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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-16 · Heft 2567 (16.4.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2567 (16.4.1926)
Date
1926-04-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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EKA 8 Men, Fkeffvg An Auf aus Damaskus. — y. Ä< i e n, 16. April. „Lehen rrnd nvchahmen!" ruft ein Damaszener arabisches Blatt seinen Landsleuten zu, denen es bildliche Darstellungen von der jüdischen Arbeit in Palästina vorlegt. Das Blatt beklagt die Trägheit und Nachlässigkeit der arabischen Bevölkerung in Palästina, und stellt ihr die Aktivität und das schaffende Interesse der Juden vor Augen. Die politische Absicht dieser Parallele ist sicherlich keine den jüdischen Zielen freundliche und der agitatorische Sinn der Ausführungen des „Nlhisam" ist unverkennbar. Gerade deshalb aber ist der Vergleich, den das Blatt nnternimntt, ein sehr wertvoller Beitrag zur vollen Erkenntnis von der Bedeutung der jüdischen nationalen Kolonisation. Denn in diesem Artikel wird zugleich ein Urteil über Palästina, wie es vorher war, und wie es sich heute dem Auge darstellt, ausgesprochen. Bis zu dem Zeitpunkt, in welchem die jüdische Tätigeit einsetzte, war Palästina in entern Zustand arger Vernachlässigung. Es hatte keine arabische Partei unternommen, das mittelalterlich-feudale Verhältnis zwischen Großgrundbesitz und Pachtsklaven den modernen Bedingungen entsprechend abzubauen und den Fellachen in sorglich berechnetem Tempo in die Freiheit zu führen. Keine arabische Partei gab es, die sür die Kinder der Bauern Elementar- und Landwirtschaftsschulen begründet hätte, keine, die an Malaria, an Drainage des Bodens, an eine Kreditorganisation, ■ an Straßen und Bahnen, an eine geregelte Verwaltung gedacht hätte. Erst der Zionismus hat die Vorbedingungen geschaffen. Er hat das jüdische Voll in die Weltpolitik eingesührt, zugleich aber auch Palästina der Gegenwart näher gebracht. Es ist ein Verkehrsland geworden, dessen Bedeutung für die Verbindung Europas mit dem Orient von Tag zu Tag wächst. Eine positive, auf die Hebung des kulturellen und sozialen Niveaus der arabischen Massen bedachte Politik hat es zur Zeit der türkischen Herrschaft nicht gegeben, nicht einmal in rudimentären Ansätzen. Sicherlich aber wäre sie als Wirkung der zionistischen Bestrebungen entstanden und sie wäre aus dem arabischen Volk in Palästina selbst hervorgegangen. Dies wäre für beide Teile von Vorteil gewesen und es hätte sich ein friedlicher Wettkampf herausgebildet, der nicht zuletzt für die Araber großen Nutzen bedeutet und sie mit den in der jüdischen Arbeit herrschenden Elementen wahrhaft sozialen Denkens vertraut gemacht hätte. Nirgends konnte das Arabertum einen Lehrer von so hohem Idealismus sehen. Französische und englische Kolonisatoren haben in arabischen Ländern stets nur als Exponenten einer bewaffneten Annexionspolitik gewirkt,- die ohne innerliches Verhältnis, zu der BevAkrung nur der wirtschaftlichen Exploitierung sich widmete. Das jüdische Volk, das jeden Stein in diesem Land als heilige Stätte sieht, will sich seine Heimat neu gründen und es gcht än die Ausführung mit dem Vorsatz, nur bestes und dauerndes zu schaffen. Die arabischen Parteien, die sich sämtliche erst nach dem Krieg und der Abtretung des Landes an den Völkerbund gebildet haben, finb keine Parteien des Volles, und ihre Politik gegen das Mandat läuft den Interessen ihrer Nation schnurstracks zuwider. An der. Ausschließung des Landes partizipieren doch auch die Araber; und was ihre kulturelle Hebung anbetrifft, so ist der merkwürdige Kall eingetreten, daß die englische Verwaltungsbehörde aus den öffentlichen Mitteln, in denen das jüdische Kontingent das stärkste , ist, und zu denen England gar nichts beiträgt, erst die Grundlagen zu einem arabischen Schulwesen legt. Weshalb die arabischen Politiker dies bisher nicht selbst getan haben, darüber sagen sie nichts aus und darüber schweigt auch ihre sonst so redselige Presse. Die Lösung des Rätsels ist aber einfach. Sie widerstreben jedem Versuch, das geistige Niveau ihrer Klein- und Zwergbauern, ihrer Lohnarbeiter zu heben, politisches und soziales Denken anzuregen, einfach in der Sorge um chre Prim'legien und um ihre Machtposition. Der Zionismus und die jüdische Arbeit wirken vorbildlich und der Stoßseufzer des arabischen Blattes in Damaskus ist ein Hilferuf gegen die eigenen Führer, die es verhindern, daß die breiten Maffen ihres Volles „sehen und Nachahmer»". _ Verstärkt wird diese Obstruktion durch die politischen Einflüsse aus Europa, die die Festtvurzelung des jüdischen Siedlers in Palästina hintertreiben wollen. Diese Unterürömungen, die in der letzten Zeit deutlicher sichtbar wurden, tragen den arabischen Grundherren das demokratische Auskunstsmittel zu, ihr Voll vor der Enteignung durch die Juden zu bewahren. Asiatisches unb europäisches Mittelalter fließen zusammen. Was der Zionismus zu tun hat, ist klar. Er muß den Damm, den er gezogen hat, schützen und sichern. Der Zionismus muß vor der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeil auf diese Zusammenhänge hinnnisen und es aller Welt verständlich machen, daß hier an einer permanenten Bedrohung des Friedens gearbeitet wird. Was gegen das Judentum geschieht, wendet sich g-rgen den Völkerbund, gegen ein von den großen europäischen Nationen unterschriebenes Dokument, das die Solidarität der Kultur bekennt. Das Wevk, an dem bas Judentum in Palästina baut, kommt auch den unterdrückten ambischen Parias zugute, deren primitives Freiheitsgesühl von ihren Zwingherren und deren Bundesgenossen irregeleitet und verfälscht wird. Je stärker die Zionistische Organisation wird, je scharfer sie ihren Standpunkt betont und je rücksichtsloser sie vor der,Welt die Giftmischereien aucheckt, um.so besser ist dies sür die Hache der und des FriedM^* _Wiener Morgenzettung 16 2567 Die Stärkung der zionistischen Lrganisation. Sin Sdrfrug Oe« SberrabOinerr Prof. Sr. Sljales. Einleitung der Jjar-Aktion in Wien. Der Monat der Zionistischen Organisation (Jjar- Aktion) 15. April bis 15. Mai wurde Dienstclg at-eudS durch einen Vortrag des OberrabbinerS Prof. Dr. Chajes in den Rosensälen auf EkNaduttg der Zionistischen Bezirkssektion ist bis 11 in würdiger und wirkungsvoller Weise eingeleitct. Der bis auf das letzte Plätzchen gefüllte große Saal folgte den inhaltsreichen und die letzten Dinge des Zionismus beleuchtenden Ausführirngen, die wir hier int wesentlichen wiedergeben, mit der größten Aufmerksamkeit. Stürmischer Beifall dankte zum Schluß Oberraübiner Chajes. Dieser Vortrag — sagte der Oberrabbiner — leitet die Jjar-Aktion in Oesterreich ein. Die Zionistische Organisation hat nach dreißig Jahren das Bedürfnis, einen Monat der Besinnung zu widmen, einen Rückblick zu geben, um zu sehen, was geschehen ist, wie weit wir gekommen sind und was noch zu tuu ist. Dieser Rückblick, der, ein Mittel zum Zweck ist, der in allen Teilen der Welt von'Sibirien bis Südafrika gehalten werden wird, soll den Fortschritt des jüdischen Gedankens in diesen deitzig Jahren zeigen, den Fortschritt in moralischer, politischer und sozialer Beziehung, und daß Vieser Fortschritt nur im Zusammenschluß des Zionismus möglich geworden ist. Redner hat sich das Thema gestellt, nicht den politischen und sozialen Fortschritt, sondern den der jüdischen Kulttkr zu betrachten. Welcher Art ist dieser Fortschritt, den die jüdische Kultur seit dreißig Jahren vom Zionismus erfahren hat? Die Geschichte des jüdischen Volkes und der Menschheit wird nach dem Abschluß des Werkes fragen: Was hat der Zionismus für die Kulturder Menschheit bedeutet? Die Frage wird die nach dem geistigen und moralischen Erfolg sein, denn die Zukunft wird nur solche Fragen kennen. Wir, die ein Stück Zukunft schaffen, müssen uns die Frage schon mitten in der Arbeit stellen. Dreißig Jahre reichen wohl nicht hin, um eine Neue Kultur fertig zu zeigen. Aber sie zeigen die Ansätze einer neuen Kultur, die ausgebaut werden können, wenn uns die Möglichkeit dazu nicht genommen wird. Unsere Kultur , ist in einem gewissen Sznne. entscheidend für die Kultur der Menschheit. Wenn wir Uns fragen, ob der Zionismus schon Menschen von ent- Swoboda-tchuhe fertig und nach Ma$ L, Singerstra^e 5 / I., Bauernmarkt 1 scheidender Bedeutung für die Menschheitskultur geschaffen hat, so werden wir mit Nein antworten müssen, denn dreißig Jahre reichen zur Hcrvorbringung von Genies nicht hin. Wir könnten auf Theodor Herzl Hinweisen, aber Herzl ist kein Produkt des Zionismus, sondern ist zu ihm als fertiger Mensch gestoßen. Einstein ist Zionist. Sregmund Freud steht dem Zionismus nahe, aber nicht det Zionismus hat den ersteren zum Physiker, den letzteren zum Psychoanalytiker gemacht. Auch Bialik, der im Judentum und Zionismus wurzelt, der ein hebräischer Dichter ist und einer der größten Dichter der Gegenwart überhaupt, läßt sich ohne die dreißig Jahre Zionismus denken. - Dreißig Jahre würden ausreichen, wenn die Kultur schon fertig wäre. Unsere Kultur aber ist erst im Werden begriffen. Die dreißig Jahre aber machen klar, daß wir Neue Wege der Kultur zeigen können^ Worin besteht dieses Neue? Der Zionismus gibt die Chance, den jüdischen Geist in seiner spezifisch-jüdischen Form wieder schöpferisch zu machen, und für die Menschheitskultnr wieder die Bedeutung zu erlangen, die er gehabt hat und die das Kulturantlitz der Welt entscheidend mitgeformt hatte. Vor dem Zionismus hat es im Judentum ztvei Methoden der Erziehung gegeben. In den Massensiedlungen des Ostens bestand die Tendenz, jedes Kind zum Gelehrten zu machen. Was bei einem anderen Volke nur eine kleine Gruppe leistete, sollte das jüdische Volk in seiner Gesamtheit leisten. Dadurch hat man die Wissenschaft eigentlich entwürdigt und unfruchtbar gemacht. Man hat von dem Unbegabten und dem Höchstbegabten dasselbe verlangt. Das Wissen wutde zu einem Gebot herabgewürdigt, das doch nur ein Bedürfnis, eine Freude sein kann. Nur ein Minimum kann erzwungen werden. Das Bestreben kann' nur dahin gehen, die Resultate der Wissenschaft dem ganzen Volke zu vermitteln, nicht das ganze Volk zur Wissenschaft heranzuziehen,, was die Quellen der Kultur verschütten muß. Im Westen war bis bor einem Jahrhundert die Erziehung analog der des Ostens, Hann bildete sie eine neue noch verderblichere Methode heran. Man richtete eine Mauer zwischen jüdischem und allgemeinem Wissen auf. Das erste nannte man, um uns zu trösten, das heilige, das zweite das profane. Das war eine Falschmeldung. Es gibt kein Wissen, das heilig ist, kein anderes, das profan ist. Es ist eine künstliche, krankhafte Scheidung zwischen Juden und Mensch getroffen worden, ein Judentum konstruiert worden, das sozusagen im Gegensatz zum Menschentum tzeht. Das jiUW WM ig fern fees WtiX chMesst, fei ein Winkelchen geschoben worden, das man mit der Dekoration der Heiligleit umgeben hat, der man im besten Fall ein Hundertstel an Zeit gewidmet hat. Man hat uns gelehrt, daß wir ein auserwähltes Volk sind mit auser°> wählten Gedanken, worauf wir stolz zu sein haben, und hat diese Auserwähltheit in ein Wiukelchen gesperrt. Eine solche Scheidung ist bei keinem Volk der Erde vorgekvmmen. Kein Deutscher wird - beispielsweise sagen, daß Mathematik im Gegensatz zu Deutschtum stehe. Mit diesem unglaublichelr Irrtum, der bis vor dreißig Jahren bestand, haben wir gründlich aufgeräumt. Für den Zionismus gibt es nur den einheitlichen jüdischen Menschen, dem nichts fremd ist. Das Kind in Palästina denkt hebräisch, spricht hebräisch, rleichgitttig was. Es ist nicht zufällig, daß die! .iltcn I u de n hebräisch gesprochen haben, daß die Bibel hebräisch ist, daß die Propheten ihren Visionen hebräisch Ausdruck gegeben haben. Nicht deshalb, iveil ihnen diese Sprache aus ästhetischen Gründen gefallen hat, sondern einfach als Naturnotwendigkeit. Die Sprachcuverschiedenheit ist ein Produkt des physiologischen Unterschiedes und der logischen Denkungsweise. Die Menschen einer Sprache und eines Landes haben gemeinsame physiologische Eigenschaften, beeinflußt von der Mentalität der Sprache. Die Sprache hat ihre Mentalität, ihre eigenen Gesetze, N i ch t die Grammatiker b est i m m c u d i e Gesetze, sondern die S p r a ch e diktiert sie den Grammatikern. Es ist .! die Bedeutung Palästinas, das Wertmaß für, die spezifisch jüdische Begabung zu schaffen, ein Wertnmß, das in der Diaspora vollkommen versoren gegangen ist. Kein Volk der Welt hat den Gedanken des Messianismus, die Gedankenwelt der Propheten, den Gedanken der Sabbatruhe. Das sind Produkte der palästinensischen Natur und der hebräischen Sprache. Das sind Eigentümlichkeiten des Landes und seines Volkes. Ein anderes Volk, ein anderes Land, eine andere Sprache hat andere Produkte. In der letzten Konsequenz wird nur Palästina die Möglichkeit bieten, die spezifisch-jüdische Begabung voll auszuschöpfen und die Wertmasse für sie wieder hcrzustellen. Es wird wieder ein jüdisches Verhältnis zur Kultur entstehen, die verlorengegangene jüdische Geistigkeit, die infolge, des konstanten Einflusses der nichtjüdischen Umgehung während .zweitausend Jahren verloren gehen mußte, was die Verschiedenheit der Ghettr beweist. Der Prozeß des Sich-Wiederflndeys, der Rückkehr zum Status des alten palästinensischen Judentums wird die Einheitlichkeit des Judentums wieder Herstellen. Es wird das Fremde wie jedes normale Polk in seinem Geiste verarbeiten und mit seinem Geist, der Menschheit dienen. Wir sind. Zionisten, alle Mühe unseres Lebens dem Zionismus und dem jüdischen Kulturproblem widmend, weil wir das Bewußtsein Haben, der Menschheit zu dienen, die Menschheitskultnr, die eine erzwungene Vermischung nicht wünscht, zu bereichern. Ein Bewußtsein, .ohne das man ein armseliger Mensch ist. Wer auch nur im entferntesten ahnt, daß der Zionismus der Menschheit dient, möge sich einer Organisation anschließen, mithelfen an einem Werk für die Menschheit. Iie Anlage der Mio«. Die MoNat - Ijar - Akt: oN hat begonnen. Schort jetzt läßt sich mit einer gewissen Sicherheit Voraussagen, daß sie zum ersten Male wieder nach langen Jahren alle TeLe 'der Bewegung in einer einhe'tlichen und gleichzeitigen An? strengung, in einem großen und mit Begeisterung yestlhrterr Kampf für die zionistische Idee und für die Erweitevung der Organisation zusammenfasseu wird. Bon einer Reche von Landes- und Sonde rvevbändett sind Spezialaufrufe veröffentlicht worden, in denen die zionistischen Massen zur äußeren und inneren Anteilnahme an der Aktion aufgesovdert werden. Proklamationen dieser Art liegen vor unter anderem seitens der E n g I i s h Z i o n ist F ed e ra t i on, seitens der Exekutiven des M i 8rachi und der H/i tachdu th. In >bett Ausrufen dieser beiden Sonderverbände wird neben der allgemeinen Bedeutung der Aktion für die Gesamtbewegung das besondere Ziel der Gruppen in eindringlichen programmatischen Formulierungen herausgeorbeitet. Die Zentrale der H^tachdnth legt in einem gleichzeitigen Rundschreiben an ihre Landesverbände dar. daß nach ihrer Auffassung für eine allgemeine Propaganda, die schlechthin der Monistischen Organisation dient, kein Raum mehr sei. Die zionistische Bewegung sei heute unlöslich verknüpft mit den» Jühalt und den Methoden der Arbeit für seine Verwirklichung. Arbeit im Ovgauisationsmonat bedeute also Arbeit für di« Hitachduith. Aus der anderen Seite wird in dem Zirkular hervovgehoben, -daß diejenigen Gruppen, die sich mit besonderer Energie für die Einführung des EinheitSschrckels eingesetzt hatten, zu dem Nachweis verpflichtet seien, daß diese Reform die ÖMnisation und chre Fmanzsraft nicht etwa-durch eine Beeinträchtigung des Schekelergchnisies geschwächt habe. Mchrichten, die täglich bei der Exekutive ekrimrfert», zeigen deutlich, daß in allen Teiler» der Welt der ernste Versuch gentächt wird, die Mion in einen» großen Stil und irtz j Mchigu z«W dmÄchtzrW. §11» 6Sj

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