Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1926-04-28 · Heft 2579 (28.4.1926) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2579 (28.4.1926)
Date
1926-04-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2981549-2981666--26335-3014088
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. Mv muntt Morsenzettung Wlen, MitMch Die Haloah in Amerika. Ser Kmviaug Körners bei Soolidae. Dr. I. H. Körner, der Präsident der Hakoah, schreibt uns aus Now-Nork unter dem 18. April: Ich will heute zuerst von meiner Audienz beim Präsidenten Coolidge berichten. Samstag nachts (den 10. d.) fuhren wir nach Washington. Ich nehme davon Abstand, über die Einrichtungen der hiesigen Eisenbahnen, über deren Schnelligkeit ustv. zu berichten, nachdem das unsere Spieler besser besorgen werden. Wir fanden im Kongreß- Hall-Hotel bereits vorbereitete Z-mmer mH wurden beim Betreten des Hotels bereits von einer großen Zahl von Journalisten, es dürften über 60 gewesen sein, erwartet. Die mir zuteil gewordene Ehrung wurde als Sensation gewertet, denn wie ich nachher erstchr, hatte der Präsident selbst den Wunsch geäußert, mich zu sich zu laden. Wir übergaben den Journalisten em bereits fertiges Expose, so daß sowohl ihnen als auch unserer Delegation de Interviews erspart blichen. In den Autos der Gesandtschaft führte uns der Gesandte Prochnik ins Weiße Haus, wo w r wieder von einer großen Zahl von Photographen und Journalisten erwartet wurden. Der Sekretär des Präsidenten begrüßte uns und führte uns sofort zu Coolidge. Wiewohl ich selbst äußeren Momenten nicht zu -unterliegen -pflege, muß ich diesmal doch ehrlich gestehen, daß ich beim Betreten des Raumes, von dem ritft die 14 Punkte W i U . sons in die Welt geschickt wurden, etwas befangen war, aber das freundliche ,How do yon do" des Präsidenten und besten Handschlag gaben mir meine sonstige Sicherheit wieder. Ulster Gesandte verdolmetschte vor allem unseren Dank für die ehrende Einladung, die uns zute'l geworden war. Mein hiesiger Sekretär beantwortete die Fragen des Präsidenten, der sich sehr interessiert über die sportlichen Verhältnisse Oesterreichs und insbesondere Aber den Ausbau der Hakoah und deren Bestrebungen erkundete. Coolidge erzählte uns dann selbst über seine eigene sportliche Betätigung und wie sehr er den Kövpersport schätze. Er lvünschte uns für unsere Wettpielreise recht viel Erfolg und zum Abschied beauftragte er mich, die Spieler vou ihm zu grüßen. Der Gesandte Märte m'r, daß er den Präsidenten noch niemals bei Audienzen so redselig gesehen habe. Dann fuhren wir aus die Gesandtschaft, wo wir uns mit dem Gesandten und den übrigen Herren sehr gut und lange unterhielten. Wie ich bereits e'nmal erwähnt habe, ist Gesandter Prochnik ein ganz ausgezeichneter Mensch, der sich hier der allergrößten Beliebtheit und eines besonderen Ans e h e n s erfreut. Ich rechne es mir als besondere Ehre an, daß er meine E'nla-dung nach Ncw-Iork angenommen hat, wo er anläßlich unserer evsten Spiele mein Gast fein wird. Wir kehrten noch am selben Tage nach Now-Aork zurück, wo wir bei unserer Ankunft von e:ner neuen, überaus , großen Ehrung erfuhren. Der Bürgermeister von New- Jovk, Herr W a l >k e r, gibt am Samstag unserer Gesellschaft einen Empfang.- Das bedeutet hier unendlich viel. So nüchtern der Amerikaner auch sonst ist, so sehr werden von der amerikanischen Ocffentlichikeit derartige Ehtungen gewürdigt. Die heutigen Zeitungen bringen in riesigen Lettern Berichte von unserer Audienz. Ich werde ucch ein zweites Mal in der heutigen Presse genannt, und Klvar wird erwähnt, daß ich dem gestrigen Cupfmale in der Ehrenloge beigewohut habe. Ich werde froh sein, wenn endlich unsere Gesellschaft hiev emtreffen wird, denn wenn mir die übrigen Herren der Leitung nichts anderes abnehmen werden als die vielen Ehrungen, die denk Führer der Hakoahzuteil werden, so werde ich ihnen schon dafür dankbar sein. Das Cupfinale hatte für hiesige Verhältnisse einen Rekordbesuch aufzüweisen. Zirka 18.000 Menschen hatten sich eingefunden, um Zeuge des Enstcheidmkgsspieles zu sein. Die Zeitungen schreiben, daß durch die kommenden Wettspiele der Hakoah und die dafür gemachte Reklame bereits das Interesse für Soccerfußball sich merklich gehoben hat. ■ . ' . . ^ew-Iovk, den 13. April 1926. Wir haben heute der Mannschaft aus das Schiff die Grüße des Präsidenten übermittelt, so daß unsere Reisegesellschaft schon vorher den richtigen Eindruck gcwimkt, tvelches Interesse man ihrem Kommen entgsgcnbringt. Heute hat uns der Direktor des hiesigen Deutschen Theaters, Herr Bach, der ehemals Mitglied und Spieler der Vienna war, zu sich ins Theater geladen, Ich habe die Einladung angenommen und wir 'werden m der nächsten Woche einer Aufführung der Madame Pompadour beiwohnen, die jetzt auf dem Repertoire P. Dr. Felix wird hier, wie es hier Usus ist, eine Ansprache von der Bühne 'hatten. Ich bm bis heute leider nicht dazu gekolklmen, mir ein Baseballspiel anzusehen. Werde es aber. so einrichten, daß unsere Spieler Zeugen eines solchen Wettspieles sein werden. Rugby wird erst im Herbst, gepielt, dafür ist jetzt Hochsaison im Soccer. Leichtathletik wird das ganze Jahr mit größtem Ester betrieben «nh man sicht oft in der Nacht Burschen kn Dreß durch die Straßen laufen, da sie bei Tag keine Zeit zum Training Haben. In Washington war ich bet einem Schwimmeetlug. Die Leistungen waren ausgezeichneie, und-der Krawall, her m der Schwimmhalle herrschte, war, womöglich noch größer als bei uns in Wien. Jede Schule hat-ein Schwimmbassin, tzrv alle Schüler und Schülerinnen den Schwimmsport ausüben müsten. Das Boxen ist hier ein Lieblingssport. Fast täglich finden große Boxkämpfe statt. Die kleinen Jungen absolvieren auf der Straße Boxkämpfe, wobei die Passanten kiebitzen und die Burschen;u Höchstleistungen aufpulvern. In einem großen Zirkus findet ähnlich wie es erst in Wien der Fall »rar, eine Ringkampfkonkurrenz statt, bei der sich toä Publikum maßlos mtfvcgf, obwohl es sich mehr oder weniger um eine Zirkusveranstaltuug handelt. Von der Fürsorge für die Kinder können wir uns in Europa keine Vorstellung machen. Das Kind genießt hier eine Aufmerksamkeit und eine Berücksichtigung, die vielfach schon an Ue^rtreibungen grenzt. Es gibt Gassen, die besonders bezeichnet sind, weil durch sie kein Wagen fahren darf. Diese Gassen sind als Kinderspielplätze reserviert. Ta wich Baseball gespielt, gesprungen, geboxt, aber auch gerauft. Aber auch dem Unfug vieler halbwüchsiger Jungen wird nicht entprechend gesteuert. In manchen Gassen werden Kehrichthaufen angezündet und es brennt ein Feuer neben dem anderen. Wehe dem, der sich darüber aufhalten würde und dieses Treiben stören wollte. In den Parkanlagen ist es überall den Kindern gestattet, auf dem Rasen zu spielen, kurz New-Aork ist ein Paradies für Kinder. New-York, den 19. April. Der heutige Tag brachte wieder eine sehr ehrende Einladung. Sie kam vom Senator Nathan Strauß, dem Vater unseres EmpfangSkomiteemitgliedes. Mr. Strauß ist der Mann, der so viel für Erez Israel getan hat. Er ist eine der einflußreichsten Persönlichkeiten New-Dorks. Er und seine Frau, leid: hohe Siebziger, empfingen mich mit größter Liebenswürdigkeit. Senator Strauß sagte mir, daß ex seit jeher den Werdegang der .Hakoah verfolge und apf ihre Erfolge stolz sei. Er kentte auch keine schönere Betätigung der Jugend als die Erziehung zu stolzen, aufrechten Menschen. Gleichzeitig mit mir >var auch Benny Leonard, der Championboxmeister im Leichtgewicht, bei Strauß zu Gaste. Leonard erklärte sich bereit, vor einigen unserer Spiele ein Schau boxen zu veranstalten, was die Zugkraft des betreffenden Matches noch ganz bedeutend erhöhen wird. Auch von Louis M a r s h a l l habe ich eilte Einladung erhalten. Mr. Marlhall ließ mir mitteilen, daß er sich freue, den Präsidenten der Hakoah zu empfangen und kennen zu lernen. Zum Schlüsse meines Schreibens will ich noch berichten, daß sich täglich eine große Anzahl ehemaliger Hakoahner, beziehungsweise Wiener melden, die sich erkundigen, ob wir ihre Unterstützung benötigen. §er Muttertag. Ein Vortrag Marianne Hai irisch'. Im kleinen Uraniasaal sprach gestern abends die Mutter des Bundespräsidenten Hämisch, Frau Marianne Harnisch, über die Bedeutung und das Wesen des Muttertages, desseu erstmalige Feier in Oesterreich Sonntag den 9. Mai stättfindet. Der Vortrag übte durch seine Schlichtheit uud Wärme außerordentliche Wirkung auf die das letzte Plätzchen des Saales füllenden Zuhörer. Frau Harnisch gab zuerst eine Schilderung der Entstehungsgeschichte des Muttertages in aller Welt. Er ist in Amerika im Jahre 1910 als Idee einer Philadelphier Dame geboren und nach wenigen Monaten eingeführt worden. 1914 würde er von Wilson zum Staatsfeier-- tag erhoben und zwar für den zweiten Maisonntag. Skandinavien war das zweite Land, das den Muttertag einführte. In Deutschland wären die Kriegsjahre oer Durchführung der Idee des Muttertages hinderlich, erst 1924, angeregt durch die Broschüre eines Schuldirektors faßte er auch dort Fuß. Bon Deutschland kam die Idee noch ng selben Jahre nach Oesterreich, ihre Durchführung scheiterte aber am Parteien Hader, an oem Oesterreich krankt. Jetzt aber ist die Zeit gekommen, ihn auch in Oesterreich einzuführen, um so mehr als die Zustimlnungskundgebungen der Bevölkerung ein Beweis seiner enthusiastischen Aufnahme sind. Der Muttertag dient drei Dingen: der Beglückung der Mutter, der Erweckung des Bewußtseins der Pflichten der Mütter und dem Hinlenken der Aufmerksamkeit der Allgemeinheit auf Mutter und Kind. Es ist ei« Tag, der zur Einkehr auffordert, uild der eine, große Bedeutung für die Hebung des . Menschlichen haben wird. Die Mutter soll an diesem Tag Dankbarkeit erfahren, diese wieder sich auf ihre Pflichten besinnen, und in Vor" sammlungen soll de Gesellschaft über das Pro blem der Mutt e'.r.s ch a f t und seiner ungeheueren Bedeutung, für das sittliche Leben des Volkes Nachdenken. Auch für die Frauen wird er voll besonderer Bedeutung sein, denn die noch best?h"nden, das Leben der Frau benachteiligenden Gesetze werden fallen, wenn die Gesellschaft genügend aus" geklärt w'rd. Redner in schloß mit einem warmen Appell, den 9. Mai den ersten Muttertag, würdig zu begehen. der Tod im Bergwerk. Saarbrücken, 27. April. Auf'der Grube „Friedrichs thäl" wurde heute ein 18 Jahre alter Schlepper getötet, auf der Grube ,H-einitz" ein 4 4 Iahre alter B«rgmann durch niedergehende GesteinSmasstn so schwer verletzt, «daß er nach kurzer Zeit starb. Aus der Grube „Velsen" würben' z'w s r Be rgl-e u i e int Alter von 18, bezw. 21 Jahren durch Steinschlag getötet, sin dritter leicht verletzt. M. April IM Seite o vom xuony frmz wiBN, I., qpeknhinü t$ bringt ab 21. d. wieder |1 danz neue bergandsrocke in herrlichsten Dessins sowie neuesten . Farben, auf Seide gearbeitet zum Preise von S 150 Alter schützt vor She nicht. In einem Altersheim in New Röchelte fand vor kurzem die seltsamste Hochzeit statt, von. der ma>t feit Jahren hörte. Es handelt sich um zwei Insassen dieses Altersheims, um die h u n d e r t f ü n f j ä h r i g e I d u Goldberg und den h n n d c r t z w e i j a h r i g e n H e n r y B r o w n. Als Frau Jda Goldberg ihren hundertfünften. Geburtstag feierte, wurde ihr die größte Geburtstagsüberraschung zuteil, die mau sich denken kann, denn Henri) Brown machte ihr plötzlich einen Heiratsantrag. Frau Jda Goldberg, der so etwas zum l atzten mal vor achtzig Jahren passiert ist,, sagte: „Henry mach keinen Ml-- fimt, geh und spiele lieber mit meinen Urenkelkinderu. Wie kommst du jetzt dazu, an eine neue Heirat zu denken?" — „Ich weiß, was für mich gut ist, denn, ich bin noch nicht! so alt, um nicht zu wissen, lvas ich tun soll.".Ein Wort! gab das andere und schließlich willigte die Dame ein, die Gattin Browns zu werden.. Wenige Wochen nachher fand die Hochzeit statt, die man vielleicht die Hochzeit her beiden ä l t e st e n L e u t e der Welt nennen kann, und sämtliche Insassen des Altersheims nahmen an dieser Feier teil. Insgesamt bestand die Hochzeitsgesellschaft ausl dreißig Personen. Dü keiner' von diesen Personen jünger als sechzig Jahve alt war, die meisten aber 80 und 90 Jahre, so hatte die Hochzeitsgesellschaft das würdige Alter von.' fast 3000 Jahren aufzuweisen. Biele von ihnen gaben, ihre Erinnerungen zum besten, voll denen die interessantesten die waren, die von der Wahl Linvclns zum Präsidenten der Republik; handelten. Dpa Braut selbst, die die Aelteste von allen war,, hatte trotz ihres hohen Alters noch ein sö munteres Augenspiel und .ihre Haut war noch so frisch und? jugendlich, daß man sie ehrlich nur ans 60 Jahre ein-, schätzen konnte. Das Geheimnis ihrer ewigen Jugend gab' . sie. auch an ihrem Hochzeitstage preis. Sie erklärte,i daß! nur ihre heitere Gemütsart ihr die Jugend erhalten habe. Jas Setzelmnir des garengratzes. Aus K4schenew gömeßblct, daß die BHchÄMn, als sie die Gräber dox verstorberten Zaren öiffnen ließen, mu Edelstein, Orden unlb dergleichen wiedevuim in lebendes Kapital p verwandeln, den Sarg des Zaren Alexander des Ersten ('des Gegners Napoleons,' Unterlegenen von Austerlitz, Friedensschließers von TWt) leer fanden. Mexrnder der Erste starb 1825 Ln Taganrog angMch an der Cholera. In seinen letzten Lübensjahr^n litt er an Mgiösem WahnsiMl. Durch den leer gedudenen Sarg- -wird die von Dümtri Mereschkowsk in stimm historischen Roman „Mexander der Erste" benützte Legende Widder ausleben, daß der Zar -iür Jahre 1826 nicht begraben wurdesondern den ihm tä.uschünd ähnlichen Fedor Kuzmicki in den Sarg legen ließ, Ivährcnd er selbst in'die weite Welt ging. Ter Biograph des Zaren Mexarrder, General Schilder, versicherte dem Zaren N-Nolans dem Ersten, daß ex einmal von Fedor Kuzmicki besucht worden fsf, k welchM er mit Bestimmtheit den angchlich verstorbenen Zaven Alexander Wiederer'kannt habe. Iar Paradies am Flakeniee. Aus Berlin wird uns gemeldet: Am Flakensee, unweit von Berlin, spielte sich vor eirngen Tagen ein mevk-- Würdiger Vorgang ab. Anwohner des Sees benachrichtigten einen Gendarmen, daß am Seeufer ein Mann und eine Frau völlig nackt tanzen. Tatsächlich fand der Gendarm eine 36>jährige Frau und einen 39jährigen Manu, einen Konditor, vor, die ihre Kleider i n den See geworfen hatten und in betrunkenem Zustand Nackttärrze aus- Mrten. Die beiden hatten ursprünglich beabsichtigt, gemeinsam zu st erbe n. -da das LiebesvechMnis, das sie untere . hielten, aussichtslos war. Um sich Mut zu machen, hatton sie «einige Flaschen Kognak geloert. In ihrenr Rausch hatten' sic dann die Ausfüchnmg ihver Selbstmovdabsicht vergessen. Gta weiblicher -ungekkllriftler. Ans Berlin wird uns gemeldet: Die HungerLünstle^ rin Daisy hat nach 34tägigem Hungern ihren Glaskasten verlassen. Sie hat einen Weltrekord der weib- «lichen Hu nge rikünstle r ausgestellt. Während der Hungetkünstler Jo llh bei seiner Produktion 176-000 Mark einnahm, hat sie nur 2000 Mark verdient. Immerhin haben, wie dos .^UhrEendblatt" erfährt, zwölf Kinos rmd Varietes Verträge mit ihr qbgeschlossen. Außerdem ist sie nach London eingeladrn, wo am 1. Septemlber em großes tnternationäks Frauen sch a u h u » g c r» eröffnet werden wird, an dem außer ihr noch sechs Frauen teilnehmrir werde« «und das 15 T a g e d a u e r n soll.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.