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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-19 · Heft 2570 (19.4.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2570 (19.4.1926)
Date
1926-04-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Me $ Men. Monkag IS. GE IM tot. sm Sie Konferenz der internationalen Studenten organisationen in Genf. (Cigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Genf, 10. April. In der Plenarsitzung der Konferenz*) am 9. d., die um 10 Uhr vormittags von Prof. N e y n o l d eröffnet wurde, beendete man die Diskussion über die Förderung internationaler Beziehungen durch Gewährung von Fahrpreisermäßigungen an Studenten, nach Anhörung des Referates des Experten, Herrn H i a m, von der Völkcrbundkommfssion für Verkehr. In der zu diesem Punkte einstimmig angenommenen Resolution wird die Völlerbundkommission für geistige Zusammenarbeit gebeten, ihre bisher so erfolgreichen Bemühungen bezüglich der Gewährung von Reiseerleichterungen an Studenten (Fahrpreisermäßigungen, Einführung einer internationalen Identitätskarte für Studenten statt des Passes, Abschaffung des Bisumzwanges) bei den einzelnen Regierungen fortzusetzcn. Den Regierungen, die ihre Bereitwilligkeit, Erleichterungen zu gewähren, bereits erklärt haben, wird der Dank ausgesprochen. Um die Legitimationsformalitäten in allen Ländern zu vereinheitlichen, soll auf Grund des Beschlusses der Kommission für intellektuelle Zusammenarbeit vom 30. Juli 1925 mit der Herausgabe der internationalen Identitätskarte für Studenten ehestens begonnen werden. In der Frage des Studentenaustausches wurde nach eingehender Diskussion beschlossen, dessen zweckmäßigste Organisierung den internationalen Studentenorganisationen zu überlassen, deren inniges Zusammenarbeiten auf diesem Gebiete durch die Erlangung der oben erwähnten Reiseerleichterungen gefördert werden soll. Der Austausch soll gepflegt werden für Studienzwecke und als Ferialeinrichtung. Die Erfahrungen auf diesem Gebiete sollen regelmäßig dem Institut für geistige Zusammenarbeit in Paris mitgeteilt werden. Auf der Tagesordnung der Nachmittagssitzung stand vor allem die Frage des Baues der Studentenheime. Nach Herrn Henriod, der sich sehr, warm dafür einsetzte, daß in allen Studentenhäusern -der Grundsatz der Gleichberechtigung, ohne Rücksicht auf Nationalität und Staatsbürgerschaft herrsche, behandelte Herr Steinig ausführlich die Frage der Beschaffung der Baufonds. Er wies darauf hin, daß heutzutage Studentenhäuser auf zweierlei Art gebaut werden: erstens mit Staatssubventionen in der Form einmaliger Beiträge oder langfristiger Kredite; zweitens aus den durch die Organisationen öffentlich gesammelten Mitteln. Im zweiten Falle kommt es oft vor, daß der Bau monate-, manchmal jahrelang auf Vollendung ivarten muß., Dies könnte verhindert und der Bau der Studentenhäuser selbst gefördert werden, wenn ein zentral verwalteter internationaler Fonds für den Bau von Studentenhäusern geschaffen würde. Ein Weg dazu wäre die Besteuerung aller Studenten auf allen Hochschulen in der ganzen Welt mit minimalen Beiträgen, die bei der Inskription einzuheben tvären. Die aus dem so zu schaffenden Fonds gewährten Darlehen wären langfristige Hypothekardarlehen. Nach eingehender' Diskussion wurde einstimmig eine Resolution gefaßt, in welcher die Konferenz den internationalen Studentenorganisationen empfiehlt, die zum Häuserbau notwendigen Mittel durch die Einhebung eines Beitrages von den Studenten, durch inländische oder garantierte ausländische Anleihen aufzubringcn. Außerdem soll von den Anleihen für kulturelle Z w e ck e, die vom Völkerbünde garantiert werden (Vorschlag des rumänischen Vertreters in der fünften Völkerbundversammlung), ein Teil für den Bau der Studentenhäuser verwendet werden. In der Aussprache über die studentische Selbsthilfe und W e r k st u d e n t c n s ch a f t wurde als Meinung der Majorität der Gesichtspunkt vertreten, daß die Werkstudentenschaft als durch die Nachkriegsfolgen hervorgerufenes notwendiges Uebel und nicht als anstrebenswerter Zustand zu betrachten sei. Es ist zweckmäßiger durch den Ausbau der akademischen Kreditkassen den vor dem Abschluß ihrer Studien stehenden Hochschüler zu helfen. In der letzten Sitzung der Konferenz, die heute 10 Uhr vormittags eröffnet wurde, wurde zunächst zum Punkt 4 der Tagesordnung „Internationale Studcntenkonferenzen" beschlossen, jährlich in den Osterferien solche Konferenzen, als deren erste die gegenwärtig tagende zu betrachten ist, abzuhalten. Eine sehr lebhafte und interessante Aussprache entwickelte sich über den letzten und wichtigsten Punkt der Tagesordnung „Die Gründung eines gemeinsamen internationalen Zentrums." Es gab Vorschläge, die dieses Zentrum in einem internationalen Studentenhaus verkörpert sehen wollten und andere, die es im Austausch der Erfahrungen zwischen den einzelnen internationalen Organisationen allein erblickten. Der Vertreter des Weltverbandes der jüdischen Studentenschaft gab der Diskussion eine Richtung, in der sie sich bis zum Ende beivegte. Herr Steinig führte aus: Es heißt den Gedanken eines internationalen Studentenzentrums mißverstehen, wenn man zu seinem Inhalt ein Haus oder Siehe „Wiener Morgenzeitung" vom 14. April 1026. einen Austausch von Korrespondenzen macht. Das internationale Studentenzentrum kann mit Hilfe des Völkerbundes aus einer Tätigkeit entstehen, deren Voraussetzung das Zusammenwirken aller internationalen Studcntenverbände in ihrem eigensten Interesse ist. Ein Programmpunkt für diese Tätigkeit: im Laufe der sehr lebrreichen Debatte über wirtschaftliche Maßregeln zur Eindämmung der Studentennot hat die Konferenz von der Existenz von 12.000 russischen Flüchtlingsstudenten und 8000 jüdischen Studentenemigranten erfahren, von denen diejenigen, die bereits Diplome haben, alle Spielarten der Berufe vom landwirtschaftlichen Arbeiter auf einer kanadischen oder südamerikanischen Farm bis zum Lastenträger in einem Pariser Bahnhof ausüben. Den Rest erwartet ein ähnliches Los. Diese Krise der geistigen Berufe ist aber keine spezifisch russische oder jüdische Erscheinung. Sie herrscht in der Sphäre der akademischen Berufe bei allen Nationen. Diese Tatsache, deren Ursachen untersucht werden müssen, wirft die Frage nach der Zweckmäßigkeit unseres ganzen Systems der Hilfsarbeit auf. Ist cs zweckmäßig, Millionen von Dollar für Hilfszwccke zu verausgaben, wenn der diplomierte Student für den Beruf, dem sein Studium galt, verloren geht? Die Frage niuß verneint werden. Die Aufdeckung der Ursachen dieses Zustandes ivird uns den Weg zeigen, den wir in der Organisierung der Arbeit gehen müssen. In dem Mißverhältnis zwischen dem Wachstum der Zahl der geistigen Arbeiter und der Entwicklung der europäischen Wirtschaft liegt die. Ursache der heutigen Krise der geistigen Berufe in Europa. Die niedergehende europäische Wirtschaft kann die im Vergleich zur Vorkriegszeit z u n c hm e n d e Z a h l der intellektuellen Arbeiter nicht aussaugen. Das ist eine Behauptungdie bei wissenschaftlicher Untersuchung ihre Bestätigung finden muß. Hier muß die Tätigkeit eines von der Autorität des Völkerbundes unterstützten internationalen Zentrums für Studentenangelegenheiten einsetzen. Es wird die Zahl der geistigen Arbeiter und Studenten in der Vor- und Nachkriegszeit ermittelt, das Wachstum der Hochschulen verfolgt, die Verteilung auf die einzelnen freien Berufe festgestellt. Als Vergleichsbasis wäre die Entwicklung der europäischen und der Weltwirtschaft ausgedrückt in der Zahl', der manuellen Arbeiter, der Erweiterung der einzelnen Produktionszweige und der Zusammenstellung der Prvduktionsergebnissi: heranzuziehen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung würden dem zu gründenden Institut (Zentrum) gestatten, die heute elementar vor sich gehende Umschichtung der intellektuellen Arbeiter zu regeln, die Arbeitsteilung in der Sphäre der geistigen Berufe zu organisieren, vonr Studium überhaupt oder von der Wahl bestimmter Berufe abznratcn, kurz, die Produltion der geistigen Arbeit einigermaßen zu rationalisieren. Wenn dieses Zentrum keine andere als die skizzierte Aufgabe hätte, müßte es gegründet werden. Diese Ausführungen machten auf die Konferenz sichtlichen Eindruck. Der Präsident dankte dem Redner für seine Ausführungen und bezeichncte sie als solche von grundlegender Bedeutung. Er bat ihn, den Inhalt seines Vorschlages als Expose der V ö l k c r b u n d k o m m i s s i o n für geistige Z u s a m me n a r b e i t und den: Institut für geistige Zusammenarbeit in Paris vorzulegen. Pros. Zimmer n schloß sich im. Namen des Instituts für geistige Zusammenarbeit diesem Ersuchen an. Herr - O p r e s c u, Sekretär der Kommission für intellektuelle Zusammenarbeit, von dem man schwerlich sagen kann, daß er sich zu jüdischen Angelegenheiten oder zu den'Vorschlägen der. jüdischen Vertreter, auch wenn sie allgemeiner Natur waren, mit objektiver Freundlichkeit verhalten hat, erklärte, der Vorschlag des Herrn Steini g könne nur die einzelnen Negierungen und in den Grenzen ihres Wirkungsgebietes beschäftigen. (Nach dieser Meinung dürfte man die allgemeine 5krise der geistigen Berufe nicht von: allgemein-europaischen Starldpunkte behandeln, weil die Gefahr besteht, daß auf diese Weise die Frage der jüdischen Intellektuellen auch von anderen Faktoren behandelt werde, als jenen, die durch besondere Maßregeln die Not der jüdischen geistigen Arbeiter verschärfen. Anm. d. Red.) Herr S t ei n i g dankte dem Präsidenten dafür, daß er den Vorschlag seiner Bedeutung gemäß behandelt habe. Er bedauerte, daß Herr Oprescu den Grundgedanken des Vorschlages nicht erfaßt habe und lehnte cs ab, die ihm zu Grunde liegende Konzeption durch die Interpretation des Hern Oprescu verkleinern zu lassen. Der Präsident erklärte hierauf, daß es bezüglich des Vorschlages Steinig bei seiner ersten Entscheidung bleibe. Herr Dr. P a l m i e r i beantragte, den Vorschlag Steinig auf die Tagesordnung der nächsten K o n f e r e n z zu stellen. Es wird noch bei „Allfälligem" der Beschluß gefaßt, eine Enquete in der Frage der Anerkennung akademischer Diplome in allen Ländern ohne Formalitäten durch;«» S I führen, worauf der Präsident Prof. R e y n o l d daS Schlußwort hält. Er dankte den Delegierten für ihre vom internationale» Geiste getragene Arbeit in der Konferenz, die ein hoffnungsvoller Anfang auf dem schweren Wege zur allgemeinen Verständigung und zur dauernden friedlichen Zusammenarbeit ist. Die auf dieser Konferenz erzielten Resultate, die Tatsache selbst, daß diese Konferenz etite wiederkehrcnde Einrichtung sein wird, ermutigt zu den besten Hoffnungen auf das künftige Zusammenwirken der akademischen Jugend der ganzen Welt. Herr Dr. Tisstngton Tat low dankte dem Präsidenten im Namen der Konferenzteilnehmer, woraus die Sitzung und die Konferenz geschlossen wurde. 8to Wischnationaler Block in SnmBnm 18. April. {?. T. A.) Dieser Tege send i» Bukarest eine Beratung ron Vertretern aller Provinzen Großrumäniens statt. Es »'. uvte folgender Beschluß gefaßt: Die Vertreter von Altrumänien (jüdischnalionaler Klub), Transsylvanien und Beßa ra ti e n erklären sich . im Prinzip für die Schaff u n g eines nationaljüdi scheu Blocks, der bei den k ö m m e nde n P a r l a m e n t s w a h I e n als die nationale Körperschaft der Inden auftreten soll. Der Vertreter der Bt.'kctvina, Tr. Mayer Ebner, erklärt, es sei nicht ausgeschlossen, daß auch die Bulowinaer Judenheit sich dem Block anschließt. Dr. Sbvauchers Abgang. Czemowitz, 18. April. (I. T. A.) Die Frage der Leitung der israelitischen Kultusgemeinde von Czerno'rvitz, einer der größten jüdischen Gemeinden in Osteuropa nähert sich der Lösung. Ter Minister für Kultus und Unterricht hat den A'bg. Benno St rau che r von seinem Amte als Gereut der israelitischen Kultusgemeinde enthoben und mit der Führung der Agenden der Gemeinde bis zur Wahl eines Präsidenten die Herren Dr. Mayer Ebner und Direktor F l e m i n g e r betraut. Mit diesem Wechsel in der Gcrentschast der israelitischen Ktultnsgemcinde gelangt die Aera Dr. Straucher, der sa st 40 Iahr e an der Spitze der jüdischen Gemeinde stand, zum endgültigen Abschluß. Man eikmartot allgemein, daß Dr. Straucher nunmehr die Präsidentschaft in der zur Rumpspartei gewordenen jüdischen Nationalpartei Niederlagen wird. Ist dies geschehen, dann dürfte die Nationalpartei sich einen neuen Führer wühlen, und mit der Mischen Einheitspartei in Fnsionsverhandlungen treten. Sonach wird die Judenschast der Bukowina eine geschlossene Einheit bilden. Der BundesprSfident im Flugzeug. In Aspern wurde gestern die diesjährige Flugver» kehrSsäison dadurch eröffnet, daß der Bundespräsident Dr. Hainisch mit Vizekanzler Dr. W a b e r und Minister Dr. Schür ff und einigen hohen Ministerialbeamten einen Ausflug per Aeroplan unternahm. Nachdem der Bundespräsident die Werkstätten der Luftverkehrsgesellschaft auf dem Felde in Aspern besichtigt hatte, bestieg er um halb 4 Uhr das vom Piloten Bauer gesteuerte Junckers-Großflugzeug, «das die vorgeschricbene Tour Semmering—Wechsel—Neusiedler Sec—Eisenstadt und zurück nach Aspern zurücklegte uub gegen halb 6 Uhr in . Aspern landete. Bundespräsrdent Harnisch war stwr befriedigt vom Verlaus der Fahrt. r>le Antoraierei. Samstag abends wurden an der Ecke der Reinprechtsdorfer» und Brauhausgasse der 57jährige Gefrorneserzeuger Ferdinand Oliver und seine 43jährige Gattin Anna, Wiedner Hauptstraße 117 wohnhaft, vom Auw A XIV 813, das Dr. Albert Ko h n, Sbuckgasse 13, lenkte, n i e d e r g e- 'toßen. Der Mann erlitt eine schwere Nervenerschütterung, Brüche zweier Rippen und mehrfache Wunden, die Frau eine Q u e i \ cf> u n g b e § Ü3 r u fl» korbes, eine Blutbeule am Hinterhaupt und Quetschungen an den Beinen. Die Nettungsgesellschaft brachte beide auf die Unfallstation. * Selbstmord. Die 33jährige Modistin Marie F i ch hier, Linke WtenzeUe 64 wolmhast, wuroe am 17. d. M. aveudS von ihrer Schwester Mathilde bet der Heimkehr in dem mit Leuchtgas erfüllten Badezimmer tot aufgelunden. Aus dem Inhalte eines Zet els, auf dem sie von ihrer Schwester Abschied nimmt, gebt hervor, daß sie Selbstmord verübt hat. Die Ursache war ein chweres langjähriges Nervenleiden. * Aerhaftung. Der'26jährige Vertreter Rädert Spitzer, 2. Bezirk, Kleine Pfarraasse 0 wohnhaft, der leit dem Vorjahre wegen Betruges m b Veruntreuung verfolgt wird, wurde vorgestern verhaftet und dem Lande'sgerichte eingeliefert. * Begrüß»ngsabend für Rüben Bramln. Zu unserem Bericht über diesen Albend ist ergänzend nachzutragen. das; namens der Vereinigung der hebräischen und jüdischen Pressevertreter Herr M. Henisch dm Gast begrüßte. * Ein neues Organ der Zioiristrn-Nevisionisten. Die vor kurzem in der Schwe'iz gegründete zionistisch-revisionistische Gruppe gibt in Basel eine mite Monatsschrift heraus, „D a s Morgenrot". Mitarbeiter sind unter anbe-ren I a b oiinäti) und Tomkrn. Die Redaktion des Blattes, dessen erste Nummer bereits erschienen ist, liegt in den Händen Herrn Dr. M. S ch a b a d in Basel. BortrSge. Vereine, Versammlungen. Wiener Betb-Ha midrasch. 3. Be». ftefc dinandstraße 23 Heute 7 Uhr: Lektor Dr. S. Rubin: „Talmud". — Z i o » t st i s ch e B e z i r k s ' e k t i o n wieder- Margareten. Kultusrat Dr. I. K l a b e r und Otto Hochstädt, Leiter des Pfadsindeibuudes „Hirenu". wrecheu am Mittwoch den LI. d. über «Iugemerzietmngtzfrage»" int tfufe Schuanederüok. 4. Margaretenttraße 32. Gäste willlomium/

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