Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2579 (28.4.1926)
- Date
- 1926-04-28
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3579 Wien, Mittwoch Wiener MMenzektnns SS. Mkr m Keil,; Kunst, Mhm, Buch. „Frau Suttner." Nerreinsiudrerung im Mademiethrattr. Müde schleicht das Schicksal in diesem fünfaktige-n Schauspiel Karl Schönherrs dahin. Allerdings liegt Müdigkeit dem Schicksal der Unfruchtbarkeit sozusagen int Blut. Man keucht unter dem Joch der leeren Einsamkeit und stcht Plötzlich vor dem Abgrund des Alters erschrocken da. Ellen Key wußte diesen Zustand und besonders seinen Gegensatz, das Glück der Bestimmung der Zukunft durch die Kruder, -richtig einzuschätzen. Schön,Herr verschiebt ein wenig das Thema «ruf das Persönlich-Geschlechtliche Und stellt so die üblichere Form der Tragik des Unfruchtbaren dar. Frau Snitner ist in erster Liirie zu alt; darum verlangt ihr noch recht gut erhaltener Mann, Kasper, nach der jungen, drallen Grell. Die Kinderlosigkeit ist mehr ein Unglück f.ttr die alte Krämerin selbst. Ansonsten ist die Stimmung zart wie in „Rosmersholm" tm'b die Entwicklung der Dinge nimmt auch einen sehr ähnlichen Berlins wie in Ibsens Drama. Nur ist die Gesamtkompvlsition hier viel viel! blasser, trotz der derberen, bäuerlichen Farben. Betonung des Zarten war eher Ibsens als Schönherrs Metier. Die Neueinstudierung im.Akademietheater unter der Spielleitung Treßlers geht schon im düsteren Szenenbild ans das Schicksalhafte los. Jeden Augenblick scheint jeder Schauspieler sagen zu wollen: Es wird so kommen, weil es -anders nicht kommen kann. Die ganze Welt hat sich der Trauer ■int Herzen dieser zwei Eheleute gefügt; das wirkt eintönig. Kann aber die Welt anders sein, wenn Frau Suitner ihren Kummer mit solcher Wucht trägt, wie in der Darstellung durch Frau Bleib treu! So still und unaufdringlich und dabei so ganz außerordentlich zu spielen, verstehen nur wenige Schauspieler. Frau Medelsky als die junge, lebenskräftige Gretl, scheint uns etwasmehr Munterkeit zu verzichten, um der unglücklichen Frau Suitner nicht zu sehr wehe zu tun. Die Zipfl-Moidl, sine hysterische alte Jungfrau, welche die tragikomische Seite zweckloser Weiblichkeit repräsentiert, gibt, markant und scharf typisierend, Maria Mayer. Franz R ubesch, Walter Huber und Blanka Glossy ausgezeichnet 'in kleineren Episodenrollen. Ein eigenes Lob verdient Ferdinand Mayerhofer. Nicht angekränkelt von den Intentionen des Dichters, des Regisseurs und der Suitnerin, stellt 'er einen Mann ans die Beine, der, hilflos und kindlich, den 'Kummer mit Schnaps und noch lieber das heiße Blut in den Armen einer jungen Mavd beruhigen würde. Mit einer weniger empfindlichen Frau hätte er die ganze Tragödie nicht nötig... Dieser frische Zug tut dem blutarmen, blassen Stück nur wohl... Leopold Thal er. Sascha Seifein PaMm. Heisetz widmet die Konzertvinnahmen für die Erbauung eines Konzertsaales in Jerusalem. Wir halben über die großen künstlerischen Erfolge des großen Geigers Jascha Heisetz in Erez Israel wiederhol: berichtet. Heisetz hat bekanntlich gemeinsam mit 'dem gegenwärtig in Wien weilenden berühmten Pianisten Professor Leopold Godowsky die Gründung einer Hochschule für Musik in Jerusalem angeregt. (Godowsky hat sich erst jüngst in unserem Blatte über den Plan dieser Gründung ausführlich geäußert.) Auf einer Versammlung der, Musiker, in Jerusalem, an der Heisetz teilnahm, wurde über die Minel zur Förderung der Musik in Palästina beraten. Heisetz gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Einnahmen aus seinen Konzerten, die geigen 600 bis 700 Pfund betragen dürsten, für die Erbauung eines K o nzerthauses in Jerusalem bestimmt werden. Man glaubt, daß Heisetz auch dir weiteren hierfür nötigen Summen zur Verfügung stellen wird. gnternationale Ausstellung moderner künstlerischer Schriften. (Oestorveichisches Musrum für Kunst und Industrie.) Die Bedeutung der Schriftkunft von einem Ocsterreicher, Professor Ruldokf La risch, richtig erfaßt und in einem thu Verlage der Oesterreichischeu Slaatsdrucksrei bereits in der achten Auflage erschienenen vorzüglichen Buche, „U n t e rricht in ornamentule-r Schrift", ausführlich gewürdigt, spiegelt sich in der vom Österreichischen Museum für Knust U'nid Industrie zur Feier des 70. Geburtstages des Schristtünfttors Rudolf La risch veranstalteten Schau künstlerischer Schriftelt, welche die durchgreifenden, vorbildlichen und erfolgreichen Bestreibungen des'Genannten auf dem Gebiete der Schriftkunst veranschaulicht, die sinnfällig die Abkehr der mit Zirkel und Lineal konstruierten Buchstaben, die Rückkehr zur freien ornamentalen rhythmisch belebten Schrift durch die Grstatilmgskraft des Künstlers zu einem lebendig-bewegten Gebilde vereinigt, zum Allsdrucke bringt. Die Aiusstellung ist eine unbewußte Kundgebung des Einflusses Larisch' auf die Schristkunst der Gegenwart, eines Einflusses, der nicht nur bei den Arbeiteil der österreichischen, solldrril auch der zahlreich Vertretellen ausländischen Künstler deutlich fühlbar ist, der in jedeni Buchzeichen, Barcheinbantd, Plakat, Adresse und harrdgeschriebenenl Buche seiner Jünger u>ld Anhänger mwerkeunbar den Stenlpel des Meisters trägt. Die NeichhEigkeit der Ausstellung gibt ein beredtes Zengn-is der Bedeutung der künstlerischen Schriftknust, zeigt ihr Eindringen in Gebiete, die dem kün-stlerifchen Schaffell erst durch das reformntvrifche Wirkeli des Professors La risch erschlossen wurden. ■■ ■ Der voll Dr. A >l k w -. e; - K l e e h o v e n verfaßte Katalog mit einem Vorworte von Hof rat Dr. Trenk Wald und Mm AuMtztz rn LroL ÄsM «LVUWMlK ZAM M Eriziehun'gsmittel", versehen,, führt vvr allem -zu -den Arbeiten des heimischen Künstilers sellsit nebst denen seiner Assistentin Herta Ramsauer und dett hes Wiener Malers Jullius Kl in ge r. Unter den vielen von deutschen, tschechoslowakischen, Ungarischen, englischen, holländischen und Schweizer Künstlern ausgestellten Arbeiten seien besonders erwähnt diejenigen der Deutschen Preetorins, Koch, Simons, Ti rntvcnn. Weiß Und Ehmke, des Holländers Te Winkel und. der Engländer-John stoü und H ewit t'sowie die Arbeiten -der Züricher Knnstgewerböschule. ' Josef a h N. Aus de« Maker«. Bnrqthenter. Morgen, 7 Uhr abends, „8 i* 6 tt ff n\ (Abonnement VI. Gruppe.) : tu f tt o e nt t e t fi i a »'er Morgen, v,8 Ilhr abends. . f,D e r R a u b der S a b i n e»r i n ü e n". O p e r n t b e a 1 e-r. -Morgen, 7 Uhr abuids', „D a S M ä d ch e n a u S d e m g o l d e n e n W e st e n". . B o l t s o v e r. Morgen deutsche' Uraufführung der pol» . «Ischen Nationaloper „H a.l k a" von St. M o n I u S * l o. Die . Proben leitete der polnische Kapellmeister Gorzyn 8 ki; die. Premiöie dlrtg'ert der Direktor der Warschauer Staatsoper M l y n a r 8 k i Die Nationalkostüme, die die polni'che Regie-.' rung für diese Aufführung zur Verfügung stellt, sind bereits in Wien eingela, gt. Theater in der Joiefstadt. Max Reinhardt inszeniert gegenwärtig die deutsche Urauffütmmtz „D i e Gefangene" (La Prisonnlerej von Bourdet: . Modernes T t> e a r e r. „D i e Büchse der Pandora" m-t Traute C g r l s.e n als Lulu bleibt bis Uw : klusive Maytag den 3. Mai auf dem Spielplan. Neues Wiener Stadtth ea t e r. Exl - Bühne. Heute zmn letzten Male „D er Musikant Gottes".. Morgen verabschiedet sich die E x l - B ü h n e mit einer Aufführung von „Glaube u n d H. e i m a t". A v o l l o t h e a t e r. Die Abschiedsvorstellung der Haller-Revue findet morgen statt. Reinhardt-Dämmerung in der Josefstadt. Die „Schauspieler des Theatersin der Josofstadr unter Führung Map Reinyarbis" entbehren schon geraume Zeit des Meisters Führung. Er zeigt sich deutlich „desinteressiert". Im Sinne des.-Programmes, das'' er entwickelte, als er nach Wien kam, dürfte er ■ nicht fahnenflüchtig werden.- Denn er hat ja erklärt/ just im,' Wiener Kulrurmilieu wirken zu wollen, gerade auf Wiener Boden' seine Kunst der Inszenierung entfalten zu können. Und er hat goldene Worte über das Zusammenwirken mit den Bühnenkünstlern gesagt, über die Notwendigkeit, die Schauspieler zu einer, schöpferischen Gemeinschaft zu erziehen und mit ihnen das Kunst--., mstitu: zur Höhe zu führen. Nach dem ersten Reinhardt-Rummel — wir gebrauchten damals das Wort und haben keine Ursache, es zurückzunehmmen — wurde er in Wien immer seltener, überließ die von ihm Geführten allmählich ihrem Schicksal und heute. verlautet, daß er überhaupt keine Lust mehr hat, das Theater in ’ der Josefstadt weiterzuführen. Mit^ dem idealen Programm von damals ist es Essig und das schöne Theater soll m'der nächsten Saison ein — O p e r e t te n-th-ea t 6 r werden. Die Gelbc!eber von einst sind nicht mchr' zahlungsfähig. Gewiß ein )emmungsgründ. Aber Professor Reinhardt hat niemals, erlärt, daß sein Wiener Programm lediglich von zahlungskräftigen Geldgebern äbhängt. Er selost ist materiell unabhängia und hätte auch.unter geänderten Verhältnissen seine Künstler nicht vevlaffen dürfen. Wenn er das künstlerische Bekenntnis zu Wien wirklich ernst genommen hat! Was aber, wie sich bald zeigte, nicht der Fall war. — Reinhardt-Rummel. Dke Arbeitsgemeinschaft im Ronacher-Operettentheater. Durch den Zusämmenbruch -der Direktion-Miksa Pre.ger wurde« 170 Bühnenkünstler und Bühnenange-. stellte brotlos. Es ist nun zu. begrüßen, daß sich dis Betroffenen zu einer Arlbeitsgemeinschaft zufamm-enaeischlosmr haben und den Betrieb auf eigenes Risiko weiterführen^ Da oie mit großem Erfolg anfgeführte' Operette „T e res.i n a". weftechrn auf dem Sprelplan stcht, und zwar m der ausgezeichneten Besetzung mit Mizzi Günther in der weiblichen Hauptrolle, ist zu Haffen, daß die Arbeitsgemeinschaft gut abschneidet. Der Förderung aller Kreise sind die tapferen Minftlev. und Buhenangestellten gewiß.. . Eine intsrnationoile Schauspisrlerkonferenz findet in der Zeit vom 23. bis 26. Juni dieses Jahres in Berlin stadt. Fast.' sämtliche Länder, in welchen Schausp i elerorga nisationen beistchen,'. darunter auch Oesterreich, werden durch Delegationen ver-^ . tpeten sein. In Spanien, Polen und Italien sind-die Schalt- - spieler noch nicht organisiert, fr> daß die Teilnahme der Bühyenkünstler dieser Länder noch Meifelhaft ist. Nsbst Bchandluug künst- ' lerischer und wirtschaftlicher Fragen stcht die Gründung einer'' internationalen Schaufpielervereinignügans der Tagesordnung sind der Plan Gemiers der Gründung eines Welttheatiers zur Diskuffion. ->.«! Das erste jüdische Museum in Amerika. Dr. Adolf Aco aus Ci n-cin'nä ti hat vor kurzmi in Deutschland jüdische Kunstgegenstände und Antiquitäten für 100.0000 Dollar angekauft, die den Grundstock zu einem jüdischen Museum^ in Cindittnati in Verbindung mit der Bereinigten jüdischen Hochschule bilden werden. Das Gebäude des Museums wird in kurzer. Zeit fevtiggestellt sein. Jüdische Künstler in Schweden. An: 23. d. wurde in Ber-!_ — -«->•-.im Kroneröffnet^ Die c Kunst einen 'hohen Rang einuehmen, sind auch in dieier Ausstellung ichr gut ^präsentiert. Der Kunstkritiker oer „Vossischen Zeitung", Max' Psborn, rühmt in seme»n Artikel ,,Gäste aus Schweden" das imi.iii’v iNil,m-hiiirfiaiiihi!irfi.i’v .ffiimlitfer lind nennt insböions Eil« Phllo-Jndex. Jir der großen kritischen Philo-Ausgabe, die in sechs Bänden m den Jahreiz 1896 bis „1916 von Leopold Cohn und Paul We ndl and unter Unterstützung der Pwußi- . schen Akademie drr^ Wisstnschäfteu.veröfsemlicht wurde,' ist nMmchrctuf Veranlassung der pre-ußischen Akademie und Unterstützung ijeS Jnstitutim« Iudaiou-nk als siebenter Band ein aussühmcher Jitdex erschicuen, der in rioöisjähriger Arbeit aus den Photo« svrsch»n«Mtt Dr. Haus L e i j o 2 a n g 8s Professors der Milo«. Ivphie' tu Leipzig, hervorgegangen ist. Dies er Index, der auf mehr cjls 200.000 Zetteln alle philosophisch, theologisch und philologisch' wichtigen Wörter u«rb Begriffe durchgearbeitet umfaßt, dürfte in seiner Art mir mit dem großen Aristoteles-Index von Bonitz zu.' yergwichen -sein. Bei der 'eigen- und einzigartigen Stellung dös e»-hellenistischen Philosophei« Philo, des Vortänfers des iaronisnlus und des 'Mitilers zwischen jüdischer und griechischer'Gedankeirwelt im kaiserlichen' Ron«, »vird diese wissenschaftliche Leistung - ' -en bisher sehr-vermißten Führer durch d»e erivähuten Be-' ' 'ugeu -darstellen und zugleich neues Licht aus eine ber iuterc!''. noch lauge nicht wissenschaftlich anSgeschlMsten Epoche» de-.- ^enschheitsgeschlchite werfen. Dem soeben hu Verlag Waller o« G l uy t e r erschienenen Barch -werden weitere in Gerichtssaal. Set Hörige feiner Frau. Sr stiehlt, weil st« es will. ' Ein interessältrer Str-asfall, der die Hörigkeit -et M a n N e s z u r L e b' e n s g e f ä h r 1 i n aufizei-gte, beschäftigte gestern einen Cchöffensenat unter dem Vorsitz des HosrateS 'Dr. Karnert, vor Ivelchem sich der technische Beamte Moritz E. uitfo dessen L-ebertsge.fährtin Marie M. wegen Lad e n d i e b st a h l 8 bei der Firma Gerngvoß zu verantworten hatten. Das Paar war im Warcrcha-use auf frjscher Tat betreten worden, Eine Hausdurchsuchuirg in der gem-einsamen Wohnung des/Paares fächerte.eilte Menge gestohlener Sachen zutage. Der Männ und die Frau gestanden, im Laufes her letzten Jahre wiederholt J&et Gerngroß Diebstähle verübt tzu. haben. ... Bor Gericht bezeichuete der Angeklagte E.. als Motiv der Tat die Putzsucht und die Habgier seiner lLebensgefährtin. Die .geftchlenen. Sachen sind auch nicht verkauft Wochen, sondern die Frau hat sie für sich selbst vevwendet. Es waren Stoffe, Kleider, Spielzeug, Musikalien und dergleichen. Verteidiger Dr. Schönbr.unn stellt durch Befvagen-des Alligekl-agten fest, daßdieser nach den Diebstählen regelmäßig bleich, wankend und zitternd das Lokal verlassen.habe, während-die Angeklagte M. freudig und lächelnd das Lokal verlassen habe, indem sie in den Diebstählen. nnd- Hllfs-. diensten des E, den größten .Beweis seiner Liebe Lvblickte. Es bereitete ihr das größte Vergnügen, jedesmal .gesehen zu haben, daß E. für sie seine.Stellung, Ehre,.guten ,Ruf,astf das Spiel gesetzt. ’ . : . ... Apf Befragen des. Staatsanwaltes und des Vorsitzenden gibt'.die Angeklagte zu, daß es nichts auf der Welt geben könne, was sie. von dem Angeklagten E. abbringen könnte. Sie liebe -Ähn, er gehöre ihr -und nur ihr allein, sie könne über ihn verfügen, wie sie wolle. Wenn es jemand versuchen.wollte, .ihn ihr wegzunchmen, so würde sie diesen Menschen sofort töten, ebenso wie. sie-sich .und E. töten würde, wenn er freiwillig von ihr weggchen wü-vde. Der Verteidiger legt dem Gericht das mit Auszeichnung bestandene -Pvüfungszeugnis (der Matura) des. Angeklagten und dessen außertourliche Beforderungsdek'vete vor. Ein -Vorgesetzter des E, bestätigt die außerordentliche Verwendbarkeit und Qualifikation des Angeklagten, der ein hervorragender, zuverlässiger, Mhi-ger. und - tadelloser Beamter gewesen sei. Verteidiger Dr. S ch öm b r u.n n --rnterbreitet. .sodann hem Senat , den Antra.g auf Rückleitung des Mtes an den -Untersuchungsrichter zwecks. Untersuchung des Geisteszustandes der ..M. Es liegehier unbedingt der Fallvon psychiatrischem M a s o ch i s.m u 2 und psychiatrischer Hörigkeit des Evor, der einen an den Straf-ausschließungsgvund des unwiderstehlichen Zwanges heranroichenden -Fall bilde. Staatsanwalt Dr. Bartak stimmt dem Antrag des Verteidigers zu, -und her Gerichtshof beschloß nach kurzer Beratung, den, Mt «dem Untersuchungsrichter zwecks Untersuchung des G e i st e s z ustandes beider zu Wermitt-eln.- Den Bruder erstochen. Der 37fährige Agent Ernst Schröpfer hat am 14. August 1925 seinen Bmder Leopold stach einem vorhevgegangenen Streit erstochen und hatte sich desval>b gestern vor dem Schwurgericht des Landesgerichtes 2 unter Vorsitz des Oberlcrndesgerichtsrates Dr. Korn wegen Totschlages sowie wegen einer schweren Körperverletzung, die . er der Lebensgefährtin seines Bru«rs beigebracht, weiter wegen öffentlicher Gewalttätigkeit gegen Wachorgane zu verantworten. Die Anklage in dem Prozeß vertritt Hofrat Dr. Sacher, als Verteitiger intewenierr Dr, Robert Klein. Die Anklageschrift führt aus, daß die Brüder Ernst und Leopold Schröpfer sich mtt per Vermittlung von Sandlieferungen für Gießereien beschäftigten «und schon seit längerer Zeit in Feindschaft lebten/die insbefonoere darin ihren Grund hatte, daß Ernst Schröpfer öfter den Nanten feines Bruders »nißbrauchte^ um ihm einen Verdienst weMnehmen. Ernst Schröpfer 'tetlte mit seinem Bruder Leopold, der mit seiner Lebensgefärhrtin Anna Reinitsch in der Wurlitzerzasie in Hernals wohnte, den Untersta-nd. Am Abend des 14. A-uguit vorigen Jahres-g^b eS zwischen ^en Brüdern wieder Streit und Ernst Schröp'er ging geuen Leopold mit einem offenen Messer los. Anna Reinitsch, die kurz vorher gehört hatte, daß Ernst sich geäußert hat: „Du alter- Pülcher, du mußt heut' noch hin werden, d t ch e r st i ch ich h e u t' n o ch l", wollte sich zwischen die streiteniden Brüder werfen, doch Ernst versetzte ihr zwei Messerstlche. von denen einer den linken Unterarm uuö einer das Gesicht iw -er -Nähe des Auges traf. Anna Rein-tisch eilte auf'die Straße, um Wache 'herbeizuholen, inzwischen drang Ernst wieder aufsemen Bruder ein und versetzte ihm f ü n' Stiche, von denen einer die Leber verletzte und trotz einer sofort vcrgenommenen Operation den Tod des Gostöchenen heroeiführte. Als Anna Reinitsch wieder in das Haus eilte, nachdem sie einen Burschen zur .Wache geschickt hatte, kam ihr. Ernst Schröpfer auf der Straße entgegen und rief ihr zu: „Da holt 1 h'n, da drinnen liegt erSchröpfer verbarg sich.dann einige Tage bei einem-Freund, der von der. Bluttat nichts wußw, «ud wurde erst am 20. August, in Hüttewvrf in Haft genommen. In der Untersuchung gab. Ernst. Schröpfer an, er könne sich an den Vorfall mit seinem Bruder und ob er ihn erstochen, überhaupt nicht mehr erinnern. Er sei damals vo.lltrunken gewesen und wisse nicht, was geschchen sei. Die Psychiater erklärten hingegen in ihrem Gutachten, daß Ernst Schröpfer zur Zeit der Tat zurechnungsfähig gervrsen sei. In dem Gutachten wird auch mtf die zahlretcheu Vorstrafen des Angeklagten und auf seine Neigrtng zu Gewalttätigkeiten hingüviesen. Nach zweistündiger Beratung beantworteten die Ge-schlvornen die Frage des Verbrechens des T y t s ch l a g e s mit elf Stimmen ja gegen eine Stimme nein. Die Frage auf schwere Körperbeschädigung wiltde eiltstimniig verneint. Die dritte Frage auf öffentliche Ge^» walttätigkeit wurde mit. elf Stimmen bejaht. Der Gerichtchos verurteilte -den Angeklagten zu fünf Jahren, schweren Kerkers, verschärft'durch D«nkelhaft a-n jedem Jahrestage der Bluiwt. Werbet Abonnenten für Me I .„Wiener Mrgeureitung";