen in bezug auf diese Forderungen, die zu einem günstigen Abschluß führen dürften, so daß alle Förderungen an den BiMebbund Überflüssig werden.' Auf meine Zwischenfrage: „Welche sind diese Forderungen?", erklärte Kölonel Kisch, daß er nicht in di!r Lage sei, schon heute eine Antwort zu geben. Was die EÄlärungen Meizmanns in der letzten Sitzung des Waad Haleumi betrifft, so glaubt er, sie seien so zu verstehen, daß der Waad Haleumi als .Vertreter eines Teiles der Bevölkerung Palästinas das R e ch t hat, vor dem Völkerbund zu erscheinen und von diesem Rechte Gebrauch machen kann. Auf ein« Mite Zwischenfrage, ob diese Forderungen dem Geiste der Jewifh, Agency entsprächen, erwiderte Kölonel Kisch: Es kann Vorkommen, daß manchmal die Politik der Jewifh Agency nicht ganz im Einklang steht mit den Interessen des Jischuw. Dies eMrt sich daraus, daß die Jewifh Agency stets auf die ErMnng des großen Ideals hinzie'lt.- Manchmal müssen Munsten des Ideals Schritte, gemacht werden, welch« die momentane, Lüge des Jischuw zu beeinträchtigen geeignet sind.'Dasselbe gilt 'bezüglich der Arbeit beim Völkerbund. Wir gehen vom Standpunkt des Ideals aus, während der Waad Haleumi vom Staridpunkt der unm-ittelbaren Interessen des Jischuw ausgehen muß. Selbstverständlich, daß wir stets bestrebt sind, die beiderseitigen Forderungen in Einklang zu bringen. Frage: Halten Sie für zweckmäßig, -aß das Mioiffskomite« sich schon jetzt mit der Frage der zukünftige« Leitung beschäftige? Antwort: Ich balte es nicht n«r für zweckmäßig, sondern für notwendig, da wir wieder vor einer unangenehmen Situation stehen könnten. BOHEME-BAR am Zoo, Berlin, Hardenbergstr Nr.87. Direktion! N. v Benedito Tretfputilct der Fremdenveit Berlins £»Uhr«Tce » Souper prlx fix Exqul«Ue Kftdie Kapelle i ScaÜ«S«o|»o«ndf Milano, ferner der Wiener Humo- rlat Charite Woeber N17 I

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