Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2567 (16.4.1926)
- Date
- 1926-04-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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flr. W87_ SKt.it, ftrtixiz_ der Waad Leum: auf eine Anregung der Londoner Exekutive hin an die Spitze der Mion gestellt. Es ist anzunehmen, daß sie durch dieAnwesenheitdesPräfidente« der Zion« st «scheu Organ isat ro n besonderen Antrieb «nd besondere Bedeutung erhalten wird. Ju Amerika werden, wie die Berichte von „Nerv Palestim" erkennen lasten, von der Zentrale und von den Walen Leitungen umfangreiche Vorbereitungen getrosten. Die Aktion wird in Amerika einen besonderen Charakter dadurch annehmen, daß sie verknüpft wird mit der Jnaugurierung einer großen und für Amerika neuartigen Kulturarbeit. Auch der amerikanische Misrachi teilt mit, daß er unmittelbar nach Abschluß der Arbeiten für den United Paleftine Appeal sich den Aufgaben des Monats der Organisation zuwenden wird. In Westgal iz: en ist bei der definitiven Festlegung des Programms durch den Zentralrat des Landesverbandes >beschlosten worderr, daß alle Ortschaften, die dem Verband unterstehen, mehrere Male durch auswärtige Redner besucht und überall Volksversammlungen, Frvuenverf-ammlungen, Jugendtagungen, Festabende unv dergleichen veranstaltet werden sollen. Ueberdies wird in der zionistischen Tageszeitung „Nowy Dziennkl" eine große Jdeenpropagandakampagne eröffnet «werden. Das Programm für O st g a l: z i e n sicht vor: 1. Besuch aller Provinzorte und Bezirksstädte dirrch Lemiberger Delegierte. Veranstaltung von Propagauva- und Schekelversammbungen, Reorganisierung und Neugrü««- dung von Lokalgruppen und Einsetzung besonderer Bevollmächtigter für alle zionistischen Arbertszweige. Besuch aller zionistischen Institutionen, wie Bibliotheken. Volkshäuser und auch der Iugendgruppen durch die Delegierten. 2. Schriftliche Propaganda durch Verbreitung von Zirkularen und pvogadandistischem Jnstruktiousmaterial. Verbreitung von Mustervorträgen zur Unterstützung ungeübter Redner. Herausgabe von Sondernummern der „Chwila" und des „Tagblatt" unter Verwendung des von der Exekutive zur Verfügung gestellten Materials. 3. Herausgabe einer besonderen Propagandaschrift mit Aufsätzen über zionistische Probleme, über die Entwicklung des Zionismus in Galizien und mit Taten über die verschiedenen Lokalgruppen, Adresse«« der Bevollmächtigten, der Komiteemitglieder und der zionistischen Institutionen. Der TranssyIvanische Verband versichert, daß die Aktion mit einem seit langem ungekannten Elan durchgeführt werden wird. Das Programm umfaßt folgende Punkte: 1. Fcierliche Eröiffn««ng der Aktion am 11. April anläßlich der Plenarsitzung des großen Aktionskomitees des Jüdischen Nationalverbandes durch den Präsidenten Dr. Josef Fischer. 2. Veröffentlichung des Manifestes der Exekutive und eines Aufrufes der Leitung des Verbandes im „Uj Kelet", in „A Föld", im „Noar" und „Uj Kor". 3. Gratrsvcrbreitung einer Broschüre des Schriftstellers Jochanan Giszkalaj mit einer Darstellung der zionistischen Idee, einem kurze«: geschichtlichen Ueber'blick über die Bewegung, über Aufgaben und Richtlinien der zionistischen Politik. Die Broschüre wird in 5000 Exemplaren in ungarischer und jüdischer Sprache verbreitet. 4. Zirkulare an alle Ortsgruppen mit Instruktionen über dre Bedeutung der Aktion. 5. Gleichzeitige Einleitung der Aktion durch die Jugendorganisationen. 6. Versammlungen in allen Ortsgruppe«« urner Beteiligung von Rednern der Zentralen und der Kresgruppen. 7. .Herausgabe einer Festimmmer des „Uj Kelet" unter Verwendung des von der Exekutive gelieferten Materials. Festnummern Ebenso alle anderen Zeitungen. 8. Systematische Milgliederwerbung und Schekäsammlung. In Oesterreich werden nach einen: Beschluß des Landeskomitees in allen Bezirken größere Versammlungen abgchalten werden, in denen die Mitglieder des Lan- Mtre Jrr-ensta-dL in Düdrmrrokko. Das Auto braust durch die Klarheit des maroManiischen Dezembermorgens. Wir fahren schon stundenlang durch eine immer gleiche ockerrote Wüste gerade aus, aus der Jagd nach jenem Punkt, wo die Straße unter dem Horizont verschwindet. Doch vergeblich, stets bleibt er gleich fern. Kaum weiß man noch, ob «nan vorwärts fährt oder ob vielleicht böse Geister das Bar«d der Straße immer wieder rückioärts ziehen, so daß wir trotz saufender Fahrt am gleichen Fleck in der gleichen toten Wüste bleiben. Endlich tauchen Nebelschivaden auf, vor uns, gerade dort, wo die Straße sich zwischen blauem Himnrel und roter Erde vertiert. Sie scheinen eine He che seltsamer Fabeltiere, die aus unbekannter Ferne nähen. Man weiß nicht, fahren wir ihnen entgegen oder sind sie es, die nahen und mit jedem Augenblick größer werden. Jetzt erheben sie sich schon riesengroß vor uns wie ungcheure Berge aus Watte. Die rote Wüste, die Straße, alles scheinen sie in sich hinei««zusaugen. Immer näher kommen sie, grau und furchterregend. Dann gleitet der Wagen unter ihre trüben Schleier. Die Soun« verblaßt, als wäre sie von einer bösen Krauöheit befallen, wtl) in Sekunden schon ist sie erloschen, verschwunden, wie ausgedrcht. Mit ihr schwinden alle Farbe:« und es umgibt uns nur noch ein totes, undurchdringliches Grauweiß, das den Fahrer zum Halte«« z«vingt. Es ist kalr u««d feucht geworden; wir hüllen uns in unsere Mäntel, die wir trotz dem Deze«ub:rtage ««och nicht gebraucht hatten. Nur ganz behutsan« setze«« »vir uns wieder in Bewegung, und ganz langsam fahren wir weiter, damit der Wagen nicht den Weg verliere. Lange, lange dauert die urihemüiche, tastende Fahrt. Jeder« Augenblick gibt der Fahrer Signale, die vom feuchten Nebel verschlungen werden. Dan» zeichnet sich am Himmel ciu Kreis, matt und «au««« erkennbar, aber schon ist er größere schärjer, leuchtest endlich hoben sich die Schleier; sieghaft Wiener Kaffee trinken heißt gesund Leiber Reiner Bohnenkaffee ist nicht l«ur ein Genußmittel, sonde «« «vt kt auch nach Ansi' t der bedeutendsten Mediziner vrophytak isch. Er kräftiatdie Gesundheit und schützt vor Maren- und Verdauungsstörungen. StiHtt* Meinl Gegr. 1862. deskomitees als Redner anftrelen werden. Gedacht «vird fertter an die Einberufung einer Jugendtagung und an ein Meeting der den: Landesverband angegl«ederten Turn- und Sportverbändc. Auch das für den 17. d. angesetzte Schauturnen wird im Rahmen der Jjar-Mtion stattsindei«. Die Aktiv«« wird in der Presse soivie dirrch Aiasserv-erteilun-g eines Flugblattes propagiert werden. Stephan Ravlc an» der Regierung am« geschlossen Beilegung der Regierungskrise in Jugoslawien. Belgrad, 15. April. Die durch die Augrissskampagne des Unlerrichtsministcrs Stephan Radic gegen die radikalen Minister hervo«gerufene Regierungskrise hat "ine überrascherde Lösung gesuirde««. Das bisherige Kabinett Uzunovic hat seine Demission gegeben und König A l ex a n d e r ernannte emie neue Regierung unter Borsitz U z -u n o v i c', den« sämtliche bisherigen radikalen Minister sowie von den Ministern der Radic-Partei der Fovstrninister N«k i c und Postniinister S n p e r i n a angehören. Dagegen sind Unterrichtsminister Stephan Radic, Agrarminister Paul Radic und .Handclsmiuister K r a j a c endgültig aus der Regierung ausgeschieden. Diese Lösuitg bedeutet eine Spaltung innerhalb der kroatischen Bauerr«partei, da die im Kabinett verbliebenen Minister der Partei gegen den W i l l e n des Partei- ' führers Stephan Rad«e gehandelt haben. Das no««e Kabinett hat bereits den Eid in die Hände des Königs abgelegt. PlinzessinWindischgrätz «nd Bischof zadraveer im Verhöre. Budapest, 15. April. Der Untersuchungsrichter hat heute in'der Angelegenheit der Franlennotensälschungen die Gemahlin - des Prinzen W i n d i s ch g r ä tz, den Feldbischof Dr. Zadravecz und den Volkswohlsahrtsminister B a ß als Zeugen einvernommen. Untersuchungen in der So?ol«rffäre. Budapest, 15. April. In der Sokolaffäre wurden honte auf der Polizei die ersten Verhöre vorgenommen. Es wurden Graf Paul Teleki, der gewesene Außenminister Graf Nikolaus B a n s f y, Graf S i g r a h und der pensionierte Polizeirat Bockelberg einvernommen. Die Zeugen beantwortete«« alle ihnen vorgelegten Fragen, nur der frühere Außenminister Banffh erklärte, nicht airssagen zu können, da er von seinem Amtseid nicht entbunden worder« sei. An den Verhören nahm namens des tschechischen BarMmtes der Rechtsanwa lt der Buda pest ex tschechoslowakischen Gesandtschaft Dr. Ignaz Friedmann teil. strahlt die Sonne auf und «wn uns leuchtet wieder Hinrmel und Licht. Aber «vas ist das? Wo sind wir? Das ist nicht «nähr Marokko! Wir fahren zwischen weißen Riosendünen. Bor uns braust das Meer. Unten, auf einer niedrigen Felsenhelbinset, breitet sich eine alte europäische Stadt. Aus den Wellen ragen Baubanbastionen, Türme, altertümliche Forts und hohe.Häuser mit Fenstern. Das kann nicht Marokko sein. Das ist die Bretagne, die Normandie, Saint Malo, irgend eine alte Stadt am Meer, wie man sie unter den brauenden Nob.'ln 'des Nordens findet. Unser Wagen hält vor dem gewölbten Stadttor M o g adors, das zu e««g ist, um uns Einlaß zu gewähren. Auch hier ist alles europäisch, die Häuser, die gepflasterten Gaffen und die kleine Herberge, die keinen marokkanischen Hof hat, sort-dern ein Treppenhaus und Gänge und Zimmer mit Fenstern, die auf die Straße hinausschauen. S««ltan Sidi Mohamed Jbn Abdallah ließ hn Jahre 1759 durch einen gefangenen französischen Architekten diese seltsame Stadt bauen. Nach dessen Plärren erhoben sich die Mauern und Häuser, die Bastionen und Wälle, die Moscheen, die aussehen wie Ghristenkirchen. Eng und zusammengedrängt auf ihren« Felsen erhebt sich diese Stadt. Sie hat nichts von der Weite ihrer marokkanischen Schwestern, deren Mauergürtel große, grüne .Haine und Gärten «wfaffen. Auch umgibt sie nicht oasengleich der Kranz von Palknen und Orangenwäldern. Bor. ihr und um sie ist 'bloß das endlose Meer und hinter ihr die ungastliche, tote Wanderdüne. Nur vorn Handel kann diese Siedlung leben, als der große Hafen des marokkanischen Südens. Schon nach ihrer Gründung begünstigten die Sulta««e hier die Ansiedlung der Juden. Stets war ihre Lage viel günstiger als in irgend einer anderen Stadt des Moghreb. Nur der Sultan Mouley Nazid machte Bekehrungsversuche, rvobei er Folterund Gefangennahme als wirk'aine UeberMgungsmittel nicht verschmähte. So»«st hatte«« die Juden noch zwein«al 18. Apr,1 1928 . jfrantKto)« Kampf «« sei« »Um««. Strafrechtliche Verfolgung des Devtsenverkaufts und da Verbreitung falscher Nachrichten. Paris, 15. April. Wie das ,Journal" «««eldet, hat -er Justrzminister die Staatsamvali'chaften aufgefordert, gegen die Wechselu n d D a n k i n st i tu te. die ausländische Devisen verkaufen, ohne daß ein Bedürfnis nachgewiesen wird, v o r z u g e h e n. Weiters gegen die B e rbreitung falscher Nachrichten, durch die die Wertpapierkurse beeinflußt werden, und ebenso gegen jene Personen, die I n h a b e r von Staatspapicren aufsorder'n, diese zu verkaufen 'owie gegen die Zeitungen, die Artikel veröffentlichen, durch die -er S t a a t s k r e d r t geschädigt werden kann. Sie Politik de, illdische« TksmNubr. Aeutzerungen des Senators Dr. Ringel. Warschau, 15. April. Senator Dr. Ringel machte in einem Gespräch mit Ihren« Korrespondenten folger«de Bemerkungen: ,Jn Bezug aus die Richllinier« der jüdischen Politik in Polen, welche durch den jüdischen Klub geführt «vird, möchte ich bemerken, daß die Aeirderung in der Leituirg des jüdischen Kolo der Ausdruck einer ziemlich tiefgehe««den Eilttäuschung ist, «velche nach den anfangs ziemlich hoch gespannten Hoffnungen insbesondere in der Gruppe, welche die sogenannten „Ugoda" mit der Regieruilg abgelschlossen hat, jetzt eingetreten ist, nachdem sich herarrsstellt, daß die politischen Resultate des angeblich geän-derten Regierungskurscs minimal sind. Es ist wohl zu unterscheiden Mischen dem Verhältnis des jüdischen Klubs zu«n polnischen Staate, welches nach wie vor ein voWommen >o«)aleä ist und zwischen dem Verhältnis zur Regierung, beKv. zu den Mchvheitsparteien, ivelche trotz des mit so großem Elan proklamierten Ausgleiches ihre den jüdischen Massen feindliche Politik im wesentlichen unverändert fortfühven. Als Illustration «rröchte ich zum Beispiel nur den Entwurf der Aenderung der WahlorvMirg zum Sejm und Senat zitieren, tvelcher von der Partei der Nationaldemokraten, an deren Spltze Glabiirsk« und Grabski stelhen, vorgelegt wurde und welcher ganz offen und u««vevblümr sich zum Ziel setzt, die Vertretung der Juden aus ein direkt lächerliches Minimum herabzudrücken und ans diese Weist zu einer Quantite negligeable zu «nachen. Die jüdische Bevölkerung leidet jetzt vielleicht am stärksten unter der wirtschaftlichen Depression und wir können leider nicht konstatieren, daß 'chre nur allzu berechtigten Wünsche im entbrechendem Maße berücksichtigt werde««." FulanÄ. Persmivlvertretnnzen der Bundesangestellten. Dem JünfumbKvanzigerausfchuß ging gestern ein Entwurf der Regierung über die Schaffung von Perso»alvertretungeu für die Bundesangestellten zu. Darnach sollen solche Vertretungen 1. bei den einzelnen Aemtern, 2. als Zentralausschüffe für die Hoheitsvevwaltung, für Post und Telegraph und für die Heeresangchörigen und schließlich ein Hauptausschuß, der aus 24 Mitgliedern besteht und den Fürchlndzwanzigerausschuß ersetzen wird, von den Beamten gewählt werden. Die Kosten der Personalvertretung müffen die Bundesangestellteu selbst tragen. Vevfolgu-ngen §u leiden, einmal «m Jahre 1846, als eine französische Flotte die Stadt bornbardierte, und dann wieder 1860, als die Kanonen der spanischen Schiffe sie zum Ziel wählten. Beide Male drang das Volk raubend u nd mordend in die Mellas, um sich an den Juden zu rächen, di« hier wie überall das Unglück hatten, als Freunde und Bundesgenoffen des Feindes verdächtigt zu werden. Sonst gÄang es den Juden hier stets in Ruhe zu leben und zu Reichtum und Geltung zu gelange««. Bon hier aus gingen Karawanen nicht nur bis weit in den AÄas und nach dem Sous, sondern sogar tief nach Zentralafrilka bis Trm- >buktu. Heust sind von den 20.000 Einwohnern von Motzadot etwa 12.000 Juden. Sie haben den gangen Handel, die Dampferagenturen und das Geld in ihren Händen. Der Sabbat «st hier der große Festtag, an dem jedes Leben ruht. Dann sieht n«an überall «n den Straßen feierlich gekleidet« Männer, in schwarze Burnusse gchüllt, vorübevwandeln. Es gibt auffallend viele schö««« Menschen unter ihnen. Abends, wenn sie bei Sonnenuntergang in Gruppen am Meere «va«rdeln, gemeffen und feierlich, würde niemand die Menschen wieder erkennen, deren Feilfchen am Werktag die Mellas durchhallt. Man meint vielmehr Apostel zu sehen, wie sie an den Ufern von> Genefarech den Worten ihres Meisters lauschten und ahnt et««xls von den beiden Seelen, die viel betonter noch als bei irgend e'mem arrderen in der Brust dieser Mem scheu wohnen. Wie wenig sich die Juden als zu ihrem WirtsvE ge* hörig betrachten, zeigt sich darin, daß die jüngeren von ihnen, obgleich die Besetzung Frankreichs kaum ein Dutzend Jahre dauert, schon olle französisch sprechen nnd größtenteils auch französische Kleider tragen, währe««d ich bei allen meiner« Reisen «n Afrika nie einen Marokkaner traf, der europäisch gewandet war. Wie fast alle Städte Marokkos besteht auch Mogädor aus drei Teilen, aus der Kasba, «vo die Vertreter des Sultans wohnen mrd hie Garnison liegt, der Astdina oder Mrgjk-.