Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2569 (18.4.1926)
- Date
- 1926-04-18
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Men, Ssnnky Die Slftmlscherin von Saroonk. Aus Paris wird «ns gemeldet: Bor dm Geschworenen in der Stadt G a r o n n e / stand eine hübsche junge Frau, Blaß und zitternd hörte sie das Urteil an, das der Vor- ' sitzende in dem bis auf den letzten Platz ge-- « füllten Saal veMrchete: Acht Jahre t Kerker. Der Vorsitzende vermochte die , VeMndigung des Urteils nicht fortzusetzen, i Ts brach ein höllischer Lärm los. Todesurteil gegen bi« Gift misch er in", I riefen die erregten Zuhörer dem Vorsitzen-! dm zu. Der Saal mußte schließlich geräumt , werden. Dann veEndetr der Richter, daß > der angebliche Komplice der Giftmischerin, Gustave Bataille, sreigesprochen ' sei. Das große Aufsehen und die ungeheure Erregung, die das Urteil gegen Marie Favre hervorries, finden ihre Erklärung in 1 der Vorgeschichte des Mordprogestes. Marie Favre hatte sich vor dem Gericht wegen dreifachen Giftmordes zu verantworten. Sie wurde b^'chuldigt, ihre Opfer mit Arsenik aus dem Leben geräumt zu haben. Unter den Opfern befindet sich auch ihr ehemaliger Gatte, der Schneider August C a s a d e. Vor sechs Jahren hat der unglückliche August Casade das hübsche Mädchen, das in einem Pariser Geschäft als Verkäuferin angestellt war, geheiratet. Casade hatte eine Schneiderei in dem Provinzstädtchen Tonneys. Die junge Frau fühlte sich in der Provinz wicht wohl und konnte sich mit , der einfachen Lebensweise wicht recht abi finden. Sie bestellte sich aus Paris neue; Kleider und fuhr jede Woche zweimal in eine i Nachharstadt, um dort — wie sie sagte — Tanzstunden zu nehmen. In Tolmehs sei eis bald auf, daß Frau Casade dabei von dem Gutsbesitzerssohn Gustave Bataille begleitet wurde. Dieser erfreute sich keines guten Leumunds in der Stadt. Er hatte sich mit seiner Familie entzweit und war wegen Spionage im Weltkrieg zum Tode verurteilt worden. Das oberste Heereskommando hatte das Urteil allerdings in eine Freiheitsstrafe umgewandelt. Casade ließ das Paar beobachten und bald gewann er dib Gewißheit, daß seine Frau ihn betrüge. Von diesem Zeitpunkt an waren Zwistigkeiten im Hause des jungen.Paares an der Tagesordnung. Die Frau hatte die Absicht, sich s ch e id e n zu lasten. Casade hing trotz allem an ihr und wollte zu einer Trennung der Ehe seine Einwilligung nicht geben. In Tonneys fiel es ba'ld aus, daß Frau Casade nachts zu einem Arzt und bat ihn j dringend, zu ihrem Mann zu kommen; der Mann werde, sagte sie, von unerträglichen Schmerzen gequält. Der Arzt fand den Schneider bereits tot vor. Nach dem Tode ihres Mannes verstand die junge Witwe die Sympathie einer älteren Dame, der Gutsbesitzerin Madame Plege, zu gewinnen, die sie als Haushälterin zu sich nahm. Zwischen Frau Casade und dem 18jährigen Sohn der Gutsibesitzerin entspann sich bald ein Liebesverhältnis, das Madame Plege nicht lange verborgen blieb. Sie entschloß sich, der Haushälterin zu kündigen. Zwei Tage später wurden Frau Plege wie ihr Sohn in ihren Betten liegend tot aufgefunden. Frau Casade war spurlos verschwunden. Die Obduzierung der Leichen führte zum Ergebnis, daß in beiden Fällen Vergiftung durch Arsen vorlag. Der Verdacht fiel aus die Haushälterin, die 24 Stunden später in Garonne verhaftet werden konnte. Sie bewohnte mit ihrem früheren Galan Gustave Bataille ein Hotelzimmer. Beide wurden festgenommen; in ihrem Besitz fand man eine Anzahl von Wertgegenständen, die zweifellos aus dem Schloste der Frau Plege geraubt worden waren. Mlener Mnk»enzettttnft 19. 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Bez., Eschenbachgaste 11, ein Vortragsabend statt, welcher Völkerbundfragen gewidmet ist. Es sprechen: Botschafter a. D. Dr. Konstantin Dumba über Deformen des Völkerbundes" und Oberrabbiner Prof. Dr. Z. P. C h a j e s über ,Sie Inden nnd der Völkerbund". Karten im Vorverkauf bei: 1. Bezirk: Buchhandlung R. Lüwit, Notenturmstraße 82, Tel. 71-4*25; Zionistisches Bureau, Kärntnerstraße 38, SEel. 77-4-95—6; 2. Bezirk: Buchhandlung Rath, Taborstraße 20a, Tel. 43-1-58; 6. Bezirk: Spitzengeschäst Bezirvrat M. Kohn, Mariahilfevstraße 101, Tel. 60-10; Annopeenbureau Guttmamr, Mariahilferftvaße 7S, Tel. 4301; 8. Btzirk: Vereinsheim, BennoPlotz 1a, Tel. 86-3-60 (halb 4 bis halb 6 Uhr nachmittags); Leder.rarengeschäst S. Storch, Jofefftädtevfttaße 86, Tel. 26-8-67, und an de» Schalter« unseres Blattes. „Dman eines Pferdediebes" ist das erste größere erzählende Werk des seither in der ersten Reihe der modernen jüdischen Literatur stehenden jüdisch-amerikanischen Dichters I. Opatoschu, das die Aufmerksamkeit auf den damals 23jährigen Erzähler lenkte. Das Werk gibt die unromantische, jeder Sentimentalität der üblichen „RLuberromantik" absichtlich ausweichende, aber durch ihre geradezu unerhörte Intensität sprrnnewde Schilderung vom Leben bet jüdischen Diebe und Wegelagerer:. Das Schicksal dieser Klaffe von Menschen, die sich außerhalb der sozialen Ordnung gestellt haben und doch irgendwie an ihr teilhaben wollen, ist hier im Rahmen einer einfachen Liebesgeschichte abgewandelt und wirkt nicht nur durch die Besonderheit des Stoffes — der übrigens seither vielfach Verwendung gefunden hat —, sondern vor allem durch die lebensvolle künstlerische Gestaltung, die es durch den Dichter erfahren hat. Die „Wiener Morgenzeitnng", getreu ihrem Programm, ihren Lesern auch auf dem Gebiete der Literatur und Kunstbetrachtnng alle Seiten des jüdischen Wesens und seiner Erscheinungen zu bieten, hat auch diesmal keine Opfer gescheut, um dieses Werk Opatoschus, der unseren Lesern durch seinen in unserem Blatte erschienenen großen historischen Roman „In P o l e n s W ä l d e r n" aufs beste bekannt ist, für den Romanteil zu erwerben. Der „Roman eines Pferdediebes" erscheint vom 21. April an nur in der „Wiener Morgenzeitnng", zum ersten Male in autorisierter deutscher Uebertragung. Wir hoffen, daß dieser unter «Mlter Roman tursererr Lesern eine willkommene Gabe sei« wird. Das alle nnd das neue Burgtheater. Eine Rede des Bundespräsidenten. Samstag sind die anläßlich des Burgtheaterjubilaam^ ansgezeichneten Künstler und Künstlerinnen scwie anderweitigen Angehörigen des Burgtheaters beim Bundespräsidenten Dr. Hainrsch erschienen, um ihm ihren Dank abzustatten. Bei dieser Gelegenheit erklärte Bundespräftdent Doktor Harnisch unter anderem: ,^Jch weiß nicht, ob dichs Burytheater noch heute den Anspruch darauf erheben kann, d i e erste deutsche Bühne zu sein. Hierüber ein Urteil abzugeben, halte ich mich für um so weniger Drusen, als ich ja seit Jahren kern Theater des Deutschen Reiches besuchen konnte. Andererseits möchte ich aber doch allen jenen widersprechen, die von einem NiÄergang unseres Burgtheaters reden. Die sogenannten laudatores temporis aeti sind zum größten Teil Menschen, die cms jungen, lebensfrohen Leuten von einst griesgrämige Alte von heute geworden sind. Ihnen erscheinen deshalb die Leistungen des alten Burgtheaters im verklärten Lichte, weil es sie an 'ihre goldene Äugend erinnert. Auch ich bin nachgerade alt geworden, ich glau'be mir aber jugendlichen Idealismus bewahrt zu haben. Es werden in wenigen Wochen fünfzig Jahre sein, daß ich meine Matura machte und die Hoch'chule bezog. Durch «fünfzig Jahre also, das entspricht einem Drittel der Lebensdauer des Bürgtheaters, lmbe ich mit Begeisterung und «vach'enden Intereste den Vorgängen auf der Bühne gelauscht. Ich hae dabei die großen Schauspieler des vorigen Mcuschenalters samt und sonders wiederholt m ihren Glanzrollen gesehen. Ich muß nun der festen Uelberzeugung Ausdruck verleihen, daß die heutige Generation der älteren durchaus ebenbürtig gegenüberstcht. Einzelne statte Persönlichkeiten sind allerdings verloren gegangen, andere bedeutende sind aber an ihre Stelle getreten/' _ vor einem Saht hat die A. Gerimroh-A.-G. ihre Schuhischwemme eröffnet. — Ter inoiic Beifall, den diese Einrichiuug gesunden hat, war Beraiüaslnng. diese Schuhschwemme zu einer ständigen BerkanfSadreiiung auszubauen. — Anläßlich ihres einjährigen Bostalldes dringt Ihnen irafa Inserat aus Seite 11 senioÖMt. A. Engrotz Mümssstüllchast.