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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-22 · Heft 2573 (22.4.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2573 (22.4.1926)
Date
1926-04-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2573 Men, Donnerstag Wiener Msrstenzeltunk 22. April 1926 Seite ft Der Sinn Des Nordpol-Wettfliegens. tos „ftibroltor der gskuaft." — Die wiNschaltrpolMIche Beveutong des Rordpolgebketer. Insgesamt bürsten im Lauft der nächsten Zeit nahezu ein Dutzend Expedit'onen sich aus den Annmrsch zum Pol auf dem Luftwege begeben. Die technischen Voraussetzungen dieser Unternehmungen basieren zwar auf den Erfahr u n g e n A m u n d s e n s, jedcch tnuß man sagen, daß nicht alle Expoditionsleiter sich jene Erfahrungen in vollem Umfange zunutze nrachen. Im Gmnde bedeutete der Verlaus der Amunidsenschen Expedition das endgültige Fiasko des Flugzeuges für polar« Aufgaben, und wenn Anmndsen alle Gefährten auf so-nem einen Dornier Wal glücklich zurückgebracht hat, so hat er das 7-inem Glückssall zu verdanken, gegen den in der Situation, in der er sich mit seinen beiden Flugzeugen nach der Landung auf dem klebrigen, heimtückischen Polareis befand, mindestens 95 Prozent Wahrscheinlichkeit für den unglücklichen Ausgang der Expedition standen. Anmndsen selbst unternimmt infolge seiner Erfahrung seinen diesjährigen Flug in dem ihm von Mussolini gestiftet e n, von dem Oberst Nobile gebauten Halbstarren italienischen Marineluftschiff „Norge", oas mit seinen 19.000 Kubikmeter Inhalt und drei Maybach-Motoren 16 Mann Besatzung trägt. Man wrd abwar- Icit müssen, wie sich das Luftschiff, das ja zweifellos ungleich bessere Lande- und Startmöglichkeiten hat, in den Polarstürmen verhalten und wie seine Gasfüllung auf die abnornien Temperaturen des.Polargebietes reagieren wird. Die Amevkaner, die ja ihre Polarexpeditionen mit ganz besonderen verkehrspolitischen Ambitionen losschicken und im Polargebiet das „Gibraltar der Zukunft" zu finden hoffen, beharren bei der Verwendung von Flugzeugen, und zwar bemitzt sowohl W i l k i n s, der die von der amer kani'schen Gesellschaft, der Detroit-Flugzeug-Gesellschaft und der nordamerikanischen Zeitungsverleger-Vereinigung entsandte Expedition fiilhrt, als auch Oberleutnant R. E. Byrd, der die sogenannte „hundertprozentig amerikaniische" Expedition, d'e von Rockefeller, Ford und Aster finanziert wird, leitet, FMerflugzeuge mit drei Motoren. Dabei ist zu erwähnen, daß Kapitän W i lkins einst als Teilnehmer an Schackletons antarktischer Expedition im Aufträge der Amerikanischen Geographischen Gesellschaft -n der Hauptsache auf geographische und meteorologische Feststellungen ausging und die Erreichung des geographischen Poles selbst nur als Nebenaufgabe ansah. Damit gchorcht Wilkins dem Gebot, das den Kampf um den Nordpol aus dom Niveau moderner Rekordsucht zu der Hohe ernsthafter wissenschaftlicher Forschung erhebt. Die Erre-chung und Uoberfliogung des Poles bedeutet lediglich die M a n i f e st i e r u n g der Tatsache, daß wir die rein technischen Schwierigkeiten, die das Polare's den menschlichen Erkundungsunternchmungen» entgegensetzt, überwunden haben. Sie bedeutet aber noch keineswegs die wirkliche Beherrschung des Polargebietes. äic wird erst dann verwirklicht werden können, wenn die gegenwärtig geplanten flüchtigen Erkundungen die Vovbed'ngnngen zur Entsendung stationärer Expeditionen für monatelange örtliche Forschungen geliefert haben. Erst dann wird man dem Polareis seine Geheimnisse entreißen können, die tvahrscheinlich den Schlüssel zur Erklärung unserer Wetterverhältnisse und vieler anderer, bisher unerklärl'cher luftelektrischer und e r d m a g n e t i s ch c r Erscheinungen Sie Konferenz der Schwerverbrecher. Ein guter Fang der Berliner Polizei. Aus Berlin wird uns gemeldet: Der Krrnrinalpolize?: ist es gelungen, eine riesige Bevbrecheäbande zu verhaften. Wie das „8-Uhr-Abendblatt" meldet, wurde der Polizei Mitget'M, daß eine größere Zahl von Schwerverbrechern sich im Münzhof in: Norde n B e r 1 in s zu einer Beratung zuifammmgofundön hatten. Die Poliz e i erschien überraschend vor dem Lokal, besetzte sä in tl'iche Eingänge und verhaftete alle in der Wirtschaft Alnweftniden. 48 Personen mußten auf Lastwagen zur Krüntinaltvache geibracht werden. Die Demehinmng«en dauern bereits den ganzen Nachmittag am. Bisher sind nur Lwe-i Personen wieder «Massen woldon. Die Polizei gttm&t; einige der berücht i gst e n Verbrecher ^.n ihre Hände bekommen zu habet:. Ein Raabmordversuch in Budapest. An einer Lebedame. AuS Budapest wird gemeldet: Heute nachmittags Wirde in Budapest abermals ein Raubmordversuch an eitler Lebodame verübt. Die unter sittenpolizeilicher Kontrolle sichende Maria M rase? wurde in ihrer Wohnung mit f u r ch t b a r e >l B e rletzungeu am Kopfe in sterbendem Zustand aufgefl tliden. Die Mrasek hatte am Nachniittag einen unbekannten Manu enlpfangen, der allein als Täter in Betracht kommt. Der Mörder hat der Frau mit e i n«m Werkzeug furch t ■ bare Hiebe am Kops beigebracht und sie überdies zu e r w ü r g e n versucht. Sodann raubfc er 150.000 Kronen aus «einer TM'. liefern werden. Der unmittelbare Wert solcher Feststellungen würbe zum Beispiel für die nördliche -Schiffahrt, für die Eismeerfischere-, den Äetterwarnungsdienst und damit jür die Landwirtschaft der ganzen gemäßigten Zone außerordentlich seilt. Darüber hinaus darf nicht der W e r t r e i n wissenschaftlicher Feststellungen unterschätzt werderi, die sich n der endlichen einwandfreien Feststellung der Erdabplattung, in der topologischen Aufnahme des Meeresbodens im Polargebiet und in seiner kartographischen Festlegung ausdrücken würden. Natürlich könnten die zu solchen Feststellungen notwendigen langen Beobachtungsreisen nur ans dem Wege anhaltender systematischer Forschungen erzielt werden. D'eser Notwendigkeit käme nun allerdings die Luftverkehrs^^nik in Hellem Maße entgegen. Die zu solchen Zwecken im Polargebkt auszufttzenden Wissenschaftler könnten mit Hilfe des Rad ogerätes in ständiger Verbindung mit der Kulturwelt bleiben, könnten jederzeit nach Bedarf mit Geräten und Lebensmitteln durch Flugzeuge versorgt werden und gegebenenfalls ihrerseits mit anderen wissenschaftlichen Stationen des Polargebietes n Verbindung bleiben, wodurch die Auswertung der beiderseitigen Feststellungen außerordentlich gefördert werden würde. Wilde amerikanische Pressephantasien sprechen von dem Pol bereits als von dem „Wetthandelszentrum der Zukunft", unter der Voraussetzung allerdings, daß -n dem unerforschten Gebiet, das sich zwischen der Nordküste von Alaska und dem Pol erstreckt, Land —eben das Gibraltar der Zukunft" — gefunden würde. Sollten diese Phantasien über kurz oder lang wirklich durch entsprechende Entdeckungen gerechtfertigt werden und sollte die Möglichkeit auch nur halbwegs regelmäßigen Luftverkehrs über das Polargebiet sich bestätigen, so würde c itc solche Landentdcckung in dem besagten Gebiete allerdings von nicht leicht abzuschätzen.der Tragweite werden können. Es würe damit der Weg von Europa nach dem asiatischen Nordosten und dem amerikanischen Nordwesten auf einen Bruchteil semer bisherigen Länge verkürzt und es würde tatsächlich einen erheblichen w i r t s ch a f tspolitischen Machtzuiwachs für die Vereinigten Staaten bedeuten, wenn sie in den Besitz derjenigen Punkte geraten würden, die d'e unerläßliche Etappe zwischen Spitzbergen und den eben angedeuteten Zielen darstellen. Zukunftsmusik, wie man sieht, die aber doch in nicht zu ferner Zeit zur führenden Melodie einer gewaltigen und epochemachenden Gegenwart werden kann. Amundiens Rorvvolflug. Kopenhagen, 21. April.'Das Luftschiff Amundsens wird erst am Montag Leningrad verlassen, da es sonst gu früh nach Spitzbergen käme. Die Amundsensche Nordpolexpedition wird k i n e m a t ographisch ausgenommen werden. Der schwebisch-ame« rikanische Filmoperate:r Ternstroem begibt sich Samstag auf einem Flugzeug von Oslo nach Spitzbergen und wird, das Luftschiff Amundsens nach dem Nordpol begleiten, um von der ganzen Fahrt kittematographische Ausnahmen herzustellen. Wie teuer ist der Nordpolflug? Der Vorsitzende der Nordi'chen Luftfahrtgesellschaft in Oslo hat einem Interviewer mitgeteilt, daß die A m u n b s e n- Polarexpedition bis zu dem Augenblick, wo die „Norge" zu ihrem Fluge startete, etwa vier Millionen norwegische Kronen gekostet hat. Sie Budavester Zuwelenbetrügerei. Die Urheber geflüchtet. Aus Budapest wird uns gemaHet: Die polizeiliche Untersuchung in der Angelegenheit des großzügigen JuweleNbelchnungsschwindels ergab so schwerwiegende Tatsachen gegen die Budapester Juweleichändler Siegmund Per I, Artur N e ur a t h, Stephan Ländle r und Frau Wilhelm B o t h, daß über die Genannten heute vormittags die Präventivhast perhängt wurde. Die JuwelenhäMer haben von Agenten wertlose Steine zur Schätzung bekommen und über diese Gutachteil abgegeben, die auf horrende Beträge altsgestellt wurden. Die Agenten konnten auf Grund der falschen Schätzungen die wertlosen Juwelen mit sehr hohen Beträgen lombardieren lassen. So zunr Beispiel wurde eine Goldkette im Werte von bloß 8 Millionen Kronen von einem der Juweliere auf nicht weniger als 320 Millionen geschätzt und tatsächlich mit 160 Millionen belehnt, so daß der Pfandleiher vermeintlich 50 Prozent Deckung hatte. Die Urheber des raffinierten Betrugsplanes, die Juweliere Brüder Selinger, die zwei Geschäfte hatten, konnten nicht mehr verhaftet werden, da sie vor einigen Tagen Verdacht geschöpft und rechtzeitig das Weite gesucht, haben. Die Polizei hat einen Haftbefehl gegen sie erlasseit und alle europäischen Mizeidirektionen davon verständigt. Dins jüdische Haus | as jüdische Blatt Fussleidende! Sie ungern geben, rasch ermüden — WfWlH wem» Ihr Pass am Abend anseh wtllt — wenn die Sehlen brennen und lästig* Schwielen ent. stehrn — wen Schmeraan im Mitteifnsa, an Knöchel und Ferse und m der Mute des Vorderfnsses jeden Schritt cur Qual machen — benützen Sie die wunderbar» e Erfindung gegen wann Fusschmeften, die «Pneumette*. Es gibt kein besseres Mittel für leidende Ffissealtdie „Pneomette* mit ihrem unvergleichlichen zchmerzbefreienden Luftkissen. Fast eine Million Menschen tragen die Sie müssen es selbst probieren! 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Wir heben die folgenden Details hervor: Seit einiger Zeit erprobt man in Deutschland einen neuen Narkosestofs, der dem amerikanischen Lachgas ähnlich ist. Es handelt sich um ein Azethhlen, das Narzilen genannt wird. Professor Gauß in Würzbuvg hat kürzlich über zweitausend mit Narzilcnnarkose behandelte Fälle berichtet. Das Narzilen scheint in der Tat fast völlig unschädlich zu sein. Gelvisse Vorsichtsmaßregeln, die leicht durchfirhrbar sind, müssen allerdings auch bei snner Vettvendung beachtet werden. Die Kranken schlafen schneller ein und wachen leichter auf, der Katzenjammer, die Uebelkeit und das Erbrechen ^sollen völlig fehlen. Vorläufig erfordert die Darreichung' allerdings noch einen sehr umständlichen Apparat. Eine ganze Reihe, rein technischer Schwierigkeitetl harren noch der Lösung, ,bis das Verfahren allgemein angewendet werden kann. ' Sicherlich würde Befreiung von den unangenchmen Nachwirkungen der Narkosen eine große Wchltat darstellen für diej.'nigen, die sich dem Messer des Ehirurgen. unterwerfen müssen: Deshalb wäre es sehr zu begrüßen, wenn sich das Verfahren bewährt^. Besonders geeignet soll die Narzilenb.'täubung zur Erzielung einer.schmerzlosen Geburt sein. Die Angst vor den Schmerzen bei der Entbindung ist bei vielen Frauen sehr groß. Die suchten jene Kliniken auf, in denen Geburten im Dämmerschlaf, also schmerzlose Geburten, durchgeführt wurden. Der Dämmerschlaf in der GOurtshilfe hat sich in der Hand der Begründer und Meister des Verfahrens durchaus bewährt. In der allgemeinen Praxis ließe» sich solche, eine ungeheure Erfahrung und große Vorsicht erifovdernden Maßnahmen nicht durchführen. Die Narzilennarkose scheint nun, wenn sie sich zu einer einfachen und sicheren Methode gestalten läßt, eine große Zukunft für die 'Geburtshilfe zu haben, und ,zwar b:- sonders deshalb, weil die Wehentätigkeit nicht behindert wird und der Navkosestoff nicht auf das Kind übergeht. Uober eine wichtige Entdeckung wird aus N.ew-Uork uerichtet: Durch die Entdeckung des Pharmakologen der, Hopkins-Universität in Baltimore, I. I. Abel, ist es numnchr möglich, das Insulin, dioses wichtige Heilmittel gegen die Zuckerkrancheit, in reiner Form darzustellen. Während die bisher in den Handel komuienden -Präparate nur etwa den fünften Teil reinen Insulins enchalten, gelang es Abel, das Insulin in wohlausgebildeten Kristallen zu erhalten, die im Master unlöslich sind. Schließlich noch eine Nachricht aus Pari s: Auf Eittladung der medizinischen Fakultät der Universität Florenz hat der bekannte Pariser Arzt Dr. Woronow drei bisher,nie gemachte Eingriffe Vovgenommen. Den einen, bei einem an Starrkrampf leidenden Kranken und Mi Eingriffe bei schwer Zuckerkranken. Dieser neuen Anwendung der Uebertragung von A f f e n d r ü s e n wird große Bedeutung beigelegt, da bei diesen Krankheiten nur die Ersetzung der Drüiev den Kranken retten kann. Keine Musik in den Kurorlen. Die Verhandlungen oes Heilbäderverbandes mit d'eM Musikerverband in Ischlbrachten keine Einigung. Der Heilbädervecband erklärte sich bereit, die Gagen des Vorjahres zu bezahlen, lvogegen der Mufikerverband eine 15, 25 bis 36prozentige Erhöhung verlangte. Daraufhin brachte der Heilbäderverband zur Kenntnis, daß er, um die Berhand-- lunge» doch zu ermöglichen, mit Unterangeboten komme»! werde. Die Verhandlungen wurden vom Musikeroerbano endgültig abgebrochen. In einer darauffolgenden Sitzung des Heilbäoervr. - bandes wurde beschlossen, über das Ergebnis in den Kurkommissionen zu berichten und denselben vorzuschlagen, die Kurtaxen wegen Entfalles der Musik um 30 Prozent zu kürzen. Nach eingegangenen Mitteilungell hat d« Kurkommisschn in Baden dftsen Beschluß bereit-

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