Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2572 (21.4.1926)
- Date
- 1926-04-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Geil« 2 Men, Mittwoch »- .- . .- .--—- PallMtlnis Erzählungen. - y. SO * e 1$, 21. Ipril» In dir Bertufchungsbestrebungew Bechlens, der sieiye geheimen Gesellschaften vor der Neugierde der DepölkerMg bewahren will, hat der Markgraf Pallavicini störend einbegriffen. Er hat vor Mi Wochen im Parlament den Ministerpräsidenten deutlich beschuldigt, von der Fälschungsaffäre der Windischgrätz und Genossen weit mehr Kenntnis gehabt zu haben, als in dem Briefe an Perenyi zugestanden war. Pallavicini wurde vom Parlament ansgeliefert und vom Untersuchungsrichter verhört. Graf Bethlen ließ durch sein Publikationsorgan mitteilen, daß der Diarkgraf in seiner Aussage, keinen Beweis für seine Behauptungen habe erbringen können. Das war ein grober Versuch, mit Hilfe einer selbstverständlich falschen Mitteilung aus einem Zeugenverhör die Stimmung zu verbessern. Der Markgraf wandte sich nun tn einer öffentlichen Erklärung gegen diese Tendenzmacherei und forderte die Regierung auf, nunmehr das ganze Protokoll seiner Aussage zu veröffentlichen. Bethlen. hütete sich wohlweislich, dies zu tun. Der Markgraf nrußte nun noch weiter ausholen und er tat dies gestern wiederum int Parlament. Scheinbar griff er in der Hauptsache den Innenminister, den braven Iwan Rakovszjky, an,> von dem er erzählte, er habe die Verbreitung der in Graz erzeugten falschen Tschechenkronen in der Slowakei organisiert. Das war selbst in diesem Hause eine Sensation. Um ihn am Reden zu vechindern, beantragte «r Präsident die Verweisung an den Jmmunitätsausschuß. Das Haus beschloß gehorsam in diesem Sinne. Der Effekt blieb aus, denn der Markgraf ließ sich nicht mchr bremsen. Er ging auf Bethlen los, den Patron der geheimen Mördervereine, zitierte als Eideshelfer den Bischof Mikes von Steinamanger und zog dann auch den durchlauchtigsten Horthh. in die Debatte, der die dem Geheimpatriotismus ergebenen Offiziere ihres früheren Eides entbunden habe. Es war ziemlich viel des Neuen, was der Markgraf vorbrachte, und man wäre geneigt, seinen persönlichen Mut zu bewundern. Es ist sicherlich keine Kleinigkeit, von der parlamentarischen Tribüne herab Enthüllungen des schwersten Kalibers zu verkünden. Graf . Bethlen hat der- Opposition, che man den possenhaften Untersuchungsausschuß wählte, die Ehre der Nation vor Augen geführt! und aus seiner Stellung als oberster Chef des Bruderbundes kannte er sehr wohl die Schützer dieser Ehre und ihre Methoden. Er konnte denn auch die Sozialdemokraten und ihren Wurmforffatz, die von dem Geheimen Rat' Bazsonyi geleiteten neologen Demokraten, einschüchtern.' Nicht aber einen Markgrafen, ein Mitgliä) der herrschenden Klasse, das immerhin einer besseren BehaMüng sicher sein darf. Ein Aristokrat wird nicht in einen Keller gezerrt/ und geprügelt. Der Markgraf, der das weiß, kann seinen' legitimistischen Haß gegen den ministeriellen Schützer des Reichsverwesers nach feinem Ermessen ausleben. ‘ Es wird sich freilich jetzt nicht mchr vermeiden lassen, ( daß die tschechische Regierung wieder anfragen wird, wie' es eigentlich seinerzeit um diese Offensive gegen die Slö-, wakei bestellt war. Dieses Land steht unter oem direkten Einfluß der magyarischen Politik urw die Jrrodenta nützt' die Schwierigkeiten, die sich der Einfügung in das tsche-' chische staatliche System naturgemäß entgegenstellen, nach- Kräften aus. Sie überschwemmt das Land mit ihren' Zeitungen und Broschüren, hetzt alle Parteien gegeneinander und bedient sich geschickt der aus der Vorkriegszeit noch vorhandenen sprachlichen Beziehungen. Die Slowakei' wimmelt von Spionen und Schnüfflern, von Agenten, die sich in alle Parteien eindrängen und jede Strömung mitmachen, um bei jeder sich bietenden Gelegenheit die: Stimmung der Enttäuschung zu verbreiten. Die tschechische Regierung ist der Meinung, daß es sich um berechtigte Kritik handle. Aber sie wird langsam von Budapest selbst' aufmerksam gemacht, daß sie den Fühlern der frechsten' Reaktion gegenübersteht und daß hier mit'den Interessen der Minoritäten ein verwegenes Spiel getrieben wird, das darauf hinausgeht, die neue Ordnung zu sabotieren. 1 Budapest ist ein schlauer Feind, den man nicht' nach europäischen Kulturbegriffen betrachten darf. Es ist, die' asiatische Steppe, der die Grundsätze einer sittlichen Ordnung fremd sind. Erreicht sie ihr Ziel nicht mit Gewalt,. so versucht sie es mit List, Betrug, falschem Recht und, falschem Geld. Es gibt auch darin eine Fortentwicklung. Das System Meszaros hat sich zum System Nadossy erweitert, das die regierenden Kreise in ihrer unglaublichen Bedenkenlosigkeit gezeigt hat. Minister Benesch hat noch vor kurzem gemeint, eS könne ein mitteleuropäisches Locarno geschaffen werden, in das sich auch Ungarn werde einbeziehen lassen. Aus den Erzählunaen des Markgrafen kann er entnehmen, wie trügerisch solche Hoffnungen sind.- Tagung der zionistischen zentralkomitees für die Schweiz. Sonntag den 18. d. fand in Zürich eine Sitzung des zionistischen Zentralkomitees für die Schweiz statt. Diese Litzullg beschäftigte sich vor allem mit dem Schekel-Drive und der Jjar-Aktion, die auch in der Schweiz durchgeführt werden soll. Der Sitzung wohnten außer den Mitgliedern des zionistischen Zentralkomitees auch die in der Schweiz anwesenden Vertreter des Keren Hajessod, Herr Walter Samuel, unddes Keren Kajemeth, Herr Fritz Ullmann, bei. Außerdem umrde der Bericht über den Stand der Organisation sowie der t' iö?r. Fonds zur Kenntnis genonur-.n Mit besonderer Genug--, nlung wurden die steigenden Einnahmen des Jüdische» WltAir MsrgriizNkuna 21. Wik 1958 ckr. MI 'fertig und mm nacnriass L. Sfnger»fra4e 5 / I.» Bauernmarkt 1 Nie Fkledemverhandlungea von Wchva. <*hte MskunÄgebung mi die Öffentlichkeit. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 80. April. Im heutigen Ministerrat erstattete Ministerpräsident Br! and Bericht Über die.bisherigen Verhandlungen in Udfchda. Bei der Besprechung mit den Rifdelegierten erklärte General Simon im Rainen der französischen und der spanischen Delegation, der Waffenstillstand, die Besitznahme territorialer Pfänder und der A u s t a ü s ch derGesangenen seien die n otch e nh'i g e Voraussetzung für. das Eingehen in die Erörterung der politischen Bedingungen, der Anerkermung der Autorität >des Sultans, der Entfernung Abd el Kritns,.der Entwaffnung der Stämtne sowie der Organsiation -er Verwaltung des Rifgebietes. Azerkane erwiderte» die, politischen Bedingungen könnten als Verhandlungsgrundlage dienen, aber die militärischen Bedingungen seien unzulässig. Add es Krim nehme den Waffenstillstand an, wi-ersetze sich jedoch vor Abschluß eines UeEereinkornnrens jeder Vorrückung der Truppen sowie dem Austausch der Gefangenen. Der Friedensunterhändler -der Rifleute, Kaid Haddu, ist heute früh mittels Flugzeuges, von Abd el Krim zurückgekehrt und hat über seine Misiron Bericht erstattet. Da jedoch Azerkane eine nette Frage au Abd el Krim zu stellen wünschte, -flog Haddu wieder zurück. -Man rechnet mit seinem Wiedereintreffen für Mittwoch» so daß die Vorhandlangen Donnerstag wieder ausgenommen werden könnten. ' Am Quai d'Orsay wird erklärt, daß die Vorverhandlungen erst'abgeschlossen und die eigentlichen Fr rede nsverhan d l u n ge n ausgenommen würde», wenn die Vorbedingungen der französischen und der spanischen Regieruüg erfüllt seien. . . Die Rifleute haben heute vormittags eine n e u e M i tt,eilung gemacht, in welcher an die ös f entli che. Äe U nüng der Welt appelliert wich, Di« Uebermrttlung des Wortlautes hat ein« Verzögerung erfahren. zionistischer Landerkomttee für Lesterreich. Jjar-Aktion. Die Jjar-Aktion hat bereits bgonnen. Dem Rufe der i Exekutive folgend soll auch in Oesterreich der Monat Jjar der zionistische« Selbstbesinnung gewidmet sein. Es ist Pflicht aller Bezirttsektionen, schon in den allernächsten Tagen Versammlungen zu veranstalten, in denen über die zionistische Bewegung und Probleme des Zionismus referiert werden soll. Eine großzügige Propagandatätigkeit zur Werbung von neuen Mitgliedern soll die Jjar-Aktion krönen. Samstag den 24. b., halb 8 Uhr abends, leitet das Zionistische Landeskomitee mit einer g r o tz a n g e l e.gt e n M a s se n v e r s a m m ln n g in den Olympiasäken die österreichische Jjar-Aktion ein. Zionisten erscheinet in Massen! Nom «ad Moskau. Rom, 30. April. (Tel.-KonH.) Tluf eine neue Intervention Rumäniens bet der t t a l t e n ' s ch e n R e g i e r u n g hat es diele mit Rücksicht auf ihre güten Beziehungen' zu Sowjetrußland nochmals abgelehnt, die Arrgltede-- rung BeßarabienSznratifizter e t>. Las ««Maische Sinwandeninasgrsetz. (Eigendienst der „Wiener Morgenzen uns,".) Mexiko, SO. April. Daneue Einwciuderuns.Z,Mtz, däS heut e in Kraft tritt verpflichtet alle Ä u e*' l ä n d er zur Eintragung in behördliche Listend und zur ZadlnngvonSt e n e r n. AMändern. die gewisse verbotene Beschäfttgnngin betreiben, ist die E i n r e t s t> nute rsagt. Schuldner »« Bölkerbuodes. (Eigendienst der „Mener.Morgcnzeitnng".) - London. SO. Aprile Im Untechaus erklärte Chamberl a i» auf e ne Anfrage, daß sich d 1 e unbezahiten B e t t ä g e für den B - l t er b u n d am 81. August 192Vauf b.771,000 Güldftanken beliefen. Dt, Liinder, dt» für diel, Rück, siände verantwortlich feien, wäre»Columbien, China. G u a t c m a 1 u, H ondu r a Liberi a, . N i c a r a- P a raguay, Peru, R u m ä »t e n ünd G a l- " ad o v, AmtkNa an» dl« «drststnng. Sin« Rede m Staatssekretärs Kellogg. Rew<Rort, 20. AprU. Beim JahreSeffen der Associated Preß erklärte Staatssekretär Kellogg, was die Frage der Rüstungsbeschränkungen betreffe, würden die Bereinigten Staaten ein Mkommen begrüßen, welches bas in Washington eingeleitete Werk vervollständige. Kellogg gab das Versprechen, daß die Delegierten^ der Vereinigten Staaten bei der Abrüstungsvorkonferenz in Genf Hen Einfluß zugunsten von Plänen auSüben wüchen, 'die greifbare Gestalt gewinnen und veMrklicht werden könnten, insbesondere Vereinbarungen zu einer baldigen weiteren Beschränkung der Rüstungen zur See. Bei allen ernsthaften Bemühungen zur weiteren Beschränkung der Rüstungslasten könne auf die Mitarbeit, der Regierung der Vereinigten Staaten in den Grenzen ihrer traditionellen Politik gerechnet werden. Lord Aeading. London, 20. April. (I. T. A.) Der gestern nach Rücktritt von seinem Anrt als Vizekönig von Indien nach London zurückgekchrte Lord Reading (ehemals Sir Rufus I s a a e s) ist hier Gegenstand vielfacher hoher Ehrungen. Der Gemeindevat von London City beschloß, Loch Reading in Anerkennung seiner Verdienste als Dizekönig von Indien das Ehrenbürgerrecht zu beleihen. Der LochMayor von London führte den Vorsitz in dieser Sitzung. Der Chief Commoner Mr. L. Taylor beantragte, daß das Ehrenbürgevdiplom Lord Reading in einer goldenen Schatulle überreicht werde. Er erinnerte daran, >daß Lord Ateading als der oberste Richter Englands und als britischer Gesandter in den Vereinigten Staaten Großbritannien große Dienste geleistet hat, die aber von seinen Verdiensten als Dizekön-ig von Indien üÜerragt werden. Der Antrag wurde mit großem Beifall angenommen. Bei der gestrigen Ankunft Lord ReadingS auf dem Vlktoriabahnhof in London fanden sich auf dem Bahnsteig Lord Colebrocke M Vertreter des Königs, Lord Birkenhead und Sir Ronald Waterhous« als Vertreter des m Windsor weilenden Premiers Baldwin zur Bewillkommnung ein. Beim Verlaffen des Zuges wurde Ladt) Reading nach indischer Art mit einer Blumengirlande bekränzt. Zahlreiche Freunde, darunter viele Anglo-Jnder, ferner Mitglieder des Kabinetts, waren erschienen und bereiteten Loch und Lady. Reading einen übewus Herzlichen Empfang. Bor dem Bahnhof hatte sich eine große Menschenmenge angosammett. ,-Daily Erpreß" erfahrt, daß Lord R e a v i n g züm Rang eines Ma r ^ü i S'erhoben'wetden wich; diese Auszeichn'üng ''Wurde bereits meinem stüheten Bi'zekönig, Lord Differin, zuteil. Man glaubt auch, daß Loch-Reading der Hosenbandorden verliehen werden wich. ■ Lord Reading versprach, beim Festdiner des jüdischen Hospitals und des jüdischen Waisenasyls den Vorsitz zu führen. Beschwerden der «niarischea Protestanten Der milttani« Kathollzisums. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng^) Budapest, 20. April. Großes Aufsehen erregt ein in der letzten Nummer des offiziellen Organs deS Landesverbandes der reformierten Seelsorger erschieumer Artikel, der überaus heftig« Angriffe gegen den Kultusminister und den von ihm patronisierten militanten Katholizismus enthält. Nach einer Inhaltsangabe aus dem vom Verband der Negierung unterbreiteten Memorandum stellt der Artikel W, daß die ungarischen Kultusminister schon feit Generattonen alle n ichtkatholischen Konfessionen systematisch zurücksetzen und nntechrücken. NM fei aber die Geduld der reformierten Kirche zu Ende. „Die die ungarische Gastfreundschaft! allzu fchr mißbrauchenden Jesuiten", heißt.es Wetter in dem Artikel, „scheinen nicht eher Ruhe geben zu wollen, ehe nicht die schon einmal vom Papst und dessen Staat gegen sie angewendete Maßregel im Interesse der Ruhe im Lande und des konfeffionellen Friedens wieder erneuert wird." Graf Mbert Appon hi habe den mtti-tanten Katholizismus proklamiert und als Kultusminister in die Gchuum getragen. Auch die späteren Kultusminister haben flch an diese Dogmen gehalten, und Stephan Haller, der Analphabet auf der Minifterbank, wollte über den Numerus elaus-us gegen die Juden zum NumeruS elanfus geg«V di« Protestanten gelangen. * Die Klagen der Protestanten find sicher berechtigt. Wir haben seit Jahren darauf verwiesen, daß die Protestanten, wenn sie die Verfolgung der Juden ruhig mitansehen, oder gar, wie es zum Beispiel der Bischof Rasfay tut, den Raffenschützlern Vorspanndienste. leisten, den verheerenden Einfluß des mllitanten Katholizismus KalkSburger Prägung am eigenen Leib zu spüren bekommen werden. Alle noch so scharfen Mmoranden werden den protestantischen Seelsorgern niW nützen, solange es ihnen nicht gelingt, ihre Gläubigen dem Heerbann des strnpellosen, korrupten Rassenschützlertnms zu entziehen. Durch Förderung eines Verbrechens gegen andere und Unterstützung notorischer Verbrecher hat man noch nie seine eigenen Rechte gesichert. «rdlofioa aal einem Unterseeboot. New-London (Connecticut). 80. April. Ans dem tm Dotc licßiUDen Uuuifeebot't „S. 4 9" ereignete sich eine E r v t»f i e u, durch die 13 M a n n d e r Ve s a tz « n - ver e t i : u.ve., frmtm