Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2576 (25.4.1926)
- Date
- 1926-04-25
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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St. M8 m«, «oiwtoft Wie««» 9Wotfttmritanft Nptil IM " Kunst, »filme, Buch. „krlftinar Hrimreise.' TheMr in der Ivsefstadt. Hugo v. Hofmannsthals Don-Juan-Kttmödie sängt g>u än und endet gar nicht gut. Florinbo, fciut Don Juan (oder Casanova), piirscht in Venedig und Mit eine UnschuD vom Lande ans. Nach kurzfristigem Abenteuer mit einer Sch-neiderSgattin und länger währendem Bacchanale mit der leichtfertigen Antonia — aber beide LielbeSverWiiyunyen ergeben doch nur e i n e Nacht des Florindv —, erblickt er, noch warm von Antonias Umschlingung das Bauernmädchen Cristina. Bis zu dieser Beyeynung - im Morgengrauen, Mt der natürlich eine neue Affäre archebt, folgt man dem Dichter sehr angeregt. Ein SchiMapiään aus Hinterindicn, nach langen Jchren DirüchgeiKchvt, und sein Faktotum, ein Mischling, sorgen dafür. Das Halbblut, Pedro, Bann sich mit den europäischen Gepsiogenheli>teN, nämlich mit der umständlichen Erotik dieses Erdteiles ebensowenig Müden wie mit seiner ganzen übrigen verlogenen Zivilisation. Und der SchiWapitän, von dem Liobesymießsr Worindo als Pferd benützt, stcht seinem aus Hinteriudien mitgebrachten Diener seelisch wellt näher als den Menschen der wiederbrgrüßten Heimat. Das Gebaren des Mischlings ist ihm tieferem Sinne ergötzlich, und dieUnbcholfenheit, die AhnmipstosiMt des Schiffskapitäns/ seine Flucht vor Europa in die Arme des malaischen Dieners ist rührend. Dann aber wird mit diel Firlefanz und geringem Witz eine BerMrunMcschichte irchenüert. Florindo attachiert sich dem Bauernmädchen, ihrer Wune und ihrem Ohm, einem braven Pfarrer, auf der Heimreise. Unterwegs, in einem Gaschof — der Gastwirt ist sein Leporello —, kriegt er die Crilftina dran und hat auch schon im nächsten Morgengrauen mit einer neuen Dulzinea angc'bandelt. Der Gastwirt erstirbt vor Bewunderung wie der göttliche Morindo alles prachtvoll einfädevt, ohne bah wir aber, diese Bewnnderimg uniererkits für den Autor der DersührMgsgeschichte ausbrmgen können. Auch das Nalsonieren des Mischlings, die Vielen Variationen über die Dhsmen: daß. Uropas Höflichkeit übertüncht ist und daß die Wilden doch bessere Menschen sind, wird allmählich öde. Cristina gcht auf den Leim, wie es Hosmannsthal will. Daß sie aber schließlich mit dem SchffjAkaprtän weiterreist, war nach ihrem bisherigen Verhalten wirklich nicht zu vermuten. Sie ist doch em Mädchen, herzhaft und brav, in Florindo sterblich verliebt und gab sich ihm vorschrrstweise, weil er sie ja unverzMich heiraten werde. Der Versuch, Menschen und Schicksale zu zeichnen, wird lm dritten Mt nicht mchr unternommen. Die Komödie endet mir billigstem Possenspiel. * Eine sehr lebendige, stark angeSurbelt«, ja gelegentlich Mit Details .'rüerladme und lärmende Austühruntz (Regie Stephan Hock) sucht.der Komödie aus die Beine Kr Helsen. Herr G ründgens, e .1 nmer Mann, ist ein anmutiger, rassiger, kultivierter, der Damenwelt b.'stimmt schr, wllkommener, taugliche Darsteller der Ton-Juau-Figur. In einc: Szene, da sich Floe'nd? am Vorgrnuß kommender L'eottireuben be-auscht, Heigt sich Chär-akterisierungsKunst und gelegentlich auch ein seiner Humor. Er hacke ihn nöcktz, dsm die Partnerin, an der sich Don Juan entzünden soll, das Bauernmädchen, welches evfoilgreich die Konkurrenz mit den geputzten Bmezianevinnen ausnimmt, ist Helene Dhimlg. Man hat der Künstlerin schon so tziel Bewunderung ge- 'zollt, daß man fich's schon erlauben darf, festzujstellen: Zu solcher Rolle taugt sie ganz und gar nicht. Das „Pferd", der Schiissskapilän, muß schon, eine tüchtige Quantität Seesengüte, Havmlostgjkeit und ein verzeihendes Gemüt mit aus die Bretter br'kngeü, wenn er glaubwürdig sein soll. Weil ihn der wundervolle Waldau Welt, ist er's. AußerordeMich Herr H o m o l k a als Mffch- 5ing. Ein Kind aus fernen, unverderbten Ländern gibt Naturlaute von sich und Äfft quktschvergnÄgt den auropäischen Menschen nach. Im Gaschof Iu Eeueda tut sich ein meMvürdiges Personale um. Der Wirt (Herr Gronau) gibt seiner. Bewunderung für den Weiberbezwknger Worindo überlauten Ausdruck und kuppelt im Schweiße seines Angesichtes. Herr Moser muß essnen Haus- Hervorragend bewahrt zur Bekämpfung rheumattscher, gichtischer, »ervvfer Schmerze« sowie gegen Kopfschmerze«. Sk 0{rfa«Tt litlt «mktttl« tta. Mm fchlvUche» f)t*«N»irfitngca. «HMa HcrüMlQ MM tcgattfttct — « «An filMtk«. Sidonie Kesten Hermann Lander Verlobte Wien, Im April 1996 Möbelfabrik J. 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Löwit, Wien, L Flelftchmarkt 1 RoSeatnnnstraße 22 kn echt spielen, der die Hot^lMte angrolbst und dessen Lebensüberdruß sich ununterbrochen Lust macht. Den Fremdenverkchr zu Ceueda wird er nicht heben. Man lachte über Mcher und ärgerte sich Mer diesen unanMnehmen Hausbnocht. Atls der großen Zahl der Mitwirkeuden find noch gauz besonders die Damen Wo i-. wod e und T e rw ln-M o iss i sowie Herr Goetz hervorzuheben. Nach dem zweiten Akt konnte HosmännSchal wiederholt vor der Rampe erscheinen, denn der Beifall ülberwog die MißfallstiundgMnlgen. Nach dem dritten Mt üibevwog der Beifall nicht. .^tto Abel es. Moderner Komvosttlonsabend. Der blutjunge Amerikaner Henry Cowell ist als Pianist W.^ als Komponist eine Art Kuriosum. Sein Klaviervortrag, der technisch und musikalisch aus anschnlicher Hohe stcht, begnügt sich nicht mit dem Spiel der Finger aus der Klaviatur. Er drückt etwa mit seinem ungemein elastischen Unterarm sämtliche Tasten zweier Oktaven gleichzeitig nieder, wodurch im Piano ein dumpfes, .donnerähnliches Grollen, im Forte ein ganzes Gewitter niedergoht, gegen welches die Lisztschen Baßstürme nur ein sanftes Säuseln sind. Freilich ist sein Unterarm-„Spiel", wenn man es so nennen kann, letzten Endes nur eine konsequente Steigerung der Lisztschen Gewaltanstrengungen. Cowell spielt übrigens auch aus den Saiten, selbst im Innern des Klaviers, welchem er aeolshavfenähnliche Klänge entlockt. Und zur Abwechslung begleitet er gelegentlich den tüchtigen Geiger Leo Linder mit der „Stornier* Keule", angeblich einem Zauberinstrument der Indianer, einer Art aus -dreierlei Hotzschichren hevgestellten kleinem Lineal, welches, an einer Schnur verschieden rasch gedrcht, schwirrholzartige Geräuschs erzeugt. .. Derlei Monstrositäten mögen wie der Hokuspokus eines Clowns anmuten, doch in dem jungen Schwärmer wirkt ein echter künstlerischer Fanatismus, den man auch in seinen Tonschöpstmgen spürt. Es - sind vielfach einfache volkstümliche, streng tonal gchaltene Melodien, welche erst durch die von jedem Herkommen Mveichende Mordik zum Widerspruch heraussovdern. Die mit-' unter sorllau'end Parallele Führung scharfer Dissonanzen, die Aneinandevkoppelung entfernter Tonarten — Ova -in der Oberstimme und Fis-Dur im Patz — sind anscheinend nicht aus intellektuell gewollter.Polytonalität zu erklären, vielmehr aus einem äberregen Gehörslcben, welches entfernte dissonierende Obertöne dcnttich wahrnimmt »nd a«s inneren halluzinatorischen Klongphanwsie-Äomplexen heraus das tonal Entfernteste n«che verwand: ftihlt. Es handelt sich hier wohl um den Grenzsall drS akustischen Phänomens eines ehrlichen, begabten Müstkers, am dessen künstl.rischen Werdegang man gespannt sein darf... flb. . ‘— - Sie AffSre Svhülr. Herr RechtsanwÄt Dr. Erich Sazl schreibt »NS: In btt „Affäre" Ophüls, die nunmchr aus rein persönliches Gebiet gestellt wird, beauftragt Herr Direkwr Hetterich mich att seinen langjährigen Rech(sfreunb, Sie nm die Aufnahme, der folgenden ErÜämng zu bitten: „Die in den Müttern ausgestellten Behoupttmgen über den Inhalt des zwischen Herrn Direktor Herterich Md Herrn Regisseur Ophüls gepflogenen Gespräches entsprechen nicht den Tatsachen. Für die Nichterneuerung btt Vertrages mit Herrn Max. Ophüls, .den Herr-Direktor Herterich. selbst an das Burgchevter engagiert hatte, waren einzig und allein künstlerische Motive entscheidend. Herr Max OphAS hat eS vorgezogen, die Osffentlichkeit an Motive glauben zu machen, die Herrn Direktor Herterich seit jeher fern lagen. Herr Direktor Herterich lchnt deshalb jede weitere öffentliche Diskussion mit Herrn; Max Ophüls äb. .brr Rosenkavalill" im Film. Die nachfolgende Besprechung dtt FilmwerkeS durch einen der bedeutendsten englischen Filmkritiker, durch Vermittlung von ,/British-Lonttnental Preß Limited" für d'e ,Miener Morgengeitung" zrschrieben^ dürfte besonderem Jntereffe begegnen. Bereits seit einer Woche läuft nun di? englische Version des RosenLavalier-Films im Tivoli-Theater uttb der PnblikumSevsolg des Stückes sst unbestreitbar. Mt-Wien, gepuderte Perücken, Kniehosen, lange Schleppkleider, jener Pomp unv jene Gakanterie, wie sie nur unsere Großmütter kannten. Es ist eine eigenartige Vorführung, deren Aktion so unglaublich langsam läuft, wie eine der Staatskntschen aus jenen guten alten Tagen. Das ist der allgemeine Eindruck, den man gewinnt. Man fühlt geradezu, daß die Schmispieler keine Gelegenheit hatten, alle ihre FähMiten spielen zu lassen, bchmdert durch die schleppende Händler ng, die mit eigenartige^ fast einschläfernder' Langsamkeit, wie Chlorolsorm aus daS indwiduellr AuswirkunMedürfniS der Darsteller wirken mußte. H u g n e t t e D u s l o s, die Trägerin der weiblichen Hauptrolle, spielt gekünstelt und für keine einzige Minute erschien der Schimmer einer wirklichen Empfindung in ihrer schönen, kalten Miene. Jaques Catelain, der den Prinzen Oktavian verkörpert, schien uns cher eine Karikatur aus „Punch and Judy". (entspricht etwa dem kontinentalen ,Max und Moritz), als ein -junger Liebhaber, der von feuriger Leidenschaft verzchrt wird. Seine Bewegungen waren -unbehoffen und holprig, sein Verliebtsein durchaus -nicht überzeugend. Der einzige, der zu leiben schien, bot einzige, der allen gefällt^ ist Michas Bohnen alL Baron Lerchenau. Die Leichtigkeit, mit der er in den kleinsten'Bewegungen, mir den scheinbar unbedeutendsten Gesichtsausdrücken - seim Rolle formt, ist bewundernswert und vollständig. auf dem Niveau, daS -wir hier bei erstklassigen Produktionen.gewohnt sind. Ueber die anderen Schauspieler -ist wenig zu sagen. Sie schienen alle Puppensignren» von einem Budenbesitzer zum Geräusch einer Straßenorgel umher gezogen. Fairneß'fordert es zu erwähnen, daß üinige Szenen außerordentlich gut herausgchracht wurden. Das Schlachtzwifchenspiel und die Ausichten aus Alt-sWim waren sogar begeisternd schön Die ganze Ausführung trug den Stempel einer Gründlichkeit, die für deutsche Filme charakteristisch ist. (Der Autor wjdrst, Wie alle Engländer, deutsche und österreichische Inszenierung in einen Topf. Anm. der Red.) Diese Gründlichikeiit ist leider von den meisten unserer britischen Regisseure traurig vernachlässigt. Der Versuch einer Synchronisation der Opernmusik ist interessant, wenn auch nicht durchwegs gelungen. Zweifellos könpte mehr erreicht werden, wenn die Mnsit dem Film und nicht der Film der Musik, wie im „Roseukavalier", angepüßt'werden würde. Allez in allem ein interessanter, wenn auch nicht großartiger Mm, der durch gründLiche Kürzung und ein wenig mchr Sprch wesentlich gewinnen könnte. L-i-s ael S. «»s d«, Mahn». BurgtHeater. Morgen, 7 Uhr ckbrnbS, «Der Verschwender*. AIS nächste Novität geht die Lvmödie .D u e 1 l a m Lido* von Han» I. R e h f i s ch tu Szene. Mitte Mai wird „D e r T r anmeinLeben vonGrillp a r - e t, »eu emstudiert, zur AnMrung gelangen. A k a d e m t e r o e a ' er. Dienstag »Frau S u 11n e r*. (Abonnement N. Gruppe.) Al» nächste Novität fotzt an« e Mai die Komödie „9 h r e % Mntter 9 i n b" öe« iceBaring. . ^. Operntveat e r. Morgen, 7 Uhr abend», «Figaros Hochzeit". DeutscheSBolkSthcater. Alexander M o i s s i wird stch Sonntag den 8. Mat tn Gerhart Hauptmannr .DerweißeHeiland^ verabschieden. Donnerstag wielt der Künstler -nm ersten Male den Mephisto neben Sonik Rainer als Gretchen und Kamill T y n d a l l als Faust. Neue» Wiener S tadttü eater.Grl«Vühne. Wilhelm K l i t s ch gastiert nm noch heute md Mittwoch als Anton Bruckner in „D e r Musikant G o t t e »E. Dienstag einzige Aufführung oes Schwankes .D t c f ü n f K a r n i k e l" »on Julius Pohl. Donnerstag verabschiedet sich die Hxl-Bühne mit einer AuMhrnng von Scho n h e r r S ,G l a u o e und Heimat*. Moderne» Theater. Dienstag beginnt Dranw Larlsen als Lulu in ,Die Büchse der Pandora' ein kurzes Galt'piel.. A v o i l o r h.e a t-e r. Das MW der HaLer-Penu» .Achtung! W e l le VUtzN geht am SS. d.L» Kchß.' Qpßt findet die Ime Sonntas-Nach«ittaa»vorsteünne Mt