Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2576 (25.4.1926)
- Date
- 1926-04-25
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Skr. M6 Wien, Gonntag Wiener Morgenzektung 25. April 1926 Lein L Club a\a> ctubiickflekelvd ist eben Frau Olga Krupnik mit den letzten Modesc öpfungen allererster Pariser Häuser Ein neuer Krupnik-Rekordi Aus Paris das Allerneueste in hochwertigem französischen Material und trotzdem Knipnlk-Prels«, das heißt: KONKURRENZLOS BILLIG 1 ttTdUkfl« au* EÄhtnv Rohseide, ele- JftCIQBf ganteAusführung S 38, 25, ttlatbas ms gestreifter und karierter JflwIvKl Rohseide imit.,reiehen Falten, neueste Fassen. 8 Ms feinem Seidenfoulerd, Jlf vMICl neueste Dessins, aparte Fasson .S 39, 29 ftlfllha* Jumperfasson aus gut. 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Man hat sich cm diesen Anblick nachgerade gewöhnt, man nimmt ihn einfach nur so hßn. ,Iie Zeiten sind eben so schlecht" psiegt man das eigene und das fremde Gewissen zu befchwichtiigen. Aber dir Zeiten stick» nicht schlechter als die Menschen m diesen Zeiten. Wo ein starker, Konzentrierter Wlle a-m Werke ist, da vamog er trotz der Ungunst der Zeit die Schwierigkeiten, und seien sie noch so groß, aus dem Wege zu raumen und zu überMinden. So hat bas ZLdische RsaWinnasdian sich in den sieben Jahren seines .Bestandes unter der unermüdlich festen Hand seiner Leitung auS tat wahrsten Wortsinne engen BerhWnliffen, aus dom äußeren WiiMwerk eines kahlen vierten Stockes im engsten TeAe der Wiener Altstadt zu ekner blühenden Anstalt im eigenen Hause entwickelt, durch deren hohe Fensterscheiben die grünen Zweige des Schulhofes und die mächtigen Wipfel des Augartens ins Klassenzimmer grüßen. Nur ein einziges — ober doch eines vor allem — scheint diese sich so unauiphaltsam enHalitende^ innerlich lebende jAHche Schule zu bedrohen: die Enge des Raumes. Nicht wie an anderen Anstalten ist SchAermaugel fcfo Geischr. Im GeyenM, nur eines schreckt die sie ittigeiide AltMsgemvinschast und den für sie so warm nrterefsierten ,herein Jüdisches Realgymnasium" — daß n ä mltzch im folgende» Jahre die Tore des Schul- Hauses für neutz, Einlaß heischende Jugend elner ersten Jahrganges werden versperrt bLeäbe» müsse«. Und jeder, der den Schulbetrieb nur im geringsten kennt, weiß, was das bedp^u Keine erste Klasse eröffnen Dmen! bytd» langsames^ aber sicheres Absterben der mit kj-«ptagebung, so viel Opfern, so viel Kraft, so viel Mst erntete« jüdischen Mittchchullei «über woä) etac andere Gefahr liegt in dar Enge des Kenner, «nb diese ist schon in diesem Jahre Schülern, Eltern mä* Lehm« gleichermcchen fühlbar geworden: Da es schon jetzt bchmtenb mehr Klaffen als Klasimrämne gibt, hat es sich als Wtwavdig gezeigt, sozusagen schichtweise" zu Mtervichten. Das heißt, die eine Kläffe hat vormittags Untewcht und wirb sofort Von der «Lchstfohgende» Klaffe abgelöst. Nu« haben Pädagogen Mw Mcholpgeu geradezu in Form von Kurven graphisch dargPM, wie die MifnahmSWgkert in den Vormittagsstunden zuerst ansteigt, dam» rapid gegen d^e Mittagstunde Mällt, chne a« Nachmittag die Ursprüngliche Höhe bei weitem wieder zu erreichen. DK Ktader kommen schon mit haMerbrouchten Kräften 4» die Schule, sie kommen abends erschöpft nach Haust, -tat Wut« noch dazu bereits in der Dunkelheit. Sie sind, falls am folgenben Tage, wie nicht immer zu vermeiden^ Vormittags- Mtsrricht angefetzt fftz n?cht chimch in der Lage^ daS Gelernte W Haust zu retapitalieren. Die Schule will Bst ein Stockwerk aufbauen. Sie will es, weil sie muß. Was diese Schicke schon heute dem jüdischen Leben Wiens bedeutet, was sie darüber »och zu geben hat, insbesondere bsfreierer Entfaltungsmöglichkeit, davon soll heute nicht die Rede sein. Da ich selbst der Avbeitsgemeinschost dieser unabläffig weiter ringenden Anstalt angehöve, geziemt es mir nicht, darüber Näheres zu fagen. Eines aber stcht fest: Se ist ein Bedürfnis aller jener Kreise, die der Heranwachsenden Jugend die Atmosphäre jüdischen Lebens, soweit dies überhaupt m Wien möglich ist, vermitteln wollen. Während an anderen' Anstalten Schülermangel herrscht, ist die Frequenz der Mischen Mittelschule ständig ste-gend trotz der dielberufenen Ungunst der Zeiwerhältnisse. Nicht aber, als ob sie nicht auch darunter zu leiden hätte. Die jüdische Schule hat stets ihren Ehrgeiz bareingesetzt, auch minderbemittelten Schülern 'hre . Tore zu offnen. Das Schulgeld war und ist nach den häuslichen Dechältnissen des Schülers individuell abgestust. Freilich haben im laufenden Schuljahre bei weitenl mchr Eltern als je zuvor aus zwingenden Gründen von d-esem sozialen Entgogenikommen Gebrauch machen müssen. Und doch! Es ist nur nötig, den Geist der Opferwilligfeit in den Einzelnen wachzmuftn, den Geists der allein schöpferisch und au-sbauend ist, den Geist, den wir in unserem Volkstum, doch immer wieder, z» finden hoffen! Und so hat sich auch bei der Generalversammlung des Vereines „Jüdisches Realghmnasiimi" am 21. d. M. gezeigt, daß dort, wo ein Wille, auch ein Weg ist. Gerade M-mdechemritelte sind aufgestanden und haben >eben aus jenem wundervollen Geiste der Opserwilligkeit heraus das Möglichste getan, was sie nur irgend tun konnten. Bemittelte sind gesdlgt und werden folgen. Denn wir zweifeln nicht, daß jenes gläubig: Bekenntnis zu der jüdischen Schule, wie es der beste Teil der an diesem Tage anwesenden Elternschaft abgelegt hat, sein- Mrkung auch auf die anderen jüdischen Kreist ausüben wird. Man mußte es nur schen und hören, wie die Aneckennnng für das, was in dieser Schule ausgebaut wird, manch einen ganz spontan, ganz von innen her nötigte, aufznstchen und sich dankbar, gläubig und opferwillig zu dieser Produktiven jüdischen Leistung zu bekennen — und man gllaubt wieder, woran man schon manchmal verzwaPln wollte — an die unerschöpfliche, die heilige Kraft unseres BoMrums, an unsere zionistische Ackeit. Hoffentlich wich dieses Be'spiel, dieser Ruf nicht nutzlos Verhallen! Selbst der NÄnste Blaustem an diesem Werke hilft, unstre Arbeit lebensvoll zu schalten, sie zu fchigen, sie für die Gosamthsit unseres Volkes stuchlbar zu machen. Jedes Fußbreit aber, das — schon errungen -- wieder preisge-geben werden muß, ist eine schmerzliche, unheilbare Wunde an «nserem BoWkörper, den wir nur in hingebender Mühe seiner Genesung zuführen können. Komntt und helft dem Wachstum eurer Schule, eurer Jugend! Auch das ist eine Tat, wüchig des Monates Isar. Zuschristm an „Verein Jüdisches Realgymnasium", 3. .Bezirk ffirfkoftaWL, AK Dre österreichischen Zionisten haben gestern in würdiger Wei.se durch eine Maffenmeeling in den Olympiasälen die Jjar-Aktion eingeleilet. Der Saal war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt und jeder der zehn Redner wurde mit stürmischem BeiM belohnt. Der propagandistische Wert dieser Werbeversammlung wird sich zweifellos in dem günstigen Ergebnis des durch sie eingeleiteten DriveS zeigen. Die Redner, die alle n z i o n i st i s ch e n Gruppen angehörten, betonten e i n m ü t i g, daß durch die Jjar-Mtion eine Stärkung der Zionistischen Organisation herbeigesührt werden muß. Der Vorsitzende der Versammlung, der Präsident der Zionistischen Landesorganisation für Oesterreich, Dr. Desider Friedumnn, betonte in seiner Begrüßungsansprache, daß der Atanat Jjar von der Zionistischen Exekutive als Monat der Sammlung aller Zionisten gedacht ist. In diesem Monat soll jeder Zionist sich selbst prüftn, ob er wirklich seine Pflicht der Organisation und dem Ausbau Erez Israels gegenüber erfüllt hat. Redner gab der Hoffnung AuSdmck, daß jene, die in der letzten Zeit ferne gestanden sind, den Weg zu uns wieder zurückfinden werden. Sodann ergriff, von der Versammlung stürmisch a kklamiert, das Mtglied des Zionistischen Aktionskomitees, Oberrabbiner Pros. Dr. Chajes, das Wort zu einer äußerst geistvollen Betrachumg, der er die Worte „Enkel und Ahnen" voransetzte. Vor Auftauchen des Zionismus beschränkten sich die Juden darauf, Enkel einer großen Tradition zu sein. Die Zioni sten sind die einzige Gruppe im Judentum, die Ewigkeitswerte schafft und deshalb Anspruch darauf hat, dereinst auch Ahnen genannt zu werden. Dieser Gedanke muß uns mit einem Glücksgefühl erMen, das wir allen anderen jetzt in diesem Monat der Jjar-Aktion Mitteilen sollen. Es gibt kein stärkeres Agitationsmittel als Glück mitzuteilen und seinem Mitmenschen den Weg zu zeigen, wie niaN zu den: Glück gelangen kann. Der nächste Redner Dr. Georg Weiner warnte davor, in den Zustand zu verfallen den N o r d a u so treffend mit den Worten „passiver Zion is m u s, beschaulicherZioniSmus, RentnerdesZion ismuI, Zionismus deS Ruhestandes" bezeichnete. Die „Spezialisten" des Zionismus, die eine Spaltung der Idee herbeizuführen drohen, mögen sich wieder sammeln und vereint an dem Aufbauwerk der neuen Heimat Mitarbeiten. Auch die innerpolitische Betätigung möge sich im Rahmen der zionistischen Idee halten. Jehoschua Vierer, der Vertreter des Hechaluz, forderte, um die jüdische Jugend ihrem Volkstum zu erhalten, die Gründung von jüdisKen IckerbauichuleL rie eine Stzvtheie die allein keine Renaissance des jüdischen Volles herbeisühren können, darstellen sollen. Kultusvorsteher Dr. Isidor Klaber, betonte ebenfalls den Wert, der Heranziehung der Jugend zu den zionistischen Idealen. Aufgabe der Führer wird es sein, die Begeisterung der Jugend in die richtigen Bahnen zu lenken. Dr. Z. F. Finkelstem wies daraus hin, daß die Jjar-Aktion mit dem 30jährigen Jubiläum des Zionismus zusammenfalle. Die-Zeit der Romantik des Zionismus wurde nach der Balfour- Deklaration durch die Realistik abgelöst. Die Pioniere in Erez Israel haben sich trotz aller Realistik ihre Romantik bewahrt. Aufgabe der Führer wird es sein, daß der Optimismus, der das jüdische Volk während seiner langen Leidensperiode beseelt hat, erhalten bleibe. Ste* Präses des zionistischen akademischen Landesverbandes, Wilhelm Weinberg, forderte die akademische Jugend auf, aktiver als bisher an dem zionisüschen Aufbauwerk mitzuavbeiten. Dr. Chaim Tartakower, der Leiter des Nationalfonds für Ocherreich, führte aus, daß die Zionistische Organisation aus dem tiefen Instinkte unseres Volkes heraus entstanden ist. Sie bedeutet uns einen Ersatz bis zu dem Moment, in dem wir in Erez Israel den jüdischen Staat haben werden. Unsere Aufgabe ist es, die zionistische Idee in die breiten Maffen des jüdischen Volkes zu tragen. Namens der Zionisten-Revisionistensprach Dr. N. Spitz. Auch er forderte eine Stärkung der Organisation und schloß mit den Worten, daß jeder, der sich von dem großen Aufbauwerk ausschließt, ein Verräter an seinem Volk ist. Als letzter Redner sprach das Mitglied des Mtionskomitees, Oberbaurat Ing. Stricker. Er knüpfte an die Worte Wei.zmanns an, daß wir allzusehr in den Notwendigkeiten des Tages versunken sind und unsere anderen Pflichten deshalb vergessen haben. Wir sind lediglich dem Materiellen nachgegangen und haben v ergessen, daß der Zionismus eine Idee i st, die nicht nur um Geld, sondern um Menschen ' werben muß. Wir können uns auf die außerhalb der Organisation Stehenden nicht verlassen, sondern müssen eine Minorität schaffen, die mit aller Kraft zu ihren Idealen hält. Diese Gruppe muß das Mandat erhalten, im Namen des jüdischen Volkes nach außenhin zu sprechen und von den Nichtjuden den jüdischen Staat zu verlangen. Bevor wir daran gehen, wie Weizmann fordert, bei den Nichtzionisten Rekruten für uns M werben, ss müssen wir erst daran gehen, in unseren eigenen Reihen brauchbare Soldaten zu erziehen. In diesem Sinne fasse ich die Jjar-Aktion auf, so schloß Oberbaurat Stricker i seine eindrucksvolle Rede, worauf der Vorsitzende die Versammlung für beendet erklärte. »S93