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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-30 · Heft 2581 (30.4.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2581 (30.4.1926)
Date
1926-04-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Ae Srganisation des Bottes. VvN I. GkÜnhMW, Deputierter des polnischen Seftn. Ovei große, in Wahrheit epochemachende Ged.mken hat Herzl dem jüdischen BE geschenkt: den Gedanken des „Judenstaates" und den Gedanken der „Organisation". Schon vor Hekzl bestanden größere und kleinere Organisationen, sogar Weltorganisationen — die Alliance Jsraelite Universelle zum Beispiel —, aber die von Herzl geschaffene Zionistische Organisation war dennoch ein völlig neuartiges Gebilde. Herzl bezeichnete sie als den „JudenDat.unterwegs". In Wahrheit hat sie auch bereits in den ersten Jahren ihres Bestehens charakteristische Elemente der Staatlichkeit in sich entwickelt. Im weiteren Verlause ihrer Geschichte haben sich diese Elemente derMrkt und verdichtet. Was ist die Zionistische Organisation heute mit ihrem Korrgreß, mit ihren Ausführungsorganen, die dem Kongreß verantwortlich sind, wie eine Regierung ihrem Parlament, mit ihren auf DelbMefteuerung ausgabauten finanziellen Institutionen, mit ihren verschiedenen Parteirichtungeü, die sich heftig bekämpfen und doch zu einem Ziele Zusammenwirken? Ist die Zionistische Organisation ein großer Verein wie die Alliance? Eine Partei? Eine Liga? Ein Verband von Parteien? Tie vereinigt in sich Elemente aus allen diesen Gebilden, sie hat aber noch andere charakteristische Eigenschaften, die sie Wer jene erheben und die ihr Achnlichkeit verleihen mit einen: Staat, wen:gsteus mit einem Staat, der in der Bildung. im Entstehen begriffen ist. Die Zionistische Organisation ist kein Verein: sie will das grnze Volksleben erfassen, während ein Verein seine Wirksamkeit im allgemeinen aus einen kleineren oder größeren Ausschnitt des Lebens, in jedem Falle imr auf einen Ausschnitt erstreckt. Die Zionistische Organisation ruht auf dem Fundament einer Idee, eines Ideals, das auf das Lebensproblem eines Volkes eine Antwort geben will, eines Ideals, welches der Ausfluß seiner verborgensten'Sehnsüchte ist, seiner stolzeisten Träume und ewigen Strebungen, eines Ideals, das durchdrungen und durchwirkt ist von Not und Pein, von Schmerz und Freude, von Haß und Liebe. Der Träger dieses Ideals, der Zionist, der Mitglied dieser Organisation ist, sucht und findet in ihr die Antworten auf alle Fragen des nationalen jüdischen Lebens. Er vereinigt sich mit anderen Zionisten nicht nur, um seinen unMcklichen Brüdern zu helfen, um sich selbst zu helfen, um den aus ihren Wohnländern Vertriebenen einen Zufluchtsort zu schaffen. Indem er sich mit anderen Zionisten verbindet, will er nicht nur eine größere oder kleinere Anzahl von Juden aus dem Händler- und Vermittlertum herausreißen und sie in neue Berufe überführen, er will ihnen nicht nur neue Erwevbsmöglichkeiten gckben, sie auf den Feldern ihrO Pandas an- , siedeln, ihnen so ein neues Leben schassen und sie vom Fluch ' der ewigen Wanderung Wer die Welt erlösen. Er schließt mit arideren Zionisten die Reihen nicht nur, UM das Volk, seine Sprache, .seine Kultur, feine schöpferische Ktaft zu neuem Loben zu erwecken, um sein Ehemaliges Vaterland wieder zu errichten und das Voll aus tausendjährigem Gckus zu befreien, um die geistigen und physischen Ketten des ewigen Hasses zu zerreißen, der es auf feinen Wanderungen begleitet! Sondern aus allen diesen Gründen in ihrer Eesvmcheit, um der Renaissance willen, um der Befreiung willen, um der 1 Erneuerung willen, für die VerwiEichung jenes felsenfesten Glaubens, m dem das Volk in schlechten und guten Zeiten gelobt hat, für die, Verwirklichung der uralten Hoffnung, die niemals aus seinem Herzen entschwunden P: daß einmal die Stunde der Befreiung schlagen werde, die Stunde, da die Toten wieder auferstehen würden. Aus allen diesen Gründen verbinden, sammeln sich die Zionisten in einem Lager, in einer Organisation. Die Zionistische Organisation ist keine Partei, obwohl sie ein Programm hat, das sie von anderen jüdischen Parteien, nationalen urtd nichtnationalen, unterscheidet. Denn ihr Programm — SeWstbefreiung, Regeneration des Volles, Aufbau und Eroberung des Vaterlandes — kann von allen Klassen des Balles anerkannt werden Und wird von ihnen auch anerkannt. Es kann sich verschmehen und verschmilzt sich tatsächlich auch mit den verschiedensten sozialen und f$* turellen Anschauungen und Idealen, selbst solchen, die erst in eine fernere Zukunft weifen. In der Zionistischen Organisation habey nicht bloß einzelne Platz,,die für verschiedene soziale und kulturell Ideale wirken, sondern ganze Parteien, die diese Ideale in einem erneuerten Leben verwirklichen wollen, die für die Durchflug ihrer Ideen innerhalb der Zionistischem Organisation kämpfen — der Organisation, die das Leben aller aufbaut, das Löben dös ganzen Volles. Die Parteien kämpfen miteinander und vereinigen sich andererseits zum gemeinsamen Werke, aber die Zionistische Organisation ist nicht bloß eine Liga von Parteien, ein Verband von Parteien. Denn diese Parteien sind nicht nur aus einem Tätigkeitsgebiet verbunden, nicht mx vereinigt zur Erreichung eines Zweckes, sie Men vielmehr eine Einheit auf dem ganzen breiten Felde des Volkslebens, in dem ganzen unendlichen Prozeß der nationalen Regeneration. Die Zionistische Organisation ist 6a S organisierte Volk in seiner Anstrengung, sich vom Golus zu befreien, ein freies Gemeinwesen, einen Judenstaat zu schaffen. Schon in diesem Prozeß des Werdens, der beginnenden Befreiung wird die Organisation einem staatlichen Wtenei» Moegenzettutttt 86. AM ilM Vr. AU Prof. Eduard Meyer über Erez Zsrael. Sein Urteil: gn Palästina ist bereit« Eigenwirtschaft ahne Mimentlernng möglich. Berlin, 29. April. (I. T. A.) Einer Einladung der Berliner Zionistischen BereimMg folgend, sprach am 27. d. abends im LogenhauS, Kleiststraße, der Professor und frühere Rek 1 sr der Berliner Universität, Dr. Eduard Meyer, der soeben von einem mehrwöchigen Aufenthalt in Palästina zurückgekehrt ist, über seine Eindrücke und Erlebnisse in diesem Lande. Ter Name des berühmten Gelehrten» der grundlegende Werke über die Urgeschichte des jüdischen Volkes und Palästinas verfaßt hat, hat ein sehr zahlreiches Publikum angezegen. Prof. Albert Einstein sowie zahlreiche andere Vertreter der Wissenschaft hatten sich eingesunden. Man lvar gespannt darauf, wie Prof. Meyer, einer der. besten Keüner der Urgeschichte Palästinas und des jüdischen Volkes — zugleich ein streng dentschnationaler konservativer Mann —, das neue Palästina Und das neue Judeiitum gesehen hat. Prof. Eduard Meyer begann seinen Vortrag mit einer Uebersicht über die gegenseitige politische Gestaltung des mittleren^ Orients, wobei er feststellte, daß man vM einer einheitlichen ambischen Nation nicht sprechen könne. Er legte die Grundzüge der Baljour-Deklaration dar, die vom Völkerbund in seinem an England übertragenen Mandat über Palästina und Trattsjordanien bestätigt wurde und verweilte bei der von England vorgenommenen Trennung Transjordaniens von Palästina. Er anerkannte die strengste Unparteilichkeit des früheren High ComrrrisswrM, Sir Herbert Samuel, der, obwohl selbst Jude und sogar Zionist, dennoch die Vorschrift der Deklaration, daß beim Aufbau des jüdischen Heims die Interessen der arideren das 'Land bewohnenden Vorteile geschützt werden müssen, streng erfüllte. Nachdem die Bemühungen Sir Herbert Samuels, dem Lande eine Verfassung und ein Parlament zu geben, an dem Widerstand der Araber gescheitert waren, hat-die jetzige englische Regierung des Landes diese Bemühungen nicht fortgesetzt; sie wartet anscheinend ab, ob nicht die Entwicklung der Wirtschaft allmählich auch die politischen Gegensätze ausgleichen wird. Die. Niederlage der Haschemiten und .das Cmporkommen Jbn Sauds, mit dem sich nun England gut verträgt, hat eine neue Konstellation geschaffen, doch ist alles in diesem Teil der Welt noch unsicher. Die zentralarabische Bewegung strebt nach weiteren Kulturgebieten, vor allem nach Transjordanien. Zu bemerken ist, daß ' ' , die Araber Palästinas sehr scharf gegen die Lostrennnng;/ ';'TrMM«dMH»Sivop!' PaMVm'^stnd 7, - •.*' - ' und die Wiedervereinigung wünschen. Privatim wird versichert, daß England die Wiedervereinigung versprochen hätte. Zwischen den verschiedenen Nationalitäten und Konfesflo-! neu im Lande Herrscht ein gutes Einvernehmen und ein Mrwgegebenes Zusammenwirken. Höchst reizvoll war es, wie der gelehrte.Vortragende an Hand der gtoßeg hebräischen Palästinakarte ein topographisches und geographisches Bild des Landes gab und das historische Palästina mit dem gegenwärtigen Palästina verglich. Das Cisenbahniwesen ist vorzüglich ausgebaut. Bequeme. Au t 0 st r a ß e n durchziehen das Land, so daß man. in wenigen Stunden sp weit kommen kann, als früher in ebenso vielen Tagen. Noch aber merkt man, wie im Ämfe der Jahrhunderte das einst blühende Land verödete. Die einst fruchtbaren Täler des Jordans sind wüst, die einst dichtbewaldeten Berge und Hügel verkarstet. Die Ausrodung der Wälder führte dazu, daß die Wässer überall den Humus wegspültett. Mas aber einst fruchtbar tvar, kann es wieder werden. Eine rationelle Aufforstung wird, wenn nicht sehr bald, so doch im Verlauf der Jahre die Blüte des Landes steigern und Raum für zahlreiche neue Siedler schaffen. Auch das Jordantal kann wieder zu einem intensiven Kulturgebiet gemacht werden. Ter Redner überging dann zur Schilderung der jüdischen Kolonisation im Lande, die sich über den fruchtbaren, doch Nicht sehr breiten Küstenstrich und neuerdings über. das fruchtbare Tal Jesreel erstreckt. Die Gegend unt Jerusalem Wird landwirtschaftlich nicht sehr in Betracht kommen, Jerusalem wird das geistige und politische Zentrum bleiben. Tel-Awiw mit seinen jetzt 60.000 Eittwchnern bietet dem Fremden kein erfreuliches Bild. Man sieht sehr viele kleine Läden, sowie an den Sabbat« tagen ein großstädtisches Korso luxuriös gekleideter Frauen. Anders aber die Kolonien, wo die jüdischen Bauern eitt tolrkliches Lehen der Arbeit führen. Die Kolonien bieten auch ein schönes landwirtschaftliches Bild, man erhält den Eindruck richtiger Bauernwirtschaft. Eine lebenskräftige Bauernschaft ist ja die Grundlage des Volles. Im Zentrum der Kolonisation liegt Haifa, eine Stadt der Arbeit. Nach vorzüglichen Grundsätzen werden das Technikum und die jüdisch Realschule geführt. Die Schüler werden zur Selbstarbeit exogen, der übertriebeneJntellektnalismuswirdbekämpft. Der Redner bekundete seine größte Achtung vor einer Reihe ihm persönlich bekannter Zionisten, die gute intellektuelle Positionen amfgcgeben haben und sich nun der Akbeit in Palästina widmen. Einzig dastehend uNv Achtung , gebietend ist . der Versuch, hebräische Sprache und Kultur zu beleben, das Hebräische zur Umgangssprache M machen. Die Kinder sprechen zu Hause hebräisch und lernen erst in der Schule andere Sprachen hinzu. Der Redner hegt Bedenken wegen der sprachlichen Jsvliemng, er begreift aber, daß wenn sich ein Volk wieder aufbauen will, es eine eigene Sprache und Literatur besitzen Wolle. Prof. Eduard Meyer schloß seinen Dortrag mit der FesWllnng,'daß Palästina schon soweit Kulturland ist, Actfj ei schon möglich ist, eüre selbptäW Wirtschaft ohne Alimentierung von außen zu schaffen. Die Grundlage einer Vollswirtschaft ist ja die Eigenkraft der Bevölkerung, Die zahlreiche Zuhörerschaft spendete dem gelehrten Vortragenden wichen Beifall. Herr Kurt Bu.menfeld dankte ihm und. gab seinerseits ein Bild von der gegenwärtigen Lage des Landes, wobei er seststellte, daß der erste Eindruck von Tel-Alviw' kein richtiges Bild vermittle. Auch Tel- Awiwist eine Stadt der Arbeit. Gebilde immer ähnlicher, kommt sie dem ümmer näher, was' volle MMichkeit erst werden kann, «wenn das Endziel erreicht fein wird. Als staatsähnliche Organisation hat die ZionWsche Organisation im jüdischen Leben Gebrauche und Einrichtungen einführen können, die von der jüdischen Gesamtheit und noch mehr vom Mischen Individuum längst vergessen waren. Bor allem hat sich das Prinzip von Walhlen und von Verantwortlichkeit geichaffen und im Volksleben befchigt. Die Führer müssen gewählt werden! Sie bleiben Führer nur, solange sie das Vertrauen der Geführten genießen: auf diesem Prinzip ist die Zionistische Organisation erbaut und entwickelt worden, Hank diesem Prinzip wurde sie groß und stark und erzog den jüdischen Bürger, der sU) nicht mehr als ein Objekt größerer oder kleinerer Wohltäter fühlte, sondern als ein Objekt von Rechten und Pflichten, als ein freier Bürger des entstehenden, von ihm geschaffenen Judenstaates. Gerade' als freier Bürger ist er der größten Anstrengungen uud der schwersten Opfer fähig.; Und das ist vielleicht das Größte, was uns die Zionistische Orgunisation gegeben hat. D-'nn in dem freien Mischen Bürger, in der' Vergrößerung der Zahl solcher freier Menschen liegt die Garantie, daß die Zionistische Orgam- Mon ihr Ziel erreichen wird, liegt die Verheißung, daß das Mische Voll von den Toten wieder ansevsteht. Wiedereintritt der Kroate» in die ingo« slawische Regierung. Belgrads 29. April. (Tel.-Komp.) Nach zwei Tage währenden Vephandlungen ist heute abends die Regierun^gskoalition zwischen Radikalen und Radi-, eianern erneuert wordm. Ter König unterschrieb nachmittags den Erlaß, durch den das K a b i n e t t U.z unovie rekonstruiert wird. Danach wird Pavle Radie wieder Minister für Agrarreform, Dr. Krajac Handels- und Jndustrieminister, während zum Ackevbauminister Ivan Pu ee lij neu ernannt wivd. Um halb 8 Uihr hat das,umgebildete Kabinett Uzunovic den Eid ln die Hände des Königs aihgelegt. _ Der jüdische Sejmklnb gegen das Budget- Provisorium. Mgendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 29. April. Wie schon gernelidethat der Wische Sejmkkrb gegen 'das Bndgetprov-forium gsstimmt; hiebei gab Abgeordneter Hartglas im Namen des Mischen KIM folgende Erklärung über den ablehnenden Staicd- PUnkt des Kl-ubs ab: „In dieser für dm Staat so schweren Stunde wollen wir nicht die ganze Reche der Ungerechtigkeiten aufs Tapet bringen, d:e die Mische Bevölkerung erleiden muß. Aber wir können nicht verschweigen, daß trotz der Ueberwälzung der größten Steuerlast auf die Juden*ihnen anderevstits!das Verdienen unmöglich gemacht wird, indem man sie M:ngt, zwei Tage in der Woche Arbeitsrnhe zu halten. Der Herr Minister für Kül-üls und Unterricht tut alles, um der jüdischen Jugend ^das Stu>di>um in den staatlichen Lchrauftalten unmöglich zu machen und zugloich erschwert er die lEntwicklung eines besonderen jüdischen Schnttvevkes. Uöbevhaupt ruft 'das Vorgehei: des Herrn Unterrichts« mirästers in den Reihen der jüdischen Bevölkerung große Erbitterung hervor." stellen sich alle Gesinnungsgenossen für KEREN-KAJEMETH-Sammlungen hei den HOCHZEITEN zur Verfügung / Sammelmaterial (Pinkassim, Sammelbogen) im Keren-Kajemeth-Bureau, Wien, /., Kärntnerstrqße 28, erhältlich

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