Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2573 (22.4.1926)
- Date
- 1926-04-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Hf« 2otu Wien, Donnerstag Wlemr Moegenzettung 22. April M6 Mc 9 Serbiens Antwort. (Ligendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 21. April. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung antwortete Ministerpräsident Gra,f Bethlen <mif die gestrigen Anschuldigungen des Mackgrafe,» Pallavieinii. Er erklärte, daß er die Tatsache, daß Nadossy in die Frankenfälschungsaffäre verwickelt war, erst durch die Rede des Ministers Dr. Benesch ht Prag erfahren habe. Die Behauptung Pallavicinis, daß die Regierung von der Sokolsälschung gewußt habe, sei unwahr. Gras Bethlen verliest sodann Mi Schreiben des Senatspräsidenten Töröky und des Oberstaatsanwaltes Sztrache, in welchen diese Mitteilen, daß sie nicht Mitglieder von Geheimgesellschaften seien. Ich selb st, sagte der Ministerpräsident, war niemals Mitglied einer Gehe imgesell scha st. Ich war wohl Mitglied einer öffentlich wirkenden patriotischen Gesellschaft der Bereinigten christlichsozialen Liga. Ms ich Ministerpräsident wurde, nahm ich nur noch einmal an den Besprechungen teil, um meinen Austritt anzumelden. Es ist aber nicht wahr, daß ich jemals die Unterstützung dieser oder einer anderen Gesellschaft gesucht hätte. Der Ministerpräsident befaßt sich sodann mit der Anschuldigung Pallavicinis, daß er von der Frankenaffäre schon seit Jahren gewußt habe und erklärt, daß er , tatsächlich, so. wie dies ans den Berichten des p a r l amentarischen Ausschusses hervorgeht, durch den Grasen Teleki im Jahre 1922 davon in Kenntnis gesetzt wochün sei, daß man sich mit Frankenfälschungsplänen beifasse. Er habe damals Nadossy die Weisung erteilt, die Durchführung dieser Pläne zu verhindern. Der Ministerpräsident verliest dann die Zeugenaussagen des Ministers Bass, Emmerich N a d o s s h s und des Bischofs Mikes. Nadossy habe in seiner Aussage niemals behauptet, daß Patron Stephan von der Affäre gewußt hätte. In diesem Sinne stimmen sämtliche Zeugenaussagen überein. Nach Erledigung der Tagesordnung antwortet» Markgraf Pallavicini in persönlicher Sache dem Ministerpräsidenten Grafen B e t h I e n. Er erklärte unter anderem, daß er unter der Negierung, die von der Sokolfälschung gewußt habe, die Bethlen-Regierung verstanden habe. Graf Sigray habe begreiflicherweise mehr sagen können als er, da Sigray mit Windischgrätz gesprochen habe. Den vom Grasen Bethlen am Schluß seiner Rede gebrauchten Ausdruck „politischer Bravo" nehme er nicht zur Kenntnis. Bethlen sei vor fünf Iahren von dem Wege der Anständigkeit abgeraten. Der Jmumnitätsausschuß hat beschlossen, zu beantragen, dem Abgeordneten Markgrafen Pallaviein» wegen seiner in der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung ohne Beweise vorgebrachten schweren Anschuldigungen gegen die Regierung eine Protokoll« r i s ch e R ü g e zu erteilen und ihn dazu zu verhalten, .daß er diese Rüge auf eigene Kosten in seinem Wahlbezi.rk durch Maueranschlag Bekanntgabe. Zwei Mitglieder des Ausschusses meldeten ein M in o r U st äts Votum an. Zwdvaveez und Bonis. Budapest, 21. April. Feldbischof Zadraveez will in das Ordens Haus der Franziskaner auf dem Margaretemivg übersiedelu. Wahrscheinlich wird er die Agenden eines Feldbischofs zurücklegen und sich dem Lehrberufwidmen. Mit Pater Bonis haben die Ordensbrüder den Verkehr ab g eb ro ch en. Der Orden teilt mit, daß er mit Später Bo n st s nichtsmehrzntunhabe. Sie Stärkung der zionistischen SrgaaAtio«. Ein Aufruf des Larr-deskoniltees für Oesterreich. Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich erläßt den folgenden Anfrnf: Zionisten! Es ist heuie bereits ein Axiom: Der dauernde Bestand des Judentums ist an die Schaffung eines Mischen. Zentrums in Erez Israel geknüpft. Der jüdische Aufbau Palüstinas kann jedoch nur durch eine gesunde, bewußte Judenheit erfolgen. Heute mehr denn jemals hat Herzls Definition des Zionismus: „Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenlaud" Geltung. Die jüdische Geschichte der letzten Jahrzehnte hat bewiesen, daß der Zionismus alle schöpferischen Kräfte des Judentums wachgerufen und in sich vereinigt hat. Heute bedeutet Zionismus: Judatsierung unserer Bolksmassen, ihre Hevräisierung, ihre Erfüllung mit dem Bewußtsein von den dauernden Werten jüdischen Kulturlebens und seiner einzelnen Erscheinungen; aus dieser Arbeit und ihrer Wirkung ergibt sich zwingend die aktive Mitarbeit jedes bewußten Juden an der Regeneration des jüdischen Volkes und dem Ausbau des jüdischen Landes. Diese Arbeit wird nicht dadurch geleistet, daß der einzelne seiner Zugehörigkeit zur Organisation durch die Zahlung des Schekels Ausdruck gibt; der Schekel ist der notwendige finanzielle Rahmen der Organisation; aber seine Erwerbung muß den Willen zum Ausdruck bringen, persönlich oder unterstützend an dem Werke der jüdischen Erneuerung mitzutun. Dieses Pflichtvewutztsein des Einzelnen ist die Grundlage jeder erfolgreichen zionistischen Gesamtarbcit. Es wachzurufen, hat die Zionistische Exekutive denMonatJjar als die Zeit für die Ralliierung aller zionistischen Kräfte bestimmt. So ergeht denn, wie in der ganzen Welt, an euch» Zionisten Oesterreichs, der Sammelruf! Er ist nicht bloß eine Heerschau aller zionistischen Kräfte, sondern der Ruf, dem ihr Folge leisten sollt, gilt auch der geistigen Sammlung jedes einzelnem Zionisten, die ihm seine Pflicht zur Arbeit eindringlich ins Bewußtsein ruft. In einer kurzen Spanne Zeit sollt ihr euch aus diese Arbeit konzentrieren «nd damit ihre Grundlagen festigen. Folget dem Rufe zur Sammlung! Zionistisches Lawdeskornitee für Oesterreich'. Dr. Desider Friedmann m. p. Dr. Leo Goldhammer m. p. Kommerzialrat Max Markus m. p. * Im Rahmen der Jjar-Aktion findet am Samstag, den 24. April, halb 8 Uhr abends, in den Olympiasälen, 1. Bezirk, Rotgafse, ein Meeting statt. Zionisten, erscheint in Massen! AtfMmitmi «Ai£j7afurbutt«r> Ällerfönste zionistisches Staatsbürgertum. Von Pwf. S. «Wfcfcft) (2c*ä). Mit jedem Tags wird es klarer, daß das jüdische Voll die Zukunft Palästinas in seinen eigenen Händen halt.Wenn es gelänge, alle Mittel, über die unser Volk tu der Diaspora und insbesondere in den englisch sprechenden Ländern verfüg'., der Entwicklung des nationalen jüdischen Heinis nutzbar zu machen, kein Aveifel, daß Palästina in fruchtbares und gesundes Land verwandelt würde, daß in Erez Israel ein geistiges und politisches Zentrum jüdischen Schaffens entstünde. Noch vor sechs Jahren prophezeite man, das Land werde in einenr ständigen Kampf zwischen Juden und Arabern unb in den inneren Gegentsätzen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft selbst zerrieben werden. Aber diese Voraussagungen haben sich als trügerisch erwiesen. Es gibt kein zweites Land im nahen Osten, das so ruhig und' friedlich wäre wie Palästina. In keinem anderen Lande TeKtt eine Gemeinde von Jtlden, die in ihrer Entschlossenheit, für das künftige Wohl ihres Landes und ihres Volles alle Kräfte einzusetzen, so einig dastünde wie die palästinensische. tPalästina und der Aufbau der nationale» Heimstätte bedeuten eine Forderung an alle Juden, sich zu einem gemeinsamen Werke zu vereinigen, gleichviel wie sie sonst zu den inneren und äußeren Problemen jüdischen Lebens stehen mögen. Es ist nur natürlich, daß nicht alle Volksgenossen in den vordersten Reihen marschieren können. Wir Zionisten sind niemals in unlserem Glauben wankend, geworden, daß die überwiegende Mehrheit der Juden die Lösung des jüdischen Problems in Palästina herbeizuführen wünscht. Aber wären wir es nicht gewesen, die als die Repräsentanten des jüdischen Volles ausgetreten wären, die Weltjudenheit. als solche hätte die Baffour-Deklaration und das Palästinamandat niemals gefordert, Großbritannien und der Völkerbund hätte eine solche Forderung nie genehmigt. Es bedurfte einer zionistischen Bewegung, um diese streuten, auseinanderstrebenden Strahlen: jüdischer Hoffnung zu sammeln, es bedurfte der Zionistischen Organisation, daß! sie, gleich einer Linse, diese Strahlen in einem Gemeinschafts- Werke vereinte. Und was vor zehn Jahren galt, ist auch heute noch NoiwendWeit. Alle Juden anerkennen das Vorzugsrecht Palästinas aus ihre Liebe und Ergebenheit. Aber ohne zionistische Bewegung und ohne Zionistische Organisation bliebe diese Liebe unfruchtbar. Diese Wahrheit ist mehr als einmal deutlich geworden. Die Zionistische Organisation hat int Namen der Judenheit der Diaspora und 'Palästinas vor den Regierungen Palästinas und Großbritanniens und vor dem Völkerbund gesprochen. Die Zionistische Organisation hat die Voraussetzung dafür geschaffen, daß die jüdische Einwanderung nach Palästina einen Umfang annahm,Her alle früheren Erwartungen übertraf. Sie hat die Judenheit überall in dev Welt zu wachem Verständnis für die Bedürfnisse Palästinas erzogen, sie hat in den Keren Hajessod und in den Keren Kajemeth jenen unaufhörlichen Strom freiwilliger Gaben geleitet, ohne die Palästinas herrliches Wachstum nicht möglich gewesen wäre. Der Lebensvuls des Bottes. Von Dr. Maier Balaban, Warschau. Als Dr.' Chazailowitsch vor wenigen Jahren von einer Bibliothek träumte, die alle Schätze unseres Geistes bei- ^erbergeu sollte, schüttelten die „klugen" Leute den Kopf und sagten: „Dies kann nur ein Hirngespinst sein, geboren in dem Kopf eines» Sonderlings ans einer kleinen entlegenen Provinzstadt; wäre es nicht besser, wenn so ein Arzt seine Praxi» hütete, anstatt Geld mtb Zeit für ein unnötiges Werk zu vergeuden!" Dr. Chazanvwitsch starb: ein Teil der von ihm ge- : sammelten Bücher' befand sich zur Zeit des Kriegsausbruches schon in Palästina, in dem kleinen Gebäude der B'nai- ' Brith-Loge; der Rest lag — wie es sich vor Gott und! Menschen geziemt — auf dem Boden irgendeines Hanfes in Bialystok und wartete geduldig, bis das Dach dort vollkommen verfault, also bis zum nächsten starken Regen, oder aber auf die barmherzige Hand eines Bücherwurms, die die Bücher an einenentsprechenderen Ort zu überführen Lust ' Hütte. Hub doch! Und doch ward mit Hilfe des Keren Ha-' jessod der Traum des kleinstädtischen Sonderlings zur Wirk" lichtest! J>» den Gebäuden der National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem stehe»: in Reih' und Glied über 100.000 Bände; die kundige Hand des Leiters, Dr. Hugo . Berg m a »»", hat diese Masse vo»» Büchern, Handschriften und Broschüren betvältigt, und eilte Schar vo»t ausgebildete» Kräften folgt seinen Aufträgen uitb ist bestrebt, diese , einzigartige Büchersammlung möglichst bald für die unbeschränkte Benützung vorzubereiten. In ganz Europa, Amerika unb Asien erwuchsen Gesellschaften und Vereine von Freunden diese Bibliothek (»mb der hebräischen Universität). Tausende von Menschen sind mit dem Sammeln der Bücher, be" schästigt, hundert altdere ordnen und katalogisiere»» sie, und unzählige Kisten wandern ununterbrochen in Eisenbahnen und auf Schiffen nach Haifa oder nach Jaffa und von dort zu der heiligen Stadt, geradenwegs in das Bibliotheksgebäude hinein. Der Keren Hajessod stellt oie zum Betrieb deri .Bibliothek nötigen Mittel zur Verfügung. * So frage ich Nun, wie geschah es der»»», oaß die Idee vo»» Chazanowitsch zur Wirklichkeit wurde, »ver hat es bewirkt, wer gab ihr die körperliche Gestalt und goß Blut in ihre Adern? Die Antwort ist einfach: das jüdische Volk! Unser Volk ist auserstauden, und es redete, nnd fein Wort wurde Fleisch. Wir schufen im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Büchereien, selbst moderne; ich erwähn^ nur diü Bibliothek Oppenheim aus dem 18. Jahrhundert, die heute eine Zierde des British Museum bildet; im 19. Jahrhundert entstunden viele Gememdebibliotheken (Wien, Berlin, Wilna, Lemberg), Synagogen- und Seminarbüchereierr (Warschau, Breslau, New-Aork) oder auch Privatsalnmlungen wie die des Baron Gtt»lzburg in Petersburg, doch keine einzige von diesen schritt über den Lokalkreis oder über einen streng begrenzten Gelehrtenkreis hinaus, und deshalb gewannen sie a»»ch »»icht das Interesse der breiteren Masse»» der jüdische»» Gesellschaft. Hier aber, bei der Verwirklichung des Gedankens des Dr. Chazanotvitsch, sprach das ganze jüdische Volk seil» Wort. An der Schwelle leinet Wiedergeburt stehend, sendet das jüdische Volk nicht nur seinen Körper nach Erez Israel, sondern vor allem überführt es dorthin feinen Geist, diesen Schild, der ihn durch zweitausend Galuthjahre beschützte. Dieses Geistes Ausdruck ist dieses Geistes Schöpfung, das ist das Buch, und darin liegt der Grund des großen Interesses für die Nationalbibliothek in allen Schichte>» der Jltdenheit. Der Jude weiß, daß an die Tore dev Na:io»»albibliothek der gelehrte Professor und der Universitärsschüler vom Berge Skopus pochen wird, aber auch der Kaufmann und der Arbeiter, nachdenr jeder sein mühsames Tagewerk vollbracht, und keinem darf man den Eintritt zu! diesem Heiligtum verweigern. Keinem darf inan die geistige Nahrung entziehen, diese Speise, an der Generationen unter den grausamsten Qualen des Mittelalters zehrten. * Hier liegt der Ursprung der emsige»» Arbeit im Galuth zugunsten des Aufbaus der Bibliothek in Jerusalem, hier ist die Antwort zu finden auf die Frage: Warum wandern aus dem fernen Japan oder aus dem etwas näheren China große Bücherkisten, warum spende»» Gelehrte oder ihre Angehörigen ihre Büchersammlungen der Nationalbibliothek (Goldziher, Poznanski,. Straus, Pvpper- Lynkeus ufw.), und Parum äußert unsere Intelligenz einen solchen Eifer für die Entwicklung dieser Kulturstätte? Und nicht nur Jude»» und jüdische Institutionen beschäftigt die Idee der Jerusalemer Bibliothek: erst »»»»längst wandte sich die italienische Regierung mit einem Appell an alle gelehrten Gesellschaften, Schriftsteller und Herausgeber zur Förderung dieser Bibliothek, und dasselbe taten früher die französische, spanische und die anderen Regierungen, nnh alle Akademien und wissenschaftliche»» Vereine, unter anderem die polnische Akademie der Wissenschafter» in Krakau, die gelehrten Gesellschaften von Warschau, Lemberg und Wilna sandten und senden weiter dorthin ihre kostbaren Beröffonitlichungen. So unterstützt »»eben dem,Keven Hajessod fast, die gesamte zivilisierte Menschheit die .Bibliothek. # Die Bibliothek zählt über 100.000 Bände, und diese Zahl versetzt so manchen, der den Umfang des menschliche»»! Wissells »»icht zu fassen ver»»»ag, in Erstaunen. Aber tost Jude»», die »vir seit der Zerstörung des Heiligtums des Herr»» auf dem Berge. Moriah alle Lär»der durchwandert habe»», alle Assimilationen erfahre»» Wen, die der geistige»» Schöpfung fast aller Völker einen stärkeren oder wsn-tzv ‘-W&sührilS"