Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2573 (22.4.1926)
- Date
- 1926-04-22
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2573 Wien, Donnerstag_ ftunft, Bühne, Buch. Seshröch mit Leovolü Sodowrly. Der Meister iiber die geplante Musikhochschule in Jerusalem. Der berühmte Pianist Professor Godowsky weilt wieder einige Tage in seinem geliebten Wien. Er hat soeben eine anstrengende Konzerttournee durch Italien, Spanien und Nordafrika hinter sich und wird näch seinem letzten diesjährigen Wiener Konzertabend, welcher Mittwoch im Konzerthäns stattfindet, nach Paris und London reisen, um seinen kontraktlichen Verpflichtungen nachznkommen. Bekanntlich hat Godowsky, der im Dezember des verflosseneil Jahres Palästina besuchte, gemeinsam mit dem großen Geiger Jascha Cheifez, der zurzeit in Palästina weilt, den Plan gefaßt, in Jerusalem eine Hochschule für Musik zu errichten. Eiuer unserer Mitarbeiter nahm Gelegenheit, mit dem Meister über dieses Projekt zu sprechen. Nachstehend ist das Gespräch im wesentlichen wiedergegeben: „Wie entstand, Herr. Professor, Ihr Plan z ur Errichtung einer M u si kh o chsch ul e in Jerusalem?" „Zwei Umstände haben ziisamnrengewirkt: Die bewundernswerten Erfolge der zionistischen Bewegung, die mir während meines Besuches in den jüdischen Kolonien zeigten, zu welch außerordentlichen Leistungen die Juden in Palästina befähigt sind Ferner aber auch die Tatsache, daß just in der I n st r u m e n t a l k n n st die Juden insbesondere in den letzten Jahrzehnten sehr hohes und vielfach h ö ch st e s Niveau erreichten. Ein Volk, das auf denr Gebiete der Musik so viele große ausübende Künstler erzeugt, könnte doch ans seinem Stück Erde.eine M n st er s ch n l e errichten, eine Welt sch ule, welche den K n n st j ü n g c r n aller N a t i o n e n o f f e n st e h t, das Judentum ehrt und der ganzen Kulturmenschheit dient. Meister wie Nosenthal, .Kreisler (mau könnte diese Beispiele durch eine stattliche Zahl von Namen ergänzen) sollen als Opferleistung unentgeltlich einige Wochen im Jahre an dieser Musikhochschule unterrichten. Es handelt sich hiebei um die letzte, höchste Stufe der Ausbildung für eine Anslese Berufener." „ES soll also eine . Hochschnle für die F o r t g e s ch r i t t e n st e n, A u s g e w ä h l t e st c n sein und kein Konservatorium m i t V o r b i l d u n g sstufe?" „Ganz richtig. Wir haben aber auch an den Musikunterricht in Palästina selbst gedacht. Aus der Stiftung, welche wir ins Leben rufen tvollen, werden Geldmittel für die drei im Lande bereits bestehenden, wie ich mich überzeugte, trefflichen, Musikschulen zur Verfügung , stehen. Ich meine die Schule des Herrn Hopenko, in Tel-Äwiw, ferner die von einer Angehörigen Professor Weizmanns geleiteten vortrefflichen Schule in Haifa und die Jerusalemer Musikanstalt, welche von Storres sehr gut geführt wird. Das in Jerusalem zuerrichtende Institut hingegen soll nach meiner Idee eine Anstalt höchster musikalischer Kultur werden, die den allerstrengsten und ernstesten Anforderungen entspricht." „Wann, Herr Professor, soll diese Musikhochschule ins Leben treten?" - „Nicht früher, als bis hinreichende Mittel gesichert sind. Ich gebe mich keinen Illusionen hin. In Amerika sind die kapitalskräftigen jüdischen Kreise für das palästinensische Aufbauwerk noch lange nicht in dem. Maße gewonnen, als es dieser herrlichen jüdischen Kulturtat entspräche, und es ist nicht zu erwarten, daß die Mittel so rasch gesammelt. sein werden, wie es unserem Wunsche und der Bedeutung des Werkes angemessen wäre. Wir wollen nichts Halbes schaffen, ganz besonders in Palästina nicht. Ich mache mich darauf gefaßt, daß die Durchführung unseres Planes noch ein Weilchen währen wird." „Soll diese Musikhochschule der hebräischen Universität angegliedert werden?" „Nein. Die hebräische Universität ist ja erst im Entstehen begriffen. Die Bedeutung dieser Gründung toird nicht verkleinert, wenn man feststellt, daß die Jerusalemer hebräische Universität gegenwärtig doch erst ein Symbol ist. Die geplante-Musikhochschule hingegen soll sofort ein erstklassiges und vollkommenes Institut sein. Deshalb wünschen die Anreger, daß es selbständig ins Leben tritt." Mit großer Wärme sprach sodann Professor Godowsky von den jüdischen Pionieren in Erez Israel, von ihrer heroischen Arbeit, von ihrer hohen Intelligenz und hon ihrem Idealismus. Godowsky zählt zu den Bewunderern von Tel- Awiw, und es hat rratürlich ihn, den Meister der Tonkunst, ganz besonders freudig überrascht, daß er die Pflege der Musik überall, in den Städten sowie in den Kolonien, ans so ansehnlicher Höhe fand. Er bedauert nur, keine einzige Aufführung der hebräischen Oper gehört zu haben. Als er in Tel-Awiw war, gastierte die Oper in Jerusalem, und als er nach Jerusalem kam, war das Opernensemble bereits nach Tel-Awiw ■ zurückgekehrt. Sein Freund Jascha Cheifez, der eben setzt in Jerusalem konzertiert und das materielle Ergebnis dieser Konzerte dem Fonds der zukünftigen Jerusalemer Musikhochschule widmet, ist mit Godowsky eines Sinnes und es wird hoffentlich unter der Führung dieser beiden, großen Kiinstler' dem in Amerika gegründeten Komitee gelingen, den Traum von der M n ft e r s ch u l e f ü r M u s i k i n Erez Israel in absehbarer Zeit zu verwirklichen. Burgschauspieler Franz Höbling wird Freitag, den »i d. M. in einem Richard Wagner-Abend der Urania als Opernsänger auftreten und gemeinsam mit der V>'lksvpernsängerin Mina Le fl er mehrere Partien ans '-! r.sner-Opern zum Bor rg bringen. Am Klavier Professor Artur B a r e n s f e l d. Begiiru halb 8 Uhr abends, großer Saal. Wiener Moraenzettuns_ Historischer Konzert. Uraufführung ein» Mozart-Symphonie. Ein von dem Wiener musikhistorischen Universitätsinstitnt veranstaltetes historisches Konzert bot eine dreistündige, überaus anschauliche Führung durch die Musikgeschichte. Was man da kennen lernte, waren keine verblaßten Antiquitäten ans einem musikalischen Museum, vielmehr heute noch wirksame Konzertpiecen, deren Klänge zu Vergleichen mit der Musikentwicklung und dem Stil unserer Tage förmlich Herausforderin Ein Trio von Johann S t a m i tz, dem berühmten Mannheimer Komponisten ans der Mitte des 18. Jahrhitnderts, zeigt den Beginn des modernen Kammermusikstils in seinem großdimensionierten Al-Fresco-Sonatensatz, der noch nicht hinlänglich mit Inhalt gefüllt ist, so reich und ‘ eigenartig auch die dynamischen Abschattierungen sind. Ein von Fanny Schmeidler mehr virtuos als stilecht vorgetragenes Klavierkonzert von PH. Emanuel Bach, dem Sohne des größeren Johann Sebastian, ungefähr aus der gleichen Zeit, ist von Vorahnungen Beethovens erfüllt in der neuen freien Tonsprache der beschwörenden- Rezitqtive, der ruckweisen Modulation, der kühnen Jntervallsprünge. Allerlei Anregung boten Vorträge alter niederländischer Chöre durch den trefflichen, von Ferdinand Habel geleiteten Kammerchor, ferner empfindsame und launige Gesänge des 17. und 18. Jahr- . Hunderts, in welchen Hans E. Hey, von Erich Meller feinfühligst begleitet, seinen starken Sinn fiir Humor betätigte. Ganz unvergleichlich schön warn die Wiedergabe der Gluckfchcn Orpheus-Arie durch Rosette.A n d a y. Und schließlich brachte das Konzert als Krönung des überreichen Pro- . grammes die ^Uraufführung einer Mozart-Symphonie . in ,G-dnr aus dem Jahre 1767, welche'der Wiener Musikforscher Professor Wilhelm Fischer, kürzlich im Stifte Lcnnb.ach austgesunden . hat. Das dreisätzige Werkchen, welches der .Budapester Kapellmeister Anton Fleischer in feiner Einfühlung;in das kindlich-naive.Gemüt des Werkes dirigierte, ist am beseeltesten im Andante. fDie zärtliche Kantilene und die weiblichen Motivschlüsse, das. anmutige Parlando und Spuren freierer ( Modulation sind unverkennbarer Mozart. Das symphonische Gefüge in der Durchführung des ersten Sonatensatzes ist wohl locker, das„ ganze ist inhaltlich noch mehr Unterhaltungsmusik im Geiste des älteren Divertimento, die Bläser sind noch unselbständig geführt. Immerhin bleibt die persön-; licher Züge wicht entbehrende Symphonie als Arbeit eines elfjährigen Kindes ein Wunderwerken schöpferischer Phantasie wie auch in der Bezwingung der symphonischen Formen. flb. Am de« Theater«. Burgtheater. Morgens V«8 Uhr abends, „ß ad ö Wtndermeres Fach e r". (Theatergemeinde Serie D, gelb.) A k a d e m i e t h e a t er, -- Morgen, */s8 Uhr abends „D e r L i e b h.a b e r". . Ope-rntheater. Morgen, 7 Uhr abends, i e Jüdin". B o t k s o p e r. Morgen r a Diabolo" (neu ein-! studiert) mit Kammersänger Anton. L u d w i g a. G. Deutsches Volkstheater. Alexander Moisfi sple't heute zum letzten Mae in „W a S ihr wollt", „H amte t" wicd Freitag und SamStag in der modernen Inszenierung geg eben. Montag „D t e R ä u b e r" mit Alexander . M o i s s t und Wilhelm Klitsch. Theater tn der Joiefstadt. Morgen, 7 Uhr abends, Premiere von Hugo v. HofmannSthalS Komödie „Christines Heim reife". Nenaiitaneebühne. Charlotte Ander beginnt beute tn der Lustsvielnovttät „Heimliche Brautfahrt" Von Leo L e n z ihr Gastspiel. Mo deines Theater. Frau Traute C a r l s e n wurde für ein 14tägiges Gafllviel verpa chtet. Sie wird zum ersten Male Dienstag den 27. d. als Lulu in ,Die Büchse der Pandora" spielen. Den Rodrigo Quart wird Hugo Werne r - K a h l e darstellen, Carl-Theater. Wegen plötzlicher Erkrankung zweier Hanvtdarsteller gelangt heute'und morgen statt „Die verbotene Frau" „Der Ra ft. e l b in de r" zur Aufführung. Willy Forst ffjielt: zum ersten Ma e die Rolle des Pfefferkorn. Ab SamStag wieder allabendlich „Die v e r b o t e n e F r a u". Im Ronacher wurde gestern abends eine Arbeitsgemein lch afl gegründet, zu deren Leitung der blShertae Direktorstellvertreter Tommy B r a n y t gewählt wurde. Sämtliche v ro m i n e n t e n K ü n st l e r, die bisher im Ronacher- Tyeater gewrkt haben, stehen der Arbettsgeme nschast auch w' e t t e r h t n z u r V e r f ü g u n g. Da8 Theater wird voraussichtlich am S a m s t.a gmit der Operette „Die T e %. es t n a". eröffnet. Die Preise werden besonders ermäßigt werden. - Bortröge. Beieine. Versammlungen. Wiener B e t d - H a m t d r a i ch. 3. Bez. Ferdinandstraße 23. Heute, 7 Uhr abends: Lektor Dr. S. GelbhauS r Historische Malmen. — Jun gztontsttsche Gruppe der Sektion VI—VIII. Heute, präzise 8 Uhr abends, ») Dr. Max Schnabl: Fortsetzung des GeschtchtSkur eS; b) Hanfi K o b n: Die Rechte der jüdischen Frau; u) Chorprobe. Leitung: Chv'metster I. Grünt) all. Gäste willkommen. * Warnung! Unsere Leser seien hiermit aufmerksam gemacht, daß dteurziUm emo oylene „Pneumelte" gegen Fußichinerztzn tm Ballen, Knöchel oder Waden tn Wien nu> erhältlich ist bet Camillo 'Bnrber, 1. Bez.. Teinfaltstraße 8. Verlangt ausdrücklich die schmerzbefreiende ..Pneumette". Achtung wegen Irreführung auf HanN Rr. 3 Israelitischer Jngendgottesdienst. Am Samstag den 24. d. um 3 lll)i »acu'nmags n»oet der Jugendgottesdrenst für bte tsrgeltii'che Schul uqeüd i > deit Gemeindeuno Bezirkslynagogen des l. 2, 3 und 20 Bezirkes statt. Klub radikaler Zionisten. Die für heute einberufene AuSschußsitziina iiiwel Wege oe» B.nte>rüeS » cti t »tatt Robbin cr D. Burland Uber die Zukunft des jüdischen Volkes. Am (.'anttlag oen 25. d., 6 Uhr abends, find't im Bet- Hane. ■; \, S.vime.u^.ne 2.. ti inuv.tuunw tuifietiulmit» l iche Bo > Juu A adv Itter D. B nrlaud au» Riga über die Zukunft des Mfchen Volke» statt. 22. April 1926 Seit« t RttVioProFvttMM. Heute Donnerstag den 22. d. 11 Uhr: BormittagSmujik. — 16 Uhr 15 Atrn.: ^tachm'ilagSlonzrrt. Mitivtrkend: Konzert- 'ängerin Helene Gallina. Zeller: Der Vogethändler, Wa zer. Strauß; „Karneval tn Rom", Ouvertüre. Grieg: ») Brautraub und JnarivS Klage; d) Arabischer Tanz. Verdi: „Othello", Phantasie. Fall: Die Rose von Stambnl. Walzer. — 17 Uhr 10 Min.: Märchen der Dichtung VUl. Marte v Ebner-Eschenbachr DaS Htrzebinzchen. Geiprochen von Käthe Ehren. — 18 Uhr 15 Min.: Mitteilungen aus den Bundestheatern. — 20 Uhr 15 Min.: Bunter Abend. Vorträge des Hornquintetts Stieglerr Wottawa: Ball'zene (mit Klavier), Schumann: Träumere!, Wunderer: Abendruhe, I. Richter r Elisen-Gavotte, drei Farmer SongS (für Hornqntntett geletzt von Max Ast), Weber: Jägerchor aus „Fret'chütz". Violinvorträge, Josef Zimbler: Karl Böhm: Legende, Zarcyekt: Mazurka d'Ambrosio r Canzonetta. Violtnvorirage mit Harfe (I. Zimbler und Jlie Charlemont): Schubert: Ave Maria, Back-Gounod: Meditation. Gesangsnorträge: Anton Ludwig: MaSeagni: Ständchen aus „Cavalleria rusticana", Pnccint r Arie des Rüde aus „Bohßme" «Wie eiskalt ist dein Händchen . . .). Verb Arte des Mauricio auS „Troubadour" (Daß nur für dich me Herz erbebt. . ). Harfenvorträge von Ile Charlemont. Gerichtssaal. Provisionen für Rechtsanwälte «nznlösstg. Die R e ch t 8 a n w a l t 8 k a m m e r hat zur Darnachachtung sämtlichen Rechtsanwä.'ten einen Beschluß des DiSziplinarratiS zur Kenntnis gebracht, wonach die Vereinbarung einer Provision (Mäklerloihnes) den Rechtsanwälten nicht gestattet rst. In der Begründung dieses Beschlusses wird ausgeführi, daß es dem Ansehen des Anwaltsstand.s abträglich ist, .wenn sich Advokaten als Geschäftsvermittler betätigen. Auch mit den Vorschriften der Re ch t s a n w a l ü s o r d n u n g ist eine Agententäticffeil unvereinbar, denn der Agent hat in erster Linie das eigene Interesse im Auge, während der Rechtsanwalt berufsmäßig mi>! der Wahrnn« fremder Interessen betraut ist. Sie Betlügereien des Franz Steine». Am zweiten Vechandlungstag gagen den Bankbeamten' Franz Steiner wurde das Zeugenverhör fortge,setzt. Bei Besprchung des Faktums L ö w i t evklärte Staatsanwalt Doktor Reitinger, daß er gegen gewisse Personen das Str afverfahren wegen Der gehens des Wuchers ein zu l est en gedenke. Verteidiger Dr. T eiri ch bemevkt, daß auch gegen den Bankier Rudoff Agoston ein Verfahven wetzen Erpressung und Wuchers anhängiig sei. — Bors.: Die Geschäfte des Herrn Agoston sind dem Gerichtshof hinlänglich begannt. — Der Angeklagte erklärte, daß bei Auflommett seiner Ue-bevschuldung in der Familie fiir ihn 600 Millionen Kronen aufgebracht wurden, doch habe dieser Betrng nicht ausgereicht. Der Beamte der Firma K a t h r e i n Richard Klein gab als Zeuge an, daß dem jungen Steiner nur deshalb ein Kredit von 10.000 Schilling eingerämnt wurde, weil dieser ein Akkreditiv mit der allerdings gefälschten Unterschrift seines Vaters, des chenmlrgen Landeshcmptmannes, vovlvies. Der Portier der Landes re gieMng Karl Stander erklärte: Ich kannte den Herrn Steiner als hochanständigen Menschen. Er war sehr gut zu mir, und deshallb war auch ich gut zu chm. Meine Ersparnisse... (Zeuge weint.) — Bors.: Fasten Sie sich. — Zeuge: Eines Tages sagte Herr Steiner: Nehmen Sie das Geld aus der Hofmann-Bank geschwind heraus, sonst ist alles verloren! Ich habe das Geld, zirka 7000 Schilling, behoben. Er sagte dann M mir: Ich zahle Ihnen dasselbe, was Ihnen die Bank gab. (Weinend): Hoher Gerichtshof, vielleicht ist es Ihnen möglich, daß ich ein bissel was von meinem Geld znrückbekomme. Bisher habe ich nur 1000 Schilling znvückbekommen. Zeuge Stander bekundet auch, daß der Angeklagte ihm eines Tages einen Brief des Bürgermeisters S e i tz verwies, in dem die Bodenkreditanstalt ersucht wurde, ihm noch einige SchWsse Waffen- Aktien zu beschaffen. Dies habe ihn bewegt, ebenfalls Waffen- Mtien durch Steiner anzuschaffen. Franz Steimr bestreitet, je einen solchen Brief dem Stander gezeigt zu haben. In der Nachmittagsvechandliung wurde der ehemalige .Bannnternchtner Isidor Wünsch als Zeuge einvernommen. Wünsch hat dem Angeklagten Steiner verschiedene Hypothekardarlehen vermittelt und hievsür, wie er angibt, jeweils Provisionen bezogen. .Geldgeber war der Kaufmann Lövit in Pardubitz. Wünsch bekundete, daß der Angeklaget sich immer auf seine Beziehungen zu hochstehenden Persönlichkeiten, darunter auch dem Gouverneur der Bodenkreditanstalt, Sieghart, berufen habe. Er halbe diesen Worten Glan^ben geschenkt und infolge dessen zu Steiner großes Vertrauen gehabt. — Staatsanwalt: Wie viel Geld haben Sie hem Steiner verschafft? — Zeuge: Beiläusiig 860 Millionen Kronen. — Staatsanwalt: Un.d hiefür sind 60 Prozent Zinsen pro anno gezählt worden. War es Ihnen denn nicht auffallend, daß ein Mensch zu so drückenden Bedingungen immer wieder Darlehen aufnimmt? — Zeuge: Nein, ich bekam doch nur die Provision. — Staatsanwalt: Hören Sie doch aus, Sie haben für jede Prolongation fünf Prozent Provision genommen. Uebrigens, sind Sie schon wegen dieser Sache in strafgerichtlicher Utersuchung. Da werden Sie Gelegenheit haben, sich noch darübr zu äußern. Haben Sie sich denn wirklich keine Gedanken gemacht? — Zeuge (achselzuckend): Nein. — Vors.: Sie haben Ihre Transaktionsgebühren im Auge gehabt. — Zeuge: Ich m.nßte auch wiederholt nach Pardnbitz und Brünn zu Herrn Lövit fahren. — Stejuepi