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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-23 · Heft 2574 (23.4.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2574 (23.4.1926)
Date
1926-04-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Deik 4 Men, Freitag Kr schon ciitmaf den Weg aus scliwierigen Verhältnissen heraus gefunden ha:, auch ein zweite- Mal, diesen Weg zu finden. Es gilt setzt wieder, eine Menge hemmender Vorstellungen im Anslande aus den Weg zu räumen, aber auch bei uns. Die Theorie vom Freihandel ist sehr schön, aber unter gepanzerten Rittern kann ich nicht in Schwimm Hosen hennugehen." Der Ruf nach Dr. Seipel soll wohl ein Wink mit dem Zaunpfahl gegen die Sozialdemokraten sein, denen Dr. Gürtler droht, wenn sie sich etwa bei der Verhandlung de? Zollwrif S ungebärdig zeigen, würde Dr. R a m e k 8 Stellung als Bundeskanzler unhaltbar werden und an statt seiner würde viedcr Dr. Seipel die Regi.rung. übernehmen. der baltische Ticherbeitspalt. Riga, 22. April. Der stellvertretende Minister deS Aeußern erklärte Pressevertretern über die Frage eines S i ch e r h e t t S v e r t r a g e S der baltischen Staaten mit Rußland, daß die Sowietregie» r u n g bet s L m t l i ch e n baltischen Staaten den Abschluß von Verträgen, die N e u t r a l i t ä t S k l a ü s e l n und das Schlichtungsverfahren enthalten lallten, angeregt habe. Die baltischen Staaten hätten darauf ihre grundsätzliche Verhandlungsbereitschaft erklärt und konkrete Vorschläge erwartet, jedoch in.bestimmtester Form hinzuzeftlgt, daß für sie j e d e demVSlkerbund» standpunkt zuwtderlaufendeBesttmmung unannehmbar sei. Ein Vertragsabschluß sei ferner nur möglich zwischen der S o w j e t u n i o n und der G e l a m tbeit der balttschenStaaten. Sie Nichtannahme der Semiifion Skrchnrkls. Warschau, 21. April. Im MinPervat teilt,e Ministerpräsident S k r z y n S k t mit. daß der Präsident der Republik die Demission des Kabinetts nicht a n g en o m m e n h a b e in der Erwägung, daß im gegenwärtigen Zeitpunkte keine Kabinettskrise ausbrechen dürfe, da sonst. niemand das Budget- Provisorium für den WonatMaiinder Kammer vorlegen könnte. Die Mehrheitfür dasKgbinett ist trotz deS Austrittes der Sozialisten aus der Koalition gesichert. __ Ser Farzirmus in der Tschechoslowakei. Ein Zwischenfall im Senat. Prag, 22. April. In der heutigen Sitzung des Senats ereignete sich ein viellbemerkter .Zwischenfall. Zum erstenmal trat mn Parlamentarier in offener Sitzung für den Fa sz i s m u s ein. Als der deutsche Sozialdemokrat Nießner' auf die von Faszisten gesprengte deutsche Versammlung in Mährisch-Ostrau hinwies und der deutsche Sozialdemokrat Witt rief: „Das waren Gassenjunge»!", erwiderte der Nationaldemokrat Dyk: „Wie können Sie sich erlauben, die Träger einer politischen Bervegung Gassenjungen zu nennen!" Witt erwiderte: „Sie wollen sich zum Patron der Faszisten aüfspielen? Schämen Sie sich!" Dyik antwortete: „Ich nehme mich anständiger Leute an!", worauf der Zwischenfall erledigt war. Johannes den Täufer nennt, ist eher negativer Art. Nur darin, daß er von den übrigen Menschen verschieden ist, gleicht er ihrem Ideal. Die Salomes suchen stets einen von den anderen Männern so verschiedenen Mann, daß er säst einem neuen, unbÄannten Geschlechts anyehört. Wieder ein Kennzeichen deformierter Weiblichkeit. Der Täufer ist eine struppige, frenetische Persönlichkeit, die in der Wüste schreit und eine hydrotherapeutische Religion verkündet. Aerger könnte Salome nicht schlgegriffen haben. Jochanaan ist Ideenmensch, Homo völigio-sus, der Gegenpol zu Don Juan, dem homme a femmes. Die Tragödie entlädt sich unabwendbar wie eine chemische Reaktion explosiver Art. Salome liebt ihr Phantom, ihm hat sie sich hingegeben, nicht Jochanaan. Dieser, wird für sich lediglich ein Mittel, um jenem Körperlichkeit zu verleihen. Das Gefühlt Salomes für seine zottige Perfon ist nicht Liebe, sondern das Verlangen, von ihm geliebt zu sein. Die Männlichkeit Salomes mußte sie unweigerlich dazu führen, sich im Erotischen männlich zu verhalten. Denn der Mann fühlt ursprünglich die Liebe als heftiges Verlangen geliebt zu sein, während für die Frau das Ursprüngliche das eigene Liebesgefühl ist, jenes warme Flui'duw, das von ihrem eigenen Selbst ausstrahlt zum Geliebten hin und sie ihm zutrerbt. Der Drang geliebt zu sein, wird von ihr nur als Folge und in zweiter Linie verspürt. Tie normale Frau, man vergesse es nicht, ist das Gegenteil des Raubtieres, das sich auf die Beute stürzt; sie ist die Beute, die sich aus das Raubtier stürzt. Salome, die den Täufer nicht liebt, Mit den Drang, von ihm geliebt zu werden, sich seiner zu bemächtigen, unÄ in den Dienst dieses männlichen Tviebkö wird sie alle Gewaltsamkeit stellen, durch welche der Mann seinen Willen der Umgebung auszwingt. Schl weshalb — wie andere an ihren Händen eine Lilie — dies Weib ein abgemähtes Haupt in ihren langen Marmorfingern hält. Es ist ihre vitale Beute. Rhythmisch der Gang, geschmeidig ihr Leib, raubvogelartig das hebräische Antlitz, schreitet sie .durch die Legende, und über das erstarrte Haupt mit den gläsernen Augen beugt sich ihre Seele in gierer Krümniung wie ein Habicht cder Edelfakke. Doch sie ist allzu verwickelt unld weitschweifig, als daß ich sie hier erzähle, diese Geschichte vom tragischen Flirt zwischen Salome, der Prinzessin, und Jochanaan, dem Intellektuellen. -Dvulich von Maria Buiija Kocherthalw.) Wiener Moraenzettnng« «prkr IM *». MI Tagesbericht. tot Monismus und dar glaubenstreue Judentum. Aus Anlaß der zionistischen Jjar-Aktion. Voll Rabbiner Jakob Friedmann, Wien. Die zionistische Bewegung ist der Ausdruck des int' beugsamen Willens der jüdischen Nation, zu einem Leben zu gelangen, das ihrer großen Vergangenheit würdig ist. Die Zionistische Organisation ist eines der unerläßlichsten Mittel, dieses Ziel zu erreichen. Kein Jude, dem daS Gedeihen, das Glück uno die Ehre feines Volkes am Herzen liegt, kann dieser Organisation seine» Beistand versagen, sobald er ihr Wesen erkannt hat. Wenn es im glaubenstreuen Judentum Gegner des Zionismus gibt, so beruht oiese Gegnerschaft insbesondere bei den wahrhaft Frommen, oie gewiß zu den treuesten Söhnen des jüdischen Volkes gehören, auf nichts anderem als Mißverständnis und Irrtum. Es ist ein Mißverständnis, wenn man meint, der Zionismus sei antireligiös. Es ist ein Irrtum, wenn man glaubt, durch sterile Kritik, Schmollen oder Feindseligkeit könne man Menschen bekehren oder dem Gang der Entwicklungen eine beliebige Richtung geben. Diesen Mißverständnissen uno Jrrtümern werden die Tatsachen nach und nach sicherlich ein Ende bereiten und die Erkenntnis wird überall Platz greifen, daß man der wiederauferstehenien jüdischen Heimat nur ourch Mitarbeit, Opfcrwilligkeit und Bruderliebe das echt jüdische Gepräge sichern kann. In vielen Schichten des religiösen Judentums, die dem Zionismus feindlich oder indifferent gegenüberstandell, hat sich das Verständnis für die große Bedeutung der zionistischen Ziele und Errungenschaften bereits zu enttvickeln begonnen. Es dämmert allmählich auf, aber im Interesse der großen Aufgaben. ist ein rascheres Tempo notwendig. Möge die Jjar-Aktion sowohl in Erez Israel als in der Diaspora eine Atmosphäre schaffen, dic beit Prozeß des gegenseitigen Verstehens und der gegenseitigen Annäherung beschleunigen kann. Anfrnf der Sfterreichischen Misrachl-Senttale. Die österreichische Misrachi-Zentrale erläßt aus Anlaß der Jjar-Aktion nachstehenden Aufruf: An die gesetzestreuen Juden in Oesterreich! Sowohl die Exekutive der Zionistischen Organisation als auch die Weltzentrale des Misrachi in Jerusalem, haben den Monat Jjar als Werbemonat, als Monat der Verbreitung der zionistis chen Idee und Vertiefung in dieselbe, proklamiert. In dem Monat Jjar soll ein jeder Jude sich Rechenschaft geben und darüber klar werden, wohin er gehört und gehören soll, ob er seine Pflicht gegenüber seinem Gott, seiner Thora, seinem Volke und seinem Lande erfüllt hat oder nicht. Der Misrachi ist ein Sonderverband innerhalb der Zionistischen Organisation und wenn wir uns auch in bezug auf Programm und Ziel in manchen! nicht unwesentlichen Belangen nicht von den allgemeinen Zionisten und dem linken Flügel der Zionistischen Organisation unterscheiden, wenn auch manche Weltanschauunigsdifferenzen bestehen, so ist es auch ein eminentes misrachistisches Interesse, daß die Organisation als Ganzes ausgedehnt und gefräftigt werde. Jedem gesetzestreuen Juden, der, wie wir, die Sicherheit des Bestandes unseres Judentums und des Palästinaaufbaues auf der nnerfchütterlichen historischen Basis unserer Thora und Tradition erblickt, ist die Möglichkeit der Verwirklichung des ewigen Thoraideals dadurch gegeben, daß er dem Misrachi, der einzigen religiös-nationalen Organisation, als organisiertes Mitglied beitritt. Es ergeht daher an alle Juden, denen unsere ganze, ungeteilte Thora heilig ist, die Religiösjtät und Nationalismus als Synthese betrachten, die keine Trennung und keine Zersplitterung der lebendigen und schaffenden Kräfte unseres Judentums wünschen, der Appell, daß sie sich bei der Misrachi-Zentrale in Wien als Mitglieder des Misrachi anmelden. Die Misrachi-Zentrale für Oesterreich, Wie», 2 .Bcz., Praterstraße 43, Telephon 40.491. Mlrrachi-zentrale. Wien. Im Rahmen der I j a r a k t i o n wird Sonntag den 25. dum 10 Uhr vormittags im Saale desVereineS S udathSabbath. 2. Bez., Malzqasft 2, eine Misrachiveriammlung stattsinoen Prominente Redner, darunter ein Vertreter der misrchi'rischen Arbeiterorganisation in P a l äst t n a, werden referieren Eintritt stet. Sie Ilar-Aktion in der SfMoflotnafei. Vorträge des Oberrabbiners Dr. Chajes. Aus Prag wird uns berichtet: Am Dienstag sprach als Gast der Zionistischen Organisation im überfüllten Lucernasaal der Wiener Oberrabbiner Prof. CHajes über das Thema: „Zionismus als Mittler zwischen Juden und Nichtjuden." In logischer Weise zeigte er, daß der Zionismus keine chauvinistische Bewegung sei, sondern daß die ganze jüdisch« Religionsphilosophie seit ihrem Ursprung und der Auserwähltheits" und mess'>'''st'schi> Erlüsungsgedanke nicht nur die Erlösung des eigei:.., Volkes, sondern auch anderer Völker verstehen. Er sagte, daß der Zionismus zum erstenmal vem jüdischen Volke wieder die Möglichkeit gebe, produktiv und eigenartig zu wirken» „Niemals gab es trotz all« Judensreundschaft einzelne Nichtjuden, die Verständnis hätte« für das, was Judentum bedeutet. Erst M der letzten Zeit seitdem der Zionismus in daS Stadium der Verwirk lichung getreten ist, hofft» die bedeutendsten Köpfe i» der nichtjüdischen Welt, daß von einem Wiederauferstehe» des schaffenden jüdischen Volkes für die Menschheit Neue» und Erlösendes kommen kann." Vor Profeflor Chajes sprach der Vorsitzende der jüdischen Nationalrates Dr. Ludwig Singer, der in scharfe» Worten jene Kreise der tschechischen Oefftntlichkeit angriff de kotz dem Verständnis, das die führenden Staatsmänner der Republik dem Zionismus entgegenbringen, be wiederholten Fällen antisemitisch und antiztoni stisch vorgegangen sind. Am folgenden Tag sprachen Dr. Chajes nnd Doktoi Singer in Brünn im Stadion. Auch diese Versamm« lung wies einen Massenbesuch auf. Notlage der gnden in Lamarlus. In der letzten Sitzung des Londoner Board of Deputier wurde gemäß einer Zuschrift des internationalen Komitees vom Roten Kreuz mitgeteilt, daß sich die jüdische Ge. meinde von Damaskus in schiverer Not 'befindet. Etwa 200 Familien mit 1800 Seelen sind ganz auf öffentliche Unterstützung angewiesen; die Quellen sind aber erschöpft. Das internationale Komitee vom Noten Kreuz appelliert an die Judenheit in Westeuropa, den Juden von Damaskus zu helfen. Das Joint Foreign Committee gibt diesen Ruf weiter Sine neue Derbinvungsstraße zwischen Pnlöftina nnd Transiordanien. Sine Brücke über dm Jordan. „Doar Hajom" in Jerusalem erfährt, daß die Regierung ernste Vorarbeiten für die Anlage einer neuen Straße machen lasse, durch welche eine neue Verbindung zwischen Palästina und Transjordanien hergestellt wird. Der neue Straßenzug geht von Beth-Schan über Arbid bis Aman, überquert den Jordan auf einer neuen Brücke, die östlich von Beth-Schan neben der alten Jordanbrucke erbaut werden soll. Diese Arbeiten werden mehrere Monate in Anspruch nehmen. Nach deren Fertigstellung wird eine Straße von der Station Beth-Schan in die Stadt geführt »verlden. Lir Konserenr der zionistischen Akademiker Polens. Aus Krakau wird uns gemeldet: Der zweite Tag üer Konferenz war der Diskussion Wer die am Sonntag abends gehaltenen Referate gewidmet. Die Ideologie der zionistischen Jugend, die kulturellen Fragen und die hebräische Universität standen im Mittelpunkt der Diskussion. Während der Diskussion erschien im Beramngssaal das Mitglied der Exekutive der Zionistischen Organisation, Dr. H a n 1 k e, -der von der Versammlung lebhaft begrüßt wurde. Dr. Hantke sprach über die Aufgaben der zionistischen Intelligenz und wies besonders aus die große Gefahr der geistigen Aisimtlarton hin, die der Intelligenz der Mischen MiNderheir überall droht. Der Redner forderte di« Versammelten auf, enge Beziehungen mit der Mischen Masse anzuknüpfen, indem er daran erinnerte, daß dies insbesondere der Mischen Intelligenz in Polen sehr leicht fallen muß. da sie ja selbst au« dieser Masse hevvorgegangen ist. Schließlich erklärte Dr. Hantke, daß der Kampf zwischen den einzelnen Gruppierungen und zionistischen Fraktionen unentbehrlich und gesund ist, doch muß in Anbetracht unsrer großen nnd schweren Ziele der Wille der Mehrheit immer respektiert werden. Die letzte Sitzung der Konferenz dauerte die ganze Nacht von Montag aus Dienstag bis 7 Uhr früh und wurde miit der Gründung einer allgemeinen Föderation unter dem Namen Histadrut Mademijim Zionijrm (H. A. Z.) und der Wahl der Exekutive geschlossen. F.'rner wurde eine ganze Reihe allgemeiner Misch-kultureller palästinensischer und orgamsatovicher Resolutionen angenommen, Über deren Hauptinhalt tob chon gestern berichtet haben. Sie neue Antwerpen« Synagoge. Wir berichteten vor kurzem über den Bau einer tteuefc Synagoge in Antwerpen und die namhaften Beiträge, die von jüdischer und auch von christlicher Seite, so auch von König Albert, für den Baufonds geleistet worden seien. Mehrere Leser unseres Blattes in Antwerpen stellen in Zuschriften an uns mit Bedauern fest, daß es um die Frage deS Synagogenmues durchaus nicht so günstig stehe, wie es »n der erwähnten Korrespondenz dargestellt wurde. Der Bau der Synagoge ist wohl schon in Angriff genommen, doch hängt der Dermin der Fertigstellung von der Aufbringung der mit drei Millionen Franken veranschlagten Baukosten ad. Nach den Landesgesetzen soll der Staat einen Teil der Kosten bei Archen- und Synagogenbauten tragen, doch ist es angesichts der schlechten finanziellen Lage fraglich, wann und in welcher iWe dieser Beitrag geleistet werden wird. Bon christlicher «Seite — und auch vom König — wurde keinerlei Beitrag geleistet. Bon der Stadtverwaltung wurde ein Beitrag ■ »gesagt. Die Synagoge wird nach Fertigstellung 1000 bis 1200 Sitzplätze haben. _ Vit» hervorragender Kabalagelehrter gestorben. Ein Telegramm aus Jerusalem meldet das Ableben des greisen Gaon und Kaba'lageil-ehrten Rabbi Scha«lomo Eljaschew, der im Alter von 85 Jahren verstorben ist. Er war eme der wenigen großen Autoritäten auf dem Gei'biete der Kabailastelohrsmnkeit und veröffentlichte grundl-egenjde Werke über diesen Zweig, Noch vor 46 Jahren gab er mehrere Manulfkripte über Kabatagolehrsamibnt, die der Mer W, berühmten Wilnaer Gaon entstammen, herM.

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