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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-16 · Heft 2567 (16.4.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2567 (16.4.1926)
Date
1926-04-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Gelte 4 Men. FreW Mener Morgenzerknir« .16. April 1926 2567 Der polnische MinistekvMveat t« Wien. Trinkspriiche und Auszeichnungen. Gestern früh ist hier in: Franz-Josess-Bahnhof der polnische Ministerpräsident und Minister des Aeußern ‘ Graf Skrzynski eingetroffen. Der polnische Minister- > Präsident ist begleitet von dem Direktor des politischen Departements im polnischen Außenministerium, Dr. Julian Lukasiewicz, dem außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Stephan Przedziecki und Legationssekretär Josef K i s i e l n i c k i. Im Bahnhof war zur Begrüßung Bundeskanzler Dr. R a m e k erschienen. lieber Auftrag des Bllndespräsidenten Doktor H a i n i s ch begrüßte Ministerialrat Klastersky den polnischen Ministerpräsidenten. Im Bahnhof hatte sich ferner der polnische Gesandte Wierusz-Kowalski mit den: Personal der polnischen Gesandtschaft eingefunden, dem sich der juristische Konsulent des polnischen Außenministeriums Professor M a k o w s k i sowie der Präsident der Polnisch-österreichischen Handelskammer, Twardowski, angeschlossen Hutten. Nach gegenseitiger Begrüßung und Vorstellung der erschienenen Herren begaben sich die polnischen Gäste mit Bundeskanzler Dr. R a m e k und den übrigen Herren ins Hotel I m p e r i a l, wo Ministerpräsident Graf S k r z y n s k i während seines Aufenthaltes in Wien wohnen wird. Mittags stattete Außenminister Graf Skrzynski dem Bundeskanzler Dr. N a m e k einen Besuch ab. Bei dieser Gelegenheit wurden dem Bundeskanzler die Insignien des Großkreuzes des Ordens Polonia R e st i t u t a überreicht. Nachmittags empfing Bundespräsident Dr. H a i n i s ch den polnischen Ministerpräsidenten zu einer längeren Unterredung in deren Verlauf der Bundespräsident dem Grafen Skrzynski die I nsignien des Großen goldenen Ehrenzeichens am Bande überreichte. Abends fand beim Bundeskanzler ein großes Festessen statt. Bei diesem Anlaß hielt Bundeskanzler Dr. R a m e k eine herzliche Begrüßungsansprache, in der er nach der Bewillkommnung des Grafen Skrzynski u. a. ausführte: Wir werden morgen unsere Unterschriften unter einen Schiedsvertrag setzen, der beweist, daß auch Oesterreich und Polen den Schiedsgedanken in moderneren Formeln zu verwirklichen suchen. Der Abschluß dieses Vertrages verkündet aller Welt, daß wiederum zwei Staaten entschlossen sind, in ihren wechselseitigen Beziehungen das Anwendungsgebiet der friedlichen Mittel zur Schlichtung der Streitigkeiten zu erweitern. Besonders auf wirtschaftlichen Gebiete, wo unsere beiden Staaten sich in so glücklicher Weise ergänzen, wird, wie wir zuversichtlich hoffen, der heutige Tag ein neuer Impuls für unsere Bemühungen sein, welche dahin gehen, unsere Handelsbeziehungen noch enger z u gestalten und sie zu jener Intensität zu bringen, die sie seinerzeit hatten. Der polnische Ministerpräsident Graf Skrzynski erwiderte: Die Unterschriften, welche wir morgen unter den Arbitragevertrag setzen werden, geben Zeugnis von unserem beiderseitigen Bestreben, unsere PolitischenBeziehungen zu vereinigen. Dieses Bestreben wird auch zweifellos bei einer Besserung der Gesamtlage zu einem weiteren Ausbau unserer wirtschaftlichen Beziehungen führen. An das Abendessen schloß sich ein Empfang, zu dem die Mitglieder des diplomatischen Korps, zahlreiche Mitglieder des -Nationalrates und Bundesrates, führende Persönlichkeiten der Industrie und Finanzwelt, ferner Vertreter der In- und Auslandspresse geladen waren. . ' kanischen Stadt, und dem Melle, dem Judenviertel. Me drei sind durch Mauern gesondert und bis zur Ankunft der Franzosen wurden hier wie überall in Marokko bei Sonnenuntergang die Tore zur Judenstadt geschlossen; ' Der alte Hafen von Mogador wird von Awei Molen geschützt, an deren Enden Türme stehen und auf ihnen Geschütze, welche die Wippen fast aller seefahrenden europäischen Staaten tragen. Prachtvoll ist der Blick aufs Meer. Bor der Stadt breitet sich eine niedrige Felseninsel. Lange war sse marokkanisches Staatsgesängnis. Auch Raisuli ist dort gestrigen gehalten worden. Es war am Anfang seiner Laufbahn, als er noch ein Keiner Bergräuber war; einer von den Kleinen, die man hängt, noch nicht der Großräuber und Kiid, mit dem die Sultanregierung und europäische Mächte ans dem Fuß der Gleichberechtigung unterhandelten, weim bewaffnete Expeditionen und Flottendemonstrationen dem Herrn der Berge keinen Eindruck zu machen vermochten. Heute geht der Ehrgeiz von Mogador dahin, ein großer Badeort zu werden, eine Art südmaroAanisches Biarritz oder San Sebastian. Begünstigt wird dieses Streben durch den wundervollen Strand und durch das Klima, das eines der gleichmäßigsten der Welt ist, so daß dank den Meerwinden selbst die Sommermonate kanm viel höhere Temperaturen als die des Winters e-.s'welsen. Bis heute allerdings kommen nur vereinzelte französische Beamte htcher. denen Zeit oder Geld;nr Rückreise in die Heimat fehlen. In absehbarer Zeit dürfte sich das nicht ändern. Dagegen wächst die Bedeutung von Mogador als Handelsstadt mit der Entwicklung d?S marokkanischen Südens ständig. Sein jüdischer Charakter wir? sich dabei kaum verlieren, um so mehr, als die Juden überall in Marokko seit der Auskunft der Franzosen dauernd an Bedeutung gewinnen, so daß diese merAvürdige Stadt wohl lange eine der bedeutendsten -von den jüdischen Siedelungen bleiben wird. In Afrika wenigstens ist eS, wenn nicht die einzige, so doch die größte,.^ Aus der „Neuen Züricher Zeitung". Sine Iemootzratro» gegen Mussolini im Rationalrat. In der gestrigen Nationalratssihnng legte die Regierung einen ganzen Konvolut neuer Gesetze vor, so z. B. eines über die Erhöhung der U m l a u f s g r c n z e n für die S t lbe r m ü n z e n. In Hinkunft sollen pro Kopf der Bevölkerung (statt wie bisher 10) 14 Schilling ansgemiinzt werden, ferner ein Zusatzabkommen znm Handels Übereinkommen mit Ungarn und die zweite Zolltarifnovelle. Dann berichtete Mg. Spalowsky über den Vorschlag der fünften Internationalen Arbeitskonferenz in Genf über allgemeine Grundsätze für die Einrichtung der Gewerk einsperr ion. Mg. Smitka erinnerte an den von dem englischen Delegierten auf der Internationalen Konferenz gestellten Antrag, die zum Internationalen Arbeitsamt entsendeten italienischen Vertreter nicht als Vertreter der Gewerkschaften anzuerkennen, da in Italien das Recht der freigewerkschaftlichen Organisationen nicht bestehe. Er erwarte von der Regierung, daß sie einen gleichen Standpunkt einnehme und sich nicht zum Mitschuldigen jener Z u st ä n d e mache, wie sie heute in Italien bestcheni Die bezügliche Vorlage wurde genehmigt. Im Einlaufe befanden sich u. a. noch ein Antrag betastend Maßnahmen gsgen die K o k a i n s e u ch e, ferner Anfragen wegen Nötigung Konfessionsloser zur Ablegung von Eiden und wegen Verfolgung der Klagenfurter Wafsenschiebungen. Nächste Sitzung Dienstag den 20. d. um 3 Uhr nachmittags. Arbeitslosenfrage und Solltarif. Der sozialdemokratische Abgeordnetenverband trat gestern zu einer Sitzung zusammen. Er beschäftigte sich zunächst mit den Beschwerden der Arbeitslosen über die von der Industriellen Bezirkskommission Men beschlossenen Maßregeln, durch die einer größeren Zahl von Arbeitslosen die Beihilfen zum Teil entzogen, zum Teil gekürzt werden. Der Verband beschloß eine Anfrage an die Regierung zu richten, in der gefordert wird, daß der Minister für soziale Verwaltung von seinem Rechte Gebrauch mache, diesen Beschlüssen der Industriellen Bezirkskommission Wien die Genehmigung zu versagen. Weiter beschloß der Verband, sein Präsidium zu 'beanftrageu, unverzüglich mit der Bundesregierung in Verhandlungen zu treten und von ihr nicht nur die Aufhebung der Beschlüsse der Industriellen Bazivkskommiffion Wien zu verlangen, sondern auch die sofortige Einleitung von Be r Handlungen über di« Novellierung des Arbeitslosenversicherungsgesetzes zu fordern. Der Verband nahm dann einen Bericht des PröMums über den Stand der Verhandlungen Wer die Arbeiterversicherung und Wer die Angestelltenversichevung entgegen, er ermächtigte das Präsidium, mit größtem Nachdruck zu fordern, daß durch schleunigste Parteienverhandlungen die Hindernisse, dr« der Verabschiedung der beiden Gesetzentwürfe im Wege stehen, beseitigt werden, daß aber jedenfalls die notwendige Erhöhung der Renten sichergestellt wird. Der Verband beschloß weiter, zu verlangen, daß die Regierungsvorlage Wer die Neuerung des Zolltarifs einer ersten Lesung unterzogen werde. CHne Novelle zur Advokatenordnuug. Das Justtzamt hat einen Gesetzentwurf, womit Bestimmungen der Advokatenordnung und des Advokaten disziplinär ge setz es geändert werden sollen, als R-'chtsanwaltsnovelle vom Jahre 1926 emgebracht. Die Initiative zu dieser Regierungsvorlage ist von der ständigen Bertreterversammlung der RechtsanwaltÄammern im Dezember vorigen Jahres ausgegangen. Der Regierungsentwurf betrifft vorwiegend innere Angelegenheiten des Standes, die zunächst nur für diesen von Bedeutung sind. Die wichtigsten Bestimmungen betreffen die Ei n führ ung ei«nes Berufungssenates bei der Wiener .Kammer zur Entscheidung über das Rechtsmittel gegen die Verweigerung der Eintragung in die Anwaltsliste, worüber nach geltendem Recht die Boll- Vevsammilung, die etwa 2600 Rechtsanwälte umfaßt, entscheiden muß, und die Verlegung der Bestimmungen über die Beschlußfähigkeit des Kcmrmerausschusses in die Geschäftsordnung, damit der Wichtigkeit des Falles entsprechend abgestuste Senate ausgestellt werden können. Sin Zwischenfall im Berliner SNarz-Prozrb. Sklarz ln Zwtthast genommen. Berlin, 16. April. Nachdem der Prozeß gegen Heinrich Sklarz nunmehr 'chon seit Wochen dauert, hat heute das Gericht beschlossen, Sklarz in Gewahrsam zu nehmen. In dem Beschluß heißt es, daß Sklarz bestrebt sei, sich durch eine unsachgemäße Lebensführung verhandlungsurrfähig zu machen. Deshalb habe das Gericht beschlossen, ihn in einer Zivithaftzelle unterzübringen, um eine sachgemäße Lebensweise beMizusühren und sie zu überwachen. Diese Inhaftnahme beveu'e aber nicht etwa eine Untersuch« ngshaft, sondern lediglich einen Gewahrsam, in dem Sklarz alle möglichen Freiheiten genießen tverde. Zum Protest gegen diese Maßtlahm« hat -er Verteidiger die Verteidigung niedergelegt. Tagesbericht. Irr erste gahresiag der Feruialemer UuIverfiM. Urkunden über die Eröffnung. Zur Feier des ersten Jahrestages der Eröffnung der hebräischen Universität am 1. April 1925 haben die Universitätsbehörden eine Sammlung von Dokumenten über diese denkwürdige Veranstaltung herausgegeben. Der Band enthält die Hauplansprachen von Dr. Weizmann, Lord Balfour, Sir Herbert Samuel, Btalik und Rabbi Kook außer den bei der Grundsteinlegung für den Bau des Einstein-InstitutS für Mathematif und Physik gehaltenen Reden. Die Glückwunschadressen von Universitäten und anderen akademischen Körperschaften sind in der Sprache, in der sie abgesandt oder verlesen wurden, wiedergegeben. Am ersten Jahrestage der Eröffnung der hebräischen Universität schickte Dr. Weizmann an den zurzeit in Cannes weilenden Lord Balfour ein Begrüßungstelegrarnm. Irr La« des hrb'llischen Buches. Eine Rede WeizmonnS. Aus Tel-Äwiw wird uns berichtet: Anläßlich des unter ungeheurer Beteiligung veranstalteten ,-Tages des hebräischen Buches", über dessen Verlauf bereits Ktrz berichtet wurde, hielt der anwesende Präsident der Zionistischen Exekutive, Dr. W e i z m a n n, eine vielbeachtete Rede. Dr. W e i z m a n n, stürmisch begrüßt, begann mit der Erklärung, daß er öffentlich das Schuldbekenntnis der Vernachlässigung der hebräisch eit Kultur und Literatur durch die Zionistische Organisation ablegen wolle. Das ist natürlich nicht mit Absicht, sondern unter dem Zwange der Verhältnisse und der Last der vielen, sich täglich cinstellenden Verpflichtungen geschehen, angesichts deren die Führer der Organisation unmöglich ihr Interesse für manche Aktionen konzentrieren können, obwohl sie deren großen Wert und Wichtigkeit anerkennen. Er möchte viel lieber seine Arbeit zugunsten der Kulturförderung aufwendeu, als in so sehr materielle« Angelegenheiten Reisen nach Amerika zu machen, aber die Zwangslage lasse das nicht zu. Trotzdem ist er der Ansicht, daß der Schriftstellerverband eine gute Tat vollbracht habe, als er die Aufmerksamkeit des Publikums auf diesen Mangel lenkte. Er hoffe, daß dieser erste Schritt auch weitere Schritte zur Folge haben und auch die Zionistische Organisation ihrerseits alles, was in ihrer Macht steht, zur Förderung dieses Werkes tun werde. Begrüßungsabend für Rüben Brainrn. Von verschiedenen zionistischen Seiten, natürlich vor allem von seiten des Zionistischen Landeskomitees, bestand die Tlbsicht, den gegenwärtig in Wien weilenden großen jüdischen Publizisten und Vorkämpferder zionistischen Idee, Rüben Br a in in, an einem festlichen Abend zu begrüßen. Da Brainrn heute der Nestor der hebräischen Schriftsteller ist, erhielt der Wiener hebräische Beth Waath - den Vorzug, den Begrüßungsabend für Brainin zu veranstalten. Die Beteiligung an diesem Festabend, welcher am 10. d. stattsand, war derart stark, daß sich der weite Saal des Hotels Continental als viel zu klein erwies. Namens der zionistischen Partei und in seiner Eigenschaft als Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde hieß zunächst Herr Dr. Josef Löwenherz dön geschätzten Gast in Wien willkommen. Namens des Vereines für jüdische Geschichte und Literatur sowie der Vereinigung jüdischer Künstler, Schriftsteller und Forscher, Haruach, sprach Herr Prof. Samuel Krauß, namens der zionistischen Fraktion Misrachi Herr Dr. Gerstl, namens der zionistischen Fraktion Hitachduth Herr Ungerfeld, namens des Gesamtverbandes der jüdischen Studentenschaft Judäa Herr Chaim Gelber und namens des Keren Kajemeth Herr Dr. Chaim Tartakower. Besonders warm sprach Frau Anitta Müller-Cohen. Die Veranstaltung, welche Herr Prof. I. Gelernter leitete, war durch ausgezeichnete Gesangsvorträge des Herrn Oberkantors MargulieS und der Frau Hilde Dulitzkaja bereichert. Es folgten noch Ansprachen des Herrn Professors Diesendruck und des Herrn Löbel Taubes, worauf Rüben Brainin das Wort ergriff und in überaus lebendiger, eindrucksvoller Weise seine in Erez Israel empfangenen Eindrücke besprach. Bis in die dritte Morgenstunde blieben noch nach Schluß des offiziellen Teiles 160 Teilnehmer des Abends mit Rüben Brainin zu-- sammen. Zusammenschluß der Londoner Wischen HUsrorganisationen. London, 14. April. (I. T. A.) Die vereinigte Konferenz der jüdischen Hilfsorganisationen, an der die Föderation ukrainischer Juden, die Föderation polnischer Juden und andere Hilfsgesellschaften insgesamt durch 200 Delegierte vertreten waren, hat beschlossen, daß sich die in der Konferenz vertretenen Organisationen zu einem Zentralverbande zusammenschließen wub eine Hilfsaktion aus breiter Basis zugunsten der schwere Not leidenden polnische« Judenheit und der Judenheit i« den anderen Ost ländern einleiten. * Bücherspenden für Kranke. Zur Ergünzmw der Biblia- , thek für die Patienten des Spitals bet Israelitischen Kultuszge- J meinde, Währingergürte! 96, werden von der Spitalsdirektw« Bücher und Zeitschriften erbeten. Derartig.- Spende« j rniMv der SttMsvepmaltnna Mermittelt «erde«.

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