Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2569 (18.4.1926)
- Date
- 1926-04-18
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Wen, Sonnkkg tBImt» MorgenzeitUNs IS. «MMK M»WM FH Tenm ftestbewahxk 7&§tss'*G&irien rj%ii fu-p Jucunarx I.i. 4.i 4 * <f men. .vep&GLitm tu# *€&*&&. iufrzmisohle, ffoM/trtA band, mit den Bars und mit der Karntnerstraße, mit allen Bezirken und dem großen Fremdenverkehr die lieblichste Kleinstadt der Welt . . . Auch der große Verkehr und die neuen Pflasterstreifen werden ihr diesen Charakter I kaum rauben können . . . Wien ist ein großes Kaffeehaus, in dem man bald Stammgast wird. Die Traulichkeit der Wiener Straßen» der Gärten, der Atmosphäre des Menschlichen Verkehrs gibt dieser Stadt den Charakter des Ueberall-zu-Hause-Seins, was mit dem Charakter einer wirklichen Großstadt, die das Gefühl der Fremdheit hervorruft, keineswegs vereinbar ist. Wenn dieses Familiäre, was den Denkhorizont der Manschen betrifft, auch seine, manchmal sogar starke Schattenseiten hat, so verleiht es doch der Stadt einen unerreichbaren Reiz von Heimkultur. Wie gesagt, die Gefahr des Philistertums ist in Wien besonders groß und sozusagen ständig akut . . . Der Versuch der löblichen Behörde aber, dagegen mit den neuen Pfla st er st reifen anzukämpfen, muß als kläglich und unzulänglich bezeichnet werden. . . Aber auch das der Polizei wahrscheinlich näher liegende Ziel, aus Wien äußerlich eine Großstadt zu machen, wird auf diese Weise kaum verwirklicht werden können; eines wird ihr aber gelingen: an der Opernkreuzung den Verkehr „großstädtisch" unmöglich zu nrachen ... Der Wiener wartet ruhig ab, aber einreden läßt er sich nichts . . . _ lth. Sie Marannen in Portugal. Aus London wird berichtet: Lucien Wolf hat soeben seinen ausführlichen Bericht über die M a r a n n e n in Portugal veröffentlicht. Ueber die Frage der Rückkehr der Marannen zum Judentum schreibt er: Wir werden von Zeit zu Zeit enthusiasmiert über die Entdeckung von mehr oder weniger zweifelhaften Sprößkingen des Judentums, wie von den Chinajuden in Kai-seng-fu, den Falaschas in Abessinien, den schwarzen Juden in Kotschin (Französisch-Hinterindien) und den Daggatoun in Timbuktu. Allein die Marannen stehen uns viel näher. Sie sind ein Teil der europäischen jüdischen Geschichte, nahe Verwandte der sephardisch-jüdischen Gemeinschaften in Europa und Amerika und Abkömmlinge der WAinner und Frauen, welche zweieinhalb Jahrhunderte lang einen heroischen Kampf für ihr Judentum geführt haben. Wolf zeichnet die Linien einer Organisation für jüdische Arbeit unter den Marannen. In den Städten wie Covilhao und Belmonte wären regelmäßige öffentliche Vorlesungen und Kurse am Platze; auch ist die Herausgabe von Handbüchern in Portugiesisch am Platze, in denen die Ideen des Judentums und Gebete enthalten sind. Handbücher dieser Art wurden z. B. von der Jca unter die Kinder der Kolonisten in Brasilien verbreitet; die Jca-Direktion wird zweifellos der geplanten Oportogesellschaft genügend Exemplare zur Verfiigung stellen. Die Gemeinde von CaPta in de Barros Basto soll mit einer Synagoge, einem Friedhof, einem Rabbiner und Mohel versorgt werden. Das in O p o r t o errichtete Bureau wird zur erfolgreichen Lösung des Marannenproblems viel beitragen. Sin türkisches Urteil über Den raffenschiitzlerischen Kurs. Aus Budapest wird uns berichtet: D'e ungarischen Rassenschützler lieben es, sich an den gegenwärtigen Herrn der Türkei, Ke mal Pascha, anzubiedern und ihn gewissermaßen als ihren Gesinnungsgenossen hinzustellen. Sie mußten sich wiederholt ausdrückliche Absagen der maßgebenden türkischen Kreise -gefallen lassen; itrotzdem sind sie über die Lektion, die ihnen jetzt ein türkischer Gelchrier zuteil werden läßt, sehr ungehalten. Seit einiger Zeit weilt nun der Ärkischr Historiker Universitäts- Professor Hussein Nomik Bei zu Studienzwecken in der ungarischen Hauptstadt. Vor einigen Taigen -empfing de-r Gelehrte den M'tarbeire: eines jüdischen Blattes/Ueber seine Eindrücke in Ungarn befragt, sagte Professor Nomik Bei u. a.: „Ich bin hier Gast, und da ziemt es wohl nicht, an dem Gastgeber Kritik zu üben. Ich finde es immerhin kom-'sch, daß es in Ungarn zweierlei Wiss enscha freu gibt: eine christliche und eine jüdische. Die jüdischen und christlichen Geilehrten leben und schaffen hier g e f o n d >e r r und bilden g esonderte G^f e l ls«haften; unverständlich aber ist es, tvarum die jüdischen Gelehrten nicht Professoren an den Hochschulen werden türmen. Ich nehme nur mein Fach zum Beispiel. Bernhard Mnnkacsy, einer der bedeutendsten un garischen L i n g u i st e n, ist nicht U n i v e rs i t ä i sp ro fes so r. Ebensowenig ist es Ignaz K u n o s, der sich durch die Erforschung rmd Vermittlung der türkischen Volksdichtung unerhörte Verdienste erworben hat. Ich lanntt dsn hervorragenden jüdischen Orientforscher Armm Barnberg und weiß von Ignaz Goldziher, der einer der größten Arabisten war. Ich habe -erst hier in Budapest erfahren, daß diese Gelehrten Juden waren. Wir in der Türkei interessierten uns niemals für die Konfession der europäischen Gelehrten Was den Numerus clausus betrifft, so bildet diese Frage gegenwärtig ztveiMos eine innere Angelegenheit des Landes, in welchen: ich augenblicklich als Gast weile. Wir Türken allerdings freuen uns, wenn jemand die wissenschaftliche Laufbahn betritt, und wir verschließen daher unsere Hochschulen vor niemandem. Wir dulden auch nicht, daß unsere Studenten Politik -treiben. Auch nicht, wenn sie im Ausland studieren. Da studieren zum Beispiel an der Debrecziner 'landwirtschaftlichen Akademie auch einige türkische Studenten. Ms die jüdischen Studenten aus der Schule verdräng: wurden, stellten sich die türkischen Studenten auf die Seite der Rassenschützler. Ich richtete an sie ein energisches Schreiben, in welchen« ich ihre Haltung scharf mißbilligte und sie daran gemahnte, daß sie zu lernen und nich: zu 8MH-M tzMg." Die neue Synagoge in Antwerpen. Die größte Synagoge der Welt. Aus Antwerpen wird uns bericht-t: Mitte Mai wird unter großen Feierlichkeiten die Einweihung einer neuen Synagoge stattffnben. Sie ist, sowohl was den Fassungsraum als auch den in Anspruch genommenen Flächenraum betrisst, die größte Synagoge der Welt und wurde ausschließlich aus' Sammelgeldern erbaut. Die erste Spende für den Baufonds lief von König Albert dem Ersten ein, der die Sammlung mit einer Widmung von 20 Millionen Franken eröffnete. Seinem Beispiele folgte die Sradtverwalttrng Antwerpen unid mehrere christliche Persönlichkeiten. Die neue Synagoge erhebt sich auf dem größten Platze von Antwerpen und zählt, zu den auch architektonisch schönsten Baulichkeiten der Stad:. Der Knöig hat sein Erscheinen bei der Eröffnungsfeier zugesagt. Lady Samuel ans Der Wischen Frauentagnng PnlSMnns. Aus Jerusalem wird gemeldet: Am 12. Llpril wurhe hier die Jahresversammlung der O vga>n i sation jüdischer Frauen Palästinas eröffnet. Den Vorsitz führte Lady Samuel, die Gattin des früheren Oberkommissärs für Palästina, Sir Herbert Samuel. Die Versammlung erörterte die Frage der Schaffung eines Zentralrates der jüdischen Frauen Palästinas durch Koordinierung der Tätigkeit der bestehenden jüdischen Frauenorganisationen. _ Mische sanitäre Arbeit ans Der LllffelDorfer Ansfteünng. Die Palästinaabteiluug auf der Hhgieneausstellung, die am 8. Mai in Düsseldorf eröffnet wird, wird ein Bild aller öffentlichen jüdischen Tätigkeit auf dem Gebiete des Gesundheits- und Sanierungswesens in Palästina geben. Das Gesundheitsamt (Waad Habriuth) hat Photographien und Diagramme znsammengestellt, die die verschiedenen Zweige allgenreiner Gesundheitsarbeit, den Kanlpf gegen die Malaria, die sanitären Bedingungen in den Städten, Waisenff'rrsorge usw. illustrieren. Zwanzig jüdische Institutionen haben ihre Hilfe geliehen, unter ihnen der Keren Kajenreth, die Gesellschaft fiir Malariaforschung, die Palestine Land Developnrent Company, die Stadtverwaltung von Tel-Awiw. Die Arbeit des Keren Hajessod im Dienste der öffentlichen Gesundheitspflege ist aus der Ausstellung der Hadassah Medical Organization und der Kupath Cholim (Krankenkasse) zu ersehen. Die Hadassah und das Palästina-Weisenkomitee haben außer dem üblichen Material auch einen besonderen Film vorbereitet. Die sensationelle Mantel- und Kleiderwoche im MoDenpalas» gnlinr Krnpnit eine neue, Wohl kaum zu überbietende Rekordleistung auf dem Gebiete der Damenmode, beweist wieder einmal mit zwingender Deutlichkeit die unvergleichliche Verve nnt) Rührigkeit dieses Hauses, dessen Aktionen mit bewunderswener Konsequenz, stets, mw einem Ziele zustreben: Den geehrten Kunden zu tatsächlich konkurrenzlos billigen Preisen das Exquisiteste zu bieten. Dies kann allerdings nur erreicht soevden durch ein Betriebs» und Barzah'iui'gssystem, dessen GrvßAgigkeit den besten und ersolgrsichstc» arnerlka irischen Gejchäftsmelhohen nicht nachsteht. Ein seltsamer ProhiDttionsprozetz in Amerika. Der Gastgeber vom Ehrengast angeklagt. New-Iork, 17. April. Me die Blätter aus San Diego in Kalifornien melden, begann vor dem dortigen Kriegsgericht die Verhandlung gegen den Obersten Williams, der von seinem Vorgesetzten, dem Brigadegeneral Buttler, der Uebertretung des Prohibitionsgesetzes beschuldigi wird, weil Williams bei einem Festessen, das e-r zu Ehren des Generals gab, alkoholische Getränke genossen und den Gästen verabreicht haben soll. General Buttler gab am ersten Verhandlungsiage vor dem Kriegsgericht als Zeuge an, daß nach feiner Wahrnehmung Oberst Williams bei dem Festmahl eine sehr große An-ahl von C o k t a i l S hinter die Binde gegossen habe. Nach dem Diner war der Oberst volltr unken und mußte von Ordonnanzen aus dem Saale getragen werden. Dies sei die Ursache, daß er, General Buttlar, den Obersten obwohl er dessen Gast war, wegen gröblicher Verletzung des Antialkoholgesetzes beschuldigt. Demgegenüber sagten andere Offiziere als Zeugen aus, daß General Buttler an jenem Abend erwiesenermaßen von furchtbaren Zahnschmerzen gepeinigt wurde, so daß seine Beobachtungsgabe durch einen Nervenzusammenbruch infolge der quälenden Zahnschmerzen mindestens ebenso getrübt war wie die Selbstbesinnung des Obersten Williams durch die vi-lon Coktails. Das Urteil des Kriegsgericht^Mn dem seltsamen Prozeß wird von der amerikanischen OoWcklichkeit mit großer Spannung erwartet. Das Halenkrenr in Der Schweiz. Jü dm letzten Wochen hat die bereits international gewordene antisemitische Hakenkreuzorganisatiilm versucht, auch in der Schwviz mit einer großzügigenProPagandatätigk.eit einzusetzen. Eine Kampfschrift gegen das Judentum wurde in vielen hunderttausend Exemplaren an die Einwohner der Schweiz kostenlos versandt. Wie üblich, wurden auch in diesen Schäften die niederträchtigsten Beleidigungen und Lügen, insbesondere gegenüber dem französischen Judentum, zu Papier gebracht. 8n« Reich Der Kirschenbwte fühlen Sie sich beim Betreten des bekannten Warenhauses der Ärüder Jwiffmannin der Tabor st ratze 48 versetzt. Die mit auserlesenem, künlstlersschem Geschmack arrangierte japanische Innendekoration, die von bunten Lämpchen durchwirkten hängenden Blutendolde in weiß und rosa sind wirklich sehenswert. Sehenswert und preiswert ist auch die soeben eingelangte, reichhaltige Kollektion in allerneumen Stoff- und Seidenwaren fürs FrWahr. Crepe de Chine, Marocain, Taftfleuvr. Faille.de Claire, Schottenseide sowie alle Wollstoffe in herrlichen Dessms und Modefarben werden in der kommenden Wpche bei garantiert erstklassiger Qualität zu staunend billigen Borsaison-OKasionSpreisen verkauft. Gleichzeitig wurden die bekannt billigen Preise für Herren- und Damenwäsche. Leinenwaren. Vorhänge. Teppiche usw. usw. wesentlich reduziert, um dem täglich wachsenden Kundenkreis dieses führenden Leopolvstädter Warenhauses wieder ei-nmal die außerordentliche Leistungsfähigkeit der Brüder Schiffmann zu bewegen und jedem Käufer trotz des. herrschenden (Geldmangels Kanfniöglichkeit zu bieten. Eine Besichtigung des Warenlagers ohne KHifzwang wird jedermann im eigensten Interesse empfohlen. ff