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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-25 · Heft 2576 (25.4.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2576 (25.4.1926)
Date
1926-04-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2576 Wien, Gönnte Mener MokstenzeUuns Wieder eröffnet! Hotel National Wien, ü. Taborstrasse 18 Telephon Vollständig neu eingerichtet, zentrale Lage, 200 Zimmer mit messendem kalten u. warmen Wasser, Bäder, Zentralheizung, Lift. Kaffeehaus und Restaurant im Hausei Mistige Preise! Neue Leitung! Links meint hinwieder, neuerlich in der Parole „Kampf für den Mieterschutz" einen günstigen Wahlschlager zu besitzen. Ob die Dinge bereits so weit gediehen sind, daß nur mehr Neuwahlen eine Lösung bringen können, wird sich bald zeigen. Abzuwarten bleibt jedenfalls, ob nicht entgegen dem Willen der Parteitaktiker von rechts und links, denen es sich.doch nur darum handelt, aus parlamentarischen Schlappen ihrer Gegner A g i t a t i o n s m a t er i a l für die kommenden Wahlen zu sammeln, sich doch in letzter Stunde die Notwendigkeiten des Staates durchsetzen. Im Juni tritt der Völkerbund wieder zusammen und diesmal soll nach Entgegennahme des Berichtes des Obersten Rechnungshofes endgültig über die Aufhebung der Kontrolle entscheiden und vielleicht auch über eine n e u e A nleihe für Oesterreich beraten werden. Ein arbeitsunfähiger Nationalrat oder ein im Gang befindlicher Wahlkampf, der nicht abfehen läßt, wie die Kräftegruppierung in diesem Staate sich gestalten wird, würde wohl kaum in Genf eine Oesterreich günstige Atmosphäre schaffen. An einer solchen sind wohl.Mehrheit und Minderheit in gleicher Weise interessiert und darum werden sich wohl Mittel und Wege finden lassen, um eine Krise wegen eines Geschäftsordnungskonflikts zu vermeid e n. Welche Ausländer bekommen die RotftandrunterktStzuug? In der letzten Zeit wird :n der Oeffentlichkeit und in Versammlungen davon gesprochen, daß die Ausländer k e inen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung haben. Zur Aufklärung wird uns von informierter Seite mitgeteilt, daß das österreichische Arbeitslvfen-Versicherungsgesetz, wie überhaupt die österreichischen Bevsichevungsgesetze, keinen Unterschied zwischen A u s l ä n d e r n u n d I n l ä n d e r n machen. Jeder, der 'in einem versicherungspflichtigen Dienstverhältnis stcht und die gesetzlichen Prämien leistet, hat bei Eintritt des Versicherungsfalles Anspruch aus die gesetzlichen Unterstützungen. Die gesetzliche Höchstdauer ist in der Arbeitslosenversicherung mit 30 Wochen festgesetzt. Die Zuerkennung 'einer Notstands Unterstützung, die erst dann eintvitt, wenn die Arbeitslosigkeit länger als 30 Wochen dauert, wird nach der 7. Novelle zum Arbeitslosenversicherungsgesetz nur an Inländer gewährt. Ausländer 'haben aus diese Notstandsuntcrftützung nur dann Anspruch, wenn deren Heimatsstaat österreichischen Arbeitslosen m i nd e st g l e i ch w e r t i g e Unter st ü tzu n g geivährt und hiebei österreichische Bundesbürger nicht ungünstiger behandelt als die eigenen Staatsbürger. Nach diesen gesetzlichen Bestimmungen wird vorgegangen. Mit einigen Staaten Europas, so mit der tschechoslowakisch e n R epublik, dem Deutschen Reiche u. a., bestehen Gegensei t i gte i tsve r t r äg e, d. y. wir behandeln ihre Staatsbürger wie Inländer und sic behandeln österreichische Staatsbürger wie ihre Staatsbürger. Hinausgabe der Steuervorschreibnnge« im Juli. Finanzminister K oll mann teilte gestern in einer Versammlung von Gewerbetreibenden mit, daß Ende dieses Monats keine Rückstände bei der Steueradministration vorhanden sein werden. Zu Beginn der Monate Juni und Juli wird mit der Hinausgabe der Vorschreib u n g c n für das lausende Jahr begonnen werden. Er werde keine Stenern Nachlassen, aber dafür sorgen, baß jede Schikane und Behelligung durch ungerechte Vorschreibungert vermieden werde. Me „Weisen von Sion" in Syrien verboten. Jerusalem, 22. April. (I. T. A.) Ter französifche Oberkommissär für Syrien, de I o uve n el, hat den Vertrieb dev arabischen Ausgabe der „Pr otokolle der Weisenvon Zion", die im Jänner dieses Jahres in Beirut erschien, für ganz Syrien verboten. In arabischen Kreisen auch Palästinas wich für die Protrckolle Propaganda betrieben. Nach Erscheinen der arabischen Ausgabe forderte -das Organ des lateinischen Patriarchats in Jerusalem, „Raki'b Sion", -in einem Leitartikel die christlichen Araber aus, dieses Buch zu lesen, bas ihnen die „bösen Aspirationen der Zionisten enthüllen" werde. Die arabische Uebersetzung war, wie wir seinerzeit berichleten, in Kairo besorgt worden. Me Ugoda. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, 24. April. Vor einigen Tagen fand hier eine Sitzung der Zionistischen Exekutive für Ostgal i z i e n statt, in welcher die auch in der „Wiener Morgenzeitung" bekanntgegebene Erklärung des Ministerpräsidenten Skrzynski an das Präsidium des jüdischen Sesmiklübs einer Diskussion unterzogen wurde. Der Ministerpräsident hatte bekanntlich erklärt, daß das mit dem seinerzeitigen Kkubpräsidenten Dr. Leon Reich abgeschlossene Ueberemkommen eine Verständigung in zwölf Punkten, nicht aber, wie auf Grund des Berichtes der Unterhändler allgemein angenommen 'wurde, in 42 Punkte« zum Inhalt 'hatte. Nach längerer, lebhafter Debatte wurde beschlossen, die Zionistischen Sejmdeputierten aus -Ostgalizien zu 'beauftragen, den jüdischen Sejmklub zu veranlassen, daß er sein nach der Unterredung mit dem Ministerpräsidenten herausgegebenes C o m m u n i q u e z u r ü ckz i e h c, beziehungsweffe richtigstelle,- da es den Eindruck erweckte, daß der Sejmklüb die Behauptung, daß die Verständigung bloß 12 und nicht 42 Punkte enthalte, als erwiesene Tatsache anzuschen bereit sei. Da die beiden seinerzeitigen Unterhändler, die Abgeorl)-- nelen Dr. Reich und'Dr. Thon, daran festhalten, daß die Verständigung sich nicht auf 12, sondern auf 42 Punkte erstreckt habe, forderte die Zionistische Exekutive für Ostgalizjien das Präsidium des jüdischen Sejmklubs auf, gemeinsam Mit Dr. Reich und Dr. Thon abermals mit den Ministern Skrzhnski und G r a b s k i znsammenzutreten, um -in Anwesenheit aller an den: Abschluß der Verständigung Beteiligten den w a h r e n Sachverhalt sestzustellen. 25. April 1926 »elf« 8 Die solidesten Fabrikate Moderner Kinderwagen, Lise«., Messing- «nd Holzbett«« Lyg. SLnglingswLsche Marken: „Kindwohl", „Tetra" Badewannen, Wickeltische Die neuesten Schöpfung«« der Klnderiuod«: Kleidchen, Spielhöschen, Mäntel, Lüte, Schuhe, Strümpfe. Spielwaren aller Art. KIND WOHL _ _ *w.s^Kindcs -WIEN.VI.MAR1AHILFERSTR.41,, SEIT 1870 Me Buvapefter SokoWscherumersuchung beendet. Windrschgrätz, Nadossy und Meszaros beschuldigt. Budapest, 24. April. Die Polizei har die ergänzende Untersuchung in der Sokolsälschungsafsäre beendet und die Akten au die Staatsanwaltschaft geleitet. Als Beschuldigte kommen sieben P ersonen in Betracht, darunter Prinz W i n d i s ch g r 8 tz, Nadossy und Professor Meszaros. Me knteigunng der deutsche» KiirKenvermögen. Berlin, 24. April. Die Reichsregierung hat beschlossen, den im Volksbegehren verlangten Entwurf eines Gesetzes üb er eine Enteignnng der F ü r st e n v e r m ö g e n dem Reichstag zu unterbreiten. Die Darlegung der Reichsregierung führt aber aus, daß die entschädigungÄose Enteignung des Vermögens der Fürsten, wie sie der Entwurf vorsteht, den Grundsätzen, die in einem Rechtstaate die Grundlage für jeden. Gesetzgebungsakt zu bilden haben, widerspricht. Die Reichsregierung vermag 'daher den Inhalt des Entwurfes nicht als brauch-« bare Unterlage für die Auseinandersetzung zwischen den Ländern und den ehemals regierenden Fürstenhäusern anzusehen und spricht sich auss e n ts ch i e de n st e g eg e n di e Annahme des Entwurfes durch den Reichstag aus. Dagegen kanll mach Ansicht der Reichsregierung eine angemessene Regelung der A u s e i n a n d e rs e tz u n g s f r a g e nach den Grundsätzen, des zur Zeit der Beratung des Rechtsausschusses des Reichstages unterliegenden Entwurfes eines Gesetzes über die, vermögensrechtliche Auseinandersetzung zwischen den deutschen Ländern und den vormals regierenden Fürstenhäusern erfolgen. Die Regierung wird ihrevseits im Verfolg ihrer Erklärung vonl 26. Jänner 1926 das Zustandekommen eines K o mproMißentwurfes mit allen Mitteln fördern und hofft, ans diesem Wege für die Auseinanidersetzung zwischen Fürsten und Ländern eine Rechtsgrundlage zu schaffen. Hochzeit ohne MM. Bon Scholem Alejchem. „Ich habe euch versprochen, glaube ich, über noch eines der Wunder zu berichten, das sich wieder, wie Ihr euch danken mögt,' mit unserem „Leerläulser" zugetragen hat, wie wir, diesem „Leerläufer" sei es gedankt, einem großen Unglück entronnen sind. Wenn Ihr diäse Geschichte anhören wollt, so legt euch mit Verlaub hicher, auf diese Bank hier, und ich werde mich auf jene Bank legen, hier ist es mir nicht bei der Hand." ... So apostrophiert mich eines Tages der Hcißiner Händler, der in der schmalspurigen Bahn, die man dort den „Leerläufer" nennt,' mein Reisegenossc ist. Und da wir diesmal, wie immer, zusammeugenommen zwei Passagiere im ganzen Waggon sind,, und es hxmtt genug ist, tun wir mit Verlaub unjsere Röcke von uns, knöpfen die Westen auf und strecken uns auf die Bänf, wie im schönsten Daheim. Er auf die eine Bank, ich auf die andere. fEr erzählt langsam, sehr gemütlich und gedehnt,'wie es seine Art ist, ich 'höre zu, mir jedes Wort merkend, um es dann mit seinen Worten wiedevgeben zu können. „Also das war, und es möge nie wiederkehren, in der Zeit -der Konstitution, damals also, als die Juden „aufg?- richtet" zu werden begannen. Eigentlich haben wir in §et&hi, müßt Ihr wissen, uns niemals vor einem Pogrom gefürchtet. Weshalb, glaubt'Ihr, häben wir lins niemals gefürchtet? Einfach, weil es bei uns niemanden gibt, der schlagen kann. Ihr könnt es euch malen .und Ihr könnt es euch denke»!, wollte man suchen, rnqn würde vielleicht auch bei uns solche finden, die es sich »licht nehmen ließen, uns ein wenig durchzulüften, das heißt, ich meine sogar, uns alle Knochen zu brechen. Beweis ist, daß, als sich die guten Nachrichteil von ringsurn auch bei uns vernehmen ließen, unsere paar böswilligen -Herrschaften unter dem Siegel der strengsten Verschwiegenheit dorthin geschrieben haben, »vohin »nan in solchen Dingen schreibt: Sintemalen es gerecht wäre, auch in Heißin etwas zu t n n, und niemalld da ist, der es tun kann, also bitlen sie, ihnen zu Hilfe zu komnien^ das heißt, man soll in Gottes Namen so schnell als möglich „Menschen" schicken... Und, Ihr könnt es euch denken, es vergingen nicht einmal vierundzwanzig Stmlnn, da kommt eine Nachricht, auch in aller Heimlichkeit, daß „Menschen" kommen. Woher? Aus Schmerinka, aus Pasatin, aus Nasdielne, Popelne und ähnlichen Oertlichkeitcn, die durch ihre Schläger berühmt geworden sind. Ta ist eine Frage: Woher hat man bei »ins von diesem heiligen Ge- 'heimnis erfahren? Für solche Dinge haben wir, Ihr mögt es euch denken, einen Nojech Tokonop. Was ist das für ein Geschöpf? Ihr fahrt doch in unsere Gegend, man muß ihn euch daher vorzeichnen, damit Ihr ihn kennt. Nojech Tokorrop ist ein Jude, der inehr in die Länge als in die Breite gewachsen ist. Go-tt hat ihm ein Paar Beine «geschenkt, also benützt er sie. Er ruht nie und man findet ihn •nur selten zu Hause. Er hat tausenderlei zu tun, mehr fremde als eigene Geschäfte. Sein eigenes Geschäft ist — er hat die Druckerei. Und da er die Drucker,ei hat, die einzige Druckerei in Heißm, so keil nt er die Ttadkleitttng, verkehrt mit den Herrschaften, ist eins mit allen Polizisten, kurz iveiß alle Geheimnisse. Voll ihm affo hat man die schöne Nachricht erfahren, d,as heißt, er selbst, dieser Nojech Tokonop, hat es in die ganze Stadt hineingepaukt. Selbstverständlich hat er jede»n einzelnen 'besonders ein Geheimnis ins Ohr geraunt: „Das erzähle ich nyr euch, einem anderen würde ich es nicht sage»!..." Und so hat es die ganze Stadt von einem Ellde zu»n allderen erfahren, daß eine Bande kv»nmt, daß ein Plan ausgearbeitet ist, die Juden zu schlage»!. Man tveiß sogar wann, an '»velchen Tage, in welcher Stunde tiKtn schlagen wird, wo »nan zu schlagen begi'ilnen wird, die Reihenfolge — alles wie im Kalender a»lsg.erech»let. Und in der Stadt wurde es, Ihr mögt es euch denken, finster über finster. Und wo glaubt Ihr? Zu- »neist bei den niedrigen Klassen. Es ist ein seltsam Ding, hört Ihr, mit den arrnen Leuten. N,a. ein Reicher, wenn der vor solchen Dingen Angst hat, das kann der Verstand noch begreifen. Er hat eillfach Angst, Gott behüle zwischen ja und nein ein arnrer Teufel zu werden. Aber Ihr, vollendete 'Nichts- Haber, wovor fürchtet Ihr euch? Was könnt Ihr verlieren? Aber neiit* Ihr hättet sehen plögen, wie »wart die Ki»»derchen auf die Arme genommen hat, wie man Sack und Pack Gott überlassen hat, u»i) heida, ins Versteck! Na, wo verstecken sich Äe Juden? Der eine bei einem braven Christen im Keller^ der andere beirn Notar am Dachboden, der dritte »m Raum 'des Direktors. Jeder findet das seine. Nur ich als einziger, wie Ihr mich da seht, ich wollte »nich nicht verstecken. Nicht, daß »ch vor euch groß tun w>ill, ich werde es euch, wie es sich gchört, zu verstehen gel'en, und Ihr werdet begreifen, daß ich nicht ganz im Unvecht «war. Erstens stelle ich die Frage: Wo liegt die besondere Klugheit, daß man sich vor einem Pogrom, 'fürchten muß? Komme, was da komme... Und zrveitens, das wer.de ich euch nicht sagen; es ist sehr möglich, daß ich vielleicht auch kein so 'besonderer Held wäre und daß ich mich vielleicht auch imhrend der heißen Stunde würde verstecken,' wollen. Mer da fragt es sich: Wo versteckt »nan sich? Wev garantiert mir, haß di,eser brave Christ, dieser Notar, dieser Direktor im Wirbel nicht — Ihr versteht doch? Und außerdem, man kann doch eine ganze Stadt nicht so mir rtichts, dir »richts vogelfte» lassen. Einfach davonlauftn, das ist keine Kunst. Man muß etwas dagegen tun. Aber was -schon J»tden -dagegen tun können! Das Bürgernreisteramt...! Best-intmt. gibt es auch bei euch im Städtchen einen, der im Bürgermeisteramt 'beliebt ist. Bei uns in -Heißin gibt es auch einensolchen. Er heißt Nachrnan Kassoj. Ein Jude mit ruu-dem Bart, mit Samtweste und eme»n eigenen Haus. Und -da er. einen Anteil an der Chassor hat, ist er beim Bürgenneister beliebt. Er trirckt -mit ihm zusammen Tee bei einem Tisch. Und einen Bürgermeister hatten wir danmls, Ihr mögt es euch deuten, der zufällig ein braver Mensch ivar. Was da; heißt? Er nahm dann und »van»t ein paar Rubel, und nur von, Nachman Kassoj. Das heißt, er nahm bei jedem, warum denn nicht? Aber bei Nachman nahm er mit besonderer Just; versteht Ihr?... Kurz, inall -ist zu Nachnlan gegangen, hat ein Zettelchen, ausgestellt nn'd Gelld eingesa-rnrnelt. Und, Ihr mögt es euch denktzn, eine -hübsche Summe, denn in einer solchen Zeit davji »nan den Herrn nicht anfsuch-en, ohne ihm ein Sümmchen in, die e-and zu drücken, <aß es irr den Fingern brennt. Selbste Urständ!ich hat er uns sofort beruhigt, Er hat aMrücklich

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