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Wiener Morgenzeitung · 1926-04-15 · Heft 2566 (15.4.1926) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2566 (15.4.1926)
Date
1926-04-15
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Serke 8 Men, DomreMag Kunst, Bühne, Buch. „Fräulein gosette — meine Snut/' M^ernes Theater. KamDa Weber verführt den Werner-Kahle. Gelt, em schönes Duo, die kinüttch-trotzige, naive, ausgelassene Weiblichkeit, die die plump-elegante, von verhaltener Energie strotzeivde, schwertalrbrige Männlichkeit um den süßen Leinen Finger wickelt? Die Lösung der uralten Frage: wie bringt man einen eingefleischten Junggesellen zum Altar, wird in diesem Lustspiel von Paul Gavault und Robert Charwey (deutsch von Max Schönau) auf eigenartige Weise versucht, todfei aber bis zum .Schluß nicht deutlich erkennbar ist, ob das Gange mit Absicht angestellt touÄe oder nur durch Zufall sich so ergibt. Das Letztere ist eher anzunehmen. Die flebzchneinhalbjähvvge Fosette muß aus testamenis- und vermögensrechtlichen Gründen vor Ablauf ihres achtzehnten Lenzes heiraten. Ihr Bräutigam, ein fader, reicher Engländer, ist aber gezwungen, für ein Jahr zu verreisen. Kurz entschlossen läuft Josette zu ihrem 42jährigen Paten und bringt den alten Junggesellen dazu, sie zum Schein zu heiraten. Der Vertrag wird geschlossen, der Engländer fährt beruhigt in die Welt; aus der Scheinehe wird langsam und unter derschieferMchen Begleitumständen eine richtige Liebesehe. Das Verdienst, die Sache so gedeichselt zu Hafen, liegt aber entschieden fei der Keinen Josette. Kanrilla Weber bringt mi: ihr frische, ungebundene Heiterkeit aus die Szene. Sie rührt, indem sie ergötzt. Werner-Kahle tritt sowohl in der Spielleitung als im Spiel hart auf; sein schwerer Schritt hat ober immer Grazie, Rhythmus, Anmut; der Kar im Smoking. Herr Dir. Ludwig Körner kann also nicht nur ein glänzender Detektiv, sondern auch ein famoser Cnglish-Gentleman sein. Sein langgezogenes Deutschradebrechen — ein Beitrag zur englischen Charakterkunde. Eugen Dum out ist der derbere Erreger der Lochmuskeln; verbraucht, schläfrig uno feig:. darüber amüsiert man sich gern und leicht. Daß Benno Smytl ein schicker junger Liebhaber ist, ist schon bekannt. Den besorgten Eltern Josettes verleihen Rudolf T e u b l e r und Lilly K a r o l y köstliche Masken und „würdige" Bewegungen. Heinrich I e n s e n beweist in zwei Rollen Charakterisierungskunst und Leo Er Hardt ist ein echter Diener aus einer französischen Komödie. Seiner Partnerin Fräulein Sandaner fehlt ein wenig Lebendigkeit. Zum erfolgreichen Abend trugen noch bei: Grete Pauly, Sonja Ambach, Ry Rrenzi und Jens Friedrich. ' l. 1h. Konzert Robert Pollak. Ein anregender Abend, vor allem dank der ausgezeichneten Programmüildung. Der temperamentvolle, Virtuose Geiger spielte mit reifem Vortrag drei chassidische Stimmungen ,^8aal schem" von Ernest B l o ch, der schon so oft — in seiner Rhapsodie „Sch> lomo", in seiner „treis poemes Juifs", in seinem Psalm 22 und in seiner Symphonie „Israel" — die Seele der jüdischen Musik gesucht hat. In seinen chasiidischen Stimmungen forscht er unentwegt erfolgreich weiter nach jüdischem Kunstwesen. Sie sind nicht nur in Material und Technik, in den übermäßigen und verminderten Intervallen und Akkorden und in der eigenwilligen Rhyth- .mik fremdartig, orientalisch, sondern vor allem im Ausdruck, etwa in der zitternden Unruhe der „Zerknirschung", im rhapsodisch Formfreien der Improvisation" und namentlich in der morgenländisch anmutenden Tanzweise, w.'lch« den ,Jubel" der „Simchas Thora" durchzieht, Geist vom Geiste des Judentums. — Noch eine zweite Novität brachte der Abend m dem Konzert für Klavier, Geige und Streichquartett von Ernest Chaufson, _Wiener Morgenzekkung_ einem vor einem DiertHahrhundert verstorbenen Franzosen, von dem bisher nur em von Hubermann oft gespieltes Vioiinpoem nach Wien gedrungen war. DaS Konzert evlveist die gediegene Technik des Cäsar-Fronck-Schülers, ermüdet jedoch durch seine übermäßige, in de: GleichförmiMt des kultivierten Klanges und des Passagenwerkes nicht gerade „Schubertisch himmlisch" anmutende Länge. Julia G o l d n e r - E l b o g e n, eine unserer festen und musikalischesten Pianistinnen, riß in dem letzten Werke die Führung an sich, gab die Einsätze und hielt das kleine Ensemble mit fester Hand zusammen, in welchem Lotte Hammerschlag sehr brav die erste Geige, Pavio I s r a h i, ein Schüler Pollaks ems Palästina, die Viola des begleitenden Streichquartetts spielte. flb. Abraham Reisen 50 Jahre alt. Einer der wertvollsten Mischen Lyriker und Erzähler, Abraham Reifen, feiert seinen 50. Geburtstag. Der Dichter, der gegenwärtig m New-Uovk lobt, ist durch seine volksliedhasten Dichtungen aus der jüdischen Gasse berühmt geworden und durch seine knappen, ergreifenden Skiz^n, welche das Mische Leben, vor allem das der armen Mischen Menschen, schildert. Er gehört zu den echtesten Dichterbegabungen der jüdischen Moderne und ist unter den Lyrikern jiddischer Zunge an erster Stell; zu nennen. Vor ungefähr 20 Jahren weilte Abraham Reisen — schon damals berühmt — in Wien und trug an den von Birnbaum und Buber veranstalteten jüdischen Abenden seine Lieder vor. Reisen war damals Gegenstand stürmischer Ovationen. In Amerika hat sich ein Komitee aus bekannten Schriftstellern und Gelchrten gebildet, um das Jubiläum des Dichters, der sich bescheiden zurückzieht, würdig zu begehen, Aus de« Theatern. Burgtheater. Morgen „Herodes und Mart a m n e" (Theatergemeinde Serie A, weiß-. Akademrerneaier. Morgen, iU8 Uhr, .Candida" (Abonnement V!. Grupve). Opernrveater. Morgen. 7 Uhr abends, „Das MädchenauSdemqoldenenWesten". V o l k 8 o p e1. Morgen zum ersten Male, neu einstudiert, „DieschöneGalathee". Als nächste Novität wird Ende dieses Monats die volnische Nationaloper „Hall a" von MoniuSzko aufgeführt werden. Jobann-Strauß-Theater. Montag findet die 8b. Aufführung der Leo Fallfchen Operette „Die spantscheNachtigall" statt. Ratmund-Theater. Heute zum letzten Male „Der fröhliche Weinberg" — Morgen, V,8 Uhr, Premiere der Operette „Ich Hab' dich l t e b - . .1" vou Leo Ascher, mit Louise K a r t o «s ch und Ernst Tautenh a y n in den Hauptrollen. Renaissaneebühue. Montag Erstaufführung des Lustspieles „Heimliche Brautfahrt" von Leo Lenz, mit Cbarlotte Anders G. Theater tn der Josefstadt. Morgen. 7j8 Uhr, Premiere des Lustspiels „Die gute» Freunde" von Sardou. Neues Wiener Stadttheater. D>e Exl- Bühne führt morgen, 7,8 Uhr abends, zum ersten Male die Neuheit „I u g e n d l i a b". Komödie vdn Richard Manz. auf. Die Aufführungen des Bruckner-StückeS „Der Musikant Gott e s" beginnen wieder Dienstag den 20. d. Neue-Wiener Bühne. Morgen zum ersten Male, neu inszeniert. „Die spauischeFltege", Schwank von Ludwig Arnold Auszeichnung eines Musikers. Der Bundespräsifent hat Herrn Anton Walter, dem bekannten Cellisten des Rose-Quartetts, den Titel eines Professors verliehen. ,^Der Aufbau", Oesterreichische Monatshefte für Siedlung und Städtebau, Heft 1. Die erste Folge Vieser bemerkenswerten neuen, reich illustrierten Fachzeitschrfft, welche einem wahrhaftigen __15. April 1926_Nr. 2666 Bedürfnis entgMnkommt, weist nachstchenben Inhalt auf: „Unser Wollen." — „Der Weg zur Gartenstadt" von Hans Kampfmayer. — „Bauwinterarfeit" von Martin Wagner. — ,Medanken über den Hausbau der Zukunft" von Franz Schuster. — „Wchmrngsbanten der Gen'/nde Wien. — Fvr'.iiprvbieme. — Zum Mieterschutz. Der Milchpantschervrozeb. Die Zustände in der Speisingcr Zentralmolkerei. Im Mlverfälschnn.qsprozeß beim Landesgericht 2 gegen den Inhaber der Speffinger Zentralmolferei Franz Hufnagel wurde das Verhör der Angeklagten am ersten Tage durchgeführt, am zweiten Tage der Lokalaugenschein vorgenommen und gestern mit dem Zeugenverhör begonnen. Die drei Angeklagten, Markbreiter, Bartel und L a ch n i t, waren des Tatsächlichen geständig, sie festritten jedoch die Schädigungsabsicht. Hufnagel erklärte, von den Vorgängen in seinem Betriebe keine Ahnung gehabt zu Hafen. Er habe sich darum auch nicht kümmern können. — Staatsanwalt Dr. Fickeis bezeichnete diese Verantwortung als höchst unglaubwürdig. — Vorsitzender Oberlandesgerichtsrat UhImann verlas sodann eine Zeugenaussage, aus der hervorgcht, daß in der Speisinger Zeirtrulmolkerei täglich ungefähr 2000 Liter Magermilch Mummen und nach dem vom Chemiker Lachnit vorgeschlagenen Aufs et tungsv er fahren behandelt worden seien. ' Der 21jährige Mechanikergehilfe Josef Mühl au er wollte sich der Zeugenaussage entschlagen, weil er flirchtet, entlassen zu werden. — Angeklagter Hufnagel: Ich erkläre, fetz er wicht entlassen wird, wenn er auch noch so belastend aussag:. — Zeuge (zögernd): Ich bitte, mich doch davon zu befreien, denn ich habe Angst, Postenlos und wohnungslos zu werden. Nach kurzer Beratung verkündete der Vorsitzende den Gerichtsbeschluß, daß Mühlauer sich nicht zur Gänze der Aussage entschlagen dürfe, es bleibe ihn: aber unbenommen, einzeln; Fragen, die ihn in einen Konflikt mit seinem Dienstverhältnis bringen, nicht zu beantworten. Der Zeuge Mühlauer gibt dann an, nach seiner Wahrnehmung seien täglich ungefähr 2000 Liter Magermilch erzeugt worden. Von der künstlichen Auffettung mit Rindstalg wisse er nichts, er habe nur gesehen, daß die Homogenisierungsmaschine täglich gewusen se-. Sie wurde vom Chemiker Lachnit bedient. Nach Einvernahme einiger weiterer Zeugen wurde die Verhandlung aus heute vertagt. 8 144. Vor einem Schösfensena: des Landesgerichtes 2 unter dem Vorsitz des Oberlandesgerichtsrates Wilhelm Hafen sich gestern sieben junge Frauen aus der Provinz wegen Verbrechens gegen das keimende Leben nach § 144 St.-G. zu verantworten, und zwar die 59jährige ehemalige Hebamme Marie Mechelba und drei Männer, Gatten einiger der angeklagten Frauen, wegen Mitschuld. Nach Darstellung der Anklageschrift hat Matte Mechelda den Verkauf von F r a ue n s ch u tz m i t t eln angcpriefen. Daraufhin kamen viele Frauen aus der Provinz zu ihr, und sie führte sie zu Aerzte n, die an ihnen, verpönte Eingriffe Vornahmen. Die Aerzte konnten nicht eruiert werden, denn die ortsfremden Patientinnen hatten sich nicht die Wohnungen qemerkt und die Hebamme Mechelda erklärte, sich überhaupt an die Besuche nicht erinnern zu können, da sie infolge eines Schlaaanfalles an Gedächtnisschwäche leide. Zunächst wurde die angeklagte Hebamme, die von Dr. Preßburger verteidigt ist, einvernommen. Sie ist wegen desselben Delikts bereits zweimal mit acht und sechs Monaten schwerenKerkers vorbestraft. Sie erklärt sich nichtschuldig, gibt aber auf eindringliches Befragen des Vorsitzenden die Möglichkeit zu, einer oder der anderen Klientin angeraten zu haben, ärztliche Hilf, in Anspruch zu nehmen. Welche Aerzte die Frauen dann aufgesuch: haben, wisse sie nicht. Die übrigen Angeklagten sind geständig. Nach Einvernahme einiger Zeugen wurde 'bie Verhandlung auf heute vertagt. Winter. w Novelle von I. Z. Unojchl. (Aus dem Jüdischen von P. Haller.) ,Herr fes Lebens, zeig' mir dein wahres Angesicht! Finster ift es ringsum. Licht, Licht, Licht!" Nachts, wenn Mim mich verläßt, gehe ich hinaus auf die Gasse. Das Städtchen schläft. Stille und Winter ringsum. Ich gehe allein umher. Oh, es ist schon lange Winter. Schon lange, lange, daß alles das dich umgibt, so ruhig und eingefroren ist. Ein Schrecken. So war es, so ist es jetzt, so wird es immer sein. Frost hüllt meine Seele ein. Die Gedanken lassen dich nicht los: Gvigkeit, was ist das? Ist es ewige Wiederkehr, ewige Wiederholung dessen, was war? Was jetzt ist, war einst schon. Dasselbe Städtchen, Ghana, Goa, Burstin, Mira, Krön. Schon gewesen. Und das was jetzt ist, wird einen bestimmten Punkt erreichen. Was geschaffen ist, wird wüst und leer werden. Die Menschen werden wieder erzählen: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer . . . und so weiter. Und dann geht es wieder bis zu Ehana, Eva, Burstin, Mira, Krön . . . Und so weiter, so weiter. Ewig, ewig... Ein Schrecken! Herr des Lebens, zeig' dein wahres Angesicht! Finster ist «s. Licht, Licht, Acht! Ghana fragt immer: ,Herr Krön, was ist mit Ihnen? Sie schlafen nicht, Sie essen nicht. Was ist mit Ihnen?" Eines Mittags kam Goa. Sei war schon lange nicht mehr Lei mir. Sie hatte diesmal eine neue Frisur. Das Haar gleichmäßig nach oben gekämmt, rückwärts zu einem Zopf geflochten. Wie bei Mira ... Sie trat unruhig herein, ihr Gesicht war bleich. In den mütterlich-gütigen Anger: lag Schrecken. Traurig fragte sie: ,Fron, was ist mit Ihnen? Ich habe Sie heut' vom Fenster aus gesehen. Ich habe Sie kaum erkannt." ,Marum?" ,Ihr Gesicht ist mager geworden." .Ä-r- „Sie sehen schrecklich aus. Was ist mit Ihnen?" Ich bat: „Fragen Sie nicht ..." Sie umfaßte meinen Kopf, küßte mich lange und innig auf die Stirne. „Man darf nicht so . . . Goa", bat ich. ,Ich weiß . . . man darf nicht so . . . ich weiße es . « . Aber was ist mit Ihnen, Krön?" . Ihre Augen wurden feucht. Sie verließ rasch das Zimmer.. Ich blickte dann lange aus mein Bild. Ja. Wie unruhig meine Augen sind. Mira ist foa. Sie setzte sich zu mir. Sie nimmt meine Hand in ihre beiden Hände. Sie schweigt eine Weile. Sie fragt: „Krön, mein Herrlicher, was ist mit dir? Wo ist deine Ruhe hin?" Ich frage: „Mira, Mira, wo ist deine Unrulhe hin?" Mira sieht mir in die Augen. Sie bittet: ,Ich will nicht, ich will nicht, daß du so bist." Tränen zeigen sich in ihren Augen. Meine Unruhe erschreckt sie. Mich auch. „Herr des Lebens, zeig' mir dein wahres Angesicht! .. . 10. Ich will vom Städtchen fortfahren. Mra imt mir. Wohin? Wieder m die Welt. Wieder ins Ausland, toiefei in die Städte. Ich fühle mich in der Welt so fremd. Immer mich fremd gefühlt. Bei Fremden und unter Fremden. Das Verhältnis Saras zu mir ist seltsam. Diese ruhige Frau ist aus dem Geleise geraten. Wenn ich zu Burstin komme, behandelt sie mich zeitweise so lieb wie ihr eigenes Kind, aber es kommt vor, daß sie mich manchmal mit bitterem Verdruß anfieht. Sie ist dann auf mich böse und bittet mich gleichzeitig um etwas. Sie sicht mich, sie sicht Burstin an. Ich "sehe, daß «s sie verdrießt, daß Burstin, wie immer, st ruhig, sicher, mit dem Lächeln ans dem Gesicht dasitzt. Einmal kam sie in meine Wchnung am Tag. «Gekommen", sagt sie, ,§rm zu sehen, wie Sie wohnen." Meine Wohnung gefallt ihr. Oe findet, daß man im SKlaMmer & Fensstr Wietzen mutz. Es itz st Winter. Sie sah mich an, betrachtete mich. Und ein bitterer, verdrießlicher Gedanke ü'ferlief ihr Gesicht. Sie wurde tramig. Sie ging bald wieder fort. Ich glaube, Sara trägt sich seit langem mit dem Gedanken, mich auszufragen. Ich bin bereit. Fragt sie, toerde ich offen, ohne Umschtveise antworten. Im Städtchen ist es ruhig. Der Winter ist kalt. Auf der Gasse sieht man nur die Menschen in die Schul gehen und aus der Schul kommen. Dann ist es wieder still und leer auf der Gasse. Jerachmiels Schlitten und Pferd kommen aus dem offenen Hof. Jerachmiel setzt sich in den Schlitten. Er wartet eine Weile. Rachel Lea bringt ihm aus dem Hause die Peitsche, geht zum Schlitten hin, gibt sie ihm. Jerachnriel nimmt die Peitsche und fahrt ins Dorf. Stille. Stille aus der Gasse. Stille im Städtchen. Ins Städtchen ist ein Maggid gekommen. Eilt alter, kleiner Jude mit vollem, grauem Bart, großen Augen, vollen Lippen, hoher, alter, ernster Stirn. Sein Winterkäppchen ist nach hinten gerückt. Er hat am Morgen nach dem Beter: in der Schul gesprochen. Ich sah: man kam aus der Schul sehr emst, nachdenklich. Chana erzählte: „©in Maggid hat heute in der Schul gesprochen. Ein grrter Maggid. Jedem gefällt er." Ich frage: , ,Mas hat er gesagt?" Sie dachte, traurig geworden, nach: ,Besagt, daß man fromm und ehrlich sein müsse. Man muß jeden Tag Maschiach erwarten. Ein guter Maggid. Er hat gesprochen und geweint. Stille im Städtchen. Vorafeüds sehe ich dann und wann durchs Fenster. Menasche und Bejle gehen. Sie spazieren beide in der Gaffe. Menasche duckt sich An wenig. Eine Hand ist m die aridere gelegt. Ihm ist labt. Auf Bejles Lippen ruht ein kranchafles Lächeln. Beide schweigen. Stille im Städtchen. Und der Winter ist hart. Ein Gebet entreißt sich meiner Seele: des Lebens, zeig' mir dein wahres Angesicht! * * .* (Fortsetzung folgt.)

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