Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2569 (18.4.1926)
- Date
- 1926-04-18
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Serke 10 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitun« 18. April 1926 Nr. 2 569 Londoner Franeninndgednng gegen Streiks. London. 17. April. Heute nachmittags haben 20.000 aus dem ganzen Lande eingetroffene Frauen eine Kundgebung gegen Streiks und Aussperrungen veranstaltet. _ Neform der Arbeitslosenversicherung. Das Ministerium für soziale Verwaltung hat gestern an; die wirtschaftlichen Hauptkorporatiouen der Arbeitgeber und - Arbeitnehmer zur Begutachtung Vorschläge über die Re-; form der Arbeitslosenversicherung in der Form eines Gesetzentwurfes versendet. Die Hauptziele der Reform sind die A.mderung des bisherigen finanziellen Deckungsverfahrens, ferner eine einheitliche Regelung 6er außerordentlichen Unterstützungen, die an Arbeitslose nach Ablauf der im Stammg?setze festgesetzten dreißigwöchigen Höchstdauer der Unterstützung zu gewahren sind. Der Aufwand für die ordentliche Arbeitslosenunterstützung (Bezug der Unterstützung bis zu 30 Wochen) soll — abgesehen von einem Beitrag, den d:r Bund zu den Verwaltungskosten leistet — nunmehr ausschließlich durch Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gedeckt werden. Diese - Beiträge dürfen aber 80 Prozent des Krankendevsicherungsbeitrages nicht übersteigen; den Mehrbedarf deckt vorschußweise der Bund. Die bestandenen Aktionen für die Unterstützung der ausgesteuerten Arbeits.osen sollen unter dem Namen „Notstandsaushilfe" einheitlich zusammengefaßt werden. Die Notstandsaushilfen können von den Industriellen Bezirkskommiffionen bis zu 80 P r o z e n t der ordentlichen Unterstützung gewährt werden, und zMr Familien-, erhaltern während der Zeit von zwei Jahren, ledigen Arbeitslosen über 25 Jahre während der Zeit von einundeinhalb Jahren, ledigen Arbeitslosen unter 25 Jahren während eines! Jahres nach Beendigung der gesetzlichen Unterstützungszelt, j Die Deckung des Aufwandes erfolgt jedoch nur zur Hälfte von j Arbeitgebern und Arbeitnehmern, zur anderen Hälfte aus ' öffentlichen Mitteln, und zwar zu einem Drittel van der Gemeinde, zu einem Sechstel vom Bund. Jede; Industrielle Bezirkskommission setzt für sich die in ihrem! Sprenget einzuhebenden Zusatzbeiträge fest, deren Ertrag für die Notstandsaushilfen bestimmt ist. Die Zusatzheiträg.' sind nach oben mit 40 Prozent des Krankend ers ich erungsbeiträges begrenzt. ArbeitslosenfLrsorge in Polen. Warschau, 15. April. Im Zusammenhang mit der Hilfsaktion für die Arbeitslosen beschloß der polnische Mimsterrat am 13. d., vom 15. d. an auf den polnischen Eisenbahnen einen Zuschlag bei Personenfahrkarten einzuheben. Es wurde beschlossen, daß jeder Reisende zum Preis einer Fahrkarte für je 5 Zloty 10 Groschen für die Arbeitslosenhilfe zu entrichten hat.. Fahr- Lirten, deren Preis 1 Zloty nicht überschreitet, sind von diesem Zuschläge gänzlich befreit. e Ser neueste Hauvttrefferbesttzer erhielt nach der Ziehung der Baulose. Em. 4, am 1. April telegraphisch die Freudenbotschaft, daß er den 700-Millionen-Haupt- Ireffer auif eiu Ratenbaulos gewonnen hätte. Er hielt > dieses Telegramm anfänglich für einen losen Aprilscherz und wollte nicht daran glauben. Auf alle Fälle aber letzte er sich mit seinem Losbancharrs. Alb.ert Bauer, Men. 4. B^., Favoritenstraße 4, in Verbindung und erhielt tatsächlich den Telegramminhalt vollauif bestätigt. Ex hatte die 700 Millionen gewonnen. Befragt, warum er gerade beim Glücksbauer das Los auf Raten gekauft habe, antwortete er: »Das ist doch klar, ich kaufe Lose dort, wo Haupttreffer gemacht werden. Und -der Glücksbauer macht alle Haupttreffer'! Bor ein paar Monaten war es. die Milliarde, die durch den Glucksbauer gewonnen wurde: jetzt sind es 700 Millionen, die i ch durch ihn gewinne; bei der nächsten Zichung wird beim Gliücksbauer wieder die Milliarde sein." Der gute Mann hat nicht so unrecht, denn nach dem Gesetze der Wahrscheinlichkeit muß wohl die größte Losvertriebsstelle. also der »Glücksbauer". Wien, me meisten Chancen auf den kommenden Haupttreffer zu verzeichnen haben. Hervorragend bewährt zur Bekämpfung rheumatischer, gichtischer, nervöser Schmerzen sowie gegen Kopfschmerze«. r«e Sfrfam tritt ««Mittel»,r et«. Sei«« schädlich«, «tlCMVirfnagtn. »hm» »er,«ich laben» begutachtet. - I» «Be« «Pottzeke». mmmmm Lea Billig Max Böhm Wien II empfehlen sich als Verlobte Wien im April 1926 Helene Löwy Richard Kompert Gmünd Teplitz-Schönau Verlobte April 1926 Möbelfabrik J. Spira Feine «° VltD, 111. 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DUBNCW Die orientalische Periode von dem Untergänge Judäas bis zum Niedergange des autonomen Zentrums hi Babylonien Dieses auf zehn Bände berechnete Monnmentalwerk ist berufen, jedem Juden das große Bild der Vergangenheit zu offenbaren Preis des Bandes bei Subskription auf das Oesasntwerk S 20.— (Om. 12.—) in Oanzleinen 8 25 — (Qm. 15.—) in Halbleder Durch Buchhandlung R. Löwit, Wien, I. Pletachmarkt 1 Kotenturmstrafie 22 Erstach in bet Einheit. Auch heuer wivd die Pesiachaktion der Einheit sehr umfangreich. Zu Pessach konnuen doch außer den täglichen Stammgästen sehr viele in der Einheit, die während des ganzen Jahres die Speisegesetze nicht beachten, aber den Pessach nach Vorschrift halten wollen. Sehr interessant war es, daß eine Gesellschaft von 30 russischen Studenten sich einen separaten, besonders feierlichen Seder bereiten ließ und ihn auch in erhebender Weise durchsührte. Den ganz Armen, die auf Gratisessen angewiesen sind und die zu Pessach zu jeder Mahlzeit in größerer Zahl als zu gewöhnlichen Zeiten kommen, wruü>e besondere Sorgfalt zugewendet: Jammervolle Menschen, greise Männer und Frauen, vom Unglück gebrochene junge Menschen, Verkrüppelte kamen einzeln und in ganzen Familien. An den beiden Sederabenden wurden an allen Tischen Seder gegeben, sowohl im großen Saale der allgemeinen Ausspeisung als auch in den Mittelstandssälen. Ein sehr wichtiger Teil der Pessachaktion der Einheit war die Verköstigung sämtlicher israelitischen Häftlinge in Landes- und Bezirksgerichten. Sämtliche Inhaftierten, die auf Pessachkost Anspruch erhoben, erhielten sie zugeschickt. Nur die Bemittelten bezahlten selbst das Essenj für alle anderen trat die Kultusgemeinde ein. Die Einheit hat mehr als 400 Gratismahlzeiten an ganz Arme verabreicht. Diese Gesamtleistung der Einheit ist um so höher zu werten, als auch diese Jnstihttion wie die meisten jüdischen Wohlfahrtsanstalten um ihren Bestand schwer zu kämpfen hat. Wien. 18. April. * Das Wetter. Der anstcki'mdistto Nerven ist gestern eiiigetreten. Die Temperatur fiel auf die Hälfte der biOori'gen. Die Voraussage laiutet: Trüb, zeitwcise Ne.gen, kühle, westliche Winde. * Der HirngerNinstler Nlcky. der bereits 16 Taste humgert, wurde gestern abends aus feinem Glaskasten genommen und ärztlich untensucht. Dabei wurde feststostellt, daß er bei gutem Befinden ist und die Krise, die gewöhnlich nach acht Tagen eintritt, nberftmtden hat. Nicky, der vor Beginn der Hungerprogedur 64 Kilo wog, hat bis jetzt IJi Kilo abgenommen. In den 15 Tagen hat er 800 Zigaretten und GO Flaschen Mineral- Ivasfer verbraucht. Nicky hat einen Preis von 10.000 Schilling für denjenigen ausges>etzt, der ihnt eine Durchbrechung seiner Hungerkur Nachweisen kann. Dabei ist es dem Publikum gestattet. auch die ganze Nacht bei dem HnngeMustler zu verbringen. * Eiu Zwischenfall im Lanbesgericht. Vorgestern nachmittags wollte der Pniva.tbeam.'e Anton Eichin g e r ohne Erlaubnisschein in dorr Bevhandlungsfaal des Landesgerichtes 1, um dem Prozeß Woisz-Fuchs beiMvohiwu. Er eilte zum 23er» haMunMaal /und versetzte dent ihn anhaltenden Wachebeamten einen Stoß. Eichinger, der sich weigerite, dein Wachebeamt-en Folge zu leisten, mußte nrit Gewalt zum Wachzrmmer in der Wicke,rburygasse gebracht werden, wobei er wälhrenid der Eskorte dem Beamten Ohrfeigen antrug, rhu beschimpfte und bedrohte. Er wurde nach Feststellung seines Nationales entlassen. Die Amtshandlung gegen ihn ist eingeleitet. * Schwerer Autounfall der Fra« Zimmel. Wie berichtet, sind vor zwei Tagen das sechs Wochen und das zweieinhalb Jahre alte Kind der 24jährigen LeopoMne Zimmel, Goldschlagstraße 16. in der Wohnung durch Verbrennung ums Leben gekommen. Die Mutter wurde nun am Freitag in der Hütteldovferstvaße von einem Auto medevgestoßen und lebensgefährlich verletzt. * Verhaftung eines Meinhändlers. Dan mechveren Woinfirmen wurde gegen den protokollierten Weinhändler Emil Hrsky bei der 'Wirt«fchastspoliZoi die Anzeige wegen Verdachtes der Veruntreuung und der betrügerischen Krida erstattet. Die Erhebungen ergaben, daß Hrsky insoll vent und mit ungefähr 70.000 Schilling überschuldet sei. Er wurde dem Landesgerichte eingel-ichert. * Der Sprung ins Wasser. Gestern gegen halb 2 Uhr früh ist von der Augartenbrücke aus ein Mädchen in den Donaukanal gesprungen, ehe.es Passanten an dem Vorhaben hindern konnten und ist sofort in oen Wellen verschwunden. Am Geländer der Brücke wurde rin Damenmantel und eine Handtasche gefunden, die als Eigentum der LOjälhrigen Hausgehilfin Leopoldine H o f f m a n n, Liechtenisteiustraße 61 wohnhaft, ernannt wurden. In einem Mbschied-sbriaf bezeichnete die Hausgehilfin' Lobensüberdruß als Ursache der Tat. * Die Hoteldiebe Gebrüder Ruckenstoin. Wie berichtet, hat das Wiener Sichecheitsbureau bezüglich der kürzlich hier verhafteten Juwelendiebe vom Semmering, der Gebrüder David und Benno Ruckenstein, die Korrespondenz mit den internationalen Behörden vingeleitet. Die erste Antiwort ist von der Polizeibehörde in Karlsbad eingelausien, die besagt, daß dort im Jahve 1924 ein HoteldiMtahl an dem Ehepaar Jakob und Esther Eifenberger im Hotel Lincoln verübt wurde, bei dem den Tätern eine ziemlich anisehnliche Jmwelenbente in die Hände gefallen ist. Nun stellte sich heraus, daß die Gebrüder Ruckenstoin um die kritische Zeit sich in Karlsbad arifgehalten. im gleichen Hotel abgestiegen und daß sogar Benno Ryckenstein in der kritischen Nacht mit Frau Eisenberger im Hotel Imperial getanzt hat. Es beistcht nnn die Bermumng,- daß, wahrend Benno Ruckenstem mit der Dame tankte, sein Bruder die günstige Gelegenheit benützt hat,- das Zimmer des - Ehepaares im Hotel Lincoln zu erbrechen und die Gegenstände zu stehlen. Er war aus einen Kandelaber und von hier ans einem Blitzableiter emporKetternd, durch das Fenster in das Zimmer gelangt, um den Dieibstahl auszusühren. Auch andere Diebstähle, die um diese Zeit in 5barlsibad verübt wurden, werden dem Brüderpaar zur Last gelegt. * Taschen-Bildfahrplan der Oesterreichischen Bmtdesbahnen. Die Generaldirebtion der Oeisterveichischen Bundesbahnen wird f,ür die kommende Sommersahrordnung einen TaschetMldsahrplan auflegen, der in graphischer Darstellung sämtliche personenisührenden Züge der gosamten Bundesbahnlinien — ausschließlich der Nahverkehrszüge — und die wichtigeren Auslandsanschlüsse enthalten wird. Dieser dreiteilig ziüsammenlegbare Bildsahrplan wird nur 16 Seiten stark sein und gefaltet eine Größe von 23:11 Zentimeter halben, sonach leicht in der Rocktasche getragen werden können. Er wird in allen Bahnhosbuchhandlnngen. beziehungsweise bei den, Persomnkassen um den Betrag von 1 Schilling erhältlich sclku. Rtrvropvogranrm. Heute Sonutag den 18. Aprll. 11 Uhr: Orchesterkontzert der Wiener Phiiharmoniker F. Mendelssohn. Ouvertüre zu „SommernachtStraum". F. Mendelsiohn, Nottunro und Scherzo aus .Sommernachtstraum". W. A. Mozart. Juviter-Symphonie, O-Vur. W. A. Mozart. Klavierkonzert. D-Moll. «Am Schive g- Hofer-Flüael Prof. Stella Wang.) C. M. v. Webtr, Ouveitüre zu ^Euryanthe*. — 16 Uhr.: Nachmittagükouzett des Wiener KonzerrorchesterS Anton Schuhfrled. O. Nicolai. Ouvertüre zur Oper „Die lustigen Weber von W'ndlo *. Jos. Strauß. Wiener Fresken. Walzer. G. Puecini, Fragmente aus der Over .Die Boheme". G Btzet, L'arlssisnus, Suite. E. Waldteufel, FrühttngSkinver. Walzer CH. Gounod Meditation. F. Lehar, Potpourri aus der Operette „Das Fürstenkind". F. Ledmann, Schlußmarsch. — 18 Uhr 10 Mtn.r Volksliederabend des Deutschen Volksgesangvereins. — 2u Uhr : „Ueberfahrt." Schauspiel von Suiton Bane. Mttwtrkendo i Ludwig Körner. Adrienne Greüuer, Ferdinand Onno. Olga Träqer-Matlcheko, Aurel Nowotny. Anna Kainz-Schrötter. Herbert Wantek, Louis Reiner, Karl Götz. Rorgm Montag den 19. April. 11 Uhr: Vormittagsmusik. — 16 Uhr 1b Oltin. r Nüchmtttagskonzert. Lincke, Ca anooa, Walzer- Veftella, Jone, Ouvertüre He. ning. Die galante Zeit, Suite- Sparh. Steirische Humoresken. Nadolfi, Elfentanz, für Violine- Camillo. Nun schlägt es 1.8. - 17 Uhr Id Min. > 'Märchen der Heimat. 1. Kärntnertsche Märchen. Dora Miklosich und G ete Doris. -- 1b Uhr 25 Min. > „Glück und Ende eines großen Wiener BühnenliebltngS." fJosefine Gallmey-r.) Siegfried Lorwy. — 19 Uhr lO Mtn.: Esperamokurs. — 19 Uhr 40 Minr Englischer Sprachkurs I. - 20 Uhr 1bMin.: Men. delSlohn-Abend. StaatSooernjängerin Olga Bauer-PUecka, Konzert'änaertn Bella Alten, Robert Goldsand und Otto Schulhof (Klavier). Begleitung der Gelänge Prof Erich Meller. Etnle'tender Vortrag Otmar Weichy. — 21 Udr 20 Min. r Geschichten und Sihnmren. Erzählt von Albert Heine.