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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-21 · Heft 2572 (21.4.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2572 (21.4.1926)
Date
1926-04-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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rPoien!_2S_groM^J ffrifiMB Wien. Zuffl Abholen indef Expedition, IL Taborstr. 1-3, oder io einer Versehlcisstelle rTfaflk) monati. 6 Schilling Straasenverkaut in Wien durch die Kolporteure der Firma Qol d sehraled, i„ Wollzeile 11 Mit Postversand kür Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling fschecho-Slowaket: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon, SZloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 «NaclUMhltmaai bei Prel•* erhOhantfen ♦oAeh*«*» orgmseiiuna England: Mon. 4 Schilling Italien: Monati. 18 Lire Rumänien; Mon. 170Lei Bui gar i en? Mon.lOOLewa Schweiz und das übrig Ausland monatlich Frcs.! Redaktion, Administration Wien, II. Taborstr. l Telephone: 44-0-38, 43-3-1' Ab 6 Uhr: 21-102. 25-2-8! IX., Universitätsstrasse 6-< (Druckerei lg. Steinmann Oesterreichisches Postspa » kassen- Konto Nr. 150.691 »r. 2572 Wien. Mittwoch. 21. Avril 1226 8. Jahrgang Zadrau«; md Ms. Ler Pater verspiett das Vermögen des NWofs an der Börse. (Eigendienst der „Wiener Morgenzettnng.^ Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. tzine Rationalanleihe für Palästina. Reise Weizmanns nach Amerika. Jerusalem, 18. April. (I. T. A.) Aus Anlaß der Anwesenheit Dr. Wetz man ns in Palästina und des fünften Jahrestages der Gründung des Keren Hajessod fand in Jerusalem eine gwße Festversammlung statt. Dr. Weizmann hielt eine Ansprache, in der er die NoiwenVigPeit der Ausdehnung und Intensivierung der Arbeit für den Keren Hajeffbd betonte. In erster Reihe, sagte er, wird ein größerer Erfolg dev AMI für Keren Hajessod und Jüdischen Nationalfonds ' die politischen Schwierigkeiten dermmöern. Es ist ferner zu berücksichtigen, daß die geplantr N a t i o n a l a n l e i h e für den jüdischen Aufbau Palästinas zum großen Teil aus der Garantie des Eigentums des Keren Hajessod und des Jüdischen Natiomlfonds basieren wich. Es verlautet, daß Dr. Weizmann demnächst die Vereinigten Staaten besuchen wird, um dort für die Nationalanleihe zu wirken. Ein Erfolg der Nationalanleihe wich es ermöglichen, das Aufbauwerk in Palästina auf einer breiteren Basis fortzuführen, Äs dies bas reguläre Budget des Keren Hajessod erlaubt. * Die zionistische Oesfenüichkeit beschäftigt sich schon seit dem letzten Kongreß mit der Frage der Sicherung der finanziellen Erfordernisse des Aufbauwerkes durch eine Anleihe. Im Jänner dieses Jahres hat Robert Stricker in einem Artäel in der „Wiener Morgenzeitung" die Forderung nach einer vom Völkerbund garantierten Aufbartanlsihe erhoben. Seine Ausführungen. bildeten den Ausgangswinkel einer fchr regen Diskussion. Erwähnt sei, daß der 14. Kongreß eine Anleihe-- kommiffion unter dem Vorsitz Dr. Artur Ruppin s gebildet hat. PalWna und Lranriordanien. J-rusÄon, 20. April. W. T. A.) Dr. Ghaim W c i zmann ist von feinem Besuch bei Emir Abdullah in Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, nach Jerusalem zurückgekehrt. Er führte mit Emir Abdullah längere Unterhaltungen über die Schaffung intimer kultureller Beziehungen zwischen Palästina und Trans-' jorvrnien, die Äs Notwendigkeit des Tages anerkannt wurden. Dr. Weizmann lud arabische Gelehrte ein, nach Palästina zu kommen, um sich hier der Bikdungsmi-ttel der hebräischen Universität und der anderen hebräischen Kulturinstitutionen zu bedienen. Dr. Weizmann hat Emir Abdullah eingeladen, -ihn in London zu besuchen. Der Emir hat diese Einladung -angenommen. Bor der Demission Slrrtznrklr. Warschau, 20., April. Die innerpolitische Krise ist nun am H Ü h e p u n k t a n g e l a n g t. Der Ministorrat *wird morgen die Demission des Kabinetts beschließen. Obgleich die Kabinettskrise noch nicht besteht, finden bereits V er- Handlungen über die Neubildung der Regierung st a t t, ohne daß bisher ein Ergebnis erzielt worden ist. Die B e s e tz n n g d e S K r i e g S m i n i st e» r i u m S wird auch diesmal eine große Rolle spielen, da damit zu rechnen ist, daß d i e PilsudSki-Frage neuerlich anfgerollt wird. Die s o z i a l i st i sch e P a r l a m ent Sfraktion hat in ihrer heutigen Sitzung beschlossen, aus der Koalition auszutreten. Demzufolge sind die sozialistischen Minister B a r l i e k i (öffentliche Arbeiten) und Z i e m i e e k i (Arbeitsministerium) znrückgetreten. „Roman einer Pferdediebes." Heute beginnen wir mit der Veröffentlichung des „Romans eines Pferdediebes", des ersten größeren erzählenden Werkes des jüdisch-amerikanischen Dichters I. O p a 1 o s ch u. Wir hoffen, daß diese spannende Schilderung vom Lchen der jüdischen Diebe und Wegelagwer Miseren Lesern eine willkommene Ache sein wird. Budapest, 20. April. Die Abendblätter veröffentlichen einen offenen Brief des Rechtsanwaltes des Feldbischofs Zabravecz, Dr. Bela Däner, an den Pater Bonis, den früheren Sekretär des Feldbischofs, worin er den Pater beschuldigt, das Privatvermögen des Feldbischofs Zadrävecz an der Börse verspielt zu haben. Dem Pater Bonis werden auch kleine Betrügereien in dem Brief vorgeworfen. Dr. Dauer fordert Pater Bonis zur Verrechnung über die Summen, die er vom Feldbischof erhalten hat, auf und droht andernfalls mit der Strafanzeige gegen Pater Bonis. -Anrmszenen in der ungarischen Rational- - Versammlung. Budapest, 20. April. Die seit einigen Tagen angekündigte; Anklagerede des Abgeordneten Markgrafen Pallavicini gegen die Regierung war gestern dieSensation der Nationalversammlung. Markgraf Pallavicini machte zunächst einige Ent-. Hüllungen über die geheimen Gesellschaften. Es sei eine Spiegelfechterei ohnegleichen, wenn Ministerpräsident Be Ihlen die Aktion gegen die Geheimbündelei ankündigte, da er selbst Mitglied der geheimen . Organisationen fei. Die führenden Personen der Frankensälschung, Nadossy. B a r o s, Szörtsey, sind gleichfalls Mitglieder der: Geheimgesellschaften. (Großer Lärm.) Der Oberstaatsanwalt "Strache und devLeitw des HaÄptverWtdlungssenatS/HrLstdent Töröki, sind auch WitHlieder einer 'Geheimgef ellschaft. Diese Worte entsiffeln meinem Sturm. (Rufe links: Schwindel! Ein Ruf rechts: Vielleicht find Sie auch MLglied einer Geheimgesellschaft?) — Markgraf Pallavicini: Ich war stets ein Gegner der Geheimbündel ei, außerdem wollte ich nicht. zweierlei Eide leisten, da sch bereits meinen Eid als Offizier und als Kämmerer geleistet hatte, worin ich mich verpflichtete, keiner Geheimgesellschaft anzugehören. Ich suchte einen Ausweg, da ich mit den damaligen Zielen der Geheimgesellschaften sympathisierte. Diese Ziele waren patriotisch, seither aber sind die Geheimgesellschaften zu Machtmitteln der Regierung geworden. In diesem Dilemma wurden Ich und viele andere vom Reichsverweser unseres früheren Eides entbunden. Als ich aber in der Gcheimgesellschaft war, mußte ich sehen, daß doch scharfe Gegensätze zwischen der Tätigkeit der Geheimgesellschaft und meinem geleisteten Eide bestehen, worauf ich austral. Andere Mitglieder taten das gleiche. Der Feldbischof Zadravecz hat sich nach der Entdeckung der Frankenfälschung an den Bischof Mikes um seelischen Trost gewendet. Graf Mikes tröstete ihn mit den Worten: „Patron Stephan (Bethlen) und seine Herde haben auch von der Sache gewußt und sind mit Euch". (Ungeheurer Lärnt und Erregung links.) Markgraf Pallavicini befaßt sich sodann mit der Sokolfälschung. Er behauptet, daß einzelne Mitglieder der Regierung in die Sokolfälscheraffäre verwickelt waren. Im Jahre 1922, nach der Sokolfälschung bei Graz, wurden die Falsifikate nach Ungarn gebracht und aus Befehl Ratz o s s y s in den Nationalbund sowie in die Billad e s Prinzen Windischgrätz auf dem Rosenhügel gebracht. Der jetzige Minister des Innern, Rakov s.z k y, war damals noch nicht Minister und auch nicht Abgeordneter, er erhielt den Auftrag, 500-Sokolnoten in der Tschechoslowakei zu verwerten. (Darauf bricht ein ungeheurer Lärm los, der viele Minuten andauert. Rufe links: Geldfälscher! Darum sind sie Minister geworden!) — Pallavicini: Rakovszky hat diesen Auftrag nicht erfüllt. Er hat nämlich erklärt, daß die 500-Sokolnoten für die Verwertung ungeeignet seien und daß man 50-Sokolnoten machen müsse, um sie leichter verwerten zu können. —- Diese Worte des Redners entfesseln einen neuerlichen Sturm der Entrüstung. Man hört die Rufe: Beweise, Beweise! Der Lärm dauert-zehn Minuten. Während dieser Zeit überschütten sich Opposition und Regie r u n g s p a r t e i mit S ch m ä h r u f e n. Der Präsiden! schwingt die Glocke und schreit: Abgeordneter Pallavictu' hat so schwere Anklagen vorgebracht, wie mau sie in diesem Hause noch nicht gehört haL Ich fordere den Herrn Abgeordneten auf, seine Beweise fofori zu unterbreiten, da ich sonst gegen ihn im Sinne der Hausordnung Vorgehen muß. (Großer Lärm. Rufe links: Das fS' hausordnungswidrig! Die Abgeordneten der Rechten bearbeite» mit ihren Fäusten die Pulte. Die Aufregung im Hause ist ungeheuer.) Abgeordneter Pallavicini: Ich habe ar 2. März eine ebenso schwere Anklage gegen den Ministerpräsidenten Bethlen erhoben und bin bis heute nicht wegen Verleumdung vor Gericht gestellt worden. Ich bin bereit, meine Beweise dem Gerichte zu unterbreiten, nicht aber der Nationalversammlung. Präsident Szitovszky: Da Sie die Beweise nicht unterbreiten, rufe ich Sie zur Ordnung und verweise Sie vor den I m m u n i t ä t s a u s s ch u ß. — Die Nationalversammlung beschließt sogleich in diesem Sinne. Abgeordneter Rothen st ein: Das ist die Mehrheit der geheimen Gesellschaften! Abgeordneter Pallavicini führt dann aus, daß sich die Regierung in der Frankenfälscherafsäre verschiedene :Versäumnisse zuschulden kommen ließ. Vor Weihnachten hätte Leim Minister des Innern eine Konferenz stattgefunden mit dem .ausgesprochenen Zweck, die An ge» lcgenheit zu vertutch'k'Nr Der Konferenz war and) Pater Bonis zugezogen, welcher^sich erbötig machte, Strohmänner für die Frankenfälscher zu stellen. Aus die Aufforderung Nadossys machte sich der Minister des Innern erbötig, die Angelegenheit finanziell zu unterstützen. Nur an der Haltung des Oberstadthauptmannes Marinovics scheiterte dieser Vertuschungsversuch. Minister -es Innern Rakovszky erhebt sich, um die Ausführungen Pallavicinis sofort zu beantworten. Am Beginn seiner Rede wird von der Galerie ein Paket in den Saal geworfen, das dem Abgeordneten Gömbos zu Füßen fällt. Gleichzeitig hört man von der Galerie Hilferufe. In dem Hause entsteht große Erregung, doch als Abgeordneter Gömbös das Paket öffnet, findet sich darin bloß eine Bittschrift vor, die mit dem Namen Ladislaus «.Do roghy unterzeichuet ist. Minister Rakovszky erklärt, daß er niemals die Betrauung erhalten habe, falsche Sokolnoten zu verwerten. Bezüglich der Anklage, daß er die Frankenfälschungsaffäre vertuschen wollte, erklärte der Minister, er habe Nadossy und Windischgrätz in seine Wohnung eingeladen, um ein klares Bild in dieser Angelegenheit zu erhalten, nicht aber, um sie zu vertuschen. Er hat von der Frankenfälschungsaffäre erst aut Tage der Entdeckung Kenntnis erhalten. Mit Bonis ist er nicht in Verbindung gestanden. Nadossy habe kein Geld von ihm verlangt und hat ihm keines in Aussicht gestellt. Abgeordneter P r o p p e r (Sozialdemokrat) erklärt, die Negierung dürfe nicht weiter auf ihrem Platze bleibe. — Abgeordneter Klariky (Sozialdemokrat): Pallavicini soll vor Gericht gestellt werden! Graf Bethlen ruft dazwischen: Das Gericht wird diese Angelegenheit bereinigen! Setbien wich antwortm. Der Jmmunitätsausschuß der Nationalversammlung wird schon heute zusammentreten, um den Abgeordneten Pallavicini abzuurteilen. Man rechnet mit einer exemplarischen Bestrafung Pallavicinis, der voraussichtlich von einer langen Reihe von Sitzungen ausgeschloss e n werden dürfte. Ministerpräsident Graf Bethlen erklärte nach der gestrigen Sturmsitzung in den Wandelgängen, daß er heute >auf die gestrigen Ausfälle des Abgeordneten Pallavicini antworten wird. > l I 1 g r ln Stoffen, Seide, Miuaren etc. im Warenhaus 11., Tahorstrasse 48 Telephon 47-1*79 En gm En detail

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