Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2568 (17.4.1926)
- Date
- 1926-04-17
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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M. 2888 MM, 'Damnum! Neutzermrg mit oder ohne böse Absicht in das Gegenteil j verkehrt wurde. Ich halbe dies erzählt, nm zu belveisen, wie! unmöglich es ist, etwas, was vor vier Jahren gesprochen wurde, i genau wiedevzugeben. Cs wurde eine Hetze gegen Meymber Weis; i begonnen, sie kam von draußen und Plötzlich fiel das Wort „Erpressung". Die Polizei und die Staatsanwaltschaft war der Meinung, daß ich einen Artikel von vornherein geschrieben hübe, um eine Erpressung zu begehen. Das eben abgeführle Verfahren hat bewiesen, wie unmöglich das war. Ich bin neun Wochen in Untersuchungshaft gesessen und acht Tage hat man verhandelt und jetzt ist man sich noch nicht im klaren, ob das, was mir zur Last gelegt wird, eine Erpressung oder eine Bestechung ist. Man stützt sich auf das Gedächtnisprotokoll und gerade dieses Protokoll wurde durch die Zeugenaussage Frieds geworfen. In dem Protokoll steht, daß Fuchs den Fried bedroht habe. Fried hat erklärt, daß das nicht wahr ist. Kann man einem solchen Protokoll, das in seinen wichtigsten Punkten sich als falsch erwies, noch Glauben schenken? Meine Herren vom hohen Gerichtshof, glauben Sie, daß es möglich ist, daß ein Mensch, der eine angesehene Stellung bekleidet hat, über die juristische Doktorfrage, ob Bestechung oder Erpressung, fällt? Daß man diesen Menschen über diese juristische Doktorfrage ins Gefängnis schicken kann? Ich will nichts davon reden, daß Fuchs, der einzige Zeuge, der mich belasten könnte, dies nicht ein einziges mal getan hat, trotzdem wir verfeindet sind. Er hat nie behauptet, daß ich Geld verlangt und daß ich von seinen Handlungen gewußt habe. Ich habL immer gesagt, daß ich nie meine Pflicht vergessen habe, und das, was ich getan habe, hat das Licht der Oeffentlichkert nicht zu scheuen. Der Staatsanwalt sagt, man könne mir eine Erpressung ruhig zumuten, weil ich Börsengeschäfte gemacht habe Ich habe ein sozialistisches Blatt redigiert und bin an die Börse gegangen. Der Staatsanwalt hat vollständig recht: es ist ein Widerspruch. Ich habe Ihnen davon erzählt, daß ich vor dem Kriege Geschäfte gemacht habe, ich habe aber von 1914 bis 1921 keine Geschäfte mehr gemacht und dann bin ich zur Börse gegangen. Ich habe Ihnen auch erzählt, warum ich zur Börse gegangen bin. Ich habe es getan, weil meine Frau krank geworden ist. Wenn eine .Frau, mit der nunc zwanzig Jahre zusammen gelebt und mit der man ein Kind hat, schwer krank wird, dann gibt es nur eines: „A u f, m a r s ch, hilf!" Hätte ich etwas anderes getan, so wäre es widernatürlich und gegen mein sittliches Empfinden gewesen. Wenn ich mich verächtlich gemacht habe, so habe ich es nur wegen meiner Frau getan. Dabei habe ich doch gar nichts so Verächtliches getan. Ich habe nur das gemacht, was Tausende andere tun, die sich in hohen Stellungen befinden und denen man dies nicht zum Borwurf macht. Ich war mir darüber keinen Moment im Zweifel, daß ich etwas tue, was mit meiner Stellung nicht i m E i n k l a n g st e h t. Aber ich kann nicht glauben, daß Sie, meine Herren, deshalb auf dem Standpunkte stehen> daß ich an Moral insanity leide. Ich glaube nicht, daß Sic, meine Herren gelehrten Richter und meine verehrten Herren Schöffen, aus der Doktorfrage, ob eine Handlung sich in einen Strafparagraphen einordnen läßt, einem Menschen eine Falle machen werden." Der Angeklagte Fuchs erklärte, keine weiteren Ausführungen machen zu wollen. Der Vorsitzende schloß hierauf um 7 Uhr die Verhandlung und gab bekannt, daß das Urteil heute um 2 Uhr nachmittags verkündet werde n w i r d. Der Streit am Markenbad. Prag, 16. April. (Tel.-Komp.) Nach dem Spruch des Obersten Gerichtshofes bleiben alle.Bäder und Parkanlagen sowie die meisten Gebäude in dem Kurrayon von Marienbad dem Stifte Te p l echalten. Grundsätzlich hat damit das oberste Verwaltungsgericht die formalistische Ausdehnung von Gesetzen, die aus das Weltbad nicht anwendbar waren, abgelchnt. Die dem Staate verfallenden drei Brunnen, der Kreuzbrunnen mi5> der Ferdinandsbrunnen sowie die Rudolssqnelle sind die wichtigsten Quellen Marienbads. Durch ihre Lostrennung von dem übrigen Quellgebiet ergibt sich eine kompliziert« Lage. Die Bäder werden nun zum Teil aus Quellen gespeist, über dir ein anderer Eigner verfügt. Die Salzsudwerke geraten in eine wirtschaftliche Abhängigkeit vom Staate Äs dem Eigner der Ferdinandsquelle, ivelche die Sole zu liefern hot. Es ergibt sich ferner die Kuriosität, daß die Rohrleitungen, die die Bäder und Quellen mit einander verbinden, zum Teil dem Dtiste, zum Teil dem Staats zufallen. Der Unfug der HnngerkUnktler. Aus Magdeburg wird uns gemeldet: Der Hungerkünstler Don Polo, Ar hier 6 0 Tage hungern wollte, hat wegen zu geringer Einnahmen sein Vorhaben auf gegeben. Die Direktion des Fürstenhof teilt, wahrscheinlich um ihren Ruf zu wahren, mit, daß der Hungerkünstler Don Polo fein Hungern nicht wegen schlechter Einnahmen, sondern wegen einer Nervenkrise eingestellt habe. Anschliige ans deutsche NachtversonenzSge. Aus B e r l i n wird berichtet: Wie der „Berliner Lokalarlzeiger" aus Mühlhausen in Thüringen meldet, wurden in der Nacht vom 14. zum16. d. auf der Strecke Mühlhausen— Ober-Dorla zwei Anschläge gegen die Nachtpermierizüge durch Auflegen von E r f e n l a s ch e » auf die Schienen verübt. Beim ersten Anschlag schob die Maschine des Pevsonenzuges die Laschen beiseite, während der zweite An'chlag durch rechtzeitige Entdeckung vereitelt wurde. __ ÜOTEL CENTRAL Wien, II. Tabaratraase 8 a Stadtzentrum » 150 neu eingerichtete Zimmer * Zentralheizung, kalt- und warmfliessendes Wasser, Telephone. Lift, Cate-Rcstauiant » Preise von 8 5.- aufw., > aufleute 10°/n Rabatt. . 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Der Vizepräsident des Tempelvereines, Herr Siegmund Feldmann (in Vertretung des erkrankten Präsidenten, Direktor Stein), konnte in dein dichgefülltell Saale unter anderen begrüßen den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Generalstabsarzt Dr. P i cf, und den Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Herrn Dr. Josef Löwenherz, Herrn Oberrabbiner Prof. Dr. Chajes, die Herren Rabbiner Dr. Bauer, Dr. Feuchtwang und Dr. Frankfurter, den Präsidenten der Zionistischen Landesorganisation, Herrn Dr. Desider Friedmann, die Vertreter der Tempelvereine des 9. und 5. Bezirkes, Herrn Börsenrat Glück, den Hauptmann der englischen Armee Kirsch und den Präsidenten der Zionistischen Bezirkssektion Mariahilf, Herrn Dr. Bernhard. Er führte sodann aus: „Dieser Abend gilt.dem Wiederaufbau des jüdischen Palästina. Wir alle verfolgen mit heißer Liebe dieses Werk, jüdischer Arbeit, wir alle fühlen uns mitverantwortlich, denn in uns allen lodert ein heiliges Feuer für Palästina." In seiner gedankenreichen Festrede führte sodann Herr Oberrabbiner Pros. Dr. Chajes folgendes aus: „In den letzten Jahrzehnten vor dem Auftreten Herzls haben sich die Juden für gesund gehalten und waren es nicht mehr. Für einen I u d e n i ft c § das Symptom böfer Krankheit, wenn er beginnt, bequem zu werden. Sie werden einen Film fehen, welcher das neue jüdische Leben in Erez Israel zeigt..Dort arbeiten jüdische Menschen, ohne an ihr eigenes Interesse oder an das ihrer Angehörigen zu denken. Es ist dies eine einzigartige Erscheinung und — ich bin mir der Tragweite dieser Feststellung bewußt — es ist das Wertvollste, was jetzt vor sich geht. Gehörte nur eine Rede und ein Bild dazu, seinem jüdischen Mitmenschen das Glück zu geben, welches ich durch mein zionistisches Lebenswerk besitze, so wäre ich auf dieses Glück nicht stolz. Aber wenn es mir durch meine Worte, wenn es diesem Abend gelingt, Sie in Ihrer Selbstzufriedenheit schwankend zu machen, so ist schon sehr viel geschehen. In groß angelegter Rede schilderte sodann Herr Rabbiner Dr. Bauer das Werk des Aufbaues insbesondere seit der Balfour- Deklaration und wußte in überaus lebendiger, anziehender Weise zu erläutern, was das wichtigste Finanzinstrument des Aufbaues, der Keren H a j e s s o d, seit seiner Gründung durch Vorbereitung der Chaluzim für die Landarbeit, ihre Ueberführung nach Palästina, ihre Erhaltung bis zur Arbeitszuteilung, durch die Bereitstellung der Arbeitsmittel und des Saatgutes, was der Keren Hajessod ferner auf sanitärem und kulturellem Gebiet erwirkt habe, und daß es Pflicht jedes gewissenhaften Juden sei, sich durch Opferleistungen an dem Keren Hajessod zu beteiligen. Herr Dr. Otto Abeles gab Eindrücke seiner Studicureisc durch Erez Israel wieder und schloß mit den Worten: „Wo immer die Juden wohnen werden, der geistige Habitus der nächsten Generationen wird in Erez Israel entschieden. Der Weg in die jüdische Zukunft geht über P a l ä st i n a." Nach diesen drei Ansprachen, welche mit großer Zustimmung ausgenommen wurden, trat eine Pause ein, welche zur Entgegennahme von Zeichnungen fiir den Keren Hajessod benützt wurde. Das Ergebnis war erfreulich. Dann hielt Felix Salten einen Vortrag, dem in diesem Monat der zionistische» Jjar-Aktion ganz besondere Bedeutung zukommt und der durch die Form nicht minder fesselte als er durch das mannhafte Bekennen, durch die edle Tendenz tiefste Wirkung übte. Wir geben den gesprochenen Essay nachstehend auszugsweise wieder: Eine der wichtigsten Forderungen der Gegenwart an uns lautet: Bekenntnis zum Ich. Unter dem Namen „Friederike Antonie Varnhagen ENse" ist uns jene Frau fremd, als „Rachel Lewin" ist sie uns wohlbekannt. Zwei von den neuen Namen gab ihr das Schicksal — sie erwarb sie durch die Ehe —, zwei, nämlich „Friederike Antonie", gab ihr die Taufe. Diese sind eine Fälschung. Im Traum von einem Weltbürgertum ließen sich damals viele Juden taufen, nm die Bereitschaft zu zeigen, daß sie sich mit den anderen versöhnen wollen. So wollte auch diese Frau ein Beispiel geben. Aber das Ich der Rachel Lewin lag im Bezirk ihres jüdischen Wesens. Dieses Ich befähigte sie, nl* eine der wenigen Zeitgenossen Goethe zu verstehen, ttul> diel leicht als die einzige den Prinzen Louis Ferdinand. Einer der edelsten Söhne unseres Volkes, Theodor Herz!, hat es vermocht, die blut- und wesenlos gewordenen, die spöt tischen, zerrissenen, zerschlissenen Juden des Westens zu wecken. Nirgends trat der Fluch der Selbstverleugnung, des Renegatentums, der Flucht vor dem eigenen Ich so traurig, so folgenschwer, so grausam in die Erscheinung wie an dem westjüdischeu Menschentum, wofiir Salten einige bezeichnende Beispiele anführte, insbeson dere Gustav Mahler. Ein Beispiel, wie auch bei anderen Völkern die Verleugnung des Jchs die Seele mordet, ist Houston Steward Chamberlain. Dieser deutschnationale Brite hat zu Beginn des Weltkrieges England verflucht. Daran ist er innerlich zugrunde gegangen. Das Bekenntnis zum jüdischen Ich ist heute eine sittliche Pflicht, denn Palästina ist das Land der Verheißung und immer noch das Land der Väter, weil es jetzt das Land der Kinder geworden ist. Und für alle, die Zurückbleiben, ist Erez Israel der Altar, auf den jeder sein Opfer legt. Stürmischer, sich immer wieder erneuernder Beifall folgte der Rede Saltens. Der Abend wurde durch stimmungsvolle Vortäge des verstärkten Tempelchors unter Leitung des Chormeisters G r ü n b a l l (Solo Oberkantor Landau) eingeleitet und geschlossen. Herr Bezirksrgt Aurel Engel, welcher in seiner Eigenschaft als Obmann der Keren-Hajessod-Kommission die Festveranstaltung leitete, dankte den Mitwirkenden und lud die Versammlung ein, der Vorführung des neuesten Palästinafilms anzuwohnen, welche anschließend an diesen Abend in einem nahegelegenen Kmosaale stattfand. Trotz der vorgerückten Stunde wohnten die Erschienenen vollzählig der Filmvorführung bei. Das Geheimnis des bosnischen Sees. Vor einigen Tagen berichteten jugoslawische Blätter über eine 'geheimnisvolle Erscheinung, die im See Tzomhi bei Boljeties in Bosnien ausgetreten ist. In gewissen Zeiträumen ließ sich nämlich aus dem See eine starike sirenenartige Stimme vernehmen, die kilometerweit hörbar war und die Einwohner der Umgebung in großen Schrecken versetzte. Es ging alsbald die Mär um, daß sich in dem See irgend eilt Ungeheuer aushalte. Auch wurde eine Untersuchung des Sees vorgenommen, um die .Herkunft des geheimnisvollen Lautes fostzustellen. Nach eingehender Untersuchung wurde nun festgestellt, daß die Laute nicht von einem vorsintflutlichen Drachen oder sonst irgend einem Ungeheuer, sondern von Eruptionen von Metangas herrühren. Dieses Gas wurde bereits in der Umgebung des genannten Sees früher festgestellt, und sein Erscheinen im Dzombisee ist um so wahrscheinlicher, als sich in. der Nähe auch Salzquellen befinden. Man nimmt an, daß man in Verbindung mit diesen Metangasausbrüchen auf Petroleum und Kchle stoßen wird. Das Bett des Dees ist vulkanischen Ursprungs und daher ist es wahrscheinlich, daß sich auf seinem Grund im Gestein Risse gebildet haben, durch die das Gas hsrvorströmt und an die Oberfläche gelangt, 'träfet merkwürdige Geräusche hörbar werden. Kleines Allerlei. Die älteste Uhr der Welt, ans den: Jahre 1616, befindet sich in einem englischen Kirchspiel in Sussex. Sie gcht noch ganz normal, muß aber zweimal täglich aulfgozogen werden. Im Gegensatz zu den künstlichen Mumien, die durch besondere Zubereitungen vor der Ver-vesung geschützt werden, gibt es natürliche. Sie entstehen, wenn der menschliche Leichnam in sehr durchlässigem und trockenem Boden liegt. Oder wenn ein kalter, trockener Luftzug über den Körper hinweg- ^streicht. Auch kochsalz-, salpeter- oder alaunhaltige Bodenbestandteile begünstigen die natürliche'Mumien'bildnng. . In Ostasrika am Biktoriasee le^dn die W ahn Manege r, deren Männer mit tvenigen Ausnahmen Riesen sind. 180 Zentimeter groß gilt bei den Wahuma noch als klein. Im Schwarzjwald hat man Siedlungen aus der Diluvialzeit vor 30.000 Jahren sowie Tausende von Stein- Werkzeugen gefunden. * Eine Universität in Texas hat auf ihrem Gelände Oeigne l-len entdeckt, wodurch sie eine Einnahme von 100.000 Dollar erzielt. * Der von den Engländern erbaute zweite R i lstauda m ftt bei Chartum hat 12 Millionen Pfund Sterling gekostet. Durch ihn werden 300.000 Acker Land für den Anbau von Baumwolle frei. Felix Satten