Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2566 (15.4.1926)
- Date
- 1926-04-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2566 ©feit, DottneEig WTfWf MoestenjeMM«__ w. ttm tx*__ Irr Prozeß Weisz Fuchs. Ja» SaftigUoni-Protololl. Der Beginn der gestrigen Gerichtssitzung verzögerte sich tun mehr als eine Gründe. Die Verhandlung wurde erst gegen hakb 1 Uhr au-fgenmnmen. Bis dahin war der Gerichtshof mit der Niederschrift der umfang reichen Beschlußfassung über die Beweis« n träge der Verteidigung beschäftigt. Als der Schöffenfenat mit Hofrat Dr. Dörr ge>gen halb 1 Uhr dm Saal betrat, waren der Zuhörerraum, das Barreau und die Journalisten!oge dicht gefüllt. Vorerst verlas der Vositzende eine Zuschrift des Rechtsanwaltes Dr. Josef Kläger, in der Kläger in Vertretung Castiglionis erklärte, daß der vom Verteidiger Dr. Steiner verlesene Brief zweifelhaften Ursprungs sei. Er müßte wohl aufseine Echtheit genau überprüft werden. Dr. Kläiger ersuchte deshalb den Gerichtshof, den Verteidiger Doktor Steiner aufuzf andern, den angeblich von Castiglioni geschriebenen Brief zur Prüfung der Echtheit vorzulegen. Dieser Brief war in der vorgestrigen Verhandlung vom: Verteidiger Dr. Steiner zitiert worden. Es heißt dort: »»Ich hatte den Brief nicht geschrieben, wenn ich nicht die Ueberzeugung gewonnen hätte, daß ihn nie jemand zu Geisicht bekommen wird. Ich will betonen, daß alles, was geschchen ist, nie gegen Sie persönlich gemünzt war. Schon mein Bruder, Dr. Ecrstiglioni, der für mich der < beste Psychiater der Welt ist, hat mir gesagt, ich st ü n d e jenseits der Grenze von Gut und Böse. Wie ich manchmal sehr großzügige Handlungen voll.sühre, so fühlte ich bis vor kurzem keine Bedenken, manche Wege zu betreten, die aber im selben Moment von mir schcwfistens verurteilt wurden. Glauben Sie nicht, daß ich ein milder Richter gewesen bin. Ich habe mich oft gefragt, ob es sich bei mir nicht um einen Fall von Moral insantty handelt!" Aus die Zuschrift Dr. Klägers antwortet Verteidiger Dr. Steiner, daß er dem Dr. Kläger Gelegenheit geben werde, diese Eingabe an das Gericht vor der Advokatenkammer zu verantworten. Er wolle die photographische Kopie des fraglichen Briefes noch heute >dem Gericht vorlegen. Hierauf verliest >der Vorsitzende das mit Eamillo Castiglioni aufgenominene Protokoll km Untersuchungsverfahven gegen Weiß-Fuchs. Castiglioni sagte damals: Ich habe mit diesen Angelegenheiten persönlich nichts zn tun gehabt. Ich kenne weder den Fuchs, noch die beiden Colbert, noch habe ich mit Alexander Weiß in dieser Angelegenheit etwas zu tun gehabt. Ich glaube, den Weiß vor ungefähr 18 Jahren in Wiener- Neustadt kennen gelernt zu haben, wo er eine Lokalkorvefponldenz herausgab. Wiese Annahme ist unrichtig, da es sich um eine PersomMevwechslung handelt. — Red.) Damals war ich in Wiener-Neustadt bei Flugversuchen beschäftigt. Seither habe ich chn nicht gesehen. Es ist also völlig unwahr, daß ich wiederholt seine persönliche Bekanntschaft machen wollte, und daß er es abgelchnt habe, mit mir bekannt zu werden. Hinsichtlich des Falles vom Jahre 1660 kann ich nur sagen, daß ich mich daran erinnere, daß einer meiner Bekannten mir gesagt hat, Artur Drucker gebe den dringenden Rat, Angriffe des „Abend" gegen mich und die Depositenbank durch eine Geld« zuwendung an den jungen Colbert hintanzuhalten. Drucker habe eine wertvolle Bekanntschaft mit einem gewissen Leßner, der es übernehmen würde, durch die Zuwendung an den jungen Colbert diese Angriffe einzustellen. Die Geschichte gefiel mir zwar nicht, aber weil sich Drucker in dieser Sache sehr bemühte, habe ich ihm Mitteilen lassen, daß ich damit einverstanden sei, er solle die Sache in diesem Sinne erledigen. Es find daun tatsächlich van einem Bankhaus dem Leßner zu diesem Zweck zwei Millionen Kronen zugefloflen. Ob der junge Colbert dieses Geld bekommen hat, weiß ich nicht. Tatsache ist, daß die Angriffe im „Abend" dann anshörten. Was den zweiten Fall von 1802 betrifft, so kann ich sage«, daß ich das Gedächtnisprotokoll, das Direktor Schweiger verfaßte, damals vielleicht flüchtig durch ge lesen habe. Es handelte sich damals um die Einffchvung von Antiquitäten aus Italien. Diese Antiquitäten wurden, weil die Einfuhrbewilligung nicht erteilt wurde, an ein Museum geschickt. Durch die Indiskretion eines Arbeiters.kan: die Sache in die Oeffentlichkeit : to der „Abend" war offenbar der Meinung, «daß gegen mich e i n Zollstrafverfahren eingeleitet wird. Dies war aber nicht der Fall, weil es sich um einen Bannbvuch. handelte. * Castiglioni sagt dann weiter: Direktor Schweiger hat sich dann mit Fuchs ins Einvernehmen gesetzt, weil dieser Bezichungen zu Chefredakteur Weisz hatte. So viel mir berichtet wurde, und zwar von Schweiger, hat Fuchs den: Fried gegenüber gesagt, daß im „Abend" Artikel gegen mich vorbereitet sind, und zwar drei wogen der Antiquitätensache, drei wegen der Depositenbank und zwei wegen meines Privatlebens. Ich habe die Regelung dief?r Angelegenheit Direktor Schweiger überlassen. Ich habe den besttmnrten Eindruck gehabt, daß dir Leute vom „Abend", beziehungsweise Weisz, seinerzeit auch Geldforderungen gestellt haben und daß der „Abend" die ange- Ondigien Artikel bestimmt gebracht hätte, wenn die Fockerrrnge« nicht erfüllt worden wären. Mir selbst mußre es mit Rücksicht auf die ganze Situation und auf das Ansehen des Hauses Castiglioni unangenehm fein, daß derartige Artikel im „Abend" evscheinen. Diese Artikel hätten überdies meine uneigennützige Absicht, Kunftischätze nach Oesterreich eiuzufühveu, iu einem veMHvfliHen Lichte dargestellt. Unter diesen Umstanden Mk ich mich geAvungen, meinen Beamten den Auftrag zu geben, diese Angelegenheit zu ordnen. Die Regelung erfolgte im Sinne der mir vorgelegten Gcdächlnisnotiz, diich, smvsit sie meine Person betrifft, ä l S Zeuge vollinhaltlich bestätigen kann. Tatsache ist auch, daß bezüglich der Ratenzahlungen, soviel ich mich erinnern kann, nur die letzte, in v aloris iertem, zehnfachem Betrage begehrt wurde, eine Zumutung, die ich abgelehnt habe. Seit damals sind wir dann wieder regelmäßig angegriffen worden. - Was den dritten Fall aNbetrifft, ist mir nur erinnerlich, daß mir Dr. Leo Lederer einmal sagte, es hätte keinen Zweck,' eine Einflußnahme auf den „Abend" zu vevsuchen, welk diese Leute von Basel zwei Milliarde« bekommen haben sollen und nun auf hohem Roß sitzen. Die Finanzen des „Abend" seien dadurch geordnet und ein kleiner Betrag käme nicht mehr in Frage. Der verstorbene Rechtsanwalt Dr. Gustav Harpner hat mir zu diesem Schritt geraten. Ersatzansprüche stelle ich keine. Der Vorsitzende gibt sodann den Gerichtsbeschluß über die von der Verteidigung gestellten Beweisanträge bekannt. Sämtliche Beweisanträge bis auf zwei wurden von: Gerichtshof abgelehnt. Zugelassen wurde lediglich die Verlosung des Briefes vom 9. November 1928 über den Fortbestand des Inseratende rt rag es zwischen dem „Abend" und der Firma Schale!, zum Nachweis des Umstandes, daß im Jahre 1926 eine rechts-- verbindliche Erklärung über diesen Vertrag bereits vorlag, dann die Verlesung aller Artikel in den Jahrgängen 1921 und 1922 des „Abend", Ivolche vom Angeklagten Weisg Ls» 40 Jahren bewihrt, Seit 40 Jahren beliebt ist' HAG©IsWürae. Sie hilft in der Küche sparen. WIEN, II. 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Robert STRICKERi \Y/as wollen wirradikulen ZionistenQ W sovon der jüdischen Jugend # gezeichnet finfe und deren Verlesung der Gerichtshof für relevant halten wird. Ter Vorsitzende betonte hiebei, es« Ueberweisuug an die Geschwornen käme nicht in Frage. weil das inkriminierte Verbrechen nicht durch eine Druckschrift begangen wurde. Die Derl-esung der abgelchinen Beweis rinträge und die Begründung der Ablehnung durch den Vorsitzenden dauerte über eine Stunde. Alle Anträge, bis ans die zwei genannten, wurden aus dem Grunde abgelehttt, weil sie für das Prozeßthema u nerheblich sind. Insbesondere sieht das Gericht sich «ich: veranlaßt, den Chef der Staatsanwaltschaft Hofrat Imme ndörfer, VizekaiHler Waber und Camillo Castiglioni als Zeugen zuzulassen. Auch die Vernehmung des Präsidenten der Depositenbank, Artur Drucker, erscheint unerheblich. Von dem Faktum Länderbank werden die Angeklagten wegen Rücktrittes der Staatsanwaltschaft von der Anklage f r e i gesprochen. Staatsanwalt Hofrat Dr. S ch w a r tz evklätte, daß er sich Wegen Zulassung der Verlesung der Artikel aus dem „Albend" die Nichtigkeitsbeschwerde Vorbehalte. Hierauf meldet sich der Angeklagte Weisz zum Wort. Er sagt: Bei Ablehnung eines Antrages scheint bei dem Gerichtshof ein Mißverständnis vovzuliegen. — Dr. Steiner: Es ftitib mehrere Mißverständnisse vorigekommen. Dr. Steiner bittet sodann, für die Beratung der Verteidiger eine kurze Pause einschalten zu wollen. Nach der Pause erscheint der Angeklagte Weisg ohne Verteidiger, während die beiden Verteidiger des Angeklagten Fuchs auf der Verteidigerbank Platz nehmen. — Angekl. Weisz: Ich bitte, die Verhandlung bis morgen früh zu vertagen, da ich die betreffenden Jahrgänge des „Abend", aus denen die Artikel verlesen werden sollen, beschaffen muß. Ueberdies habe ich den ganzen Tag über noch nichts gegessen, und bin daher außerstande, dem Weitergang der VerihaMnng zu folgen. — Vors.: Wo ist Ihr Anwalt? — Weisz: Der Verteidiger weigert sich, in de« Saal zu kommen. — Bors.: Mit Ihrer Zustimmung? — W-eisg: Nein. — Der Vorsitzende schließt die Verhandlung mn halb 3 Uhr nachmittags. Sie wird heute um 9 Uhr früh fortgesetzt. Bor Schluß der Verhandlung verlieft der Vorsitzende eine« Brief des Herrn Ernst Colbert, in dem dieser erklärt, daß er absolut kein Gelb genommen habe und alle, die Aehnliches behaupte«, vor Gericht bringen werde. Protestkundgebung der Stautsnnwulte. Der Verein der Staatsanwälte Oesterreichs hat eine außerordentliche Vollversammlung einberufen, um zu den Angriffen des ausgeschlossenen Verteidigers Dr. Rode im Prozeß Weisz-Fuchs gegen den Chef der Staatsanwälte Hofvat Jmmendörfer Stellung.zu nehmen. BortrSge, Vereine, Versammlungen. Zionistische Jugend gruppe Leopolbst a d t. Für den nenbegonnenen hebräischen Kurs werden noch einige Anmeldungen, täglich von 7 bis 9 Uhr abends, im Heime, 2. Bez, ZirkuSgaffe 33, 1. Stock, entgegengenommen. — Wiener Beth-Hamtdrasch. 3. Bez., Ferdtnandstraße 23. 7 Uhr: Lektor Dr. S. Gelbhaus r „Historische Psalmen". * BLhnenvereinslotterie. Die Ziehung findet programmäßig am 7. Mai 1926 um 3 Uhr nachmittags rat Sitzungssaale des Bühnenvereins, 1. Bez., Dorotheergasse 6, statt. Der Bühnenvereiu hofft auf einen günstigen Absatz dieser Lose, wn so mehr als die Lotterie überreich mit Treffern ausgestatvet fft. Unter den Treffern befindet sich eine komplette Herrenkleideruuid Damenwäfcheausstattung im Werte von 1600 Schilling, wertvolle Kunstgegenstände, Radioapparate und dergleichen. Die restlichen Lose zu dem geringen Preise von nur 50 Groschen sind in Tabaktrafiken, ' Lottokollekturen. an den Theaterkassen, b-i den Billetteuren und im Bureau des Bühnenvereins erhältlich. Der Mädchen- und Frauenverein Krankenbesuch (Bckur Chaulim) veranstaltet in dieser Saison die letzte Wohltätiajkoitsjause mit Vorträgen Sonntag den 18. d. um 4 Uhr nachmittags im Festsaale des Hotel Continental, 2. Bez., Taborsttaße 2. Alle Mitglieder, Gönner und Freunde des Vereins werden im Hinblick auf 'den wohltätigen Zweck gebeten, zahlreich zu erscheinen. 8 Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie. Verkauf von Schiffs-, Eilenbahn- und Schlaswagenkarten für In- und Ausland, Flugscheine. Auskünfte über Hotels, fachmännische Veranstaltungen von Gesellschaft», und VereinSfahtten Geldwechsel. Bnreaustunden ununterbrochen von 9 bis 5 Uhr nachmittags (SamStag von 9 bis 2 Uhr), Wie», 1. Bez., Kärntnerfttaße 38. RabtoProgvMMn. Heute Donmrstaa den 15. April. 11 Uhr: BoLmittagAmM. -» 16 Uhr 15 Rtin.: RachmittagSkonzer:. Milwtrkend Relly Kögl. Strauß: Wo die Zitronen blüh'n Walzer. Bruch: ,Loreley", Vorspiel E F Pamer: Menuett. Hnmverdjnckr ^Hantel und Gretel". Strecker: Auf der Lahmgruben Trolchl: Pettus in Wien Hanleh: Wean ich komiw übers Jahr. — 17 Uhr 16 Min.: Märchen für Groß und Klein.' Gesprochen von Mara Menghiu und Annie Arden. — 18 Uhr 10 Min: (Uebertragnng an» dem großen Konzerthaussaale) r Orchesterkonzert des W euer SymphonieorchesterS unter Leitung von Prof Dirk Fock. ^Deutsche Musik von Bach bis Pfitzner". (Orchesterzyklns. 7. Abend.) Johannes Brahms - Akademisch: Festouvertüre. Hugo Wolf: Vorspiel und Intermezzo aus „$et Corregtdor". Anton Binckner: Symphonie Nr 7—21 Uhr 20 Mtn r Vorträge des Schrammelquartetts Willi. Sangerduett: Johann Stetdl und Rudolf Kauba. Keine Operuübertragnng am Freitag. Die Direktion de- Operntheaters teilt mit, daß die am Freitag im Operncheater stattstndende Bovstelümg ,I)as Mädchen ans dem goldenen Westen" durch das Radio nicht übertragen wird. Lnschrlfte« na die Redakttim fawN «averlangt tiiil«ag<»ft«n Wonwlhrlptc« »oUe man stets Rückporto beilege«, da sonst eine Leanlmortnng, beziehnnssweise RUcksendnng «Acht ersoigen im,